Wir bleiben dran

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  • 3 Minuten

    Hier darf der SVP-Abtrünnige seine Abschiedsrede halten

    Zu sehen ist Bernhard im Oberdorf, Mitte-Gemeinderat aus Zürich, im Freizeit-Look. Im Vordergrund eine Möve, was auf einen Aufnahmeort an einem Gewässer schliessen lässt."Die Fluktuation umfasst rund die Hälfte des Rates. Das überrascht nicht, ist doch das Entgelt für die Ratsarbeit seit Jahrzehnten konstant geblieben", so Bernhard im Oberdorf. Er hat als abgewählter Gemeinderat nun mehr Freizeit. Bild: zvg

    Mitte-Gemeinderat Bernhard im Oberdorf nimmt Abschied aus dem Zürcher Gemeinderat. Weil er seine Rede trotz über 30 Jahren Ratszugehörigkeit nicht halten darf, kommt sie nun auf Rathuus. „Bio“, wie er oft genannt wird, kritisiert die hohe Fluktuation im Rat und die schlechte Entlöhung.

    Über 1400 Sitzungen hat Gemeinderat Bernhard im Oberdorf im Stadtzürcher Parlament miterlebt. Am kommenden Mittwoch nun hat das dienstälteste Ratsmitglied den letzten Auftritt im Gemeinderats-Plenum. Oder besser gesagt, hätte. Denn ihm wie auch den übrigen gut 30 freiwillig oder unfreiwillig abtretenden Gemeinderätinnen und Gemeinderäten wird verwehrt, sich mit einigen persönlichen Worten zu verabschieden. Es seien zu viele Personen und es würde zu lange dauern, heisst es vom Ratsbüro.

    Darum nimmt Bernhard „Bio“ im Oberdorf hier auf Rathuus Abschied vom Stadtparlament – kurz und prägnant, mit durchaus konstruktiven Inputs zum Abschluss seiner Gemeinderats-Karriere. Im Oberdorf machte Schlagzeilen, weil er 2025 die SVP kritisierte („Zu viele Putin-Versteher“) und zur Mitte wechselte.

    Und nun, Mikrofon an für Bernhard im Oberdorf (75).

    „Es war mir eine Ehre und eine Freude, während dreissig Jahren dem Gemeinderat anzugehören. In dieser Zeit hat sich einiges verändert, nicht nur der Sitzungsort.

    Im letzten Jahrtausend waren die Abläufe noch konventioneller; das Tragen eines Anzuges allenfalls mit Krawatte war verbreitet, heute ist es die Ausnahme. Auch war es noch häufig über die Parteigrenzen hinweg so, dass man sich per ‚Sie‘ anredete, seit einiger Zeit ist das ‚Du‘ ein Standard. Dies hat die Voten aber nicht friedlicher gemacht.

    In früheren Zeiten wurden die Debatten zwar auch von Polemik begleitet, doch selbst dann war es selten gehässig; das Spektrum war zentrierter. Inzwischen hat im Vergleich allerdings eine Polarisierung um sich gegriffen. Dies kann durch eine hoch angesetzte Schwelle für den Einzug ins Parlament noch gefördert werden, besonders dann, wenn die zentrierten Parteien des Rates verwiesen werden. Ob die Vermeidung einer Fragmentierung an den Polen diesen Preis wert ist, muss man demokratiepolitisch hinterfragen: Eine zu hohe Hürde könnte sich aus dieser Sicht auch als kontraproduktiv erweisen.

    Es zeigt sich in diesen Jahren immer mehr, dass der Verbleib der Mitglieder im Rat kürzer wird und ein stärkerer Wechsel erfolgt, womit Wissen und Erfahrung verloren gehen. Als wir die nun endende Legislatur eröffneten, konnte ich über 30 neue Mitglieder begrüssen, rund ein Viertel des Rates war neu. Nun werden auch wieder über 30 scheidende Ratsmitglieder verabschiedet; das ist wiederum ein Viertel. Die Fluktuation umfasst damit rund die Hälfte des Rates. Das überrascht nicht, ist doch das Entgelt für die Ratsarbeit seit Jahrzehnten konstant geblieben. Diese Entschädigung ist aber kein Lohn, sondern sie entschädigt für Kosten, die durch das Engagement im Rat entstehen: Oft muss man im Beruf auch Lohneinbussen in Kauf nehmen oder Mitarbeiter dafür bezahlen, dass sie die durch die Absenzen entstehenden Lücken kompensieren. Da dieses Verhältnis immer schlechter wurde – konstante Entschädigung bei steigenden Opportunitätskosten – sinken Bereitschaft und Möglichkeiten, sich in einem Stadtparlament einzubringen. Idealismus ist kein Selbstläufer. Oder man muss auf andere berufliche oder politische Optionen gleich ganz verzichten; da muss ich mich selber fragen, ob das klug war.

