Die Grünliberale Cristina Cortellini ist Politikerin mit Leib und Seele. Sie liebt es, Verantwortung für ihre Wohngemeinde Dietlikon und für den Kanton Zürich zu übernehmen. Die Kantonsrätin sucht den Konsens – denn Extrempositionen sind ihr zuwider.
Wer Dietlikon hört, denkt zuerst an das Industriegebiet mit Einkaufsmeile und Pathé-Kino. Doch die Agglogemeinde hat auch einen herzigen, kleinen historischen Dorfkern. „Dietlikon wird unterschätzt“, sagt Cristina Cortellini mit einem Lächeln. „Es hat sehr viel Grün, sehr viele Erholungsräume und auch ein starkes Vereinsleben. Ich fühle mich heimisch.“ Im März hat sie die Wiederwahl in den Dietliker Gemeinderat problemlos geschafft. Cortellini politisiert seit 2010 für die politische Vereinigung Bevölkerung von Dietlikon – kurz BVD. Sie ist Vorsteherin des Ressorts Infrastruktur und Unterhalt in der 8000-Seelen-Ort im Bezirk Bülach.
Cortellini ist in den Medien keine Unbekannte: Im Lokalsender Tele Z sprach sie im vergangenen September über die abgeschlossene Sanierung der Industriestrasse, der Dietliker Einkaufsachse. Neu sind etwa breitere Gehwege, ein klar markierter Radstreifen oder überdachte Haltestellen. Wohl weniger erfreulich war hingegen ein Bericht der „Neuen Zürcher Zeitung“ vom Dezember über ein Kunstwerk, das in Dietlikon versehentlich abgerissen worden ist. Für den Brunnen zuständig war die Abteilung von Gemeinderätin Cortellini. Zur Ehrenrettung muss man sagen, dass der in die Jahre gekommene Steinbrunnen vor der Migros schon lange defekt war und kaum mehr von jemandem als Kunstwerk erkannt wurde.
Lokal politisiert sie für die BVD
Der Lokalzeitung Kurier gab die 53-Jährige vor den Wahlen ein kurzes Interview. Auf die Frage, was sie motiviert, für ein Amt in der Gemeinde zu kandidieren, antwortete die Dietlikerin: „Weil es mir bisher Spass macht und ich in den letzten Jahren einiges bewirken konnte.“ Ein Beispiel dafür wäre das gemeindeeigene Glasfasernetz, dessen Bau Cortellini vorantrieb. Dietlikon gehörte zu den ersten Gemeinden des Landes, die voll auf Glasfasern gesetzt haben.
Cristina Cortellini ist Politikerin mit Leib und Seele. Sie liebt es, Verantwortung zu übernehmen. In Dietlikon tut sie das als Mitglied der BVD. Die Vereinigung kümmert sich nur um kommunale Anliegen. 2019 konnte die BVD das 100-jährige Bestehen feiern.
„Als ich nach Dietlikon gezogen bin, habe ich bei allen Parteien angeklopft, um mich vorzustellen“, erinnert sich Cortellini. Die BVD habe ihr am besten gefallen. Im fünfköpfigen Gemeinderat ist die BVD doppelt vertreten. Zudem haben die FDP, die SP und die SVP je einen Sitz. Frei vom politischen Links-Rechts-Schema sollen Mitglieder sachlich diskutieren und entscheiden können, wie der BVD-Website zu entnehmen ist.
Doch Cortellini ist auch Kantonsrätin. Und Mitglied der Grünliberalen.
„Wir haben das Privileg, in einem politisch stabilen, reichen Land mit guten Ausbildungsmöglichkeiten zu leben. Doch das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt GLP-Kantonsrätin Cristina Cortellini.
