Das Kantonale Labor hat Badi-Restaurants auf ihre Gesundheits-Hygiene kontrolliert. Die Resultate und vor allem die Einschätzung durch das Kantonale Labor verblüffen. Bild: Kantonales Labor Zürich/Mirjam Widmer
Beni Frenkel
In fünf Zürcher Badis war das getestete Essen so schlimm, dass das Kantonale Labor schreiben muss: „für den menschlichen Konsum nicht geeignet“. Welche Betriebe das sind, bleibt aber ein Geheimnis. Dass nur 79 Prozent der genommenen Proben den rechtlichen Anforderungen entsprechen, ist für das Kontrollorgan kein Grund zur Sorge.
Vergangenes Jahr wurden die Badi-Küchen untersucht. Also jene saisonalen Gastrobetriebe, die es in jeder Sommer-Badi hat. Vom Hero-Büchsensalat bis zur ausgeklügelten Pasta-Delikatesse, vom Frisco-Glace bis zur hausgemachten Mare di Nutella ist alles zu finden.
Saucen & Co. im Visier
Wähen, Salate, vorgegartes Fleisch, Saucen und Dips wurden kontrolliert, heisst es auf Anfrage von Rathuus. Ausserdem auch Pasta, Reis und Kartoffeln.
Von den genommenen 110 Proben fanden die Kontrolleurinnen und Kontrolleure bei fünf Proben sehr hohe Richtwertüberschreitungen: „Die stark belasteten Lebensmittel waren für den menschlichen Konsum nicht mehr geeignet“, so das Amt, das zur Gesundheitsdirektion gehört. Bei zusätzlichen 18 Proben musste die „Nichteinhaltung der guten Verfahrenspraxis“ beanstandet werden. Übersetzt in die Alltagssprache bedeutet dies „zu lange Lagerung, zu hohe Lagertemperaturen und hygienische Fehler beim Umgang mit den Speisen“. Definitiv keine Bagatellen, eher etwas, das Bauchschmerzen oder Schlimmeres verursachen kann.
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Jede fünfte Probe fiel durch
Fazit der Stichproben durch das Kantonale Labor: Jede fünfte Probe musste entweder beanstandet werden, oder sie war für den menschlichen Konsum sogar nicht geeignet.
Trotzdem schreibt das Kantonale Labor, dass die kontrollierten Lebensmittel in den Badis „in guter mikrobiologischer Qualität“ gewesen seien.
Man fragt sich, in welcher Welt die Kontrolleurinnen und Kontrolleure leben.
Vor allem: Welche Schmuddel-Badi-Kantinen stellen Salate und Fleischgerichte her, die Menschen nicht essen dürfen? Das werde nicht verraten: „Dies verbietet uns die Lebensmittelgesetzgebung (Schweigepflicht)“, so die Antwort des Kantonalen Labors.
Eine Badi war so schlimm, dass sie auch die Nachkontrolle nicht bestand. Die verantwortliche Person sei dazu verpflichtet worden, „bis zum Beginn der Saison 2025 eine Hygieneschulung des gesamten Küchenpersonals durch ein privates Labor zu organisieren“, schreibt der Kantonschemiker Martin Brunner gegenüber Rathuus.
Der (nicht ganz ernst gemeinte) Rathuus-Sommertipp
Wer nun durch die Resultate der Laboruntersuchungen aufgeschreckt sein sollte, für den haben wir den Rathuus-Tipp parat: Man kann immer noch daheim etwas vorkochen und dann in der Badi essen. Das ist vermutlich günstiger – und in manchen Badis vielleicht sogar gesünder.
Hedi Lang, hier in einer Aufnahme von 1987, wurde als eine der ersten Frauen in den Nationalrat gewählt. Die Sozialdemokratin war die erste Frau im Zürcher Regierungsrat. "Hedi national" starb 2004 nach langer Krankheit im Alter von 72 Jahren. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_C20-021-004-002-002
Pascal Turin
Erst 1971 traten die ersten Frauen in der Schweiz als Bundespolitikerinnen ihr Amt an. Ein neues Buch der Historikerin Fabienne Amlinger blickt zurück und gibt Schweizer Polit-Pionierinnen eine Stimme – darunter auch solchen aus dem Kanton Zürich.
Der grosse Tag ist endlich da. Hedi Lang nimmt einen tiefen Atemzug. Sie denkt an ihren Ehemann, einen früheren Nationalrat. Die Wetziker Sozialdemokratin soll sich damit beruhigt haben, dass sie wisse, „wie das da oben in Bern zugeht“. Der späteren Regierungsrätin wird im Laufe ihrer Karriere sogar der Spitzname „Hedi national“ verliehen – so beliebt ist sie im Volk.
Die Männerrunde kann die Stadtzürcherin Martha Ribi hingegen nicht mehr gross beeindrucken. Sie hat als FDP-Kantonsrätin gelernt, sich als einzige Frau in Männergremien durchzusetzen. Aber sie kann das ungeschriebene Gesetz, dass man sich in der ersten Session nicht zu Wort meldet, nicht in Einklang bringen mit den Erwartungen der Wählerinnen. „Die brennen darauf, uns in Bern oben zu hören, von uns zu lesen und uns am Bildschirm zu sehen.“
Am 7. Februar 1971 sagten die Schweizer Männer endlich Ja zum Stimm- und Wahlrecht für Frauen. Damit bahnte sich eine Zeitenwende an. Denn nun stand den Frauen das Bundeshaus offen – zumindest theoretisch, wenn sie von Parteien aufgestellt und von den Wahlberechtigten gewählt wurden. Hedi Lang und Martha Ribi hatten den Sprung nach Bern geschafft.
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Frauen in den Mittelpunkt stellen
Auch eine andere Stadtzürcherin, nämlich Lilian Uchtenhagen von der SP, betrat am 29. November 1971 den Nationalratssaal. Von den Frauen im Parlament erwartete sie einiges, wie im kürzlich erschienenen Buch „Unerhört. Die ersten Politikerinnen im Bundeshaus“ zu lesen ist. Uchtenhagen ging es „um einen besonderen Stil, der Frauen auszeichnen sollte, eine Solidarität gegenüber den Menschen allgemein und den Frauen im Besonderen“. Die Sozialdemokratin hätte 1983 als Nachfolgerin von Willi Ritschard sogar als erste Frau in den Bundesrat gewählt werden können – wäre sie nicht von der bürgerlichen (männlichen) Mehrheit ausgebremst worden.
Die Historikerin Fabienne Amlinger hat ein Buch geschrieben, das man als Politik-Nerd nicht aus der Hand legen kann. Nein, nicht weil es ein packender Thriller über Intrigen im Weissen Haus wäre. „Unerhört“ rückt die Schweizer Polit-Pionierinnen und die ihnen nachfolgenden Politikerinnen ins Zentrum. Man kann Amlingers Werk nicht aus der Hand legen, weil einem (peinlich) bewusst wird, wie wenig man eigentlich über die ersten Frauen in der Schweizer Bundespolitik weiss.
„Unerhört“ enthält verschriftlichte Gespräche mit den ehemaligen Nationalrätinnen Lili Nabholz (FDP), Gabrielle Nanchen (SP), Monika Stocker (Grüne), Rosmarie Zapfl (CVP – heute Die Mitte) und Elisabeth Zölch (zuerst SVP, dann BDP). Die Politikerinnen vermitteln ihre ganz persönlichen Erinnerungen an ihre Zeit in Bundesbern.
So auch Lili Nabholz, die zwischen 1987 und 2003 im Nationalrat sass. Sie erinnert sich zurück an ihren ersten Tag im Bundeshaus: „Als ich durch die Pforte trat und an den drei Eidgenossen vorbei die grosse Treppe hinaufstieg, war das einerseits ein erhabener Moment“, sagt die Freisinnige. Andererseits sei dieser Ort für sie Terra incognita gewesen. Sie habe mangels Erfahrung in einem städtischen oder kantonalen Parlament keine Ahnung gehabt, wie der Ratsbetrieb funktioniere.
„Bald merkte ich, dass es viele ungeschriebene Regeln gab. So war es verpönt, dass die Neuen im Rat in der ersten Session etwas sagten“, erinnert sich die Zürcherin. Allerdings stand eine Motion zur getrennten Besteuerung von Ehegatten zur Diskussion – und Nabholz trat ans Rednerpult. Anschliessend sei das Geraune losgegangen. „Denn erstens teilten die Mitglieder meiner Fraktion meinen Standpunkt nicht, und zweitens galt es als ungehörig, in der ersten Session ein Votum abzugeben.“
In der gleichen Phase kam die spätere Zürcher Stadträtin Monika Stocker nach Bundesbern. Sie war von 1987 bis 1991 Mitglied des Nationalrats. „Zu meiner Zeit sassen nur wenige Frauen im Parlament. Im Nationalratssaal sahst du einfach ein graues Heer von Männern und ein paar Farbtupfer: die Frauen“, so die Politikerin der Grünen. Das habe sie schon ein bisschen „hässig“ gemacht. „Es kam mir auch so lähmend vor. Zudem merkte ich rasch, dass es da nicht nur um Politik ging“, erinnert sich Stocker. „Diese Männerbünde gingen weit darüber hinaus.“
In fünf Essays eröffnet die Historikerin Fabienne Amlinger in ihrem Buch neue Perspektiven auf das Ende der Männerdemokratie und die ersten Politikerinnen im Bundeshaus. Bild: Lisa Maria Brand, Einbrandfoto
Noch immer keine Selbstverständlichkeit
Die Politikerinnen brachten definitiv frischen Wind nach Bundesbern. Das wird einem bei der Lektüre des Buchs klar. Oder wie es Amlinger, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin am Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern arbeitet, formuliert: „Überraschend ist das nicht, kann doch angenommen werden, dass eine junge Mutter, eine Witwe oder eine sich um kranke Angehörige kümmernde Berufstätige andere Lebensrealitäten und andere Perspektiven einnimmt als ein Ratskollege in meist gereiftem Alter und mit einer Ehefrau an der Seite, die für sein Wohl sorgt.“
Doch heute ist alles anders. Im Jahr 2025 sind Frauen in der Politik normal, sie haben sich in der ehemalig reinen Männerwelt etabliert. Oder trügt dieser Eindruck?
Wir wollen bei der Wissenschafterin Fabienne Amlinger nachfragen und erreichen sie am Telefon. Nach einem kurzen, freundlichen Austausch kommt sie zur Sache: „Auf Kantons- und Gemeindeebene gibt es Regierungen ohne Frauen, die also frauenlos sind“, sagt Amlinger. Selbst auf höchster Ebene, beim Bundesrat, zeige sich, dass Frauen in der Exekutive keine Selbstverständlichkeit seien. Die Forscherin erinnert an die Diskussionen und mediale Aufregung, als 2010 zum ersten Mal vier Frauen in der siebenköpfigen Landesregierung sassen. „Heute sind es gerade mal wieder zwei Frauen.“
Es stellt sich die Frage, an was das liegt. Viele Politiker (und manche Politikerinnen) romantisieren die sogenannte Ochsentour. Nur wer sich in der Partei verdient gemacht hat, darf sich Hoffnung auf höhere Weihen machen.
Aus Amlingers Sicht braucht es ein Umdenken bei den Parteien. Das fängt damit an, wann Sitzungen stattfinden, wie Neumitglieder gewonnen oder die Wahllisten gestaltet werden. „Frauen übernehmen immer noch einen deutlich grösseren Teil der Care-Arbeit. Wenn Sitzungen immer sehr lange dauern und abends stattfinden, wird es für sie schwierig, daran teilzunehmen“, gibt Amlinger zu bedenken. Der Ochsentour will sie nicht zu viel Gewicht beimessen. In der Politik gehe es um Macht – und die werde nicht gern geteilt – ganz unabhängig davon, ob jemand mühevoll die Karriereleiter aufgestiegen oder ein Quereinsteiger sei.
Das Ende der Männerdemokratie
„Es mangelt oft am Willen der Parteien, Frauen auf aussichtsreiche Listenplätze zu setzen.“ Amlinger erwähnt die überparteiliche Bewegung „Helvetia ruft!“. Deren Ziel ist es, möglichst viele Frauen auf die Kandidierendenlisten für die eidgenössischen Wahlen zu bringen. Positivbeispiele sind aus ihrer Sicht die links-grünen Parteien, die explizit Wert auf die Frauenförderung in der Politik legen. Luft nach oben haben wenig überraschend die bürgerlichen Parteien. „Die nationale Frauenorganisation der SVP ist von der Partei aufgelöst worden. Die Parteileitung sah keine Notwendigkeit für eine solche Gruppe. Das sagt schon alles“, so die Historikerin.
In fünf Essays eröffnet Fabienne Amlinger neue Perspektiven auf das Ende der Männerdemokratie und die ersten Politikerinnen im Bundeshaus. „Unerhört“ kann darum Ansporn für junge Frauen sein, eine Politkarriere einzuschlagen. Ein erstes Interesse scheint geweckt. Zumindest wenn man die Buchvernissagen im Karl der Grosse in der Zürcher Altstadt und in der Dampfzentrale Bern zum Massstab nimmt. Laut Amlinger sassen auch junge Menschen im Publikum, darunter Jugendliche, die noch gar nicht wählen dürfen. Das freute sie besonders.
Fabienne Amlinger: Unerhört. Die ersten Politikerinnen im Bundeshaus, 2025, 240 Seiten, Hier und Jetzt, Verlag für Kultur und Geschichte, Zürich.
Sie will für die EVP in den Stadtrat von Zürich: Sandra Gallizzi. Bild: zvg
Lorenz Steinmann
Sandra Gallizzi ist Gemeinderätin in Zürich und will Stadträtin werden. Sie wäre die erste EVP-Vertretung seit Ruedi Aeschbacher. Gallizzi hat frisch von der Leber weg unseren Rathuus-Fragebogen ausgefüllt. Sie erklärt, warum sie Katharina von Zimmern bewundert und weshalb sie in Zürich nur sehr selten auswärts essen geht.
Sandra Gallizzi, wie wurden Sie politisiert? Dies war ein längerer Prozess. Über die Jahre hinweg hatte ich mich immer wieder über Entscheide aus der Politik oder Abstimmungsresultate geärgert. Als Resultat davon musste ich mir dann immer wieder anhören, ich solle in die Politik gehen und etwas ändern. Was ich dann auch tat. Nach dem Motto „nicht nur die Faust im Sack machen und reklamieren, sondern sich selber engagieren, um etwas bewegen zu können“.
Was wollten Sie als Kind werden? Verschiedenes, mit etwa sieben Jahren wollte ich Masseurin werden, später wollte ich auf die Post, weil ich von unserem Postbeamten in meinem Heimatort beeindruckt war. Sein Stempel, den er bei den Einzahlungen auf jeden Abschnitt „schmetterte“, gefiel mir so sehr. Als Teenagerin wäre ich auch noch gerne Sängerin geworden, da ich sehr gerne singe und im Zeugnis immer eine 6 hatte in diesem Fach.
„In der Stadtzürcher Politik beschäftigt mich natürlich die Wohnungsnot, die finanziellen Belastungen der Familien und des Mittelstandes.“
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Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten? Die vielen weltweiten Konflikte, diese vielen unsinnigen Kriege und damit verbunden die unzähligen Toten, Verletzten, Traumatisierten, Vertriebenen, Hungernden …
In der Stadtzürcher Politik ist es natürlich die Wohnungsnot, die finanziellen Belastungen der Familien und des Mittelstandes. Zudem finde ich es bedenklich, dass wir es nicht fertig bringen, gemeinsam Lösungen zu finden. Denn es geht nur gemeinsam!
Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste? Ich war und bin meiner Partei treu! Wenn es nach meinem Vater ginge, dann wäre ich bei der SVP. Er ist Landwirt und daher natürlich ein Anhänger der SVP. Er findet, ich hätte dort wesentlich bessere politische Aufstiegschancen. Bei ihm zu Hause liegt auch regelmässig die Zeitschrift „Klartext“ herum. Natürlich habe ich auch schon darin geblättert, warum auch nicht. Ich kann andere Ansichten stehen lassen und respektieren. Es entstehen zwischen uns auch immer wieder interessante Diskussionen. Allerdings sind wir selten derselben Meinung.
Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt? Ja. Für die Initiativen „Ja zu fairen AHV-Renten auch für Ehepaare“ und „Ja zu fairen Bundessteuern auch für Ehepaare“. Die EVP konnte mehr als zehn Prozent der benötigten Unterschriften zum Zustandekommen der beiden Volksbegehren beitragen. Leider wurden diese Bemühungen kaum irgendwo erwähnt. Sehr schade!
Welche Staatsmänner halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch? Nelson Mandela, Lech Wałęsa und Michail Sergejewitsch Gorbatschow.
„Mit Bundesrat Albert Rösti würde ich gerne mal was trinken gehen. Als Person finde ich ihn sehr sympathisch. Für mich sieht er aus wie ein Lausbub, der es faustdick hinter den Ohren hat.“
Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken? Mit Bundesrat Albert Rösti. Als Person finde ich ihn sehr sympathisch. Für mich sieht er aus wie ein Lausbub, der es faustdick hinter den Ohren hat.
Was ist Ihr Lieblingsrestaurant in der Stadt oder im Kanton Zürich? Die Restaurants in der Stadt sind zu teuer. Im Kanton kenne ich ein paar, die ich sehr mag und ab und zu, wenn ich meinen Vater im Thurgau besuche, mit ihm hingehe. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt meiner Meinung da auch. Das sind aber meine Geheimtipps und werden nicht verraten. Nur soviel sei gesagt, sie sind im „Züri Wyland“.
Kaufen Sie das „Surprise“ und lesen Sie es auch? Ich kaufe es gelegentlich, und dann lese ich es auch.
Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht? Meinen Kleiderschrank aussortiert. Das schiebe ich erfolgreich vor mir her … (lacht.)
Wer ist für Sie der oder die bedeutendste Zürcherin? Katharina von Zimmern, die letzte Äbtissin des Fraumünsterklosters. Sie war eine bemerkenswerte Frau und hat mit ihrem Wirken und mit ihren ausserordentlich mutigen Entscheidungen viel für unsere Stadt Zürich getan und viel „Ungemach“ verhindert. Ich bewundere sie sehr.
Sex ohne Liebe, was halten Sie davon? Ich persönlich halte nichts davon. Es gibt Menschen, die sehen das anders, das respektiere ich.
Was war Ihr grösster politischer Erfolg? Ich konnte in meiner bisherigen Zeit im Gemeinderat schon einige Postulate mit einreichen. Jedes Mal, wenn diese im Gemeinderat behandelt und überwiesen werden an den Stadtrat, also nicht abgelehnt werden von den anderen Parteien, ist dies ein Erfolg. Darüber freue ich mich sehr.
Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas? Da kommt mir nichts in den Sinn. Ich würde sagen, der blieb mir bisher erspart.
Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard? Da ich erst seit April 2023 im Gemeinderat bin, hatte ich bisher leider nicht die Ehre, im alten Rathaus zu sitzen. Ich habe von verschiedener Seite gehört, dass die Platzverhältnisse dort leider sehr beengend seien.
„Ich finde, die Bullingerkirche wurde sehr gelungen umgenutzt. Daher würde ich es bevorzugen, dort zu bleiben. Für mich macht es Sinn. Schliesslich wurde auch bereits viel Geld investiert ins Rathaus Hard.“
Es gefällt mir im Rathaus Hard sehr gut. Es hat überall viel Platz, bietet alles, was man braucht, und der Ort ist gut erreichbar. Ich finde, die Bullingerkirche wurde sehr gelungen umgenutzt. Daher würde ich es bevorzugen, dortzubleiben. Für mich macht es Sinn. Schliesslich wurde auch bereits viel Geld investiert.
Portobello-Burger oder Poulet-Kebab? Weder noch.
Taylor Swift oder Beatrice Egli? Beides eher nicht.
Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy? Das wechselt ständig. Es sind verschiedene schöne Landschaftsbilder aus aller Welt.
Worauf freuen Sie sich? Auf das neue Amtsjahr. Und auf die Wahlen im März 2026, auch wenn es nun zuerst einmal ein herausforderndes, arbeitsintensives Vorbereitungsjahr werden wird.
Und ganz persönlich freute ich mich ausserordentlich auf die Hochzeit meiner Tochter, die Mitte Mai stattgefunden hat.
Und worüber können Sie lachen? Eigentlich über vieles … Ich lache sehr gerne, es tut gut und ist gesund. Ich lache zum Beispiel gerne über gute Witze (manchmal bis mir die Tränen kommen), über meine drei Kater und gelegentlich auch über mich selber.
Sandra Gallizzi ist 53 Jahre alt und selbstständige diplomierte Fusspflegerin. Zuvor war Gallizzi über 20 Jahre im Gesundheitswesen tätig. 2023 wurde Gallizzi für die EVP in den Stadtzürcher Gemeinderat gewählt. Dort ist sie Mitglied der Sachkommission Sicherheit/Verkehr und stellvertretendes Mitglied der Geschäftsleitung. Auch ist Gallizzi seit zwei Jahren Mitglied der Geschäftsleitung der kantonalen EVP. Seit 2024 führt sie das Präsidium der EVP Stadt Zürich zusammen mit Claudia Rabelbauer. Im März 2026 kandidiert sie für den Stadtrat von Zürich.
Letzter EVP-Vertreter im Stadtrat war von 1978 bis 1994 Ruedi Aeschbacher. Er ging als „Schwellenruedi“ in die Geschichte ein, weil er schon damals Verkehrsberuhigungsmassnahmen auf Quartierstrassen einführte.
Die vier Kilometer lange Strecke soll dereinst von der Haltestelle Brunnenhof (vorher Radiostudio) entlang der Wehntalerstrasse bis Holzerhurd führen. Visualisierung: zvg/VBZ
Pascal Turin
Die Rathuus-Gründer Lorenz Steinmann und Pascal Turin fahren sehr gern Tram. Nur mit dem geplanten Tram Affoltern werden sie nicht richtig warm, weshalb sie dem Stadtzürcher ÖV-Projekt die achte Folge ihres Podcasts widmen. Zudem schwelgen die Podcaster in Ferienerinnerungen.
Die achte Folge des Rathuus-Podcasts beginnt mit einem kurzen Rückblick auf unseren Besuch im Rathaus Hard. Dort haben wir (Lorenz Steinmann und Pascal Turin) Werbung für Rathuus gemacht und vielen Politikerinnen und Politikern die Hand geschüttelt.
Danach gehen wir zum Hauptthema dieser Folge über – dem Tram Affoltern. Das Quartier im Stadtzürcher Norden soll mit einer vier Kilometer langen Tramlinie entlang der Wehntalerstrasse zwischen Brunnenhof und Holzerhurd mit dem Stadtzentrum verbunden werden. Doch das millionenteure Prestigeprojekt steht auf der Kippe. Wir erklären, warum und schauen in die Glaskugel.
Zum Abschluss folgt die locker-leichte Rubrik “Unsere Lieblings-…” – dieses Mal geht es um Ferienerinnerungen. Während Pascal von seiner Reise nach Kanada schwärmt, erinnert sich Lorenz zurück an seine Tour durch die Sowjetunion.
Wenn Künstliche Intelligenz den Kanton Zürich zeichnet: ohne Gesichter, aber mit Heissluftballon. Bild: Generiert mit DALL-E von OpenAI
Pascal Turin
Der Kanton Zürich bietet in puncto Freizeitbeschäftigungen viel Abwechslung. Doch manchmal gehen einem trotzdem die Ideen aus. Dann ist Inspiration gefragt und diese haben wir uns bei Kantonsrätinnen und Kantonsräten geholt.
Wie wäre es mit einem Ausflug ins Technorama, mit einer Wanderung vom Uetliberg zur Felsenegg oder einer Schifffahrt auf dem Zürichsee? Klar, diese Ideen können dich nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Zudem kennst du schon alle Bilder im Kunsthaus und alle Tiere im Zoo auswendig. Doch wir bieten Hand zur Rettung – also eigentlich tun dies zwölf Kantonsrätinnen und Kantonsräte. Wir haben sie um Ausflugs- beziehungsweise Kulturtipps aus den Bezirken, in denen sie wohnen, gebeten. Berücksichtigt wurden die im Kantonsparlament vertretenen Parteien.
Wir wollten wissen, welchen Ort, welches Museum und so weiter man unbedingt mal besucht haben muss. Ausserdem haben wir gefragt, ob es ein kulturelles Angebot gibt, dass die Politikerinnen und Politiker in ihrem Bezirk vermissen und was sie in ihrer Freizeit am liebsten tun.
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Affoltern
„Absolut grossartig“ findet Tamara Fakhreddine von der FDP einen Besuch am Hedinger Weiher. „Egal ob an einem sonnigen Frühlings-, Sommer- oder auch Herbstabend mit einem Schwumm und anschliessendem Glacé oder am Morgen früh, das ganze Jahr über, für einen erfrischenden Start in den Tag.“ Ein fixes Kino gebe es im Knonaueramt zwar nicht, aber immer wieder Kinoabende.
In ihrer Freizeit ist die Kantonsrätin aus Bonstetten am allerliebsten draussen in der Natur, in Bewegung oder am Entdecken, Ausprobieren und Lernen von Neuem. Tamara Fakhreddine: „Dafür lasse ich mich ganz vielseitig inspirieren.“
Andelfingen
Die SP-Kantonsrätin Sibylle Jüttner erklärt, dass im Bezirk Andelfingen ein längerer Spaziergang in den Thurauen und ein Besuch der Klosterinsel in Rheinau zum absoluten „must“ gehören.
„Unser Bezirk bietet viele kleinere kulturelle Angebote und es hat für alle etwas dabei“, sagt Jüttner. Es gebe Laientheater, Sportveranstaltungen und jedes Jahr gleich hinter ihrem Haus auf dem Andelfinger Müliberg ein Open-Air-Kino. Aus ihrer Sicht wäre es schön, wenn das Theater Kanton Zürich häufiger in ländlichen Regionen auftreten würde.
In ihrer Freizeit bewegt sich Sibylle Jüttner in ihrem Bezirk sehr gern über und unter dem Wasser – sei es tauchen in Flurlingen oder laufen um den Husemersee.
Bülach
FDP-Kantonsrat Michael Biber: „Schweizweit einmalig und darum einen Besuch wert ist natürlich der Flughafen – wer es ruhiger mag, macht einen Ausflug an die Tössegg.“ Die Tössegg gehört zur Gemeinde Freienstein-Teufen und ist der Ort, an dem die Töss in den Rhein mündet.
Im Bezirk Bülach vermisst der Politiker eigentlich kein kulturelles Angebot – „und wenn doch einmal, ist es nicht weit“. In seiner Freizeit bewegt sich der Bachenbülacher sehr gern im Freien.
Dielsdorf
EDU-Politiker Hans Egli findet, dass man das Mammutmuseum in Niederweningen unbedingt besuchen muss. Der Kantonsrat aus Steinmaur vermisst im Bezirk Dielsdorf kein kulturelles Angebot, „denn die Natur mit ihren Schätzen ist das wertvollste Erlebnis“. Egli liest sehr gern und spaziert mit seiner Frau durch die Natur.
Das Mammutmuseum gibt einen Einblick in spektakuläre eiszeitliche Funde. Bild: Mammutmuseum Niederweningen
Dietikon
Für den SVP-Kantonsrat Rochus Burtscher ist klar: „Dietikon hat ein beachtliches Kulturangebot, besonders mit traditionellen Veranstaltungen wie die Sichlete, die Chalä-Chilbi oder den Samichlauseinzug.“ Auch für andere Kulturliebhaber sei gesorgt. Das Kulturlokal Gleis 21 biete viel mit seinem abwechslungsreichen Programm aus Musik, Comedy und kulturellen Events – oft mit national bekannten Künstlern. Und wer es lieber ruhig und naturnah möge, solle unbedingt die Minigolf-Anlage beim Marmoriweiher besuchen – „eine der schönsten Anlagen der Region, eingebettet in idyllischer Umgebung“.
Burtscher vermisst nichts: „Dietikon bietet alles.“ Alles sei in der Nähe – Fluss, Wald, Frei- und Hallenbad und vieles mehr. „Erholung pur!“, schwärmt der Limmattaler.
In seiner Freizeit trinkt der SVP-Politiker am liebsten ein Bier oder einen guten Tropfen Wein mit Freunden in der „Zeus Music Bar“, wo er auch ab und zu seine Töchter mit ihren Freunden antreffe. „Oder ich gehe mit der Familie im Restaurant Heimat essen – muss man gewesen sein! Meine Verwandten aus den USA haben das Essen über den Klee gelobt.“ Ausserdem geht Rochus Burtscher gern in Unterengstringen Golf spielen, auch wenn sein Handicap am anderen Ende der Skala sei.
Hinwil
„Am liebsten bin ich zurzeit in der Natur rund um oder im Pfäffikersee“, sagt Benjamin Walder. In Pfäffikon befinde sich zudem direkt am Rundweg das Naturzentrum Pfäffikersee. Das kulturelle Angebot im Bezirk Hinwil habe aber noch viel Potential. „Am dringendsten erachte ich ein Angebot für Jugendliche“, so der Kantonsrat von den Grünen.
Zurzeit trainiert Walder auf seinen ersten Halb-Ironman, „womit meine Freizeit im Moment vor allem durch das Trainieren bestimmt ist“. Der Halb-Ironman ist ein Triathlon-Wettkampf, der genau die Hälfte der Distanz eines vollständigen Ironman-Wettkampfs umfasst. Konkret sind das 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen. „Danach freue ich mich wieder auf etwas mehr Zeit für Freunde und Familie“, sagt der Wetziker.
Horgen
Alexia Bischof empfiehlt das Weinbaumuseum am Zürichsee auf der Halbinsel Au. Es präsentiert die Geschichte des Weinbaus und versteht sich als Begegnungsort für Weinfans. „Die idyllische Lage auf der Halbinsel Au macht den Besuch zu einem Erlebnis. Es lohnt sich, eine Runde zu Fuss zu machen“, sagt die Mitte-Politikerin. Sie finde, dass das kulturelle Angebot im Bezirk Horgen sehr vielfältig sei „und vermisse ehrlich gesagt nichts“. Es reiche von Kino, Theater, Ausstellungen, Museen über Konzerte bis zu vielen traditionellen Veranstaltungen. Es gebe für alle etwas.
Auf die Freizeit angesprochen sagt die Wädenswilerin, dass sie am liebsten an die frische Luft gehe und es in der näheren Umgebung geniesse. „Eine Strecke zu Fuss dem Zürichsee entlang, verbunden mit einer z’Vieri- oder Apéro-Pause in einem Beizli ist für mich Erholung pur.“ In den kalten Monaten unterstütze sie gerne das Schloss-Cinéma in Wädenswil oder lasse sich in einem netten Restaurant verwöhnen. Alexia Bischof: „Unter der Woche versuche ich regelmässig im ‚Chor rezeptfrei‘ zu proben.“
Meilen
Der grünliberale Kantonsrat Thomas Wirth lebt in Hombrechtikon. Er schwärmt vom Lützelsee, der nördlich von seiner Wohngemeinde liegt. „Ein hindernisfreier Wanderweg ermöglicht allen die Umrundung des Sees und die Beobachtung von Störchen, Gänsen und vielen anderen Tier- und Pflanzenarten“, so Wirth. Am Nord- und Südufer gebe es jeweils die Möglichkeit, sich zu verpflegen. Am besten komme man mit dem ÖV oder dem Velo. Besonders an schönen Tagen finde man nur schwer einen freien Parkplatz.