    Ich musste damit rechnen, nach dem Parteiwechsel die Wiederwahl zu verpassen.

    Ein Erfolg wäre erfreulich gewesen, vor allem deshalb, weil ich dann im Falle einer Wahl den Stab an eine kompetente Persönlichkeit hätte weitergeben können. In der letzten Legislatur war dem nicht so, da, so wie man versicherte, für alle hinter mir Platzierten ein Nachrutschen nicht möglich gewesen wäre.

    Es hatte mich gefreut, vor vier Jahren als amtsältester Gemeinderat die neue Legislatur zu eröffnen. Gerne hätte ich es nochmals gemacht, weil ich dann den Kern der Rede nicht hätte zwischen die Zeilen packen müssen. Loyal blieb ich wohl immer; wer sich aber an der Verantwortungsethik orientiert, ist nicht berechenbar wie ein unterwürfiger Parteisoldat.“

    (Applaus).

    Die erste Sitzung des Gemeinderats von Zürich in neuer Zusammensetzung findet übrigens am 6. Mai statt. Bernhard im Oberdorf bleibt sein Mandat als Kantonsrat. Am 7. April 2027 werden dort Gesamterneuerungswahlen durchgeführt. Dass er dort als Mitte-Kandidat aber ursprünglich gewählter SVP-Kantonsrat reüssiert, ist unabhängig vom Listenplatz eher unwahrscheinlich.

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  • 6 Minuten

    Tobias Langenegger wollte FCZ-Fussballer werden, jetzt ist er bald Stadtrat

    Zu sehen ist der künftige Stadtrat Tobias Langenegger. Mit weissem Hemd und mit seiner charakteristischen Langhaar-Frisur, die Haare glatt und weit über die Ohren fallend.Das interessiert den zukünftigen Stadtrat Tobias Langenegger (SP) derzeit am meisten: explodierende Mieten. Bild: zvg

    Im indiskreten Interview mit Rathuus gibt der zukünftige Zürcher Stadtrat Tobias Langenegger (SP) Einblick in sein Leben und seine Haltungen. Zudem wird geklärt, was es mit seiner Genossenschaftswohnung auf sich hat.

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  • 1 Minute

    Stadtbus Winterthur: Gespräche scheinen zu fruchten

    Ein Bus steht einer Haltestelle in einer belebten Innenstadt. Menschen warten oder gehen über die Strasse, umgeben von alten Gebäuden und vielen Oberleitungen.Stadtbus Winterthur hat vergangenes Jahr 32 Millionen Fahrgäste befördert. Bild: Pascal Turin

    Erst Sonne, dann Tauwetter? Die Verhandlungen seien auf gutem Weg, heisst es vonseiten Gewerkschaft und Stadtbus Winterthur. Die Arbeitsbedingungen sollen verbessert werden. Ein ganztägiger Streik ist damit wohl abgewendet.

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  • 4 Minuten

    Die Kasernenbauten als verlotterte Trouvaillen

    Zu sehen ist der berühmte Waffensaal von aussen auf dem Kasernenaral. Es ist ein Gebäude mit drei grossen Fenstern, die wegen dringlicher Sanierung überdeckt sind.Hinter diesen Mauern verbirgt sich der ehemalige Waffensaal der Kaserne Zürich. So, wie er seit gut 30 Jahren der Verwahrlosung überlassen wurde, muss er teuer saniert werden. Bild: Lorenz Steinmann

    Man habe alles versucht, damit der Kanton bei der Sanierung der kantonalen Zeughäuser in Zürich mehr zahle als 15 Prozent, sagte Grünen-Stadtrat Daniel Leupi kürzlich. Doch nun bleibt die Stadt auf den Kosten von mindestens 170 Millionen Franken sitzen. Sorgfaltspflicht sieht anders aus.

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  • 1 Minute

    Lorenz’ Odyssee durch die Verwaltung

    Zwei lächelnde Personen mit Brille machen bei sonnigem Wetter ein Selfie auf einer Brücke über Bahngleisen.Zeit für ein Selfie (v. l.): Pascal Turin und Lorenz Steinmann haben am Karfreitag die Sonne genossen. Bild: Pascal Turin

    Das erwartet euch in der 30. Folge des Rathuus-Podcasts: Lorenz Steinmann und Pascal Turin sprechen über sogenannte „Non-Road-Maschinen“, die mauernde kantonale Verwaltung und vorsichtige Veränderungen bei Rathuus.

