Wir bleiben dran

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  • 2 Minuten

    VBZ wollen mit Event-Trams aus dem Defizit kommen

    Auf dem Foto ist im Hintergrund das neue Event-Tram der Verkehrsbetriebe Zürich zu sehen. Im Vordergrund ist ein Porträtfoto von Kolumnist Beni Frenkel platziert.Beni Frenkel schreibt regelmässig Glossen für Rathuus. Dieses Mal hat er sich dem Thema Event-Trams bei den Verkehrsbetrieben Zürich gewidmet. Bilder: VBZ/zvg. Bildmontage: Rathuus

    Personalmangel war gestern. Neue Konzepte sollen 12-Millionen-Loch der Verkehrsbetriebe Zürich stopfen. Die neu eingestellten Trampilotinnen und -piloten sollen nun Sushi-Trams fahren. Eine Glosse.

    Es ist nicht so, dass die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) jeden als Trampiloten nehmen. „Dein Body Mass Index sollte unter 33 sein“, warnen die VBZ schon vorab.

    1,80 Meter grosse Männer mit einem Kampfgewicht von 107 Kilogramm scheiden aus. Aber sonst ist man bei den VBZ nicht so wählerisch.


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    Im Herbst 2023 schlug man Alarm. Weil die Lücken im Personal immer grösser wurden, dünnten die VBZ den Fahrplan der Tramlinie 15 aus. Nur noch alle 15 Minuten fuhr das 15er-Tram – auch andere Trams und diverse Buslinien verkehrten abends weniger häufig.

    Es folgte ein Rekrutierungsprozess, wie es ihn noch nie gegeben hat. Weil die Löhne unter 7000 Franken liegen, konzentrierte man sich auf Werbeplakaten auf die Älteren, die einen neuen Sinn im Leben suchten: „Wir suchen Trampiloten, die schon Radio 24 hörten, als es noch vom Pizzo Groppera gesendet wurde.“

    Seit drei Monaten herrscht nun wieder Normalität.

    Der ausgedünnte Fahrplan verursachte aber einen Verlust von 12 Millionen Franken. Sparmassnahmen wurden angekündigt, aber nie erläutert, wie die aussehen.

    Nun versucht man auf der Ertragsseite das Maximum herauszuholen. Die Werbung läuft gut. Die VBZ konnten die Preise leicht anheben. Eine Vollbemalung des Flexity-Trams kostet neu 190’000 Franken für drei Monate. Früher kriegte man das 5000 Franken günstiger.

    Seit Jahresbeginn haben die VBZ eine neue Website installiert: eventlinie.vbz.ch

    Mit einem alten Tram 2000 geht man fischen. Firmen sollen mit ihrer Belegschaft durch Zürich fahren und dafür ordentlich zahlen. Am 28. und 29. März stellen die VBZ das Konzept vor.

    Personal ist im Übermass vorhanden. Ideen auch. Sushi-Tram, Zmorge-Tram, Bücher-Tram, alles ist möglich und wird verkauft.

    Auch das Cobra-Tram kann man mittlerweile mieten. 60 Minuten kosten 1250 Franken. Eine Beschriftung vorne, zum Beispiel „60. Geburtstag von Lorenz“ kostet nochmals 120 Franken.

    Ob das die VBZ aus den roten Zahlen führt? Man darf gespannt sein. 


  • 3 Minuten

    Der Kantonsrat Zürich

    Die Glastüren des Eingangs des Rathaus Hard mit der Beschriftung "Zürcher Parlamente".Der Kantonsrat Zürich ist das Parlament des Kantons Zürich. Er umfasst 180 Mitglieder und tagt im Moment im temporären Rathaus Hard (Bullingerkirche). Bild: Pascal Turin

    Die 180 Mitglieder des Zürcher Kantonsrats tagen jeweils montags. Die grösste Fraktion ist die SVP inklusive EDU mit 49 Mitgliedern, gefolgt von der SP mit 36 Mitgliedern.

    Der Kantonsrat Zürich ist das Parlament des Kantons Zürich. Er umfasst 180 Mitglieder und tagt im Moment im temporären Rathaus Hard (Bullingerkirche), da das historische Rathaus Zürich in der Altstadt instandgesetzt werden soll.

    Die Mitglieder des Kantonsrats werden im Proporzverfahren (Verhältniswahl) gewählt. Ausser den Bezirken Zürich (Stadt Zürich) und Winterthur entspricht jeder Bezirk einem Wahlkreis.

    Die Mitglieder des Kantonsrats sind jeweils für vier Jahre gewählt. Die letzte sogenannte Gesamterneuerungswahl fand am 12. Februar 2023 statt.

    Hier klicken, um zur offiziellen Seite des Kantonsrats Zürich zu gelangen.

    Sitzverteilung 2023 bis 2027

    Die SVP verfügt im Kantonsrat über 45 Sitze, die SP über 36 Sitze und die FDP über 30 Sitze. Die GLP hat 23 Sitze, die Grünen haben 19 Sitze und Die Mitte hat 12 Sitze. Die EVP verfügt über 7 Sitze, während die AL 5 Sitze und die EDU 3 Sitze hat.

    Hier klicken, um das Diagramm bei Datawrapper anzuschauen.

    Weil die Kantonsrätin Isabel Garcia kurz nach den Wahlen von der GLP zur FDP übergetreten ist, hat die GLP im Vergleich zum Wahlresultat vom 12. Februar 2023 einen Sitz verloren. Die FDP hat hingegen einen Sitz dazugewonnen.

    Auch die SVP hat im Vergleich zu den Wahlen einen Sitz verloren. Dies, weil Kantonsrat Bernhard im Oberdorf aus der SVP ausgetreten und in die Mitte-Partei eingetreten ist. Sein Sitz ging damit an die Mitte.

    Die folgende Grafik zeigt das Resultat der Kantonsratswahlen vom 12. Februar 2023.

    Hier klicken, um das Diagramm bei Datawrapper anzuschauen.

    Fraktionen 2023 bis 2027

    Im Kantonsrat Zürich sind insgesamt zehn Parteien vertreten. Die CSP ist aber bei den letzten Wahlen nicht mit einer eigenen Liste angetreten. Der CSP-Vertreter Beat Bloch stand auf der Liste der Grünen im Wahlkreis Stadt Zürich, Stadtkreise 1 und 2. Zur SVP-Fraktion gehören auch drei Mitglieder der EDU.

    Zur Bildung einer Fraktion braucht es mindestens fünf Kantonsratsmitglieder. In diesem Zusammenhang wird von Fraktionsstärke gesprochen.

    • AL
    • Die Mitte
    • EVP
    • FDP
    • Grüne (mit CSP)
    • GLP
    • SP
    • SVP (mit EDU)

    Wahlkreise

    Aktuell ist der Kanton Zürich für Kantonsratswahlen in 18 Wahlkreise unterteilt. Wie viele Sitze ein Wahlkreis im Kantonsrat hat, hängt davon ab, wie viele Menschen dort wohnen. Die Sitzverteilung für die Amtsdauer 2023 bis 2027 wurde von der Direktion der Justiz und des Innern anhand der Bevölkerungszahlen festgelegt. Die genaue Zuteilung ist in der Tabelle zu sehen.

    NummerWahlkreisSitze
    1Stadt Zürich, Stadtkreise 1 und 25
    2Stadt Zürich, Stadtkreise 3 und 912
    3Stadt Zürich, Stadtkreise 4 und 55
    4Stadt Zürich, Stadtkreise 6 und 108
    5Stadt Zürich, Stadtkreise 7 und 86
    6Stadt Zürich, Stadtkreise 11 und 1212
    7Dietikon11
    8Affoltern7
    9Horgen15
    10Meilen12
    11Hinwil11
    12Uster16
    13Pfäffikon7
    14Stadt Winterthur13
    15Winterthur-Land 7
    16Andelfingen4
    17Bülach18
    18Dielsdorf11
    Total180

    Die Gemeinden Altikon, Ellikon an der Thur, Rickenbach, Elsau, Schlatt, Brütten, Hagenbuch, Seuzach, Dägerlen, Hettlingen, Turbenthal, Dättlikon, Wiesendangen, Dinhard, Neftenbach, Elgg, Pfungen und Zell bilden zwar zusammen mit der Stadt Winterthur den Bezirk Winterthur. Für die Kantonsratswahlen wurde der Bezirk aber in zwei Wahlkreise aufgeteilt, wobei die Stadt Winterthur einen eigenen Wahlkreis bildet. Die anderen Gemeinden bilden gemeinsam den Wahlkreis Winterthur-Land.


  • 7 Minuten

    Microsoft 365 erobert die Verwaltung – doch nicht alle haben Freude daran

    Das Launchpad von Mac mit den App-Icons der Microsoft-Office-Palette.Es gibt zwar Alternativen zu Word & Co., aber viele Unternehmen und auch die Behörden in der Schweiz nutzen trotzdem die Büroprogramme von Microsoft. Bild: Pascal Turin

    Die US-amerikanische Bürosoftware Microsoft 365 bietet viele praktische Funktionen, löst aber Fragen punkto Datenschutz aus. In der öffentlichen Verwaltung hat die Cloud-Lösung jedoch längst Einzug gehalten. Kantonsrätinnen und Kantonsräte sehen dabei Risiken. Microsoft nimmt gegenüber Rathuus Stellung.

    Viele Mitarbeitende der Stadt und des Kantons Zürich arbeiten schon lange damit. Und Angestellte unzähliger Unternehmen in der Schweiz sowieso. Kein Wunder, Microsoft 365 bietet für die Nutzerinnen und Nutzer nützliche Funktionen, etwa das bekannte Microsoft Office mit den Büroprogrammen Word, Outlook, Powerpoint oder Excel. Doch im Gegensatz zu früher, als man noch CDs und später DVDs kaufen sowie installieren musste, läuft heute alles viel praktischer über digitale Downloads oder Cloud-Abonnements.

