Wir bleiben dran

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  • 4 Minuten

    Von Überraschungen und nicht mehr gewählten Polit-Promis

    Zu sehen ist Bernhard im Oberdorf, wie er auf einem Sofa sitzt.Nach gut 30 Jahren wurde Bernhard im Oberdorf nicht mehr in den Gemeinderat gewählt. Einer der Gründe: Er wechselte von der SVP zur Mitte. Bild: Lorenz Steinmann

    Die Verschiebungen bei den Parteistimmen im Zürcher Gemeinderat sorgte für dicke Überraschungen. Fazit: Viele Vorstösse und Medienpräsenz scheinen nicht nur förderlich für eine Wiederwahl.

    Ein vorderer Listenplatz heisst nicht unbedingt, dass man gewählt wird. Im Wahlkreis 1 und 2 musste dies Ivette Djonova schmerzlich erfahren. Die Präsidentin der FDP Zürich 2 und Geschäftsführerin von Pro Cinéma Schweiz galt als designierte Nachfolgerin des nicht mehr antretenden Michael Schmid. Doch Alex Guggenheim konnte offensichtlich auf breitere lokale Bekanntheit zurückgreifen. Guggenheim startete von Listenplatz 7 und überholte Djonova, die auf Listenplatz 2 ins Rennen ging.

    Opfer der Baisse der Grünen (total minus 3 Sitze) wurde ebenfalls im Wahlkreis 1 und 2 Luca Maggi. Der Leiter eines Rechtsberatungsbüros und nebenamtliche Sicherheitschef des FC Zürich musste über die Klinge springen. Immerhin acht Jahre war der ehemalige Medienchef des 1.-Mai-Komitees im Gemeinderat.

    Nur um 31 Stimmen verpasste Stadtratskandidat Ueli Bamert von der SVP den Einzug in den Gemeinderat. Dabei startete er lediglich von Listenplatz 11. Fast wäre er also neben seinem Mandat als Kantonsrat auch noch Gemeinderat geworden.

    Eine grosse Enttäuschung musste im Wahlkreis 3 Flurin Capaul verdauen. Er wurde von Marita Verbali verdrängt, die als Stadtratskandidatin der FDP doch nochmals einiges mehr an Publizität hatte. Capaul wiederum machte sich in den letzten vier Jahren einen Namen mit Vorstössen, die das Gewerbe und im Besonderen Gastrobetriebe stützten. Negativ spielte mit, dass der Kreis 3 einen Gemeinderatssitz an den stärker wachsenden Kreis 9 abgeben musste.

    Ein Urgestein der Zürcher Politik räumt im Wahlkreis 4 und 5 seinen Platz. Markus Knauss wurde offensichtlich Opfer der jüngeren Generation, die ersten lieber Frauen und zweitens lieber jüngere Menschen im Rat haben will. Denn Knauss (Jahrgang 1961) auf dem Listenplatz 2 wurde von Janina Flückiger (Jahrgang 1991) überholt. Knauss war seit 1998 Mitglied des Gemeinderats. 2014 versuchte er erfolglos Stadtrat zu werden.

    Im Wahlkreis 6 musste Jürg Rauser (Grüne) über die Klinge springen. Der ETH-Architekt, der mit naturfördernden Anliegen auffiel, war sechs Jahre im Rat. Bernhard im Oberdorf machte kürzlich Schlagzeilen, weil er von der SVP zur Mitte wechselte. Der amtsälteste Gemeinderat – fast 30 Jahre – musste bei der Mitte auf Listenplatz 3 antreten und schaffte die Wiederwahl klar nicht.

    Im Wahlkreis 7 und 8 erzielte Dominik Waser (Grüne) ebenfalls zu wenig Stimmen für eine Wiederwahl. 2022 kandidierte er für den Stadtrat und wurde immerhin in den Gemeinderat gewählt. Der Politiker mit der charakteristischen „Dutt“-Frisur muss sich nun mittwochs anderweitig beschäftigen.

    Wieder dabei ist hingegen Mischa Schiwow (AL), der in der vergangenen Legislatur zurückgetreten war. Der ehemalige Gemeinderatspräsident will es also nochmals wissen.

    Im Wahlkreis 9 erwähnenswert ist Stefan Reusser von der EVP. Er ist einer der drei EVP-Vertretungen, die wegen des Verpassens der Fünf-Prozent-Hürde nicht mehr im Rat vertreten sind.

    Trotz grosser Medienpräsenz einen Rang nach hinten gerutscht ist im Wahlkreis 10 Jascha Harke (SP). Harke profilierte sich als queere Politvertretung anscheinend zu wenig oder in die falsche Richtung. Ihm zogen die Wählenden die Architektin Stefania Koller vor. Fazit: Akademikerinnen haben es bei der SP einfacher als eine Fachperson Betreuung.

    Im Wahlkreis 10 nicht wiedergewählt wurde GLPler Ronny Siev. Der Politiker jüdischer Religionszugehörigkeit machte mit kritischen Voten gegen die arabische Welt Schlagzeilen. Konkret wurde er aber wohl Opfer der GLP-Baisse mit minus zwei Sitzen im 125-köpfigen Gemeinderat.

    Bemerkenswert ist die Wahl der 20-jährigen Vera Çelik (SP). Sie ist Muslima und wollte die erste Zürcher Politikerin mit Kopftuch werden. Jetzt hat sie es im Wahlkreis 11 geschafft.

    Nicht mehr im Rat ist dafür Markus Merki von der GLP. Der Chefbauleiter und ehemalige Leiter der Parlamentarischen Untersuchungskommission – kurz PUK – zum Skandal bei Entsorgung und Recycling Zürich musste Cornelia Taiana den Vortritt lassen, obwohl Merki auf Listenplatz 3 und Taiana lediglich von Platz 8 aus startete. Merki war seit 2016 Ratsmitglied.

    Trotz Stadtratskandidatur reichte es auch Sandra Gallizzi nicht für eine Wiederwahl. Die EVP-Politikerin scheiterte wie erwähnt an der Fünf-Prozent-Hürde. Sie sass seit 2023 im Rat.

    Erstaunliches ereignete sich im Wahlkreis 12. Bei der SVP, wo erste Listenplätze eigentlich Garant für die Wiederwahl sind, musste der Bisherige und auf Listenplatz 1 angetretene Michele Romagnolo den Neulingen Markus Weidmann und Fabian Klöti den Vortritt lassen. Gerade der Landwirt Klöti profitierte wohl von seiner Bekanntheit im Quartier.

    Fazit zu den Wahlen 2026: Der Gemeinderat wird jünger (im Schnitt 44,5 Jahre) und weiblicher (45,6 Prozent). Einige Charakterköpfe wird man vermissen. SP, Grüne und AL behalten ihre hauchdünne Mehrheit – mit 63 Sitzen von 125 Sitzen im Stadtzürcher Parlament.

  • 1 Minute

    Die drei mit Sendungsbewusstsein

    Drei Männer unterschiedlichen Alters stehen auf einem Trottoir und blicken in die Kamera.Eine fotogene Gruppe (v. l.): Beni Frenkel, Damjan Bardak und Lorenz Steinmann sind kein bisschen nervös. Bild: Pascal Turin

    Für die 28. Folge des Rathuus-Podcasts hat Lorenz Steinmann zwei Gäste eingeladen. Er diskutiert mit Beni Frenkel und Damjan Bardak über Lokalfussball, Lokaljournalismus und Lokalpolitik.

    Messerscharfe Analysen, irritierende Anekdoten und einfach eine gute Stimmung: In der 28. Folge des Rathuus-Podcasts diskutiert Lorenz Steinmann für einmal nicht mit Pascal Turin, dafür mit gleich zwei Gästen.

    Zum einen sitzt da Beni Frenkel vor dem Mikrofon. Er ist ein Journalist, der schon bei fast allen namhaften Medienhäusern der Schweiz gearbeitet hat. Zuletzt war er bei der “Zuger Woche” tätig. Frenkel schreibt regelmässig für das Finanzportal Inside Paradeplatz – und immer mal wieder auch für Rathuus. Zum anderen ist Damjan Bardak in unserem improvisierten Studio im Kreis 4 zu Gast. Damjan ist der Co-Host des Fussball-Podcasts “Der Schlusspfiff” und Komponist unserer Intromusik.