Wer mit Cortellini spricht, merkt schnell, dass sie überzeugt von dem ist, was sie tut und was sie sagt. Sie ist eine Politikerin aus Prinzip. Ein wichtiges Anliegen ist ihr die Chancengerechtigkeit – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sexueller Orientierung. Als Doppelbürgerin und Tochter eingewanderter Italiener ist für die GLPlerin klar: Dank Immigrantinnen und Immigranten hat sich die Schweiz zu dem entwickelt, was sie heute ist. „Wir haben das Privileg, in einem politisch stabilen, reichen Land mit guten Ausbildungsmöglichkeiten zu leben. Doch das ist keine Selbstverständlichkeit“, findet die Mutter dreier erwachsener Kinder. Damit der Kanton Zürich und die Schweiz lebenswert bleiben, engagiert sich Cortellini nicht nur auf kommunaler Ebene. 2019 wurde sie in den Kantonsrat gewählt. Dort ist sie seither Mitglied der Kommission für Wirtschaft und Abgaben.
Aus Cortellinis Sicht ist die GLP eine Mittepartei, die offene Diskussionen und Auseinandersetzungen pflegt – ohne Extrempositionen zu vertreten. Sie persönlich steht eher für den wirtschafts- und gesellschaftsliberalen Flügel. Die Dietlikerin sitzt im Vorstand der GLP Kanton Zürich und amtet ausserdem als Präsidentin der GLP Frauen Zürich. Dieses versteht sich als parteiinternes Netzwerk, das sich für Themen einsetzt, die für Frauen relevant sind.
Das Thema Cyberkriminalität treibt sie um
„Ich gehöre nicht zu den Kantonsräten, die tausend Anfragen einreichen“, sagt sie von sich selbst. Sie nehme lieber das Telefon in die Hand und versuche, mit den verantwortlichen Personen in den Ämtern direkt ins Gespräch zu kommen – um vorgängig abzuklären, wo ein Vorstoss wirklich etwas bewirken kann. Das war auch beim Thema digitale Kriminalität der Fall. So sprach Cristina Cortellini beispielsweise mit jemandem von der School of Management and Law an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften darüber, wie man in der Weiterbildung Bankangestellte besser für Opfer von Cyberkriminalität sensibilisieren kann.
Cristina Cortellini amtet als Präsidentin der GLP Frauen Zürich. Bild: Pascal TurinEnde März hat Cortellini eine Anfrage mit dem Titel „Transparenz oder Datenleck: Spielen Online-Publikationen gewisser Gemeinden Cyberkriminellen in die Hände?“ eingereicht. Gemeinsam mit ihren Parteikolleginnen und Parteikollegen Claudia Frei und Gabriel Mäder möchte sie unter anderem wissen, welchen Stellenwert der Regierungsrat dem Schutz von Personendaten der Bevölkerung bei der elektronischen Veröffentlichung von Verwaltungsunterlagen beimesse und ob er Handlungsbedarf bei gesetzlichen Grundlagen sehe, um den Schutz von Personendaten bei digitalen Publikationen zu stärken.
„Welche Personendaten erachtet der Regierungsrat bei öffentlich aufzulegenden Unterlagen (z. B. im Baubewilligungsverfahren) als zwingend erforderlich für die Information der Öffentlichkeit?“, heisst es etwa im Vorstoss. „Und ist der Regierungsrat der Ansicht, dass Personendaten wie Geburtsdaten, private E-Mail-Adressen, Telefonnummern oder handschriftliche Unterschriften grundsätzlich nicht online publiziert werden sollten, sofern sie für das Verfahren nicht notwendig sind?“
Sie kocht am liebsten für ihre Freunde
Cortellini, die bei der Entwicklungsorganisation Helvetas für Projektpartnerschaften und Philanthropie zuständig ist, engagiert sich auch als Mitglied des Lions Club Zürich-Airport. Sie präsidiert den Förderverein Fulminante Sepsis, der das Kinderspital Zürich unterstützt. Fulminante Sepsis ist eine gefährliche und seltene Krankheit, die zu Organversagen und Tod führen kann. Am Kinderspital werden Betroffene nicht nur akut behandelt, sondern bis ins Erwachsenenalter betreut. „Solche Projekte sind auf privates Fundraising angewiesen“, erklärt die Kantonsrätin. Mit dem Förderverein organisiert sie darum Benefizveranstaltungen und sammelt Spenden.
