Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) lehnte drei Porträtentwürfe ab. Doch lange nicht alle Gemälde in der Ahnengalerie gelten bei Kunstlaien als schön – so etwa jene von Christoph Blocher, Markus Notter oder Ueli Maurer. Alt Bundesrat Maurer erklärt gegenüber Rathuus, warum er sein Porträt damals trotzdem akzeptierte.
Wer die Gemälde in der Ahnengalerie im kantonalen Verwaltungsgebäude in der Nähe des Hauptbahnhofs Zürich betrachtet, muss teilweise leer schlucken. Zumindest, wenn er die Porträts der beiden alt Bundesräte Christoph Blocher und Ueli Maurer (beide SVP) sieht, vor allem aber das Porträt von alt Regierungsrat Markus Notter (SP).
Die Werke fallen auf, wie dies auch das mittlerweile abgeschossene Porträtbild von Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) getan hätte. Alle Ölbilder haben gelinde gesagt eine hohe künstlerische Note. Realistische Ähnlichkeiten mit den porträtierten Politikern sind nicht unbedingt auszumachen. Der Interpretationsspielraum ist hoch. Trotzdem oder gerade darum hängen die Porträts neben den Dutzenden von Bildern der Honoritäten in mehr oder weniger realistischem, traditionellem Stil. Das lässt immerhin auf eine gewisse Gelassenheit der Porträtierten schliessen.
In der Ahnengalerie im sogenannten Walcheturm am Stampfenbachplatz werden die Porträts der ehemaligen Regierungspräsidentinnen und Regierungspräsidenten gezeigt. Ausserdem hängen dort auch die Porträts der Zürcher Bundesratsmitglieder.
So hat Künstler Bendicht Fivian den damaligen SP-Regierungsrat Markus Notter gemalt (Ausschnitt). Bild: zvgDoch zurück zu Blocher, Maurer, Notter. Sie sind für Regierungsrat und aktuell Regierungsratspräsident Neukom offenbar keine Vorbilder. Das Porträt sei „völlig gegen das, was die grüne Politik erreichen wolle“, heisst es gemäss einem Artikel im „Sonntags-Blick“ und weiter: „So kennen wir den Martin nicht“.
Neukom lehnte kürzlich die drei Vorschläge des Kunstmalers Hans Witschi ab. „Die Ahnengalerie ist keine Kunstausstellung“, wird Neukom im Sonntags-Blick zitiert. In einem Mail an Witschi schreibt Neukom zudem: „Ich fühle mich entstellt.“
Neukom will die Bilder nicht. Wenn, soll ein Porträt von einem anderen Künstler künftig die Ahnengalerie zieren. Ein Shitstorm sondergleichen war die Folge.
"Tele Züri" zeigte die drei abgelehnten Bilder des Künstlers Hans Witschi. Rechts aussen das zuletzt gemalte Porträt, das Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) auch nicht gefiel. Bilder: Stefan Bohrer / Screenshot: Tele ZüriMaurer würde für sein Bild kein Geld ausgeben
Kunst lässt, wie bereits gesagt, viel Interpretationsspielraum offen. Eitelkeit ist da fehl am Platz.
Dass es anders geht, zeigte Ueli Maurer. Maurer, ehemals Kantonsrat, Nationalrat und von 2009 bis 2022 Mitglied des Bundesrates, ziert die Ahnengalerie mit einem Porträt von Dieter Hall. Verglichen mit den abgelehnten Entwürfen von Hans Witschi für Neukom wirkt das Maurer-Bild unbequem, ja schon fast subversiv. Das Schönste sind noch die blauen Augen, passend zum Hintergrund.
Darauf angesprochen, sagt Ueli Maurer zu Rathuus: „Ich habe mich tatsächlich auch nicht erkannt. Aber Kunst zu verstehen ist wohl eine besondere Gabe, über die ich nicht verfüge.“ Also habe er das Porträt akzeptiert, „auch wenn ich dafür kein Geld ausgeben würde“, so der heute 75-Jährige.