    Nach einer kurzweiligen Vorstellungsrunde, in der Beni unter anderem Einblicke in seine nie durchgestartete Karriere als Fussballer gibt, sind die drei mit dem übersteigerten Sendungsbewusstsein so richtig warmgelaufen. Lorenz (60), Beni (49) und Damjan (20) diskutieren zum Beispiel darüber, wie Lokaljournalismus und Lokalpolitik zusammengehen – oder eben nicht. Sie thematisieren Benis steile These, dass Lokalzeitungen kaum etwas zur Förderung der Demokratie beitragen, weil sie eine zu grosse Nähe zur Politik und zu den Gemeinden haben. Und zum Schluss macht der jüngste im Bunde den zwei altgedienten Journalisten sogar noch etwas Hoffnung.

    Diese Folge ist ausnahmsweise für alle kostenlos zugänglich – bitte nicht weitersagen. Sie erscheint zudem für Abonnentinnen und Abonnenten wie gewohnt in der bevorzugten Podcast-App oder auf Spotify.


  • 4 Minuten

    Schlägt jetzt die Stunde von Michael Baumer?

    Man sieht hier FDP-Stadtrat Michael Baumer, wie er fast schon schelmisch grinst.Der frisch wiedergewählte Stadtrat Michael Baumer (FDP) muss im zweiten Wahlgang der Stapiwahlen für die Bürgerlichen die Kohlen aus dem Feuer holen. Bild: Lorenz Steinmann

    Bei den Zürcher Stadtratswahlen holen die Grünen einen dritten Sitz, während die FDP ihren zweiten Sitz verliert. Die Mitte bleibt im Gemeinderat, die EVP ist weg vom Fenster. Und FDP-Stadtrat Michael Baumer überlegt sich, im zweiten Wahlgang gegen SP-Stadtrat Raphael Golta im Kampf ums Stadtpräsidium anzutreten.

    Es ist die Nachricht des Abends: „Ja, wir überlegen uns das nun“, sagt FDP-Stadtrat Michael Baumer exklusiv zu Rathuus. Konkret geht es darum, dass Baumer im zweiten Wahlgang der Stadtpräsidiumswahlen gegen Raphael Golta (SP) antreten könnte – weil Golta das absolute Mehr nicht erreicht hat. Denn weder Përparim Avdili noch Ueli Bamert wurden in den Stadtrat gewählt und können im zweiten Wahlgang ihr Glück versuchen. Da bleibt eigentlich nur Baumer. Er betont aber, dass dies nun die Parteileitung entscheiden müsse. Angesprochen auf seine Chancen zuckt der Freisinnige nur mit den Schultern.

    Freud und Leid liegen nahe beisammen. Das sieht man exemplarisch an der EVP, als alt Gemeinderätin Claudia Rabelbauer, Gemeinderat Stefan Reusser, Stefanie von Walterskirchen und Gemeinderätin Sandra Gallizzi erfahren, dass ihre Partei die 5-Prozent-Hürde im Kreis 12 um 0,05 Prozent verfehlt hat. Im Kreis 9 hat es auch nicht gereicht. Muss nachgezählt werden? Im Stadtratswahlkampf hatte Gallizzi ebenfalls keine Chance. Die Stimmung bei der EVP ist dementsprechend gedrückt.

    Im Gegensatz dazu sind die Vertreterinnen und Vertreter von Volt ganz zufrieden: Deren Hausfarbe ist ein sattes Violett und die Vision der Partei mit nur etwa zwanzig aktiven Mitgliedern in der Stadt Zürich ist ein vereintes Europa mit einer föderalen Demokratie. Der europäischen Bewegung Volt gelang bei der Europawahl im Jahr 2024 ein Überraschungserfolg. Mit dem 23-jährigen Jan Holtkamp bewarb sich Volt nun auch für die Stadtratswahlen. Dass der Student den schon von Anfang an unwahrscheinlichen Einzug in die Exekutive klar verpasst hat, wirft ihn nicht aus der Bahn. In vier Jahren will Volt auch zu den Gemeinderatswahlen antreten, hiess es von Holtkamp gegenüber Rathuus.

    Die Mitte überspringt die Fünf-Prozent-Hürde

    Doch zurück zu den üblichen Verdächtigen: Die Grünen haben mit Nationalrat Balthasar Glättli im Stadtrat neben Daniel Leupi sowie Karin Rykart einen dritten Sitz geholt. Damit wird die rot-grüne Mehrheit in der Exekutive zementiert, weil gleichzeitig die FDP zukünftig nur noch mit Michael Baumer im Stadtrat vertreten ist. Der angekündigte Grossangriff der Liberalen ist bei den Stadtratswahlen also nicht gelungen. Dies trotz des grossen Engagements inklusive des teuren Wahlkampfs von Stadtratskandidat und Gemeinderat Përparim Avdili.

    Und auch die AL hat nur wenig Grund zur Freude: Stadtratskandidatin und Gemeinderätin Tanja Maag landet hinter FDP-Kandidat Avdili auf Platz 11. Happy sind hingegen Mitte-Präsident Wolfgang Kweitel sowie Mitte-Gemeinderätin Karin Weyermann. Ihre Partei hat die Fünf-Prozent-Hürde geschafft und kann weiterhin im Gemeinderat politisieren. Da tut es auch weniger weh, dass Weyermann das angestrebte Stadtratsmandat deutlich verfehlt hat.

    Dafür wirkt die hochkarätige Delegation rund um Kantonsrätin Susanne Brunner, Co-Präsidentin SVP Stadt Zürich, und SVP-Nationalrat Gregor Rutz ziemlich zufrieden. Die Politikerinnen und Politiker hofften auf mehr Sitze im Gemeinderat – das Ziel konnte die SVP erreichen, obwohl die Limmatstadt wählertechnisch nicht zum Stammland gehört. Stadtratskandidat und Kantonsrat Ueli Bamert, der klar gescheitert ist, bezeichnete sich selbst halbernst als Zugpferd für diesen Erfolg.

    Andreas Hauri sicherte für die Grünliberalen zwar den Sitz im Stadtrat, holte aber mit dem neunten Platz die rote Laterne.

    Ohne Frage die Siegerin dieses Wahlsonntags ist sowieso die SP. Sie ist weiterhin mit grossem Abstand stärkste Kraft in der Legislative und hat ihre vier Sitze im Stadtrat halten können. Die Bisherige Simone Brander wurde komfortabel wiedergewählt, während es die neuen Stadträtinnen und und Stadträte Tobias Langenegger und Céline Widmer ebenfalls problemlos in die Exekutive schafften.

    So setzt sich der neue Stadtrat zusammen

    1. Raphael Golta (SP)
    2. Daniel Leupi (Grüne)
    3. Céline Widmer (SP)
    4. Simone Brander (SP)
    5. Karin Rykart (Grüne)
    6. Tobias Langenegger (SP)
    7. Balthasar Glättli (Grüne)
    8. Michael Baumer (FDP)
    9. Andreas Hauri (GLP)

    Golta holte klar am meisten Stimmen, Hauri am wenigsten.

    Grüne verlieren, die SVP wird drittstärkste Kraft

    Im 125-köpfigen Gemeinderat kommt es zu einem Mini-Erdbeben, weil die SVP neu hinter den Sozialdemokraten und den Liberalen die drittstärkste Kraft ist, während die Grünen regelrecht abgesackt sind. Ob es bei der Ökopartei an der Themenkonjunktur lag oder welche Gründe sonst eine Rolle gespielt haben, wird die Parteileitung analysieren müssen. Während bei den Stadtratswahlen Glättli, Leupi und Rykart die Wählerschaft überzeugen konnten, gelang das den Grünen als Gesamtpartei offenbar nicht.

    Die Sünneli-Partei holt im Vergleich zu den Wahlen 2022 zwei Sitze mehr und hat nun 16 Mandate im Parlament. Auch die FDP konnte sich steigern und verfügt neu über 24 Sitze (+2) im Gemeinderat. Die GLP kommt auf 15 Sitze (-2). Noch mehr Federn lassen mussten die Grünen. Die Ökopartei hat vier Sitze verloren und verfügt nun nur noch über 14 Mandate. Die AL bleibt mit 8 Sitzen stabil und die Mitte konnte gar einen Sitz dazugewinnen. Die Zentrumspartei hat neu sieben Sitze. Obenaus schwingt aber ganz eindeutig die SP mit 41 Mandaten (+4).