    Dank der Cloud – zu Deutsch Wolke – können Daten und Programme auf Servern irgendwo auf der Welt gespeichert werden. Der Vorteil: Man kann von verschiedenen Geräten darauf zugreifen. Der Nachteil: Die Daten liegen nicht mehr nur auf dem eigenen Computer, sondern bei einem Cloud-Anbieter, was aus Sicht des Datenschutzes ein Risiko sein kann. Insbesondere, wenn der Dienst von einem ausländischen Unternehmen angeboten wird – in diesem Fall vom US-amerikanischen Hard- und Softwareentwickler Microsoft.


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    US-Behörden könnten auf Daten zugreifen

    Microsoft untersteht dem Cloud-Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act) der USA, also der Gesetzgebung des US-Kongresses. Dieser erlaubt es amerikanischen Behörden, auf Daten von US-Firmen zuzugreifen – unabhängig davon, wo diese Daten auf der Welt gespeichert sind. Es gibt zwar ein Abkommen zwischen den USA und der Schweiz (Swiss-U.S. Data Privacy Framework), das den Datenschutz verbessern soll. Allerdings ist der Cloud-Act ein Gesetz, nicht nur ein Abkommen. Die Gefahr bleibt also bestehen, dass US-Behörden auf Daten europäischer Nutzerinnen und Nutzer zugreifen können.

    Die Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich hat einen Leitfaden zur Nutzung von Microsoft 365 für Gemeinden erstellt. Doch Politikerinnen und Politiker von links bis rechts haben trotzdem Bedenken, wenn es um die Nutzung der Cloud-Lösung geht. Selma L’Orange Seigo (Grüne), Tobias Langenegger (SP), Marc Bochsler (SVP), Tina Deplazes (Die Mitte), Martin Huber (FDP) und Markus Schaaf (EVP) haben im Kantonsrat kürzlich eine Anfrage eingereicht.

    „Die Anfrage wurde tatsächlich durch die jüngsten Entwicklungen ausgelöst“, sagt Kantonsrätin Selma L’Orange Seigo (Grüne).

    Politikerinnen und Politiker haben Bedenken

    Die Anfrage stützt sich auch auf den Regierungsratsbeschluss Nr. 542/2022. Darin spricht der Kanton das Problem an, dass die US-amerikanische Strafverfolgung Microsoft zur Offenbarung von spezifischen Daten auffordern könnte. Der Schluss der Regierung: „In der Praxis ist ein derartiges Szenario höchst unwahrscheinlich.“

    Die Politikerinnen und Politiker wollen nun unter anderem vom Regierungsrat wissen, ob die kantonale Verwaltung noch ordnungsgemäss funktionieren könnte, wenn Microsoft 365 seine Dienstleistungen einschränken oder sogar sistieren würde. „Ist der Regierungsrat der Ansicht, dass die Risikoanalyse bezüglich Microsoft 365 aus dem Jahr 2021 immer noch angemessen ist und die tatsächlichen Risiken widerspiegelt?“, fragen sie ausserdem in ihrem Vorstoss. Und sie möchten Auskunft dazu, ob der Regierungsrat plant, verstärkt Wert auf Datenhoheit und Unabhängigkeit von amerikanischen beziehungsweise ausländischen Tech-Firmen zu legen.

    Doch warum kommt die Anfrage gerade jetzt und in welchem Zusammenhang steht sie zu den aktuellen politischen Verschlechterungen in der Beziehung zwischen Europa und den USA? „Die Anfrage wurde tatsächlich durch die jüngsten Entwicklungen ausgelöst“, sagt Selma L’Orange Seigo auf Anfrage von Rathuus. Sie ist die Erstunterzeichnerin der Anfrage.

    „Dass die USA nicht mehr der zuverlässige Partner sind, der sie jahrzehntelang waren, scheint mir klar“, erklärt die Präsidentin der Grünen Kanton Zürich. Es sei nur noch nicht klar, wie das neue Verhältnis aussehen werde. US-Präsident Donald Trump habe in den ersten Wochen seiner Amtszeit unzählige „executive orders“ unterschrieben, von denen mehrere gegen Verfassung und Gesetze seines eigenen Landes verstossen würden. „Ich würde mich daher nicht nur auf Verträge verlassen“, findet die Kantonsrätin.

    Grünen-Politikerin warnt vor erpressbarem Kanton

    L’Orange Seigo sieht zwei Hauptrisiken: „Das eine ist, dass ein unerlaubter Zugriff auf Daten erfolgt, das andere, dass die Arbeit in der Verwaltung lahmgelegt wird.“ Bezüglich Daten sei es zumindest beim Kanton so, dass gemäss dem Amt für Informatik keine sensiblen Daten in der Cloud gespeichert würden. „Bei Gemeinden habe ich jedoch schon gehört, dass sie auch Daten von zum Beispiel Sozialbehörden in der Cloud speichern“, erklärt die Politikerin.

    Ausserdem problematisch ist für die Kantonsrätin die starke Abhängigkeit von Microsoft, „die den Kanton ein Stück weit erpressbar macht“. Microsoft könnte laut L’Orange Seigo seinen Dienst einschränken oder sogar ganz einstellen, was die Verwaltung mutmasslich nahezu lahmlegen würde, denn der digitale Arbeitsplatz basiere auf Microsoft 365. „Ich schätze diese Gefahr im Moment nicht als gross ein, aber sie gehört meiner Meinung nach zu einer seriösen Risikoanalyse dazu.“

    Bei Grünen-Politikerin Selma L’Orange Seigo (45) nachgefragt

    Selma L’Orange Seigo, was war Ihre persönliche Motivation für diese Anfrage?
    Ich möchte gerne eine Diskussion darüber anstossen, ob die starke Abhängigkeit von amerikanischen Techfirmen noch zeitgemäss und sinnvoll ist. Ich denke, es ist an der Zeit, ernsthaft Alternativen auszuloten. Selbstverständlich geht das nicht von heute auf morgen, aber gerade deswegen müssen wir uns frühzeitig Gedanken machen. Eine Möglichkeit könnte sein, bestehende Open-Source-Lösungen weiterzuentwickeln und dabei mit anderen Kantonen zusammenzuspannen. Dort liessen sich Synergien nutzen, denn der digitale Arbeitsplatz ist nicht Zürich-spezifisch.

    Die Grünen-Politikerin nutzt seit vielen Jahren das Betriebssystem Linux, welches von Menschen auf der ganzen Welt weiterentwickelt wird. Für Texte, Tabellenkalkulation und so weiter verwendet die Stadtzürcherin die Bürosoftware Libre Office, für E-Mails, Kalender und Kontakte im Moment das Programm Thunderbird. „Zudem habe ich meine private E-Mail-Adresse bei kolabnow.com und kann so Mails, Kalender und Kontakte zwischen verschiedenen Geräten synchronisieren“, sagt L’Orange Seigo. Daten synchronisiere sie mit einer eigenen kleinen Cloud, die sie zu Hause habe und die mit der selbst gehosteten Cloud-Software Seafile laufe.

    „Wir haben umfangreiche technische, vertragliche und organisatorische Massnahmen getroffen, um Daten zu schützen und sicherzustellen, dass wir bei der Beantwortung von Anfragen von Strafverfolgungsbehörden die geltenden Gesetze einhalten“, sagt ein Microsoft-Sprecher.

    Microsoft nimmt Stellung

    Microsoft selbst setzt sich laut eigener Aussage „intensiv für den Datenschutz unserer Kunden und die Wahrung ihrer Privatsphäre ein“. Ein Microsoft-Sprecher sagt gegenüber Rathuus: „Wir haben umfangreiche technische, vertragliche und organisatorische Massnahmen getroffen, um Daten zu schützen und sicherzustellen, dass wir bei der Beantwortung von Anfragen von Strafverfolgungsbehörden die geltenden Gesetze einhalten.“ Der IT-Konzern hat seinen Schweizer Sitz im Business-Quartier Circle am Flughafen Zürich.

    Der Sprecher verweist auf das Datenschutzprogramm „Defending Your Data“. Dieses unterstreiche das Bekenntnis, jede behördliche Anfrage nach Kundendaten aus dem öffentlichen Sektor oder von Unternehmen – unabhängig davon, von welcher Behörde sie komme – mit Hilfe sämtlicher Rechtsmittel anzufechten, sofern es eine rechtmässige Grundlage dafür gebe.

    „Dazu kommen verschiedene Schutzmechanismen, welche die Kunden anwenden können“, erklärt der Microsoft-Sprecher: Er zählt die sogenannte „Bring your own key“-Verschlüsselung auf, wobei die Hoheit über den Schlüssel bei der Behörde verbleibe, der Funktionsumfang der Anwendung, zum Beispiel von Microsoft 365, aber nicht eingeschränkt werde. Ausserdem würden auch organisatorische Massnahmen dazugehören, beispielsweise dass kein Microsoft-Mitarbeiter allein die Möglichkeit habe, auf Kundendaten zuzugreifen. 

    Man führe ausserdem kontinuierlich Gespräche mit politischen Entscheidungstragenden auf allen Ebenen unseres föderalen Systems, seien das Einzelpersonen, Parteien, Datenschutzbehörden oder Regulatoren. „Wir zeigen transparent und detailliert auf, wie die Daten geschützt sind und wie man sich ein Bild verschaffen kann, dass unsere Erklärungen korrekt sind“, sagt der Mediensprecher. Dies, damit die Politikerinnen und Politiker informiert beurteilen könnten, ob die Schutzmassnahmen ihren Anforderungen entsprechen würden. 