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  • 6 Minuten

    Die Velo-Ignoranz des Regierungsrats – mit Parallelen zum Spritzenverbot 1985

    Zu sehen ist ein vom Kanton wieder zu einer Autofahrspur umfunktionierter temporärer Veloweg, jener auf der Walchestrasse.Neben dem Neumühlequai wurde auch ein temporärer Veloweg auf der Walchestrasse wieder zurückgebaut – durch den Kanton und ohne Rücksicht auf Verluste. Bild: Lorenz Steinmann

    Der Regierungsrat lässt seine Muskeln spielen und foutiert sich um die Velosicherheit bei der Baustelle rund um den Zürcher Hauptbahnhof. Das weckt Erinnerungen an das Spritzenverbot 1985. Ist die frühere Hetzerei gegen Heroinabhängige das heutige Velo-Bashing? Ein Trauerspiel in vier Kapiteln.

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  • 4 Minuten

    Passagier­zahlen hui, Mitarbeiter­zufriedenheit pfui?

    Zwei rote Busse stehen an einer Haltestelle in einer belebten Innenstadt. Menschen warten oder gehen über die Strasse, umgeben von alten Gebäuden und vielen Oberleitungen.Die Passagierzahlen bei Stadtbus Winterthur sind gestiegen. 32 Millionen Personen nutzten 2025 das Angebot. Erneut markant gewachsen ist die Fahrgastzahl auf der Linie 7. Bild: Pascal Turin

    Stadtbus Winterthur hat vergangenes Jahr 32 Millionen Fahrgäste befördert. Doch es ist nicht allen zum Jubeln zumute. Anfang März hat das Buspersonal für vier Stunden gestreikt. Morgen Donnerstag sollen die Gespräche zwischen Verkehrsunternehmen und Mitarbeitenden sowie Gewerkschaft weitergehen.

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  • 4 Minuten

    Streit zwischen drei Quartiervereinen und der Stadt Zürich eskaliert

    Auf dem Bild aus dem ETH-Archiv ist Fritz Senn, Präsident des Quartiervereins Seebach zu sehen, wie er 1980 dem damals ältesten Seebacher einen speziellen Seebacher Pass überreicht.Hatten Quartiervereine früher mehr Geltung? 1980 überreicht der damalige Seebacher Quartiervereinspräsident Fritz Senn dem ältesten Seebacher einen speziellen Seebacher Pass. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_L29-0005-0022-0004

    Die Quartiervereine Altstetten, Wipkingen und neuerdings auch Wiedikon unterschreiben die Vereinbarung mit der Stadt nicht. Dafür verzichten sie auf Subventionen. Ans jährliche Nobel-Treffen im Muraltengut will sie die Stadt aber trotzdem einladen.

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  • 3 Minuten

    Schnüffel, schnüffel – Waldo weiss wieder mal Bescheid

    Braun-weißer Hund mit Geschirr schaut aus dem Zugfenster auf eine Stadt mit modernen Gebäuden.Waldo: "Ich hab keine Ahnung, wo wir sind – aber ich tue so, als hätte ich alles im Griff." Bild: Pascal Turin

    Wuff, wuff: Unser Redaktionshund Waldo schnüffelt nicht nur gern an den Hinterteilen seiner Artgenossinnen und Artgenossen. Er hat wieder spannende Artikel und Podcast-Folgen aufgespürt.

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  • 3 Minuten

    „Unterschriften sammeln gehört zur politischen Ochsentour“

    Auf dem Bild zu sehen ist Davide Loss. Er hat eine schnittige Frisur und eine Brille mit markantem schwarzen Gestell.SP-Kantonsrat Davide Loss (38) hat schon als Kind mit seinen Eltern die Tagesschau geschaut. "Ich wollte bereits damals alles wissen und verstehen. So kam ich früh in Berührung mit Politik." Bild: zvg

    Im indiskreten Rathuus-Fragebogen verrät SP-Kantonsrat Davide Loss, dass er mit Winston Churchill über dessen Europa-Ideen diskutieren möchte. Was er an Huldrych Zwingli gut findet – und welchen politischen Fehler er schon begangen hat.

