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  • 5 Minuten

    Tram Affoltern: Millionenprojekt sorgt für Kritik aus eigenen Reihen

    Zu sehen sind Stadtrat Michael Baumer und VBZ-Direktor Martin Sturzenegger. Im Hintergrund eine Folie: Ja zum Tram AffolternSie machten Werbung für das Tram Affoltern (v. l.): Martin Sturzenegger, Direktor der Verkehrsbetriebe Zürich, und FDP-Stadtrat Michael Baumer. Bild: Lorenz Steinmann

    FDP-Stadtrat Michael Baumer ist überzeugt: Ein Ja zum Tram Affoltern sei der richtige Weg, um den ÖV im Norden Zürichs zu fördern. SVP-Kantonsrat Peter Schick sieht hingegen nur Nachteile. Er vertritt die Antithese im Quartierverein Affoltern.

    Stadtrat Michael Baumer hatte auch schon bessere Laune. Zwar wusste er im Gegensatz zu den übrigen Anwesenden, dass er auch nach der Ämterverteilung im Stadtrat einen Tag später Chef des Departements der Industriellen Betriebe bleiben würde. Doch ihm und den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) machten der „Tages-Anzeiger“ und die „Neue Zürcher Zeitung“ einen Strich durch die Kommunikationsrechnung.

    Die beiden Print-Platzhirsche berichteten zwei Tage vor der gross angekündigten Medienkonferenz rund ums Tram Affoltern umfassend über das Thema. „Einzelne haben ja schon berichtet, hoffentlich gibt’s nun doch noch irgendeine Neuigkeit zum Berichten“, kommentierte Baumer das Vorpreschen leicht säuerlich.

    Zusammenfassend waren im Prinzip tatsächlich alle Dinge schon bekannt, die in der darauffolgenden halben Stunde von Baumer und von VBZ-Chef Martin Sturzenegger. erläutert wurden. Hauptthema war das Geld, wofür es ja auch eine Abstimmung braucht. Neben dem Baukredit von 99 Millionen Franken für die geplante neue Tramlinie zwischen der Haltestelle Brunnenhof und Affoltern soll das Stadtzürcher Stimmvolk auch noch 60 Millionen Franken zusätzlich locker machen. Dies, weil sich der Kanton bisher weigerte, Gelder aus dem eigentlich prall gefüllten Verkehrsfonds zu zahlen.

    „So verhindern wir Planungsstillstand“, erklärte Baumer die zusätzlichen Millionen aus der Stadtkasse. Er betonte zudem, dass das Tram gar nicht so teuer werde. Pro Kilometer kostete die Glattalbahn 90 Millionen, das Tram Affoltern belaufe sich auf 110 Millionen pro Baukilometer. Und er gab Entwarnung punkto Autoverkehr: „Die Leistungsfähigkeit bleibt unverändert.“

    Für das Tram Affoltern sind SP, FDP und Mitte, dagegen die Grünen und die SVP.

    Schulterschluss zwischen Grünen und SVP

    Alles in allem wird das Vier-Kilometer-Tramprojekt gut eine halbe Milliarde Franken kosten. Es beteiligen sich der Kanton und auch der Bund, wobei die 127 Millionen der Eidgenossenschaft an die Bedingung gekoppelt sind, dass vor 2029 mit dem Bau begonnen wird.

    Für das Projekt sind SP, FDP und Mitte, dagegen die Grünen und die SVP. An der Medienkonferenz betonten Baumer und Sturzenegger, dass schon heute die Buslinie 32 in Affoltern an ihre Grenzen stosse. „Das Tram Affoltern erhöht die Kapazität im Vergleich zum heutigen Busangebot um 50 Prozent. Das Tram ist umweltfreundlich, zuverlässig und komfortabel“, so Baumer.

    Dabei gibt es Stimmen aus Zürich Nord, die den VBZ künstliche Verknappung vorwerfen. Man wollen das Busangebot vor dem Tramneubau nicht ausbauen und steuere so indirekt, dass der öffentliche Verkehr überlastet in Affoltern sei.