    Übrigens: Während die Daten von geschäftlichen Nutzerinnen und Nutzern wie Behörden oder Verwaltungen in Schweizer Rechenzentren gespeichert werden, gilt das nicht für die Daten von privaten Usern der Microsoft-365-Cloud. Diese werden laut dem Microsoft-Sprecher „im globalen Netzwerk unserer Rechenzentren“ gesichert.


  • 4 Minuten

    Mustafa Atici soll kein Einzelfall bleiben

    Auf den Bild werden die beiden Prozentzahlen dargestellt, einmal die 55 Prozent der Bevölkerung mit Migrationshintergrund und einmal die 16 Prozent der Mitglieder des Stadtzürcher Gemeinderats. Für die Secondas Zürich ist klar: Da hat es noch Luft nach oben.Die beiden Prozentzahlen sprechen Bände: 55 Prozent der Bevölkerung der Stadt Zürich haben einen Migrationshintergrund. Aber nur rund 17 Prozent der Mitglieder des Gemeinderats haben einen Migrationshintergrund. Bild: Lorenz Steinmann

    Mustafa Atici ist SP-Regierungsrat in Basel-Stadt. Der 55-Jährige hat türkische Wurzeln und gilt deswegen in der Schweizer Politik als Exot. Die Organisation Secondas Zürich hat nun eine Absichtserklärung lanciert, um im Stadtzürcher Gemeinderat den Anteil der Parlamentsmitglieder mit Migrationshintergrund zu erhöhen. Alle Parteien haben unterschrieben – ausser die SVP und die AL.

    Der Verein Secondas Zürich ist laut eigenen Angaben „eine überparteiliche Diskussionsplattform für migrationspolitische Themen sowie ein parteiübergreifender Arbeitskreis für migrationspolitische Vorstösse und Initiativen“. Präsidentin ist Monica Sanesi mit italienischen Wurzeln. Die GLP-Kantonsrätin hat am Mittwoch die Medien kurz vor der Gemeinderatssitzung um 17 Uhr eingeladen, der Unterzeichnung einer Absichtserklärung beizuwohnen. Stossrichtung des Papiers: Mehr Menschen mit Migrationshintergrund zu politischer Tätigkeit zu motivieren.

    Laut Sanesi haben aktuell lediglich rund 17 Prozent der Parlamentsmitglieder im Stadtzürcher Gemeinderat Migrationshintergrund. Dies sei ein Widerspruch zu den 55 Prozent der Gesamtbevölkerung in Zürich, die einen Migrationshintergrund habe. „Wir wollen alle Parteien dazu auffordern, dies zu ändern“, so Sanesi.

    Tatsächlich sollte die Politik laut Politologen ein Abbild der Gesellschaft sein, weil so auch die Bedürfnisse aller vertreten wären. Doch allein bei den Berufen und beim Geschlecht, geschweige denn beim Alter ist das bekanntlich nicht der Fall. Die Politik ist statistisch gesehen zu akademisch, zu männerlastig – und zu alt.


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    Gesellschaftliche Gleichbehandlung gefordert

    Monica Sanesi sieht mit der Secondas-Idee nun eine Chance, dass unabhängig vom Geschlecht, der Bildung und dem Alter Menschen mit Migrationshintergrund bessere Chancen für die gesellschaftliche Gleichbehandlung bekommen. Sanesi stört sich etwa daran, dass der Basler SP-Regierungsrat Mustafa Atici als Exot gilt, weil er türkische Wurzeln hat. „Dass seine Wahl schweizweit Schlagzeilen machte, zeigt, dass wir noch weit von unserem Ziel entfernt sind“, betonte Sanesi.

    „Wir geben es weiter an die Sektionen, dass Diversität wichtig ist. Wir haben Vorgaben gemacht“, so Lisa Diggelmann, SP-Gemeinderätin und Co-Präsidentin der SP-Gemeinderatsfraktion

    Sie und ihre anwesenden Mitstreiterinnen von Secondas Zürich, etwa Birgit Tognella (SP-Kantonsrätin), Maya Tharian (Vorstandsmitglied GLP Schweiz), Përparim Avdili (FDP-Gemeinderat und FDP-Parteipräsident Stadt Zürich) sowie Eticus Rozas (Vorstand Grüne Stadt Zürich) luden alle Parteien im Gemeinderat ein, die Absichtserklärung zu unterzeichnen.

    Das Ziel: stärkerer Einbezug von Menschen mit Migrationshintergrund, Förderung innerhalb der Parteien von Menschen mit Migrationshintergrund und Spitzenplätze für Menschen mit Migrationshintergrund auf allen Wahllisten.

    „Für die FDP ist das eine Herzensangelegenheit, nicht nur für mich. Wir wollen eine vielfältige Zusammenstellung unserer Wahllisten, jedoch ohne Quote“, sagt Përparim Avdili, FDP-Gemeinderat und Präsident FDP Stadt Zürich.

    Unterschrieben haben die hehren Ziele der Verlautbarung Sandra Gallizzi (EVP), Nicolas Cavalli (GLP), Karin Weyermann (Mitte), Lisa Diggelmann (SP), Anna-Béatrice Schmaltz (Grüne), Eticus Rozas (Grüne) sowie Përparim Avdili (FDP).

    Auf dem Bild sieht man Politikerinnen und Politiker aus Zürich, die die Absichtserklärung "Mehr Menschen mit Migrationshintergrund in der Politik" unterschreiben.Sie wollen, dass sich der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadtzürcher Politik erhöht. Bild: Lorenz Steinmann

    Die grossen Abwesenden waren also die AL und die SVP. Beide wollten nicht aufs Podest mit den anderen Parteien und die Absichtserklärung nicht unterschreiben. Laut Monica Sanesi sei die AL mit dem Thema einverstanden, wolle sich jedoch nicht in eine so grosse und heterogene Gruppe einbinden lassen. Die SVP finde das Anliegen ebenfalls gut, der Migrationshintergrund solle aber kein Kriterium sein, um zu politisieren.

    AL will keine Nachhilfe von anderen Parteien

    Gegenüber Rathuus sagte AL-Gemeinderat David Garcia Nuñez später, die Stossrichtung der Idee sei schon im Sinn und Zweck der AL, aber man habe ein Problem mit der FDP. Die linke Partei stört sich daran, dass die Organisation Secondas „ihr Versagen im Zusammenhang mit dem Ausländerstimmrecht“ bis heute nicht aufgearbeitet habe. Denn ausgerechnet die ehemalige GLP-Kantonsrätin Isabel Garcia sei zur FDP übergetreten und habe dann im Mai 2023 im Kantonsrat für einen Eklat gesorgt. Beim Thema „Sollen Ausländerinnen und Ausländer auf Gemeindeebene abstimmen dürfen“ enthielt sich Isabel Garcia der Stimme. Sie war damals im Vorstand des Vereins Secondas Zürich, ja sogar dessen Präsidentin.

    „Und genau diese beiden fehlenden Stimmen sorgten dafür, dass der Vorstoss abschiffte“, nervt sich David Garcia Nuñez heute noch. „Damit ist das Thema Ausländerstimmrecht für lange Zeit vom Tisch.“ Zudem wolle die AL auf keinen Fall zum „Weisswaschen der SVP-FDP-Ausländerpolitik beitragen“, so Garcia Nuñez zum „Tages-Anzeiger“. Die AL fördere die Integration von Secondos selber genug und brauche „keine Nachhilfe von anderen Parteien“.

    „Das Thema ist sehr wichtig. Diversität wird international gerade stark angegriffen, etwa in den USA“, sagt Anna-Béatrice Schmaltz, Gemeinderätin Grüne und Co-Präsidentin Grüne Stadt Zürich.

    Alles in allem konnte Secondas Zürich den Anlass als Erfolg verbuchen, denn der Medienaufmarsch war beachtlich. Und auch innerhalb der GLP, bei Secondas Zürich prominent vertreten, ist man sich offensichtlich bewusst, dass das Thema Migration durchaus ziehen kann, insbesondere vor Wahlen.

    Für die Stadtratswahlen 2026 stehen bei den Grünliberalen zwei Kandidatinnen in den Startlöchern, um einen zweiten Sitz neben jenem von Andreas Hauri zu erobern. Es sind dies Gemeinderätin Serap Kahriman und Kantonsrätin sowie Secondas-Präsidentin Monica Sanesi. Politologen sehen darin einen geschickten Schachzug.

    Am Mittwoch ist das Thema Diversität in der Politik lanciert worden.


  • 12 Minuten

    Der Flughafen und die Stadt Zürich – Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

    Auf dem Bild sieht man ein landendes Flugzeug. Im Hintergrund sind die Silhouetten von Opfikon und Zürich zu sehen.Neu sollen Flugzeuge vermehrt die Pisten 28 und 32 für Starts und Landungen in südliche Richtung nutzen. Das würde mehr Flugbewegungen über die Stadt Zürich und die Forch bedeuten. Bild: Lorenz Steinmann

    Rund um das Thema Flughafen und dessen Ausbau wirkt die politische Führung der Stadt Zürich merkwürdig passiv. Generell ist der Beziehungsstatus zwischen der Stadt und dem Flughafen kompliziert. Gegenüber Rathuus bestätigt nun die Stadt, dass der Verkauf des Fünf-Prozent-Anteils an den Flughafenaktien dereinst durchaus möglich wäre. Eine Auslegeordnung.

    Wenn es um den Flughafen, sein Wachstum und den entstehenden Fluglärm geht, fühlt man sich als Einwohnerin oder Einwohner von Zürich bemerkenswert unbeteiligt. Die Pisten liegen gefühlt irgendwo im Glatttal, dank den SBB ist man vom Hauptbahnhof in neun Minuten dort und der Rest ist vor allem Schweigen. Zumindest wird dieser Eindruck erweckt, wenn man den Stadtrat von Zürich zum Massstab nimmt.