    Die Gruppe frisch gewählter Stadträtinnen und Stadträte hält jubelnd Blumensträusse in die Höhe.Frisch gewählt (v. l): Balthasar Glättli (Grüne), Daniel Leupi (Grüne), Karin Rykart (Grüne), Andreas Hauri (GLP), Simone Brander (SP), Michael Baumer (FDP), Raphael Golta (SP), Céline Widmer (SP) und Tobias Langenegger (SP). Bild: Lorenz Steinmann
    Zwei Männer mit Jackett schütteln sich die Hand und lächeln in die Kamera.Er nimmt es sportlich: FDP-Stadtratskandidat Përparim Avdili (rechts) ist einer der ersten Gratulanten von SP-Stadtrat Raphael Golta. Bild: Lorenz Steinmann
    Ein Mann streichelt liebevoll einen Hund.Suki hat wohl die Sozialdemokraten gewählt: Die Hündin, die nicht dem SP-Stadtrat Raphael Golta gehört, erhielt von ihm eine Streicheleinheit. Bild: Pascal Turin
    Ein Mann hat seinen Arm ausgestreckt und zeigt mit einem Finger einer anderen Person etwas.Grünen-Stadtrat Daniel Leupi wurde komfortabel wiedergewählt. Im Parlament fuhr seine Partei hingegen eine Niederlage ein. Bild: Pascal Turin
    Ein Mann in einem grauen Anzug und mit Brille, der freundlich lächelt, wird von Medienleuten und Kameras umschwärmt.Die Medien umschwärmen ihn: SP-Stadtrat Raphael Golta ist mit einem Glanzresultat wiedergewählt worden. Bild: Pascal Turin
    Zu sehen sind Wolfgang Kweitel, der Stadtparteipräsident der Mitte, sowie Karin Weyermann, Gemeinderätin.Sie können jubeln, weil ihre Paretei die 5-Prozent-Hürde geschafft hat: Wolfgang Kweitel, der Stadtparteipräsident der Mitte, sowie Gemeinderätin Karin Weyermann. Bild: Lorenz Steinmann
    Auf dem Bild zu sehen ist der Vorstand städtrischen SP, wie er Stadträtin Simone Brander geherzt. wird.Freude herrscht! Die SP scheint heute zu siegen, zumindest im Stadtrat. Simone Brander nimmt erste Gratulationen entgegen. Bild: Lorenz Steinmann
    Zu sehen alt Stadtrat Richi Wolff und Tanja Maag, Stadtratskandidatin der AL.Die AL ist auch hier. Etwa alt Stadtrat Richi Wolff und Tanja Maag, Stadtratskandidatin. Bild: Lorenz Steinmann
    Ein Mann schaut angestrengt auf sein Handy.Wie wohl die Grünliberalen abschneiden? GLP-Gemeinderat Sven Sobernheim blickt konzentriert auf sein Handy. Bild: Pascal Turin
    Zwei Vertreter der Kleinpartei Volt blicken lächelnd in die Kamera. Einer trägt einen violetten Pullover mit Volt-Logo, der andere einen blauen Anzug und ein weisses Hemd.Sie halten für die Kleinpartei Volt die Stellung (v. l.): Stadtratskandidat Jan Holtkamp und Domenic Gehrmann, City Lead Zürich. Bild: Pascal Turin
    Lorenz Steinmann trägt ein graues Jackett. Er hat graue Haare und eine Brille.So seriös wie selten: Lorenz Steinmann ist für Rathuus im Stadthaus unterwegs und könnte fast selbst als Stadtratskandidat durchgehen. Bild: Pascal Turin
    Betretene Gesichter bei der EVP. Claudia Rabelbauer, Stefan Reusser, Stefanie von Walkterskirchen und Sandra Gallizzi von der EVP erfahren eben die Wahlniederlage.Betretene Gesichter bei der EVP (v. l.): Claudia Rabelbauer, Stefan Reusser, Stefanie von Walterskirchen und Sandra Gallizzi erfahren eben von der knappen Wahlniederlage. Bild: Lorenz Steinmann
    Auf dem Foto sieht einen lächelnden Pascal Turin im Stadthaus. In der Hand eine Büchse El Tony.Pascal Turin stärkt sich um 16.30 Uhr. Bald trudeln die ersten Resulate ein. Bild: Lorenz Steinmann

  • 3 Minuten

    Wenn der Tagi die bürgerliche Wende empfiehlt

    Auf dem Foto sieht man lächelnd Stadtrat Daniel Leupi, Stadträtin Karin Rykart und Stadtratskandidat Balthasar Glättli, alle von den Grünen.Haben sie bald ausgelacht? Raphaela Birrer jedenfalls graut es vor noch mehr Rot-Grün im Zürcher Stadtrat. Also keinesfalls (v. l.) neben Stadtrat Daniel Leupi und Stadträtin Karin Rykart auch noch Nationalrat Balthasar Glättli (alle Grüne). Bild: zvg

    Raphaela Birrer, die Chefredaktorin des „Tages-Anzeigers“, hat in einem Leitartikel die politische Zusammensetzung des Stadtrats von Zürich mit nordkoreanischen Verhältnissen verglichen. Sie fordert einen politischen Wandel. Und der Zuspruch in den Kommentaren ist bemerkenswert hoch.

    Seit fast genau drei Jahren ist Raphaela Birrer Chefredaktorin des „Tages-Anzeigers“. Sie ist Chefin einer Zeitung, die wie die meisten Blätter mit Inserateschwund und sinkender Auflage zu kämpfen hat. Die digitale Transformation gelingt zudem nicht wie gewünscht. Der Tagi gehört wie die „SonntagsZeitung“ oder die „Basler Zeitung“ zum Medienunternehmen Tamedia – und damit wie die eigenständige Firma „20 Minuten“ zum Konzern TX Group. „20 Minuten“ – mittlerweile ein reines Onlineportal, hat mehr als dreimal so viele Besuchende wie die Website des „Tages-Anzeigers“.

    In diesem Kontext überrascht der Leitartikel von Birrer nur bedingt. „Zürich verdient mehr Diversität“, schreibt die Tagi-Chefin. „Die grösste Stadt der Schweiz war nie vielfältiger.“ Doch politisch herrsche linke Monokultur. „Es ist Zeit für einen Wandel“, fordert Birrer. Also nichts weniger, als mehr Bürgerliche zu wählen. Denn Birrer ist überzeugt. „Kontroverse Diskussionen über die ungelösten urbanen Probleme? Divergierende Ansichten zu Wohnungsbau oder Verkehrsplanung? Ein Ideenwettbewerb zur strategischen Weiterentwicklung der Stadt? Fehlanzeige. Stattdessen: Kopfnicken und Durchwinken“. Die 42-Jährige ortet gar nordkoreanische Verhältnisse in Zürich, weil hier „selbstverordnete Langeweile“ herrsche.


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    In der Kommentarspalte wird jubiliert

    Ihr provokativer Text stiess in der Kommentarspalte auf erstaunlich viel Zuspruch für ein zumindest im Volksmund links-liberales Blatt. Etwa diese: „Danke für diesen Artikel. Ich habe rot-grün bewusst nicht mehr gewählt, weil die Stadträt:innen unsere Stadt nicht mehr repräsentieren“. Und: „Bravo für den Kommentar. Es ist endlich an der Zeit, dass alle Bewohner in der Stadt angemessen vertreten sind“. Sowie: „Sehr guter Kommentar, danke Frau Birrer. Genau das, was ich auch vertrete.“ Politische Monokultur und ideologischer Tunnelblick führe zu Exzessen und Intoleranz. Und das sei schlecht für die Demokratie.

    Thomas Marthaler, SP-Kantonsrat und Friedensrichter aus dem Kreis 3, schrieb hingegen: „Zürich würde vor allem mehr journalistischen Wettbewerb benötigen.“ Die NZZ sei ja schon ziemlich auf eine Mitte-Rechts-Leserschaft getrimmt; dieser Artikel argumentiere in einem ähnlichen Stil.

    Tatsächlich erinnert der Leitartikel von Raphaela Birrer an Texte der NZZ-Redaktoren Lucien Scherrer, Michael von Ledebur oder Daniel Fritsche. Letzterer hat kürzlich den Stadtrat mit „neun Zwergen hinter dem Uetliberg“ verglichen, welche ein Reich erschaffen hätten, auf das die Wählenden hereinfallen.

    Will man damit dem Verleger gefallen?

