Gefährdete Tiere und Pflanzen mussten umziehen: Um für einen geplanten Neubau der Universität Zürich auf dem Campus Irchel Platz zu schaffen, wurden zwei bestehende Weiher an einen neuen Standort verlegt. Bei der Einweihung war auch Grünen-Baudirektor Martin Neukom dabei – und erlaubte sich einen Seitenhieb.
Das Wetter spielte mit und alle schienen guter Laune zu sein: Warum auch nicht? Schliesslich ging es um Good News. Oder anders gesagt stand ein Leib-und-Magen-Thema eines Politikers der Grünen im Mittelpunkt – nämlich Biodiversität. Gestern Dienstag weihte Baudirektor Martin Neukom im östlichen Teil des Irchelparks in Zürich eine Weiheranlage ein. „Was wir hier geschaffen haben, ist eine Umgebung, in der sich mehrere Arten wohlfühlen“, sagte Neukom stolz.
An diesem Ort soll sich nun die gefährdete Bauchige Schnauzenschnecke ein neues Zuhause einrichten. Das Tierchen trägt ein nur fünf bis acht Millimeter grosses Häuschen auf seinem Rücken. Die kleine Wasserschneckenart ist stark gefährdet und kommt neben dem Irchelpark nur noch im Zürichsee und vereinzelt in der Limmat vor. Fachspezialistinnen und Fachspezialisten siedeln die Schnecke darum von ihrem alten Lebensraum in die neue Weiheranlage um.
Ebenfalls gezügelt wird die geschützte Wasserfeder. Das ist eine Süsswasserpflanze, die mit blassrosa Blüten aus dem Wasser ragt. Auch sie ist stark gefährdet.
Die Weiheranlage ist eine ökologische Ersatzmassnahme, weil wegen eines Neubauprojekts der Zoologieteich und der Fischteich aufgehoben werden müssen. Bild: Pascal TurinGespeist werden die zwei Weiher, ein grösserer und ein kleinerer, vom Spitalerbach. Das ist ein kleines Gewässer, das am Waldrand des Zürichbergs entspringt und teilweise eingedolt, also unterirdisch in Röhren, durch den Kreis 6 zum Irchelpark fliesst.
Auch die Erbsenmuschel, der Feuersalamander oder verschiedene Libellenarten sollen sich an diesem Ort wohlfühlen. Der Irchelpark, der sowieso ein Naturparadies ist, wurde so durch ein kleines Paradiesli erweitert.
Die Zügelaktion hat jedoch einen schweiztypisch pragmatischen Grund.
Sie ist gefährdet und deshalb geschützt: Die Bauchige Schnauzenschnecke trägt ein nur fünf bis acht Millimeter grosses Häuschen auf ihrem Rücken. Illustration: Hochbauamt Kanton Zürich/Oculus IllustrationCampus Irchel muss erneuert werden
Die Weiheranlage ist eine ökologische Ersatzmassnahme, weil wegen eines Neubauprojekts der Zoologieteich und der Fischteich aufgehoben werden müssen. Die Universität Zürich (UZH) plant einen sogenannten Rochadebau mit dem Namen Portal UZH. Läuft alles wie vorgesehen, soll dieses Forschungs- und Laborgebäude bis 2035 stehen. „Bewilligt wurde das Projekt unter der Bedingung, dass die seltenen Schnecken umgesiedelt werden“, schreibt dazu der „Tages-Anzeiger“ in einer lesenswerten Reportage zum Schnauzenschnecken-Umzug.
Neben dem Hauptgebäude der Uni beim Stadtzentrum ist der Campus Irchel der zweite grosse Standort und beheimatet naturwissenschaftliche und medizinische Fächer. Die Gebäude aus den 1970er-Jahren auf dem Campus müssen langsam saniert werden. Der grosszügige Park wurde 1986 eingeweiht.
Wird ebenfalls in der Weiheranlage angesiedelt: Die geschützte Wasserfeder, eine Süsswasserpflanze, ragt mit ihren blassrosa Blüten aus dem Wasser. Bild: Pascal Turin„Beim alten Teich unten haben wir Eigenbedarf angemeldet, haben ihn fristgerecht leergekündigt und nun Ersatz geschaffen“, sagte Neukom. Damit habe man verhindert, dass die dort lebenden Tiere wegen Gentrifizierung in den Aargau ziehen müssen, fügte er augenzwinkernd an und erntete dafür Lacher. Der Witz traf bei der aktuell angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt einen wunden Punkt. Oder war es ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung der Zürcher Stimmberechtigten, die am 14. Juni gleich über drei kantonale Volksinitiativen befinden müssen, bei denen es ums Wohnen geht?
Sei es, wie es sei.
Die Quadra GmbH aus Zürich war zuständig für die Gestaltung des Paradiesli. Geschäftsinhaber Philipp Schmid zeigte sich begeistert und war voll des Lobes für sein Team und alle anderen Beteiligten. Vorbildlich sei, dass die Ersatzmassnahme weit vor dem Eingriff in den eigentlichen Lebensraum umgesetzt worden sei, betonte Schmid. Das habe Vorbildcharakter.
Die Bauarbeiten für die neue Weiheranlage begannen Anfang 2025, die Begrünungsarbeiten werden dann Ende dieses Jahres abgeschlossen.
Philipp Schmid von der Quadra GmbH zeigte sich begeistert und war voll des Lobes für sein Team und alle anderen Beteiligten. Bild: Pascal TurinDoch zurück zum Beginn der Veranstaltung. Bevor Regierungsrat Martin Neukom seine Rede halten durfte, trat Universitätsrektor Michael Schaepman ans Mikrofon. Er bezeichnete den Irchelpark als naturwissenschaftliches Zentrum für Biodiversität. Der Professor für Fernerkundung am Geographischen Institut betonte aber auch, dass alles, was hier gemacht werde, in irgendeiner Form ein vernünftiger Kompromiss sei.
Aus Schaepmans Sicht gibt es eine besondere Herausforderung: All die Menschen, die sich tagtäglich durch den Campus bewegen, sollen der Natur im Park Sorge tragen. Das Stockenten-Pärchen, das während der Einweihungsfeier auf dem grossen Weiher seine Runden zog, dürfte ein Interesse daran haben.
Ein Stockenten-Pärchen sorgte für den Jöö-Moment: In dieser idyllischen Umgebung fühlen sich offensichtlich diverse Tierarten wohl. Bild: Pascal Turin
„Was wir hier geschaffen haben, ist eine Umgebung, in der sich mehrere Arten wohlfühlen“, sagte Baudirektor Martin Neukom (Grüne) bei der Einweihung stolz. Bild: Pascal Turin
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