Für Wirth ist klar: „Der Bezirk Meilen ist kulturell sehr vielfältig. In Männedorf gibt es ein Kino, das Theater Kanton Zürich gastiert in verschiedenen Gemeinden, die Operettenbühne strahlt weit über die Region hinaus. Die Meilemer Jazznächte bringen ein vielfältiges Jazz-Programm in den Bezirk und viele Kulturkommissionen der Gemeinden und Kirchen organisieren kleinere und grössere Konzerte.“ Und daneben lebe die Kultur im Bezirk Meilen von hunderten Freiwilligen, die sich in vielen Vereinen engagieren und abwechslungsreiche Aufführungen und Ausstellungen auf die Bühnen, in die Museen und Kulturlokale im Bezirk bringen würden.
In seiner Freizeit geniesst der GLP-Politiker Spiele, Sport und den Besuch von Konzerten. „Daneben ist mir auch Kochen und Essen wichtig“, sagt Thomas Wirth.
Pfäffikon
Die SP-Politikerin Brigitte Röösli empfiehlt das Dorf und das Schloss Kyburg. „Es ist wunderbar erhalten und die neue Ausstellung ist sehr spannend aufgebaut“, so die Effretikerin. Die Kantonsrätin vermisst nichts – im Bezirk Pfäffikon gebe es eine grosse Vielfalt von kulturellen Angeboten.
In ihrer Freizeit geht Röösli sehr gern spazieren, etwa aufs Hörnli bei Sternenberg, um den Pfäffikersee oder in das Naturschutzgebiet Wildert in Illnau. „Wir haben sehr viele schöne Ecken.“
Mächtiges Bauwerk: Diese Postkarte mit Poststempel 26. Juni 1947 zeigt das Schloss Kyburg. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / PK_009927
Uster
„Es gibt zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten und Anlässe im Bezirk Uster“, sagt Anita Borer. Hervorheben möchte die SVP-Kantonsrätin die vielen Angebote, die durch Vereine zur Verfügung gestellt werden. Da gebe es für alle Interessen, für Gross und Klein, für Jung und Alt etwas. „Ihre Anfrage kann ich so deshalb gar nicht beantworten, denn ich könnte mich gar nicht festlegen“, so die Ustemerin. In ihrer Freizeit verbringe Borer am liebsten Zeit mit der Familie und mit Freunden. „Zudem bilde ich mich laufend weiter, bewege mich regelmässig und habe ein Flair für Musik und Tanz.“
Einer von Michael Bänningers Lieblingsorten ist die Ruine Alt-Wülflingen. „Nur schon der Weg dorthin ist ein schönes Erlebnis“, sagt der EVP-Politiker. Die Stadt Winterthur habe ein reichhaltiges und breites kulturelles Angebot, das er sehr schätze. „Ich bin gern draussen unterwegs“, so der Winterthurer Kantonsrat. Als Höhlenguide – also eine Person, die andere sicher durch Höhlen führt – ist Bänninger auch von den bezaubernden Höhlenwelten der Schweiz fasziniert.
Zürich
Die AL-Kantonsrätin Lisa Letnansky ist Dramaturgin im Tanzhaus Zürich. Sie möchte darum allen Menschen aus Zürich einen Besuch in diesem Haus „wärmstens ans Herz legen“. Das Tanzhaus sei ein lebendiger Ort für zeitgenössischen Tanz, biete aber auch Workshops und Kurse für Laien an. Ausserdem biete das Tanzhaus auch ein Angebot für Kinder und Jugendliche, das sowohl Tanzvorstellungen als auch Kurse umfasse.
„Zürich verfügt über ein enorm breites und vielseitiges Kulturangebot, das eigentlich keine Wünsche offenlässt“, findet die Stadtzürcher Politikerin. Sie würde sich einzig wünschen, dass die Angebote noch etwas zugänglicher wären – sowohl für Menschen, die bisher wenig damit in Kontakt gekommen seien, aber auch für Menschen mit Behinderungen oder mit kleinem Portemonnaie.
Wenn Lisa Letnansky nicht gerade in Tanz- oder Theatervorstellungen sitzt, liest sie am liebsten Romane – zeitgenössische Texte genauso wie Klassiker. „Und wenn ich in geselliger Stimmung bin, lade ich sehr gerne Freund:innen zum gemeinsamen Kochen und Essen ein.“
Sie wagt es und fordert den arrivierten Stadtrat Raphael Golta heraus. "Die Rückmeldungen, die ich erhalten habe, sind sehr positiv", betont Mandy Abou Shoak. Die Aufnahme entstand am Montag im Foyer des Rathauses Hard. Bild: Lorenz Steinmann
Lorenz Steinmann
Die SP-Kantonsrätin Mandy Abou Shoak bewirbt sich für die Nachfolge von Corine Mauch als Stadtpräsidentin von Zürich. Hat sie die interne Ausmarchung gegen Raphael Golta geschafft, stehen die Chancen ausgezeichnet. Im Interview mit Rathuus spricht die 35-Jährige über Zürichs Herausforderungen, ihr Lebensmotto, dass alles möglich ist und warum sie Altstetten so liebt.
Sie zeigt durchaus Mut, die 35-jährige SP-Kantonsrätin Mandy Abou Shoak. Sie will antreten gegen die arrivierten SP-Kandidatinnen und SP-Kandidaten Gabriela Rothenfluh, Céline Widmer und Tobias Langenegger für die beiden im Februar 2026 frei werdenden Stadtratssitze in Zürich. Doch das ist nicht genug. Mandy Abou Shoak setzt aufs Ganze und strebt neben dem Amt als Stadträtin auch jenes als Stadtpräsidentin an. Parteiinterne Konkurrenz stellt Raphael Golta dar, der seit 2014 Vorsteher des Sozialdepartements ist.
Golta, 49-jährig, seit Jahrzehnten in der Politik tätig, sieht sich als legitimer Nachfolger von Corine Mauch. Der altgediente Politiker ist das pure Gegenteil von Mandy Abou Shoak. Während Golta für das Bewahrende, ja Konservative steht, wirkt Abou Shoak zukunftsorientiert und voller frischer Energie. So stellt sich die Frage, ob es sich die SP leisten kann, so eine Person zu übergehen. Eine Person, die so sehr für das heutige, zumindest aus links-grüner Sicht multikulturelle und offene Zürich steht? Zeit für ein Interview mit der Herausforderin.
Rathuus trifft die Kantonsrätin im Rathaus Hard, in der Mittagspause zwischen zwei Kantonsratssitzungen.
Mandy Abou Shoak, Sie sind jung, Sie sind weiblich und Sie können sehr gut auf Menschen zugehen. Sind Sie die ideale Kandidatin fürs Stadtpräsidium im Zürich von 2025? Ich mache ein Angebot, ja. Die Delegierten der SP entscheiden am 26. Juni, ob ich tatsächlich die ideale Kandidatin für den Stadtrat und das Stadtpräsidium bin.
Sind Sie von Ihrer Herkunft besonders gewohnt, sich im Wahlkampf zu behaupten? Ich bin aufgewachsen mit einer Mutter, die das Unmögliche möglich gemacht hat. Wir flüchteten mit der Familie in die Schweiz, als ich zweijährig war. Meine Mutter hat die Matura nachgeholt, Medizin studiert und ihre eigene Zahnarzt-Praxis aufgebaut. Ich bin also mit dem Selbstverständnis gross geworden, dass Unmögliches möglich werden kann – auch gegen Widerstände. Später, im Studium der Sozialen Arbeit, habe ich mich intensiv mit gesellschaftlichen Barrieren und struktureller Ungleichheit befasst. Ich kenne beide Seiten: persönliche Ressourcen und systematische Hindernisse.
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„Ich bin in schwierigen Themenfeldern unterwegs, weil ich davon überzeugt bin, dass wir, die mehr Glück hatten in unseren Leben, Verantwortung übernehmen müssen für die mit weniger Glück als wir.“
Gehört dazu, dass man mit der familiären Herkunft im Gegensatz zu Ihnen einfach Pech haben kann? Ja, zum Beispiel. Mein Bruder war medizinischer Co-Leiter des Pfarrer-Sieber-Spitals „Sune-Egge“. Wir sprachen oft über grosse Herausforderungen. Er erzählte mir beispielsweise von Jugendlichen, die ein chronifiziertes Alkoholproblem haben. Die sehr jung damit beginnen, Alkohol zu konsumieren, dabei kommen viele aus sehr schwierigen familiären Verhältnissen. Das ist einfach eine total andere Ausgangslage. Obwohl die Stadt Zürich eine der lebenswertesten Städte der Welt ist, gibt es auch hier Wohnungslosigkeit, Menschenhandel, Armut, Sucht, Suizidalität und Gewalt. Ich bin in schwierigen Themenfeldern unterwegs, weil ich davon überzeugt bin, dass wir, die mehr Glück hatten in unseren Leben, Verantwortung übernehmen müssen für die mit weniger Glück als wir.
Aber dieses Engagement nützt in Bezug auf die Stadtratswahlen wenig, weil die angesprochenen Menschengruppen oft nicht wählen können oder wollen. Das stimmt teilweise. Ein anderes Problem: Viele Menschen haben das Interesse an und die Hoffnung in die Politik verloren. Sie fühlen sich nicht mehr angesprochen oder abgeholt. Genau da setzt meine Kandidatur an: Ich möchte mehr Menschen mitnehmen, Brücken bauen zwischen der Politik und der Zivilbevölkerung. Also gerade diejenigen erreichen, die sich bisher wenig angesprochen fühlten.
Sie wollen also gegen die Politikverdrossenheit ankämpfen? Ob es dann so sein wird bei den Wahlen, wird sich zeigen. Aber ich habe grosse Hoffnung und Zuversicht. Es ist mein Ziel.
Zuerst müssen Sie aber einmal die SP-Delegierten überzeugen. (lacht). Genau. Es geht noch etwa einen Monat. Die Entscheidung fällt am 26. Juni im Volkshaus Zürich.
Es heisst, dass die interne SP-Nomination schwieriger ist als nachher die Volkswahl. Das habe ich auch so gehört. 1986 wurde mit Bruno Kammerer zuletzt ein SP-Kandidat vom Volk nicht gewählt.
„Ich hätte das gerne gemacht, zusammen mit Raphael Golta alle Sektionen besuchen. Doch als Partei haben wir entschieden, dass wir das gemeinsam mit allen Kandidaten und Kandidatinnen machen. Wir fanden schlichtweg nur zwei gemeinsame Termine.“
Von der heutigen Stadträtin Simone Brander ist bekannt, dass sie vor der internen Ausmarchung gegen Min Li Marti viele SP-Gemeinderätinnen und SP-Gemeinderäte traf. Wie ist das bei Ihnen? Ich hätte das gerne gemacht, zusammen mit Raphael Golta alle Sektionen besuchen. Doch als Partei haben wir entschieden, dass wir das gemeinsam mit allen Kandidaten und Kandidatinnen machen. Wir fanden schlichtweg nur zwei gemeinsame Termine.
Und was ist jetzt die Alternative? Da die Kontaktaufnahme mit den Sektionen in dieser Phase leider nicht möglich ist, suche ich nun das direkte Gespräch mit einzelnen Delegierten – so wie auch die anderen Kandidierenden. (lacht.) Ich freue mich über jede Begegnung und den offenen Austausch. Besonders bestärkt hat mich, dass ich bereits die Unterstützung der SP Migrant:innen Schweiz, der SP-Frauen des Kantons Zürich und der JUSO Stadt Zürich erhalten habe. Diese Rückmeldungen zeigen mir: Unsere Partei ist mutig. Sie lässt neue Stimmen zu. Vielfalt wird nicht nur geduldet, sondern auch getragen.
Apropos Unterstützung. Was sagt eigentlich die scheidende Stadtpräsidentin Corine Mauch zu Ihrer Kandidatur? In ihrem Interview, als sie ihr Nicht-Wiederantreten bekannt gab, sagte sie, dass sie sich über eine Frau als Nachfolgerin freuen würde.
Ist es nicht sowieso ein Fakt, dass sich die SP nun fast nicht leisten kann, keine Frau aufzustellen, Sie also zu übergehen? (überlegt.) Ich kann dazu nichts sagen, das müssen die Delegierten entscheiden, aber die Frage ist berechtigt.
Was möchten Sie als Stadtpräsidentin in Zürich verändern? Ich bin Expertin in Sachen Gleichstellung, Integration, Rassismus und Teilhabe in Stadtentwicklungsfragen. Alles Themen, die im Präsidialdepartement angesiedelt sind. Als Stadtpräsidentin werde ich mich um das Thema Wohnen kümmern und damit auch um die Verdrängung. Mein Herz schlägt für das Anliegen „Eine Stadt für alle“. Schliesslich möchte ich den Zusammenhalt in der Stadt Zürich stärken.
Sie sitzen im Kantonsrat, nicht im Gemeinderat. Manche würden das als Nachteil sehen, weil Sie mit den städtischen Abläufen weniger vertraut sind. Ich kenne die Stadt bestens! Immerhin wohne ich seit langem in Altstetten. Ich war Präsidentin der SP 9, ich kenne viele Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, bin im engen Austausch mit ihnen, und ich war eine Zeit lang Hortleiterin und Sozialpädagogin im Schulkreis von Gabriela Rothenfluh, die ja ebenfalls für den Stadtrat kandidiert. (lacht.)
„Ich bin Expertin in Sachen Gleichstellung, Integration, Rassismus und Teilhabe in Stadtentwicklungsfragen. Alles Themen, die im Präsidialdepartement angesiedelt sind. Als Stadtpräsidentin werde ich mich um das Thema Wohnen kümmern, und damit auch um die Verdrängung.“
Sie sind mit 35 Jahren fast genau so alt, wie Rot-Grün in Zürich die Mehrheit hat im Stadtrat. Wie erleben Sie Zürich heute? 1990 wurde Josef Estermann nach Jahrzehnte langer bürgerlicher Dominanz als SP-Stadtpräsident gewählt. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht mal geboren. Aber als Corine Mauch das Stadtpräsidium 2009 übernommen hatte, war gerade die grosse Finanzkrise. Sie hat die Finanzen der Stadt stabilisiert. Das ist bemerkenswert. Dennoch haben wir heute – 2025 – viele neue Herausforderungen. Etwa den Wohnraum. Die Verdrängung ist ein grosses Problem auch für den Mittelstand. Gewisse Menschen sind überdurchschnittlich davon betroffen. Es ist mir ein grosses Anliegen, da den Finger darauf zu halten.
Sie meinen wenig verdienende Ausländerinnen und Ausländer? Ja, genau. Aber auch Alleinerziehende und ältere Personen, die keine Wohnung mehr finden in der Stadt Zürich. Wenn ich sage „Zürich für alle“, dann meine ich das auch so. Ich kenne die unterschiedlichen Realitäten.
Gesetzt der Fall, Sie werden von den SP-Delegierten als Stadträtin, nicht aber als Stadtpräsidentin nominiert. Dann könnten Sie Nachfolgerin von Raphael Golta werden? Ja, das wäre tatsächlich eine Möglichkeit. Sicher würde ich mich für die Anliegen von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten engagieren. Denn gerade wenn sie volljährig werden, entfallen jegliche Hilfen, die sie als Jugendliche erhalten haben. Die Wohnsituation ändert sich oft mit der Volljährigkeit und wird nicht selten prekärer und enger. Ich möchte ihre Teilhabe stärken. Und das können wir tun, indem wir kostenlose Zugänge zu Fahrrädern, zu Bibliotheken und zum Uni-Sport des ASVZ (Akademischer Sportverband Zürich, Anm. d. Red.) zur Verfügung stellen. Damit fördern wir nicht nur die Gesundheit, wir stärken auch die Autonomie und die Selbstwirksamkeit. Ausserdem müssen wir belastete Menschen, die an der Grenze zur Armut leben, stärker unterstützen und entlasten.
