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  • 7 Minuten

    Die KI soll es mal wieder richten

    Blick in ein Grossraumbüro, ganz viele alte Computer mit Röhrenmonitoren. Die Angestellten sitzen an ihren Arbeitsplätzen.Die gute alte Zeit: Die Grossraumbüros waren 1992 noch bis auf den letzten Platz besetzt. Alle sitzen brav an ihren Computern und arbeiten fleissig bis zur nächsten Kaffeepause. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_C21-005-001-006

    Bis 2050 sollen dem Kanton Zürich bis zu 300’000 Arbeitskräfte fehlen. Einer der Gründe: immer weniger Geburten. Einer Studie des Amts für Wirtschaft und des Beratungsunternehmens Deloitte zufolge könnte künstliche Intelligenz ein Teil der Lösung sein. Das Ziel ist nichts weniger als den Wohlstand zu sichern.

    Wir erleben Tage voller Ungewissheiten. Ob Grönland, Iran, die Ukraine oder Venezuela – man fragt sich, wohin sich die Welt entwickelt. Aber während die Geopolitik trotz aller Wirren irgendwie erklärbar bleibt, sind andere Entwicklungen für die Menschheit vermutlich noch einschneidender. Ob im Krieg, in der Medizin oder in der Verwaltung: Die künstliche Intelligenz (KI) ist überall. Und jetzt soll sie auch noch das Problem mit dem prognostizierten Arbeitskräftemangel im Kanton Zürich lösen.

    Die Digitalisierung und die KI müssen also wieder einmal als vermeintliche Heilsbringer herhalten. Wegen der demografischen Alterung – sinkende Geburtenrate – werden dem Kanton in den nächsten Jahrzehnten nämlich viele Arbeitskräfte fehlen. „Die Wirtschaftsleistung könnte um bis zu 20 Prozent tiefer ausfallen und damit den Wohlstand im Kanton Zürich bedrohen“, schreibt die Volkswirtschaftsdirektion in einer kürzlich verschickten Mitteilung. Eine neue Studie des Amts für Wirtschaft und des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt auf, welche Wirkung einzelne Hebel gegen den Mangel an Arbeitskräften haben können.

    Hilfreich wäre es demnach, wenn die Menschen mehr arbeiten, die Arbeitenden ihr Pensum erhöhen oder länger erwerbstätig bleiben. Einen weiteren Hebel sehen die Studienautorinnen und Studienautoren bei einer Steigerung der Produktivität, etwa dank Digitalisierung und KI. Auch nicht verkehrt wäre eine Verjüngung der Altersstruktur – zum Beispiel durch Zuwanderung oder mehr Geburten.


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    Die Menschen werden älter und gleichzeitig werden, wie erwähnt, immer weniger Kinder geboren. Die Zahl der Personen im Rentenalter wächst deutlich schneller als jene der Erwerbstätigen. Je nach Szenario fehlen dem Kanton bis 2050 bis zu 300’000 Arbeitskräfte – wenn nichts getan wird. „Die demografische Entwicklung ist kein abstraktes Zukunftsszenario, sondern muss uns jetzt mit Hochdruck beschäftigen“, lässt sich Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) im Communiqué zitieren. „Um unseren Wohlstand zu sichern, müssen wir heute die richtigen Weichen stellen – gemeinsam mit Unternehmen, Sozialpartnern und Bildungseinrichtungen.“

    Wie der Studie zu entnehmen ist, hat das Älterwerden der Zürcher Bevölkerung vielfältige Konsequenzen für Gesellschaft und Wirtschaft. Der finanzielle Druck auf die Alters- und Sozialversicherungen nehme zu, die Gesundheits- und Pflegekosten würden steigen und das politische Gewicht der älteren Wählerschaft verstärke sich. „Gesamtwirtschaftlich bedeutet das eine Verschärfung des Arbeitskräftemangels und ein damit verbundenes tieferes Wirtschaftswachstum“, erklären die Autorinnen und Autoren. Studien würden den Zusammenhang zwischen der Altersstruktur und dem Wohlstandsniveau eines Landes belegen: „Mehr ältere Personen und weniger Personen im erwerbsfähigen Alter gehen einher mit einem tieferen Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf“, heisst es in der Analyse mit dem Titel „Rezepte gegen den demografisch bedingten Wohlstandsverlust“.

    Produktivitätsgewinne lassen sich nur schwer prognostizieren

    In der Studie wurden verschiedene Massnahmen untersucht und ihre Wirkung den erwarteten Kosten gegenübergestellt. „Jede Massnahme beurteilen die Autoren anhand ihrer Kosten und Wirksamkeit“, wie das IT-Fachmagazin Netzwoche herausgearbeitet hat. „Mittlere bis hohe Wirksamkeit“ (bei „mittleren bis hohen Kosten“) würden sie sich demnach von der Massnahme versprechen, künstliche Intelligenz in Privatwirtschaft und Verwaltung zu implementieren.

    „Eine gleich hohe Wirksamkeit attestieren sie daneben nur noch der Idee, das Rentenalter zu erhöhen – hier gehen sie jedoch von ‚mittleren Kosten‘ aus“, so die „Netzwoche“. Geringe Kosten und mittlere Wirksamkeit würden die Autorinnen und Autoren bei der Massnahme sehen, künstliche Intelligenz mit staatlichen Rahmenbedingungen voranzutreiben. Den Vorschlag, die technische Transformation bei KMU zu stärken, würden sie mit mittleren Kosten und mittlerer Wirksamkeit bewerten.

    Wie gross die erwarteten Produktivitätsgewinne dank KI tatsächlich sein werden, ist allerdings schwer abzuschätzen. Gemäss Mitteilung der Volkswirtschaftsdirektion prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine Steigerung des Produktivitätswachstums durch KI von 0,5 bis 0,9 Prozentpunkten für die nächsten zehn Jahre. „Der Kanton Zürich ist mit seiner dienstleistungsorientierten Wirtschaft, der starken Vernetzung mit der Wissenschaft und den renommierten Unternehmen im KI-Cluster gut positioniert, um signifikante Effizienzgewinne zu erzielen“, so der Kanton. Schlanke staatliche Rahmenbedingungen sowie eine beschleunigte Implementierung von KI in den Unternehmen würden die Arbeitsproduktivität am meisten verbessern und helfen, die drohende Wohlstandslücke zu schliessen.

    Grafik, die zehn verschiedene Massnahmen zeigt mit Bewertung nach Kosten und Wirksamkeit.Die Abbildung zeigt zehn ausgewählte Massnahmen, die in der Studie vertieft diskutiert werden, und ihre Wirksamkeit und Kosten im Vergleich. Grafik: Amt für Wirtschaft/Deloitte

    Es ist noch kein Allheilmittel gefunden worden

    Das IT-Fachmagazin Netzwoche bringt es auf den Punkt: „Nur auf eine Massnahme oder einen Hebel zu setzen, dürfte aber das Wohlstandsproblem Zürichs nicht lösen.“ Würde man etwa nur den Hebel zur Produktivitätssteigerung einsetzen, „müsste die Arbeitsproduktivität viermal stärker wachsen als es in den letzten 25 Jahren der Fall war“.

    Ähnlich verhalten klingt es bei „Inside IT“: Die Studie stütze sich bei den Massnahmen zur Produktivitätssteigerung fast ausschliesslich auf internationale Prognosen und Standortindikatoren von Organisationen wie der OECD, nicht auf lokal, empirisch gemessene KI-Wirkungen, hält das Onlinemagazin fest. „Obwohl 18 externe Expertinnen und Experten die Massnahmen bewerteten und im Bericht ihre Meinung äussern, bleibt offen, wie die Produktivitätssteigerung sich konkret ergibt“, schreibt „Inside IT“.

    Auch Deloitte-CEO Reto Savoia sagt, dass es kein Allheilmittel gegen die Folgen der alternden Gesellschaft auf die Verfügbarkeit von Arbeitskräften gebe. „Aber zwei Dinge sind klar: Wir müssen uns von der starren Altersgrenze 65 lösen und ein flexibles Rentenalter einführen“, so Savoia in der gemeinsamen Mitteilung mit dem Kanton. „Und wir müssen die Chancen von KI konsequent nutzen. Der Kanton Zürich mit seiner dienstleistungsorientierten Wirtschaft ist dafür bestens positioniert.“ Das Thema Pensionierung mit 65 hat übrigens kürzlich Felix E. Müller, der Publizist und ehemalige Chefredaktor der „NZZ am Sonntag“, aufgenommen. Wir haben darüber berichtet.

    Die grosse Angst vor der Überregulierung

    Ganz unabhängig von allen Prognosen und Analysen fällt auf, dass KI als Hoffnungsträger präsentiert wird. Die diversen Risiken lässt die Studie jedoch grossmehrheitlich aussen vor. Die Unterschiede zwischen der EU, die auf starke Regulierung mit umfassenden Vorgaben zum Datenschutz und zum Schutz ethischer Standards setzt, und den USA, welche auf Bundesebene weitgehend auf Regulierung verzichten, werden nur in wenigen Sätzen abgehandelt. Der Bundesrat verfolgt hingegen einen typisch schweizerischen Mittelweg.

    Ob sich dieser Mittelweg, der überspitzt gesagt vor allem eine unternehmensfreundliche KI-Regulierung ist, positiv für die Bevölkerung auswirken wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Wenigstens werden Aspekte wie Datenschutz und Rechtsstaatlichkeit nicht komplett ausgeblendet. Der Bundesrat will laut einer Medienmitteilung vom vergangenen Jahr KI so regulieren, dass ihr Potenzial für den Wirtschafts- und Innovationsstandort Schweiz nutzbar gemacht wird. Der Bund betont, dass gleichzeitig die Risiken für die Gesellschaft möglichst klein bleiben sollen.

    „Dank der vorhandenen Talente und der im europäischen Kontext liberalen KI-Regulierung hat die Schweiz – und insbesondere Zürich – die Chance, ein präferierter Entwicklungsraum für KI-Lösungen in Europa zu werden“, heisst es in der Studie. Mit einem neuen Regierungsratsbeschluss zur „Stärkung des KI-Standorts“ ergreife beispielsweise der Kanton Zürich in der Periode 2026 bis 2029 weitere Massnahmen in den Bereichen KI-Start-up-Förderung, KI-Nutzung bei KMU und im Bevölkerungsdialog zu Chancen und Herausforderungen von KI. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft bei der Weiterentwicklung von KI, unterstützt durch „günstige Rahmenbedingungen und ohne die Gefahr einer Überregulierung wie in der EU“, sollen den Wirtschaftsstandort sowie dessen Produktivität nachhaltig stärken.

    Offen bleibt also, ob die Produktivitätssteigerungen am Ende vor allem für die Unternehmen sowie deren Geldgeber lukrativ sein werden und die Arbeitnehmenden unter die Räder kommen. Die disruptive Technologie wird unsere Arbeitswelt völlig verändern. Im Gegensatz zur Industrialisierung, die vielen repetitiven Aufgaben den Garaus machte, sind heute auch anspruchsvolle Berufszweige gefährdet – selbst Juristinnen, Psychologen, Schriftstellerinnen und Mitarbeiter im Kundenservice geraten unter Druck. Der missbräuchliche Einsatz von KI kann kaum nur durch Selbstregulation der Tech-Branche verhindert werden. Es braucht Regeln, die für alle gelten. Doch genau hier hapert es.

    Der Kanton hat vor allem das wirtschaftliche Potenzial im Blick – wie schon unser Text vom vergangenen Jahr zeigte. Um sich aber nicht dem Vorwurf aussetzen zu müssen, die Bedenken der Otto Normalbürger völlig ausser Acht zu lassen, durfte in der Studie ein Feigenblatt nicht fehlen: „Für den Erfolg des KI-Standorts ist es zudem essenziell, dass die breite Bevölkerung ein gutes Verständnis für die Chancen und Herausforderungen von KI entwickelt, da gesellschaftliche Akzeptanz eine wichtige Voraussetzung darstellt.“ Immerhin.

    Hier geht es zur Studie „Rezepte gegen den demografisch bedingten Wohlstandsverlust“.


  • 4 Minuten

    Hundert spannende Firmen – und eine gemeinsame Sorge

    Auf dem Bild zu sehen ist die Buchvernissage von "100 spannendste Schweizer Unternehmen". Auf dem Podium sitzen Peter Röthlisberger, Saskia von Moos, Karim Twerenbold und Enrico Uffer.Sie diskutierten gemeinsam auf dem Podium im Konferenzsaal des On-Hochauses (v. l.): Peter Röthlisberger, Saskia von Moos, Enrico Uffer und Karim Twerenbold. Bild: Nathalie Taiana für Chefredaktion GmbH

    Der Konferenzsaal im On-Hochhaus in Zürich knisterte vor viel Ideenreichtum. Versammelt waren gut 150 Firmenvertreterinnen und -vertreter, die im Buch „Die hundert spannendsten Schweizer Unternehmen“ porträtiert sind. Bei der Podiumsdiskussion war man sich einig: Das politische Verständnis für Firmen nimmt ab.

    Es gibt die Liste der hundert grössten Schweizer Firmen, nach Umsatz, nach Anzahl Mitarbeitenden und nach dem Bekanntheitsgrad. Einen neuen Ansatz hat der ehemalige „Blick“-Chefredaktor Peter Röthlisberger gewählt. Er hat eben einen 500-Seiten-Wälzer herausgegeben. Das Buch mit vielen Farbfotos und kurzweiliger Gestaltung nennt sich „Die hundert spannendsten Schweizer Unternehmen“. Der Clou bei der Sache: Es ist keine Rangliste, sondern ein Panoptikum der Wirtschaft unseres Landes mit seinen Traditionshäusern, die sich neu erfinden. Es kommen aber auch Weltmarktführer vor, die ihre Position verteidigen. Start-ups mit globalen Ambitionen. Und Familienbetriebe, die seit Generationen zeigen, was Beständigkeit bedeutet.

    Vergangene Woche fand dazu ein Treffen mit gut 150 Firmenvertreterinnen und -vertretern statt. Ihre Gemeinsamkeit: Ihre Firma war auch Teil des Buches, das eben mit einer Startauflage von 5000 Exemplaren auf den Markt gekommen ist.


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    Peter Röhtlisberger wählte für die kurze, prägnante Podiumsdiskussion im futuristisch wirkenden Konferenzsaal des On-Hauptsitzes in Zürich-West vier Personen aus, die typisch sind für den illustren Querschnitt im Buch.

    Saskia von Moos ist die Mitbegründerin des Kultgetränks El Tony. El Tony, das ist ein kohlensäurehaltiger Muntermacher der Zuger Getränkefirma Intelligentfood. Das Erfolgsrezept des trendigen Mate-Getränks? Es hat keine Süss- und Zusatzstoffe wie etwa das berühmte Red-Bull-Dosenprodukt. Nun expandiert die Firma ins Ausland, wie die 37-Jährige erzählt. „Aber mit eigenem Vertriebsnetz, so bleiben wir authentisch.“

    Auf dem Bild zu sehen ist eines der schön gestalteten Kapitel im Buch "Die 100 spannendsten Unternehmen der Schweiz", es ist die Firma Everllence, ehemals MAN, ehemals Escher-Wyss AG.500 Seiten spannende Geschichten: Ein Beispiel ist das schön gestaltete Kapitel über die Stadtzürcher Firma Everllence, früher MAN, ehemals Escher Wyss AG. Bild: Lorenz Steinmann

    Karim Twerenbold trägt einen berühmten Nachnamen und tatsächlich führt der 40-Jährige das gleichnamige Unternehmen in vierter Generation. Zur Twerenbold Reisen Gruppe gehören nebst den Busreisen auch Flusskreuzfahrt-Spezialist Reisebüro Mittelthurgau, Vögele Reisen und Wander-Spezialist Imbach. Twerenbold erklärt, man habe Mut bewiesen, indem man mit Flusskreuzfahrten die Firma diversifiziert habe und so ein neues, hochrentables Standbein geschaffen habe.

    „Ich merke aber, dass uns Unternehmer die Politik immer weniger beachtet.“ Internationale Firmen agierten oft ohne Rücksicht. In der Politik werde das so wahrgenommen, als hätten auch kleinere und mittlere Unternehmen kein Interesse an der Politik. „Dabei sind wir Teil der Gesellschaft und auf gute Rahmenbedingungen angewiesen“, so der Badener Firmeninhaber.

    Import trotz hiesigem Überschuss

    Enrico Uffer, der leicht knorrig wirkende Bündner Verwaltungsratspräsident der im Holzbau tätigen Uffergruppe, war ähnlicher Meinung. Er, der laut eigenen Angaben wirklich kein Grüner sei, machte aus der Not eine Tugend. Denn nach wie vor stammen drei Viertel des in der Schweiz verbauten Holzes aus dem Import. Das Paradoxe ist, dass der eigene Schweizer Holzvorrat stetig zunimmt. Uffer sprang mit seiner Firma in die Bresche und bietet Schweizer Holzlösungen an, die auch dem Klimaschutz dienen. Er musste und muss dabei viele bürokratische Hürden überwinden. Auch ihm fehlt oft das Verständnis der Politik für die Anliegen der KMU.

    Auf dem Foto zu sehen ist FDP-Kantonsrat Andreas Juchli, zusammen mit seiner Deutschen Dogge, einem riesengrossen Hund.Er schafft den Spagat zwischen Unternehmer und Politiker: Andreas Juchli (FDP) aus Pfäffikon. Steht ihm oft zur Seite: die deutsche Dogge "Cuma". Bild: Lorenz Steinmann

    Politikerinnen und Politiker hat es im Buch typischerweise praktisch keine. Es ist das bekannte Problem. Wer eine Firma gründet oder ein Familienunternehmen leitet, hat oft schlichtweg keine Zeit für die Politik. Eine Ausnahme ist Andreas Juchli. Der Arzt und FDP-Kantonsrat ist Gründer und Inhaber der Firma JDMT in Pfäffikon ZH. Seine Firma hat gut 300 Mitarbeitende, meist in Teilzeit. „Für mittlere und grosse Unternehmen sind wir ein wichtiger Dienstleister in den Bereichen Prävention und Bewältigung von Ereignissen. Das, was Firmen nicht beherrschen. Evakuationen, Chemie-, Bio-, Nuklear- und Umweltereignisse“, erklärt Juchli.

    Einen Namen gemacht hat sich seine Firma während der Covid-Pandemie, als man die Impfungen für mehrere Kantone managte. Sein Engagement im Kantonalzürcher Parlament sieht der 48-jährige Juchli als Ausgleich zum Beruf, weil man thematisch anders berührt werde: „Es sind lässige Leute. Politische Vorstösse als Kantonsrat mache ich zwar nicht so viele. Ich habe aber politischen Einfluss in der Fraktion und in der Kommissionsarbeit Bildung und Gesundheit.“ Da könne er etwa bei den Themen Spitäler und Uni „die Zähne zeigen“. Künftig würde ihn als FDP-Mitglied das Amt als Nationalrat reizen. Logisch ist Juchli das Thema „Milizwesen“ eine Herzensangelegenheit. Man nehme eine Rolle wahr, die nicht primär durch einen hohen Lohn definiert sei.

    Der Lohn ist etwas, was wohl bei den meisten Teilnehmenden an der Buchvernissage nie zuoberst auf der Agenda stand. Denn Firmengründungen und Expansionen brauchen viel Mut, Durchhaltewillen und man muss auch mal untendurch. Da waren sich die Podiumsteilnehmenden einig. Und auch Mut war ein Stichwort, das Karim Twerenbold in seinem Schlusswort aufnahm. Denn nur damit könne die Schweiz den internationalen Anschluss bei Spitzenleistungen halten.

    Das Buch von Peter Röthisberger ist ein gelungener Querschnitt über den schweizerischen Unternehmergeist. Aber auch Ansporn, sich stets weiterzuentwickeln. Es ist mit gut 50 Franken übrigens überaus günstig.

    Themenbezogene Interessensbindung: Lorenz Steinmann hat als Autor drei der 100 Kapitel im besprochenen Buch „Die hundert spannendsten Schweizer Unternehmen“ beigesteuert.


  • 12 Minuten

    Gemeinderatswahlen: So stehen die Chancen von FDP, SP & Co. – und jene der Zürcher Volkspartei

    Zu sehen sind Plakatwände mit politischen Plakaten zu den Wahlen 2022 in Zürich. Querbeet von SVP über SP bis zu GLP und der Splitterpartei "Freie Liste".Wahlkampf im Jahr 2022: So kreativ warben die Parteien um die Gunst der Wählerschaft. Archivbild: Lorenz Steinmann

    Zwölf Parteien und Gruppierungen wollen ins Stadtzürcher Parlament einziehen. Neben den üblichen Verdächtigen sind auch solche darunter, die nicht im Gemeinderat vertreten sind. Wir sagen, wer realistische Chancen hat und wer auf ein Wunder hoffen muss.

    Das Rennen um die 125 Sitze im Gemeinderat hat begonnen: Insgesamt zwölf Parteien und Gruppierungen wollen ins temporäre Rathaus Hard im Kreis 4 einziehen. Die etablierten Kräfte erhalten bei den Wahlen am 8. März Konkurrenz von der Zürcher Volkspartei, der Freien Liste, der Partei der Arbeit und der EDU. Letztere bildet zusammen mit Aufrecht eine Liste.


    Die üblichen Verdächtigen


    AL

    Die Alternative Liste – kurz AL – war in den 90er-Jahren eine laute Protestpartei. Gegründet wurde sie 1989 in Zürich als basisdemokratische Gruppe „Züri 1990“. Erst 2007 konstituierte sich die AL offiziell als politischer Verein. 2018 hatte sie mit zehn Gemeinderatssitzen und mit Richard Wolff als Stadtrat ihre Hochblüte als Unruhestifterin im politischen Milieu. Doch das hat sich verändert.

    Heute hat die Partei noch magere acht Sitze. Über die Gründe lässt sich spekulieren – allerdings kann man die AL immer weniger von der SP und von den Grünen unterscheiden. Ausnahmen, etwa wenn man bei teuren Baukrediten mit der SVP paktiert, sind selten. Man ist grundsätzlich Teil des linken Kuchens, der bei fast jeder Abstimmung Erfolg hat. Diese Ausgangslage ist für eine Partei schwierig, die eigentlich gern von einer Minderheitenposition aus politisiert.

    Manchmal gelingt es der AL aber doch noch, Schlagzeilen zu machen. So etwa mit dem schweizweit beachteten Vorstoss zum weitgehenden Verbot von kommerzieller Werbung im öffentlichen Raum.

    Die Hoffnungen ruhen bei der AL auf Stadtratskandidatin und Gemeinderätin Tanja Maag. Sie muss das Profil ihrer Partei schärfen, sonst droht die Alternative Liste von ihren Partnern im linken Spektrum zerdrückt zu werden. Denn so radikal, wie sich die Partei selbst gern sieht, ist sie längst nicht mehr. Fazit: Das Ziel muss sein, wieder mehr aufzufallen.