    Doch warum in aller Welt wollte Birrer mit ihrem Leitartikel so provozieren? Um in der Manier von „Weltwoche“-Chefredaktor und alt SVP-Nationalrat Roger Köppel die Gegenthese ins Feld zu führen? Um ihrem Verleger und Chef Pietro Supino zu gefallen? Er, der politisch als bürgerlich gilt und als einziger der grossen Verleger keinen Deal mit der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft eingehen und so Stellung gegen die Halbierungsinitiative beziehen wollte?

    „War es Ihre persönliche Meinung oder mehr das ‚contre coeur‘, um die Meinungsvielfalt im Tagi abzubilden?“ und „Haben Sie erwartet, dass die Leserschaft des Tagi gar nicht so links eingestellt zu sein scheint, wie man das zumindest im älteren Volksmund sagt?“ waren die Fragen, die Rathuus an Raphaela Birrer stellte. Bislang verzichtete sie auf eine Antwort.

    Bleibt abzuwarten, ob und wie Birrers Wunsch am kommenden Sonntag Realität wird.


  • 3 Minuten

    Wieder die Fährte aufgenommen

    Ein Hund liegt ganz entspannt in einem Hundebett an einem Fenster und geniesst die Sonne.Nach getaner Arbeit im Rathuus-Büro ist Entspannung angesagt. Bild: Pascal Turin

    Artikel, Podcast-Folgen und mehr: Unser Redaktionshund Waldo liest und hört (fast) alles, was er in seine Pfoten kriegt. Hier sind seine Medientipps für politisch Interessierte.

    Er hat definitiv einen guten Riecher für lokale, nationale und internationale Presse & Co. Die Rede ist natürlich von Waldo – dem Parson Russell Terrier mit dem grossen Herzen und der feuchten Nase. Waldo geht regelmässig für die Rathuus-Leserinnen und Rathuus-Leser auf die Jagd nach Lesenswertem, Hörenswertem und Sehenswertem. Doch statt Zusammenfassungen findest du hier Fundstücke, die Lust machen, selbst reinzuhören, reinzusehen oder reinzulesen.

    Die Tech-Giganten sollen Verantwortung übernehmen

    Multimillionär Guido Fluri hat auf nationaler Ebene eine Initiative eingereicht. Wie das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) berichtet, will der Unternehmer damit Tech-Giganten im Internet zur Verantwortung ziehen. Bilder und Videos von Kindesmissbrauch und Gewalt würden das Internet fluten, so der Unternehmer bei der Vorstellung der Initiative vor den Medien. „Und bei der Verbreitung betrügerischer Onlinewerbung verdienen Tech-Konzerne Milliarden, weil Gegenmassnahmen fehlen.“ Laut SRF verlangt das Volksbegehren, dass Plattformen, Suchmaschinen und KI-Anbieter die Risiken ihrer Dienste analysieren und Massnahmen zur Risikobegrenzung ergreifen. Sie sollen unter anderem dazu verpflichtet werden, stärker gegen illegale Inhalte wie Kindesmissbrauch oder Desinformation vorzugehen. Der kurze und knackige Text inklusive Video ist nur einen Klick entfernt.

    So wurde die Ermordung von Ali Chamenei vorbereitet

    Es ist eine Frage, die sich wohl schon einige von gestellt haben: Wie konnte Irans Revolutionsführer Ayatollah Ali Chamenei so schnell ausgeschaltet werden? Die „Neue Zürcher Zeitung“ wagt eine Einordnung. „Zum Verhängnis wurde dem obersten Revolutionsführer ein Treffen mit seinem engsten Führungszirkel im Herzen der iranischen Hauptstadt Teheran“, heisst es in dem dicht geschriebenen Text aus der Feder von Julia Monn und Ida Götz. Mitten in einem Wohngebiet hätten dort der Komplex des obersten Führers, das Büro des iranischen Präsidenten sowie weitere Regierungsgebäude gestanden. Hier geht es zum Artikel in der NZZ.

    Wahlbudgets der Parteien unter der Lupe

    Wer politische Macht anstrebt, muss Geld investieren. Spannend ist darum der Blick auf die Wahlkampfbudgets der Parteien. Einen solchen hat Tagi-Journalist Beat Metzler auf jenes der Stadtzürcher FDP geworfen. Seine Redaktion gab beim Medienforschungsunternehmen Media Focus eine Auswertung in Auftrag. „Die FDP und ihr Stadtpräsidiumskandidat Përparim Avdili waren am frühesten und sichtbarsten mit Plakaten in der Stadt präsent. Doch als einzige Partei in Zürich hält die FDP ihr Wahlkampfbudget geheim“, heisst es im lesenswerten Artikel des „Tages-Anzeigers“. Wer hier klickt, erfährt noch viel mehr.

    Wie eine bayrische Regionalpartei die deutsche Politik beinflusst

    Sie stellen sich Fragen der Gegenwart und suchen die Antworten in der Vergangenheit: Die Macherinnen und Macher des Podcasts „Der Rest ist Geschichte“ vom Deutschlandfunk schaffen zusammen mit Expertinnen und Experten den Kontext, um unsere hektische Welt besser verstehen zu können. In einer der neusten Folgen geht es um die Christlich-Soziale Union (CSU). Die Mitte-rechts-Partei dominiert zwar den Freistaat Bayern, ist aber in den anderen deutschen Bundesländern nicht präsent – und hat trotzdem nationalen Einfluss: „Die CSU schafft es immer wieder, ihre Themen auf Bundesebene zu platzieren oder sogar durchzusetzen“, heisst es dazu in der Folgenbeschreibung. Host Jörg Biesler führt ein gehaltvolles Gespräch mit dem Historiker Thomas Schlemmer, der am Institut für Zeitgeschichte München – Berlin forscht, sowie der Politikwissenschafterin Ursula Münch. Sie leitet die Akademie für Politische Bildung in Tutzing am Starnberger See. Wir wünschen viel Spass beim Hören.


  • 2 Minuten

    Ich bin Nichtwähler – und schlafe bestens

    Auf dem Bild zu sehen sind im Hintergrund Wahlunterlagen zu sehen. Im Vordergrund wurde ein Porträtfoto von Beni Frenkel platziert.Beni Frenkel geht nicht an die Urne: Er kann mit allem und jedem leben. Bild: Lorenz Steinmann, Bildmontage: Rathuus

    Nichtwählerinnen und Nichtwähler sind die schweigende Mehrheit der Bevölkerung. Wie ticken diese Menschen? Rathuus-Kolumnist Beni Frenkel ist selber Nichtwähler und spricht damit das Tabu aus Expertensicht an.

    Das letzte Mal, als ich einen Stimmzettel ausfüllte, war vor über 20 Jahren. Ich lebte noch in Baden AG und verliebte mich in Pascale Bruderer von der SP. Die schönste Politikerin des Kantons Aargau! Ich trug den Namen Pascale Bruderer in alle Spalten ein und schrieb in Klammern die Telefonnummer meiner Eltern, ich hatte damals noch kein eigenes Handy.

    Seitdem sind viele Wahl- und Abstimmungssonntage übers Land gezogen. Ich habe nie mitgemacht und plane auch nicht, daran etwas zu ändern. Ich bin nicht stolz darauf, fühle mich aber auch nicht ertappt, irgendetwas Falsches gemacht zu haben. Ich habe einfach keine Lust. 


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    Oder besser gesagt: In den letzten 30 Jahren gab es keine Abstimmung, die mir wirklich wichtig war. Ich kann mit allem und jedem leben. Alpen-Initiative, 13. AHV, SRG-Initiative: Weder Ja noch Nein rauben mir den Schlaf. SP, Grüne, SVP – mir so etwas von egal. 

    Bin ich ein schlechter Staatsbürger? Ja, wahrscheinlich. Ich kann trotzdem gut einschlafen. Was ich nicht mag, sind Leute, die sich jetzt aufregen.

    Ich wohne seit zwei Jahren in Schaffhausen. Da muss ich jedes Mal 5 Franken für eine verpasste Abstimmung bezahlen. Das motiviert mich nur noch mehr. „Ja, versucht es doch!“, rufe ich, „ihr werdet mich nicht kleinkriegen!“ Und sogar wenn mir Schaffhausen 50 Franken aufbrummt, werde ich nichts ausfüllen. Bei 100 Franken sähe es vielleicht etwas anders aus.