Sie treten gegen einen arrivierten, aber eher farblosen Politiker an, der den Aufstieg vom Stadtrat zum Stadtpräsidenten „verdient“ hat, wie es der „Tages-Anzeiger“ ausdrückte. Tut Ihnen Raphael Golta nicht ein ganz klein wenig leid in seiner Rolle? Ich habe sehr viel Respekt vor den Errungenschaften von Raphael Golta für die Partei und für diese Stadt. Er war mutig und hat etwa die Basishilfe eingeführt.
Vielleicht ist Golta ja so charmant und lässt Ihnen einfach den Vortritt, weil sich die Zeiten geändert haben? Schauen wir mal. Das würde mich natürlich freuen. (lacht.)
Der Kantonsrat entscheidet über viele wichtige Geschäfte, die auch die Stadt direkt betreffen. Trotzdem kennt man viele der Kantonsrätinnen und Kantonsräte in der Öffentlichkeit nicht. An was liegt das? (überlegt.) Wir sind viel mehr, 180 Mitglieder anstatt 125 wie im Gemeinderat. Und Tsüri.ch beispielsweise berichtet wöchentlich im Gemeinderats-Briefing über den Gemeinderat. Vom Kantonsrat gibt es auch Berichte, aber weniger – und viele sind wie entpersonalisiert. So bleiben einem weniger Namen in Erinnerung.
Wie schätzen Sie die bürgerliche Konkurrenz bei den Stadtratswahlen ein? Sie müssen das untereinander ausmachen und sich für Personen entscheiden. Es ist nicht an mir, das zu bewerten. Ich bin aber gespannt auf ihre Entscheidung.
„Altstetten ist super, ich liebe Altstetten. Die Limmat beim Tüffenwies ist herrlich, auf der anderen Quartierseite ist der Panoramaweg nach Schlieren sehr schön.“
Böögg-Bauer Lukas Meier von der FDP hat sich für das Stadtpräsidium ins Gespräch gebracht. Ist er überhaupt ernst zu nehmen? Die Bürgerlichen müssen das selbst entscheiden. So oder so freue ich mich auf die Podiumsdiskussionen.
Auch die Stadträte Andreas Hauri (GLP) oder Michael Baumer (FDP) wären valable Kandidaten für das Stadtpräsidium. Was ist Ihre Einschätzung? Auch hier gilt, dass sich die beiden zuerst einmal entscheiden müssen, ob sie das wollen oder nicht.
Themenwechsel. Sie wohnen in Altstetten. Was macht dieses Quartier aus? Altstetten ist super, ich liebe Altstetten. Die Limmat beim Tüffenwies ist herrlich, auf der anderen Quartierseite ist der Panoramaweg nach Schlieren sehr schön. Dazu gefallen mir die vielen migrantischen Einkaufsläden, wo es frischen Koreander oder Okragemüse gibt.
Kochen Sie selber gerne? Mir fehlt ein bisschen die Zeit, aber essen tu ich sehr gerne. (lacht.)
Wie können Sie abschalten von der Politik und von der Arbeit? Ich gehe sehr gerne wandern, dabei finde ich Ruhe. Ich gehe aber auch regelmässig joggen. Dabei höre ich gerne Musik oder Podcasts.
Welche Art von Musik und welche Podcasts hören Sie gern? Ich liebe Jazz und Soul. Ich höre oft „Sternstunde Philosophie“, „Alles gesagt“ von „Die Zeit“, aber auch die Sendungen mit Psychotherapeutin Esther Perel, dann „Inside Bullingerplatz“ mit Min Li Marti und mit Markus Kunz sowie jede Woche „Lanz & Precht“. Ich finde die beiden nicht unumstritten – insbesondere Precht wirkt auf mich mitunter chauvinistisch und besserwisserisch. Gleichzeitig schätze ich seine Weitsicht und Fähigkeit sich in andere Perspektiven rein zu denken. Letzteres gelingt nicht allen Intellektuellen gleichermassen.
Mandy Abou Shoak, danke für das Gespräch.
Mandy Abou Shoak wurde 1989 in Khartum im Sudan geboren. Ihre Familie musste in die Schweiz flüchten, als die heutige SP-Politikerin zwei Jahre alt war. Die mittlerweile 35-Jährige hat in der Schweiz Soziale Arbeit mit der Vertiefung Soziokultur und Menschenrechte im Master studiert. Hauptberuflich arbeitet sie bei Brava (ehemals Terre des Femmes) als Verantwortliche Bildung. Nebenbei berät sie als Selbstständige Organisationen zu Themen rund um Diskriminierung und rassismus-sensible Strukturen.
Mandy Abou Shoak sitzt seit 2023 im Kantonsrat. Sie ist Mitglied der Kommission für Justiz und öffentliche Sicherheit. Zudem ist sie seit 2023 in der Geschäftsleitung der SP Frauen Schweiz und Co-Präsidentin der Fachstelle Menschenhandel und Frauenmigration – kurz FIZ. Abou Shoak sorgt momentan für Schlagzeilen, weil sie für die SP die nächste Stadtpräsidentin von Zürich werden will.
Da war die AL-Welt noch in Ordnung. Der Gesamtstadtrat von Zürich in einer Aufnahmen von 2018. Dritter von links: Richard Wolff (AL). Bild: Stadt Zürich
Lorenz Steinmann
Die AL hat am Dienstag an ihrer Generalversammlung entscheiden, dass sie 2026 bei den Zürcher Stadtratswahlen mit einer eigenen Kandidatur antreten will. Für die Grünen möchte der altgediente Nationalrat Balthasar Glättli in die Hosen steigen.
Update: Die AL will wieder in den Stadtrat
Die Alternative Liste (AL) hat sich gemäss einer Medienmitteilung an ihrer Generalversammlung von heute Dienstagabend für eine Stadtrats-Kandidatur ausgesprochen. „Im Rahmen der Diskussion bekundeten bereits mehrere Personen ihr Interesse an einer Kandidatur – die Co-Fraktionspräsidentin Tanja Maag sowie Gemeinderat Michael Schmid“, schreibt die Partei. Weitere Interessierte können sich bis zum 3. Juni melden.
Mit wem die AL dann konkret antreten will, um einen Sitz im Zürcher Stadtrat zu erobern, entscheidet die ausserordentliche Vollversammlung am 10. Juni. Mit einer eigenen Kandidatur wolle die Partei zentrale politische Anliegen verstärkt in die Exekutive tragen – „darunter faire Löhne und Steuern, preisgünstiger Wohnraum, eine solidarische Stadtentwicklung, der Schutz von Grundrechten sowie der gleichberechtigte Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung“. (pat.)
Morgen Dienstag um 18 Uhr treffen sich die AL-Delegierten an der Hohlstrasse 86 c zur Generalversammlung. Wichtigstes Traktandum ist, ob die Linksaussenpartei bei den Zürcher Stadtratswahlen im Februar 2026 mit einer eigenen Kandidatur antritt oder nicht. Wie es auf Anfrage heisst, wird aber noch nicht entschieden, welche Person dafür infrage kommen könnte.
Dazu ein kurzer Rückblick: AL-Stadtrat Richard Wolff trat 2022 zu den Gesamterneuerungswahlen nicht mehr an. Dies, nachdem Wolff 2013 für die Alternative Liste doch eher überraschend einen Stadtratssitz holte. Er erzielte am 21. April 2013 im 2. Wahlgang 685 Stimmen mehr als sein FDP-Konkurrent Marco Camin und wurde mit 27’550 Stimmen Nachfolger von Finanz-Urgestein Martin Vollenwyder. Der Schachzug der FDP, mit einer ausserterminlichen Ersatzwahl ihren Sitz auf sicher zu haben, ging nicht auf.
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Angst unterlag Baumer nur knapp
2022 bei den letzten Neuwahlen für den Stadtrat gelang es AL-Mann und Mieterverbands-Vertreter Walter Angst nicht, den Sitz von Wolff zu verteidigen. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Michael Baumer (FDP, bisher) holte Baumer rund 1200 Stimmen mehr als Angst. Dieser erzielte zwar ebenfalls genügend Wahlstimmen, kam aber als Überzähliger nicht zum Zug.
Ob Wolffs neun Jahre im Stadtrat zumindest theoretisch bald eine AL-Fortsetzung erhalten, ist also noch offen. Die AL-Personaldecke ist aktuell eher dünn. Bekannte Aushängeschilder fehlen. Am ehesten infrage kommen könnten Gemeinderat David Garcia Nuñez, die Gemeinderätinnen Karen Hug oder Tanja Maag und Kantonsrätin Lisa Letnansky. Sicher auch Wahlchancen hätte Gemeinderat Michael Schmid, der Namensvetter des FDP-Fraktionschefs.
Schmid von der AL hat einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt, weil er jeweils eine Mehrheit des Gemeinderats gegen Laubbläser und kommerzielle Werbung im öffentlichen Raum hinter sich scharen konnte. Vor allem die geplante Einschränkung von digitalen Werbedisplays machte sogar national Schlagzeilen.
Die AL will am Dienstag ihren Grundsatzentscheid fällen und allenfalls in einer späteren Versammlung – wohl erst nach den Sommerferien – eine Kandidatur präsentieren. Politbeobachterinnen und Politbeobachter gehen davon aus, dass eine AL-Kandidatur im links-grünen Umfeld durchaus Chancen hätte.
Glättli wählte den Alleingang
Apropos Grüne. Heute Montag wählte Balthasar Glättli den „Tages-Anzeiger“, um seinen Anspruch auf einen dritten Stadtratssitz der Grünen kundzutun. Der Nationalrat und ehemalige Präsident der Grünen Schweiz (2020 bis 2024) liess sich im „Tagi“ so zitieren: „Ich glaube, es gibt keine bessere Person dafür.“ Mit einer unbekannteren Person werde die Eroberung eines dritten Stadtratsitzes schwieriger, so der 53-Jährige.
Glättli sass von 1998 bis 2011 im Gemeinderat. Er will schaffen, was seiner Frau Min Li Marti für die SP zweimal nicht gelang – den Sprung in die Stadtzürcher Exekutive. Die Nationalrätin Min Li Marti unterlag parteiintern sowohl Raphael Golta, als später auch Simone Brander.
Vor Jahrzehnten mussten noch alle Velos eine Vignette haben. Unser aktuelles Foto zeigt ein Beispiel, auf einem schon in die Jahre gekommenen Velo. Bild: Lorenz Steinmann
Lorenz Steinmann
Der Bundesrat sagt Nein zur Wiedereinführung der Velovignette. Doch seine Antwort lässt viele Fragen offen. Die Küsnachter SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel, die den entsprechenden Vorstoss eingereicht hat, ordnet ein.
Mit einer Motion wollte Nina Fehr Düsel (SVP) den Bundesrat prüfen lassen, wie eine Velovignette wiedereingeführt werden könnte. Das Ziel: Mit dieser Abgabe einen Teil der Strasseninfrastruktur für Velowege zu finanzieren.
Der Hintergrund: Bis Ende 2011 gab es in der Schweiz die Vignettenpflicht für Velos. Diese war aber vor allem eine Haftpflichtversicherung, wenn man mit dem Velo in einen selbst verschuldeten Unfall, zum Beispiel mit einem teuren Auto, verwickelt war. Die Vignette pro Velo kostete rund zehn Franken. Heute wird argumentiert, dass die meisten Einwohnerinnen und Einwohner in der Schweiz schon eine privat abgeschlossene Haftpflichtversicherung haben, welche solche Schäden abdeckt. Gemäss Expertinnen und Experten haben gut 90 Prozent der Bevölkerung eine solche Versicherung. Ein Grund für den hohen Anteil ist, dass fast jeder Mietvertrag für eine Wohnung oder für ein Haus nur noch mit dem Nachweis einer Privathaftpflichtversicherung abgeschlossen werden kann.
Die Antwort hat bei Pro Velo Schweiz Genugtuung ausgelöst. Man werde sich aber „weiterhin gegen die von der SVP vorgeschlagene Velovignette einsetzen und für eine bessere Veloinfrastruktur kämpfen, wie sie das Velogesetz fordert“, so der nationale Veloverband.
Trotzdem. Die Antwort des Bundesrats lässt aufhorchen. Denn sie tönt durchaus nach einer Art offengelassenen Hintertür. Die Aussage „ohne vorherige umfassende Abklärungen“ lässt einigen Raum für Spekulationen.
Wir haben bei der Motionärin Nina Fehr Düsel nachgefragt.
Nina Fehr Düsel, wie sehen Sie das, dass der Bundesrat Ihre Idee eigentlich gut findet, aber keinen Finger rühren will? Ich finde dies ebenfalls etwas widersprüchlich. Ich habe gehört, dass man die Idee auch seitens Bundesrat prüfenswert findet, was mich freut. Schliesslich zahlen die Velofahrenden keinerlei Abgaben, obwohl es laufend neue Velowege gibt. Auch würde man mit einer Vignette die Velos bei Diebstahl leichter finden. Aus der Bevölkerung bekam ich zudem viele positive E-Mails. Trotzdem will der Bundesrat offenbar keine weiteren, fundierten Abklärungen tätigen.
Leider lehnt der Bundesrat oft unsere Vorstösse ab. Trotzdem werde ich das Ganze weiterverfolgen, auch in Bern.
Wie kam diese eigentlich widersprüchliche Antwort bei Ihnen an? Es ist schade, dass man meine Ideen momentan nicht weiter vertieft. Ich gab ja schon viele Anhaltspunkte im Vorstoss mit, wie die Prüfung einer E-Vignette, dass der Preis 20 Franken pro Person und nicht pro Velo betragen könnte und die Kinder davon ausgenommen wären. Aber offenbar will man keinen zusätzlichen Aufwand.
Wer stösst nun die „umfassenden Abklärungen“ an, wie es der Bundesrat beschreibt? Die Idee wird auch in vielen Kantonen diskutiert. So war auch der Kantonsrat Zürich damit beschäftigt, und es gab gerade bei den Bürgerlichen viele positive Stimmen. Ich denke, dass dieses Anliegen sicherlich weiterhin verfolgt wird. Wie ich gehört habe, sind auch einzelne Verbände mit Abklärungen betreffend Velovignette beschäftigt. Somit könnte dies – vielleicht in etwas abgeänderter Form – doch mal wieder ein Thema werden.
In welcher Form wäre das möglich – oder ist das Thema vorderhand einfach vom Tisch? Viele Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben meinen Vorstoss in Bern mitunterzeichnet. Somit denke ich nicht, dass das Anliegen vom Tisch ist. Natürlich will man keine weiteren Steuern. Aber hier geht es eher um eine bescheidene Abgabe, um die laufenden Verkehrsinfrastruktur-Kosten mitzufinanzieren. Die Autofahrenden zahlen ja nach wie vor einiges mehr. Auch ich bin Velofahrerin und finde die Idee nach wie vor prüfenswert. Auch viele E-Mails aus der Bevölkerung haben mich bestätigt.
FDP-Stadtrat Michael Baumer enthüllt das Wappen von Unterstrass. Die neuste Tram-Generation Flexity erhält Quartierwappen. Das freut Pascal Turin, Co-Chefredaktor von Rathuus. Bild: VBZ/Patrick Mattes, Bildmontage: Rathuus
Pascal Turin
Kleiner Effort, grosser Erfolg: Wegen mir fahren jetzt die ersten Flexity-Trams mit Quartierwappen durch Zürich. Vielleicht ist aber auch alles ganz anders. Eine Glosse.
2016 – damals, in der guten alten Zeit: BC – Before Corona.