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    Die Mitte

    Für die Mitte mit ihren sieben Sitzen im Gemeinderat ist die grösste Herausforderung wieder einmal die ominöse Fünf-Prozent-Hürde. Eine Partei muss in einem Wahlkreis mindestens fünf Prozent der Stimmen erlangen, damit sie in den Gemeinderat einziehen kann. 2018 flog die damalige CVP darum aus dem Parlament.

    2022 schaffte die Mitte zwar die Rückkehr, unter anderem dank dem Zugpferd Josef Widler. Der Kantonsrat trat für den Stadtrat an. Widler war während der Corona-Pandemie Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich und hatte es deshalb zu zumindest kurzfristiger Bekanntheit gebracht.

    2026 fehlt der Mitte eine Politikerin oder ein Politiker mit Promi-Faktor. Gemeinderätin Karin Weyermann, die als Stadtratskandidatin vor den Karren gespannt wurde, ist bei der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Die Mitte sieht sich selbst als Zentrumspartei, stimmt dann aber doch immer wieder mit dem bürgerlichen Lager. Für links angehauchte Wählerinnen und Wähler ist die Partei darum häufig zu rechts. Und wer sich selbst als bürgerlich bezeichnen würde, wählt dann halt FDP oder gleich SVP. Fazit: Für die Mitte werden die Wahlen wieder zur Zitterpartie.

    EVP

    Als die EVP 2018 die Rückkehr in den Gemeinderat schaffte, war die Freude bei der Kleinpartei gross. Mit den aktuell drei Sitzen spielt die EVP aber höchstens noch als Zünglein an der Waage eine Rolle in der Stadtzürcher Politik. Richten soll es Gemeinderätin Sandra Gallizzi. Sie muss als Stadtratskandidatin die Fahne der Zentrumspartei hochhalten. Ausser bei ein paar unverdrossenen EVP-Wählerinnen und EVP-Wählern wird sie aber wohl kaum Stimmen holen können.

    Die Fünf-Prozent-Hürde könnte der EVP das Genick brechen. Fazit: Es braucht ein Wunder.

    FDP

    Die FDP ist mit 23 Sitzen die zweitstärkste Partei im Stadtzürcher Parlament. Das klingt auf dem Papier eigentlich ziemlich gut. Doch diese Zahl ist trügerisch und sollte die FDP-Oberen nicht in Sicherheit wiegen. Der Partei fehlen stadtweit bekannte Persönlichkeiten, auch mit Abstimmungserfolgen können sich die Liberalen nicht brüsten. Die FDP witterte schon Morgenluft, als die höheren Politikerlöhne an der Urne versenkt wurden, aber das war rückblickend eine Anomalie und noch kein Zeichen für ein bürgerliches Revival.

    Zwar leben immer mehr gutverdienende Personen in Zürich, doch Argumente von tieferen Steuern, dem Senken des Ausgabenwachstums, dem Stoppen des Regulierungswahns und des ideologisch verursachten Verkehrschaos scheinen beim Stimmvolk nicht zu verfangen. Denn von den Steuereinnahmen profitiert die prächtig gedeihende Limmatstadt, tiefere Steuern spürt der Mittelstand nur marginal, die Regulierungswut trifft eher Firmen als Private und das Verkehrschaos auf der Strasse ärgert insbesondere die Pendlerinnen und Pendler. 

    Auf den Rückhalt aus dem Wahlkreis 7 und 8 können die Liberalen aber sowieso zählen. Stadtrat Michael Baumer wird kaum zum Zugpferd für die Partei avancieren, Stadtrat Filippo Leutenegger tritt bekanntlich nicht mehr an. Die Stadtratskandidaten Përparim Avdili und Marita Verbali müssen also die Kohlen aus dem Feuer holen. Fazit: Wenn es 23 Sitze bleiben sollen, ist ein Sondereffort nötig.

    GLP

    Die Grünliberalen sind eigentlich die ideale Zürcher Partei. Sie verbinden Umweltschutz und Wirtschaft so, dass es niemandem wehtut. Das gefällt vermutlich vielen Zürcherinnen und Zürchern, die zwar gern recyceln, aber auch gern um die Welt fliegen. Mit Stadtrat Andreas Hauri ist man in der Exekutive gut aufgestellt und dank Gemeinderätin Serap Kahriman hat man zusätzlich eine junge, urbane Kandidatin für den Stadtrat lanciert. Die 15 Sitze im Stadtparlament sollten eigentlich zu halten sein. Ob allerdings mehr drinliegt, ist fraglich. Thematisch kann die GLP nämlich selten Akzente setzen.

    Liegt es vielleicht daran, dass in der GLP viele unternehmerisch denkende Persönlichkeiten dabei sind, bei denen Kompromisse nicht unbedingt zu den Stärken gehören? Klar ist, dass die Causa Sanija Ameti der GLP nicht geschadet hat. Die Gemeinderätin erlangte unrühmliche nationale Bekanntheit, weil sie mit einer Luftpistole auf ein Bild von Jesus und Maria geschossen und das Bild auf Instagram gepostet hat. Schlussendlich verliess Ameti die GLP. Sie politisiert seither als Parteilose.

    Fazit: Die Grünliberalen müssen deutlich machen, für was sie stehen, wenn sie neue Wählerinnen und Wähler erreichen wollen.

    Grüne

    Die Grünen der Stadt Zürich haben sich einen Jux bei den diesjährigen Wahlen erlaubt und 125 Kandidierende für den Gemeinderat nominiert. Das sind genau so viele Personen, wie der Gemeinderat umfasst. Das hat zwar jede grössere Partei ebenfalls getan, doch niemand betont das so sehr wie die Grünen. Zudem legen die Grünen Wert darauf, dass sich bei ihnen an der Spitze jeder Wahlkreis-Liste eine engagierte FINTA-Person befindet. FINTA steht für Frauen, intergeschlechtliche, nichtbinäre, transgeschlechtliche und agender Personen. Der Begriff umfasst somit eine Gruppe von Menschen, die oft von Diskriminierung betroffen ist.

    2022 gewannen die Grünen zwei Sitze dazu und holten insgesamt 18 Sitze. So überholten sie die SVP und sind aktuell die solide Nummer drei in Zürich. Mehr liegt bei der aktuellen Weltlage auch nicht drin.

    Mit Finanzvorsteher Daniel Leupi sowie Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart besetzen sie im Stadtrat zwei Schlüsseldepartemente, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Doch wenn es um grüne Anliegen geht, war von Leupi und Rykart in den letzten Jahren wenig zu hören.

    Ob nun das Schlachtross Balthasar Glättli geeignet ist, für mehr ökologischen Wind in der Exekutive zu sorgen, darf bezweifelt werden. Glättli lebt zu sehr vom Ruhm der Vergangenheit. Als prominentes Zugpferd für mehr Sitze im Gemeinderat könnte er aber dienlich sein – wenn er sich fürs Klinkenputzen nicht zu schade ist. Fazit: In Zürich können die Grünen nur an sich selbst scheitern.

    SP

    Wie heisst es so schön: Die Sozialdemokraten könnten auch einen Sack Reis aufstellen, selbst der würde in Zürich problemlos gewählt. Wer auf Nummer sicher gehen will, wirft in der Limmatstadt die Liste der SP ein. So bleibt Zürich, wie es ist. Auf Gedeih und Verderben.

    Die Partei verfügt im Stadtparlament aktuell über 37 Sitze. Eine stolze Zahl. Ob sich das noch steigern lässt, ist fraglich. Solange die SP keine Sitze verliert, dürfen sich die Oberen gegenseitig auf die Schulter klopfen. Wichtig ist für die Sozialdemokraten vor allem, dass sie erfolgreich das Stadtpräsidium verteidigen können. Sozialvorsteher Raphael Golta muss es richten. Der ist zwar nicht unbedingt trendy, aber dafür solide.

    Die SP konnte in den vergangenen vier Jahren gemeinsam mit Grünen und AL schalten und walten. Zwar gab es zwischendurch mediale Kritik, doch ein genereller Widerstand aus der Bevölkerung gegen die links-grüne Politik ist keiner zu spüren. Fazit: Wenn alles seinen gewohnten Gang geht, dann bleibt die SP mit Abstand stärkste Kraft im Gemeinderat.

    SVP

    Ja, es gab sie einst, die SVP-Hochburg Schwamendingen. Doch das ist schon lange Vergangenheit. Die SVP ist lediglich noch die Nummer fünf im Parteienranking in Zürich. Hinter SP, FDP, Grünen und GLP – kein Vergleich zur nationalen Grösse. Die 13 Sitze kratzen darum am Selbstverständnis der Volkspartei. Aufgeben will man zwar nicht, aber mit den typischen SVP-Slogans gewinnt man in der Limmatstadt im Jahr 2026 keinen Blumentopf.

    Die SVP steckt in einem Dilemma: Nähert sie sich thematisch der FDP an, nehmen sich die beiden bürgerlichen Parteien gegenseitig Stimmen weg. Rückt man noch weiter nach rechts, dann verliert man in Zürich noch mehr Wählerinnen und Wähler.

    Alles in allem gibt es nicht viel, das der SVP Hoffnung machen kann. Nicht einmal Stadtratskandidat Ueli Bamert. Der Kantonsrat gilt zwar bei vielen Bürgerlichen als wählbar, mit seiner Politik wird er aber ausserhalb des FDP-SVP-Spektrums kaum Stimmen holen.

    Fazit: Der Zug ist für die SVP vermutlich abgefahren, auch wenn die SVP-Oberen keck das Ziel von drei zusätzlichen Sitzen im Gemeinderat ausgegeben haben.


    Die Herausforderer


    Die Zürcher Volkspartei

    ZVP? Noch nie gehört. Die handgestrickt wirkende Website der Zürcher Volkspartei gibt nicht sehr viel her. Irgendwie scheint die SVP aber das grosse Vorbild gewesen zu sein. Die Farben grün und gelb dominieren. Eine Ansage ist auch der Claim „Bürger für Freiheit und Sicherheit“. Dabei zeigt das einzige Gruppenbild ein gutes Dutzend Frauen, die sich am 5. Juli 2025 zur ersten Generalversammlung in der Röslischüür im Stadtzürcher Quartier Unterstrass getroffen haben. Dabei soll die Partei „aus den weiblichen Mitgliedern des bürgerlichen Lagers aus dem Kanton Zürich“ bestehen, wie es in einer Medienmitteilung von 2025 heisst. 19 Frauen seien Ende 2024 an der Gründungssitzung dabei gewesen.

    Als Präsidentin ist auf der Website Marion Tanja Müller eingetragen, selbst SVP-Mitglied und Schulpflegerin in der Kreisschulbehörde Zürichberg. Politisch fordert die ZVP beispielsweise keine Annäherung an die EU, weniger Ermessensspielraum der Richter und grösseren gesetzlichen und tatsächlichen Schutz bei Delikten an Frauen und Kindern. Es sind durchaus interessante Themen, die zumindest ansatzweise die Frauenrechte ansprechen. Anliegen, die bei der SVP nicht zuoberst auf der Agenda stehen.

    Fazit: Die ZVP ist chancenlos, alleine schon wegen der Fünf-Prozent-Hürde.

    EDU – Aufrecht

    Die Eidgenössisch-Demokratische Union Zürich, kurz EDU, ist eine christlich-konservative Kleinpartei, die der religiösen Rechten zuzuordnen ist. Während die EDU im ländlichen Teil des Kantons Zürich durchaus treue Wählerinnen und Wähler hat, ist sie in der Stadt praktisch inexistent. Ob ihr hilft, dass sie sich für eine Listenverbindung mit Aufrecht zusammengetan hat? Aufrecht, das ist jene Gruppierung, die sich während der Corona-Pandemie als Massnahmengegnerin einen Namen gemacht hat. Schaut man heute auf deren Website, ist dies immer noch das dominierende Thema.

    Erstaunlicherweise kandidiert niemand des EDU-Aufrecht-Zusammenschlusses für den Stadtrat. Damit hat man eine Chance verpasst, sich wenigstens ein bisschen bekannter zu machen. Fazit: Es wird in keinem Wahlkreis für die nötigen fünf Prozent reichen.

    Freie Liste

    Sie trat bereits bei den Wahlen 2022 an – die Freie Liste. Entstanden ist die lose Gruppierung rund um die Corona-Massnahmen und das Thema Impfen. Aktuell steht das Thema der Auswirkungen des Impfens auf die Gesundheit immer noch oben auf der Agenda. Die Website ist nicht gerade übersichtlich, zum Teil ziemlich veraltet. Aber das muss man ja nicht unbedingt verurteilen, denn auch grosse Parteien wie etwa die SVP der Stadt Zürich haben hier Nachholbedarf.

    Die Freie Liste geht in die Vollen: So kandidiert Marcel Bühler „als Stapi“, wie es auf der Website heisst. Als Stadtratskandidatinnen und Stadtratskandidaten treten Marcel Bühler (freier Journalist), Bettina Aeppli (Coach), Thomas Horath (Mikrobiologe) und Alex Karrer (Unternehmer) an.

    Fazit: Für den Gemeinderat wird es wahrscheinlich nicht reichen. Die Fünf-Prozent-Hürde ist für die Freie Liste zu hoch. Das war schon 2022 der Fall. Ob bei den Stadtratswahlen zumindest ein Achtungserfolg möglich ist, steht in den Sternen.

    Partei der Arbeit Zürich

    Diese Feststellung sei erlaubt: Endlich eine Partei, die zumindest ziemlich viel Geschichte aufweist. Denn gegründet wurde die dem Kommunismus zugewandte Partei der Arbeit (PdA) 1944 in Zürich, natürlich im Volkshaus. Es war die Zeit des 2. Weltkriegs und Russland trug wesentlich dazu bei, dass Europa nicht im Nationalsozialismus versank. Nach Kriegsende erlebte die PdA in der Zwinglistadt ihre Hochblüte, mit einem Stadtratssitz und mehreren Gemeinderatsmandaten. Der damalige PdA-Stadtrat Edgar Woog musste ein Amtsenthebungsverfahren über sich ergehen lassen – im Zeichen des Kalten Krieges aus politischen Gründen.

    Doch seit den 70er-Jahren ist es sehr ruhig geworden um die Linksaussen-Partei. Ändert sich das 2026? Mit Rita Maiorano und Sevin Satan kandidieren zwei Frauen für den Stadtrat. „Beide haben den Kampf für die Gleichberechtigung der Frauen* in den letzten Jahren, ja gar Jahrzehnten in der Stadt aktiv mitgetragen und geprägt“, wie es von der PdA heisst. Die Partei setzt sich zum Beispiel für die 35-Stunden-Woche ohne Lohneinbusse sowie die Senkung des Rentenalters ein.

    Fazit: Der eine oder andere Urlinke in Zürich wird die Liste der PdA einwerfen. Nützen wird es wenig.


    Ausser Konkurrenz


    Volt

    Faktenbasiert, pragmatisch und progressiv möchte Volt Schweiz sein. „Wir sind eine europaweite politische Bewegung, die dort ansetzt, wo nationale Parteien an ihre Grenzen stossen“, heisst es auf der hochprofessionellen Website. Und weiter: „Wir bringen Best-Practices aus ganz Europa in die Schweiz – und umgekehrt. Eine neue Politik, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für alle macht.“

    Die Hausfarbe ist ein sattes Violett. Laut eigenen Angaben ist die Partei in über 30 Ländern aktiv. Die Vision der Kleinpartei ist ein vereintes Europa mit einer föderalen Demokratie. Volt gelang bei der Europawahl im Jahr 2024 ein Überraschungserfolg. Hierzulande ist Volt im Politikalltag aber fast völlig unbekannt. Bei den Gemeinderatswahlen tritt die Partei nicht an. Mit dem 23-jährigen Jan Holtkamp will Volt aber zumindest im Kampf um einen Sitz im Stadtrat mitreden.


  • Wenn sich der Stadtrat gegen einen Gemeinderatsentscheid stemmt

    Auf dem Bild zu sehen ist ein Sperrmüllhaufen auf einem Trottoir.Drohen wieder vermehrt solche Zustände in Zürich? Ohne Entsorgungscoupons dürften einige ihren Sperrmüll wieder an den Strassenrand stellen, statt ihn ordentlich zu entsorgen. Bild: Lorenz Steinmann

    Das Ringen um die abgeschafften Entsorgungscoupons für Sperrmüll geht in die nächste Runde. Voraussichtlich heute Mittwochabend wird im Stadtzürcher Gemeinderat abermals darüber abgestimmt, ob die Gutscheine nicht doch wieder eingeführt werden sollen. Die FDP ist sauer auf die Stadt und ein wenig auf die SVP.

    Auswärtige reiben sich langsam aber sicher die Augen. Da streitet Zürich doch tatsächlich um Gutscheine für die Abfallentsorgung, wenn sonst kein Hahn danach kräht, dass für alles andere immer mehr Geld ausgegeben wird. Es geht um die Nichtachtung politischer Entscheidungen, um weggewischtes langjähriges Gewohnheitsrecht – und sicher auch um die bevorstehenden Wahlen.

    Als Stadtzürcher Einwohnerin oder Einwohner bekam man jahrelang ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk, mit dem man jährlich 400 Kilogramm Sperrmüll gratis entsorgen kann. Plötzlich ist das nicht mehr möglich, wie die Stadt rechtlich abgeklärt hat. Seit letztem Jahr ist damit Schluss. Dumm nur, dass seither das Angebot an Entsorgungsmöglichkeiten für die Stadtbevölkerung nicht besser geworden ist. Im Gegenteil, die zentrale Annahmestelle im Hagenholz wurde geschlossen.

    Die in Affoltern gelegene Alternative ist viel schlechter erreichbar. Zudem muss man nun sein Sperrgut jeweils noch auf kleine Handwagen umladen und einzeln abwiegen. Das riecht nach Schikane, wie vor Ort oft zu hören ist. Das beliebte und so werbewirksame Cargotram wurde ausserdem abgeschafft, offiziell, weil das umfunktionierte Nostalgietram der Verkehrsbetriebe Zürich sein Lebensalter erreicht habe. Die „mobilen Recyclinghöfe“, wie die Lastwagen als Alternative heissen, steuern längst nicht alle Quartiere an. Und man darf hier Abfall nur ohne Auto anliefern. Kurzum. Die Aktion der Stadt mit dem Streichen der Entsorgungscoupons wirkt reichlich überhastet.

    Kein Wunder, wurden Politikerinnen und Politiker rasch aktiv – erfreulicherweise lange, bevor der Wahlkampf begonnen hat. Kurz erzählt rauften sich Gemeinderätinnen und Gemeinderäte von FDP, GLP, Mitte, EVP sowie mehreren Exponenten der SVP zusammen und forderten eine Übergangslösung für drei Jahre. Dieser Weisung stimmte der Gemeinderat zu. Der Parlamentsentscheid wurde vom Stadtrat erfolglos angefochten beim Bezirksrat, wird jetzt aber trotzdem nicht umgesetzt.


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    Zudem wurde – Achtung, jetzt wird’s kompliziert – eine parlamentarische Initiative lanciert. Sie verlangt die Beibehaltung der Gratisentsorgung von 100 Kilogramm pro Jahr für alle Haushalte sowie die unentgeltliche Annahme von 25 Kilogramm Sperrgut, also sogenannte Kleinmengen. Weiter enthält diese parlamentarische Initiative, dass bis 2027 200 Kilogramm pro Jahr und Haushalt gratis entsorgt werden können. Hier deckt sich die Initiative mit der Weisung.

    „Die Argumentation des Stadtrats ist unzutreffend und entlarvend. Es liegt ein rechtsgültiger, nicht weiter anfechtbarer Beschluss des Parlaments vor. Wer, wenn nicht die Regierung, sollte den Beschluss der Volksvertretung sonst umsetzen“, sagt FDP-Gemeinderat und Rechtsanwalt Emanuel Tschannen.

    Zumindest traktandiert ist das Geschäft nun auf heute Mittwochabend im Gemeinderat. Die FDP-Politiker Sebastian Vogel und Emanuel Tschannen, zwei der treibenden Kräfte des Anliegens, sind gespannt auf den Ausgang der Abstimmung. Es werde knapp, die zuständige Sachkommission empfehle aber die Annahme. „Allerdings haben sich SP und AL in der Schlussabstimmung enthalten“, so Sebastian Vogel. Emanuel Tschannen ergänzt: „Wir sind überzeugt davon, dass die parlamentarische Initiative für alle Parteien eine gesichtswahrende Lösung ist und fänden es schade, wenn Parteien diesen Kompromiss ablehnen würden.“

    Zu sehen sind die Unterlagen, welche die Stadt im Dezember an die Bevölkerung verschickt hat, mit den Entsorgungsdaten 2026. Trotz Auftrag des Gemeinderats fehlen darin Gratis-entsorgungscoupons.Diese Unterlagen der Stadt Zürich flatterten kürzlich in alle Haushaltungen. Für Zoff sorgten sie, weil keine Entsorgungsbons mehr mitgeliefert wurden. Bild: Lorenz Steinmann

    Die SVP fährt ein Sonderzüglein

    Speziell ist, dass die SVP bereits in Aussicht gestellt hat, bald mit dem Sammeln von Unterschriften für eine Initiative zu starten, welche die Entsorgungscoupons wieder einführen will. Die SVP fährt also ein Sonderzüglein. Darauf angesprochen heisst es von Sebastian Vogel: „Eine SVP-Initiative im Alleingang dürfte es schwierig haben, mit einer breiteren Abstützung wäre das Vorgehen sicher erfolgsversprechender.“ Und: „Uns liegt viel an einer reibungslosen bürgerlichen Zusammenarbeit, weshalb man das Vorpreschen des Partners mal einfach zur Kenntnis nimmt. Wir haben einen anderen, gründlicheren Weg gewählt für dieses Thema und stehen ein für eine möglichst konstruktive und kompromissfähige Lösung, die besonders Bürgerinnen und Bürger zugutekommt.“

    Bei der FDP wolle man eine möglichst bevölkerungsnahe und bedarfsorientierte Entsorgung. Emanuel Tschannens erstes Fazit dazu: „Persönlich hätte ich es begrüsst, wenn das Präsidium der SVP vorgängig mit uns und den anderen Parteien, welche die derzeit noch hängige parlamentarische Initiative unterstützen, gesprochen hätte. Man sollte die bürgerliche Zusammenarbeit nicht nur fordern, sondern auch leben.“

    Er und auch Emanuel Tschannen finden aber, man solle nun einmal die heutige Abstimmung abwarten. „Über die Initiative sprechen wir dann nachher“, so Tschannen.

