Im indiskreten Rathuus-Fragebogen verrät SP-Kantonsrat Davide Loss, dass er mit Winston Churchill über dessen Europa-Ideen diskutieren möchte. Was er an Huldrych Zwingli gut findet – und welchen politischen Fehler er schon begangen hat.
Davide Loss, wie wurden Sie politisiert?
Ich habe als Kind mit meinen Eltern die Tagesschau geschaut und wollte bereits damals alles wissen und verstehen. So kam ich früh in Berührung mit Politik.
Was wollten Sie als Kind werden?
Astronom. Doch als ich merkte, wie viel Mathematik da drinsteckt, ist dieser Traumberuf für mich rasch gestorben.
Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
Wir sind an der Überarbeitung des Kulturleitbilds von Thalwil und konnten diesen Prozess erfolgreich gestalten, worüber ich mich sehr freue.
Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
Ich bin schon seit dem 17. Altersjahr in der Sozialdemokratischen Partei. Sie ist und bleibt die beste aller Parteien, da sie Politik für alle Menschen macht.
Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
Ja, das gehört sozusagen zur politischen Ochsentour. Ich erinnere mich, als ich mit 17 Jahren an einem kalten Wintermorgen Unterschriften für einen Stadtsaal in Adliswil gesammelt habe.
„Für moralisch halte ich sicherlich Nelson Mandela – für seine Fähigkeit zur Versöhnung. Oder Angela Merkel für ihr Verständnis von Verantwortung in Krisen.“
Welche Staatsmänner oder -frauen halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch?
Frei nach Max Frisch würde ich sagen: Moralisch sind für mich jene Staatsmänner und -frauen, die Macht begrenzen, Verantwortung übernehmen und bereit sind, Fehler einzugestehen – auch wenn es sie Stimmen kostet. Moralisch sind sicherlich Nelson Mandela für seine Fähigkeit zur Versöhnung oder Angela Merkel für ihr Verständnis von Verantwortung in Krisen.
Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken?
Mit Winston Churchill – um mit ihm über seine Ideen zu Europa zu diskutieren. Vermutlich würde ich aber eher eine feine Zigarre mit ihm rauchen. (lacht).
Was ist Ihr Lieblingsrestaurant in der Stadt Zürich oder im Kanton Zürich?
Das „Amalfi“ – ein toller Italiener im Seefeld.
Kaufen Sie das „Surprise“ und lesen Sie es auch?
Ja. Gerade weil es Perspektiven zeigt, die im politischen Alltag sonst leicht untergehen.
Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht?
Ich habe noch nie einen Fallschirmsprung gemacht. Doch diesen Traum werde ich mir bald erfüllen …
Wer ist für Sie der bedeutendste Zürcher oder die bedeutendste Zürcherin?
Huldrych Zwingli – weil er Zürich geistig und politisch nachhaltig geprägt hat. Und weil Streitkultur hier Tradition hat.
Sex ohne Liebe, was halten Sie davon?
Sex ist Privatsache. Politik wird davon jedenfalls nicht besser oder schlechter.
Was war Ihr grösster politischer Erfolg?
Wenn es mir gelungen ist, in einer Sachfrage Mehrheiten über Parteigrenzen hinweg zu finden.
„Mein grösster politischer Fauxpas? Ich habe gelernt: Man sollte nie glauben, eine Vorlage sei ’selbsterklärend‘.“
Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas?
Ich habe gelernt: Man sollte nie glauben, eine Vorlage sei „selbsterklärend“.
Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard?
Das historische Rathaus hat Charme und Geschichte – das Rathaus Hard hat funktionierende Sitzungszimmer. Beides hat seine Berechtigung. Die Rückkehr ins neue Rathaus werde ich wohl nicht mehr als gewählter Kantonsrat miterleben …
„Ich kann über mich selbst lachen – das erspart einem viele Erklärungen.“
Portobello-Burger oder Poulet-Kebab?
Poulet-Kebab. Unkompliziert, ehrlich, effizient.
Taylor Swift oder Beatrice Egli?
Beatrice Egli. Schweizer Pop mit Bodenhaftung.
Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy?
Landschaftsbilder aus den Ferien – das hilft, den Kopf zwischendurch zu lüften.
Worauf freuen Sie sich?
Auf politische Debatten, die wieder mehr Lust auf Lösungen machen.
Und worüber können Sie lachen?
Über mich selbst – das erspart einem viele Erklärungen.
Der gebürtige Adliswiler Davide Loss gehört seit 2011 dem Kantonsrat an. Der 38-jährige Rechtsanwalt arbeitet in der „advokatur kanonengasse“ im Stadtzürcher Kreis 4. Das SP-Mitglied mit schweizerisch-italienischer Doppelbürgerschaft ist zudem seit dem 1. Juli 2022 Gemeinderat in Thalwil und dort Bereichsverantwortlicher Gesellschaft und Sicherheit. Vorher war Loss zwölf Jahre lang Mitglied des Grossen Gemeinderats Adliswil, wo er ein Jahr lang das Präsidium innehatte.

SP-Kantonsrat Davide Loss (38) hat schon als Kind mit seinen Eltern die Tagesschau geschaut. "Ich wollte bereits damals alles wissen und verstehen. So kam ich früh in Berührung mit Politik." Bild: zvg
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