    In der Gemeindeordnung ist zwar die 2000-Watt-Gesellschaft verankert, also das Ziel, sehr, sehr energiesparsam zu leben. Die links-grün dominierte Stadtregierung macht sich aber oft rar, wenn es ums Thema Flughafen geht. Das hat durchaus einen triftigen Grund: Im achtköpfigen Verwaltungsrat der Flughafen Zürich AG ist auch Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) vertreten.

    Die Stadt Zürich besitzt nur fünf Prozent der Flughafenaktien, der Kanton als Hauptaktionär 33 Prozent. Damit ist sie faktisch ohne Einfluss. Doch es gilt offensichtlich: Mitgehangen, mitgefangen. Denn als Advocatus Diaboli, also als bewusste Gegenpartei, tritt die Stadt praktisch nie auf. Oder es dringt fast nie etwas an die Öffentlichkeit. Um den schwierigen Spagat, den die Stadt bewerkstelligen muss, zu verdeutlichen, müssen wir an dieser Stelle etwas ausholen.


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    Konkret und aktuell geht es um ein Ausbauprojekt des Flughafens mit dem eher unverbindlichen Namen „Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL 2025)“. Es ist ein zurzeit von den Betroffenen heiss diskutiertes Papier des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL). Es will die bisherige Praxis des Flughafen Zürich AG auf eine verbindliche Verordnungsebene stellen.

    Grob zusammengefasst dreht es sich um längere Betriebszeiten und angepasste An- und Abflugwege. Die Flughafen Zürich AG betont in ihrer Stellungnahme ans BAZL denn auch, dass die bestehenden Betriebszeiten von 6 bis 23.30 Uhr essenziell für den Drehkreuzbetrieb und die internationale Anbindung der Schweiz seien. Eine weitere Einschränkung könnte Langstreckenverbindungen gefährden und den Standort unattraktiver machen.

    Reger Betrieb nach 23 Uhr

    Die Stellungnahme des Flughafens ist darum bemerkenswert, weil in den letzten Jahren immer wieder darüber gestritten wurde, ob der Flughafen nun die gesetzlich eigentlich vorgegebene Nachtruhezeit ab 23 Uhr einhält oder nicht. So kritisierten Lobbyorganisationen wie der Verein „Flugschneise Süd – Nein“ und der Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Zürich (SBFZ) stets, dass jährlich gut 2000 Flugzeuge – Tendenz steigend – nach 23 Uhr starten und landen.

    Vom Flughafen hiess es bisher oft ausweichend, man halte die Nachtruhezeit von 23 Uhr bis 6 Uhr in der Regel ein. Aber ja, bis 23.30 Uhr müsse man Verspätungen abarbeiten. In Frankfurt hingegen als Beispiel ist um 23 Uhr einfach Schluss. Dass der Flughafen Zürich die zeitlichen Vorgaben grundsätzlich ausreizt, zeigt eine Praxis frühmorgens. Denn schon ab 05.45 Uhr heulen die Turbinen auf und die ersten Flugzeuge bringen sich in Stellung auf den Startbahnen. Um 05.59 Uhr erfolgt dann die Take-off-Erteilung des Towers, damit das erste Flugzeug Punkt 6 Uhr abhebt. Lärmig ist es somit schon einiges vor 6 Uhr, was sensible Ohren durchaus wahrnehmen.

    Um auf die Aktualität zurückzukommen, der SIL 2025 wirft grosse Wellen. Viele betroffene Gemeinden wehren sich mit einer Replik an das BAZL, lehnen das neue Betriebsreglement ab und kommunizieren das aktiv, nicht aber die Stadt Zürich. Doch davon später.

    Direktbetroffene kommunizieren aktiv

    Auch die Gemeinden, welche unter anderem im Fluglärmforum Süd organisiert sind, sind gegen den Südstart über dicht besiedeltes Gebiet. „Return to sender“ ist auf der Website des Verbandes zu lesen. Das Fluglärmforum Süd ist ein weiterer Player im Flughafenknatsch, doch die Stadt Zürich ist hier nicht Mitglied, wie auch nicht im Verein „Flugschneise Süd – Nein“.

    Gemeinden wie etwa Niederglatt haben beim BAZL offiziell Stellung zum Entwurf des Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt (SIL 2025) genommen. Der Gemeinderat fordert darin striktere Lärmschutzmassnahmen, eine Begrenzung der Flugbewegungen sowie eine Sistierung des SIL-Verfahrens, bis neue Lärmgrenzwerte festgelegt sind. Somit schliesst sich der Gemeinderat grundsätzlich den Forderungen der vom SBFZ veröffentlichten Medienmitteilung an. Auch die Gemeinde Oberglatt lässt sich auf ihrer Website entsprechend zitieren. Moniert wird, dass der Bundesrat dem Flughafen Zürich faktisch einen „betrieblichen Bestandesschutz“ gewährt, meldet etwa die Newsseite Züriunterland24.

    Flugverkehr über Witikon, Seebach, Oerlikon und Affoltern

    Weil der neue Plan des BAZL und des Flughafens Starts über der Stadt Zürich einführen will, zumindest bei Nebel und bei Bise (also bei Wind aus dem Osten), rückt der Flughafen lärmmässig näher an Zürich. Denn künftig soll über Opfikon, Dübendorf und Witikon mit dem Abdrehen Richtung Uster gestartet werden, je nach dem aber auch über Opfikon mit Abdrehen der Flugzeuge nach Seebach, Oerlikon und Affoltern. „Mit dieser Änderung will man Starts über Zürich einführen“, heisst es aus Zürichs höchstgelegenem Quartier Witikon gegenüber dem Onlineportal Züriost.

    Mauch und die Geheimhaltungspflicht

    Weil aus dem Stadthaus kein Statement zu den Plänen des BAZL versandt wurde, fragte Rathuus nach. Bei SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch, Zürichs Mitglied im Flughafen-Aktionariat. Doch deren Sprecher verwies sofort aufs Gesundheits- und Umweltdepartement, „da dieses für lärmrelevante Fragen rund um den Flughafen zuständig ist“. Wegen „Ferien- und Krankheitsabsenzen“ ging es dann nochmals zwei Wochen, bis die Antworten eintrafen.

    Immerhin, Ivo Bähni, der Mediensprecher von Stadtrat Andreas Hauri (GLP), kommunizierte durchaus klar und deutlich und schien Corine Mauch aus dem Fokus zu nehmen. Man merkte aber auch, dass die Antworten punkto Flughafen schön austariert waren und durch einige Hände gegangen sein müssen. Und ja, fairerweise muss man anmerken, dass Corine Mauch ziemlich die Hände gebunden sind, respektive sie quasi stumm bleiben muss. Denn sie unterliegt als Verwaltungsratsmitglied einer Aktiengesellschaft (AG) aufgrund der aktienrechtlichen Treuepflicht schlicht und einfach der Geheimhaltungspflicht.

    Stadt lehnt Südstarts geradeaus ab

    Mediensprecher Ivo Bähni hingegen spricht Klartext auf die Frage, was die Stadt von den geplanten Südstarts geradeaus hält: „Wie bereits früher kommuniziert, lehnt die Stadt Zürich Südstarts geradeaus ab. Sie führen zu zusätzlicher Lärmbelastung im dicht besiedelten Gebiet südlich des Flughafens und erhöhen das Sicherheitsrisiko“.

    Mit früher spricht Bähni etwa einen Stadtratsbeschluss von 2022 an, in dem der Stadtrat von der Flughafen Zürich AG (FZAG) „eine signifikante Senkung der CO2-Emissionen, des allgemeinen Ressourcenverbrauchs und der Lärmemission im direkten Einflussbereich der FZAG“ erwartet. Zudem solle der Flughafen „eine soziale und verantwortungsbewusste Arbeitgeberin sein und die tatsächliche Gleichstellung aller Geschlechter und allgemein die Inklusion auf allen Stufen und in allen Geschäftsfeldern fördern“. Ein Thema, das auch von Gewerkschaften immer mal wieder moniert wird gegenüber der Flughafen AG, sind tiefe Löhne und oft Angestelltenverhältnisse im Stundenlohn.

    Richtungsweisende Abstimmung steht an

    Was Ivo Bähni vom Gesundheits- und Umweltdepartement indirekt ins Feld führt, ist ein Vorstoss der Gemeinderäte Luca Maggi (Grüne) und Markus Knauss (Grüne), welche 2023 anregten, auf jene finanzielle Beteiligung am Flughafen zu verzichten, „die den umwelt- und sozialpolitischen Zielen der Stadt Zürich entgegenstehen“. Dieser Vorstoss der beiden linken Gemeinderäte trug dazu bei, dass nun am 18. Mai 2025 ein trocken tönendes Geschäft aus dem Departement von Daniel Leupi (Grüne) an die Urne gelangt. Der „Übertrag der Beteiligung an der Betreiberin des Flughafens vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen, Objektkredit von rund 334,04 Millionen Franken“.

    Zur Erklärung: Zum Verwaltungsvermögen gehören jene Vermögenswerte, die der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe dienen. Demgegenüber können Vermögenswerte des Finanzvermögens ohne Beeinträchtigung der öffentlichen Aufgabenerfüllung veräussert werden. Also dürften die fünf Prozent Aktien an der Flughafen Zürich AG dereinst vom Stadtrat rechtlich gesehen verkauft werden. Die Stadt Zürich könnte dann Oppositionspolitik betreiben, ohne Rücksicht aufs politisch anders tickende Aktionariat.