    Der Elefant im Raum, die hängigen Einsprachen

    Bemerkenswerterweise wurde an der Veranstaltung, die immerhin von gut zehn Medienvertreterinnen und Medienvertretern besucht war, über ein Thema nicht gesprochen: die hängigen Einsprachen. Dabei haben etwas mehr als 100 Personen Einspruch gegen das Projekt eingelegt; derzeit sind laut der NZZ noch rund 25 Einsprachen ungelöst. Es geht dabei vor allem um die Enteignungen. Gewerbetreibende beklagen den grossen Verlust von Parkplätzen.

    Pikant: Unter den Rekurrenten ist auch der Verkehrsclub der Schweiz, Sektion Zürich – kurz VCS. Dabei ist der VCS eigentlich ÖV-Lobbyist. Und der VCS hat schon Projekte ähnlichen Kalibers gebodigt, etwa das Rosengartentram oder auch das Fussballstadionprojekt „Ensemble“ vor gut 20 Jahren.

    Nicht rekurriert, aber doch explizit gegen das Tram Affoltern ist ausserdem Peter Schick.

    Schick ist SVP-Kantonsrat, diplomierter Bauleiter und arbeitet beim Industrieunternehmen Bucher Industries AG mit Hauptsitz in Niederweningen. Zudem ist er Vorstandsmitglied im Quartierverein Affoltern. Schick fällt darum auf, weil er im Gegensatz zur Mehrheit des Quartiervereinvorstands gegen das Tram Affoltern ist.

    „Zu viele Vorgärten, aber auch Parkplätze würden wegfallen“, sagt SVP-Kantonsrat Peter Schick.

    Auf Anfrage von Rathuus nennt Peter Schick zwei Hauptgründe: „Die Kosten sind viel zu hoch und die Bauerei würde dazu führen, dass Affoltern noch mehr verdichtet wird. Das macht den Leuten Angst.“ Das Tram brauche es nicht zwingend, „wir haben schon heute genügend Verkehrsmittel“, ist der 56-Jährige überzeugt. Das Busangebot und auch die S-Bahn, mit welcher man schnell in die City komme, sei gut. Er sei kein Grüner, sondern Fan des motorisierten Individualverkehrs. „Aber dass so viele Bäume gefällt werden müssten, finde ich nicht gut“, führt der Kantonsrat aus. Es werde Jahrzehnte dauern, bis die mehr als 800 neuen Bäume Schatten geben würden, vom Nutzen als Lärmschutz ganz zu schweigen, so Schick.

    Der Politiker weiss zudem von vielen Anwohnerinnen und Anwohnern, dass sie das geplante Tram als Zerschneidung des Quartiers wahrnehmen. „Als undurchsichtige Wand zwischen der Glaubten- und der Zehntenhausstrasse“, fasst Schick die Stimmung zusammen. Ausserdem gebe es Kritik, weil ein Tram im Betrieb lauter sei als ein Bus. Untragbar sei auch, dass das Tram so viel mehr Platz mit dazu nötigen Enteignungen brauche. „Zu viele Vorgärten, aber auch Parkplätze würden wegfallen.“ 

    Offen, was im Kantonsrat passiert

    Trotzdem rechnet Schick mit einem Ja an der Urne, zumindest auf städtischer Ebene. Er kann sich aber vorstellen, dass es im Kantonsrat grössere Diskussionen geben wird. „Im Gegensatz zu einer Glatttalbahn oder einer Limmattalbahn ist das Tram Affoltern ein rein innerstädtisches Projekt. Wie soll da zum Beispiel ein Weinländer dafür sein?“, stellt Schick eine durchaus berechtigte Frage. Momentan werde das Projekt in der zuständigen Kommission besprochen. Schick: „Die Stadtzürcher SVP ist gegen das Tramprojekt und ich gehe davon aus, dass die kantonale SVP ebenso entscheiden wird.“ 

    Vorerst steht nun aber die Volksabstimmung am 14. Juni in der Stadt Zürich an. Je nach Resultat dürfte dann auch Baumers Stimmung ausfallen.

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