    Mit meiner Abstinenz mache ich alle glücklich. Die Linken freuen sich, dass ich nicht rechts wähle, die Bürgerlichen klopfen mir auf die Schulter, wenn ich keine Marxisten aufschreibe. Alle sind happy mit mir.

    Ich glaube, ich habe gerade das letzte Tabu in der Schweiz gebrochen. Noch nie hat jemand bei Verstand gesagt: Ich wähle nicht. Das macht mich irgendwie stolz. Den Prix Courage widme ich allen Mutigen dieser Welt. Gäbe es eine Partei von euch, würde ich euch wählen. Vielleicht.

    Beni Frenkel (49) ist Journalist, der schon bei fast allen namhaften Medienhäusern der Schweiz gearbeitet hat. Zuletzt war er bei der „Zuger Woche“ tätig. Regelmässig schreibt er auch für das Finanzportal Inside Paradeplatz. Er ist in Dättwil AG aufgewachsen, wohnte lange in Zürich und ist seit zwei Jahren in Schaffhausen daheim. Frenkel hat die Matur und mehrere Semester Wirtschaft studiert.

    Beim Rathuus ist Beni Frenkel Edelfeder und Kolumnist. Natürlich äussert er hier seine eigene Meinung – und meint nicht immer alles ernst. Bisher erschienen bei Rathuus sind zum Beispiel folgende Texte: Zürcher Freiwillige am ESC 2025 unerwünscht, Schüsse auf Madonnen sollen sich finanziell lohnen, Ekelfrass in Zürcher Badis sowie Kostya kommt mich besuchen.


  • 3 Minuten

    Lieber Mörtel als Begrünung

    Zu sehen ist eine neue Steinmauer am Bucheggplatz. Der Zwischenraum zwischen Mauer und Trottoir ist gemörtelt. So kann sicher nie etwas wachsen. Begrünung sieht definitiv anders aus.Hier werden nie Malven gedeihen. Die Stadt setzt lieber auf undurchlässigen Mörtel. Bild: Lorenz Steinmann

    Schon der Schaffhauserplatz glänzt mit einer reinen Asphalt- und Betonoberfläche. Ein neues Beispiel vom Bucheggplatz zeigt, wie herzlos Zürichs Planer gegenüber der Natur sind.

    Natürlich gibt es dringendere Probleme als ein betoniertes Bord an einer neu erstellten Mauer. Aber wie in der Kriminalistik sind es oft kleine Fingerzeige, welche die Misere des Ganzen aufzeigen. Heute geht es um die Begrünung Zürichs, um die Hitzeminderung, um das Bild nach aussen gerade an verkehrsreichen Kreuzungen. Und da zeigt sich im Kleinen, wie das Grosse dasteht.

    Doch der Reihe nach. Ab Mai 2024 war der Schaffhauserplatz im Stadtzürcher Quartier Unterstrass eine Grossbaustelle. Ersetzt wurden die Gleise sowie die Wasser- und Stromleitungen. Alles wurde aufgerissen. Und alles wieder asphaltiert und betoniert wie vorher. Auf der grossen Boulevardfläche vor dem ehemaligen Café Gnädinger – heute das Café Unterstrass der Bäckerei Walter Buchmann – beispielsweise hat es keinen Millimeter Grünfläche.

    Versiegelt bleibt versiegelt

    Auf Anfrage hiess es damals, Bäume seien nicht Teil dieses Tiefbauprojekts gewesen. Die Bewilligung hätte sonst länger gedauert. Und kleinflächige Grüninseln seien wegen des glazialen Untergrunds nicht möglich. Also irgendetwas mit steinigem Boden oder so. Kurzum: Eine Steinwüste blieb eine Steinwüste. Wie beispielsweise schon beim Hardplatz im Kreis 4. Im Sommer heiss, trocken und mit null Möglichkeiten, dass sich die Natur hier etwas breitmachen könnte.


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    Nun schreiben wir den Februar 2026. Der Bucheggplatz, eine der grossen Verkehrsdrehscheiben Zürichs inklusive autobahnähnlicher Bucheggstrasse, wurde zusammen mit dem Hirschwiesentunnel für gegen 90 Millionen Franken saniert. Dass es mitten auf einem der neuen Velowege einen massiven Masten der Verkehrsbetriebe Zürich gibt, soll heute nicht nochmals Thema sein. Dafür eine Mauer aus grossen Steinquadern. Sie ist hübsch anzuschauen. Aus der Nähe sieht man aber, dass der Bodenabschluss feinsäuberlich vermörtelt ist, ebenso wie viele der Mauerzwischenräume. Hier wächst bestimmt nie etwas. Wer in Zürich in einem Privatgarten solche Bodenabschlüsse betoniert, hätte wohl ganz bald die „Grünpolizei“ auf dem Grundstück.

    Warum nur baut die Stadt so ein herzloses Stück? Warum nicht wenigstens Aussparungen für einige Kletterpflanzen?

    Die Stadt hat eine simple Antwort parat: „Der schmale Randstreifen dient der konstruktiven Sicherung der Böschungsmauer sowie des angrenzenden Trottoirs und Velowegs.“ Dies verhindere Materialverschiebungen und erhöhe damit die Verkehrssicherheit. „Eine lose Kies- oder Lehmausbildung könnte an dieser Stelle zu Ausspülungen, Verschmutzungen und Hindernissen auf dem Trottoir und dem Veloweg und damit zu einem erhöhten Unterhaltsaufwand führen“, heisst es in der ausführlichen Antwort von Helen Berg vom Tiefbauamt der Stadt Zürich.

    Laut ihr ist die Stadt überzeugt, dass „eine Begrünung weder einen ökologischen noch einen gestalterischen Mehrwert gebracht“ hätte. „Deshalb wurde eine robuste, unterhaltsarme Bauweise gewählt.“

    Offensichtlich fehlte der Wille

    Bezeichnend ist, dass sich das Tiefbauamt mit solchen Details in der Projektphase nicht wirklich auseinandersetzt: „Sie werden teilweise erst im Rahmen der Ausführung präzisiert, damit sie optimal an die tatsächlichen örtlichen Verhältnisse angepasst sind.“ Die konkrete Materialwahl für den Randstreifen sei daher im Zuge der Bauausführung in Abstimmung mit den beteiligten Fachstellen erfolgt. Kein Wunder also, wurde der Boden feinsäuberlich betoniert. Wie man das im Tiefbau halt so macht. Am Bucheggplatz, am Schaffhauserplatz, am Hardplatz und so weiter.

    Zu sehen ist der betonierte Abschluss einer Mauer am Bucheggplatz. Hier kann definitiv nichts wachsen.Hier hat die Zürcher Stadtverwaltung offensichtlich nicht vorgesehen, dass jemals etwas wächst. "Wegen der Verkehrssicherheit", wie es heisst. Bild: Lorenz Steinmann

    Begrünung, Hitzeminderung, Heimat für Sandwespen und Pionierpflanzen? Lieber nicht. Offensichtlich fehlten der Wille und das Wissen, Hitzeminderung und naturnahes Bauen im Kleinen umzusetzen.

    Laut Helen Berg plant man bei besagter Mauer lediglich entlang der oberen Mauerkante Efeu zu pflanzen. Dadurch werde die Mauer besser in die Umgebung integriert und gleichzeitig das Graffitirisiko reduziert. Die Schattenpflanze Efeu an so einer hitzeprallen Lage. Sie können es offensichtlich nicht besser. Weder im Kleinen noch im Grossen.


  • 7 Minuten

    Bevölkerungswachstum verliert an Tempo – was das für Gemeinden bedeutet und was nicht

    Ein älterer Mann und eine ältere Frau laufen eine Rampe in einer Unterführung an einem Bahnhof hoch.Dass die Bevölkerungszahl langsamer steigt als auch schon, sieht man beispielhaft im Glattal. Bild: Pascal Turin

    Die Bevölkerung im Kanton ist 2025 gewachsen, allerdings langsamer als zuvor. Eine statistische Atempause in einer Zeit, in der die Zürcher Gemeinden laut einer neuen Studie mit personellen und gesellschaftlichen Herausforderungen kämpfen.

    Eine Wasserstandsmeldung: Die Zürcher Bevölkerung ist vergangenes Jahr um knapp 13’000 Personen gewachsen. Rund 1,63 Millionen Menschen wohnten Ende 2025 im Kanton. Dies geht aus einer Medienmitteilung des Statistischen Amts hervor, das zur Direktion der Justiz und des Innern von Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) gehört. Die Wachstumsrate lag bei rund 0,8 Prozent und hat im Vergleich zu 2024 nochmals abgenommen. „Abgesehen von den Jahren der Coronapandemie ist das der geringste Zuwachs seit dem Jahr 2005“, schreibt der Kanton.

