Bei den Zürcher Stadtratswahlen holen die Grünen einen dritten Sitz, während die FDP ihren zweiten Sitz verliert. Die Mitte bleibt im Gemeinderat, die EVP ist weg vom Fenster. Und FDP-Stadtrat Michael Baumer überlegt sich, im zweiten Wahlgang gegen SP-Stadtrat Raphael Golta im Kampf ums Stadtpräsidium anzutreten.
Es ist die Nachricht des Abends: „Ja, wir überlegen uns das nun“, sagt FDP-Stadtrat Michael Baumer exklusiv zu Rathuus. Konkret geht es darum, dass Baumer im zweiten Wahlgang der Stadtpräsidiumswahlen gegen Raphael Golta (SP) antreten könnte – weil Golta das absolute Mehr nicht erreicht hat. Denn weder Përparim Avdili noch Ueli Bamert wurden in den Stadtrat gewählt und können im zweiten Wahlgang ihr Glück versuchen. Da bleibt eigentlich nur Baumer. Er betont aber, dass dies nun die Parteileitung entscheiden müsse. Angesprochen auf seine Chancen zuckt der Freisinnige nur mit den Schultern.
Freud und Leid liegen nahe beisammen. Das sieht man exemplarisch an der EVP, als alt Gemeinderätin Claudia Rabelbauer, Gemeinderat Stefan Reusser, Stefanie von Walterskirchen und Gemeinderätin Sandra Gallizzi erfahren, dass ihre Partei die 5-Prozent-Hürde im Kreis 12 um 0,05 Prozent verfehlt hat. Im Kreis 9 hat es auch nicht gereicht. Muss nachgezählt werden? Im Stadtratswahlkampf hatte Gallizzi ebenfalls keine Chance. Die Stimmung bei der EVP ist dementsprechend gedrückt.
Im Gegensatz dazu sind die Vertreterinnen und Vertreter von Volt ganz zufrieden: Deren Hausfarbe ist ein sattes Violett und die Vision der Partei mit nur etwa zwanzig aktiven Mitgliedern in der Stadt Zürich ist ein vereintes Europa mit einer föderalen Demokratie. Der europäischen Bewegung Volt gelang bei der Europawahl im Jahr 2024 ein Überraschungserfolg. Mit dem 23-jährigen Jan Holtkamp bewarb sich Volt nun auch für die Stadtratswahlen. Dass der Student den schon von Anfang an unwahrscheinlichen Einzug in die Exekutive klar verpasst hat, wirft ihn nicht aus der Bahn. In vier Jahren will Volt auch zu den Gemeinderatswahlen antreten, hiess es von Holtkamp gegenüber Rathuus.
Die Mitte überspringt die Fünf-Prozent Hürde
Doch zurück zu den üblichen Verdächtigen: Die Grünen haben mit Nationalrat Balthasar Glättli im Stadtrat neben Daniel Leupi sowie Karin Rykart einen dritten Sitz geholt. Damit wird die rot-grüne Mehrheit in der Exekutive zementiert, weil gleichzeitig die FDP zukünftig nur noch mit Michael Baumer im Stadtrat vertreten ist. Der angekündigte Grossangriff der Liberalen ist bei den Stadtratswahlen also nicht gelungen. Dies trotz des grossen Engagements inklusive des teuren Wahlkampfs von Stadtratskandidat und Gemeinderat Përparim Avdili.
Und auch die AL hat nur wenig Grund zur Freude: Stadtratskandidatin und Gemeinderätin Tanja Maag landet hinter FDP-Kandidat Avdili auf Platz 11. Happy sind hingegen Mitte-Präsident Wolfgang Kweitel sowie Mitte-Gemeinderätin Karin Weyermann. Ihre Partei hat die Fünf-Prozent-Hürde geschafft und kann weiterhin im Gemeinderat politisieren. Da tut es auch weniger weh, dass Weyermann das angestrebte Stadtratsmandat deutlich verfehlt hat.
Dafür wirkt die hochkarätige Delegation rund um Kantonsrätin Susanne Brunner, Co-Präsidentin SVP Stadt Zürich, und SVP-Nationalrat Gregor Rutz ziemlich zufrieden. Die Politikerinnen und Politiker hofften auf mehr Sitze im Gemeinderat – das Ziel konnte die SVP erreichen, obwohl die Limmatstadt wählertechnisch nicht zum Stammland gehört. Stadtratskandidat und Kantonsrat Ueli Bamert, der klar gescheitert ist, bezeichnete sich selbst halbernst als Zugpferd für diesen Erfolg.