Ganz Zürich freut sich auf die neuen Flexity-Trams. Ganz Zürich? Nein! Ein paar Tram-Aficionados fürchten den Tag, an dem das letzte Tram 2000 ausgemustert wird. Denn damit droht das Ende einer Ära. Nicht nur die schönen Trams aus dem Jahr 1976 könnten aus dem Strassenbild verschwinden, sondern mit ihnen auch die Quartierwappen, welche die Fahrzeuge zieren.
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Mir wird nachgesagt, dass ich in der Vergangenheit lebe.
Beweisstück 1: Ich hatte jahrelang die Zeitschrift Spiegel Geschichte abonniert. Gut, es war ein Geschenkabo – ein Umstand, der mich wahrscheinlich ein wenig entlastet.
Beweisstück 2: Ich bin Mitglied des Vereins für wirtschaftshistorische Studien, der regelmässig Schweizer Pionierinnen und Pioniere porträtiert. Und Bücher über sie schreibt. Viele Bücher.
FDP-Stadtrat Michael Baumer hat zusammen mit Vertretungen der Quartiervereine Wipkingen, Unterstrass, Oberstrass und Fluntern die ersten vier von insgesamt 25 Flexity-Trams getauft. Jetzt kurven die vier Trams stolz mit Quartierwappen durch die Limmatstadt. „Die Taufen der weiteren 21 Flexity erfolgen gestaffelt bis Ende Herbst“, heisst es in der Mitteilung.
Flurin Capaul liebt die Politik und hat eine grosse Passion für die Kulinarik und die Gastronomie. Sein unerfüllter Traum ist eine Lehre als Koch. Bild: Genusshelden 23/24
Lorenz Steinmann
Er fällt oft durch originelle und vielfältige Vorstösse im Gemeinderat auf: Flurin Capaul von der FDP. Im indiskreten Fragebogen fürs Rathuus verrät der 47-Jährige, dass er früher in der SP war, warum er das historische Rathaus nicht als Museum sieht und was ihn an Pipilotti Rist fasziniert.
Flurin Capaul, wie wurden Sie politisiert? Wie wohl die meisten in der Schweiz: Durch die quartalsweise stattfindenden Abstimmungen und die Wahlen kommt man automatisch zur Auseinandersetzung mit der Politik.
Was wollten Sie als Kind werden? Businessman. Ich fand (in den frühen 90er) Anzug und Aktenkoffer unglaublich schick.
Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten? Wohnen und Kultur. Da wuchert die Bürokratie und vor lauter Konzepten vergisst man, dass man primär etwas für die Stadt erreichen sollte.
Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu, oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste? Ich war in ganz jungen Jahren mal bei der SP. Eine Amour fou, die dann aber gegenseitig nicht versprach, was man sich erhofft hatte. Bei der FDP fand ich dann die stabile Beziehung fürs Leben.
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Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt? Willkommen in der alltäglichen, aber wenig glamourösen Basisarbeit jedes engagierten Parteimitglieds einer Ortspartei.
Welche Staatsmänner halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch? Kaspar Villiger. Der (ehemalige FDP-Bundesrat, Anm. d. Red.) übernahm 2009 die Verantwortung bei der UBS, obwohl er nicht darauf angewiesen war. Er fühlte sich moralisch dazu verpflichtet und riskierte – freiwillig und ohne Zwang – seinen guten Ruf.
Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken? Mit Pipilotti Rist. Eine faszinierende Künstlerin, die Kunst macht, die eben nicht unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Tolles Beispiel: Der Pixelwald Turicum im Kunsthaus.
„Ich war in ganz jungen Jahren mal bei der SP – eine amour fou, die dann aber gegenseitig nicht versprach was man sich erhofft hatte. Bei der FDP fand ich dann die stabile Beziehung fürs Leben.“
Was ist Ihr Lieblingsrestaurant in der Stadt oder im Kanton Zürich? Das kommt ganz darauf an, mit wem ich unterwegs bin!
Mit meiner Tante würde ich gepflegt in die „Obere Flühgasse“, mit Freunden kulinarisch raffiniert in die „Enoteca Riviera“, geschäftlich am Mittag ins „Spitz“, mit dem Kegelverein in den „Gertrudhof“, mit den kulinarisch ambitionierten Foodies ins „Sentosa“, mit Hipster ins „Lang Thai Pub“ und mit dem veganen Tinderdate ins „Kle“ essen gehen.
Falls Geld keine Rolle spielt: „Dolder“ oder „Widder“.
Kaufen Sie das „Surprise“, und lesen Sie es auch? Spontan kaufe ich’s ab und an, blättere es aber nur kurz durch.
Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht? An Plänen mangelt’s mir nie … So würde ich gerne eine Kochlehre machen und das Handwerk von der Pike auf lernen, einen Roadtrip durch die ehemalige DDR unternehmen, um alle existierenden Bunker zu besichtigen oder mal jedes Haus Zürichs, das älter als 100 Jahre ist, besuchen. Unsere Welt hat noch so viel Interessantes zu entdecken …
Wer ist für Sie der oder die bedeutendste Zürcherin? Verstorben: Ernst Sieber. Lebend: Roger Schawinski.
Sex ohne Liebe, was halten Sie davon? Ich musste mich kurz vergewissern, ob es wirklich 2025 und nicht 1955 ist. Bedeutend wichtiger als Liebe ist die korrekte Verhütung zur Verhinderung von sexuell übertragbaren Krankheiten.
„Ich würde gerne eine Kochlehre machen und das Handwerk von der Pike auf lernen“.
Was war Ihr grösster politischer Erfolg? Das beurteilen andere. Am meisten freuen mich Vorstösse, wo mehrere Parteien involviert sind – so beispielsweise für die Etablierung einer dezidierten Anlaufstelle für Baubewilligungen von Gastrobetrieben oder dem Ermöglichen von mehr NLA-Frauenspielen im Letzigrund.
Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas? Da erhalte ich jeweils stadträtliches Feedback im Einzelgespräch. Es scheint, dass meine 50 Fragen zum einen Geschäft, dessen Name ich gerade vergessen habe, nicht sonderlich goutiert wurden …
Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard? 300 Jahre wars gut und nun plötzlich nicht mehr? Hier zeigen sich exemplarisch die abstrusen Vorgaben von Denkmal- und Heimatschutz. Es ist ein Rathaus und kein Museum – die Nutzung muss ermöglicht und nicht verhindert werden.
„Mein grösster politischer Fauxpas? Es scheint, dass meine 50 Fragen zum einen Geschäft, dessen Name ich gerade vergessen habe, nicht sonderlich goutiert wurden …“
Portobello-Burger oder Poulet-Kebab? Beide Gerichte sind Abwandlungen einer kulinarischen Tradition, da würde ich dann schon eher das Original bevorzugen. Aber wenn ich müsste, klar der Poulet-Kebab, der hat einfach mehr Geschmack als ein Portobello-Pilz, der ja nichts anderes wie ein grosser Champignon ist. Pilzhandel Büchi-Stäger auf dem Bürkliplatz- oder auf dem Oerlikermarkt hilft gerne mit interessanteren Pilzen weiter.
Taylor Swift oder Beatrice Egli? Ich habe ein Faible für Metzgerstöchter – daher Beatrice Egli.
Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy? Meinen Grossvater auf Weltreise in den 1930er-Jahren auf einem Kamel vor den Pyramiden von Gizeh.
Worauf freuen Sie sich? Wenn mir eine Sauce wirklich gut gelingt, ein Vorstoss überwiesen wird oder wenn ich ein Bürgeranliegen auf kurzem Dienstweg erledigen kann.
Und worüber können Sie lachen? Jackass (US-amerikanische Fernsehsendung, Anm. d. Red.), gemeinderätliche Voten und Komiker Jimmy Carr.
Flurin Capaul hat den Rathuus-Fragebogen am 7. Mai 2025 ausgefüllt. Capaul ist 47-jährig, wohnt in Wiedikon, ist ausgebildeter Informatik-Ingenieur (Dipl. Ing. FH) und beschäftigt sich beruflich mit Software-Lösungen. Capauls liebste Beschäftigung – neben der Politik – ist alles, was mit Kulinarik zu tun hat. Aktuell engagiert sich Capaul als Kassier des Quartiervereins Wiedikon und ist Präsident von Pro Beiz. Trivia: Früher war Capaul bei den Pfadfindern. Sein Vulgo: Schelm.
Posieren für das obligate Gruppenfoto (v. l.): Kantonsrat Thomas Forrer (Grüne), Lara Tabbert, Vorstand Junge GLP Kanton Zürich, SVP-Kantonsrat Ueli Pfister, Mitte-Kantonsrätin Marzena Kopp und Podiumsmoderatorin Charlène Pfammatter vom Verein Discuss it. Bild: Pascal Turin
Pascal Turin
Das Ziel ist es, Jugendliche für Politik zu begeistern. Der Verein Discuss it organisiert Politpodien an Gymnasien und Berufsschulen. Kürzlich debattierten Zürcher Politikerinnen und Politiker an der Kantonsschule Küsnacht. Sie wussten die Chance für PR in eigener Sache – und für ihre Partei – zu nutzen.
Der Verein Discuss it hat sich der politischen Bildung von jungen Menschen verschrieben. Dazu organisiert er regelmässig Politpodien an Berufsschulen und Gymnasien. „Discuss it“ publiziert auch alljährlich einen Jahresbericht. Gemäss diesem arbeitet die Organisation mit Sitz in Zürich mit dem Kanton Aargau zusammen oder kooperiert mit den Jugendparlamenten des Kantons Zürich und des Kantons Bern. Ausserdem wird „Discuss it“ unter anderem vom Migros-Pionierfonds oder von der Stiftung Mercator Schweiz finanziell unterstützt.
Das Wirken des Vereins liest sich beeindruckend.
Laut Jahresbericht war „Discuss it“ im Jahr 2024 in 16 Kantonen aktiv.
Es fanden 194 Veranstaltungen statt. Zum Vergleich: 2023 waren 148 durchgeführt worden.
17’500 Schülerinnen und Schüler konnten mit den Veranstaltungen erreicht werden. 59 Prozent davon waren Lernende an Berufsfachschulen, 41 Prozent Schülerinnen und Schüler an Mittelschulen.
Über 600 Politikerinnen und Politiker nahmen an „Discuss it“-Veranstaltungen teil.
Kürzlich fand an der Kantonsschule Küsnacht eine Podiumsdiskussion zum Thema „Integration von Zugewanderten – fördern oder fordern“ statt. Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter der Grünen, der Jungen GLP, der Mitte sowie der SVP. Trotz des heiklen Themas wussten die Politikerinnen und Politiker, ihre Chance für PR in eigener Sache – und für ihre Partei – zu nutzen.
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„Der betroffene Mensch muss sich integrieren lassen wollen“, sagte SVP-Kantonsrat Ueli Pfister.
Integration ist kein Verwaltungsakt
Zu Beginn der Gesprächsrunde legte Charlène Pfammatter vom Verein Discuss it die Regeln fest: „Wir lassen einander ausreden und werden nicht persönlich.“ Die Moderatorin lancierte das Podiumsgespräch mit der Frage, ob es die Aufgabe der Schweiz sei, Ausländerinnen und Ausländer zu integrieren.
Lara Tabbert, die im Vorstand der Jungen GLP Kanton Zürich sitzt, antwortete diplomatisch: „Integration ist etwas Zwischenmenschliches, das nicht nur aus der Verwaltung kommen kann.“
Für SVP-Kantonsrat Ueli Pfister aus Egg wiederum war die Antwort klar: „Der betroffene Mensch muss sich integrieren lassen wollen.“ Ähnlich sah es Kantonsrätin Marzena Kopp (Die Mitte): „Wer sich nicht integrieren lassen will, wird sich auch nicht integrieren lassen“, sagte die Meilemerin, die selbst in Polen und in der Schweiz aufgewachsen ist.
Der Grünen-Kantonsrat Thomas Forrer erklärte: „Wir leben von der Vielfalt.“ Wenn eine Bevölkerungsgruppe ihre eigenen Bräuche oder ihren eigenen Glauben lebe, finde er das gut. „Diversität nützt uns etwas. Gleichmacherei ist eher schädlich“, sagte der Erlenbacher.
„Ich bin kein Fan der Burka, aber ich finde, die Leute sollen sich so anziehen dürfen, wie sie möchten“, sagte Grünen-Kantonsrat Thomas Forrer.
Konstruktive Diskussion ist wichtig
Schnell ging es um Toleranz und es fielen Begriffe wie Minarett- oder Burka-Verbot. SVP-Kantonsrat Pfister sagte, dass die Burka für ihn ein Symbol der Unterdrückung sei. „Das sind Scheindiskussionen“, konterte Grünen-Kantonsrat Forrer. Diese würden auf dem Rücken anderer Gruppen, in diesem Fall der Muslime, ausgetragen. „Ich bin kein Fan der Burka, aber ich finde, die Leute sollen sich so anziehen dürfen, wie sie möchten“, so Forrer.
Mitte-Kantonsrätin Kopp wiederum stellte infrage, ob alle Frauen, die eine Burka tragen, dies auch freiwillig tun würden. „Diversität in der Gesellschaft ist eine grosse Chance“, betonte Lara Tabbert von der Jungen GLP. Es höre aber da auf, wo man mit seinem Glauben oder seinen Bräuchen anderen Leid zufüge. „Die Frage ist, wie sich die zugewanderten Personen einbringen können“, sagte die Stadtzürcherin Tabbert. Sie verwies damit auf die Debatte rund um das Ausländerstimmrecht.
Schülerschaft stellte kritische Fragen
Damit war die Diskussion unter den Schülerinnen und Schülern richtig lanciert. Eine Gymnasiastin warf den Bürgerlichen vor, vermeintlichen Feminismus für die Hetze gegen Ausländerinnen und Ausländer zu missbrauchen. Ueli Pfister teilte diese Ansicht gar nicht, liess sich aber nicht provozieren. „Da kann ich ihnen nicht Recht geben“, sagte der Kantonsrat.
Ein Schüler fragte sich, wie man denn politisch zusammenarbeiten kann, wenn die Meinungen so auseinandergehen. „Was man im Fernsehen sieht, zum Beispiel in der Arena, das ist nicht die Realität“, sagte Kopp. Und Pfister ergänzte: „Wichtig ist eine konstruktive Diskussion in der Kommission.“ In den Ratsdebatten werde „fast plakativ“ die Parteimeinung präsentiert.
Junge Menschen sind Zukunft der Politik
Bei jedem Themenbereich gab es mindestens ein Votum aus dem Publikum. Darum passt der eigentlich sperrige Begriff Informiertheit in diesem Zusammenhang perfekt. Die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten bewiesen, dass sie die Politik nicht kalt lässt. Die Jugendlichen, die noch ein Jahr bis zur Matur haben, diskutierten rege mit.
Fazit: Die Schulleitung und die Lehrpersonen der Kanti Küsnacht dürfen sich auf alle Fälle auf die Schulter klopfen. Und ein bisschen stolz sein können auch die Eltern. Die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten wussten viel. Man lehnt sich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man das als positives Zeichen sieht. Oder wie es Moderatorin Pfammatter formulierte: „Ihr seid die Zukunft der Schweizer Politik.“
Es war doch eine Überraschung, das Nein des Stimmvolks zur Senkung der Unternehmenssteuer im Kanton Zürich. Bild/Zeichnung: Lorenz Steinmann
Lorenz Steinmann
Die kantonale Abstimmung über die Steuersenkung für Unternehmen brachte einen eher unerwarteten Erfolg für die Linken und die grösseren Städte im Kanton Zürich. In der Stadt Zürich hingegen gab es keine Überraschungen.