Alt Bundesrat Ueli Maurer: „Ich habe mich tatsächlich auch nicht erkannt. Aber Kunst zu verstehen ist wohl eine besondere Gabe, über die ich nicht verfüge.“
Alt Bundesrat Ueli Maurer (SVP) folgte 2024 der Einladung von Aufrecht Zürich an eine Veranstaltung mit kontroversen Diskussionen im Stadtsaal im Zentrum Schluefweg in Kloten. Bild: Pascal TurinNeukom will nicht auf Entscheid zurückkommen
Andere Politiker gingen also definitiv lockerer, vielleicht auch staatstragender mit ihren Porträts um. Heute ein unbequemes Porträt absegnen, dafür morgen die Welt retten – zumindest die Schweiz oder wenigstens den Kanton Zürich.
Also nochmals die Frage an die Baudirektion und an Regierungsrat Martin Neukom: „Wenn man diverse bisherige Porträts beachtet, wäre es nicht angebracht, auf den abschlägigen Entscheid zurückzukommen und doch eines der drei Porträts auszuwählen?“
Doch nichts da. Kein Wort der Reue oder der Neubeurteilung. „Die porträtierte Person muss sich mit der künstlerischen Darstellung identifizieren können“, so das abermalige Njet von Dominik Bonderer, Kommunikationschef der Baudirektion.
So könnte es sein, dass Zürichs jüngster Regierungsratspräsident seit Alfred Escher im Jahr 1851 sich unfreiwillig ein Denkmal gesetzt hat. Als jener Politiker, der sein Porträt in Öl nicht wollte.
Wie sagte der verstorbene Regisseur und Theaterautor Christoph Schlingensief doch so schön: „Kunst wird erst dann interessant, wenn wir vor irgendetwas stehen, das wir nicht gleich restlos erklären können.“
Karl Landolt hat hier alt Bundesrat und SVP-Doyen Christoph Blocher porträtiert (Ausschnitt), recht eigenwillig, aber doch entfernt im Hodler-Stil. Bild: zvg
Nicht gerade das staatsmännisch wirkende Gemälde ist diese Interpretation (Ausschnitt) von alt Bundesrat Ueli Maurer (SVP) durch den Künstler Dieter Hall. Gleichwohl hängt es in der Ahnengalerie der kantonalen Verwaltung. Bild: zvg
Beste Lage am Limmatquai in Zürich: Hier wollte McDonald's einziehen. Bild: Lorenz Steinmann
Erhält die am 15. Mai beginnende Eishockey-WM dank des Trainer-Skandals nun mehr Beachtung? Unsere Aufnahme zeigt den Infowürfel beim Flughafen Kloten. Bild: Lorenz Steinmann
Trotz Denkmalschutz: So markant wären die beiden Kamine nach den Plänen von McDonald's geworden. Dagegen hatten die Rekurrenten etwas, und sie wurden vom Baurekursgericht gestützt. Bild: zvg
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"Die Fluktuation umfasst rund die Hälfte des Rates. Das überrascht nicht, ist doch das Entgelt für die Ratsarbeit seit Jahrzehnten konstant geblieben", so Bernhard im Oberdorf. Er hat als abgewählter Gemeinderat nun mehr Freizeit. Bild: zvg
Das interessiert den zukünftigen Stadtrat Tobias Langenegger (SP) derzeit am meisten: explodierende Mieten. Bild: zvg
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Hinter diesen Mauern verbirgt sich der ehemalige Waffensaal der Kaserne Zürich. So, wie er seit gut 30 Jahren der Verwahrlosung überlassen wurde, muss er teuer saniert werden. Bild: Lorenz Steinmann
Zeit für ein Selfie (v. l.): Pascal Turin und Lorenz Steinmann haben am Karfreitag die Sonne genossen. Bild: Pascal Turin
Neben dem Neumühlequai wurde auch ein temporärer Veloweg auf der Walchestrasse wieder zurückgebaut – durch den Kanton und ohne Rücksicht auf Verluste. Bild: Lorenz Steinmann
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Waldo: "Ich hab keine Ahnung, wo wir sind – aber ich tue so, als hätte ich alles im Griff." Bild: Pascal Turin
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