    Grünes Licht vom Departement Mauch

    Dies bestätigt denn auch Lukas Wigger vom Präsidialdepartement auf Nachfrage, wenn auch ein wenig verklausuliert: „Falls die Beteiligung an der Flughafen Zürich AG im Finanzvermögen bleibt, würde sie der Stadtrat zu gegebener Zeit und unter den für das Finanzvermögen geltenden Gesichtspunkten beurteilen. Dabei ist der Verkauf der Beteiligung eine mögliche Option, wobei mannigfaltige rechtliche Vorgaben einzuhalten wären.“

    Bis es so weit ist, spielt die Stadt Zürich eine klassische Doppelrolle. So hat sie wie etwa das Fluglärmforum Süd beim BAZL im Rahmen der öffentlichen Auflage fristgerecht ihre Stellungnahme eingereicht. Laut Bähni vom Gesundheits- und Umweltdepartement begrüsst die Stadt, „dass das SIL-Objektblatt mit Blick auf den Lärmschutz angepasst werden soll, beurteilt den Entwurf jedoch als ungenügend“. Die Kritik lautet insbesondere, dass der Entwurf nicht den gesetzlichen Grundlagen entspreche, indem er in zahlreichen Punkten konkrete Vorgaben mache, anstatt die Rahmenbedingungen zu definieren. Also etwa bei den Lärmgebühren, den Südstarts und den Betriebseinschränkungen.

    Weiter werden laut der Stadt Zürich zahlreiche Massnahmen zur Vermeidung von Verspätungen sowie zur Fluglärmreduktion ohne nachvollziehbare und belegte Begründung bereits definitiv ausgeschlossen. „Als besonders problematisch erachtet die Stadt Zürich auch die vorgesehenen Südstarts geradeaus, die eine zusätzliche Lärmbelastung für das dicht besiedelte Gebiet südlich des Flughafens – unter anderem Oerlikon und Schwamendingen – bedeuten und sicherheitstechnische Fragen aufwerfen“, so Bähni weiter.

    Nicht alles nur schlecht im BAZL-Papier

    Immerhin, es gebe auch Positives zu berichten über den BAZL-Vorschlag: „Der Entwurf enthält mit der Erhöhung der Lärmzuschläge im Nachtbetrieb für laute Flugzeuge Massnahmen zur Lärmreduktion an der Quelle“. Auch die Massnahmen zur Vermeidung von Verspätungen begrüsse die Stadt, sofern sie sich effektiv auf den Verspätungsabbau auswirkten, zu einer spürbaren Entlastung der von Lärm betroffenen Bevölkerung beitragen und nicht zu einem Kapazitätsausbau führten.

    Auffällig ist, wie viele Verbände und Zusammenschlüsse es gibt, die sich den Kampf für mehr Ruhe und weniger Flugbewegungen auf die Fahne geschrieben haben. Es scheint, wie wenn diese oft ihr eigenes Süppchen kochten im Stil von „Flugverkehr Ja, aber bitte nicht in meinem Gebiet“. Am pointiertesten äusserte sich wie erwähnt das Fluglärmforum Süd. Gerade das Thema An- und Abflüge im Süden des Flughafens hat sich besonders diese Organisation mit immerhin 17 Mitgliedsgemeinden rund um Zürich auf die Fahne geschrieben.

    Schon 2018 ein Nein aus Zürich

    Laut Ivo Bähni ist die Stadt Zürich aber lieber in der „Allianz Ballungsraum Flughafen Süd“ dabei. „Um die Interessen in der unmittelbaren südlichen Nachbarschaft des Flughafens Zürich zu vertreten, haben sich die Städte und Gemeinden Dietlikon, Dübendorf, Opfikon, Wallisellen, Wangen-Brüttisellen und Zürich zur ‚Allianz Ballungsraum Flughafen Süd‘ zusammengeschlossen“, so Bähni.

    Und ja, tatsächlich hat sich die Stadt Zürich 2018 mit der erwähnten Allianz sehr pointiert geäussert und das BAZL schon damals kritisiert: „Das BAZL hat heute das neue Betriebsreglement für den Flughafen Zürich öffentlich aufgelegt. Die Änderungen bedeuten vor allem mehr Lärm über dem dichtest besiedelten Gebiet im Süden des Flughafens. An Bisentagen soll künftig am Flughafen Zürich der ‚Südstart geradeaus‘ geflogen werden. Die direkt betroffenen Gemeinden der Allianz Ballungsraum Flughafen Süd werden gegen das Betriebsreglement Rechtsmittel ergreifen. Die rund 180’000 Menschen im direkten Süden des Flughafens sind bereits heute stark durch Fluglärm belastet“. Merke: Schon 2018 war das jetzt diskutierte Flugregime ein Thema.

    Sieben Jahre später präsentierte der Flughafen eben die neusten Zahlen. Die Passagierzahlen 2024 sind praktisch gleich hoch wie im Vorkrisenjahr 2019. 2024 war somit das zweitstärkste Jahr in der Flughafengeschichte. Die Anzahl Flugbewegungen lag 2024 bei 261’103, dies entspricht einem Plus von sechs Prozent im Vergleich zu 2023. Die tollen Zahlen haben auch eine Schattenseite, vor allem für die Stadt Zürich, welche die Senkung des Energieverbrauchs in der Gemeindeverfassung festgeschrieben hat. Und zwar die Senkung des Energieverbrauchs jeder Einwohnerin und jedes Einwohners. Stichwort: 2000-Watt-Gesellschaft. Da liegen die Erfolgszahlen des Flughafens eigentlich quer in der Landschaft.

    Frage an Mediensprecher Ivo Bähni: „Was unternimmt die Stadt Zürich gegen den stetigen Ausbau des Flughafens mit immer mehr Flugbewegungen?“ Die Antwort: „Die Senkung der Lärm- und CO2-Emissionen in der Luftfahrt muss aus Sicht des Stadtrats ein wichtiges Ziel bleiben“. Doch dann wird es allgemein: „Bestmöglicher Schutz der Bevölkerung vor Lärmauswirkungen“, „Umsetzung der Klima-, Umwelt- und Sozialziele, die sich an denjenigen der Stadt Zürich orientieren“. Plus das „Ja, aber“, dass man schon „hervorragende Dienstleistungen und ein grosses Netz an Direktverbindungen“ wünsche für die Zürcher Bevölkerung und die Zürcher Unternehmen, die Hochschulen und die Tourismusbranche. Dies gelte „namentlich zu Destinationen ohne attraktive Schienenanbindung“. Da ist er wieder, der Drahtseilakt. Entsprechend austariert ist auch das gelieferte Zitat von Stadtrat Andreas Hauri.

    „Der Flughafen Zürich ist zentral für die Anbindung und die wirtschaftliche Stärke unseres Standorts. Ein leistungsfähiger Flughafen und der Schutz der Menschen müssen aber zusammen gedacht werden. Südstarts geradeaus bedeuten mehr Lärm und ein erhöhtes Risiko für dicht besiedelte Stadtquartiere. Warum das BAZL daran festhält, ist nicht nachvollziehbar. Die Stadt Zürich fordert eine sachgerechte Interessenabwägung, mit Lärmschutz und Sicherheit als zentrale Aspekte. Für die Stadt Zürich sind Südstarts geradeaus inakzeptabel“, betont Stadtrat und Umweltvorsteher Andreas Hauri.

    Wer tritt wie auf bei der Abstimmung vom 18. Mai?

    Was bleibt? Die schwierige Aufgabe, die die Stadt Zürich bewerkstelligen muss rund um die Flughafenthemen, ist deutlich spürbar. Gespannt darf man also auf den Abstimmungskampf sein im Vorfeld des 18. Mai 2025. Wie offensiv tritt die Stadt auf, um der Flughafen Zürich AG den Rücken kehren zu können, ohne die Verantwortlichen zu vergraulen? Wie stark wehren sich die Bürgerlichen, damit die Stadt Zürich Teil einer prosperierenden Unternehmung bleibt?

    Dabei geht es um nichts weniger als eine fast 80-jährige Kooperation. Die Beteiligung der Stadt Zürich an der Flughafen Zürich AG begann nämlich in der Nachkriegszeit. Am 5. Mai 1946 stimmte die Stimmbevölkerung der Stadt Zürich einem Beitrag der Stadt im Umfang von 7,5 Millionen Franken an den Bau des „interkontinentalen Flughafens bei Kloten“ zu. Am gleichen Abstimmungssonntag genehmigte die Stimmbevölkerung des Kantons Zürich die Vorlage „Beschluss des Kantonsrates über den Bau eines interkontinentalen Flughafens in Kloten (36,8 Millionen Franken)“. Und so begann der Siegeszug der Könige der Lüfte auch im Raum Zürich. Auf Gelände, das vorher „im grossen Ried“ und „Oberglatter Allmend“ hiess.

    Vielleicht ist abschliessend auch eine leise Kritik an den Medien angebracht, weil der Flughafen mit seiner Wachstumsstrategie punkto Lärm und Schadstoffemissionen jeweils nur dort ein Thema ist, wo die Auswirkungen direkt spürbar sind. Mit den geplanten Starts über Zürich und nicht nur in Zürich Nord könnte der Flughafen jedoch stärker zum Thema werden, auch beim “Tages-Anzeiger” und bei der “Neuen Zürcher Zeitung”.

    Für das eben erst gegründete Rathuus bleibt es ein wichtiges Thema.


  • 1 Minute

    Eine Expedition aufs Land und andere Geschichten

    Lorenz Steinmann sitzt vor einem Podcast-Mikrofon und trägt Kopfhörer. Auf seinem Schoss steht der Parson Russell Terrier Waldo.Ist das nicht herzig? Rathuus-Urgestein Lorenz Steinmann kann einfach besser podcasten, wenn Redaktionshund Waldo in seiner Nähe ist. Bild: Pascal Turin

    In der zweiten Folge des Rathuus-Podcasts erzählt Pascal Turin von seiner aufregenden Reise nach Elgg und Lorenz Steinmann bricht eine Lanze für die Velovignette. Der Podcast ist exklusiv für unsere Abonnentinnen und Abonnenten.