Mit fast 55 Prozent Nein-Stimmenanteil verwarf das Stimmvolk heute im Kanton Zürich die Senkung der Gewinnsteuer für Unternehmen von 7 auf 6 Prozent. Damit kassierten der Regierungsrat sowie SVP, FDP, Mitte und die Wirtschaftsverbände eine bemerkenswerte Niederlage.
Der Stadtzürcher Kassenwart Daniel Leupi (Grüne) sagte es an der Medienkonferenz des Nein-Komitees vor einigen Wochen, und er wiederholte es heute vor den Medien. Der Steuerfuss sei nur ein Faktor bei der Standortwahl für Firmen. Wichtiger sei für Unternehmen das Gesamtpaket, also die Frage, was ein Standort über das Ganze zu bieten habe. Erreichbarkeit, Lebensqualität und ja, Krippenplätze. Die Stadt Zürich als Beispiel brauche die Mittel, um die steigenden Investitionen zu finanzieren, etwa Schulen und den ÖV-Ausbau. Bemerkenswert war, dass auch Kloten Nein zur Vorlage sagte, obwohl hier die Steuern ebenfalls sprudeln und sich der Stadtpräsident für ein Ja aussprach. Doch die prognostizierten zehn Millionen Franken Einnahmeverlust waren eine zu hohe Hypothek.
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FDP spricht von Steuerhölle
Die FDP schreibt in einer Stellungnahme, dass „der Kanton Zürich mit diesem Nein weiterhin eine regelrechte Steuerhölle für Unternehmen bleiben“ werde. Der Fraktionspräsident der FDP im Kantonsrat, Claudio Zihlmann, lässt sich so zitieren: „Der Kanton Zürich wird damit leider in Zukunft weiter Unternehmen an andere Kantone verlieren, womit Steuersubstrat, Arbeits- und Lehrstellen verloren gehen werden.“
FDP-Kantonsrat Christian Müller kritisierte die Gegnerinnen und Gegner der Vorlage scharf: „Die linken Falschaussagen, dass mit einer Steuersenkung für Unternehmen Steuersubstrat verloren geht, haben sich durchgesetzt. Dass diese Behauptungen schlicht falsch sind, zeigt die Erfahrung anderer Kantone.“
„Wie immer gilt im Kanton Zürich, was das Volk sagt, gilt es zu akzeptieren“, sagte Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) an einer Medienkonferenz.
Auch ländliche Gemeinden sagten Nein
Domenik Ledergerber, Präsident der SVP Kanton Zürich, kritisierte die Ja-Kampagne, angeführt von der Zürcher Handelskammer, als „zu brav“. Definitiv nicht erfolgreicher war aber offensichtlich die eigene Ja-Kampagne der SVP mit einem Bild der sinkenden Titanic und der Drohung, dass mit einem Nein zur Steuersenkung der Kanton untergehe. Viele kleine Landgemeinden, die in der Regel bürgerlich wählen und abstimmen, sagten heute ebenfalls Nein – etwa die Gemeinden Turbenthal, Hagenbuch, Rafz und Dorf.
Und so lautet das Endresultat zur Vorlage für die Steuersenkung: 45,5 Prozent Ja (149’962 Stimmende) zu 54,5 Prozent Nein (179’439 Stimmende). Die Stimmbeteiligung betrug eher magere 35,3 Prozent. Eine Schlappe für den Regierungsrat. „Wie immer gilt im Kanton Zürich, was das Volk sagt, gilt es zu akzeptieren“, sagte Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) an einer Medienkonferenz.
Stadtzürcher Exekutive darf sich freuen
In der Stadt Zürich holte die Exekutive hingegen drei klare Siege. Mit deutlichen Mehrheiten winkten die Stimmberechtigten alle drei städtischen Abstimmungsvorlagen durch. Die Flughafen-Vorlage, den Neubau der Wohnsiedlung Salzweg in Altstetten und die Erweiterung des Schulhauses Entlisberg in Wollishofen.
Am ehesten umstritten war noch die Vorlage für eine Schulhauserweiterung. Die SVP und die FDP lehnten die Vorlage ab. Hauptgrund waren die Kosten, denn das Budget stieg im Laufe der Planung von 34,5 Millionen Franken auf 54 Millionen. Für die Kritikerinnen und Kritiker ist dieser Kostensprung typisch, wie das etwa auch beim Projekt für ein neues Sportzentrum in Oerlikon der Fall sei.
Das Kostenargument habe aber offensichtlich nicht verfangen, bemerkte Stadtrat André Odermatt (SP) am Sonntag vor den Medien. Mit 68,5 Prozent Ja-Stimmen gab es eine ordentliche Zustimmung zum Millionenprojekt. Am knappsten war das Resultat in den FDP-Hochburgen, den Stadtkreisen 7 und 8, mit 59,5 Prozent Ja-Stimmen.
Noch zur trocken-tönenden Flughafen-Vorlage, dem „Übertrag der Beteiligung an der Betreiberin des Flughafens vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen, Objektkredit von rund 334,04 Millionen Franken“: Grüne und AL wollten, dass die Stadt ihre Flughafenaktien dereinst verkaufen kann. Aus ihrer Sicht steht eine Beteiligung am Flughafen Zürich im Widerspruch zu den klimapolitischen Zielen der Stadt und gehört nicht zu den städtischen Aufgaben. Diese Argumente zogen aber offensichtlich nicht genug. Die Nein-Kampagne schaffte es auf 27,5 Prozent Nein-Stimmen. Immerhin, wenn man einrechnet, dass die SP für den Übertrag der Aktien ins Verwaltungsvermögen war – zusammen mit der EVP, der FDP, der GLP, der Mitte und der SVP.
Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) äusserte sich erfreut über das Ergebnis. Die Stimmbevölkerung anerkenne mit diesem Ja den Wert der Mitsprache der Stadt Zürich bei dieser „wichtigen Infrastruktur“. Die Bevölkerung sei klar der Ansicht, dass die Stadt beim Flughafen mitreden solle, berichtete der „Tages-Anzeiger“.
Das kleine, aber feine Rathuus-Fäschtli hat den beiden Rathuus-Gründern viel Spass gemacht (v. l.): Lorenz Steinmann und Pascal Turin genossen den Abend in vollen Zügen. Bild: Tobias Stepinski
Pascal Turin
Der Montag rückt näher, aber die siebte Folge des Rathuus-Podcasts versüsst dir den Sonntagabend: Lorenz Steinmann und Pascal Turin plaudern über ihre liebsten Sportteams. Ausserdem diskutieren die zwei Podcaster über eine neue Verkehrskampagne von Pro Velo Kanton Zürich, Fussverkehr Schweiz sowie der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich.
In der siebten Folge des Rathuus-Podcasts sprechen Lorenz Steinmann und Pascal Turin am Anfang kurz über die Stadtratswahlen 2026 in Zürich. Sie leiten dann aber mehr oder weniger elegant zum Hauptthema über: die neue Verkehrskampagne Abstand ist Anstand. Die Podcaster diskutieren darüber, was solche Aktionen bringen und erinnern sich an die “Züri faart Velo”-Kampagne von 1990. Also eigentlich war damals nur Lorenz so richtig dabei, weil Pascal noch wortwörtlich in den Kinderschuhen steckte.
In der locker-leichten Rubrik “Unsere Lieblings-…” gehts heute um Sportteams. Während Lorenz vom FC Zürich und den GC-Frauen schwärmt, versucht Pascal immer wieder das Gespräch auf Eishockey und den HC Lugano umzulenken. Ausserdem sprechen die Rathüüsler über die Uefa Women’s Euro 2025. Auch in Zürich finden Spiele der Fussball-EM 2025 statt – allerdings ist von Euphorie noch wenig zu spüren.
Und zum Schluss darf ein kurzer Rückblick auf unser kleines, aber feines Rathuus-Fäschtli nicht fehlen.
Ausschnitt aus dem Video zur Kampagne "Abstand ist Anstand": Der Clip will auf humorvolle Weise das Nebeneinander von Velofahrenden und zu Fuss Gehenden, aber auch von Autofahrenden aufzeigen. Video: Youtube, Screencast: Rathuus
Lorenz Steinmann
Die Stadt Zürich hat eine Kampagne lanciert. Sie will für mehr Verständnis zwischen Fussgängern und Velofahrerinnen sorgen. Wir haben nachgefragt, was sich die Verwaltung davon verspricht. Immerhin ist die Kampagne viel günstiger als der Velotunnel.
„Abstand ist Anstand“ lautet der Slogan der neusten Verkehrskampagne in der Stadt Zürich. Dahinter stehen Pro Velo Kanton Zürich, Fussverkehr Schweiz und die Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich (DAV). Das Ziel: „Ein besseres Miteinander von Fuss- und Veloverkehr durch rücksichtsvolles Verhalten“, heisst es auf Anfrage. Die Kampagne erinnert an Aktionen wie „So fahren, wie wenn das Grosi dabei wäre“ aus dem Jahr 2019 sowie „Generell freundlich, freundlich kommt man in Zürich besser an“ von 2015.
Es sind unauffällige Aktionen, die nie einen Preis holen bei den Werbungen des Jahres. Doch während die Grosi-Plakate und die auf jedem Polizeiauto prangenden „Generell freundlich“-Kleber wenigstens öffentlich präsent waren, haben sich die Verantwortlichen der neusten Kampagne „Abstand ist Anstand“ dazu entschieden, digital über die sozialen Medien zu kommunizieren. Will heissen: Die Kampagne ist bisher eine rein virtuelle Angelegenheit.
Laut Kommunikations-Fachperson Chantal Stocker von der DAV zieht die Stadt aber in Erwägung, „die Kampagne im öffentlichen Raum weiterzuentwickeln“.
Fussgängerinnen und Velofahrer sollen also vorderhand aufs Handy schauen, um mit Abstand und mit Anstand aneinander vorbeizukommen. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Wie gefährlich die Benutzung des Mobiltelefons als Verkehrsteilnehmer und -teilnehmerin nämlich ist, zeigen Kampagnen wie „Tipp, tipp, tot“ und „Be smart“ aus Deutschland sowie aktuell „App-gelenkt“ der Kantonspolizei Zürich.
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Immer auf die Schwächeren
Doch worum geht es eigentlich bei „Abstand ist Anstand“? Das 30-sekündige Animations-Filmchen zur Kampagne zeigt das zwischenmenschliche Verhalten auf der Strasse respektive auf dem Trottoir, in einer Art Kaskadenprinzip (Stichwort: Joggeli söll ga Birli schüttle). Ein Velofahrer wird von einem Autofahrer drangsaliert, indem der Drahtesel mit engem Abstand überholt wird. Der Velofahrer rächt sich, indem er einen Fussgänger sehr knapp überholt. Der Fussgänger wiederum bedrängt eine Ente, die ihm im Weg ist.
Laut den Macherinnen und Machern soll der Clip auf humorvolle Weise zum Perspektivenwechsel auffordern. Angeklickt haben ihn Stand heute Mittwoch auf der Social-Media-Plattform Instagram etwa 10’800 Leute. Auf dem Videoportal Youtube sind es nur rund 380 Aufrufe. Aber immerhin hat der Youtube-Kanal des Grünen Nationalrats Balthasar Glättli (@bglaettli) in den Kommentaren zum Video ein Herz-Emoji hinterlassen.
Überschaubare Menge an Kommentaren
Die Kommentare auf Instagram sind mengenmässig und inhaltlich überschaubar. Beispiele gefällig? „Trennt endlich diese leidigen Mischzonen. Wenn nirgendwo das Velo priorisiert wird, macht man so einen Seich“, schreibt Schniggischnägli. „Ihr mached würkli alles usser de ÖV endlich fördere“, findet Stengelboy96.
Und Marmey90 stellt fest, dass „ganz einfach die Autos verantwortlich sind für den knappen Stadtraum von Velo- und Fussgängerbereichen“. Da habe es noch sehr viel Potential, den begrenzten Raum für Velos und Fussgänger zu vergrössern.
Kleine Brötchen für Kampagne, 40 Millionen für einen Velotunnel
Die laut der Stadt Zürich ausgegebenen 10’000 Franken für die Produktion des Videos sowie die Massnahmen zur Bewerbung der Kampagne scheinen angemessen. Die Kosten für solche animierte Filme können je nach Komplexität und Stil stark variieren.
Dass kein Geld ausgegeben wurde „für die Ideenentwicklung und den Arbeitsaufwand von Pro Velo Kanton Zürich in Zusammenarbeit mit Fussverkehr Schweiz“ ist natürlich ein Pluspunkt.
Die Stadt Zürich hat also kleine Brötchen gebacken für diese Kampagne. Gross angerichtet hat sie hingegen beim Bau des Velotunnels unter dem Hauptbahnhof hindurch.
Dieses bisher grösste Velo-Infrastrukturprojekt in Zürich wird am 22. Mai eingeweiht. Mit der Eröffnung der Veloverbindung unter dem HB zwischen dem Sihlquai und der Sihlpost wird durchaus etwas Historisches gefeiert. Was vor rund 70 Jahren als Idee für eine Autobahn mitten durch die Stadt begann, findet nun einen Abschluss, inklusive kostenlose Velo-Abstellplätze und einem direkten Zugang zum Hauptbahnhof.
Die Kehrseite der Medaille: Weil sich Politiker und Planerinnen heftig getäuscht haben, betragen die Kosten mittlerweile über 40 Millionen Franken. Für 320 Meter Tunnel ist das eine stolze Summe. Teurer pro Meter ist da nur noch die Einhausung Schwamendingen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
Der Wald ist ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Mit Holz können energieintensive Baumaterialien wie zum Beispiel Beton ersetzt werden. Mit Holz wird aber auch geheizt. Bild: Pascal Turin
Pascal Turin
Der Schweizer Wald erfüllt viele Funktionen – vom Erholungsraum bis zum Holzlieferanten für Möbel, Häuser oder Heizmaterial. Doch Klimawandel und Schädlinge setzen ihm zu. Zwei Zürcher SVP-Kantonsräte haben beim Regierungsrat nachgefragt, ob der Wald im Kanton Zürich übernutzt wird.
Wie geht es eigentlich unserem Wald? Nicht besonders gut – jedenfalls, wenn man den Waldbericht 2025 heranzieht. Verfasst wurde dieser vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) und von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) mit Sitz in Birmensdorf. Extremereignisse wie Hitze, Trockenheit, Stürme und Schädlinge setzen dem Wald stark zu.
Anmerkung für fachfremde Personen: Der Ausdruck „Bäume ernten“ bezeichnet in der forstwirtschaftlichen Fachsprache nicht das Pflücken von Früchten wie Äpfeln oder Kirschen, sondern das Fällen und Aufarbeiten (Zerteilen) von Bäumen.
Kommen wir nun zum Anfang zurück: „Auf die Frage ‚Wie geht es dem Schweizer Wald?‘ gibt es keine einfachen Antworten“, heisst es im Vorwort des Waldberichts. Doch eines sei sicher: Der Klimawandel mache sich auch im Wald bemerkbar.
Gibt es also gar keine guten Nachrichten?
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Doch, zumindest in einem Bereich: Laut dem Bericht hat sich die Biodiversität im Wald in der letzten Dekade, also seit 2015, leicht positiv entwickelt. „Die Vielfalt der Schnecken-, Moos- und Baumarten sowie die Bestände der meisten Waldvogelarten haben zugenommen“, schreiben die Fachleute.
Stürme und Trockenheit führen dazu, dass mehr sogenanntes Totholz entsteht – abgestorbenes, sich zersetzendes Holz, das für viele Arten lebenswichtig ist.
Steht auch der Zürcher Wald unter Stress?