    Zwei, drei Fragen bleiben aber doch noch vor dem heutigen Showdown im Gemeinderat. Denn eigentlich hätte der Stadtrat gemäss Auftrag des Gemeinderats der Bevölkerung schon 2025 wieder Entsorgungscoupons abgeben müssen, was er nicht getan hat. Auch im neusten Schreiben an die Bevölkerung mit den Entsorgungsdaten 2026 – versendet Mitte Dezember – steht nichts davon. Ist das nicht ein Mauern des Stadtrats? Rechtsanwalt Emanuel Tschannen geht sogar noch einen Schritt weiter und nennt das „rechtsmissbräuchliche Arbeitsverweigerung“. Sebastian Vogel findet: „Das ist doch Frustration pur. Ein solches No-Go hätte alle Parteien auf den Plan rufen sollen.“

    Dabei beruft sich der Stadtrat darauf, dass für diese zusätzlichen, vom Gemeinderat beschlossenen Abfallcoupons ein sogenannter Ausgabenbeschluss nötig sei. In einem „Tages-Anzeiger“-Artikel betont die zuständige Stadträtin Simone Brander (SP), man werde sicher nicht selber aktiv. Auch das stösst Tschannen und Vogel sauer auf. Es wirkt tatsächlich reichlich konstruiert.

    Tschannen: „Die Argumentation des Stadtrats ist unzutreffend und entlarvend. Es liegt ein rechtsgültiger, nicht weiter anfechtbarer Beschluss des Parlaments vor. Wer, wenn nicht die Regierung, sollte den Beschluss der Volksvertretung sonst umsetzen?“

    Früher zu hohe Sackgebühren, jetzt das Gängelband

    Was bleibt? Für Zürich kommt es zur Nagelprobe, zum symbolischen Kampf zwischen Legislative und Exekutive, wer nun das Sagen hat. Das gesetzgebende Parlament oder doch der Stadtrat, der allermeistens die Verwaltung hinter sich hat? Für Aussenstehende bleibt die bemerkenswerte Tatsache, dass in Zürich über etwas gestritten wird, das es so sonst im Kanton nie gab. Abfallgeschenke an die Bevölkerung.

    Doch in Zürich war das jahrelang möglich, vor allem darum, weil im Gegenzug viel zu hohe Sackgebühren kassiert wurden. Quasi Zuckerbrot (Entsorgungscoupons) und Peitsche (zu hohe Gebühren). Denn Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) häufte jahrelang verbotenerweise Reserven an mit den zu hohen Sackgebühren. Dabei sprechen wir von bis zu 30 Prozent, wie auch der eidgenössische Preisüberwacher monierte. Alles in allem zahlten Zürichs Einwohnerinnen und Einwohner in den dunklen Jahren der unkontrollierten ERZ-Herrschaft gut eine Milliarde Franken zu viel in die Stadtkasse.

    Dass nun die Stadt Zürich ohne Not vom einen Extrem ins andere wechselte, ist schwer verständlich. Schlussendlich sind es Erziehungsmethoden per Brecheisen. Eine Strategie, die langfristig eher nicht aufgeht.

    Zu sehen sind die ERZ-Coupons, wie sie bis 2024 verteilt wurden.So sahen sie aus, die guten alten ERZ-Coupons. Jeweils einen Gratis-Bogen bekam bis 2024 jeder Haushalt einmal pro Jahr zugestellt. Bild: Lorenz Steinmann

  • 2 Minuten

    Ich hatte Grippe – die Welt ist noch nicht über den Berg

    Ein in der Nacht grün leuchtender Schriftzug einer Apotheke. Auf dem Bild ist das Porträtfoto von Pascal Turin platziert.Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage. Bild: Pascal Turin, Bildmontage: Rathuus

    Wer krank ist, sollte eigentlich schlafen. Ich hingegen las ein Interview mit US-Präsident Donald Trump und stellte fest: Mein Fieber ist definitiv nicht das grösste Problem. Eine Glosse.

    Mich hat jetzt auch die Grippe erwischt. Seit drei Tagen liege ich flach. Heute geht es mir aber ein bisschen besser. Ich schreibe diese Zeilen trotzdem von meinem Bett aus. So habe ich mir Homeoffice in meinen Träumen immer vorgestellt. Gemütlich in die Decke eingekuschelt am Laptop rumwerkeln. Doch heute ist Kranksein ein eigenes Projekt mit Aufgaben und Meilensteinen: Der Körper möchte ruhen, das Handy vibriert, man zählt Symptome, misst die Temperatur und googelt „Grippe oder doch Burnout?“.

    Irgendwann in der ersten Nacht schlug mich das Fieber k. o. – und mit ihm kamen die Träume. Zuerst galoppierte der Stuhl im Schlafzimmer, der sonst immer mit Kleidern behangen ist, einfach davon. Dann machten sich auch noch meine Beine selbstständig und rannten hinterher, wobei der Rest des Körpers im Bett zurückblieb. Und zu guter Letzt sagte Donald Trump Dinge, die so grotesk waren, dass sie selbst meinem fiebrigen Gehirn etwas zu absurd vorkamen.


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    Als ich aufwachte – mit dem beruhigenden Gefühl, nur geträumt zu haben – stand der Stuhl an der richtigen Stelle und meine Beine waren immer noch an meinem Körper angebracht. Ende gut, alles gut also … zumindest fast. Leider hatte es die Aussagen Trumps tatsächlich gegeben. Da war doch dieses Interview. Die „New York Times“ hatte dem US-Präsidenten auf den Zahn gefühlt. Oder es zumindest versucht, denn Trump platzierte seine Botschaften wie gewohnt und die Medien dieser Welt verbreiteten sie pflichtbewusst, als wären es Fussballresultate.

    Die „New York Times“ wollte etwa wissen, ob es irgendwelche Grenzen für seine globale Macht gebe. Trump hatte natürlich eine Antwort parat: „Ja, es gibt eine Sache. Meine eigene Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich aufhalten kann.“ Und er fügte an: „Ich brauche kein internationales Recht.“ Er wolle niemandem wehtun.

    Ja dann Proscht Nägeli!

    Ich wünschte mir kurz das Fieber zurück, was ich lieber nicht getan hätte, weil es sowieso nur eine Pause machte. Das war vermutlich auch die Botschaft dieser Grippe: Bleib ruhig unter deiner durchgeschwitzten Decke liegen, draussen wartet nur die harte Realität. Während mein Körper wieder begann, an Temperatur zuzulegen, kühlte sich mein Vertrauen in die Weltpolitik zusehends weiter ab.

    Im Jahr des Herrn 2026 konkurrieren Fieberträume offensichtlich mit der Realität. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Kranksein nicht mehr ist, was es mal war. Was gestern noch als Halluzination durchging, flimmert einem heute schwarz auf weiss von einem Smartphone-Bildschirm entgegen.

    Ich glaube, ich melde mich morgen nochmals krank.


  • 1 Minute

    Lass mal über Wahlen reden

    Eine goldene Figur eines Löwen, der ein Schwert in der Hand hält und das Wappen von Zürich vor sich trägt.Wer übernimmt für die nächsten vier Jahre das Zepter (oder in diesem Fall das Schwert) in der Stadt Zürich? Bild: Pascal Turin

    In der 24. Folge des Rathuus-Podcasts steht der Kampf ums Stadtpräsidium in Zürich im Mittelpunkt. Lorenz Steinmann und Pascal Turin analysieren fleissig und wagen sich passend zum Wetter zwischendurch auch mal aufs Glatteis.

    Würden Përparim Avdili (FDP) und Ueli Bamert (SVP) – die bürgerlichen Herausforderer fürs Stadtpräsidium – zusammenspannen, müsste Kronfavorit Raphael Golta (SP) zittern. Doch offensichtlich möchten FDP und SVP lieber ihr eigenes Süppchen kochen. Vielleicht könnte von der Uneinigkeit im bürgerlichen Lager am Ende sogar Serap Kahriman (GLP) profitieren.

    Darüber sprechen Lorenz Steinmann und Pascal Turin in der 24. Folge des Rathuus-Podcasts. Sie widmen sich zudem dem Artikel „Die riskante Rechnung der SVP“ von Lorenz. Darin geht es um den Wahlauftakt der zumindest schweizweit eindeutig grössten Partei, die aber in der Stadt Zürich einen schweren Stand hat. Ausserdem erzählt Pascal von einer Medienkonferenz in Wallisellen – dort möchte die bürgerliche Wahlallianz „4gewinnt“ die Mehrheit im Stadtrat erobern.

    Als Hintergrundinfo sicher auch interessant ist der Artikel „Wie schon Ex-Stapi Elmar Ledergerber: Mit diesem Slogan will Raphael Golta in Zürich gewinnen“.

    Diese Folge haben Lorenz und Pascal nicht vor Ort im improvisierten Studio im Büro an der Stauffacherstrasse im Kreis 4 aufgenommen. Die Podcaster waren aus Gründen virtuell zusammengeschaltet, darum ist die Audioqualität nicht immer top. Bessere Mikrofone für unterwegs beziehungsweise den Heimgebrauch sind aber bereits in Planung.

    Wie und wo kann man den Podcast hören?

    Der Rathuus-Podcast ist exklusiv für Abonnentinnen und Abonnenten zugänglich. Klicke hier, wenn du mehr zu unseren Abos erfahren möchtest.


  • 7 Minuten

    Die riskante Rechnung der SVP

    Auf dem Bild zu sehen sind vier Personen von der SVP, nämlich Susanne Brunner, Ueli Bamert, Markus Weidmann und Yves Peier.Die SVP-Vertreterinnen und SVP-Vertreter hoffen auf die Wende (v. l.): Markus Weidmann, Ueli Bamert, Susanne Brunner und Yves Peier. Bild: Lorenz Steinmann

    Mit der Lancierung von Ueli Bamert spekuliert die SVP im Kampf um das Zürcher Stadtpräsidium auf einen zweiten Wahlgang. Doch die Strategie ist heikel: Solange FDP-Kandidat Përparim Avdili im Rennen bleibt, neutralisieren sich die Bürgerlichen gegenseitig – zur Freude der politischen Konkurrenz.

    Der Lokalsender Tele Züri brachte es in seinem Zwei-Minüter auf den Punkt. Würden die gemäss Umfragen aussichtsreichsten bürgerlichen Herausforderer fürs Stadtpräsidium – Përparim Avdili (FDP) und Ueli Bamert (SVP) – zusammenspannen, müsste Kronfavorit Raphael Golta (SP) zittern. Weil aber SVP und FDP lieber ihr eigenes Süppchen kochen, wird es wohl auch nach 36 Jahren sozialdemokratischer Vormachtstellung nichts mit einem Wechsel hin zu einem bürgerlichen Stadtpräsidenten.

    Oder läuft da doch noch etwas? Sind es die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger leid, wieder und wieder finanziell völlig aus dem Ruder gelaufene Bauprojekte zu akzeptieren? Sind gestandene Sozialdemokraten langsam frustriert darüber, wie wenig ihre Werte im Stadthaus umgesetzt werden? Und sieht der Mittelstand seine Privilegien, etwa in Form von günstigen öffentlichen Parkplätzen, nicht langsam davonschwimmen?

    Das wäre eigentlich ein Fall für die SVP. Diese Woche lud die zumindest schweizweit eindeutig grösste Partei zum grossen Wahlauftakt für die Medien. Ins Resident-Seminarzentrum an der Kreuzstrasse. In einen Saal, der laut Vermieter den Zeitgeist trifft wegen dem „Mix aus urbanem Stil, Wohnzimmerflair und Industrial Design mit hochwertigen Möbeln“.

    So wirkt der Saal der Medienkonferenz tatsächlich. Holzgestelle mit literarischen Werken, eine Weltkugel im Vintagestyle, Zimmerpflanzen und edel gerahmte Kunstwerke. Eben Zeitgeist halt und typisch Zürich, würde man zumindest auf den ersten Blick sagen. Da fehlt nur noch der Caffè Latte mit Hafermilch.


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    Stadtrat als Autofeind gebrandmarkt

    Und hier also sitzen die vier Personen der SVP, um anzutreten gegen die linksgrüne Phalanx, um gegen die Zustände in Zürich zu wettern. „Rotgrüne Autofeinde stoppen. Weniger Zuwanderung. Mehr Polizei“, das sind die drei plakativen Kernbotschaften, mit denen die SVP am 8. März reüssieren will. „Drei Gemeinderatssitze dazu und das Stadtpräsidium“, formuliert Co-Parteipräsidentin Susanne Brunner die hohen Ziele.

    Ziele, die dem Zeitgeist in urbanem Zürich definitiv widersprechen, auch wenn es politisch hin und wieder rumoren mag. Die Autofeinde in Form des Stadtrats eilen von Sieg zu Sieg bei kommunalen Vorlagen, wenn es um die Förderung des Veloverkehrs geht. Zürich gilt als multikulturell, Ausländerinnen und Ausländer gehören dazu und garantieren wirtschaftliche Prosperität. Und eigentlich verzichtet die Mehrheit der Bevölkerung lieber auf mehr Polizeipräsenz. Denn wenn wieder Polizeiposten geschlossen werden, sorgt das kaum mehr für Schlagzeilen.

    Steht die SVP also auf verlorenem Posten? Immerhin hat die SVP seit 1990 keinen Stadtratssitz, und nach einem Hoch in den Nullerjahren bei den Gemeinderatssitzen gibt es nur noch sinkende Tendenzen in der Legislative. Die SVP ist lediglich noch die Nummer fünf im Parteienranking in Zürich. Hinter SP, FDP, Grünen und GLP – kein Vergleich zur nationalen Grösse.

    Auf dem Bild zu sehen ist Markus Weidmann, den Präsidenten der SVP Schwamendingen. Für ihn ist das KI-generierte und auf Zürich umgemünzte Parodie-Video "Kevin – allein zu Haus" sinnbildlich für Zürich und seine verfehlte VerkehrspolitikMarkus Weidmann, der Präsident der SVP Schwamendingen, findet das oft herumgeschickte KI-Parodie-Video "Kevin – allein zu Haus" sinnbildlich für Zürich und seine verfehlte Verkehrspolitik. Bild: Lorenz Steinmann

    Doch die Flinte ins Korn werfen wollen die Mannen und wenigen Frauen nicht (im Gemeinderat sitzen für die SVP momentan 13 Männer). Unverdrossen positiv präsentiert sich neben Susanne Brunner der Kantonsrat und Kandidat für den Stadtrat und das Stadtpräsidium Ueli Bamert. Support bekommen die beiden von Markus Weidmann, 1. Vizepräsident SVP Stadt Zürich, und von Gemeinderat Yves Peier, 2. Vizepräsident.

    Für Markus Weidmann, den Präsidenten der SVP Schwamendingen, ist das KI-generierte und auf Zürich umgemünzte Parodie-Video „Kevin – allein zu Haus“ sinnbildlich für Zürich und seine verfehlte Verkehrspolitik. Darin geht es um die beiden Einbrecher, die im reichen Zürich wegen Verkehrsberuhigungen, Velowegen und Demos nicht dazu kommen, einen ordentlichen Einbruch in einem Villenquartier zu landen. Für Weidmann ist klar: In Zürich sind Autofeinde an der Macht, die der Stadt nur schaden. Ob der im Video oft gehörte Fluch „Ich hasse Zürich“ zumindest den Stadtzürcherinnen und -zürchern aber gefällt, darf bezweifelt werden.

    Für die SVP ist die Verwaltung aufgebläht

    Gemeinderat Yves Peier nimmt sich den Themenfeldern Sicherheit und Zuwanderung an. Für ihn ist klar: Kriminelle, aber auch Fussballfans fühlen sich wohl und sicher in Zürich, überall wird die Verwaltung aufgebläht, ausser beim Sicherheitsdepartement. Die Linken wollen lieber die Polizei kritisieren, die politische Unterstützung fehlt. Jede Aufstockung des Corps wird verhindert. Eine Aussage, die übrigens Matthias Scharrer, Zürich-Korrespondent und stellvertretender Chefredaktor der „Limmattaler Zeitung“, in der Fragerunde zu widerlegen mag. Denn eben hat der Gemeinderat in der Budgetdebatte neun zusätzliche Stellen für die Polizei bewilligt.

    Abgebildet ist Yves Peier, SVP-Gemeinderat aus Zürich.Für Yves Peier, 2. Vizepräsident der SVP Stadt Zürich, ist klar: Die Linken wollen lieber die Polizei kritisieren, die politische Unterstützung fehlt. Bild: Lorenz Steinmann

    Doch weiter im Text. Die Ursache der Wohnungsnot ortet Peier bei der Zuwanderung. Der Dichtestress sei jeden Tag spürbar, in den überfüllten Badis und beim ÖV. „Die Zuwanderung muss bis in die Quartiere angegangen werden“, so Peier. Das tönt irgendwie bedrohlich. In Peiers Wahlkreis 7+8 kämen dann vornehmlich mehrheitlich reiche Expats ins Visier. Das sagt Peier zwar nicht, das schwirrt einem doch durch den Kopf.

    Es sind starke Worte, oder besser gesagt harte Worte, die da zu hören sind. Sie passen so gar nicht ins Zürich, wie man es zumindest in der Öffentlichkeit wahrnimmt. Aber vielleicht ist das auch nur die Journalistenbubble des linksgrünen Mittelstandes. Kommen diese brachialen Aussagen an beim Stimmvolk? Oder ist es wie beim erwähnten KI-Filmchen? Auswärtige finden das toll und wichtig – bevor sie nach getaner Arbeit zurückkehren aus Zürich in die Agglo oder an die Goldküste. Und daheim von Tempo-30-Zonen und tiefen Steuern profitieren.

    Bamert ist doch ein typischer SVPler

    Doch wir sind in Zürich. Hier will Ueli Bamert für die SVP die Kartoffeln aus dem Feuer holen. Er, der seit 2018 im Kantonsrat sitzt, will Stadtpräsident werden – oder zumindest Stadtrat. Der 47-Jährige wirkt durchaus urban, kokettiert mit seinem Solothurner Dialekt und ist laut eigenen Angaben oft an der Langstrasse unterwegs.

    Zu sehen ist auf dem Bild Kantonsrat Ueli Bamert (SVP) mit akkurat gestutzten Bart."Ich bin nicht der typische SVPler", betont Ueli Bamert. Doch wenn er seine politischen Ziele skizziert, dann kommen die plakativen SVP-Slogans durchaus hin. Bild: Lorenz Steinmann

    Auf Nachfrage von Isabelle Heusser, Zürich-Redaktorin der NZZ, erklärt Bamert, er sei nebenbei DJ und bei Veranstaltungen von ihm werde man nie Ländlermusik hören. „Ich bin nicht der typische SVPler“, betont Bamert. Doch wenn er seine politischen Ziele skizziert, dann kommen die Slogans „Rotgrüne Autofeinde stoppen. Weniger Zuwanderung. Mehr Polizei“ durchaus hin.

    Laut Bamert sei die Stadt am Explodieren, es könne nicht so weitergehen. „Zu viele Auflagen, zu viele Einsprachemöglichkeiten“, so Bamert. Er findet, das Wachstum in Zürich könne so nicht weitergehen. „Wohnen in der Agglo ist eine Alternative.“ Hoffnung setzt er auf die kantonale SVP-Initiative, welche bei der Vermietung ein Vorrecht für Schweizerinnen und Schweizer fordert. Und Bamert legt dar, er sei der einzige Stadtratskandidat, der die EU-Verträge ablehnt.

    Das Verkehrschaos in der City will Stadtpräsidiumskandidat Bamert mit Park + Ride-Parkhäusern am Stadtrand bekämpfen. Bei der sich ausbreitenden offenen Drogenszene müsse Gewalt im Keim erstickt werden. „Auswärtige Drogenabhängige müssen zurückgeschafft werden in ihre Heimatgemeinde“, ist das Rezept des Kantonsrats. Ob das genügt für genügend Stimmen? Immerhin macht Bamert einen gelassenen Eindruck. Er, der als Geschäftsführer von Swissoil, dem Dachverband der Brennstoffhändler, im Zürcher Niederdorf arbeitet.

    SVP kritisiert das „Klimagerede“

    Im Schlussvotum betont Kantonsrätin Susanne Brunner, die Stadt Zürich sei am Übersäuern. „Die politische Grosswetterlage spricht für uns. Die Leute haben genug von diesem Klimagerede.“ Bamert sei genau der Richtige, ein „gschide Chopf“, ein schlauer Fuchs, ein Visionär und ein Philosoph.

    Die Personenwahl, die Argumente und die Haltungen leuchten je nach politischem Standpunkt durchaus ein. Aber damit ist in Zürich im Gegensatz zur nationalen Politik kein Blumentopf zu gewinnen, zumindest nicht für einen Sitz in der Exekutive. Und schon gar nicht, wenn sich die Bürgerlichen so verzetteln.

    Trotzdem hofft Bamert auf ein Wunder. Helfen soll ein Flyer, der bald in alle Haushalte in der Stadt Zürich verteilt wird. Mit einem Wettbewerb, bei dem man drei Restaurantgutscheine à 200 Franken gewinnen kann. Welche Beizen das sind, kann Bamert aber noch nicht sagen. Er erwartet für den Wahlsonntag am 8. März ein Kopf-an-Kopf-Rennen „am ominösen Strich“, wie er ausführt.

    Bamert spekuliert darauf, dass er im Kampf ums Stadtpräsidium im ersten Wahlgang mehr Stimmen als Përparim Avdili von der FDP holt. Und dass dieser dann auf den zweiten Wahlgang verzichtet. Bei den Ständeratswahlen 2023 passierte genau das: Nationalrätin Regine Sauter (FDP) verzichtet auf den zweiten Wahlgang, doch SVP-Nationalrat Gregor Rutz wusste seine Chance nicht zu nutzen. Am Ende zog Tiana Angelina Moser in den Ständerat ein – eine Grünliberale.

    Das darf Serap Kahriman von der GLP Hoffnung machen.


  • 5 Minuten

    „Ich bin seit Jahren Abonnent des ‚Taxi‘. Das ist die Underground­schwester des ‚Surprise’“

    Ein Mann mit Brille lächelt in die Kamera.Gemeinderat David Garcia Nuñez: "Unsere AL-Vollversammlung ist immer wieder ein Ort, wo differenziert und lustvoll um Meinungen und Haltungen gerungen wird." Bild: Flurina Rothenberger for Alternative Liste

    Der Zürcher AL-Gemeinderat David Garcia Nuñez setzt sich für einen niederschwelligen Zugang zur medizinischen Grundversorgung ein, besonders für trans Personen. Als grössten politischen Erfolg bezeichnet er im Rathuus-Fragebogen die Sicherung der Gesundheitsversorgung von Sans-Papiers.

    David Garcia Nuñez, wie wurden Sie politisiert?
    Zuhause. Meine Eltern haben sich während der spanischen Diktatur sehr intensiv politisch engagiert. Wir sind nach Francos Tod häufig an Demos mitmarschiert und haben Parolen skandiert. Mein Bruder und ich haben an den Wochenenden viel Zeit in Partei- und Gewerkschaftszentralen verbracht. Selbstverständlich haben wir am Familientisch immer kontrovers über alles Mögliche debattiert.