    In der zweiten Folge des mittlerweile nicht mehr nigelnagelneuen Rathuus-Podcasts versorgen euch Lorenz Steinmann und Pascal Turin mit den neusten Entwicklungen rund um die Zürcher Stadtratswahlen 2026.

    Ausserdem erzählt Pascal von seiner aufregenden Reise nach Elgg, wo er die SVP-Kantonsrätin Ruth Büchi-Vögeli für ein Gespräch traf. Und Lorenz bricht eine Lanze für die gute alte Velovignette (zu seinem eigenen Erstaunen).

    Weitere Themen: die Posse um die konstituierende Sitzung im Rathaus und die Lieblingspodcasts der Rathuus-Gründer.

    Der Rathuus-Podcast ist exklusiv für Abonnentinnen und Abonnenten zugänglich. Klicke hier, wenn du mehr zu unseren Abos erfahren möchtest.

    Wie und wo kann man den Podcast hören?


  • 5 Minuten

    Sie ist die stille Schafferin aus Elgg

    Ruth Büchi-Vögeli steht vor dem Eingang der Gemeindeverwaltung Elgg.Ruth Büchi-Vögeli (62) ist ETH-Agronomin und Gemeindepräsidentin von Elgg. Die SVP-Kantonsrätin setzt sich für Ernährungssicherheit mit gesunden und regionalen Produkten ein. Bild: Pascal Turin

    Ihr Zuhause ist der Hof Heurüti, ihre grosse Leidenschaft sind Pferde: Ruth Büchi-Vögeli ist in der SVP und amtet als Gemeindepräsidentin von Elgg sowie als Kantonsrätin. Die Bäuerin setzt sich für den Erhalt von gutem Ackerland und für den Abbau von Bürokratie ein.

    Das Gemeindehaus von Elgg im Kanton Zürich könnte repräsentativer gar nicht sein. Das ehemalige Primarschulhaus aus dem Jahr 1890 wurde 2007 umgebaut und dient nun als Sitz der Verwaltung. Auf der Website der Gemeinde ist das Gebäude als eine von diversen Sehenswürdigkeiten gelistet. Elgg ist eines der sechs historischen Zürcher Landstädtchen. Die anderen fünf Landstädtchen sind laut einem Artikel der „Elgger/Aadorfer Zeitung“ Bülach, Eglisau, Greifensee, Grüningen und Regensberg.

    Doch zurück nach Elgg. Im beschaulichen Ort östlich von Winterthur mit 5157 Einwohnerinnen und Einwohnern amtet die SVP-Politikerin Ruth Büchi-Vögeli als Gemeindepräsidentin.

    Bauernhof an Sohn übergeben

    „Ich habe 1999 erstmals für den Kantonsrat kandidiert“, sagt Büchi-Vögeli und fügt mit einem Lächeln an: „Ich bin dann aber zum Glück nicht gewählt worden.“ Sie sei während des Wahlkampfs mit dem dritten Kind schwanger geworden und „dann hätte ich ein Problem gehabt“. Die Bäuerin hat vier Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne. Im Frühjahr 2019 und 2023 trat sie erneut an, schaffte den Einzug ins Parlament aber nicht. Seit Dezember 2023 sitzt sie jetzt im Kantonsrat. Die Elggerin ist damals für Martin Hübscher aus Bertschikon nachgerutscht.


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    Aufgewachsen ist die Kantonsrätin auf landwirtschaftlichen Pachtbetrieben in Hinwil und Mönchaltorf, ihre Eltern waren ebenfalls Bauern. Dort ging sie auch in die Primar- und Sekundarschule. Nach Abschluss des Gymnasiums besuchte sie zuerst die Bäuerinnenschule in Wülflingen, einem Stadtteil von Winterthur. Danach studierte sie an der ETH Zürich Agrarwissenschaften.

    Seit über 25 Jahren lebt die Kantonsrätin nun auf dem Hof Heurüti in Elgg, mit rund 30 Hektaren Land und 8,5 Hektaren Wald. Die Fläche ist etwa 24-mal so gross wie der Sechseläutenplatz in der Stadt Zürich. Viele Jahre führte sie den Bauernhof gemeinsam mit ihrem Mann. 2021 übergaben sie den Milchwirtschaftsbetrieb mit etwa 30 Kühen (Braunvieh) an ihren Sohn Jörg Büchi. Dieser erlangte schweizweit Bekanntheit, als er schonungslos offen in der „Sonntagszeitung“ von der prekären Einkommenssituation in der Schweizer Landwirtschaft berichtete.

    Ruth Büchi-Vögeli wohnt mit ihrem Mann immer noch auf dem Bauernhof. Der Sohn bewohnt nun mit seiner Frau den unteren Stock des Elternhauses. Die ETH-Agronomin hilft manchmal im Stall aus und ist für die Pflege ihrer zwei Freiberger verantwortlich. Sie liebt Pferde und war 17 Jahre Geschäftsführerin der Zürcher Pferdezuchtgenossenschaft. „Ich habe schon als Mädchen von einem Pferd geträumt.“ Doch erst als Büchi-Vögeli etwa 20 Jahre alt war, hat sie zusammen mit ihrer Mutter ein Pferd gekauft. So hat sie sich diesen Traum also selbst erfüllt.

    Mit Fakten Gehör verschaffen

    Die „Bauernzeitung“ bezeichnete die Elggerin einst als „stille Schafferin“, die sich aber mit „gut belegten Fakten“ Gehör verschaffen könne. Offensichtlich ist, dass es ihr wichtig ist, sich gut über die Themen zu informieren, mit denen sie sich im politischen Alltag beschäftigen muss. Im Gespräch erklärt sie zum Beispiel mal eben und auch für Laien verständlich den Fachausdruck Gewässerraumausscheidung. Der Begriff bedeutet, dass ein bestimmter Bereich entlang von Flüssen und Bächen freigehalten wird, damit das Wasser genug Platz hat und Lebensräume für Tiere und Pflanzen erhalten bleiben.

    Und sie erzählt, dass ihr der Erhalt von Fruchtfolgeflächen, das sind Böden, die für Ackerbau geeignet sind, besonders wichtig ist. „Bei Interessenabwägungen, etwa bei der Ausscheidung von Gewässerraum oder beim Bau von Radwegen, gehen die Fruchtfolgeflächen aber oft vergessen. Damit geht bestes Ackerland verloren“, bedauert Büchi-Vögeli. Die Elgger SVP-Gemeindepräsidentin will sich darum auf kantonaler Ebene für den Erhalt der Fruchtfolgeflächen einsetzen.

    Ochsentour durch Lokalpolitik

    Auch wenn dieser Ausdruck bei einer Landwirtin besonders abgedroschen klingt, gleicht ihre politische Karriere einer typischen Ochsentour. So war sie Mitglied der Flur-, Forst- und Landwirtschaftskommission Gemeinde Elgg und Mitglied der Primarschulpflege der damals eigenständigen Gemeinde Hofstetten ZH (gehört heute zu Elgg). Dann wurde sie Gemeinderätin und stand dem Ressort Gesundheit, Sport, Freizeit und Kultur vor. Seit dem Frühjahr 2022 ist sie Gemeindepräsidentin von Elgg.

    Der Arbeitsaufwand als Kantonsrätin entspricht laut Büchi-Vögeli ungefähr einem 30-Prozent-Pensum, derjenige der Gemeindepräsidentin in Elgg etwa einem 35-Prozent-Pensum. Ihren Job macht sie sehr gern. „Ich habe sehr viel gelernt, seit ich politisch tätig bin“, sagt die Politikerin.

    Ruth Büchi-Vögeli sitzt auf einer Bank. Im Hintergrund ist die Altstadt von Elgg zu sehen.Ruth Büchi-Vögeli wirbt im Kantonsrat für mehr Verständnis für die Anliegen von Landwirtinnen und Landwirten. Bild: Pascal Turin

    Naturschutz ja, aber weniger Bürokratie

    In die SVP eingetreten ist Ruth Büchi-Vögeli „von berufs wegen“, wie sie sagt. Die Grünen waren aus ihrer Sicht damals keine Option und wären es auch heute nicht. „Die Grünen sind für mich einfach zu extrem“, sagt die Bäuerin. Zu viele Vorschriften von Linksgrün würden den Bäuerinnen und Bauern die Arbeit erschweren.

    Sie nennt als Beispiel die Schnittzeitpunkte von artenreichen Ökowiesen. Dabei handelt es sich um Termine, ab wann Wiesen gemäht werden dürfen. Diese Schnittzeitpunkte sind aus ihrer Sicht unflexibel und würden keine Rücksicht auf die Vegetation oder das Wetter nehmen. „Aber dafür werden mit einheitlichen Schnittzeitpunkten natürlich die Kontrollen durch die Behörden erleichtert“, sagt Büchi-Vögeli. Doch genau diese Bürokratie ist ihr ein Dorn im Auge.

    Die Kantonsrätin sagt, ihr seien eine nachhaltig produzierende Landwirtschaft mit zurückhaltendem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wichtig, aber genauso die Ernährungssicherheit. „Wir müssen in der Schweiz sicherstellen, dass wir unsere Bevölkerung mit hier hergestellten Lebensmitteln ernähren können.“

    Mangelndes Verständnis der Bevölkerung

    Manchmal habe sie das Gefühl, viele Schweizerinnen und Schweizer hätten wenig Verständnis für die Landwirtschaft, obwohl Bäuerinnen und Bauern sieben Tage die Woche auf ihren Höfen schuften würden. „Wir geben uns Mühe, wir haben Biodiversitätsflächen, aber das wird irgendwie nicht wahrgenommen“, so Büchi-Vögeli. „Die Burnout-Rate ist sehr hoch und dieses dauernde ‚Bauern-Bashing‘ macht die Situation nicht einfacher.“

    In der Politik wirbt sie darum für mehr Verständnis für die Anliegen der Landwirtinnen und Landwirte. Diese Arbeit möchte sie in den nächsten Jahren fortsetzen. Bei den Erneuerungswahlen des kantonalen Parlaments im Jahr 2027 will Ruth Büchi-Vögeli wieder antreten.