    Dass die Bevölkerungszahl langsamer steigt als auch schon, sieht man beispielhaft im Glattal. Im Communiqué wird die Region als eines der „Schlusslichter“ punkto Wachstumsraten bezeichnet. Ein Grund ist, dass einige grössere Städte nicht mehr so stark gewachsen sind wie früher – etwa Kloten. Die Flughafenstadt hatte Ende des Jahres 21’971 Einwohnerinnen und Einwohner. Das sind 319 Personen oder 1,5 Prozent mehr als im Dezember 2024. Ende 2024 verzeichnete Kloten hingegen ein Wachstum um 431 Einwohnerinnen und Einwohner im Vergleich zu 2023.

    Die einen schrumpfen, die anderen wachsen


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    Der Nachbarort Opfikon ist gar leicht geschrumpft. Die Bevölkerung der Stadt zählte Ende 2025 21’366 Personen. Das sind 83 Einwohnerinnen und Einwohner oder 0,4 Prozent weniger als im Dezember 2024. Damals lebten 21’449 Personen in der Stadt im Glattal.

    Im an Opfikon angrenzenden Wallisellen hingegen bleibt das Wachstum ungefähr stabil. So lebten Ende 2025 17’756 Einwohnerinnen und Einwohner in der Stadt. Das sind 93 Personen oder 0,5 Prozent mehr als im Dezember 2024. Wallisellen zählte Ende 2024 17’663 Einwohnerinnen und Einwohner – ein Plus von 110 Personen im Vergleich zu 2023.

    Man sollte aber bedenken, dass es sich bei diesen Zahlen um eine Momentaufnahme handelt. Wird nämlich gerade eine grössere Siedlung abgerissen oder sind Neubauten in Realisierung, hat das einen Einfluss auf das Wachstum. In Wallisellen entsteht beispielsweise auf dem sogenannten Integra-Areal direkt beim Bahnhof eine neue Überbauung.

    Karte des Kantons Zürich mit Bevölkerungszahlen 2025 je Gemeinde. Dunkelblau steht für viele, hellgrün für wenige Einwohner. Zürich ist mit Abstand am bevölkerungsreichsten.Bevölkerungszahl der Zürcher Gemeinden Ende des Jahres 2025: Wenig überraschend liegt die Limmatstadt klar an der Spitze. Grafik: Rathuus, Daten: Statistisches Amt Kanton Zürich

    Winterthur folgt dem Trend der Städte nicht

    Kantonsweit betrachtet hat die Stadt Zürich fast ein Drittel des Wachstums aufgenommen (+4008). Danach folgen laut Medienmitteilung des Kantons Dübendorf (+673) und Uster (+484). Über 80 Prozent des Bevölkerungswachstums stammen aus der Zuwanderung aus dem Ausland. „Mehr als zwei Drittel des letztjährigen Bevölkerungswachstums entfallen auf die Städte, also Gemeinden mit mindestens 10’000 Einwohnenden“, so das Statistische Amt.

    Interessanterweise folgt Winterthur dem Trend anderer grösserer Städte nicht: Gemäss der Mitteilung habe Winterthur mit einem Zuwachs von 355 Personen das geringste Bevölkerungswachstum seit der Jahrtausendwende verzeichnet. „Das Amt für Stadtentwicklung führt das stagnierende Wachstum vor allem auf einen Grund zurück: den Wohnungsbau. Im abgelaufenen Jahr seien keine zusätzlichen Wohnungen entstanden, der Bestand sei sogar gesunken“, hält die „Neue Zürcher Zeitung“ dazu in einem Artikel fest.

    Dass die Bevölkerung trotz des leichten Rückgangs im Wohnungsbestand weitergewachsen ist, erklärt die Stadt Winterthur in einer Mitteilung folgendermassen: Es konnten im Laufe des Jahres zahlreiche bereits fertiggestellte, umgebaute oder ersetzte Gebäude bezogen werden. „So wurde etwa der Umbau mehrerer grösserer Liegenschaften im Quartier Brühlberg abgeschlossen“, schreibt die Stadt. Auch in den Quartieren Neuwiesen und Sennhof seien zuvor abgebrochene Gebäude durch Neubauten ersetzt worden. „Zudem konnten 2025 zahlreiche Wohnungen im Gebäudekomplex KIM in Neuhegi bezogen werden, die bereits 2024 fertiggestellt worden waren.“

    Generell gilt: Die Bevölkerung wächst laut der aktuellen Erhebung des Statistischen Amts in allen Regionen des Kantons, aber nicht überall gleich stark.

    Liniendiagramm, das die Entwicklung der jährlichen Wachstumsrate des zivilrechtlichen Bevölkerungsbestands des Kantons Zürich von 1962 bis 2025 zeigt.Ende 2025 wohnten 1,63 Millionen Menschen im Kanton. Die Bevölkerung ist um 0,8 Prozent gewachsen. Der Zuwachs ist einer der niedrigsten der vergangenen 20 Jahre. Grafik: Statistisches Amt Kanton Zürich

    Gemeinden stossen bei Baugesuchen an ihre Grenzen

    Für die Städte und Dörfer ist das Bevölkerungswachstum eine Herausforderung. Dies zeigte bereits das Gemeindeforum 2025. Der Anlass im vergangenen November stand unter dem Motto „Wachstum: Fluch oder Segen?“. Rund 200 Vertreterinnen und Vertreter der Zürcher Gemeinden und des Kantons tauschten sich damals über Erfahrungen sowie Chancen und Risiken im Zusammenhang mit dem Bevölkerungswachstum aus (wir berichteten). Denn dieses bringt finanzielle, gesellschaftliche und planerische Schwierigkeiten mit sich. Man denke da an neue Schulhäuser oder mehr Verkehr. Gleichzeitig stehen Gemeinden, die nicht wachsen, ebenfalls vor Problemen, weil dann irgendwann das letzte Restaurant die Lichter löschen muss und der Turnverein händeringend nach Mitgliedern sucht.

    Die neue Studie „Zustand und Entwicklung der Zürcher Gemeinden“ beschreibt, was die Gemeinden ausmacht und wie sie aufgestellt sind. Erstellt hat die Untersuchung das Zentrum für Demokratie Aarau im Auftrag des Gemeindeamts des Kantons Zürich. Das Gemeindeamt ist wie das Statistische Amt ein Teil der Direktion der Justiz und des Innern.

    Die Analyse beruht auf den Zürcher Antworten auf eine schweizweite Befragung der Gemeindeschreiberinnen und Gemeindeschreiber im Jahr 2023. Knapp 90 Prozent der 160 Zürcher Gemeinden haben daran teilgenommen.

    „Es gibt mitunter gesellschaftliche Probleme, die von Gemeinden aufgrund von Arbeitsbelastung oder mangelnder Fachkompetenz kaum in angemessener Weise bewältigt werden können“, heisst es zum Beispiel in der Studie. Demnach stiessen die Gemeinden etwa bei der Unterbringung von Asylsuchenden an ihre Leistungsgrenzen. Dies war laut der Untersuchung bei etwas mehr als der Hälfte der befragten Gemeinden der Fall (54 Prozent) und weit mehr als bei jenen im Rest der Schweiz (27 Prozent). Von zumindest erreichten Leistungsgrenzen habe etwas mehr als jede dritte Zürcher Gemeinde in Bezug auf die Bewilligung von Baugesuchen (36 Prozent) und die Informatik beziehungsweise Digitalisierung der Gemeindeverwaltung (35 Prozent) berichtet.

    Obwohl der Personalbestand der Zürcher Gemeinden im Zeitraum von zehn Jahren stärker gewachsen ist als im Rest der Schweiz, nehmen die Gemeinden einen starken Fachkräftemangel wahr.