    Was wollten Sie als Kind werden?
    Arzt. Ich wollte schon immer Medizin studieren. Ich hatte die Hoffnung, den Diabetes meiner Grossmutter heilen zu können.

    „Mich beschäftigt politisch momentan am meisten der ungebremste Wachstum faschistoider Tendenzen innerhalb alter und neuer Parteien.“

    Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
    Der ungebremste Wachstum faschistoider Tendenzen innerhalb alter und neuer Parteien.

    Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu, oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
    Ich bin mit Körper, Herz und Seele AL-Mitglied. Andere Optionen sind für mich nie in Frage gekommen. Zumal sich in keiner anderen Partei derart gut diskutieren lässt wie in der AL. Unsere Vollversammlung ist immer wieder ein Ort, wo differenziert und lustvoll um Meinungen und Haltungen gerungen wird.


    Lass dir den Artikel durch eine KI-gestützte Stimme vorlesen.

    Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
    Unzählige Male. Ich mache das gerne. Nirgends kommt man derart direkt mit den Stadtbewohnerinnen und -bewohnern in Kontakt. Diese Gespräche sind immer interessant. Da bekommt man als Politiker einen transparenten – und sehr wichtigen – Spiegel vorgehalten.

    „Es gab und gibt viele Menschen in linken und linkslinken Parteien, die eine ausserordentliche moralische Grösse und Glaubwürdigkeit hatten.“

    Welche Staatsmänner oder -frauen halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch?
    Rosa Luxemburg (eine Deutsche Sozialdemokratin und Kämpferin gegen den 1. Weltkrieg, Anm. d. Red.), Fritz Brupbacher (ein Stadtzürcher Arzt, libertärer Sozialist und Schriftsteller, Anm. d. Red.), Dolores Ibárruri (eine spanische Revolutionärin und Politikerin der Arbeiterbewegung, Anm. d. Red.), Julio Anguita (ein spanischer Politiker, der Bürgermeister von Córdoba und Abgeordneter im andalusischen und im spanischen Parlament war, Anm. d. Red.). Es gab und gibt viele Menschen in linken und linkslinken Parteien, die eine ausserordentliche moralische Grösse und Glaubwürdigkeit hatten.

    Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken?
    Ich würde gerne einen Wein mit Diego Velázquez (ein Barockmaler aus Spanien, Anm. der Red.), ein Bier mit Judith Butler (einer US-amerikanischen Geschlechterforscherin und Expertin für Gewaltlosigkeit, Anm. der Red.) und einen Tee mit Miuccia Prada (Mitinhaberin des Modeunternehmens Prada, eine deren kreativen Köpfe und in den 70ern Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens, Anm. der Red.) trinken. 

    „Das ‚Il Giglio‘ am Hallwylplatz ist seit Jahrzehnten der beste Ort in Zürich, um echte italienische Küche geniessen zu können.“

    Welches ist Ihr Lieblingsrestaurant in der Stadt oder im Kanton Zürich?
    „Il Giglio“ am Hallwylplatz. Seit Jahrzehnten der beste Ort in Zürich, um echte italienische Küche geniessen zu können.

    Kaufen Sie das „Surprise“ und lesen Sie es auch?
    Ich bin seit Jahren Abonnent des „Taxi“. Das ist die Undergroundschwester des „Surprise“. Und ja: Ich lese diese Zeitschrift mit Interesse. Insbesondere, da ich daraus immer wieder einiges lerne.

    Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht?
    Ich habe meine Habilitationsschrift noch nicht geschrieben. Obwohl sie seit Jahr und Tag auf mich wartet. 

    Wer ist für Sie der bedeutendste Zürcher oder die bedeutendste Zürcherin?
    Geschoben.

    Sex ohne Liebe, was halten Sie davon?
    Als Sexualtherapeut weiss ich, dass es Menschen gibt, die darauf stehen. Als Sexualtherapeut weiss ich aber auch, dass nicht alle das geil finden.

    „Mein grösster politischer Erfolg? Die Sicherung der Gesundheitsversorgung von Sans-Papiers.“

    Was war Ihr grösster politischer Erfolg?
    Die Sicherung der Gesundheitsversorgung von Sans-Papiers. Dank meiner Arbeit im Gemeinderat muss niemand in dieser Stadt die Angst haben, sich keine medizinische Behandlung leisten zu können.

    Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas?
    Die Thematisierung von Penis-Beschneidungen bei Neugeborenen am Stadtspital. Ich habe unterschätzt, wie emotional manche Menschen auf meine Fragen nach Daten über diesen Körpereingriff reagieren könnten.

    „Mein grösster politischer Fauxpas? Die Thematisierung von Penis-Beschneidungen bei Neugeborenen am Stadtspital.“

    Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard?
    Das Rathaus Hard ist trotz des sakralen Hintergrunds als frühere Kirche unendlich viel besser, effizienter und entspannter. Ich würde – trotz meiner Wohnortsnähe – nie ins historische Rathaus zurückwollen.

    Portobello-Burger oder Poulet-Kebab?
    Ich lebe seit einigen Jahren wieder vegetarisch. Daher …

    Taylor Swift oder Beatrice Egli?
    Billie Holiday. Immer. Ohne Ausnahme und Ausrede.

    Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy?
    Das Sujet von unserem nächsten Symposium am Innovations-Focus Geschlechtervarianz.

    Worauf freuen Sie sich?
    Auf jeden Tag, den ich mit meinem Lebenspartner teilen kann.

    Und worüber können Sie lachen?
    Über alles und am liebsten über mich selbst.

    Der 50-jährige David Garcia Nuñez ist seit neun Jahren AL-Gemeinderat der Stadt Zürich. Er wohnt mit seinem Partner in der Altstadt und vertritt im Rat den Wahlkreis 4 und 5. Als Co-Fraktionsleiter ist er seit Frühling 2022 Mitglied der Interfraktionellen Konferenz sowie Teil der 16-köpfigen Geschäftsleitung des Gemeinderates. Von 2017 bis 2022 gehörte er der Spezialkommission Gesundheits- und Umweltdepartement an, davon zwischen 2020 bis 2022 als Kommissionspräsident und vorher zwei Jahre als Vizepräsident.

    Garcia Nuñez ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Sexualtherapeut und Lehrbeauftragter an den Universitäten Basel und Zürich. Er ist Leiter des Innovations-Focus Geschlechtervarianz am Universitätsspital Basel. Dabei geht es um die medizinische und gesellschaftliche Begleitung von trans Menschen

    Nuñez‘ Eltern waren Mitglieder der spanischen Sozialdemokratischen Partei und im faschistischen Spanien im Widerstand. „Ich habe meine Kindheit in Partei- und Gewerkschaftszentren verbracht“, erzählte er gegenüber dem Onlineportal Tsüri. Nach dem Tod Francisco Francos und dem Übergang zur Demokratie seien sie bald enttäuscht gewesen von den personellen Kontinuitäten zwischen dem alten und dem neuen System. 1986, als David Garcia Nuñez elf Jahre alt war, kam die Familie dann in die Schweiz. Seine Jugendjahre verbrachte Garcia Nuñez im Glarnerland: „Als Kind von Einwanderern und als queere Person stand ich dort immer am Rand. Ich wanderte zwischen den verschiedenen Welten, und war zwischen diesen auch immer als Dolmetscher unterwegs“, verriet er in besagtem „Tsüri“-Porträt.


  • 7 Minuten

    Stadtentwicklung: Fehlt der Verwaltung der Spielraum, bleibt nur das Beobachten

    Die Ausgabe 1/2026 des Magazins Forum der katholischen Kirche Kanton Zürich liegt auf einem hölzernen Salontisch und mit einer Ecke auf einem hölzernen Schachbrett, auf dem Schachfiguren stehen. Auf dem Cover ist die lächelnde Anna Schindler zu sehen. Der Titel lautet «Stadt ist meine Faszination»."Wir haben eine Querschnittsfunktion, wir arbeiten sehr interdisziplinär, mit allen Departementen", sagt Anna Schindler dem Pfarrblatt der Katholischen Kirche Zürich. Das "Forum" hievte die Stadtentwicklerin auf die Titelseite. Bild: Pascal Turin

    Zunehmende Seefeldisierung, immer mehr Verdichtung – und trotzdem wollen gefühlt alle in Zürich leben. Entsprechend muss die Verwaltung die zukünftige Entwicklung der prosperierenden Stadt sorgsam planen. In einem Interview hat die Stadtentwicklerin Anna Schindler über die Herausforderungen gesprochen.

    Die „Neue Zürcher Zeitung“ überschrieb einmal einen Artikel über sie mit dem Titel „Die Frau, die über das Zürich von morgen nachdenkt“. Anna Schindler amtet als Direktorin Stadtentwicklung der Stadt Zürich, die zum Präsidialdepartement gehört. So hat die Abteilung die richtige Flughöhe und das Ohr der Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP). Durch diese Einteilung fehlt der Stadtentwicklung zumindest von aussen betrachtet aber manchmal der direkte Einfluss auf die Zuständigen – etwa im Hochbaudepartement, das die öffentlichen Bauten plant, oder im Tiefbau- und Entsorgungsdepartement, wo die Veloförderung angesiedelt ist. Das war vor 1997 anders, in grauer Vorzeit gehörte die Fachstelle zum damaligen Bauamt II, dem heutigen Hochbaudepartement (siehe Kasten am Ende des Texts).

    Exemplarisch zeigt sich das Dilemma, wenn es um bezahlbaren Wohnraum geht. „Mindestens vier Departemente sind ins Thema Wohnen involviert, das heisst praktisch die halbe Stadtregierung. Zürich ist eine grosse Stadt und die Vernetzung innerhalb der Departemente ist sehr wichtig“, sagte Schindler 2024 im Gespräch mit dem Onlineportal Tsüri.

    Zu viele Köche verderben den Brei, heisst es doch so schön, und vielleicht stimmt das gerade bei der Stadt- und Wohnraumplanung umso mehr. Das deutet auch das Interview mit dem katholischen Pfarrblatt „Forum“ an. „Wir haben eine Querschnittsfunktion, wir arbeiten sehr interdisziplinär, mit allen Departementen“, so Anna Schindler im Interview mit dem Magazin der katholischen Kirche im Kanton Zürich. Das „Forum“ hievte Schindler in seiner ersten Ausgabe des Jahres gar auf die Titelseite. Das Interview wird als Neujahrsgespräch angekündigt – die Unterzeile erinnert an die NZZ: „Anna Schindler denkt jeden Tag über die Zukunft Zürichs nach.“

    Wer an Zürich denkt, der sieht vermutlich das Altstadtpanorama mit Grossmünster, Limmat und dem See vor dem inneren Auge. Doch die Zwinglistadt ist nicht nur ein Postkartenidyll. Bild: Pascal Turin


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    Vieles läuft in Zürich sehr langsam

    „Im Fokus unserer Arbeit stehen die Strukturen, in denen sich die Menschen bewegen, leben und arbeiten, und die nachhaltige Entwicklung der Stadt in allen drei Dimensionen“, führt die frühere Architekturjournalistin aus. Man sei zuständig für die Wirtschaftsförderung und für die Aussenbeziehungen der Stadt, für die Integration von Menschen aus 172 Nationen und den Bereich Smart City. Schindler: „Bei mir arbeiten rund 60 Personen in fünf Bereichen, die Dutzende von Themen bearbeiten. Wir sind also sehr breit und vielfältig aufgestellt.“

    „Erschwerend kommt hinzu, dass die Politik immer ideologischer wird und die Polarisierung zunimmt“, sagt Anna Schindler im Interview mit dem „Forum“.

    Anna Schindler kommt im Neujahrsgespräch rasch auf den Punkt: „Unser politisches System ist sehr komplex.“ Es müsse alles austariert werden, man ringe und kämpfe um Entscheidungen. „Das hat seine guten Seiten, aber es ist auch sehr langsam“, erklärt die Stadtentwicklerin, die mit ihrem Mann in Zürich lebt und drei erwachsene Söhne hat. „Erschwerend kommt hinzu, dass die Politik immer ideologischer wird und die Polarisierung zunimmt“, sagt die 57-Jährige. In Zürich sei das noch völlig harmlos im Vergleich zum Rest der Welt, aber es mache ihre Arbeit schwieriger. „Auch die Bürokratisierung nimmt zu. Die Abläufe waren vor 14 Jahren wesentlich weniger kompliziert“, so Schindler, die seit 2011 Direktorin der Stadtentwicklung ist.

    Erneuern, sanieren, verdrängen: In der Stadt Zürich wird überall gebaut, doch bezahlbarer Wohnraum fehlt trotzdem – die Verwaltung spricht lieber von Wohnungsknappheit als von Wohnungsnot. Bild: Pascal Turin

    Das Sozialmonitoring als Heilsbringer

    Wenig überraschend wird die Wohnungsknappheit in Zürich beziehungsweise das Problem mit dem (mangelnden) Wohnraum nicht ausgeklammert. „Das ist ein permanent drängendes Thema“, sagt Anna Schindler. Eine soziale Stadtentwicklung ermögliche das Zusammenleben aller sozialen Schichten und vermeide Segregation und Auseinanderleben. Zentrales Thema der Städte überall auf der Welt sei deshalb das Wohnen. „In Zürich ist vor allem bezahlbarer Wohnraum für alle in einer wachsenden und prosperierenden Stadt wichtig.“

    Schindler verweist als Beispiel auf das Sozialmonitoring. „Es kombiniert verschiedene Indikatoren zur Bevölkerung mit Indikatoren zur baulichen Struktur und zur Bausubstanz der Stadt und zeigt uns, wo die vulnerablen Bevölkerungsgruppen leben, die bei tiefgreifenden baulichen Veränderungen wie Ersatzneubauten am stärksten von Preissteigerungen betroffen sind“, erklärt sie im Interview mit dem „Forum“. Das Sozialmonitoring stelle eine wichtige Grundlage für die Stadtentwicklung dar. „Wir wissen damit, wo wir genau hinschauen müssen, mit wem wir sprechen müssen, mit welchen Bauträgerschaften und Investoren, um sie zu einer sozialverträglichen Entwicklung zu bewegen.“ Aber: „Direkte Massnahmen kann die Stadt Zürich von Privaten – denen 70 Prozent des Bodens gehört – nur unter bestimmten Bedingungen einfordern.“ Welche Bedingungen dies konkret sind, wird im Interview leider nicht ausgeführt.

    „Diese Herausforderung kommt zwangsläufig mit dem Erfolg, sie kann nicht verhindert werden“, so Anna Schindler.

    Gerade bei der Wohnpolitik, die vielen Zürcherinnen und Zürchern unter den Nägeln brennt, hätte man sich als Leserin oder Leser von der Stadtentwicklerin zum Teil konkretere Aussagen erhofft. Auf die Frage, wie sich die Stadt gegen Gentrifizierung wehrt, antwortet Schindler: „Diese Herausforderung kommt zwangsläufig mit dem Erfolg, sie kann nicht verhindert werden.“ Die Stadt sei unter anderem so attraktiv, weil sie einer der besten Bildungsstandorte der Welt sei, ein super Gesundheitssystem habe und einen hervorragend funktionierenden öffentlichen Verkehr. Zudem sei die Schweiz politisch stabil. „Damit gehen die Preise hoch.“ Deshalb müsse man die Entwicklung gut begleiten und sozial steuern.

    Spannend ist, dass die Direktorin der Stadtentwicklung Investoren in Schutz nimmt. „Ja, es gibt Menschen, die nach einem Ersatzneubau nicht mehr zurück in ihre Wohnungen können, weil die Miete zu hoch ist, denn neue Wohnungen sind teurer als alte“, sagt die Geografin. Das gelte auch für Genossenschaften und städtische Wohnungen. Das betreffe aber nicht das Gros der Mieterwechsel. „Und ja, es gibt Investoren wie beispielsweise in den Sugus-Häusern, die es so machen, wie man es gerade nicht machen soll“, betont sie. Es gebe aber auch ganz viele andere, die ein Verantwortungsbewusstsein zeigen würden und „nicht an ihren Mieterinnen und Mietern vorbeibauen wollen“.

    Die Limmatstadt wächst, zieht weiter Menschen an – trotz steigender Mietpreise, trotz Seefeldisierung. Zürich scheint vieles richtig zu machen. Umso vorsichtiger wirken die Worte der Stadtentwicklerin Anna Schindler. Sie legt im Neujahrsgespräch mit dem Pfarrblatt zwar verständlich dar, weshalb es der Verwaltung in vielen Bereichen schwerfällt, Einfluss auf negative Entwicklungen zu nehmen. Doch es wäre etwas mehr Mut angebracht. Sonst werden die Probleme nicht gelöst, sondern nur verschleppt.

    Die Limmatstadt ist in ständigem Wandel – plastisch sichtbar wird das an den vielen Baustellen. Es stellt sich die Frage, wie eine wachsende Stadt lebenswert bleiben kann. Bild: Pascal Turin
    Ein Blick zurück

    Lorenz Steinmann

    Wie entstand die Stadtentwicklung überhaupt und warum ist sie eine Art Stabsstelle beim Präsidialdepartement? Da hilft ein Blick zurück. Anna Schindler ist erst die zweite Direktorin in der Geschichte der Fachstelle Stadtentwicklung. Vor ihr hatte Brigit Wehrli-Schindler das Amt von 1997 bis 2011 inne. Die Stadtentwicklung Zürich wurde erst 1997 gegründet. Vorher war die Fachstelle eigentlich folgerichtig beim Stadtplanungsamt angesiedelt.

    Der damalige Stadtpräsident Josef Estermann (SP) initiierte in den 1990er-Jahren eine grössere Reorganisation der Stadtverwaltung. Eine davon war die – zumindest aus damaliger Sicht – Stärkung des eigenen Departements mit eben der Stadtentwicklung. Vorher hatte Estermann schon verschiedene Initiativen ergriffen, wie die NZZ berichtete. Darunter waren das Stadtforum und das gemeinsam mit der Wirtschaft lancierte Projekt „Leitbild Zürcher Innenstadt“. Es ging darum, die verhärteten Fronten abzubauen und für Zürich – dem es wirtschaftlich und sozial nicht gut ging vor über 30 Jahren – Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Kritische Stimmen wie jene der SVP, welche das Stadtforum als „Schwatzbude“ bezeichneten, taten den Bemühungen keinen Abbruch.

    zu sehen ist eine Demo der Belegschaft der Brauerei Hürlimann im Jahr 1996. Sie wollte die Schliessung der Firma verhindern - erfolglos.Vor 30 Jahren Thema – die bevorstehende Schliessung der Brauerei Hürlimann. Die Neugestaltung des Areals ist typisch für den Wandel. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_L45-0290-0100-0004

    Also machte vor 30 Jahren Brigit Wehrli-Schindler einen hervorragenden Job. Dabei spurte sie ihre Karriere bei der Verwaltung schon vor Amtsantritt auf. So veröffentlichte sie 1996 ein stark beachtetes Buch mit dem Titel „Lebenswelt Stadt“. Darin plädierte sie für Quartierpartizipation und Dialog zwischen sozialen und ethnischen Gruppen, mehr Familienwohnungen und ein familienfreundlicheres Umfeld. Sie forderte eine Mobilität für alle, also auch für Kinder, Mütter und Senioren. Das ergebe mehr Wohnlichkeit und weniger Pendlerverkehr. Das Buch bewertete sogar die NZZ positiv.

    Der Rest ist eigentlich Geschichte. Brigit Wehrli-Schindler – ihrem Familienzweig gehört übrigens seit langem die Mühle Tiefenbrunnen – war offensichtlich die richtige Person zur richtigen Zeit. Die Stadt Zürich hat sich zu einer blühenden Stadt entwickelt. Doch die Probleme rund um die Stadtentwicklung – zumindest planerischer und baulicher Natur – sind geblieben, respektive in den letzten fünf Jahren wieder bedeutend stärker geworden.

    Nun gibt es Stimmen, welche die Stadtentwicklung wieder vom Präsidialdepartement abkoppeln und in ein übergreifendes Baudepartement verschieben wollen, das Hoch- und Tiefbau vereinigt. Dieses soll Doppelspurigkeiten verringern und insbesondere Strassenprojekte und die Quartierplanung besser aufeinander abstimmen. Dies zumindest war die Vision von Stefan Mühlemann. Seine Initiative „7 statt 9 Stadträte“ wurde 2018 aber relativ deutlich mit 61 Prozent abgelehnt.


  • 3 Minuten

    Der Zürcher Regierungsrat

    Acht Personen stehen nebeneinander in einem Tunnel, gekleidet in orangen Sicherheitswesten und roten Helmen.Von links: Kathrin Arioli (Staatsschreiberin), Jacqueline Fehr (SP), Mario Fehr (parteilos), Carmen Walker Späh (FDP), Martin Neukom (Grüne), Ernst Stocker (SVP), Silvia Steiner (Die Mitte), Natalie Rickli (SVP). Bild: Nicola Pitaro/Staatskanzlei Kanton Zürich

    Die siebenköpfige Regierung des Kantons Zürich ist aus Politikerinnen und Politikern von links bis rechts zusammengesetzt. Der Regierungsrat schlägt Gesetze vor und setzt die vom Parlament – dem Kantonsrat – beschlossenen Gesetze um.

    Der Regierungsrat ist die Regierung des Kantons Zürich. Er besteht aus sieben Mitgliedern, die jeweils für vier Jahre gewählt werden. Die Mitglieder des Regierungsrats werden in einer Majorzwahl (Mehrheitswahl) gewählt. Will heissen: Die sieben Kandidierenden, die am meisten Stimmen erhalten haben, erhalten einen Sitz in der Regierung.

    Jedes Jahr wird eine Regierungsrätin oder ein Regierungsrat zur Regierungsratspräsidentin oder zum Regierungsratspräsidenten. Dabei handelt es sich um eine repräsentative Funktion. Die Regierungsratspräsidentin oder der Regierungsratspräsident hat nicht mehr Macht als die anderen Regierungsrätinnen und Regierungsräte.

    Die wichtigste Aufgabe des Regierungsrats ist das Regieren. Er schlägt Gesetze vor und setzt die vom Parlament beschlossenen Gesetze um. Der Regierungsrat leitet ausserdem die kantonale Verwaltung, bereitet Volksabstimmungen vor und vertritt den Kanton Zürich nach aussen.

    Die Beschlüsse des Regierungsrats kann man online suchen und abrufen.