Andreas Hauri sicherte für die Grünliberalen zwar den Sitz im Stadtrat, holte aber mit dem neunten Platz die rote Laterne.
Ohne Frage die Siegerin dieses Wahlsonntags ist sowieso die SP. Sie ist weiterhin mit grossem Abstand stärkste Kraft in der Legislative und hat ihre vier Sitze im Stadtrat halten können. Die Bisherige Simone Brander wurde komfortabel wiedergewählt, während es die neuen Stadträtinnen und und Stadträte Tobias Langenegger und Céline Widmer ebenfalls problemlos in die Exekutive schafften.
So setzt sich der neue Stadtrat zusammen
- Raphael Golta (SP)
- Daniel Leupi (Grüne)
- Céline Widmer (SP)
- Simone Brander (SP)
- Karin Rykart (Grüne)
- Tobias Langenegger (SP)
- Balthasar Glättli (Grüne)
- Michael Baumer (FDP)
- Andreas Hauri (GLP)
Golta holte klar am meisten Stimmen, Hauri am wenigsten.
Grüne verlieren, die SVP wird drittstärkste Kraft
Im 125-köpfigen Gemeinderat kommt es zu einem Mini-Erdbeben, weil die SVP neu hinter den Sozialdemokraten und den Liberalen die drittstärkste Kraft ist, während die Grünen regelrecht abgesackt sind. Ob es bei der Ökopartei an der Themenkonjunktur lag oder welche Gründe sonst eine Rolle gespielt haben, wird die Parteileitung analysieren müssen. Während bei den Stadtratswahlen Glättli, Leupi und Rykart die Wählerschaft überzeugen konnten, gelang das den Grünen als Gesamtpartei offenbar nicht.
Die Sünneli-Partei holt im Vergleich zu den Wahlen 2022 zwei Sitze mehr und hat nun 16 Mandate im Parlament. Auch die FDP konnte sich steigern und verfügt neu über 24 Sitze (+2) im Gemeinderat. Die GLP kommt auf 15 Sitze (-2). Noch mehr Federn lassen mussten die Grünen. Die Ökopartei hat vier Sitze verloren und verfügt nun nur noch über 14 Mandate. Die AL bleibt mit 8 Sitzen stabil und die Mitte konnte gar einen Sitz dazugewinnen. Die Zentrumspartei hat neu sieben Sitze. Obenaus schwingt aber ganz eindeutig die SP mit 41 Mandaten (+4).
Frisch gewählt (v. l): Balthasar Glättli (Grüne), Daniel Leupi (Grüne), Karin Rykart (Grüne), Andreas Hauri (GLP), Simone Brander (SP), Michael Baumer (FDP), Raphael Golta (SP), Céline Widmer (SP) und Tobias Langenegger (SP). Bild: Lorenz Steinmann
Er nimmt es sportlich: FDP-Stadtratskandidat Përparim Avdili (rechts) ist einer der ersten Gratulanten von SP-Stadtrat Raphael Golta. Bild: Lorenz Steinmann
Suki hat wohl die Sozialdemokraten gewählt: Die Hündin, die nicht dem SP-Stadtrat Raphael Golta gehört, erhielt von ihm eine Streicheleinheit. Bild: Pascal Turin
Grünen-Stadtrat Daniel Leupi wurde komfortabel wiedergewählt. Im Parlament fuhr seine Partei hingegen eine Niederlage ein. Bild: Pascal Turin
Die Medien umschwärmen ihn: SP-Stadtrat Raphael Golta ist mit einem Glanzresultat wiedergewählt worden. Bild: Pascal Turin
Sie können jubeln, weil ihre Paretei die 5-Prozent-Hürde geschafft hat: Wolfgang Kweitel, der Stadtparteipräsident der Mitte, sowie Gemeinderätin Karin Weyermann. Bild: Lorenz Steinmann
Freude herrscht! Die SP scheint heute zu siegen, zumindest im Stadtrat. Simone Brander nimmt erste Gratulationen entgegen. Bild: Lorenz Steinmann
Die AL ist auch hier. Etwa alt Stadtrat Richi Wolff und Tanja Maag, Stadtratskandidatin. Bild: Lorenz Steinmann