    Karte des Kantons Zürich mit den Steuerfüssen 2026 nach Gemeinden. Dunkelblau steht für hohe, hellgrün für tiefe Steuerfüsse.Während die Goldküste ein Steuerparadies ist, zahlen Bewohnerinnen und Bewohner in der Peripherie – etwa in Bachs oder Maschwanden – deutlich mehr Steuern. Grafik: Rathuus, Daten: Statistisches Amt Kanton Zürich

    Bevölkerung ist zufrieden mit Leistungen der Gemeinde

    Die Gemeinden schätzen die Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem kommunalen Leistungsangebot als hoch ein. Wie aber in der Studie festgehalten wird, sind diese Ergebnisse mit Vorsicht zu geniessen. Es sind ja nicht die Einwohnerinnen und Einwohner befragt worden, sondern die Gemeindeschreiberinnen und Gemeindeschreiber.

    „Grundsätzlich ist die Zufriedenheit mit dem Leistungsangebot und der Infrastruktur im Kanton Zürich als hoch einzustufen“, so die Studienautorinnen und Studienautoren. Dies steht in Einklang mit einer kürzlich durchgeführten Bevölkerungsbefragung und deren Resultaten im Gemeinde- und Wirksamkeitsbericht 2025. 40 Prozent der befragten Einwohnerinnen und Einwohner sind gemäss der Befragung mit den Dienstleistungen im Allgemeinen sehr zufrieden und weitere 54 Prozent sind mit den Dienstleistungen eher zufrieden.

    Positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass die Zürcher Gemeinden ihre Position im Standortwettbewerb und ihre Standortattraktivität im Durchschnitt gegenüber Gemeinden in anderen Kantonen als besser einschätzen. „Das dürfte unter anderem auch auf die Lage im oder nahe dem Grossraum Zürich als wichtigstem Wirtschaftszentrum der Schweiz zurückzuführen sein“, schreibt das Gemeindeamt in einem Communiqué zur Studie.

    Fazit: Das verlangsamte Bevölkerungswachstum bedeutet für die Dörfer und Städte noch keine Entlastung. Viele Herausforderungen sind über Jahre entstanden. Insbesondere der Fachkräftemangel würde sich sogar verschärfen, wenn die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner langfristig nur noch langsam oder kaum mehr wachsen würde. Keine einfache Situation also für Politik und Verwaltung.

    Karte des Kantons Zürich mit der Wahlbeteiligung bei den Kantonsratswahlen 2023 nach Gemeinden. Dunkelgrün zeigt hohe, hellgrün niedrige Beteiligung.Bei den Kantonsratswahlen 2023 wurde es wieder mal offensichtlich: Opfikon mit rund 21’000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist eine Hochburg der Wahlfaulen. Grafik: Rathuus, Daten: Statistisches Amt Kanton Zürich
    Spannende Politfakten zu den Zürcher Gemeinden

    Rund 40 Prozent der Exekutivmitglieder sind laut einem Communiqué des Gemeindeamts parteilos. „Häufiger vertreten sind zudem die FDP (20 Prozent) und die SVP (14 Prozent)“, heisst es in der Mitteilung weiter. Lokale Parteien würden nach wie vor eine wichtige Rolle spielen. Sie seien in rund vier von fünf Zürcher Gemeinden präsent – im Gegensatz zu 60 Prozent in der übrigen Schweiz. Ein Beispiel dafür wäre der lokalpolitische Verein Forum Pro Wallisellen, den wir auf Rathuus kürzlich vorgestellt haben. „Am verbreitetsten sind Ortsparteien der bürgerlichen Parteien (SVP, gefolgt von der FDP und Mitte)“, schreibt das Gemeindeamt. Die Mitte und die GLP hätten in den letzten Jahren ihre lokale Verankerung ausbauen können.

    Eine Gemeindeexekutive zählt im Durchschnitt rund 6,4 Mitglieder. „Der Frauenanteil beträgt rund ein Drittel. Das ist mehr als in der übrigen Schweiz, liegt aber weiterhin unter dem Bevölkerungsanteil“, schreibt das Gemeindeamt. In den Gemeindeparlamenten seien ebenfalls rund ein Drittel der Mitglieder Frauen. Das entspreche dem Schweizer Durchschnitt. Von den nationalen Parteien hätten in den Zürcher Gemeinden die Grünen und die SP mit 50 und 39 Prozent den höchsten Frauenanteil. „Auch in Kleinstparteien, die Politik ausschliesslich vor Ort machen, ist der Frauenanteil mit 48 Prozent hoch“, so das Gemeindeamt.

    Bei der politischen Beteiligung hat es vielerorts noch Luft nach oben: So würden an Gemeindeversammlungen im Durchschnitt nur gerade 3,4 Prozent der Stimmberechtigten teilnehmen. Im Rest der Schweiz seien es durchschnittlich 7,5 Prozent. Auch an kommunalen Wahlen nähmen deutlich weniger Stimmberechtigte teil als im Rest der Schweiz. Bei den Wahlen der Gemeindeparlamente sei die Beteiligung mit etwa 20 Prozent besonders tief. (pat.)


  • 3 Minuten

    Velo können sie definitiv besser

    Auf dem Bild ist ein Ausschnitt einer Lithografie des französischen Künstlers Sempé zu sehen. Darauf ein gemütlich pedalender Velofahrer. Zudem einfügt ins bilkd ein rundes Portrait des Autors Lorenz Steinmann.Wer in Zürich Velo fahren will, braucht eine grosse Portion Gelassenheit. Bild: Lorenz Steinmann, Bildmontage: Rathuus

    Die Legislatur neigt sich dem Ende zu – Zeit für eine ehrliche Bilanz. Besonders die Velopolitik des Zürcher Stadtrats fällt durch. Note ungenügend. Ein Kommentar.

    In Zürich Velofahren ist die Hölle. Alles viel zu gefährlich. Kinder selbstständig mit dem Velo herumkurven lassen – unmöglich. Die sogenannten Velorouten hören immer dort auf, wo es Kreuzungen hat. Es werden Millionen verlocht für unnötige Projekte, die dann an wirklichen Brennpunkten fehlen. Stichwort Bellevue oder Hardbrücke. Kein Wunder, sagte kürzlich sogar SVP-Stadtratskandidat Ueli Bamert, ihm täten in Zürich die Velofahrenden manchmal leid.

    Doch halt, stopp. Ein- und Ausschnaufen. Ist die Velosituation wirklich so übel in Zürich? Oder nervt einen die Sache einfach umso stärker, weil Trump wieder spinnt und sich das Wallis mit dem Crans-Montana-Desaster einmal mehr selbst übertrifft?

    Gestern habe ich das in unserer Wohnung hängende Bild von Jean-Jacques Sempé angeschaut. Sempé (1932–2022) war der geniale Zeichner, der gemeinsam mit dem berühmten Comicautor René Goscinny die bekannte Kinderbuchserie „Der kleine Nick“ schuf. Daneben veröffentlichte er Bildbände, in denen er humorvoll alltägliche Begebenheiten einfing. Ja, oft Veloszenen wie auf erwähntem Bild, das auch als Illustration für diesen Text passt.

    Das Bild strahlt eine grosse Gelassenheit aus. Diese braucht man ohne Zweifel, wenn man auf dem Drahtesel durch Zürich fährt. Dabei ist zitierte Gelassenheit bekanntermassen oft auch im Auto und sogar im Tram nötig.


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    Aber so krass wie beim Velo ist die Diskrepanz zwischen Volksauftrag und Umsetzung nirgends. Darum nochmals die Lamento-Leier: Objektiv betrachtet ist fast jede grössere Kreuzung für Velos unbrauchbar oder zumindest gemeingefährlich. Der 40 Millionen Franken kostende Velotunnel hat unglaublich schlechte Zufahrt. Bei vielen von der Verwaltung gross gefeierten Strassenbauprojekten wie der Einhausung Schwamendingen, den Sanierungsarbeiten am Kreuzplatz oder der Walchebrücke ging das Velo vergessen. Nein, fast noch schlimmer: Die Velofahrenden wurden sogar mitgedacht – aber das Ergebnis macht ganz und gar keine Freude.

    Bei den vielen Tiefbauprojekten rund um die Fernwärme wiederum wird für den Autoverkehr punkto Umfahrungsmöglichkeiten viel getan. Die Velofahrerinnen und Velofahrer gucken hingegen regelmässig in die Röhre.

    Trotzdem, Gelassenheit ist Trumpf! Aufregen bringt wenig. Und ehrlich gesagt, die vielzitierte bürgerliche Wende im Stadtrat würde die Situation für Velofahrende ziemlich sicher nicht markant verbessern. FDP, SVP und Co. würden dann eher für freie Fahrt von der Goldküste in die Stadt sorgen.