    Der Regierungsrat setzt sich aktuell aus folgenden Mitgliedern zusammen:

    • Jacqueline Fehr (SP), Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Innern
    • Mario Fehr (parteilos), Vorsteher der Sicherheitsdirektion
    • Martin Neukom (Grüne), Vorsteher der Baudirektion
    • Natalie Rickli (SVP), Vorsteherin der Gesundheitsdirektion
    • Silvia Steiner (Die Mitte), Vorsteherin der Bildungsdirektion
    • Ernst Stocker (SVP), Vorsteher der Finanzdirektion
    • Carmen Walker Späh (FDP), Vorsteherin der Volkswirtschaftsdirektion

    Die kantonale Verwaltung besteht aus sieben Direktionen. Jeder Direktion steht eine Regierungsrätin oder ein Regierungsrat vor. Zu den Direktionen wiederum gehören Ämter und andere Organisationseinheiten. Zum Beispiel ist das Volksschulamt Teil der Bildungsdirektion und die Kantonspolizei Zürich Teil der Sicherheitsdirektion.

    Die kantonale Verwaltung

    Baudirektion

    Martin Neukom (Grüne)
    Vorsteher der Baudirektion seit 2019
    Regierungspräsident 2025/26

    • Amt für Landschaft und Natur
    • Amt für Raumentwicklung
    • Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft
    • Hochbauamt
    • Immobilienamt
    • Tiefbauamt

    Mehr zur Baudirektion erfahren.

    Bildungsdirektion

    Silvia Steiner (Die Mitte)
    Vorsteherin der Bildungsdirektion seit 2015

    • Amt für Jugend und Berufsberatung
    • Bildungsplanung
    • Fachstelle für Schulbeurteilung
    • Lehrmittelverlag
    • Mittelschul- und Berufsbildungsamt
    • Volksschulamt

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    Finanzdirektion

    Ernst Stocker (SVP)
    Vorsteher der Finanzdirektion seit 2015

    • Amt für Informatik
    • Finanzverwaltung
    • Kantonale Drucksachen und Materialzentrale
    • Personalamt
    • Steueramt

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    Direktion der Justiz und des Inneren

    Jacqueline Fehr (SP)
    Vorsteherin der Direktion der ­ Justiz und des ­Innern seit 2015

    • Fachstelle Gleichstellung
    • Fachstelle Integration
    • Fachstelle Kultur
    • Gemeindeamt
    • Handelsregisteramt
    • Jugendstrafrechtspflege
    • Justizvollzug und Wiedereingliederung
    • Staatsanwaltschaft
    • Staatsarchiv
    • Statistisches Amt
    • Statthalterämter, Bezirksratskanzleien

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    Gesundheitsdirektion

    Natalie Rickli (SVP)
    Vorsteherin der Gesundheitsdirektion seit 2019

    • Amt für Gesundheit
    • Heilmittelkontrolle
    • Kantonales Labor
    • Veterinäramt

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    Sicherheitsdirektion

    Mario Fehr (parteilos)
    Vorsteher der Sicherheitsdirektion seit 2011

    • Amt für Militär und Zivilschutz
    • Eichämter
    • Gewerbebewilligungen, Beglaubigungen
    • Kantonspolizei
    • Kantonales Sozialamt
    • Migrationsamt
    • Passbüro
    • Sportamt
    • Strassenverkehrsamt

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    Staatskanzlei

    Kathrin Arioli
    Staatsschreiberin seit 2018

    • Aussenbeziehungen
    • Digitale Verwaltung
    • Rechtsdienst
    • Regierungscontrolling
    • Regierungskommunikation
    • Stab

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    Volkswirtschaftsdirektion

    Carmen Walker Späh (FDP)
    Vorsteherin der Volkswirtschaftsdirektion seit 2015

    • Amt für Arbeit
    • Amt für Mobilität
    • Amt für Wirtschaft
    • Zürcher Verkehrsverbund

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  • 7 Minuten

    Aufmerksamkeit ist ihr wichtig – aber nicht um jeden Preis

    Andrea Grossen-Aerni sitzt an einem kleinen Gartentischchen. Sie trägt einen Schal und eine dicke Winterjacke. Sie lächelt in die Kamera.Die Wetziker Kantonsrätin Andrea Grossen-Aerni (52) ist seit über 30 Jahren Mitglied der EVP. Bild: Pascal Turin

    Die EVP fällt selten medial auf – was wohl vor allem ihrer Grösse geschuldet ist. Das heisst aber nicht, dass ihre Vertreterinnen und Vertreter keine klare Haltung haben. Eine von ihnen ist die Kantonsrätin Andrea Grossen-Aerni. Sie steht für ein respektvolles Miteinander und will in Wetzikon Schulpräsidentin werden.

    Das Café Sam an der Motorenstrasse im eher trostlosen Wetziker Industriegebiet wirkt wie eine Oase in der Wüste. Betrieben wird es von der Stiftung Ancora-Meilestei, die Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen sowie mit psychischen, kognitiven oder sozial bedingten Beeinträchtigungen unterstützt und fördert. Das gemütliche Lokal ist wie ein Wohnzimmer eingerichtet – hier fühlt man sich sofort wohl.

    Andrea Grossen-Aerni hat an einem der Tischchen Platz genommen. Vor ihr steht eine kleine Flasche Vivi Kola Zero. An einem langen Tisch arbeiten zwei junge Frauen an ihren Laptops, am Nebentisch plaudern zwei Freundinnen über Alltägliches und ein Hund liegt seelenruhig neben ihnen auf dem Boden. Im Café Sam ist die Wetzikerin, die in der Siedlung Wigarten im Stadtteil Kempten wohnt, regelmässig. „Hier darf jeder sein so wie er oder sie ist. Man wird einfach respektiert“, erklärt die EVP-Kantonsrätin. Und die Stiftungsrätin der Stiftung Ancora-Meilestei ergänzt: „Das finde ich sehr schön.“ 2024 rückte die Dozentin an der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik im bündnerischen Zizers für Beat Monhart ins Kantonsparlament nach.

    „Regierungsräte sind keine Joghurts, die man bei Verfallsdatum vorsorglich entsorgt, nur weil es so auf der Packung steht“, sagt Andrea Grossen-Aerni.


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    Die EVP ist die ultimative Kleinpartei

    Über 100 Jahre gibt es die Partei bereits. „Seit 1919 mischt die Evangelische Volkspartei in der Schweizer Politik mit“, schrieb vor einigen Jahren das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) auf seiner News-Website. Grosse Schlagzeilen mache die EVP aber selten. „Sie ist sozusagen die ultimative Kleinpartei“, urteilte das SRF. Ein Image, das der EVP durchaus zu passen scheint. Im Kantonsparlament spielt sie mit ihren sieben Vertreterinnen und Vertretern häufig das Zünglein an der Waage – was ihr aber je nach Thema von linker oder rechter Seite schon den Vorwurf als passive Mehrheitsbeschafferin eingebracht hat.

    Für Andrea Grossen-Aerni ist klar: „Unser Ziel ist es, ausgewogene Lösungen zu finden, was aber wegen der Polarisierung zwischen Links und Rechts nicht immer gelingt.“ Der Wetzikerin ist durchaus bewusst, dass ihre Partei gerade im Hinblick auf die kantonalen Wahlen im Jahr 2027 für mehr Aufmerksamkeit sorgen muss. „Als kleine Fraktion ist es schwierig, wahrgenommen zu werden“, sagt die Kantonsrätin. Die Medien würden der EVP häufig wenig Beachtung schenken.

    Doch wichtiger als Aufmerksamkeit um jeden Preis ist ihr, ziel- und lösungsorientiert mit anderen zusammenzuarbeiten. „Ich stehe für ein respektvolles Miteinander ein“, so die Politikerin, die in Wallisellen und Neftenbach aufgewachsen ist. Es bringe aus ihrer Sicht wenig, einfach einen Vorstoss einzureichen, nur um gehört zu werden – quasi als Zeichen an die Wählerschaft. „Dann macht man noch ein Video und gibt den Leuten das Gefühl, dass man sich als Politikerin für ein Anliegen wahnsinnig einsetzt.“ Sie wolle etwas bewirken und das gehe vor allem in Zusammenarbeit mit anderen Parteien.

    Trotzdem dürfte sie eine kleine Adelung des „Tages-Anzeigers“ sicher gefreut haben, als es um eine Amtszeitbeschränkung für Regierungsrätinnen und Regierungsräte ging. Die SP wollte mit einer parlamentarischen Initiative erreichen, dass nach zwölf Amtsjahren Schluss ist. Doch die Idee scheiterte. „Den lustigsten Vergleich brachte Andrea Grossen-Aerni (EVP) fast am Ende der Debatte“, schrieb die Tageszeitung: „Regierungsräte sind keine Joghurts, die man bei Verfallsdatum vorsorglich entsorgt, nur weil es so auf der Packung steht.“

    Sie ist viel mit dem Velo unterwegs – ein Auto hat Andrea Grossen-Aerni nicht. Bild: Pascal Turin

    GLP, EVP und Mitte bilden Brücke-Fraktion

    Grossen-Aerni ist bereits über 30 Jahre in der EVP. Dies, obwohl sie nicht in einer politischen Familie aufgewachsen ist. Am Esstisch habe man in ihrer Kindheit kaum über Politik geredet. Trotzdem sagt sie: „Die Partei ist meine politische Heimat.“ Die Bedeutung der Politik sei ihr erst während des Studiums der Sozialen Arbeit bewusst geworden. „Immer wenn es um soziale Probleme wie Armut, Schulden oder Erwerbslosigkeit geht, hat das individuelle Ursachen. Aber es spielen auch die strukturellen und politischen Rahmenbedingungen eine grosse Rolle“, erklärt die 52-Jährige. Entscheidend sei zum Beispiel, ob man einen gut bezahlten Job habe oder nicht, und wie man bei einem Unfall versichert sei. „Ich habe früh gemerkt, dass es wichtig ist, auf der politischen Ebene aktiv zu sein, um sich für den einzelnen Menschen einsetzen zu können“, führt sie aus.

    Als ihr Entscheid reifte, sich politisch engagieren zu wollen, habe sie von allen Parteien Prospekte bestellt und sich am Ende für die EVP entschieden. „Was mir immer noch entspricht, ist, dass wir eine Zentrumspartei sind“, sagt Grossen-Aerni. Zentrumspartei darum, weil die Mitte (ehemals CVP und BDP) den Begriff Mittepartei nun quasi für sich gepachtet hat. „Im Wetziker Parlament haben wir eine Fraktion mit der Mitte und der GLP. Wir sind eine dritte, eigenständige Kraft“, betont sie. Passenderweise bezeichnet sich der GLP-Mitte-EVP-Zusammenschluss selbst als Brücke-Fraktion. Ein Erfolgsmodell, welches vielleicht auch im Kantonsrat Sinn machen würde. Dort sind die Grünliberalen, die Mitte und die EVP als Einzelmasken unterwegs, bilden eigene Fraktionen und arbeiten weniger eng zusammen.

    „Stellen Sie sich vor, Sie sind zwölf, dreizehn oder vielleicht schon vierzehn Jahre alt. Ohne Gerichtsverfahren, ohne Verbrechen, ohne jegliches Mitspracherecht werden Sie eingesperrt wie eine Kriminelle“, so Andrea Grossen-Aerni.

    Sie setzt sich für Weggesperrte und Fremdplatzierte ein

    Auf ihrer Website berichtet die Mutter eines Teenagers und Hasenmama regelmässig über Themen, die ihr am Herzen liegen. So empfiehlt sie etwa das Buch „Knappheit“ des amerikanischen Ökonomen Sendhil Mullainathan und des amerikanischen Psychologen Eldar Shafir. „Wenn Geld, Zeit oder Energie fehlen, fokussiert das Gehirn nur noch auf das dringendste Problem. Dieser Tunnelblick reduziert die geistige Bandbreite und erschwert Planung, Priorisierung und langfristiges Denken“, schreibt Grossen-Aerni in ihrem Blog.

    Ein wichtiges Anliegen ist der Vizepräsidentin der EVP Wetzikon zudem die Entschädigung der Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierung im Kanton Zürich. Diese erhalten neu einen Solidaritätsbeitrag von 25’000 Franken, welchen sie zusätzlich zu den 25’000 Franken des Bundes beantragen können. Der Kantonsrat hatte Anfang Dezember einen Gesamtbetrag von 20 Millionen Franken bewilligt.

    Der Entscheid geht zurück auf ein dringliches Postulat der Kantonsrätinnen Lisa Letnansky (AL), Mandy Abou Shoak (SP), Silvia Rigoni (Grüne), Andrea Gisler (GLP) und eben Andrea Grossen-Aerni. „Stellen Sie sich vor, Sie sind zwölf, dreizehn oder vielleicht schon vierzehn Jahre alt. Ohne Gerichtsverfahren, ohne Verbrechen, ohne jegliches Mitspracherecht werden Sie eingesperrt wie eine Kriminelle“, erinnerte die Wetzikerin im Kantonsparlament an dieses dunkle Kapitel der Schweizer Sozialgeschichte.

    Wetziker Kinder sollen gern in die Schule gehen

    Seit 2020 sitzt Grossen-Aerni im 36-köpfigen Parlament der Stadt Wetzikon, in der rund 27’000 Einwohnerinnen und Einwohnern leben. Als Vizepräsidentin der Fachkommission II ist sie für die Bereiche Alter, Bevölkerung, Bildung, Gesundheit, Jugend, Kultur, Sicherheit, Sport und Soziales zuständig. Nun möchte die Politikerin in die Exekutive. Sie kandidiert als Schulpräsidentin, was gleichzeitig einen Sitz im Stadtrat bedeutet. „Ich kandidiere, weil ich alles mitbringe, was eine Schulpräsidentin braucht“, sagte die EVP-Politikerin an einer Medienkonferenz. Sie wolle sich für jedes einzelne Kind in Wetzikon einsetzen und sie wünsche sich, dass jedes Kind gern in die Schule gehe. „Gute Schulen sind wichtig für Wetzikon“, schloss Grossen-Aerni.

    Ihr Konkurrent um das Schulpräsidium ist Thomas Ineichen von der FDP. Der Präsident des Verbands Zürcher Musikschulen will seinen Parteikollegen Jürg Schuler beerben, der nicht mehr antritt. Als Mitglieder der Schulpflege sind beide bereits gewählt. Es erfolgte eine sogenannte stille Wahl, weil nicht mehr Kandidierende als Sitze zur Verfügung standen. Für das Präsidium der Schulpflege findet der Urnengang am 12. April 2026 statt. „Falls ich gewählt werde, bleibe ich Kantonsrätin. Bildungspolitik ist Sache der Kantone – im Kantonsrat werden darum Entscheidungen gefällt, die grossen Einfluss auf die Gemeinden haben“, erklärt Politikerin Grossen-Aerni. Aus ihrer Sicht würden sich die Ämter darum ideal ergänzen.

    Im Café Sam dürfen alle so sein, wie sie sind. Kantonsrätin Andrea Grossen-Aerni hat diesen Satz zwar nicht als politisches Programm formuliert – er passt dennoch. Im Wetziker Kafi ist jede und jeder willkommen. Man geht respektvoll miteinander um. Ein Vorbild also für die Politik?


  • 8 Minuten

    Täterschutz in der Kulturbranche: Wer Talent hat, darf auch übergriffig sein

    Auf dem Bild ist der Platz zu sehen, wo Lara Alina Hofer ihre Kolumne geschrieben hat, im Rathuus-Büro an der Stauffacherstrasse 180 in Zürich.Unsere Autorin Lara Alina Hofer kritisiert den Kulturkuchen aus eigener Erfahrung. Bild: Lara Alina Hofer

    Eine Rezension über den Roman „Gaslicht“ von Jessica Jurassica wird zum Dialog mit ihr. Die Autorin schreibt darin über Gewalt, Trauma und Übergriffe in der Kulturbranche. Kolumnistin Lara Alina Hofer (23) reflektiert dazu über eigene Erfahrungen in Zürich – und hat es satt, um den heissen Brei zu reden. 

    Man weiss gar nicht so recht, wo man anfangen soll. Was man sagen soll. Wie dieses Auf-die-Lippen-beissen und ratlos den Kopf schütteln der Männer, wenn die Frauen von ihren Gewalterfahrungen erzählen. Man kommt in Versuchung, um den heissen Brei zu reden. Doch: „Das Zur-Gewalt-Schweigen ist immer auch systematisch, und mit ihm einher geht das Zum-Schweigen-Bringen.“ Also rein da. 

    Zürich hat ein Täterschutzproblem. Im Grunde die ganze Schweiz – und aus meiner Sicht und Erfahrung – auch die Kulturbranche. Wie die Appenzeller Autorin und Musikerin Jessica Jurassica (32) in ihrem neuen Roman „Gaslicht“ aufarbeitet, ist die Schweizer Kulturbranche von #MeToo-Fällen durchzogen – und noch immer werden sie verschwiegen, verdreht und halbherzig aufgearbeitet. „Es ist halt einfacher, so zu tun, als wäre nie etwas passiert, als sich der patriarchalen Normalität zu verweigern, und die ausgeübte Gewalt und deren tatsächliche Grausamkeit anzuerkennen“, schreibt sie.

    Aufbruch, das Weltbild zu dekonstruieren

    In ihrem Buch erhebt Jessica Jurassica, die 2020 einen Sex-Roman über Bundesrat Alain Berset veröffentlicht hat, ihre Stimme und sagt: „Ich will dieses Weltbild, das über mich gestülpt wurde, dekonstruieren.“

    Der Buchtitel basiert auf der Erkenntnis: „Wir leben in einem Land, das auf Gaslighting aufgebaut ist. Wir leben in einer Gaslight Nation.“ Gaslighting ist eine Form der Manipulation, bei der eine Person die Wahrnehmung, das Gedächtnis und den Verstand einer anderen Person gezielt manipuliert, damit diese an sich selbst zweifelt – um Macht und Kontrolle zu gewinnen. Dazu veröffentlichte sie den Song „Gaslight Nation“, den ich wärmstens zu hören empfehle. 

    Zu sehen ist der Einband des Buches "Gaslicht" der Autorin Jessica Jurassica.Sie schrieb einen Roman, der grosse Wellen schlug. In der Kulturszene, aber auch in der Politik. Jessica Jurassic, was das Pseudonym einer Appenzeller Autorin ist. Bild: Lara Alina Hofer

    Im Kontext heisst das: Frauen werden durch Manipulation und patriarchale Strukturen dazu gedrängt, an sich selbst, ihren Wahrnehmungen und ihren (übergriffigen) Erfahrungen zu zweifeln. Damit sie schweigen. Damit sich systematisch nichts ändern muss. Damit die Mächtigen ihre Macht behalten und die Opfer allein und individuell bleiben. Doch: „Wenn Trauma ein gesellschaftliches Problem ist, und das ist es tatsächlich, kann die Genesung nicht eine private, individuelle Angelegenheit sein.“ 

    Ich setze mich jetzt auf den Beichtstuhl. Ich wasche mich rein. Ich lasse die Altlasten im alten Jahr. 


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    Meine Beichte

    Als Künstlerin und Schreiberin bin auch ich Teil von kulturellen Institutionen in Zürich. Eine davon bringt junge Leute zusammen und bietet verschiedene Kurse an. Den Namen der Institution nenne ich nicht. In meiner Gruppe befand sich ein Mann, der Frauen manipuliert und emotionale sowie sexualisierte Gewalt auf sie ausgeübt hat. Sowohl auf mich als auch auf andere Personen hat er Gewalt ausgeübt.

    Lange unbemerkt. 

    Ich sah dieses Programm, und wieder war ich wütend, traurig und enttäuscht. Während ich diesen Raum, der darin versagt hatte, mir Schutz zu bieten, hinter mir lassen musste, würde er wieder dort auf der Bühne stehen, als wäre nie etwas gewesen.“

    „Viele von uns hüten schon so lange das Geheimnis, zu dem die Gewalt gemacht worden war. Wir wussten gar nicht, wie das gehen sollte, das Schweigenbrechen, das Geheimnislüften. Es schien keine Präzedenzfälle zu geben, jedenfalls nicht in der Schweiz, hier wurden Geheimnisse gehütet wie die Weltmeister.“

    Als die Vorfälle ans Licht kamen und die Gruppenleitung davon erfuhr, wurde der Mann zwar (inoffiziell) aus unserer Gruppe ausgeladen, nicht aber aus der Institution und allen anderen Angeboten. Dort geht er bis heute frischfröhlich ein und aus, wird an Events auf die Bühne gestellt, moderiert Veranstaltungen, sitzt in der Jury und darf seine (teilweise übergriffigen) Texte promoten. Dieselben Leute, die den Fall mit den Opfern „aufgearbeitet“ haben, applaudieren ihm, machen Werbung für ihn (auch bei den Opfern) und sind mächtig stolz auf ihn.

    „Ein Jahr nachdem ich die erlebte Gewalt adressiert hatte, sah ich, dass der Täter im Programm jener Kulturinstitution stand, in der ich fünf Jahre lang gearbeitet hatte. Ich sah dieses Programm, und wieder war ich wütend, traurig und enttäuscht. Während ich diesen Raum, der darin versagt hatte, mir Schutz zu bieten, hinter mir lassen musste, würde er wieder dort auf der Bühne stehen, als wäre nie etwas gewesen.“

    „Unter dem Vorwand, Talent zu fördern, werden Übergriffe und Gewalttaten toleriert und akzeptiert.“

    Der Teufelskreis des Täterschutzes

    Der Grund: Er hat Talent. Er kommt gut an beim Publikum. Er hat eine renommierte Institution besucht, die gut aussieht im Programmheft. Institutionen schützen Institutionen. Das ist der Teufelskreis des Täterschutzes. Ganz nach dem Motto: Wer Talent hat, darf auch übergriffig sein. Unter dem Vorwand, Talent zu fördern, werden Übergriffe und Gewalttaten toleriert und akzeptiert.

    „Leute, die sich gewaltvoll und misogyn verhalten haben, und dafür nie nennenswerte Konsequenzen erfahren haben, spielten Shows an Orten, an denen von Gewalt Betroffene sich eigentlich zugehörig und sicher fühlen sollten.“

    Die Forderung, den Mann aus der Institution auszuschliessen, wurde abgelehnt. Die Begründung: Man habe keine Verantwortung. Man sei ein freiwilliges Angebot. Dies, obschon die Institution öffentliche Gelder bezieht. Die Opfer müssten lernen, mit dem Täter umzugehen. Nicht gleich durchzudrehen, wenn sie ihm begegnen. Stattdessen in Therapie gehen. Und das Datingleben sei sowieso eine Privatangelegenheit.

    „In jenem Umfeld, in dem die Gewalt stattgefunden hat, scheint man noch immer keine Ahnung zu haben, was genau ‚vorgefallen‘ ist. Es war immer noch die Rede von ‚der Situation‘, sogar von ‚enttäuschter Liebe‘, obwohl es gar keinen romantischen Kontext gab, denn scheinbar musste es sich um Liebe handeln, wenn so grosse Verletzungen im Spiel sind, denn in einer patriarchalen Welt gehören Liebe und Gewalt zusammen.“

    „Hat überhaupt jemand Anzeige erstattet? Hat er dich denn vergewaltigt?“

    Und überhaupt, fragte man mich im Klärungsgespräch, zu dem ich gezwungen wurde, weil ich sonst aus der Institution ausgeschlossen worden wäre: Hat überhaupt jemand Anzeige erstattet? Hat er dich denn vergewaltigt?