  • 3 Minuten

    Eine Velovignette soll es richten

    Im Hintergrund fährt ein Mann auf einem Mountainbike einen schmale Strasse hoch. Im Vordergrund ist ein Porträtfoto von SVP-Politikerin Nina Fehr Düsel platziert.SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel will einen Vorstoss einreichen zur Wiedereinführung der Velovignette. Bilder: pat/zvg, Bildmontage: Pascal Turin

    Sie war bis 2012 Vorschrift für jedes Velo: die Velovignette. Nina Fehr Düsel aus Küsnacht will diese Form der Velosteuer „revitalisieren“. Die SVP-Nationalrätin reicht dafür in der Frühjahrssession in Bundesbern einen Vorstoss ein. Gegenüber Rathuus erklärt sie ihre Idee.

    Aus Sicht nicht weniger Autofahrerinnen und Autofahrer ist die aktuelle Situation ungerecht. Wer mit dem Auto (oder mit dem Töff) herumfährt, wird vom Staat gemolken. Wer hingegen Velo fährt und die Strassen mitbenutzt, ist ein Schmarotzer oder zumindest ein Trittbrettfahrer.

    Tatsächlich erhebt der Staat Steuern aufs Autofahren. Das Geld kommt aus den Einnahmen der Autobahnvignette, der kantonal geregelten Automobilsteuer sowie der Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel. Dafür werden hauptsächlich die Nationalstrassen und kantonale Durchgangsstrassen finanziert.

    So stört sich der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) denn auch an der Idee einer Velovignette. Insbesondere in den Gemeinden würden die Strassen aus den Steuereinnahmen finanziert, heisst es vom VCS. Es sei also keineswegs so, dass Velofahrerinnen und Velofahrer nichts bezahlten an die Infrastruktur. Pro Velo Schweiz geht sogar noch einen Schritt weiter. In einem Bericht von Radio SRF betont die Lobbyorganisation, der motorisierte Verkehr sei verantwortlich für hohe Unfallkosten und Umweltschäden. Das Velo hingegen brauche wenig Platz und verursache am wenigsten Kosten für die Allgemeinheit.


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    Ein Thema im Nationalrat

    Heute Montag beginnt die Frühjahrssession der Eidgenössischen Räte. Dann wird die Velovignette ebenfalls ein Thema sein. Denn SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel will einen Vorstoss einreichen zur Wiedereinführung der Velovignette. Die Kosten sollen 20 Franken pro Velo betragen.

    Nina Fehr Düsel, genügen 20 Franken jährlich, um die Velo-Infrastruktur zu decken?
    Es wäre zwar kein kostendeckender Beitrag, aber er würde doch wesentlich zur Verkehrsinfrastruktur beitragen. Mir schweben 20 Franken pro Person vor, nicht pro Velo. Dies könnte man zum Beispiel mittels E-Vignette lösen.

    Hoffen Sie, dass mit dieser Vignette dem Bau besserer Veloinfrastruktur Schub gegeben wird?
    Ich finde Veloinfrastruktur in den Städten sinnvoll. Es dürfen aber deswegen nicht überall Parkplätze abgebaut werden. Das Gewerbe ist zum Beispiel auf das Auto angewiesen. Es braucht ein Nebeneinander. Aber es ist gut, dass es Velowege gibt. Ich selbst benutze diese auch. Daher finde ich es sinnvoll, wenn man auch einen bescheidenen Beitrag daran bezahlt. Nicht nur als schnelles E-Bike. 20 Franken jährlich finde ich angemessen.

    Was sehen Sie noch als Vorteil einer Vignette?
    So könnte man das Velo bei Diebstahl schneller finden. Das war mit der Vignette früher ein grosser Vorteil und wäre es auch heute. Fraglich ist, ob sogar eine Kombination mit einer Diebstahlversicherung/Haftpflicht sinnvoll ist. Heute – im Gegensatz zu früher – haben allerdings die meisten Personen bereits eine Haftpflichtversicherung. 

    Was halten Sie vom Entscheid des Zürcher Kantonsrates, eine ähnliche Form der Velobesteuerung im Kanton Zürich aufzugleisen?
    Den Entscheid des Kantonsrates (Anstoss war eine Einzelinitiative des Küsnachter Juristen Andreas Schlegel, Anm. d. Red.), eine Velosteuer zu prüfen, finde ich gut. Es macht Sinn, dass alle Strassenbenützer, nicht nur Autos und Motorräder, sondern auch Bikes und E-Scooter/E-Trottis eine kleine Abgabe für die Benützung der Strassen und immer neuen Velowege zahlen müssen. Mittels E-Vignette wäre dies ohne grosse Bürokratie möglich.

    Was haben Sie selber für einen Bezug zum Velo?
    Ich selbst habe gar nichts gegen Velos, im Gegenteil, ich benutze für die Arbeit auch oft ein Velo oder E-Bike. Auch in der Freizeit benutze ich (mit der Familie) oft das Bike. Man hätte von dieser Abgabe auch einen Nutzen, und es ist nur ein kleiner Beitrag (die Hälfte der Autovignette). Übrigens finde ich es wichtig, dass sich auch Velofahrer an die Verkehrsregeln halten.


  • 1 Minute

    Abfuhr für Nostalgie-Idee

    Zu sehen ist das historische Ratshaus von innen mit dem eigentlichen Ratssaal.Daraus wird doch nichts. Die konstituierende Ratssitzung findet am angestammten Ort im Kreis 4 und nicht im historischen Rathaus statt. Bild: Parlamentsdienste Kanton Zürich

    Christian Huser (FDP) wollte sich im Mai im historischen Rathaus am Limmatquai zum neuen Ratspräsidenten des Stadtzürcher Gemeinderats wählen lassen. Daraus wird nun nichts. Denn überraschend wurde ein Vorstoss der AL angenommen.

    Das Stadtzürcher Parlament hat am Mittwochabend einen Vorschlag abgelehnt, die konstituierende Sitzung im Mai ins historische Rathaus am Limmatquai zu verlegen. Die Geschäftsleitung hatte dies vorgeschlagen, der Gemeinderat lehnte die Idee jedoch überraschend mit 62 zu 56 Stimmen ab. Die Alternative Liste (AL) war gegen den Vorschlag und äusserte das mit einem sogenannten Beschlussantrag an den Rat. Rathuus berichtete exklusiv darüber. Die AL-Argumente: zu teuer und ein zu hoher personeller Aufwand für die Verwaltung.


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    Die Diskussion verlief angeregt, schlussendlich machte die Mitte-Fraktion den Unterschied, indem sie Nein stimmte. Für AL-Gemeinderat und Fraktionspräsident David Garcia Nuñez ein grosser Erfolg: „Die Besprechung im Rat war glorios. Und unsere Aktion hat Wirkung gezeigt: Coram publico (vor aller Welt, Anm. d. Red.) ist die Mitte gekippt. Die Demokratie wird nun nicht verkauft.“ Garcia Nuñez spricht die Idee der FDP an, die Mehrkosten der Züglerei zu übernehmen und über die Parteikasse zu berappen.

    Somit findet die erste Sitzung des Gemeinderats in neuer Besetzung wie üblich im temporären Rathaus Hard im Kreis 4 statt. Die eigentliche Feier für den Gemeinderatspräsidenten Christian Huser ist dann in Zürich-Nord angesetzt. Von dort stammt Huser. Für die Sause gibt es ein Budget des Gemeinderates von 20’000 Franken. Immerhin.


  • 7 Minuten

    Zug oder Auto? So grün sind unsere Politikerinnen und Politiker unterwegs

    Ein Zug der S-Bahn Zürich hält an einem Bahnhof.Wer mit dem ÖV pendelt, nimmt häufig den Zug. Das ist auch bei den angefragten Politikerinnen und Politikern aus dem Kanton Zürich nicht anders. Bild: Pascal Turin

    Lieber das Auto statt den Zug oder das Velo: Viele Menschen in der Schweiz pendeln motorisiert zur Arbeit. Doch wie sieht es bei den Zürcher Kantonsrätinnen und Kantonsräten aus? Wir haben nachgefragt und wurden durchaus überrascht.

    Immer noch benutzen die meisten Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz für die Fahrt zum Arbeitsplatz das Auto. Dies zeigt ein Blick in die Daten des Bundesamts für Statistik (BFS). Kürzlich wurden die aktuellsten Analysen zur Pendlermobilität veröffentlicht. „2023 waren 8 von 10 Erwerbstätigen in der Schweiz Pendlerinnen bzw. Pendler, also Personen, die zum Aufsuchen des Arbeitsplatzes ihr Wohngebäude verlassen“, so das BFS. Dies entspreche knapp 3,7 Millionen Menschen.

    Die Onlineplattform „Mobimag“ sieht das Glas halb voll und titelt: „Mehr Velo, weniger Auto: Die Schweiz pendelt umweltbewusster – doch der öffentliche Verkehr profitiert nur mässig davon.“

    Das „Velojournal“ hingegen ist weniger positiv gestimmt. „Weniger als 20 Prozent der Pendlerinnen und Pendler setzen auf eine Fortbewegung per Muskelkraft. Und dies, obwohl laut Auswertung des BFS mehr als ein Drittel der Pendelnden einen Arbeitsweg von maximal fünf Kilometern zurücklegt“, schreibt die Fachzeitschrift. Damit sei die Verkehrswende in der Schweiz noch in weiter Ferne.


