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  • 3 Minuten

    Politgeograf Michael Hermann überrascht durch Nähe zu den Bürgerlichen

    Auf dem Bild zu sehen ist der Ausschnitt in der "Wohnziitig Züri", wo Michael Hermanns Gastkommentar abgedruckt ist.Dieser Gastkommentar von Politgeograf Michael Hermann in der bürgerlichen "Wohnziitig Züri" gegen die zwei linken Wohninitiativen wirft Fragen auf. Bild: Pascal Turin

    Die Gegner der beiden Mieter-Initiativen, die am 14. Juni zur Abstimmung kommen, rühren mit der grossen Kelle an. Dazu konnten sie Politgeograf Michael Hermann ins Boot holen. Hermann sagt gegenüber Rathuus: „Es passt mir, wenn man mich nicht auf sicher politisch verorten kann.“

    Der „Allianz gegen die linken Wohninitiativen“ ist ein veritabler Coup gelungen. In der eben in einer Auflage von über 800’000 Exemplaren an alle Haushaltungen im Kanton Zürich verteilten „Wohnziitig Züri“ erschien an prominenter Stelle ein Gastkommentar von Politgeograf Michael Hermann. Gleich oberhalb der ablehnenden Statements der kantonalen Parteipräsidentinnen und Parteipräsidenten Domenik Ledergerber (SVP), Filippo Leutenegger (FDP), Tina Deplazes (Die Mitte) sowie Nora Ernst (GLP). Alle fünf erscheinen mit je einem gleich grossen Foto.

    Hermanns Kernaussage: „Wer Neubau verhindert, trägt zur Verdrängung bei.“ Das ist Wasser auf die Mühlen von Leutenegger, Ledergerber und Co. Ihr Credo: „Mietzinsdeckel lösen das Problem nicht, der von Rot-Grün propagierte Wohnschutz ist eine asoziale Investitionsbremse.“

    Das Urteil für den Schnell-Leser

    Zumindest für den Schnell-Lesenden ist klar: Da positioniert sich ein Politexperte inmitten der Bürgerlichen. Das ist aus Sicht des Komitees durchaus clever. Denn Michael Hermann gilt gerade bei der urbanen Bevölkerung als links angehauchtes Schwergewicht, wenn es um politische Themen geht – als Kompass, wenn sich Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher politisch orientieren wollen. Das Onlinemagazin „Republik“ bezeichnete ihn schon als „den einflussreichsten Politik­analyst des Landes“.

    Nun wirkt es wie wenn sich Hermann gegen die beiden kantonalen Volksinitiativen für mehr Mieterschutz einsetzen würde. Konkret heissen die beiden Initiativen etwas sperrig „Kantonale Initiative für mehr günstige und gemeinnützige Wohnungen (Wohnungsinitiative)“ und „Kantonale Initiative: Bezahlbare Wohnungen schützen. Leerkündigungen stoppen (Wohnschutz-Initiative)“.

    Zu sehen ist der Auschnitt in der Bürgerlichen Wohnziitig mit den Kernaussagen und den Fotos der vier Parteipräsidentinnen und Parteipräsidenten Domenik Ledergerber (SVP), Filippo Leutenegger (FDP), Nora Ernst (GLP) und Tina Deplazes (Mitte.)Sie sind gegen die Initiativen (v. l.): Die vier bürgerlichen Parteipräsidentinnen und Parteipräsidenten Domenik Ledergerber (SVP), Tina Deplazes (Die Mitte), Filippo Leutenegger (FDP) und Nora Ernst (GLP). Bild: Pascal Turin

    Hermann ist eher gegen die Initiativen

    Lanciert wurden sie vom Mieterinnen- und Mieterverband; unterstützt werden sie von der SP, von den Grünen, von der AL und vom Regionalverband der Wohnbaugenossenschaften Schweiz. Zusammenfassend geht es darum, dass Gemeinden „Wohnraum schützen dürfen, insbesondere für alte Menschen und Familien“. Zudem soll es möglich sein, dass Gemeinden bei Neubauten einen Anteil an preisgünstigen Wohnungen festlegen dürfen. Und: Der Kanton soll – etwa analog zur Stadt Zürich – viel aktiver werden im Bereich des sozialen Wohnungsbaus und dazu eine neue kantonale Wohnbaugesellschaft gründen.

    Die Kritik, dass er sich habe instrumentalisieren lassen, lässt Hermann nicht gelten. „Man muss halt meinen Text lesen“, findet der Meinungsforscher. Auf die Frage, was er von den beiden Initiativen hält, sagt der 54-Jährige, dass er Verständnis für deren Anliegen habe, aber fürchte, dass die unerwünschten Nebenwirkungen überwiegen würden.