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  • 1 Minute

    Sonne, See, Sehnsucht – und kritische Politanalysen

    Ein farbenfrohes Blumenbeet mit rosafarbenen Tulpen im Vordergrund, dahinter rote Parkbänke an einer Seepromenade. Zwei Personen sitzen nebeneinander und blicken auf einen ruhigen See.Hier passt einfach alles: See, Berge, Blumen. Bild: Lorenz Steinmann

    Kurz im Tessin die Seele baumeln lassen – was gibt es Schöneres? In der 29. Folge des Rathuus-Podcasts sprechen Lorenz Steinmann und Pascal Turin über die Grünliberalen. Zudem schwärmen die Hosts vom mediterranen Flair Luganos.

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  • Die Hintergründe zur umstrittenen Spursperrung

    Zu sehen ist die Walchebrücke in Zürich mit dem Hinweisschild, dass die Strasse für Velos und Mofas in 120 Meter Entfernung gesperrt ist.Der Grund für den temporären Velostreifen liegt in der Komplettsperrung des Bahnhofquais für Velos während des Neubaus der Tramhaltestelle Bahnhofquai/Hauptbahnhof. Bild: Lorenz Steinmann

    Die Wogen gingen hoch, als bekannt wurde, dass die Stadt Zürich am Neumühlequai in der Nähe des Hauptbahnhofs eine Autospur zum temporären Veloweg umfunktioniert hat. Die Betonung liegt auf temporär – und der Aufschrei der Autolobby ist übertrieben.

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  • 3 Minuten

    Politgeograf Michael Hermann überrascht durch Nähe zu den Bürgerlichen

    Auf dem Bild zu sehen ist der Ausschnitt in der "Wohnziitig Züri", wo Michael Hermanns Gastkommentar abgedruckt ist.Dieser Gastkommentar von Politgeograf Michael Hermann in der bürgerlichen "Wohnziitig Züri" gegen die zwei linken Wohninitiativen wirft Fragen auf. Bild: Pascal Turin

    Die Gegner der beiden Mieter-Initiativen, die am 14. Juni zur Abstimmung kommen, rühren mit der grossen Kelle an. Dazu konnten sie Politgeograf Michael Hermann ins Boot holen. Hermann sagt gegenüber Rathuus: „Es passt mir, wenn man mich nicht auf sicher politisch verorten kann.“

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  • 8 Minuten

    Wie eine Beamten­kasse zum Milliarden­betrieb wurde

    Sehr schön geschriebene, handschriftliche Liste von Prämienzahlungen auf vergilbtem Papier.1928 wurden die Beiträge der Regierungsräte an ihre Pensionskasse noch handschriftlich in einem Buch eingetragen. Für Korrespondenz waren aber schon Schreibmaschinen vorhanden. Bild: Staatsarchiv Zürich

    Was als kleine Beamtenversicherung begann, ist heute die grösste Pensionskasse der Schweiz. Ein neues Buch erzählt die alles andere als gradlinige Geschichte der BVK – inklusive eines Skandals, der die Institution in den 2010er-Jahren erschütterte.

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  • 3 Minuten

    Das grosse Zittern bei „Wnti“

    Auf dem Bild zu sehen ein Notebook mit der Website von Wnti. Daneben die Hand eines Journalisten und ein Fotoapparat.Heruntergerechnet gut 400 Franken kostet die Produktion eines Artikels bei Wnti. "Das ist viel Geld für langweilige Buchstabenanreihungen", findet unser Medienkritiker. Bild: Pascal Turin

    Das Winterthurer Onlinemagazin Wnti ist im März 2025 als Reaktion auf das Streichkonzert bei der Tageszeitung „Der Landbote“ entstanden. Doch die Magie eines neuen Lokaljournalismus wirkt heute eher schwach. Ob die meist für ein Jahr abgeschlossenen Abos erneuert werden, scheint ungewiss. Eine Medienkritik.

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  • 1 Minute

    EVP definitiv draussen – und Baumer verzichtet auf Stapi-Kandidatur

    Eine Gruppe Männer und Frauen steht mit betretenem, traurigen Gesichtsausdruck in einem Halbkreis.Betretene Gesichter bei der EVP (v. l.): Claudia Rabelbauer, Stefan Reusser, Stefanie von Walterskirchen und Sandra Gallizzi erfahren am vergangenen Sonntag von der knappen Wahlniederlage. Bild: Lorenz Steinmann

    Der Zürcher Stadtrat liess nochmals nachzählen: Die EVP hat den Sprung in den Gemeinderat wirklich ganz knapp verpasst.

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