    „Die Idee des physischen sexuellen Übergriffs, der Vergewaltigung, als einziger Form der sexualisierten Gewalt ist ein Rape-Culture-Mythos. Als wären die Erniedrigungen, die geschlechterspezifische psychische und physische Gewalt keine Formen der sexualisierten Gewalt – ganz abgesehen von den sexistischen Aussagen und misogynen Handlungen, der Sexualisierung und Objektivierung von Frauen.“

    Zum Klärungsgespräch wurde auch der Täter eingeladen, damit er in Ruhe seine Sicht auf die ausgeübte Gewalt schildern darf. 

    „Ich halte nichts davon, mit dem Täter zu reden. Ihm einen Raum zu geben, meine Gewalterfahrung aus seiner Perspektive zu erzählen und diese Erzählung unwidersprochen mit allen verdrehten Tatsachen und Verharmlosungen weiterzuverbreiten.“ Heute geht er im Haus ein und aus, als wäre nie etwas passiert. 

    Ich fordere Einsicht und Verantwortungsgefühl

    So darf es nicht weitergehen. Als Erstes braucht es Einsicht. Zuständige Personen in Institutionen müssen einsehen, dass ein Problem besteht und dass sie Teil davon sind. Es braucht ein Verantwortungsgefühl. Zuständige Personen müssen lernen, dass es ihre Verantwortung ist, bei #MeToo-Fällen richtig zu handeln und sie vorzubeugen. Dann braucht es Vorsicht und Rücksicht. Solidarität mit den Opfern, nicht mit den Tätern. Im Zweifel für die Opfer statt „In dubio pro reo“ (Im Zweifel für den Angeklagten).

    „Aufarbeitungsprozesse, bei denen nicht eine aufrichtige Entschuldigung, ein Eingeständnis und transparente Kommunikation mit betroffenen Personen an erster Stelle kamen, waren nichts als Damage Control – Bemühungen, den eigenen Ruf zu stabilisieren.“

    Es braucht konsequente Konsequenzen

    Es braucht konsequente Konsequenzen. Den Ausschluss von Tätern aus Institutionen. Es braucht ein Bewusstsein dafür, wie viel Schaden angerichtet wird, wenn Täter weiterhin aktiv promotet werden und bedingungslos eine Bühne erhalten. Man ermöglicht damit aktiv weitere Traumatisierungen und Übergriffe. Man sagt damit, dass man die emotionalen und sexualisierten Gewalttaten toleriert und dass Männer ohne nennenswerte Konsequenzen damit davonkommen. 

    Auf dem Bild zu sehen ist eine Mandarinen-Schale, die symbolisch steht für die Verletzlichkeit der menschlichen Psyche - und der Frau.Das Buchcover ziert eine geschälte Mandarine. Stück für Stück schält Jessica Jurassica auch literarisch die verbotene Frucht. Bild: Lara Alina Hofer

    Brei ist für Babys

    Dass sich die Erfahrungen von Jessica Jurassica und mir überschneiden, zeigt, dass wir ein strukturelles Problem haben und längst nicht mehr von Einzelfällen und individuellen Schicksalen reden dürfen.

    Es bleibt keine Zeit mehr für Schritt für Schritt. Es muss jetzt gerannt werden. Der Verantwortung, Aufarbeitung und Konsequenz entgegen. Wir dürfen jetzt nicht mehr um den heissen Brei reden. Brei ist für Babys. Für Kleinkinder. Wir müssen jetzt in den sauren Apfel beissen. Und wer ins Zittern kommt und nicht weiss, wo er anfangen soll, kann Jessica Jurassica lesen. 

    Mein Fazit: „Wer sich konsequent zu Gewalt verhält und diese mit all ihren furchtbaren Konsequenzen benennen will, der muss radikal mit den Strukturen brechen, in denen sie stattfindet, wenn die darin aktiven Individuen keinen Willen zur Aufarbeitung und Änderung zeigen. Und nicht selten auch, wenn ein Wille vorhanden ist.“


    Lara Alina Hofer (geboren 2001 in Biel/Bienne) ist Poetin, Autorin und Künstlerin. Im Sommer 2025 schloss sie ihr Kunststudium in Zürich ab. Lara arbeitet mit Text und Sprache. Sie ist nie ohne Notizbuch und Stift anzutreffen. Ihre Arbeiten reichen vom Gedicht über Kurzgeschichten bis zu poetischen Kurzfilmen. Sie schreibt seit 2025 bei Rathuus.


  • Wie schon Ex-Stapi Elmar Ledergerber: Mit diesem Slogan will Raphael Golta in Zürich gewinnen

    "Du wählst, ich handle" lautet der Claim auf dem WoZ-Inserat von Raphael Golta. Er kandidiert fürs Stadtpräsidium in Zürich.Preaching to the choir: SP-Stadtrat Raphael Goltas Inserat in der linken "Wochenzeitung WOZ". Bild: Lorenz Steinmann

    Jetzt geht der Wahlkampf um das Zürcher Stadtpräsidium in die heisse Phase: Während FDP-Kandidat Përparim Avdili mit frechen Sujets überzeugen will, setzt SP-Stadtrat Raphael Golta darauf, dass ihm die Wählerschaft vertraut. Das hat er offensichtlich von seinem prominenten Vorvorgänger Elmar Ledergerber abgeschaut.

    In der Stadt Zürich wiederholt sich die Geschichte: „Der Stadtpräsident für alle.“ Mit genau dem gleichen Wahlslogan wie aktuell Raphael Golta hatte schon Elmar Ledergerber (beide SP) Erfolg. Vor 24 Jahren. Da kann eigentlich nichts schiefgehen. Obwohl Golta ein klein wenig mehr Mut zeigt als Ledergerber damals. Dieser wählte nämlich ein eher bürgerlich wirkendes Blau als Grundfarbe seiner Kampagne, im Gegensatz zu Golta, der auf ein sozialistisch eingefärbtes Rot als Hintergrundfarbe setzt. Wird trotzdem alles seinen Lauf nehmen wie vor gut einem Vierteljahrhundert?

    Kleine Rückblende in die Jahrtausendwende: Die SP sass schon damals fest im Sattel. Elmar Ledergerber war zuvor vier Jahre lang Hochbauvorsteher, als er im März 2002 im ersten Wahlgang fürs Stadtpräsidium mit Abstand am meisten Stimmen holte. Zu ersetzen war Josef Estermann, der krankheitshalber nicht mehr für eine vierte Amtsperiode antrat. Neben Ledergerber hatten sich Rolf André Siegenthaler (SVP), Monika Stocker (Grüne), sowie Martin Vollenwyder (FDP) beworben. Für den zweiten Wahlgang zogen Stocker und Vollenwyder ihre Kandidaturen zurück. Elmar Ledergerber gewann die Wahl locker; er erzielte dreimal mehr Stimmen als Rolf André Siegenthaler, der später immerhin als Berufsoffizier Karriere machte.

    Auf dem Bild sind die drei aktuellen Plakate des FDP-Kandidaten fürs Stadtpräsidium in Zürich zu sehen.Sie fallen auf, die Plakate des Golta-Herausforderers Përparim Avdili (FDP). Bild: zvg


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    Golta gibt ein Lebenszeichen von sich

    Jetzt aber zurück in die Gegenwart. Wir schreiben den 29. Dezember 2025. In der Öffentlichkeit ist nur wenig vom bevorstehenden Wahlkampf in Zürich zu spüren. Dabei finden die Gesamterneuerungswahlen schon am 8. März 2026 statt. Immerhin hat Kronfavorit Raphael Golta eine Duftmarke abgegeben, indem sein Werbesujet eben in der linken „Wochenzeitung WOZ“ geschaltet wurde. Von aussen betrachtet hat es der 50-jährige Sozialvorsteher (seit 2014) nicht einfach. Der eher stille Schaffer gilt nicht als besonders populär und Repräsentationspflichten sind ihm eher fremd. Doch das war bekanntlich bei der aktuellen SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch nicht anders.

    Gemäss einer Umfrage des Onlineportals Tsüri vom Oktober ist der Mist sowieso geführt. Golta wird demnach mit grossem Abstand gewählt. Ist das vielleicht der Grund, warum die SP überraschend ruhig ist? So passieren keine Fehler und es bleibt alles, wie es ist, sind sich Politikexperten einig.

    FDP-Konkurrent Përparim Avdili will allerdings nicht klein beigeben. Schon im Sommer sorgte er für Schlagzeilen mit seinen durchaus erfrischenden und frechen Plakatsujets. Entwickelt wurde die Kampagne, die noch bis Ende des Jahres in der Stadt zu sehen ist, von den bekannten Werbern David Schärer und David Wember der Kommunikationsagentur DS Studio. Schärer sagte gegenüber dem Branchenmagazin persoenlich.com, die Kampagne soll in einem ersten Schritt eines deutlich machen: „Diese sozialdemokratische Thronfolge ist kein Naturgesetz.“

    Zu sehen ist Serap Kahriman. Die GLP-Politikerin kandidiert fürs Stadtpräsidium in Zürich.Die weibliche Alternative Serap Kahriman. Die GLP-Politikerin kandidiert auch fürs Stadtpräsidium. Bild: zvg

    Der Konkurrenz fehlt offensichtlich der Mut

    Doch Naturgesetz hin oder her: Die anderen ernstzunehmenden Personen, die ebenfalls fürs Stadtpräsidium kandidieren, verhalten sich in der letzten Altjahreswoche (noch) merkwürdig ruhig. Immerhin sorgt GLP-Kandidatin Serap Kahriman mit ihrem Slogan „Wenn schon Mann, dann Kahriman.“ für ein Lächeln. Selbstredend spricht sie auf das Dilemma an, dass sie die einzige weibliche Kandidatin fürs Stadtpräsidium ist, zumindest einer grösseren Partei.

    Kahriman fehlt aber offensichtlich der Mut, ähnlich wie Përparim Avdili auf den Mann zu zielen und das SP-interne Seilziehen zwischen Golta und Kantonsrätin Mandy Abou Shoak zu thematisieren. Nicht wenige linkswählende Zürcherinnen und Zürcher würden sich eigentlich darauf freuen, erstens eine Frau und zweitens eine Vertreterin des multikulturellen Zürichs zu wählen.

    Der SVP-Kantonsrat Ueli Bamert scheint ebenfalls nicht wirklich an seine Wahlchancen zu glauben. Es gibt noch nicht einmal eine separate Website zur Stadtrats- und Stadtpräsidiumskandidatur des Leiters Kommunikation und Politik bei Avenergy Suisse. Das ist der Interessensverband der Importeure flüssiger Brenn- und Treibstoffe. Dass Bamerts E-Mail-Adresse vom Uraltanbieter Hotmail gehostet wird, ist ein zusätzlicher Schmunzler wert. Hotmail war in den späten 90ern und frühen 2000ern einer der beliebtesten kostenlosen Webmail-Dienste und gilt heute nicht mehr wirklich als cool. „Was denkt ein potentieller Arbeitgeber über einen Hotmail-Account?“, fragte einst das „Süddeutsche Zeitung Magazin“.

    Aber lassen wir das Thema E-Mail-Anbieter. Die Wahlcouverts werden schon in gut fünf Wochen in die Briefkästen der Stadtzürcher Haushalte flattern. Wahltag ist am 8. März 2026. Dann wird sich entscheiden, ob die Wahlberechtigten punkto Stadtpräsidium auf Nummer sicher gehen und den Sozialdemokraten Golta wählen oder ob sie bereit sind, einer Vertreterin oder einem Vertreter einer anderen Partei das Vertrauen zu schenken.


  • 1 Minute

    Bye bye 2025: Das Jahr, das war

    Zwei Männer (Pascal Turin und Lorenz Steinmann) halten Sektgläser in der Hand und stossen lächelnd an.Anstossen auf ein erfolgreiches Jahr (v. l.): Pascal Turin und Lorenz Steinmann sind happy. Bild: Stephanie Turin

    Das Jahr 2025 ist in wenigen Tagen vorbei – Zeit für einen Rückblick. Lorenz Steinmann und Pascal Turin diskutieren in der 23. Folge des Rathuus-Podcasts ausserdem über die grösste Zürcher Steuersenkung seit über zwanzig Jahren.

    Der Zürcher Kantonsrat hat beschlossen, dass die Steuern von 98 auf 95 Prozent sinken. In der 23. Folge des Rathuus-Podcasts sprechen Lorenz Steinmann und Pascal Turin über Sinn und Unsinn dieser Massnahme. Die Steuerfusssenkung um drei Prozentpunkte treibt nämlich das budgetierte Defizit stark in die Höhe. Die Rathuus-Gründer fragen sich darum, wer von den tieferen Steuern profitiert und welche Investitionen nun zurückgestellt oder ganz gestrichen werden müssen.

    Ausserdem stossen Lorenz und Pascal mit einem Gläschen Rimuss Rosé an und schauen zurück auf das vergangene Jahr – immerhin das Gründungsjahr des Online-Politikmagazins Rathuus. Die Podcast-Gastgeber geben Auskunft darüber, was sie 2025 besonders bewegt hat. Sie verraten auch, mit welcher inneren Haltung sie auf das kommende Jahr blicken. Wenn vielleicht der Rückblick wegen der komplizierten Weltlage nicht immer nur positiv ist, freuen sich Lorenz und Pascal dafür umso mehr auf die anstehenden Monate. Mit der richtigen Einstellung sieht die Welt doch schon wieder etwas freundlicher aus.

    Und dann gibt es noch eine kleine Überraschung für alle, die es bis zum Ende der Folge durchhalten.

    Wie und wo kann man den Podcast hören?

    Der Rathuus-Podcast ist exklusiv für Abonnentinnen und Abonnenten zugänglich. Klicke hier, wenn du mehr zu unseren Abos erfahren möchtest.


  • 4 Minuten

    Absitzen, essen, gehen – Zürichs neue Restaurantkultur

    Zu sehen auf dem Bild ist das Restaurant Lulu beim Opernhaus Zürich. Das wegen seiner Farbe und form auch "Fleischkäse" genannte Restaurant wird seit etwa 16 Monaten vom Gastronomen Michel Péclard geführt.Das Restaurant Lulu am Sechseläutenplatz in Zürich: Wenn einer der Rathuus-Redaktoren essen geht, dann hat er was zu erzählen. Bild: Lorenz Steinmann

    Wenn die Stadt Zürich Michel Péclard ein Lokal verpachtet, kann eigentlich nichts schiefgehen. Das ist schon seit der „Pumpstation“ vor über 35 Jahren so. Doch wie der Gastronom mit Gästen im Restaurant Lulu direkt beim Opernhaus umgeht, ist gewöhnungsbedürftig. Ein Kommentar.

    Ein Samstagabend um 18 Uhr vor einigen Wochen. Der Schreibende hatte abgemacht mit seinem Schwager. Feines Essen, guter Wein, tiefgründige Gespräche. Bei der Reservation fürs Restaurant Lulu beim Opernhaus in Zürich hiess es im Online-Reservationstool, ob man später in die Oper oder ins Theater wolle. Antwort: Nein. Und so klickte ich mich durchs Menü und sagte auch stirnrunzelnd zu, dass ich 100 Franken zahle, wenn ich nicht erscheine.

    So weit, so gut. Das „Lulu“, über dem Bernhard-Theater gelegen, präsentierte sich ohne das früher eher steife Ambiente, dafür mit viel Kunst an den Wänden und einem selbstspielenden Klavierflügel. Das der Stadt Zürich gehörende Lokal wird seit gut 15 Monaten vom Gastrounternehmen von Michel Péclard geführt. Vorher lief das Edelrestaurant, das auch schon „Bernadette“ oder „Belcanto“ hiess, nie wirklich gut. Péclard gilt als Winnertyp, dem beruflich meistens alles gelingt. Begonnen hatte er seine Karriere 1998, als er ebenfalls von der Stadt Zürich das WC-Häuschen am See beim Bellevue mietete und daraus die bis heute florierende Goldgrube „Pumpstation“ schuf.


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    Und jetzt also wir im „Lulu“. Die Bedienung zuvorkommend, ein schöner Tisch am Fenster mit Blick über den See. Der Hauptgang (Filet mignon à 62 Franken und Sole meunière à 58 Franken) war genossen, die Mousse au Chocolat à 16 Franken bestellt. Doch um 19.40 Uhr brach plötzlich Hektik aus beim Servierpersonal. Kaum war das Dessert da, hiess es, man müsse zahlen. Der Tisch sei für eine Gruppe auf 20 Uhr reserviert.

    Dem Personal war es sichtlich peinlich. Weil die Flasche Tessiner Merlot (95 Franken) noch zu einem Drittel voll war, mussten wir insistieren. Und so wurden wir an die Bar beim Eingang bugsiert und schlürften unser letztes Glas halb stehend. Die Rechnung über 290 Franken hatten wir schon beglichen.

    Lieber lachen als schimpfen

    Wir lassen die ganze Sache lachend über uns ergehen. Wenn man wegen so etwas sauer wird, dann hat man ein zu grosses Ego.

    Und doch: Heute kam mir die Geschichte wieder in den Sinn. Auch die Antwort von Michel Péclard, dem Besitzer der gut 15 Péclard-Restaurants, zu denen auch das „Lulu“ gehört. Sie war ohne Zweifel offen und ehrlich.

    Zu sehen ist der Gastronom Michel Péclard.Der Erfolgsgastronom Michel Péclard wehrt sich und sagt, alles sei transparent abgelaufen. Bild: zvg

    „Wir investieren in die Weihnachtsbeleuchtung, Zelt, Kugel, alles zusammen 300’000 Franken pro Jahr. Das Ganze ist unglaublich teuer. Sie wissen ja auch, wie es momentan um die Gastronomie steht.“ Und weiter: „Damit wir diese Kosten irgendwie relativieren können, machen wir drei Seatings. Das können wir, da die Operngäste meist schon um 17.00 Uhr kommen und die anderen ab 22.00 Uhr. Das ist für uns natürlich ein Segen.“

    Laut Michel Péclard soll ich eine Bestätigung erhalten haben. Péclard: „Auf dieser Bestätigung steht genau, dass Sie den Tisch entweder von 17.00 bis 19.00 und 19.00 bis ca. 21.00 Uhr etc. haben. Also einfach zwei Stunden. Das bestätigen Sie ja auch bei der Reservation.“

    Nun gut, wohl mein Fehler. Ich habe aber heute das Reservierungsprozedere nochmals durchgespielt. Die Meldung mit den zwei Stunden erscheint kurz – aber erst ganz am Schluss, wenn man die Reservierung längst abgeschlossen hat. Bei der Bestätigung per E-Mail steht dann wieder nichts mehr von einem Zeitslot. Man kauft also quasi die Katze im Sack.

    Anders macht es beispielsweise das Restaurant „Lou’s Comfort Food“ im Kreis 3. Dort steht in der Bestätigungs-E-Mail klar: „Bitte beachte, dass Euer Tisch für 2 Stunden reserviert ist.“ Man solle das Restaurant kontaktieren, falls man länger bleiben möchte.

    Zu sehen ist die Reservationsbestätigung des Lulu, ohne Zeitslot.Auf der Reservationsbestätigung per E-Mail steht nichts von einem Zeitfenster. Bild: Lorenz Steinmann

    Für Michel Péclard hingegen hat alles seine Ordnung. Er verweist zudem auf die „Kronenhalle“ und Gastronom Nenad Mlinarevic („Bauernschänke“, „Brasserie Süd“, „Neumarkt“), „die dasselbe machen mit den 2-Stunden-Spots“.

    Péclard rät zum Schluss: „Nächstes Mal nehmen Sie doch einen Tisch ab ca. 20.30 Uhr – dann sind Sie sicher der letzte Tisch und können sitzen bleiben. Ich persönlich finde aber auch die Bar enorm schön. Nicht?“

    Und die Moral von der Geschicht? Beim Onlinebuchen muss man wirklich alle Infos ganz genau durchlesen – um Enttäuschungen zu vermeiden. Alternativ kann man einfach später essen gehen. Oder in die gute, normale Beiz ums Eck ausweichen (solange es diese noch gibt), in der man ohne Reservation einen Platz bekommt.


  • 4 Minuten

    Ho-la-di-o! Jodeln auf Hochschulniveau

    Ein älterer Mann hält ein Handy hoch und filmt einen Jodelchor. Auf dem Display des Smartphones ist der Jodelchor bei seinem Auftritt zu sehen.Am Schweizer Nationalfeiertag gehört Jodeln einfach dazu – so wie hier 2025 in Kloten. Mittlerweile hat es das Brauchtum sogar auf die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes geschafft. Bild: Pascal Turin

    Dem kulturellen Erbe Jodeln soll mehr Raum gegeben werden – und zwar nicht nur an 1.-August-Feiern: Mit einer Einzelinitiative fordert ein Bülacher, dass der Kanton Zürich eine Ausbildung für Jodeldirigentinnen und Jodeldirigenten anbietet.

    Die Probleme der Welt kann man damit wohl nicht lösen, aber es tut bestimmt gut, wenn im Kantonsrat für einmal ganz harmlose Themen diskutiert werden. Stefan Basler hat nämlich ein interessantes Anliegen: Er möchte, dass der Kanton Zürich an einer seiner Bildungsinstitutionen ein Hauptfach mit Jodel und insbesondere mit dem Schwerpunkt Dirigentenausbildung anbietet. Dafür hat der Bülacher SVP-Politiker eine Einzelinitiative eingereicht.

    „Seit 2011 bin ich im Jodelklub Bülach und stelle fest, Neugründungen von Jodelvereinen sind eher die Ausnahmen als die Regel“, schreibt Basler. Es gebe aus seiner Sicht zwei Hauptursachen für diesen Trend: fehlende Dirigenten und fehlender Nachwuchs. Aktuell sei der Jodelklub Bülach betreffend Mitglieder nicht schlecht aufgestellt, habe aber noch Luft nach oben, heisst es in der Einzelinitiative weiter. Sorgen mache dem Verein eher die Situation mit dem Dirigenten. Der sei super, aber leider auch schon über 70 Jahre alt. „Da stellt sich automatisch die Frage für uns, wie gestaltet sich die Zukunft?!“ Aus seiner Sicht wird dieses Problem nicht nur der Jodelklub Bülach zu bewältigen haben, sondern es betrifft auch andere Jodelvereine.

    „Die zumeist konservativen Wähler werden es Ihnen danken, wenn Sie sich für den Erhalt unseres Kulturgutes einsetzen“, so Stefan Basler in seiner Einzelinitiative.