    „Zum Text, den ich geschrieben habe, stehe ich“, betont Hermann gegenüber Rathuus. Ob ihm denn bewusst gewesen sei, dass die Handelskammer seine Aussagen in den Kontext mit den bürgerlichen Nein-Aussagen stellen würde? – „Nein“, sagt er und ergänzt: „Klar war mir, dass sie mich als unabhängige Figur einsetzen wollten, um ihrer Sache Gewicht zu geben.“

    Das Problem der Verdrängung

    Hermann, der im Zürcher Quartier Wipkingen in einem Eigenheim wohnt, ist überzeugt, dass es zu wenig Wohnraum gibt und dass es deshalb gerade in der Stadt Zürich zu einer Verdrängung komme, gerade von jungen Menschen. Hermann ist Gründer und Geschäftsführer des Forschungsinstituts Sotomo. Der Wissenschafter nimmt Bezug auf seine im Auftrag der Zürcher Handelskammer erstellte Studie „Wohnraum für Zürich“. Laut jener im September 2025 vorgestellten Arbeit „helfen Neubauten primär den Einheimischen, in eine bessere Wohnung zu kommen“.

    Und: Jede bezogene Neubauwohnung löse zudem Umzugsketten aus: „Für jede Person, die in einen Neubau zieht, finden zwei weitere in der Agglomeration Zürich eine Wohnung.“ Leerkündigungen seien zwar ein Schicksal, „aber ein Schicksal, welches erstaunlich wenig Leute betreffe. Nur knapp ein Prozent der Umzüge gehe auf Leerkündigungen zurück“, zog Hermann an einem Podium der Handelskammer im September 2025 ein erstaunliches Fazit. 

    Hermann will nicht einseitig wirken

    Die Handelskammer finanzierte die Sotomo-Studie, organisierte besagtes Politpodium mit FDP, SVP und Mitte und steht auch hinter der Nein-Kampagne und der flächendeckend verteilten „Wohnziitig“ mit Hermanns Gastkommentar. Nicht ein bisschen viel Handelskammer?

    Fast ein wenig trotzig sagt Michael Hermann: Seine Meinung lasse sich nicht kaufen. Er wolle unabhängig bleiben und nicht einseitig wirken. „Niemand hat mich auf sicher.“

    Die "Wohnziitig Züri" wurde kürzlich von der "Allianz gegen die linken Wohninitiativen" in die Zürcher Haushalte verschickt. Bild: Pascal Turin
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  • 8 Minuten

    Wie eine Beamten­kasse zum Milliarden­betrieb wurde

    Sehr schön geschriebene, handschriftliche Liste von Prämienzahlungen auf vergilbtem Papier.1928 wurden die Beiträge der Regierungsräte an ihre Pensionskasse noch handschriftlich in einem Buch eingetragen. Für Korrespondenz waren aber schon Schreibmaschinen vorhanden. Bild: Staatsarchiv Zürich

    Was als kleine Beamtenversicherung begann, ist heute die grösste Pensionskasse der Schweiz. Ein neues Buch erzählt die alles andere als gradlinige Geschichte der BVK – inklusive eines Skandals, der die Institution in den 2010er-Jahren erschütterte.

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  • 2 Minuten

    Das grosse Zittern bei „Wnti“

    Auf dem Bild zu sehen ein Notebook mit der Website von Wnti. Daneben die Hand eines Journalisten und ein Fotoapparat.Heruntergerechnet gut 800 Franken kostet die Produktion eines Artikels bei Wnti. "Das ist viel Geld für langweilige Buchstabenanreihungen", findet unser Medienkritiker. Bild: Pascal Turin

    Das Winterthurer Onlinemagazin Wnti ist im März 2025 als Reaktion auf das Streichkonzert bei der Tageszeitung „Der Landbote“ entstanden. Doch die Magie eines neuen Lokaljournalismus wirkt heute eher schwach. Ob die meist für ein Jahr abgeschlossenen Abos erneuert werden, scheint ungewiss. Eine Medienkritik.

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  • 1 Minute

    EVP definitiv draussen – und Baumer verzichtet auf Stapi-Kandidatur

    Eine Gruppe Männer und Frauen steht mit betretenem, traurigen Gesichtsausdruck in einem Halbkreis.Betretene Gesichter bei der EVP (v. l.): Claudia Rabelbauer, Stefan Reusser, Stefanie von Walterskirchen und Sandra Gallizzi erfahren am vergangenen Sonntag von der knappen Wahlniederlage. Bild: Lorenz Steinmann

    Der Zürcher Stadtrat liess nochmals nachzählen: Die EVP hat den Sprung in den Gemeinderat wirklich ganz knapp verpasst.