Den Waldbericht ebenfalls gelesen haben die SVP-Kantonsräte Markus Bopp aus Otelfingen und Urs Wegmann aus Neftenbach. Sie haben im Zürcher Kantonsparlament eine Anfrage eingereicht. Gemäss ihrem Vorstoss ist unter Fachleuten zu hören, dass die Hiebsätze – also die nachhaltig zulässige Menge Holz, die jährlich geschlagen werden darf – in den letzten Jahren gesunken sind. Die Gründe dafür seien jedoch nicht klar. „Vor diesem Hintergrund ist eine verstärkte Förderung von Holzheizungen zu hinterfragen, denn möglicherweise liegt das Potenzial des Holzzuwachses in Zürich tiefer als bisher angenommen“, schreiben die Kantonsräte.
Unter anderem möchten die SVP-Politiker wissen, wie sich die Hiebsätze im Kanton Zürich in den letzten 20 Jahren verändert haben und ob die Gefahr besteht, dass aufgrund der steigenden Zahl an Holzheizungen die Wälder durch den erhöhten Brennholzbedarf übernutzt werden. Darüber hinaus soll der Regierungsrat beantworten, ob die Zürcher Wälder gestresst sind – und welche Faktoren dabei mitverantwortlich sein könnten.
Beide Politiker besitzen selbst Wald
Die Anfrage der Kantonsräte lässt sich auch als Ausdruck der Sorge verstehen, dass der Zürcher Wald unter dem steigenden Nutzungsdruck leiden könnte – und der Regierungsrat möglicherweise gegensteuern muss. „Im Grundsatz sehe ich aktuell nicht sofortigen Handlungsbedarf. Sollte der Wald übernutzt werden, müsste das aber breit diskutiert werden“, sagt Markus Bopp zu Rathuus. Der Landwirt heizt bei sich zu Hause hauptsächlich mit Öl. Zu seinem Landwirtschaftsbetrieb gehören rund zwei Hektaren Wald – also etwas mehr als die Grösse des Sechseläutenplatzes voll Wald. Ausserdem ist Bopp in der Geschäftsführung der Forstbetrieb Altberg-Lägern GmbH.
Auch Urs Wegmann besitzt Wald – insgesamt 1,5 Hektaren. „Mir fällt auf, dass aufgrund des gestiegenen Preises der Hackholzschnitzel vermehrt Holz direkt der Energienutzung zugeführt wird, das sich eigentlich auch als Bauholz eignen würde“, so der Landwirt, der bei sich daheim mit Holz heizt. Kleine Holzmengen mit niedriger Qualität lohnen sich laut Wegmann kaum für den Verkauf an Sägereien – sie landen entweder im eigenen Ofen oder als Hackholz auf dem Markt. Aus seiner Sicht steht die Frage im Raum: „Sind wir auf dem richtigen Weg, oder steuern wir auf eine Übernutzung zu? Haben wir in 20 oder 30 Jahren noch genügend Holzzuwachs und Waldbestände, um den Bedarf zu decken?“
In der Schweiz besteht noch grosses Potenzial, wenn es um nachhaltige Holznutzung geht. Dies zeigt eine Analyse von der Empa und der WSL. Bild: Pascal Turin
Und was sagen die Fachleute von der WSL?
„Grundsätzlich haben Schweizer Wälder pro Hektare in ganz Europa im landesweiten Durchschnitt den höchsten Holzvorrat“, erklärt Beate Kittl, Medienbeauftragte bei der WSL auf Anfrage. Im Mittelland, also auch in Zürich, gehe der Vorrat aber leicht zurück. Dies liege zum Teil daran, dass vermehrt Bäume sterben würden. Als Gründe zählt Kittl Trockenheit und Borkenkäfer auf Fichten oder das Eschentriebsterben auf. Ein weiterer Grund sei der vergleichsweise gute Preis, den die Fichte auf dem Holzmarkt erzielt. Und sie verweist auf eine aktuelle Analyse von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt – kurz Empa – und der WSL.
Recycling-Rate bei Holz ist tief
Das Fazit der Analyse: In der Schweiz besteht noch grosses Potenzial, wenn es um nachhaltige Holznutzung geht. Die Recycling-Rate beim Holz beträgt laut einem Artikel auf der Empa-Website nur knapp acht Prozent. „Von den fünf bis sieben Millionen Kubikmetern Holz, die wir in der Schweiz jährlich ernten, werden rund 40 Prozent direkt energetisch genutzt – sprich verbrannt“, lässt sich Nadia Malinverno aus dem Empa-Labor „Technologie und Gesellschaft“ zitieren.
Die Vision der Forschenden lautet darum Kaskadennutzung. Damit ist gemeint, dass Holz erst verbaut und dann verbrannt werden sollte. So könnte man das CO2 möglichst lange der Atmosphäre entziehen. „Erst wenn das nicht mehr geht, würde es zerkleinert und in die nächste Materialstufe überführt, beispielsweise als kleinere Bretter, Holzspäne oder Holzwerkstoffe“, heisst es im Artikel weiter. Und in den Ofen sollte das Holz erst dann kommen, wenn man es wirklich nicht mehr anders brauchen kann. Denn verbrannt ist auch endgültig verschwunden.
Die Anfrage im Kantonsrat wurde von Markus Bopp und Urs Wegmann am 24. März eingereicht. Der Regierungsrat hat insgesamt drei Monate Zeit, um sie zu beantworten. Also theoretisch sollten die Antworten bis Ende Juni vorliegen.
Mit vereinten Kräften schaffen es Michael Hochstrasser (Lüscher Gartenbau) und Violanta von Salis (von salis communication): Auch auf dem Werdmühleplatz steht eines der Hochbeete. Bild: Lorenz Steinmann
Lorenz Steinmann
Sie wurden im grössten Regen aufgestellt, die Hochbeete mit Wildblumen. Damit werben die Organisatoren für das Festival Abenteuer Stadtnatur. Der Anlass steht in der Tradition von Stadtzürcher Umweltveranstaltungen.
Es hat sich vom Geheimtipp zur festen Grösse entwickelt – das Festival Abenteuer Stadtnatur, das vom 21. bis 25. Mai stattfindet. Rund 30 Organisationen bieten an über 50 Veranstaltungen Einblicke in die Vielfalt der Pflanzen, Tiere und Lebensräume im naturnahen Zürich. Und das schon zum neunten Mal.
Das diesjährige Fokusthema lautet „Spurensuche in der Nacht“. Beobachtet werden nachtaktive Tiere wie etwa die Igel, die kleinen Fussgänger der Nacht. Bei einer Exkursion mit der Umweltorganisation Dark Sky geht es darum, herauszufinden, was Tiere stresst, wenn es zu viele Lichtquellen hat. Und bei einem Fotokurs werden Wildtiere in nächtlichen Stadtlandschaften porträtiert.
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Das Thema im Schnelldurchlauf
Für alle sichtbar gemacht wird das Festival mit Wildblumenbeeten, welche die blühende Natur auf den Paradeplatz, auf den Werdmühleplatz, ans Limmatquai und vor elf Gemeinschaftszentren bringen. Das Aufstellen der SBB-Paletten war kein Schleck, regnete es doch den ganzen Tag in Strömen. Doch der Regen sei ein Segen gewesen für die Natur, hiess es von der beteiligten Gartenbaufirma. Auch Violanta von Salis vom Veranstaltungsbüro Abenteuer Stadtnatur, die selber ebenfalls anpackte, nahm es mit Humor. Sie war zwar abends nass bis auf die Haut, doch um eine Erfahrung reicher.
Das ist nicht alltäglich. Auf dem 100 Prozent asphaltierten Paradeplatz stehen zwei Hochbeete mit Wildpflanzen. Bild: Lorenz Steinmann
Für alle, die am Festival selber keine Zeit oder keine Lust auf längere Ausflüge haben, ist der folgende Tipp passend: Am Donnerstag, 22. Mai, von 19 bis 20.30 Uhr wird in Zusammenarbeit mit dem Newsportal Tsüri im Kulturpark eine sogenannte Pitch-Night veranstaltet. „Nachtschwärmer aufgepasst!“ lautet das Thema. Expertinnen und Experten „pitchen“ – also präsentieren – dabei in je sieben Minuten die nächtliche Stadtnatur.
Der erstarkte Verbund im Hintergrund
Hinter dem Festival steht der Verbund Lebensraum Zürich (VLZ). Über 50’000 Bewohnende der Stadt Zürich tragen die 40 Vereins- und 90 Gönnermitgliedschaften und damit die Ideen und Aktivitäten des VLZ. Dabei sind unterschiedliche Verbände querbeet vom Hauseigentümerverband Zürich bis zur Umweltschutzorganisation WWF Zürich, vom Verschönerungsverein Zürich bis zum Science Lab UZH der Universität Zürich oder der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich. Sie alle wollen beitragen zum VLZ-Vereinsziel nach mehr Grünräumen und mehr Lebensqualität für Menschen, Tiere und die Natur.
Ueli Nagel ist zurückgetreten als Präsident des Verbundes Lebensraum Zürich (VLZ). Nachfolgerin wurde Monica Sanesi. Bild: Lorenz Steinmann
Eben hat die Stabübergabe beim Präsidium stattgefunden. An der Generalversammlung des VLZ trat der alt Gemeinderat Ueli Nagel (Grüne) nach zehn erfolgreichen Präsidiumsjahren zurück. Mit Monica Sanesi hat ein bisheriges Vorstandsmitglied die Leitung übernommen und sorgt so für Kontinuität. Sie ist zudem GLP-Kantonsrätin und kann die Brücke in die Politik schlagen.
Weniger Zukunftssorgen als auch schon hat der VLZ zudem, weil er ab 2025 mit jährlich 80’000 Franken von der Stadt Zürich unterstützt wird.
Das sind die prominenten Vorgängerveranstaltungen
Das Thema Natur steht im Mai nicht nur in Zürich im Fokus. Abenteuer Stadtnatur ist nämlich der Stadtzürcher Beitrag zum Festival der Natur, welches aus Anlass des internationalen Tags der Biodiversität (22. Mai) in der ganzen Schweiz mit rund 750 Veranstaltungen stattfindet. Dabei erinnern sich naturaffine Zürcherinnen und Zürcher vielleicht an die Zürcher Umwelttage, die zum fast gleichen Thema zwischen 2004 und 2011 stattfanden. Das Patronat hatte damals die Stadt Zürich.
Alle Formen der Mobilität hatten die ebenfalls von der Stadt Zürich organisierten Aktionstage Zürich multimobil im Fokus. Diese stellte die Stadt Zürich zwischen 1999 und 2013 auf die Beine. Jene durchaus streitbare Veranstaltung kam ursprünglich vom europäischen Aktionstag „In die Stadt – ohne mein Auto“ her.
Kampagne für eine autofreie Mobilität, etwa auf der Rudolf-Brun-Brücke im Jahr 2003. Das passierte im Rahmen von Zürich multimobil. Bild: Lorenz Steinmann
Aus heutiger Sicht fast unvorstellbar stellte sich der damalige SP-Stadtrat Robert Neukomm höchstpersönlich an eine Einfallsachse und verteilte Flyer an die vor dem Rotlicht wartenden Automobilistinnen und Automobilisten.
Tempi passati! Heute sorgen schon zwei auf dem Paradeplatz aufgestellte Blumenbeete für Schlagzeilen, zumindest auf Rathuus.
Themenbezogene Interessenbindung des Autors: Lorenz Steinmann hat im Rahmen seiner Tätigkeit beim Verlag Lokalinfo bis 2023 die Sonderzeitung „Abenteuer Stadtnatur“ für den Verbund Lebensraum Zürich verantwortet. Und ja, er war vor Jahren auch Gesamtprojektleiter der von der Stadt Zürich organisierten Veranstaltung Zürich multimobil. 2025 trägt er auf Mandatsbasis mit Texten und Fotos zum Gelingen des Naturfestivals bei.
Hüfttief im Schnee steckt hier Sven Sobernheim. Sonst ist der GLP-Politiker aber durchaus flexibel und für politische Kompromisse zu haben. Bild: zvg
Lorenz Steinmann
In unserer neuen Serie „Ein indiskreter Fragebogen fürs Rathuus“ fühlen wir Politikerinnen und Politikern auf den Zahn. Die Premiere macht Sven Sobernheim, GLP-Gemeinderat aus Seebach.
Sven Sobernheim, wie wurden Sie politisiert? Ganz klassisch im Elternhaus am Mittags- und Abendtisch.
Was wollten Sie als Kind werden? Lokführer.
Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten? Der weltweite Rechtsruck, die Polarisierung. Dies ist alles beunruhigend und beeinflusst auch uns in der Stadt Zürich.
Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste? Ich bin seit meinem 18. Geburtstag Mitglied bei der GLP. Von daher …
Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt? Ja, natürlich. Und für Referenden ebenfalls.
Welche Staatsmänner halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch? Die Erhöhung von einzelnen Personen liegt mir nicht so. Auch solche Personen brauchen Leute, die sie unterstützen. Aber ich hoffe, es sind nicht nur Staatsmänner, sondern auch Staatsfrauen gemeint …
Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken? Mit Hans Heinrich Hürlimann und ihn fragen, ob er sein Bier noch wiedererkennt.
„Bis heute habe ich leider noch keine Fremdsprache richtig gut gelernt.“
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Was ist Ihr Lieblingsrestaurant in der Stadt oder im Kanton Zürich? Die Abwechslung. Was ich als Züri-Nördler aber mag, dass es in Oerlikon mit dem „Venus Bistro“, dem „Südhang Weine“ oder dem „Frischen Max“ unterdessen auch eine gute Auswahl hat.
Kaufen Sie das „Surprise“ und lesen Sie es auch? Leider viel zu selten und lesen noch viel weniger.
Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht? Eine Fremdsprache richtig gut gelernt.
Wer ist für Sie der oder die bedeutendste Zürcherin? Wie gesagt: Die Erhöhung von einzelnen Personen liegt mir nicht so. Auch solche Personen brauchen Leute, die sie unterstützen.
Sex ohne Liebe, was halten Sie davon? Jede:r soll tun, was sie/er/es will.
Was war Ihr grösster politischer Erfolg? Als Politiker aus der politischen Mitte ist man eher für den guten Mix oder den guten Kompromiss zuständig als für den grössten Erfolg. Sei es bei der Bau- und Zonenordnung 2016, beim regionalen und kommunalen Richtplan oder bei etlichen Budgetvorlagen.
„Wir sollten kein eigenes Gebäude für den Gemeinderat haben.“
Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas? Fauxpas? Fauxpas sind in der Politik wichtig. Wenn wir alle gesellschaftlichen Sitten und Gebräuche beibehalten würden, wäre Zürich glaube ich nicht so progressiv, wie ich es erlebe und schätze.
Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard? Wir sollten kein eigenes Gebäude für den Gemeinderat haben. Daher ist meine pragmatische Devise vor allem darauf zu schauen, dass wir beide (der Kantonsrat und der Gemeinderat, Anm. d. Red.) dasselbe tun.
Portobello-Burger oder Poulet-Kebab? Als Vegi: Portobello.
Taylor Swift oder Beatrice Egli? Taylor Swift.
Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy? Eine wechselnde Diashow.
Worauf freuen Sie sich? Auf (fast) jeden neuen Tag.
Und worüber können Sie lachen? Mit und über jede:n, inklusive mir selbst.
Sven Sobernheim hat den Rathuus-Fragebogen am 4. Mai 2025 ausgefüllt. Sobernheim ist 35-jährig, wohnt in Seebach, hat Verkehrsplanung studiert und arbeitet als Selbstständiger im Bereich Baubewilligungen. Für die Grünliberale Partei (GLP) sitzt er seit dem Jahr 2014 im Gemeinderat der Stadt Zürich. Seit Mai vergangenen Jahres ist er Präsident der einflussreichen Rechnungsprüfungskommission, zudem ist er Mitglied der Interfraktionellen Konferenz – kurz IFK. Ausserdem amtet er seit April als Präsident des Quartiervereins Seebach.