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    Es ist nicht seine erste Einzelinitiative

    Der Initiant verweist als mögliche Lösung auf Luzern. Das Departement Musik der Hochschule Luzern bietet dort seit Herbst 2018 ein Hauptfach „Jodel“ an. Stefan Basler schlägt darum vor, dass an einer Ausbildungsinstitution des Kantons ein ähnlicher Lehrgang eingeführt wird – mit dem Hauptaugenmerk auf die Dirigentenausbildung. „Die Bildungspolitik obliegt den Kantonen und somit wäre der Kantonsrat gefragt, hier aktiv zu werden. Die zumeist konservativen Wähler werden es Ihnen danken, wenn Sie sich für den Erhalt unseres Kulturgutes einsetzen“, schreibt der Bülacher.

    Im Kantonsrat braucht es 60 Mitglieder, damit eine Einzelinitiative an den Regierungsrat überwiesen wird. Dieser legt dem Parlament Bericht und Antrag vor. Der Kantonsrat stimmt anschliessend über die Initiative ab. Doch dieser Ablauf ist Stefan Basler sicher gut bekannt. So reichte er Anfang Jahr eine Einzelinitiative mit dem Titel „Steigerung der Attraktivität von politischen Milizämtern in den Gemeinden“ ein. Das Begehren erhielt allerdings nur 24 Stimmen und wurde deshalb nicht vorläufig unterstützt.

    Dafür errang Basler 2024 einen Achtungserfolg mit einer anderen Einzelinitiative. Das Mitglied der Bülacher Sozialhilfebehörde forderte Massnahmen des Kantons zur Erhöhung der Rückzahlungsquote bei der Alimentenbevorschussung. „In seinem Vorstoss bemängelt er, dass der Kanton zu wenig unternimmt, um die von den Gemeinden bevorschussten Alimente zurückzufordern“, schrieb der „Zürcher Unterländer“ damals. Zu einer Alimentenbevorschussung komme es, wenn die gerichtlich oder vertraglich festgelegten Kinderalimente vom zahlungspflichtigen Elternteil nicht oder nicht vollständig bezahlt würden. „71 Personen unterstützen die Forderung nach mehr Hartnäckigkeit beim Eintreiben von Alimenten“, so die Tageszeitung.

    Am Ende lehnten jedoch der Regierungsrat, die Kommission für Bildung und Kultur und der Kantonsrat die Initiative ab.

    „Das Jodeln ist äusserst beliebt und wird in Familien, Vereinen, Musikschulen oder einfach unter Sängerinnen und Sängern weitergegeben“, so das Bundesamt für Kultur in einer Mitteilung.

    Es war ein grosser Tag für die Jodelszene

    Doch zurück zum Jodeln. Rückenwind dürfte dem Anliegen ein Entscheid der Unesco geben. Die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization hat nämlich kürzlich das Jodeln in ihre Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Auf der Kulturerbe-Liste befindet sich unter anderem bereits das Winzerfest in Vevey oder die Basler Fasnacht.

    „Das Jodeln ist äusserst beliebt und wird in Familien, Vereinen, Musikschulen oder einfach unter Sängerinnen und Sängern weitergegeben“, schreibt das Bundesamt für Kultur dazu in einer Mitteilung. Über 12’000 Jodlerinnen und Jodler seien Mitglied einer der 711 Gruppen des Eidgenössischen Jodlerverbands, doch die Praxis werde auch ausserhalb von Vereinen und Chören gepflegt. „Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler lassen sich ebenfalls davon inspirieren, was die Lebendigkeit einer sich ständig weiterentwickelnden Tradition bestätigt“, heisst es im Pressetext weiter.

    Freuen darf sich insbesondere Nadja Räss. Sie ist Professorin und leitet den Studienbereich Volksmusik an der Hochschule Luzern. Der Sender Musikwelle des Schweizer Radio und Fernsehens wollte von ihr wissen, welches Gefühl der Unesco-Entscheid in ihr als Jodlerin auslöst: „Es ist ein unglaublich gutes Gefühl. Ich durfte beim ganzen Einschreibungsprozess mitarbeiten. Es ist wie vorgezogene Weihnachten.“ Räss leitet den Jodlerklub Waldstatt-Echo Einsiedeln. „Jodeln ist für mich unsere fünfte Landes­sprache“, sagte die Gesangspädagogin gegenüber der Zeitschrift Glückspost.

    Begeisterung ist also da – ein Studiengang im Kanton Zürich aber noch nicht. Ob bald Jodeln auf Hochschulniveau an der Zürcher Hochschule der Künste oder anderswo gelehrt wird, ist offen. Klar ist: Jodeln kann man auch ohne Vorlesungen oder Seminare. Und sollte der Kantonsrat kein Musikgehör beweisen, können Jodlerinnen und Jodler mit Studienwunsch weiter nach Luzern ausweichen.


  • 5 Minuten

    So überstehst du Weihnachten und Silvester ohne Zoff

    Flötenspielende Kinder sitzen in Eintracht in einem Bauernhaus vor einem durch Kerzen hell erleuchteten Weihnachtsbaum.O du fröhliche, o du selige: So idyllisch sind die Festtage nicht immer, aber das Bild von 1979 strahlt auf alle Fälle Weihnachtsmagie aus. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_LC1458-001-001

    Familientreffen, Freunde, Festessen – und bloss nicht schon wieder über das Wetter reden. Wie du über die Festtage glänzen kannst, ohne Streit zu riskieren. Rathuus liefert dir vier Ideen für politisch angehauchte Gespräche und entspannte Abende.

    Sie kommen immer näher, die Tage an denen wir mit Verwandten und Bekannten zusammenkommen und manchmal ein Lächeln aufsetzen, obwohl es in uns längst brodelt. An Weihnachten, aber auch an Silvester, kann die Stimmung rasch kippen, wenn das Gespräch auf heikle Themen gelenkt wird. Wer den Abend also endgültig zum Kochen bringen will, der spricht die SVP-wählende Tante aus Neerach auf die umstrittene „Keine 10-Millionen-Schweiz”-Initiative an – oder fragt den Stadtzürcher Cousin, frisch bei der Juso, warum die Erbschaftssteuer-Initiative so krachend gescheitert ist.

    Aber ganz auf politische Gespräche zu verzichten, ist illusorisch. Was bliebe sonst – Sport und das Wetter? Darum liefert Rathuus Gesprächsstoff mit Zürich-Bezug für entspannte Abende ohne Zoff. Zumindest in der Theorie.


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    1. So steht es um die Freiwilligenarbeit

    Es ist eine interessante Auswertung, die das Statistische Amt Kanton Zürich veröffentlicht hat. Demnach verrichteten fast 40 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons ab 15 Jahren im Jahr 2024 unbezahlte Freiwilligenarbeit. „Sie engagierten sich in Organisationen oder Vereinen und leisteten Nachbarschaftshilfe, pflegten Erwachsene oder betreuten Kinder aus anderen Haushalten“, schreibt das Statistische Amt. Diese Engagements sind unbezahlt – allerdings sind symbolische Entschädigungen oder Spesenvergütungen nicht ausgeschlossen.

    Wie es in der Mitteilung weiter heisst, leisteten rund 27 Prozent der Zürcher Einwohnerinnen und Einwohner informelle Hilfe und Unterstützung in der Nachbarschaft, im Freundeskreis oder in der Verwandtschaft. Dazu zählen die Betreuung von Enkelkindern, Einkaufs- oder Fahrdienste oder die Pflege von Verwandten oder Bekannten.

    Spannend ist, dass das Engagement in Vereinen und Organisationen, die sogenannte institutionalisierte Freiwilligenarbeit, bei Männern und Frauen vergleichbar verbreitet ist. Aber: Frauen leisten signifikant häufiger informelle Freiwilligenarbeit als Männer. Letzteres sollte man am Esstisch vermutlich nur dann erwähnen, wenn man Diskussionen anzetteln will.

    „Mit der neuen Velostation Stadelhofen haben wir einen weiteren Meilenstein in der Veloförderung erreicht“, sagt SP-Stadträtin Simone Brander.

    2. So sieht die Velostation Stadelhofen aus

    Kürzlich haben Stadträtin Simone Brander und Stadtrat André Odermatt (beide SP) gemeinsam mit Frederick Widl, Leiter Immobilien bei der Versicherung Axa Schweiz, die Velostation Stadelhofen eröffnet. Diese befindet sich unter dem eleganten neuen Gebäude des Architekten Santiago Calatrava und bietet rund 800 Abstellplätze.

    „Mit der neuen Velostation Stadelhofen haben wir einen weiteren Meilenstein in der Veloförderung erreicht. Die Velofahrenden können ihr Velo nun auch am Bahnhof Stadelhofen trocken und sicher abstellen“, lässt sich Stadträtin Brander in der Mitteilung zitieren. Sie ist als Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements auch für die Veloförderung in der Limmatstadt zuständig. Hochbauvorsteher Odermatt ergänzt: „Mit der Velostation Stadelhofen verbinden wir herausragende Architektur mit praktischem Nutzen. Dank der Verbindung zum Bahnhof kommen die Velofahrenden noch schneller zu den Gleisen.“

    Viele leere Veloständer in einem unterirdischen Raum.Blick in die Velostation Stadelhofen: So viel Platz hat es hier für Fahrräder. Bild: Tiefbauamt

    Wer mit dem Velo eine Probefahrt machen will, erlebt ein typisches Parkhaus-Feeling, wie man es eher vom Autofahren her kennt. Recht enge Kurven, drei Parketagen und eine gewisse dumpfe Leere sorgen für ein spezielles Erlebnis. Es gibt übrigens vom Veloparkhaus einen direkten Durchgang zur Ladenpassage. Da herrscht aber Fahrverbot.

    Im Erdgeschoss des Calatrava-Neubaus, dessen Besitzerin die Anlagestiftung der Axa ist, hat die Confiserie Bachmann aus Luzern eine Filiale eingerichtet. Kauftipp für alle Fleischesserinnen und Fleischesser: das kleine Silser-Salami-Sandwich.

    3. So wohl fühlt sich der Biber bei uns

    Das Amt für Landschaft und Natur, das zur Baudirektion gehört, hat tierische Zahlen veröffentlicht. Im Kanton leben laut dem neusten Bibermonitoring rund 520 Biber in 165 Revieren. „Der Bestand des einst ausgerotteten Nagers ist damit erneut gewachsen, seit der ersten Erhebung 2008 hat er sich mehr als verdreifacht“, heisst es in einer Mitteilung. Der Zuwachs habe sich allerdings in den letzten fünf Jahren abgeflacht und sei bei der Erhebung 2022 sogar leicht rückläufig gewesen. „Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Revierdichte im Norden des Kantons hoch und das Lebensraumpotenzial allmählich ausgeschöpft ist“, schreibt die Baudirektion.

    Der Biber breitet sich nun zunehmend in den südlichen Kantonsteil aus, wo er gemäss Mitteilung bis vor kurzem kaum nachgewiesen wurde. „In den letzten Jahren sind viele neue Reviere dazugekommen, beispielsweise entlang der Sihl und der Limmat“, so der Kanton. Aber auch am Zürichsee hätten bei Wollishofen und Meilen neue Biberreviere verzeichnet werden können.

    Der Biber gilt als „Baumeister der Natur“. Er gestaltet die Landschaft aktiv mit und fördert damit die Biodiversität. Wo er sich niederlässt, verdoppelt sich laut der Baudirektion die Artenvielfalt und vervielfacht sich die Anzahl der Tiere und Pflanzen insgesamt. Der Kanton lässt alle drei Jahre erheben, wo sich Biber angesiedelt haben. Freiwillige Helferinnen und Helfer schreiten dafür alle relevanten Gewässerabschnitte ab und halten Ausschau nach Biberspuren.

    4. So viele Plätze bietet das Restaurant Bruderhaus

    Gute Nachrichten für Ausflüglerinnen und Ausflügler: Bei kaltem oder nassem Wetter war der Innenraum des Restaurants Bruderhaus im gleichnamigen Wildpark bisher stark ausgelastet. Nach rund neun Monaten Bauzeit wurde nun aber die Erweiterung des Restaurants erfolgreich abgeschlossen, wie die Stadt Winterthur in einer Medienmitteilung schreibt. Die Gaststube wurde um dreissig Sitzplätze erweitert und bietet neu insgesamt Platz für 88 Gäste. Der Stadtrat hatte für das Bauprojekt einen Kredit von zwei Millionen Franken genehmigt.

    „Mit dem Ausbau der Gaststube und dem neuen Aussenausschank kann der Betrieb des Restaurants ganzjährig flexibler und attraktiver gestaltet werden“, lässt sich SP-Stadtrat Kaspar Bopp, Vorsteher des Departements Finanzen, im Communiqué verlauten. Gerade in der kälteren Jahreszeit würden die Besuchenden des Wildparks und die weiteren Gäste von mehr Platz und einem verbesserten Angebot profitieren.

    Rotes Restaurantgebäude, ein Willkommensschild steht vor der Eingangstür. Ein gepflasterter Bereich erstreckt sich bis zu einem Aussenbereich mit Sitzplätzen.Das Restaurant Bruderhaus in Winterthur ist ein beliebtes Freizeit- und Ausflugsziel. Bild: Stadt Winterthur

    Laut Mitteilung orientiert sich die Erweiterung – realisiert als reiner Holzbau – gestalterisch am bestehenden Gebäude. Der Anbau soll Elemente der ursprünglichen Trinkhalle aus dem frühen 19. Jahrhundert aufnehmen. Im Aussenbereich ist zudem ein dauerhafter Ausschank entstanden, der bereits seit Juni in Betrieb ist. Der Wildpark Bruderhaus gehört der Stadt Winterthur und befindet sich im Quartier Heiligberg. Hier leben Wölfe, Mufflons, Wisente, Luchse und Wildschweine. Der Eintritt ist frei.

    Und falls das Gespräch an den Festtagen doch einmal in einen Streit zu kippen droht: tief durchatmen und elegant das Thema wechseln. Im Notfall bleibt immer noch der Schneemangel oder die aktuelle Tabellensituation des FC Zürich.


  • 7 Minuten

    Bei ihm stehen Familie und konservative Werte an erster Stelle

    Thomas Lamprecht trägt einen schwarzen Mantel, er steht in einem Durchgang zu seiner Schreinerei und lächelt freundlich in die Kamera.Der EDU-Politiker Thomas Lamprecht (59) wohnt in Bassersdorf und sitzt seit 2018 im Kantonsrat. Der Schreinermeister und Inhaber eines KMU ist Vizepräsident der EDU Schweiz. Bild: Pascal Turin

    Thomas Lamprecht ist Inhaber einer Schreinerei. Der EDU-Kantonsrat und Vizepräsident der EDU Schweiz setzt sich für Kleinunternehmen, Eigenverantwortung und traditionelle Familienwerte ein. Dass er mit seinen christlich-konservativen Ansichten bei einigen durchaus aneckt, nimmt der Bassersdorfer in Kauf.

    Es riecht nach Holz, überall stehen Maschinen herum, der Boden ist tipptopp geputzt und ein Mitarbeiter blickt rasch von seiner Arbeit hoch. „Grüezi“, sagt er knapp und wendet sich wieder seinem Projekt zu. „Ich führe den Schreinerbetrieb in vierter Generation“, sagt Thomas Lamprecht während einer kurzen Führung durch die Räumlichkeiten der Lamprecht Schreinerei in Bassersdorf. Er steht aber kaum mehr an den Maschinen in der Werkstatt. „Ich bin Unternehmer, hole die Aufträge rein, bin für die Produktionsplanung zuständig“, erklärt der EDU-Politiker.

    2011 ist Lamprecht von der Eidgenössisch-Demokratischen Union – kurz EDU – angefragt worden, ob er auf ihrer Liste kandidieren möchte. Seit 2018 vertritt der 59-Jährige nun die christlich-konservative Kleinpartei im Zürcher Kantonsrat. „Die Politik hat mich schon immer interessiert. Ich habe vor meiner politischen Karriere EDU und SVP gewählt“, hatte er einmal in einem Interview mit dem Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten gesagt.


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    Nur einen kurzen Fussmarsch vom Schreinerbetrieb entfernt befindet sich der Dorfplatz von Bassersdorf. Hier haben Migros und Coop ihre Filialen. An dem zentral gelegenen Ort in der Gemeinde mit rund 12’000 Einwohnerinnen und Einwohnern finden regelmässig Veranstaltungen statt, darunter der Chlausmärt oder der offizielle Festakt zum 1. August. Wer gern etwas trinken oder Kleines essen möchte, ist in „Lienis Kafi“ richtig. Das Café wirkt trotz seiner modernen Einrichtung gemütlich. An diesem Nachmittag sitzen ein paar ältere Bassersdorfer mit einer Stange vor sich im Lokal.

    Die Kleinpartei EDU hält sich seit 50 Jahren

    Thomas Lamprecht setzt sich in „Lienis Kafi“ an eines der Tischchen bei den grossen Fenstern. Von hier aus kann man das Treiben auf dem Dorfplatz beobachten. Heute ist allerdings wegen des eher durchzogenen Wetters wenig los. Die Leute eilen mit ihren Einkaufstaschen in die Läden. Der Kantonsrat bestellt einen Kaffee und erzählt, wieso er in die EDU eingetreten ist. „Die Partei steht für die Werte ein, die mir wichtig sind. Dazu gehören die Familie und bürgerliche Politik“, so der Vater dreier Kinder.

    Die EDU wurde vor 50 Jahren gegründet. Im Mai fand in Huttwil im Kanton Bern eine grosse Jubiläumsfeier statt. „Über 600 Gäste erlebten einen abwechslungsreichen Tag, der ihnen noch lange in Erinnerung bleiben dürfte“, freute sich die Partei in einem Bericht auf ihrer Website. Als positives Fazit lasse sich feststellen: Die EDU sei gekommen, um zu bleiben – und sie sei im Jubiläumsjahr 2025 so stark verankert wie nie zuvor.

    „Es ist eine konservative, evangelikale Kleinpartei, die vor allem Wählerinnen und Wähler aus dem kirchlichen Milieu anspricht“, heisst es in einem Artikel auf der News-Website des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF). „Anders als viele andere Kleinparteien, die mittlerweile von der nationalen Politbühne verschwunden seien, ist die EDU derzeit mit zwei Nationalräten im Bundeshaus vertreten“, so das SRF weiter. Einer davon ist Erich Vontobel aus Bubikon, der auch lange im Kantonsrat sass.

    Dass sich die EDU als kleine Partei so lange halten konnte, liegt wohl unter anderem an der treuen Wählerschaft. Im Kantonsrat ist die EDU mit drei Personen vertreten – zur Bildung einer Fraktion sind mindestens fünf Kantonsratsmitglieder nötig. Die EDU hat sich darum der SVP-Fraktion angeschlossen und ist dort klar die Juniorpartnerin. „Wir unterscheiden uns inhaltlich häufig nicht stark von der SVP. Bei uns sind aber die Ausländer ein weniger wichtiges Thema, dafür Familien und die Finanzierung von Kindern“, sagt Lamprecht. Und man unterscheide sich manchmal im Ton. „Wir sind eher gemässigter“, fügt er mit einem Lächeln an.

    Thomas Lamprecht ist bewusst, dass man als Mitglied einer Kleinpartei Beziehungen pflegen muss. „Mir fällt es zum Glück einfach, auf neue Leute zuzugehen.“ Bild: Pascal Turin

    Lamprecht kämpft für Flüsterbeläge

    Auffallend ist seine besonnene Art. Bevor Lamprecht redet, überlegt er genau, was er sagen wird. „Wer uns wählt, weiss, für welche Werte wir stehen“, so der Vizepräsident der EDU Schweiz. Ihm sei der Glaube wichtig. „Die christlichen Werte haben unser Land geprägt – doch das geht zusehends vergessen.“ Er verweist auf den Bundesbrief von 1291, der mit „In Gottes Namen. Amen.“ beginne.

    Lamprecht ist bewusst, dass man als Mitglied einer Kleinpartei Beziehungen pflegen muss. „Mir fällt es zum Glück einfach, auf neue Leute zuzugehen.“ Man wolle ja vielleicht einmal einen gemeinsamen Vorstoss machen. „Um Mehrheiten beschaffen zu können, braucht es gute Kontakte zu anderen Parteien“, ist der Politiker, der in der Aufsichtskommission über die wirtschaftlichen Unternehmen sitzt, überzeugt. Vernetzung hält er generell für wichtig – auch im Geschäftsleben. Darum sei seine Firma Mitglied im Gewerbeverein Bassersdorf Nürensdorf.

    Für eines seiner Herzensthemen hat er im bürgerlichen Lager bereits mehrfach parteiübergreifende Unterstützung organisieren können. Ihm sind sogenannte Flüsterbeläge – also lärmarme Strassenbeläge – ein wichtiges Anliegen. So reichte er schon 2020 mit Sandra Bossert (SVP) und Barbara Franzen (FDP) ein entsprechendes Postulat ein. Darin wurde der Regierungsrat dazu aufgefordert, einen Bericht zu erstellen, wie eine Lärmsanierung durch Flüsterbeläge im Kanton Zürich umgesetzt werden könne.

    Gemeinsam mit SVP-Kantonsrat Domenik Ledergerber und Mitte-Kantonsrat Josef Widler doppelte er dann 2022 mit einer entsprechenden parlamentarischen Initiative nach. Lamprecht und seine Mitstreiter wollten erreichen, dass vermehrt lärmarme Strassenbeläge verlegt werden. Damit sollte verhindert werden, dass Wohnbauprojekte wegen überschrittener Lärmschutzgrenzwerte gestoppt werden. Das Parlament hatte die parlamentarische Initiative zuerst vorläufig unterstützt, die dafür zuständige Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt empfahl dann aber die Ablehnung. Die Kommission kam zum Schluss, dass das Anliegen der parlamentarischen Initiative in der heutigen Praxis bereits umgesetzt wird.

    Das Parlament folgte der Empfehlung der Kommission. „Aus meiner Sicht ist das schade, gerade auf Hauptstrassen finde ich Flüsterbeläge statt Tempo 30 sinnvoll“, sagt Lamprecht.

    Vielleicht erhält das Thema jetzt neuen Aufwind: Nach dem Ja zur Änderung des Strassengesetzes beziehungsweise zur Umsetzung der Mobilitätsinitiative bestimmt künftig der Kanton über die Geschwindigkeit auf Hauptstrassen.

    „Es wird sicher wieder ein Hosenlupf, aber ich freue mich schon auf den Wahlkampf“, sagt Thomas Lamprecht.