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  • 3 Minuten

    Nach den Wahlen stellt sich nur noch eine Frage: Wohin mit Baumer?

    Die Gruppe frisch gewählter Stadträtinnen und Stadträte hält jubelnd Blumensträusse in die Höhe. Auf dem Foto sind die Porträtfotos von Lorenz Steinmann und Pascal Turin platziert.Am vergangenen Sonntag wurde die rot-grüne Vormachtstellung in der Zürcher Exekutive zementiert. Die Zeit der Sentimentalitäten ist deshalb vorbei, finden Pascal Turin und Lorenz Steinmann. Bild: Lorenz Steinmann, Bildmontage: Rathuus

    Die Zürcher Stadtratswahlen sind grösstenteils so ausgegangen wie erwartet. Nach der Wahl von Balthasar Glättli (Grüne) spricht vieles dafür, dass Michael Baumer (FDP) ins Schul- und Sportdepartement wechseln muss. Ein Kommentar.

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  • 4 Minuten

    Von Überraschungen und nicht mehr gewählten Polit-Promis

    Zu sehen ist Bernhard im Oberdorf, wie er auf einem Sofa sitzt.Nach gut 30 Jahren wurde Bernhard im Oberdorf nicht mehr in den Gemeinderat gewählt. Einer der Gründe: Er wechselte von der SVP zur Mitte. Bild: Lorenz Steinmann

    Die Verschiebungen bei den Parteistimmen im Zürcher Gemeinderat sorgten für dicke Überraschungen. Fazit: Viele Vorstösse und Medienpräsenz scheinen nicht nur förderlich für eine Wiederwahl.

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  • 1 Minute

    Die drei mit Sendungsbewusstsein

    Drei Männer unterschiedlichen Alters stehen auf einem Trottoir und blicken in die Kamera.Eine fotogene Gruppe (v. l.): Beni Frenkel, Damjan Bardak und Lorenz Steinmann sind kein bisschen nervös. Bild: Pascal Turin

    Für die 28. Folge des Rathuus-Podcasts hat Lorenz Steinmann zwei Gäste eingeladen. Er diskutiert mit Beni Frenkel und Damjan Bardak über Lokalfussball, Lokaljournalismus und Lokalpolitik.

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  • 4 Minuten

    Schlägt jetzt die Stunde von Michael Baumer?

    Man sieht hier FDP-Stadtrat Michael Baumer, wie er fast schon schelmisch grinst.Der frisch wiedergewählte Stadtrat Michael Baumer (FDP) muss im zweiten Wahlgang der Stapiwahlen für die Bürgerlichen die Kohlen aus dem Feuer holen. Bild: Lorenz Steinmann

    Bei den Zürcher Stadtratswahlen holen die Grünen einen dritten Sitz, während die FDP ihren zweiten Sitz verliert. Die Mitte bleibt im Gemeinderat, die EVP ist weg vom Fenster. Und FDP-Stadtrat Michael Baumer überlegt sich, im zweiten Wahlgang gegen SP-Stadtrat Raphael Golta im Kampf ums Stadtpräsidium anzutreten.

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  • 3 Minuten

    Wenn der Tagi die bürgerliche Wende empfiehlt

    Auf dem Foto sieht man lächelnd Stadtrat Daniel Leupi, Stadträtin Karin Rykart und Stadtratskandidat Balthasar Glättli, alle von den Grünen.Haben sie bald ausgelacht? Raphaela Birrer jedenfalls graut es vor noch mehr Rot-Grün im Zürcher Stadtrat. Also keinesfalls (v. l.) neben Stadtrat Daniel Leupi und Stadträtin Karin Rykart auch noch Nationalrat Balthasar Glättli (alle Grüne). Bild: zvg

    Raphaela Birrer, die Chefredaktorin des „Tages-Anzeigers“, hat in einem Leitartikel die politische Zusammensetzung des Stadtrats von Zürich mit nordkoreanischen Verhältnissen verglichen. Sie fordert einen politischen Wandel. Und der Zuspruch in den Kommentaren ist bemerkenswert hoch.