    Das Problem lässt sich auf einen einfachen Merksatz herunterbrechen: Stadträtinnen und Stadträte kommen und gehen, die Verwaltungsmitarbeitenden bleiben.

    Natürlich können Exekutivmitglieder die Chefbeamten auswählen, manchmal sogar auswechseln. Doch das Heer der Zudiener, etwa im tonangebenden Tiefbauamt, bleibt über Jahre dasselbe. Und diese Mitarbeitenden scheinen total autofixiert, total beton- und asphaltlastig. Da braucht es Zeit, viel Zeit. Wohl sogar einen Generationenwechsel in der Verwaltung.

    Ist das alles nun Schwarzmalerei? Ich hoffe nicht! Neue Mitglieder im Stadtrat könnten sicher mehr Schwung und Pep auf die Brücke des Megatankers Stadtverwaltung bringen. Ich wünsche mir aber auch, dass die wieder antretenden Stadträtinnen und Stadträte mehr als Team auftreten. Sie sollten nicht einfach die anderen „Gspänli“ machen lassen und ihre eigenen Süppchen kochen. Gerade die Grünen hätten ja mit dem ehemaligen Pro-Velo-Präsidenten Daniel Leupi einen Experten für Velobelange in ihren Reihen.

    Manchmal werde ich aber auch in Zukunft vor mich hin grummeln. Sempé-Bild hin oder her. Ich muss mir wohl bald diesen Spruch auf den Unterarm tätowieren lassen: „Vive le Vélo!“ Der harmoniert dann perfekt mit dem Anker auf dem Oberarm – als Symbol für den Verwaltungstanker, der endlich in Bewegung gebracht werden muss.


  • 1 Minute

    Zeitungen, die keiner mehr kennt (aber damals alle gelesen haben)

    Ein Hund mit rotbraunem Fell und einem blauen Leuchthalsband schaut direkt in die Kamera. Er sitzt vor einem einfachen Graffiti, das einen Hund zeigt.Hunde gehen immer – und Clickbait funktioniert sicher auch auf Rathuus. Redaktionshund Waldo kommt in dieser Folge nicht vor, aber das Bild fanden wir so herzig. Bild: Pascal Turin

    Lorenz Steinmann und Pascal Turin betreiben zwar ein Online-Politikmagazin, sie lieben aber Gedrucktes. Deshalb diskutieren sie in der 27. Folge des Rathuus-Podcasts unter anderem über Zeitungen, die schon längst Geschichte sind.

    Ein Spaziergang in die Vergangenheit: In der 27. Folge des Rathuus-Podcasts dreht sich dieses Mal fast alles um Zeitungen, die es heute nicht mehr gibt. Anlass ist das kürzliche Ableben des Schweizer Journalisten und Medienexperten Karl Lüönd. Wir verweisen an dieser Stelle auf unseren Nachruf.

    Lorenz Steinmann und Pascal Turin sprechen insbesondere über die Zürcher Gratiszeitungen “Züri Leu” und “Züri-Woche” sowie die Schweizer Zeitung “Die Tat”. Sie war einst vom Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler ins Leben gerufen worden und hatte zumindest anfänglich eine sehr enge Verbindung zum Landesring der Unabhängigen (LdU). Die Partei ist wie die Zeitung längst Geschichte, trotzdem möchten wir in diesem Zusammenhang die Lektüre unseres Texts über die LdU-Politikerin Verena Grendelmeier empfehlen.

    Ausserdem im Rathuus-Podcast: Lorenz und Pascal verraten, ob sie Migros- oder Coop-Kinder sind. Und sie sprechen über das sogenannte Swiss Reputation Ranking. Gemäss diesem belegt der Zahlungsdienstleister Twint den Spitzenplatz. Wo sich wohl Coop und Migros einreihen?

    Wie und wo kann man den Podcast hören?

    Der Rathuus-Podcast ist exklusiv für Abonnentinnen und Abonnenten zugänglich. Klicke hier, wenn du mehr zu unseren Abos erfahren möchtest.


  • Im Wahlkampf übersehen: die Frauen

    Eine Frau mit halblangem braunen Haar lächelt in die Kamera. Sie trägt ein Jackett.In einer Gastkolumne äussert sich Gemeinderatskandidatin Nathalie Zeindler (Die Mitte) pointiert. Bild: zvg

    Die Journalistin und Mitte-Politikerin Nathalie Zeindler ist überzeugt: „Repräsentation bedeutet, dass wir den Mut aufbringen, die Dynamik der Basis auch an der Spitze zuzulassen.“ Für sie ist es symptomatisch, wie die Stadtratskandidatinnen in der öffentlichen Wahrnehmung oft weniger Plattformen erhalten.

    Zürich erlebt derzeit eine bemerkenswerte Dynamik: Wie der „Tages-Anzeiger“ kürzlich berichtete, bewerben sich so viele Frauen wie noch nie für einen Sitz im Gemeinderat. Während die Legislative immer vielschichtiger zu werden scheint, wirkt die Debatte um die Besetzung des Stadtrats noch etwas statisch.

    Dass das Thema weibliche Vertretung in der Exekutive eher am Rande behandelt wird, stellt einen Verlust für den demokratischen Diskurs dar.


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    Perspektiven einer Biografin

    Als Journalistin und Biografin zweier unterschiedlicher Persönlichkeiten wie alt Nationalrätin Judith Stamm (CVP) und SP-Nationalrätin Jacqueline Badran habe ich eines gelernt: Sichtbarkeit ist das Ergebnis von Profil und unermüdlichem Einsatz. Ob es Judith Stamm war, die als unerschrockene Frauenkämpferin ihrer Zeit stets einen Schritt voraus war, oder Jacqueline Badran, die mit ihrer bekannten Hartnäckigkeit essenzielle Themen wie die Immobilien- und Bodenpolitik besetzt – beide Frauen haben gezeigt, dass die Qualität politischen Wirkens auch von eigenständigen Stimmen lebt.

    Eine Stadtregierung profitiert enorm, wenn sie unterschiedlichste Biografien integriert. In einem Umfeld mit stabilen Mehrheitsverhältnissen droht dieser befruchtende Wettbewerb jedoch manchmal in den Hintergrund zu treten. Wenn Organisationen wie die Zürcher Frauenzentrale heute überparteilich für mehr Sichtbarkeit von Frauen auch im Stadtrat werben, kann dies als wichtiges Signal gegen Marginalisierung gewertet werden.

    Politische Vielfalt als Qualitätsmerkmal

    Dass neue Kandidatinnen wie Serap Kahrimann (GLP), Céline Widmer (SP), Karin Weyermann (Mitte), Marita Verbali (FDP), Sandra Gallizzi (EVP) oder Tanja Maag (AL) in der öffentlichen Wahrnehmung rund um die Stadtratswahlen oft weniger Plattformen erhalten, ist symptomatisch. Dabei geht es nicht um die Abwertung bestehender Mehrheiten, sondern um die Aufwertung des gesamten politischen Mosaiks unserer Stadt. Wahre Repräsentation benötigt neben der Geschlechtergleichheit auch eine politische Vielfalt.

    Als Mitte-Gemeinderatskandidatin im Wahlkreis 6 und Vorstandsmitglied der Mitte Frauen Kanton Zürich sehe ich mich als Brückenbauerin. Wir benötigen eine Politik, die das Trennende überwindet und die Vielfalt der Meinungen als Stärke begreift.

    Repräsentation bedeutet für mich, dass wir den Mut aufbringen, die Dynamik der Basis auch an der Spitze zuzulassen.

    Schwung nutzen

    Der Frauenrekord bei den kommenden Gemeinderatswahlen ist auch als Versprechen zu verstehen. Wir zeigen damit, dass die Politik von der Beteiligung vieler lebt und auch im Stadtrat ernst genommen werden sollte. Zürich verdient eine Exekutive, die so dynamisch und vielschichtig ist wie die Menschen, die hier leben. Nur wer echte politische Vielfalt zulässt, sichert die Innovationskraft unserer Stadt.

    Nathalie Zeindler ist Journalistin und Biografin. Nach Jahren der präzisen Beobachtung und Dokumentation des politischen Geschehens möchte sie nun ihre Erfahrung nutzen, um zum aktiven Mitgestalten überzugehen. Sie kandidiert für den Stadtzürcher Gemeinderat im Wahlkreis 6 (Die Mitte, Liste 7, Platz 2).