Nach ihrer Freizeit gefragt, sagt sie: „Ich verbringe sehr gerne Zeit mit Familie und Freunden.“ Zudem kocht sie leidenschaftlich, vor allem für Gäste. Während des letzten Kantonsratswahlkampfs hat sie ein paar Rezepte auf ihrer Website aufgeschaltet. Dort teilt sie ihre Lieblingsgerichte, darunter Tortelli d’erbette oder Melanzane alla Parmigiana.
Wer Dietlikon bloss auf die Einkaufsmeile und das Kino reduziert, greift zu kurz. Und wer in Cristina Cortellini nur die typische Kommunalpolitikerin sieht, ebenfalls. Die Grünliberale ist Machtpolitikerin im besten Sinn: klar in der Haltung und getragen vom Anspruch, konkret etwas zu bewirken.

„Ich gehöre nicht zu den Kantonsräten, die tausend Anfragen einreichen“, sagt Cristina Cortellini (53). Bild: Pascal Turin
Nicht gerade das staatsmännisch wirkende Gemälde ist diese Interpretation (Ausschnitt) von alt Bundesrat Ueli Maurer (SVP) durch den Künstler Dieter Hall. Gleichwohl hängt es in der Ahnengalerie der kantonalen Verwaltung. Bild: zvg
Beste Lage am Limmatquai in Zürich: Hier wollte McDonald's einziehen. Bild: Lorenz Steinmann
Erhält die am 15. Mai beginnende Eishockey-WM dank des Trainer-Skandals nun mehr Beachtung? Unsere Aufnahme zeigt den Infowürfel beim Flughafen Kloten. Bild: Lorenz Steinmann
Trotz Denkmalschutz: So markant wären die beiden Kamine nach den Plänen von McDonald's geworden. Dagegen hatten die Rekurrenten etwas, und sie wurden vom Baurekursgericht gestützt. Bild: zvg
Waldo ist immer auf der Ausschau nach spannenden Artikeln, Podcast-Folgen oder Videos. Bild: Pascal Turin
"Die Fluktuation umfasst rund die Hälfte des Rates. Das überrascht nicht, ist doch das Entgelt für die Ratsarbeit seit Jahrzehnten konstant geblieben", so Bernhard im Oberdorf. Er hat als abgewählter Gemeinderat nun mehr Freizeit. Bild: zvg
Das interessiert den zukünftigen Stadtrat Tobias Langenegger (SP) derzeit am meisten: explodierende Mieten. Bild: zvg
Stadtbus Winterthur hat vergangenes Jahr 32 Millionen Fahrgäste befördert. Bild: Pascal Turin
Hinter diesen Mauern verbirgt sich der ehemalige Waffensaal der Kaserne Zürich. So, wie er seit gut 30 Jahren der Verwahrlosung überlassen wurde, muss er teuer saniert werden. Bild: Lorenz Steinmann
Zeit für ein Selfie (v. l.): Pascal Turin und Lorenz Steinmann haben am Karfreitag die Sonne genossen. Bild: Pascal Turin
Neben dem Neumühlequai wurde auch ein temporärer Veloweg auf der Walchestrasse wieder zurückgebaut – durch den Kanton und ohne Rücksicht auf Verluste. Bild: Lorenz Steinmann
Die Passagierzahlen bei Stadtbus Winterthur sind gestiegen. 32 Millionen Personen nutzten 2025 das Angebot. Erneut markant gewachsen ist die Fahrgastzahl auf der Linie 7. Bild: Pascal Turin
Hatten Quartiervereine früher mehr Geltung? 1980 überreicht der damalige Seebacher Quartiervereinspräsident Fritz Senn dem ältesten Seebacher einen speziellen Seebacher Pass. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_L29-0005-0022-0004
Waldo: "Ich hab keine Ahnung, wo wir sind – aber ich tue so, als hätte ich alles im Griff." Bild: Pascal Turin
SP-Kantonsrat Davide Loss (38) hat schon als Kind mit seinen Eltern die Tagesschau geschaut. "Ich wollte bereits damals alles wissen und verstehen. So kam ich früh in Berührung mit Politik." Bild: zvg
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