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  • 3 Minuten

    Wieder die Fährte aufgenommen

    Ein Hund liegt ganz entspannt in einem Hundebett an einem Fenster und geniesst die Sonne.Nach getaner Arbeit im Rathuus-Büro ist Entspannung angesagt. Bild: Pascal Turin

    Artikel, Podcast-Folgen und mehr: Unser Redaktionshund Waldo liest und hört (fast) alles, was er in seine Pfoten kriegt. Hier sind seine Medientipps für politisch Interessierte.

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  • 2 Minuten

    Ich bin Nichtwähler – und schlafe bestens

    Auf dem Bild zu sehen sind im Hintergrund Wahlunterlagen zu sehen. Im Vordergrund wurde ein Porträtfoto von Beni Frenkel platziert.Beni Frenkel geht nicht an die Urne: Er kann mit allem und jedem leben. Bild: Lorenz Steinmann, Bildmontage: Rathuus

    Nichtwählerinnen und Nichtwähler sind die schweigende Mehrheit der Bevölkerung. Wie ticken diese Menschen? Rathuus-Kolumnist Beni Frenkel ist selber Nichtwähler und spricht damit das Tabu aus Expertensicht an.

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  • 3 Minuten

    Lieber Mörtel als Begrünung

    Zu sehen ist eine neue Steinmauer am Bucheggplatz. Der Zwischenraum zwischen Mauer und Trottoir ist gemörtelt. So kann sicher nie etwas wachsen. Begrünung sieht definitiv anders aus.Hier werden nie Malven gedeihen. Die Stadt setzt lieber auf undurchlässigen Mörtel. Bild: Lorenz Steinmann

    Schon der Schaffhauserplatz glänzt mit einer reinen Asphalt- und Betonoberfläche. Ein neues Beispiel vom Bucheggplatz zeigt, wie herzlos Zürichs Planer gegenüber der Natur sind.

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  • 7 Minuten

    Bevölkerungswachstum verliert an Tempo – was das für Gemeinden bedeutet und was nicht

    Ein älterer Mann und eine ältere Frau laufen eine Rampe in einer Unterführung an einem Bahnhof hoch.Dass die Bevölkerungszahl langsamer steigt als auch schon, sieht man beispielhaft im Glattal. Bild: Pascal Turin

    Die Bevölkerung im Kanton ist 2025 gewachsen, allerdings langsamer als zuvor. Eine statistische Atempause in einer Zeit, in der die Zürcher Gemeinden laut einer neuen Studie mit personellen und gesellschaftlichen Herausforderungen kämpfen.

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  • 3 Minuten

    Velo können sie definitiv besser

    Auf dem Bild ist ein Ausschnitt einer Lithografie des französischen Künstlers Sempé zu sehen. Darauf ein gemütlich pedalender Velofahrer. Zudem einfügt ins bilkd ein rundes Portrait des Autors Lorenz Steinmann.Wer in Zürich Velo fahren will, braucht eine grosse Portion Gelassenheit. Bild: Lorenz Steinmann, Bildmontage: Rathuus

    Die Legislatur neigt sich dem Ende zu – Zeit für eine ehrliche Bilanz. Besonders die Velopolitik des Zürcher Stadtrats fällt durch. Note ungenügend. Ein Kommentar.

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  • 1 Minute

    Zeitungen, die keiner mehr kennt (aber damals alle gelesen haben)

    Ein Hund mit rotbraunem Fell und einem blauen Leuchthalsband schaut direkt in die Kamera. Er sitzt vor einem einfachen Graffiti, das einen Hund zeigt.Hunde gehen immer – und Clickbait funktioniert sicher auch auf Rathuus. Redaktionshund Waldo kommt in dieser Folge nicht vor, aber das Bild fanden wir so herzig. Bild: Pascal Turin

    Lorenz Steinmann und Pascal Turin betreiben zwar ein Online-Politikmagazin, sie lieben aber Gedrucktes. Deshalb diskutieren sie in der 27. Folge des Rathuus-Podcasts unter anderem über Zeitungen, die schon längst Geschichte sind.

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  • Im Wahlkampf übersehen: die Frauen

    Eine Frau mit halblangem braunen Haar lächelt in die Kamera. Sie trägt ein Jackett.In einer Gastkolumne äussert sich Gemeinderatskandidatin Nathalie Zeindler (Die Mitte) pointiert. Bild: zvg

    Die Journalistin und Mitte-Politikerin Nathalie Zeindler ist überzeugt: „Repräsentation bedeutet, dass wir den Mut aufbringen, die Dynamik der Basis auch an der Spitze zuzulassen.“ Für sie ist es symptomatisch, wie die Stadtratskandidatinnen in der öffentlichen Wahrnehmung oft weniger Plattformen erhalten.

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