Wie wohl die Grünliberalen abschneiden? GLP-Gemeinderat Sven Sobernheim blickt konzentriert auf sein Handy. Bild: Pascal Turin
Sie halten für die Kleinpartei Volt die Stellung (v. l.): Stadtratskandidat Jan Holtkamp und Domenic Gehrmann, City Lead Zürich. Bild: Pascal Turin
So seriös wie selten: Lorenz Steinmann ist für Rathuus im Stadthaus unterwegs und könnte fast selbst als Stadtratskandidat durchgehen. Bild: Pascal Turin
Betretene Gesichter bei der EVP (v. l.): Claudia Rabelbauer, Stefan Reusser, Stefanie von Walterskirchen und Sandra Gallizzi erfahren eben von der knappen Wahlniederlage. Bild: Lorenz Steinmann
Pascal Turin stärkt sich um 16.30 Uhr. Bald trudeln die ersten Resulate ein. Bild: Lorenz Steinmann
Der frisch wiedergewählte Stadtrat Michael Baumer (FDP) muss im zweiten Wahlgang der Stapiwahlen für die Bürgerlichen die Kohlen aus dem Feuer holen. Bild: Lorenz Steinmann
Eine fotogene Gruppe (v. l.): Beni Frenkel, Damjan Bardak und Lorenz Steinmann sind kein bisschen nervös. Bild: Pascal Turin
Haben sie bald ausgelacht? Raphaela Birrer jedenfalls graut es vor noch mehr Rot-Grün im Zürcher Stadtrat. Also keinesfalls (v. l.) neben Stadtrat Daniel Leupi und Stadträtin Karin Rykart auch noch Nationalrat Balthasar Glättli (alle Grüne). Bild: zvg
Nach getaner Arbeit im Rathuus-Büro ist Entspannung angesagt. Bild: Pascal Turin
Beni Frenkel geht nicht an die Urne: Er kann mit allem und jedem leben. Bild: Lorenz Steinmann, Bildmontage: Rathuus
Hier werden nie Malven gedeihen. Die Stadt setzt lieber auf undurchlässigen Mörtel. Bild: Lorenz Steinmann
Hier hat die Zürcher Stadtverwaltung offensichtlich nicht vorgesehen, dass jemals etwas wächst. "Wegen der Verkehrssicherheit", wie es heisst. Bild: Lorenz Steinmann
Dass die Bevölkerungszahl langsamer steigt als auch schon, sieht man beispielhaft im Glattal. Bild: Pascal Turin
Bevölkerungszahl der Zürcher Gemeinden Ende des Jahres 2025: Wenig überraschend liegt die Limmatstadt klar an der Spitze. Grafik: Rathuus, Daten: Statistisches Amt Kanton Zürich
Ende 2025 wohnten 1,63 Millionen Menschen im Kanton. Die Bevölkerung ist um 0,8 Prozent gewachsen. Der Zuwachs ist einer der niedrigsten der vergangenen 20 Jahre. Grafik: Statistisches Amt Kanton Zürich
Während die Goldküste ein Steuerparadies ist, zahlen Bewohnerinnen und Bewohner in der Peripherie – etwa in Bachs oder Maschwanden – deutlich mehr Steuern. Grafik: Rathuus, Daten: Statistisches Amt Kanton Zürich
Bei den Kantonsratswahlen 2023 wurde es wieder mal offensichtlich: Opfikon mit rund 21’000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist eine Hochburg der Wahlfaulen. Grafik: Rathuus, Daten: Statistisches Amt Kanton Zürich
Wer in Zürich Velo fahren will, braucht eine grosse Portion Gelassenheit. Bild: Lorenz Steinmann, Bildmontage: Rathuus
Hunde gehen immer – und Clickbait funktioniert sicher auch auf Rathuus. Redaktionshund Waldo kommt in dieser Folge nicht vor, aber das Bild fanden wir so herzig. Bild: Pascal Turin
In einer Gastkolumne äussert sich Gemeinderatskandidatin Nathalie Zeindler (Die Mitte) pointiert. Bild: zvg
Waldo trägt ein neues Mäntelchen – Pascal Turin strahlt, als hätte er es selbst designt. Bildmontage: Rathuus