Im Jahr 2024 sind 31,2 Millionen Passagiere über Kloten geflogen: Der Flughafen Zürich ist eine wichtige Verkehrsinfrastruktur der Schweiz, ob einem das gefällt oder nicht, findet Pascal Turin, Co-Chefredaktor von Rathuus. Bild: Pascal Turin, Bildmontage: Rathuus
Pascal Turin
AL und Grüne machen Symbolpolitik – und missbrauchen dafür ein finanzrechtliches Geschäft. Klimaziele hin oder her. Die Stadt Zürich muss ihren Einfluss auf den Flughafen behalten, sonst gibt sie das Heft komplett aus der Hand. Ein Kommentar.
Fliegen ist bequem. Ein Direktflug von Zürich nach Berlin mit der Airline Swiss kostet in der Economy-Class heute Montag zwischen 200 und 500 Franken. Und er dauert nur rund 1 Stunde und 25 Minuten. Mit dem Zug lässt sich zuerst einmal gar keine Direktverbindung finden. Ausserdem dauert die Fahrt über 8 Stunden. Immerhin: Selbst ohne Halbtax geht es in der 2. Klasse dank dem Sparangebot ab rund 100 Franken los.
Wer Bequemlichkeit vor Nachhaltigkeit stellt, für den ist die Antwort klar: Ab ins Flugzeug und den Zug links liegen lassen. Ich persönlich bin seit einer Nordamerika-Reise im Jahr 2019 nie mehr geflogen. Nicht wegen meines Klimagewissens. Die meisten meiner Reiseziele konnte ich gut mit dem Zug erreichen. Zudem haben wir ein Auto (neuerdings voll-elektrisch). Doch genug zu mir.
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Eigentlich geht es in diesem Text um ein trocken tönendes, finanzrechtliches Geschäft, über das die Stadtzürcher Stimmbevölkerung am 18. Mai abstimmen darf: der „Übertrag der Beteiligung an der Betreiberin des Flughafens vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen, Objektkredit von rund 334,04 Millionen Franken“.
Will heissen: Bleibt die Flughafen-Beteiligung im Finanzvermögen, könnte sie die Stadt theoretisch dereinst verkaufen. Ob sie das tun würde, ist allerdings fraglich.
So weit, so gut. Der Stadt Zürich gehören 5 Prozent der Aktien der Flughafen Zürich AG. Der Kanton hält rund 33 Prozent. Man kann sich sicher darüber streiten, wie viel Einfluss die Limmatstadt im achtköpfigen Verwaltungsrat der Flughafen Zürich AG wirklich hat. Vertreten wird sie dort durch Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP). Vermutlich ist der Einfluss klein – aber eben nicht null.
Gegenteiliger Meinung sind wenig überraschend AL und Grüne: „Eine Beteiligung der Stadt Zürich verschafft ihr keinen echten Einfluss auf die strategische Ausrichtung oder ökologische Verantwortung der Flughafen Zürich AG.“
SP stellt sich für einmal gegen AL und Grüne
Bleiben wir realistisch: Wird die Vorlage abgelehnt, passiert erst mal gar nichts. Ein Nein würde wahrscheinlich von ökologischen Kreisen als generelles Votum der städtischen Stimmberechtigten gegen den Flughafen interpretiert werden. Frei nach Pippi Langstrumpf: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.
Die AL und die Grünen müssten nach einem Nein auf politischem Weg eine Mehrheit finden, damit die Stadt die Flughafen-Beteiligung verkauft. Es kann sein, dass ihnen das gelingt. Dafür brauchen sie aber sicher die Unterstützung der Sozialdemokraten. Interessanterweise ist die SP für den Übertrag der Aktien ins Verwaltungsvermögen – zusammen mit der EVP, der FDP, der GLP, der Mitte und der SVP.
Der Flughafen Zürich ist eine wichtige nationale Verkehrsinfrastruktur – ob einem das gefällt oder nicht. Die Stadt muss ihren Einfluss dafür nutzen, dass sich der Flughafen in eine Richtung entwickelt, die mit ihren Klimazielen vereinbar ist. Hält sie keine Aktien mehr an der AG, bleibt ihr nur noch politischer Einfluss – etwa über Verbände oder bei Vernehmlassungen. Dann steht die wichtigste Stadt des Landes da wie alle anderen Gemeinden.
Wer nicht mit am Tisch sitzt, kann auch nicht mitbestimmen.
Sie geniessen die sommerlichen Temperaturen in Zürich (v. l.): Lorenz Steinmann und Pascal Turin wollten eigentlich ein Selfie mit einem Traverso der Südostbahn im Hintergrund knipsen. Doch leider fuhr gerade keiner vorbei. Bild: Rathuus
Pascal Turin
Die Rathuus-Podcaster Lorenz Steinmann und Pascal Turin wären insgeheim gern Tech-Journalisten. Darum widmen sie sich in der sechsten Folge ihres Podcasts den Themen KI sowie Microsoft 365. Ausserdem wird fröhlich über den Sinn und Unsinn von Medienkonferenzen diskutiert.
In der sechsten Folge des Rathuus-Podcasts kommt Pascal Turin auf seine Kosten. Er darf einen Monolog über das Büroprogramm Microsoft 365 halten. Halt, stopp! Haben wir darüber nicht schon mal in einer Folge ausführlich geredet? Jawohl, aber dieses Mal schauen wir über den Gartenzaun in den Kanton Basel-Stadt.
Lorenz hingegen erinnert sich zurück an schlecht besuchte Medienkonferenzen. Und zwar als Journalist und als Organisator. Er hat darum eine steile These gewagt: Lorenz behauptet frech, dass solche Veranstaltungen ein Auslaufmodell sind. Wir haben in unseren Erinnerungen gegraben und gute sowie schlechte Beispiele für Medienkonferenzen gefunden.
Mit Daniel Leupi, Kaspar Bopp, Hannah Pfalzgraf und Donato Scognamiglio (v.l.) traten vier prominente Menschen an der Medienkonferenz gegen die Senkung der Unternehmenssteuer auf. Trotzdem kamen nur drei Journalisten. Bild: Lorenz Steinmann
Lorenz Steinmann
Wenn politische Komitees, Ämter und Firmen Medienkonferenzen alter Schule organisieren, sind fast keine Journalistinnen und Journalisten mehr dabei. Entsprechend organisiert die Stadt Zürich seit 2021 gut ein Drittel weniger Medienanlässe. Doch damit sinkt auch die Präsenz in den Medien. Es ist ein Teufelskreis. Eine Auslegeordnung.
09.45 – 10.30 Uhr: Eintreffen der Gäste und der Medienschaffenden, Kaffee und Gipfeli
10.30 – 10.45 Uhr: Begrüssung durch Stadtrat Felix Häberli, Vorstand des technischen Departements
10.45 – 11.30 Uhr: Besichtigung der neuen Fernwärme-Turbine
11.30 – 11.45 Uhr: Referat von dipl. Ing. ETH Jochen Indermühle „Die Energieversorgung im Wandel der Zeiten“
11.45 – 12.00 Uhr: Referat von Prof. Dr. Heinz Winnewisser „Wie sich Erdöl 180° der Zukunft zu stellen vermag“
12.00 Uhr: Fragen der Medienschaffenden
12.30 Uhr: Gemeinsamer Apéro riche
13.00 Uhr: Abgabe der Medienmappe
Zeitreise ins Jahr 2001? Realität von heute? Wohl ein Mix und eine etwas überspitzte Darstellung eines in PR-Stuben konzipierten Ablaufs einer Medienkonferenz. Aber irgendwie typisch, wie die Vorstellungen von Veranstalterinnen und Veranstaltern nicht (mehr) übereinstimmen mit den Bedürfnissen der Medienschaffenden. Dazu erst mal einige Zahlen.
Im vor wenigen Tagen publizierten 458-seitigen Geschäftsbericht der Stadt Zürich ist eine überaus interessante Tabelle zu finden. Nämlich jene über die Kennzahlen der Medieneinladungen (Medienkonferenzen, Besichtigungen und Ähnliches). Dabei ist die Tendenz frappant. Fanden 2021 noch 56 Anlässe statt, waren es 2022 nur 46, 2023 dann 49 und 2024, also im vergangenen Jahr, lediglich noch deren 38. Das ist eine markante Abnahme um 32 Prozent innert vier Jahren.
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Die bestätigte These von 2017
Das untermauert eine 2017 schon in der Masterarbeit von Markus Brotschi geäusserte These. Der Bundeshaus-Redaktor des „Tages-Anzeigers“ stellte damals an einem Anlass der ZHAW – Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften – fest: „Medienkonferenzen haben deutlich an Bedeutung verloren.“ Damit eine Konferenz besucht werde, sei laut seinen Aussagen mehr als ein vorgelesenes Referat nötig. „Es braucht politischen Sprengstoff oder die Anwesenheit einer wichtigen Persönlichkeit“, so Markus Brotschi. Dies könne den nötigen Mehrwehrt schaffen. „Zudem ist die Medienkonferenz für den Journalisten wichtig, um O-Töne einzuholen, mit Entscheidungsträgern in Kontakt zu treten und vielleicht auf diesem Weg sogar an eine exklusive Geschichte zu kommen.“
Acht Jahre später hat sich die Medienwelt nochmals rasant verändert. Der Sparhammer ist bei allen Medienprodukten spürbar. Zeit ist Geld und das hat man nicht. Um trotzdem auf allen Kanälen präsent zu sein, hocken die meisten Journalistinnen und Journalisten meist vor ihren Computern. Raus gehen, sogenannt „an die Front“ und zu den Leuten, passiert immer seltener.
Dazu ein Beispiel.
Vor den Ostertagen lud das überparteiliche Komitee gegen die geplante Senkung der Unternehmenssteuern im Kanton Zürich, die am 18. Mai an die Urne kommt, zu einer Medienkonferenz. Dabei waren der Stadtzürcher Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne), der Winterthurer Finanzvorsteher Kaspar Bopp (SP), SP-Kantonsrätin Hannah Pfalzgraf, Mitglied der Finanzkommission, sowie der Unternehmer und EVP-Kantonsrat Donato Scognamiglio. Es traten ohne Zweifel keine No Names auf.
Nur drei Nasen tauchten auf
Trotzdem tauchten nur drei Medienvertreterinnen und -vertreter auf. Für die Organisatoren eine mittlere Katastrophe. Entsprechend mager war das Medienecho. Immerhin, kann man entgegnen, erschienen die „Neue Zürcher Zeitung“, Tele Züri (und der Schreibende, der für die Lokalinfo berichtete). So schaute zumindest ein Bericht beim TV-Privatsender und ein Artikel in den Lokalinfo-Blättern heraus. Die NZZ wird die Erkenntnisse wahrscheinlich in den nächsten Tagen in einen allgemeinen Abstimmungstext mit Pro- und Kontra-Teil einfliessen lassen.
Dass keine Online-Medien über den Anlass des Nein-Komitees berichtet hatten, war wohl der Tatsache geschuldet, dass vom Nein-Komitee weder eine Medienmitteilung noch Bildmaterial verschickt worden ist. Gerade für Online-Medien ist das existenziell, um über Gewesenes zu berichten.
Der Termin war zudem ohne Zweifel schlecht getimt, am Gründonnerstag um 13 Uhr.
Auch die Befürworter hatten ein paar Tage früher zu einer Medienkonferenz eingeladen. In Stäfa stellten sich Sensirion-CEO Marc von Waldkirch und der kantonale Finanzvorsteher Ernst Stocker (SVP) den Medien. Auch dort war das Medienecho spärlich. Stäfa liegt halt aus Stadtzürcher Perspektive, wo die meisten Medienhäuser ihren Sitz haben, nicht gerade am Weg.
Oft ausgezeichnete Unterlagen
Medienkonferenzen der Stadt Zürich werden in der Regel mit einer guten Medienmitteilung begleitet, inklusive Zitate und oft auch Fotos der Veranstaltung. Voraus ist da der Stadt höchstens noch der Kanton, der seine Medienkonferenzen meist als Livestream überträgt.
Trotzdem ist die Medienresonanz – dies als Einschub – oft mager. Grund: „Tages-Anzeiger“ und NZZ bauen ihre regionale Berichterstattung spürbar ab, „20 Minuten“ etwa setzt mehr auf Boulevard und Unfallmeldungen. Das Lokalmedium Tsüri nutzt zumindest bei ihrem täglichen Newsletter vor allem Artikel von anderen Medien. Tapfer und treu sind Tele Top sowie das Regionaljournal von SRF, die an vielen Medienkonferenzen präsent sind.
Dies deckt sich mit Beobachtungen von angefragten Mediensprecherinnen und Mediensprechern von Stadt und Kanton Zürich. Übereinstimmend ist übrigens auch die Erkenntnis, dass die individuellen Medienanfragen bei gewissen Medienstellen spürbar abgenommen haben.
Was läuft, was nicht?
Es ist also nichts als logisch, dass wie eingangs erwähnt die Stadt Zürich quasi freiwillig auf Medienkonferenzen verzichtet. Nur schon die oft länglichen und abgelesenen Vorträge sind aus der Zeit gefallen. Hinten leuchted die aufwendig gepinselte Powerpoint-Präsentation auf. Man wähnt sich bei einem Meeting in einem Grossunternehmen. Gerade für elektronische Medien ist es oft eine Qual, eine Stunde oder mehr einfach zuzuhören, bevor die Phase mit den individuellen Interviews losgehen kann.
Ausnahmen bestätigen die Regel. Ein neuer Hubretter der Feuerwehr verspricht grandiose Bilder – also nichts wie hin. Oder damals, als 2017 SP-Stadträtin Claudia Nielsen kurzfristig bekannt gab, dass sie nicht mehr kandidieren wolle für den Stadtrat. Da klebten gut und gerne 40 Journalistinnen und Journalisten im Stadthaus an Nielsens Lippen. Aber sonst?
Wen interessiert den sportlichen Aspekt der Rad-WM?
Unvergessen ist ein gross aufgezogener Medienanlass des lokalen Organisationskomitees der Rad-WM 2024. Vorbei kamen lediglich Emil Bischofberger und Pia Wertheimer vom „Tages-Anzeiger“ sowie der Schreibende. Referenten hatte es hingegen mindestens fünf, dazu kamen Angestellte der Rad-WM auf den hinteren Sitzen. Der Medienverantwortliche Andreas Herren beschwichtigte damals, das Interesse steige dann schon noch, es gehe ja noch ein halbes Jahr. Schlagzeilen gab es später in der Tat, doch überwiegend negative.
Medienschaffende vs. Medienstellen
Oft herrscht bei den Organisatorinnen und Organisatoren Unverständnis darüber, warum so wenig Medienecho erzeugt wird. Doch Untersuchungen zeigen, dass die Anzahl Medienverantwortlicher bei Firmen und beim Staat stark zunimmt, während es immer weniger Medienschaffende hat. Der Vorteil ist, dass das Medienmaterial tendenziell besser wird. Ein Kränzchen winden kann man da der Universität Zürich oder dem Zoo Zürich. Deren Medienmitteilungen sind fast immer verständlich geschrieben. Der Zoo überzeugt natürlich zusätzlich mit tollen Tierfotos.
Nach wie vor werden Medienkonferenzen aber auch als Event nach innen abgehalten. Man gibt den Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern die Möglichkeit, sich vermeintlich im Scheinwerferlicht zu sonnen. Nur halt je länger, je mehr ohne Publikum.
Fazit: Weniger ist mehr. Lieber dann zur Medienkonferenz laden, wenn man wirklich den direkten Draht zu den Journalistinnen und Journalisten braucht. Vielleicht weil das Thema so kritisch oder so kompliziert ist. Wer vor Ort einlädt, muss auch was bieten. Und damit sind nicht Kaffee oder ein Apéro gemeint. Je weniger Ressourcen Medienschaffenden zur Verfügung stehen, je wählerischer werden sie.