    Das Gender-Thema treibt ihn um

    Doch während Flüsterbeläge wahrscheinlich viele Zürcherinnen und Zürcher gut finden dürften, eckt Thomas Lamprecht mit einem anderen Anliegen deutlich stärker an. Die prominent platzierten Schlagworte „Gender-Wahnsinn stoppen“ auf seiner Website fallen auf – und dürften wohl beim einen oder anderen für Stirnrunzeln sorgen. Für den Bassersdorfer ist klar, dass das biologische Geschlecht „eine natürliche Tatsache“ sei. „Viele Teenager machen generell eine schwierige Zeit durch. Ich finde, ein Teil der Gesellschaft versucht ihnen in dieser heiklen Phase der Entwicklung ihr Weltbild überzustülpen“, erklärt der Politiker. Er wehre sich dagegen, „dass unsere Schulen von radikalen Ideologen unterwandert werden“.

    Darum hat er beispielsweise 2022 mit EDU-Parteikollegen einen Vorstoss zum Thema Gender-Toiletten eingereicht, in dem es hauptsächlich um die genderneutralen Toiletten an Stadtzürcher Schulen ging. „Dass Pissoir teilweise wegfallen, scheint uns der Gender-Gleichmacherei geschuldet. Eine Ideologie im linken Kulturkampf“, heisst es in der Anfrage. Ein anderer Vorstoss von 2023 trägt den provokanten Titel „Der Transgender-Wahn verführt unsere Töchter“. Auch diese Anfrage ist von Kantonsrat Hans Egli sowie von alt Kantonsrat und heutigem Nationalrat Erich Vontobel (beide EDU) mitunterzeichnet.

    Ist das als eine bewusste Provokation zu verstehen? Darauf angesprochen sagt der Politiker nach kurzem Zögern, dass ihm durchaus klar ist, dass er mit seiner Haltung heutzutage aneckt: „Natürlich ist das ein polarisierendes Thema zwischen links und rechts.“ Er habe aber wenige Reaktionen erhalten – und wenn dann eher positive.

    In eineinhalb Jahren finden im Kanton die Erneuerungswahlen des Kantonsrates und des Regierungsrates für die Amtsdauer 2027 bis 2031 statt. Der Regierungsrat hat kürzlich den Termin auf den 4. April 2027 festgelegt. Auch Lamprecht will dann wieder antreten. „Es wird sicher wieder ein Hosenlupf, aber ich freue mich schon auf den Wahlkampf“, so der Politiker, der in seiner Freizeit im Turnverein Sport treibt oder gern mit seiner Frau tanzen geht. „Die EDU hat Potenzial, da kann man noch was rausholen.“ Und weil die EDU überschaubar gross sei, könne man als einzelne Person viel bewegen. „Das motiviert mich“, betont Thomas Lamprecht, bevor er sich verabschiedet und „Lienis Kafi“ in Richtung seiner Schreinerei verlässt.


  • Gehört die Pensionierung abgeschafft? Ein renommierter Journalist findet: ja

    Zu sehen ist das Cover des neuen Buches von Felix E. Müller. "Schafft die Pensionierung ab".Der Titel „Schafft die Pensionierung ab“ ist provokativ, wie man es von einem Journalisten erwarten darf. Der Inhalt des Buchs ist aber differenziert. Kritisiert werden die Linken, aber auch unser starres Rentensystem. Bild: Lorenz Steinmann

    Auf den ersten Blick ist Felix E. Müllers Streitschrift „Schafft die Pensionierung ab“ primär eine Provokation an die Linken. Doch der ehemalige Chefredaktor der „NZZ am Sonntag“ analysiert unser starres Rentensystem durchaus fundiert – und er schlägt einen Bogen zur SVP-Initiative „Keine 10-Millionen-Schweiz”.

    Der 74-jährige Felix E. Müller aus Zürich kann gut reden, ist man versucht zu denken. Er verdiente als Spitzenkraft im Journalismus lange Zeit mehrere hunderttausend Franken pro Jahr. Zudem musste er nicht einem körperlichen Verschleissjob auf einer Baustelle nachgehen. Kein Wunder, sorgte seine Forderung für hitzige Diskussionen: Müller möchte nichts weniger als die Pensionierung ganz abschaffen. Er hat ein 160-seitiges, handliches Buch verfasst, dessen Lektüre sich durchaus lohnt. Denn die „Streitschrift“ (so der Untertitel) wägt ab und belässt es nicht bei einer Entweder-Oder-Sichtweise. Doch alle sollen selbst bestimmen, wie lange sie arbeiten, so sein Credo.

    Der ehemalige „NZZ am Sonntag“-Chefredaktor spricht von Altersdiskriminierung und volkswirtschaftlichem Unsinn. Die SP-Nationalrätin und ehemalige Stabschefin von SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch, Céline Widmer (47), hielt auf dem Lokalsender Tele Züri dagegen. Sie findet diesen Vorschlag weltfremd. Widmer, die für die Gesamterneuerungswahlen des Stadtrats von Zürich am 8. März 2026 kandidiert, argumentierte, Müllers Idee laufe auf ein noch späteres Pensionsalter hinaus als heute. Büetzerinnen und Büetzer aber hätten ein wohlverdientes Rentnerdasein verdient nach einem strengen Arbeitsleben.

    Doch hier hakt Felix E. Müller ein. So kritisiert er das sehr starre Schweizer Rentensystem bei der AHV und im Besonderen bei der zweiten Säule, der obligatorischen betrieblichen Vorsorge. Und er ist überzeugt, dass Arbeit vielen Menschen Spass macht. Er widerspricht den Sozialdemokraten und den Grünen, welche Arbeit aus Sicht von Müller vor allem als Last sehen.

    Zuerst zur Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV). Diese ist seit deren Einführung 1948 nie umfassend reformiert worden, obwohl seither die Lebenserwartung massiv gestiegen ist. „In der Schweiz pensionieren wir nach wie vor schematisch und pauschal“, ist Müller überzeugt. 1948 lag die Lebenserwartung bei den Männern bei 65 Jahren, bei den Frauen bei 70 Jahren. 2024 sterben Männer im Schnitt erst mit 82,4 Jahren, Frauen gar erst mit 85,9 Jahren. Dass das Pensionierungsalter immer noch so sei „wie zu Bismarcks Zeit“, stört Felix E. Müller gewaltig. Damals, als laut Müller die „Kamine schloteten und ein guter Teil der Arbeiter viel schuftete, wenig verdiente und unter schlechten hygienischen und gesundheitlichen Bedingungen lebte“.

    Das ist aber längst vorbei.


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    Teilzeitarbeit wird in der Schweiz bestraft

    Laut Müller werde zumindest in der Schweiz fast keine harte und zehrende industrielle Arbeit mehr verrichtet. Das mag falsch sein. Doch immerhin spricht sich Müller dafür aus, dass nach einem sehr langen Arbeitsleben (im Minimum 42 Jahre) eine recht frühe Rente möglich sei. Er zieht dazu das Beispiel von Dänemark bei, wo man sich maximal sechs Jahre vor 65 pensionieren lassen kann. Wo man aber die Pensionierung auch um maximal 10 Jahre aufschieben kann, was zu einer höheren Pension führt. Oder in Norwegen, wo man als Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin eine Zeitspanne zwischen 62 und 75 hat. Eine staatliche Rente erhält man mit 67, unabhängig davon, ob man weiterarbeitet oder nicht. Ähnliches ist in Schweden möglich, wo bis zum 69. Lebensjahr ein Recht besteht, zu arbeiten.

    Das Stichwort „Lebensarbeitszeit“ wie in Dänemark geistert auch in der Schweiz seit Längerem herum, passiert ist bisher aber nichts. So muss der Plättlileger oder der Strassenbauer gleich lang arbeiten wie der Bürolist oder die Bibliothekarin. Dazu kommt der Widerspruch, wenn Teilzeitarbeit als Heilsbringerin proklamiert wird, meist von linker Seite.

    Denn Teilzeitarbeitende werden finanziell oft abgestraft, weil Arbeitgebende allermeistens den sogenannten Koordinationsabzug voll berücksichtigen. Der Koordinationsabzug entspricht dem Teil des Lohnes, der in der Regel bereits durch die AHV/IV abgedeckt ist. Dieser Abzug stellt also sicher, dass Lohnteile nicht doppelt versichert sind. Aktuell beträgt der Koordinationsabzug 26’460 Franken. Wenn man beispielsweise 70’000 Franken brutto im Jahr verdient, beträgt der versicherte Lohn in der Pensionskasse 43’540 Franken. In der Regel wird der volle Koordinationsabzug für Voll- und Teilzeitbeschäftigte angewendet. Das ist einer der Gründe, weshalb die berufliche Vorsorge vieler Teilzeitarbeitenden und vor allem von Frauen ungenügend ist.

    Auf dem Bild sieht man ein älteres Ehepaar mit dem Enkel, wie die drei aus dem Zug schauen.Zeit für die Enkel – ist so ein (Symbol-)Bild typisch für ältere Menschen? Laut Felix E. Müller ist es ein Klischee, das heute nicht mehr der Realität entspricht. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_LC2266-001-003

    Für Müller ist klar, dass die SP damit die Immigration befeuere und letztlich die SVP stärke, „die in der Zuwanderungspolitik einen grobschlächtigen und undifferenzierten Kurs verfolgt“.

    Bei der zweiten Säule kritisiert Müller das Abgabesystem, weil Arbeitnehmende zu Beginn der Berufslaufbahn 7 Prozent und bis zum 65. Lebensjahr maximal 18 Prozent in die zweite Säule abführen müssen. So haben Arbeitgeber keinerlei Interesse, ältere Arbeitnehmende möglichst lange zu beschäftigen. Im Gegenteil werden laut Müller Frühpensionierungen favorisiert, trotz Fachkräftemangel und der anstehenden SVP-Initiative, welche die Einwanderung beschränken will („Keine 10-Millionen-Schweiz!“). Müller schreibt dazu, im Konzept von SP-Bundesrat Beat Jans zur Bekämpfung dieser Initiative finde sich „kein einziger Vorschlag, um die Situation älterer Stellensuchender zu verbessern“.

    Strategien, um die bessere Ausschöpfung des Arbeitskräftepotenzials der Ü65 zu entwickeln, suche man ebenfalls vergeblich. Für Müller ist klar, dass die SP damit die Immigration befeuere und letztlich die SVP stärke, „die in der Zuwanderungspolitik einen grobschlächtigen und undifferenzierten Kurs verfolgt“.

    Er kritisiert das Vermögenszentrum

    Generell prangert Müller die Personalabteilungen an, welche sich das Leben möglichst einfach machen wollten. Und die Politik, dass es bei flexiblen Lösungen nicht vorwärts gehe. Hier seien es vor allem die Linken, welche das Bild der ausgepumpten Seniorinnen und Senioren zementierten. Man habe ein Leben lang „gechrampft“, nun dürfe man den Lebensabend geniessen – und ja, allenfalls die Enkel hüten. Etwas, was Felix E. Müller zwar laut eigenen Angaben auch gerne tut. Er sieht sich aber noch voll im Saft, schreibt Bücher, war nach seiner Pensionierung (mit 68 bei der NZZ) zum Beispiel noch bis 2024 Präsident des Zurich Film Festival. 2023 wurde er zum Stiftungsratspräsidenten des MAZ – Institut für Journalismus und Kommunikation gewählt (ehemals Medienausbildungszentrum in Luzern).

    Immerhin vermag sich Müller durchaus in einen 65-Jährigen zu versetzen, der eben die erste AHV und die erste Rente aus der zweiten Säule bekommt. „Weil man mit dem Weiterarbeiten eine höhere Steuerbelastung riskiert, hört man lieber ganz auf“, ist der ehemalige Spitzenhandballer überzeugt. Kein gutes Zeugnis stellt er dazu dem auf das Thema Pensionierung spezialisierten Vermögenszentrum – kurz VZ – aus. Dieses warne „vor kostspieligen Steuerfallen“ bei einer Weiterarbeit.

    Felix E. Müller beweist, dass er Trends durchaus erkennt und zeitlich trotz fortgeschrittenem Alter nicht stehengeblieben ist. Er beschreibt, dass die Trennung zwischen Arbeit und Nichtarbeit immer unklarer werde. Er zitiert eine Netflix-Serie, die aufzeigt, wie die Generation Z grossen Wert auf Selbstoptimierung lege. „Man verzichtet etwa im Interesse einer grösseren persönlichen Freiheit auf eine Festanstellung und arbeitet an einzelnen Projekten, mal intensiv, mal weniger, mal am Tag, mal in der Nacht.“

    Wenn die Arbeit keine klar definierte Sphäre mehr darstelle, dann betreffe diese Sichtweise auch das, was sich aus dem Konzept der festangestellten beruflichen Tätigkeit zwingend ergebe: das Ausscheiden aus dieser Sphäre. „Dieses findet dann einfach nicht mehr statt“, erklärt Müller. Und so ist für ihn klar: „Die Pensionierung gehört abgeschafft!“

    Pflichtlektüre für die Politik

    Fazit: Es lohnt sich, das erfrischend kurz gehaltene Sachbuch zu lesen. Damit verschafft man sich gutes Wissen, gerade im fortgeschrittenen Alter, wie jenem des Schreibenden (60). Dass manchmal die Autorensicht eines Akademikers mit wohl sehr gutem Finanzpolster spürbar ist, stellt kein Problem dar. Denn Felix E. Müller überrascht mit Sichtweisen oder zumindest mit Beobachtungen, die auch von gemässigten Sozialdemokraten stammen könnten. Hin und wieder hat es Abschnitte mit ein wenig gar vielen Zahlen, zumindest für diese Rezension waren sie aber hilfreich. Das Büchlein sollte Pflichtlektüre sein – zumindest für den National- und den Ständerat. Und für die HR-Abteilungen grösserer Verwaltungen und Firmen.

    Felix E. Müller, Schafft die Pensionierung ab, 2025, Voima Verlag, 28,80 Franken.

    Länger arbeiten? So schaut es im Kantonsrat und im Stadtzürcher Gemeinderat aus

    Eins ist klar: Im Kantonsparlament und im Gemeinderat der Stadt Zürich hält man wenig vom Arbeiten über das ordentliche Pensionsalter hinaus, auch wenn es in der Politik meist keine offizielle Altersguillotine gibt. Der Methusalem ist Bernhard im Oberdorf, der interessanterweise in beiden Räten sitzt. Der langjährige, 74-jährige SVP-Politiker gehört nach einem Zerwürfnis neuerdings der Mitte an. Ebenfalls ein Urgestein ist der Arzt Josef Widler, ebenfalls aus Zürich. Der Mitte-Politiker ist 71-jährig. Die Nummer drei im Kantonsrat ist altersmässig der Grüne Thomas Schweizer. Er ist 70-jährig, gehört dem Kantonsrat aber erst seit sechs Jahren an.

    Im Gemeinderat Zürich ist lediglich Bernhard im Oberdorf über 70-jährig. Dann kommt schon Albert Leiser von der FDP. Der 68-jährige Präsident des Hauseigentümerverbands will im März 2026 nicht mehr für eine weitere Legislatur antreten. 26 Jahre seien genug. Ein Jahr jünger und somit 68 Jahre alt ist Johann Widmer von der SVP. Der Unternehmer ist erst seit sechs Jahren Mitglied im Gemeinderat.

    Niklaus Scherr übrigens war 72-jährig, als er 2017 zurücktrat. Das AL-Mitglied gehörte dem Stadtzürcher Gemeinderat ab 1978 an und trat im Januar 2017 nach 39 Jahren im Amt zurück.


  • 5 Minuten

    „Ich mag keinen Smalltalk“

    Auf dem Bild zu sehen ist Luca Maggi, Gemeinderat der Grünen in Zürich. Es ist ein Wahlfoto mit violettem Hintergrund.Seit der Stadtzürcher Grünen-Gemeinderat Luca Maggi (35) politisch aktiv ist, hat er noch nie eine Woche ohne E-Mails, Telefonate oder Sitzungen geschafft. Bild: zvg

    Der Stadtzürcher Grünen-Gemeinderat Luca Maggi ist beim Rathuus-Fragebogen an der Reihe. Der Sicherheitsverantwortliche des FC Zürich stört sich lokal an horrenden Mieten und global am stetigen Rechtsrutsch. In die Politik ging Maggi, weil er nicht mehr nur berichten, sondern verändern wollte.

    Luca Maggi, wie wurden Sie politisiert?
    Da gibt es verschiedene Ebenen. Ich komme aus einer politischen Familie. Bei uns wurde und wird viel und heftig diskutiert. Ich hatte an der Kantonsschule Stadelhofen eine brillante Geschichtslehrerin, welche mein Interesse für Geschichte, politische Zusammenhänge und gesellschaftliche Veränderungen weckte. Als Fussballfan wurde ich schon jung mit teilweise unverhältnismässiger Repression konfrontiert. Und schliesslich arbeitete ich nach meiner Matura als Moderator und Redaktor für das Schaffhauser Lokalradio Munot. In dieser Zeit wurden die Ausschaffungs- und Minarettinitiative angenommen (2010, respektive 2009, Anm. d. Red.). In Fukushima kam es zur Atomkatastrophe. Ich wollte nicht mehr nur berichten, sondern verändern.

    Was wollten Sie als Kind werden?
    Radiomoderator und Fussballkommentator. Beide Träume habe ich mir bereits erfüllt. Heute führe ich ein Rechtsberatungs- und Treuhandbüro mit Fokus auf Arbeitsrecht und nachhaltiger Unternehmensführung und ich bin Sicherheitsverantwortlicher beim FCZ.

    „Für einen Fussballfan gilt: man darf alles wechseln, ausser seinen Verein. (lacht.) Nein im Ernst, ich hatte noch nie Abwanderungsgedanken von den Grünen.“


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    Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
    Lokal: Die soziale Verdrängung aus der Stadt. Die Verantwortungslosigkeit von grossen Immobilienkonzernen, welche horrende Mieten abkassieren. Kürzlich in Wollishofen: 6400 Franken für eine 4,5-Zimmerwohnung – ohne Nebenkosten. Damit tauschen Immohaie die Quartierbevölkerung rücksichtslos aus. Global: Der stetige Rechtsrutsch, die Verrohung im Umgang mit politischen Minderheiten und der damit verbundenen Beschädigung der demokratischen Institutionen.

    Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
    Für einen Fussballfan gilt: man darf alles wechseln, ausser seinen Verein. (lacht.) Nein, im Ernst, ich hatte noch nie Abwanderungsgedanken von den Grünen – auch wenn ich die AL in der Stadt Zürich ebenfalls sehr mag. 

    Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
    Immer und immer wieder. Aktuell sammeln die Grünen Stadt Zürich Unterschriften für zwei Solar-Initiativen. Wir fordern ein ambitioniertes Ausbauziel und die nötigen finanziellen Mittel, damit Zürich endlich beim Solarstrom vorwärtskommt.

    Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken?
    Grundsätzlich bin ich immer für ein gutes Gespräch bei einem Bier zu haben. Am liebsten aber mit guten Freunden. Ich mag keinen Smalltalk und keine Networkingapéros.

    Was ist Ihre Lieblingsbar in der Stadt oder im Kanton Zürich?
    Die „Totalbar“, weil man da nur in bar zahlen kann, das „Otro“ – weil es dort keine Allüren gibt – und das „Siesta“ beim Letzigrund, weil es für Hunderte zum Ritual der FCZ-Spiele gehört.

    Kaufen Sie das „Surprise“ und lesen Sie es auch?
    Ich kaufe es ehrlich gesagt nicht häufig, versuche mit den Verkäufer:innen aber ins Gespräch zu kommen oder sie zumindest immer freundlich zu begrüssen.

    Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht?
    Seit ich politisch aktiv bin: eine Woche ohne Mails, Telefonate oder Sitzungen.

    Wer ist für Sie der bedeutendste Zürcher oder die bedeutendste Zürcherin?
    Ich glaube nicht, dass man eine Person hervorheben kann. Bedeutsam sind für mich Menschen, die jenen eine Stimme geben, welche politisch keine Rechte haben oder nicht gehört werden.

    „Ich freue mich, wenn ich mit politischen Inputs Grundrechte stärken kann, sei es die Abschaffung von Bussen bei der friedlichen Teilnahme an unbewilligten Demos oder dass wir darüber diskutieren, wie eine Bewilligungspflicht für Demonstrationen in Bezug auf freie Versammlung und Meinungsäusserung vereinfacht werden kann.“

    Was war Ihr grösster politischer Erfolg?
    Ich bin stolz, dass zahlreiche Vorstösse von mir die neue Datenschutzverordnung der Stadt Zürich mitprägen: Bewilligungspflicht, wenn Private den öffentlichen Raum überwachen, Verbot automatischer Gesichtserkennungssysteme und generell strenge Anforderungen an staatliche Überwachung. Ich freue mich, wenn ich mit politischen Inputs Grundrechte stärken kann, sei es die Abschaffung von Bussen bei der friedlichen Teilnahme an unbewilligten Demos oder dass wir darüber diskutieren, wie eine Bewilligungspflicht für Demonstrationen in Bezug auf freie Versammlung und Meinungsäusserung vereinfacht werden kann. Ich bin froh, dass ich zusammen mit anderen Mitstreiter:innen und mutigen Mitarbeiter:innen im Asylbereich Veränderungen im Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden anstossen konnte.

    Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas?
    Der Stadt Zürich zu glauben, dass ein Bundesasylzentrum in der Stadt Zürich bessere Bedingungen bietet als an anderen Orten. Der vorauseilende Gehorsam gegenüber Bund und Kanton befremdet mich teilweise.

    Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard?
    Das Rathaus Hard hat sich bewährt. Ich würde hier bleiben.

    Portobello-Burger oder Poulet-Kebab?
    Tönt beides gut.

    Taylor Swift oder Beatrice Egli?
    Was für eine doofe Frage.

    Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy?
    Ein Bild meiner Familie.

    Worauf freuen Sie sich?
    Über jede Minute, welche ich mit meiner Familie und Freunden verbringen kann.

    Und worüber können Sie lachen?
    Ich kann über sehr viel lachen. Am liebsten, wenn dem Humor keine moralischen Grenzen gesetzt sind. Aber: von oben nach unten treten geht nicht.

    Luca Maggi ist seit 2018 Gemeinderat der Grünen in Zürich. Seither ist er Mitglied der Sachkommission Finanzdepartement. Von 2022 bis 2024 war er deren Präsident. Maggi vertritt den Wahlkreis 1+2. Er war Vizepräsident der Grünen Stadt Zürich (bis 2022) sowie der Grünen Schweiz (bis 2018). Bis 2022 war er zudem im Vorstand des 1. Mai-Komitees. Der 35-jährige Jurist führt ein Rechtsberatungs- und Treuhandbüro mit Fokus auf Arbeitsrecht und nachhaltige Unternehmensführung. Seine Arbeit beim FC Zürich als Sicherheitsverantwortlicher bewältigt er als berufliches Mandat.

    Maggi wohnt mit seiner Familie im Kreis 7. Als Hobbys nennt er neben Fussball Lesen, Schreiben und Barkeepern.