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    Kantonsrätinnen und Kantonsräte befragt

    Tatsache ist, dass laut dem BFS die Hälfte der Pendelnden (50 Prozent) 2023 als Hauptverkehrsmittel für den Arbeitsweg das Auto benutzte. 31 Prozent begaben sich demnach mit dem öffentlichen Verkehr (ÖV) zur Arbeit, 18 Prozent zu Fuss oder mit dem Velo. 14 Kilometer legten die sogenannten Arbeitspendlerinnen und -pendler pro Arbeitsweg (ein Hinweg) zurück. Sie benötigten dafür 30 Minuten.

    So viel dazu. Doch wie sieht es eigentlich bei den Zürcher Politikerinnen und Politikern aus? Rathuus wollte von zufällig ausgewählten Kantonsrätinnen und Kantonsräten wissen, wie sie zu ihrem Arbeitsplatz und ins Rathaus pendeln. Angefragt wurden Personen aller im kantonalen Parlament vertretenen Parteien.

    Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, gibt aber trotzdem einen interessanten Einblick. So nutzen doch tatsächlich alle der befragten Kantonsrätinnen und Kantonsräte entweder den ÖV oder Muskelkraft, um zur montäglichen Parlamentssitzung im temporären Rathaus beim Bullingerplatz im Kreis 4 zu gelangen. Querbeet von der AL bis zur SVP. So sieht für einmal politische Einigkeit aus.

    „Es ist sehr schön von Urdorf über den Schlieremerberg und dann weiter auf der Velovorzugsroute auf der Baslerstrasse“, sagt GLP-Politikerin Sonja Gehrig aus Urdorf.

    Bochsler achtet auf seinen ökologischen Fussabdruck

    „Für meine politische Arbeit im Rathaus nutze ich ausschliesslich den öffentlichen Verkehr. Ich fahre immer mit dem Zug ins Rathaus, da dies eine zuverlässige Möglichkeit ist“, sagt Marc Bochsler, SVP-Kantonsrat aus Wettswil. Er habe das grosse Glück, dass sich der Sitz seiner Gesellschaft in derselben Gemeinde befinde, in der er auch wohne. „Dadurch ist mein Arbeitsweg äusserst kurz und effizient. Für den Hinweg benötige ich lediglich fünf Minuten, ebenso für den Rückweg“, so der Geschäftsführer der Bochsler Treuhand GmbH.

    Diese Nähe zwischen Wohn- und Arbeitsort bringt für ihn viele Vorteile mit sich. „Einerseits spare ich wertvolle Zeit, die ich stattdessen für geschäftliche oder private Angelegenheiten nutzen kann“, so der Wettswiler. Andererseits reduziere sich durch den kurzen Arbeitsweg auch sein ökologischer Fussabdruck, da er auf lange Pendelzeiten und umweltbelastende Verkehrsmittel verzichten könne.

    „Wenn es das Wetter erlaubt, fahre ich mit dem Velo zur Arbeit, was nicht nur praktisch ist, sondern auch einen Beitrag zur eigenen Gesundheit und zur Umweltfreundlichkeit leistet“, findet Bochsler. „Sollte ich jedoch einen auswärtigen Kundentermin haben, nehme ich für diesen Tag mein Auto, um flexibel und pünktlich an meinem Ziel anzukommen.“


    Die Grafik zeigt den Anteil der Pendlerinnen und Pendler, die ein bestimmtes Verkehrsmittel als Hauptverkehrsmittel für den Arbeitsweg verwenden. Bemerkenswert ist, dass sich der Autoanteil seit 1990 kaum verändert hat. Hier klicken, um direkt zum Datensatz zu gelangen.


    Gehrig und Vlk nehmen das Velo

    Etwas länger, nämlich total 27 bis 30 Minuten, pendelt Sonja Gehrig zu ihrem Arbeitsplatz. Die GLP-Politikerin aus Urdorf arbeitet ein bis zwei Tage pro Woche im Homeoffice. Für den Weg zum Rathaus im Kreis 4 steigt sie im Sommer aufs Velo. „Es ist sehr schön von Urdorf über den Schlieremerberg und dann weiter auf der Velovorzugsroute auf der Baslerstrasse“, so die Umweltwissenschafterin. Im Winter fährt die Kantonsrätin mit der S-Bahn bis Hardbrücke (knapp zehn Minuten) und nimmt manchmal für eine Station das Tram oder den Bus bis zum Hardplatz.

    FDP-Kantonsrat Simon Vlk braucht nur zwischen drei bis fünf Minuten bis ins Büro. Der Ustermer ist Geschäftsführer von webagentur.ch, einer Agentur für Webdesign. Für den kurzen Arbeitsweg entscheidet er sich entweder für das Velo oder er geht zu Fuss. Homeoffice kann er „nach eigenem Gutdünken“ machen. Und zur Parlamentssitzung fährt Vlk mit dem ÖV.

    Lamprecht pendelt gar nicht, Mani und Abou Shoak fahren lang

    EDU-Politiker Thomas Lamprecht hat sogar einen kürzeren Arbeitsweg als FDP-Kantonsrat Simon Vlk. Die Entfernung zu Lamprechts Arbeitsort beträgt nämlich nur zwei Meter. „Mein Büro ist an meinem Wohnhaus angebaut“, sagt der Chef der Lamprecht Schreinerei in Bassersdorf. Homeoffice macht da also wenig Sinn. Wenn er ins Rathaus Hard muss, nimmt Lamprecht den Zug.

    Im Vergleich zu Thomas Lamprecht ist Tobias Mani ein waschechter Pendler. „Ich pendle mit dem Zug nach Aarau zu Arbeit“, so der EVP-Kantonsrat aus Wädenswil. Die Zugfahrt dauere circa 60 Minuten, von Tür zu Tür seien es 75 Minuten. Immerhin kann er bis zu zwei Tage pro Woche im Homeoffice arbeiten. „Ich komme immer mit dem Zug bis Bahnhof Wiedikon und dann mache ich knapp 15 Minuten Spaziergang zum Rathaus“, sagt Mani, der bei einer Rechtsschutzversicherung als Anwalt arbeitet.

    Noch länger als Mani pendelt Mandy Abou Shoak mit dem Zug – sie hat ein Generalabonnement. Die SP-Politikerin arbeitet für die Nichtregierungsorganisation Brava (früher Terre des Femmes Schweiz), die ihre Geschäftsstelle in Bern hat. „Ich pendle von Altstetten nach Bern“, so die Stadtzürcherin. Von Haustür zu Haustür habe sie 1 Stunde und 45 Minuten. Die Menschenrechtlerin kann aber zu Hause arbeiten. „Ich bin 1,5 Tage pro Woche im Homeoffice“, so Abou Shoak. Und wenn sie ins Rathaus Hard zur Parlamentssitzung muss, nimmt sie im Winter den ÖV und im Sommer das Velo.

    Sahli hat bis zu drei Tage Homeoffice, Wydler gar nicht

    Auch AL-Kantonsrat Manuel Sahli fährt mit dem Zug. Im Optimalfall sind es laut ihm von Tür zu Tür 40 bis 45 Minuten. Das gilt für das Parlamentsgebäude sowie seinen Arbeitsplatz, da sich beide in der Nähe des Bahnhofs Hardbrücke befinden. Meistens nimmt der Informatiker den Zug von Winterthur Seen bis zur Hardbrücke, manchmal zusätzlich den Bus – innerstädtisch in Winterthur zum Bahnhof. „Ich arbeite bei der Swisscom, wir haben zwei Bürotage, ergo dürfen wir bis zu drei Tage Homeoffice machen“, erklärt Sahli von der Alternativen Liste.

    Gar nicht von ihrem Daheim aus arbeiten kann dafür Kathrin Wydler. Der Arbeitgeber der Chemieingenieurin bietet die Möglichkeit von Homeoffice nicht an. Die Walliseller Mitte-Kantonsrätin pendelt 30 Minuten und fährt mit dem Zug. Auch ins Rathaus nimmt Wydler den ÖV.

    „Ich nehme das Postauto in Windlach, steige in Oberglatt um und nehme die S-Bahn nach Zürich Hardbrücke“, so Kantonsrätin Wilma Willi (Grüne).

    Bloch nimmt das Tram und Willi das Elektroauto

    Beat Bloch hingegen hätte die Wahl, er könnte zwischendurch in seinem Homeoffice arbeiten. „Ich habe grundsätzlich die Möglichkeit, nutze sie aber praktisch nie“, sagt der Kantonsrat der Christlich-sozialen Partei – kurz CSP. Auch der Stadtzürcher pendelt – „und die Fahrt mit dem ÖV dauert rund 25 Minuten“. Der Richter am Bezirksgericht Zürich nimmt das Tram zu seinem Arbeitsplatz und den Bus zum Rathaus Hard.

    Wenig erstaunlich ist, dass Kantonsrätin Wilma Willi (Grüne) nicht mit dem Auto zum Rathaus pendelt. „Ich nehme das Postauto in Windlach, steige in Oberglatt um und nehme die S-Bahn nach Zürich Hardbrücke“, so die Berufsschullehrerin. Von dort gehe sie zu Fuss ins Rathaus. Der Weg dauert circa 53 Minuten. Von Windlach zu ihrem Arbeitsort, der Berufsschule Bülach, fährt sie hingegen mit dem Elektroauto oder im Sommer mit dem Velo. Mit dem Auto dauert der Arbeitsweg nur zehn Minuten, mit dem Velo 25 Minuten. Homeoffice wäre bei Lehrperson Wilma Willi vermutlich eher weniger sinnvoll.

    Fazit: Otto Normalverbraucher würde die Resultate dieser kleinen Umfrage dem Stadtzürcher Gemeinderat zuordnen, kaum aber dem sonst eher bürgerlich dominierten Kantonsrat. Verkehrte Welt? Die befragten Kantonsrätinnen und Kantonsräte gehen mit gutem Beispiel voran (zumindest fahren sie oft mit dem ÖV oder mit dem Velo).