Er fällt oft durch originelle und vielfältige Vorstösse im Gemeinderat auf: Flurin Capaul von der FDP. Im indiskreten Fragebogen fürs Rathuus verrät der 47-Jährige, dass er früher in der SP war, warum er das historische Rathaus nicht als Museum sieht und was ihn an Pipilotti Rist fasziniert.
Flurin Capaul, wie wurden Sie politisiert?
Wie wohl die meisten in der Schweiz: Durch die quartalsweise stattfindenden Abstimmungen und die Wahlen kommt man automatisch zur Auseinandersetzung mit der Politik.
Was wollten Sie als Kind werden?
Businessman. Ich fand (in den frühen 90er) Anzug und Aktenkoffer unglaublich schick.
Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
Wohnen und Kultur. Da wuchert die Bürokratie und vor lauter Konzepten vergisst man, dass man primär etwas für die Stadt erreichen sollte.
Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu, oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
Ich war in ganz jungen Jahren mal bei der SP. Eine Amour fou, die dann aber gegenseitig nicht versprach, was man sich erhofft hatte. Bei der FDP fand ich dann die stabile Beziehung fürs Leben.
Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
Willkommen in der alltäglichen, aber wenig glamourösen Basisarbeit jedes engagierten Parteimitglieds einer Ortspartei.
Welche Staatsmänner halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch?
Kaspar Villiger. Der (ehemalige FDP-Bundesrat, Anm. d. Red.) übernahm 2009 die Verantwortung bei der UBS, obwohl er nicht darauf angewiesen war. Er fühlte sich moralisch dazu verpflichtet und riskierte – freiwillig und ohne Zwang – seinen guten Ruf.
Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken?
Mit Pipilotti Rist. Eine faszinierende Künstlerin, die Kunst macht, die eben nicht unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Tolles Beispiel: Der Pixelwald Turicum im Kunsthaus.
„Ich war in ganz jungen Jahren mal bei der SP – eine amour fou, die dann aber gegenseitig nicht versprach was man sich erhofft hatte. Bei der FDP fand ich dann die stabile Beziehung fürs Leben.“
Was ist Ihr Lieblingsrestaurant in der Stadt oder im Kanton Zürich?
Das kommt ganz darauf an, mit wem ich unterwegs bin!
Mit meiner Tante würde ich gepflegt in die „Obere Flühgasse“, mit Freunden kulinarisch raffiniert in die „Enoteca Riviera“, geschäftlich am Mittag ins „Spitz“, mit dem Kegelverein in den „Gertrudhof“, mit den kulinarisch ambitionierten Foodies ins „Sentosa“, mit Hipster ins „Lang Thai Pub“ und mit dem veganen Tinderdate ins „Kle“ essen gehen.
Falls Geld keine Rolle spielt: „Dolder“ oder „Widder“.
Kaufen Sie das „Surprise“, und lesen Sie es auch?
Spontan kaufe ich’s ab und an, blättere es aber nur kurz durch.
Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht?
An Plänen mangelt’s mir nie … So würde ich gerne eine Kochlehre machen und das Handwerk von der Pike auf lernen, einen Roadtrip durch die ehemalige DDR unternehmen, um alle existierenden Bunker zu besichtigen oder mal jedes Haus Zürichs, das älter als 100 Jahre ist, besuchen. Unsere Welt hat noch so viel Interessantes zu entdecken …
Wer ist für Sie der oder die bedeutendste Zürcherin?
Verstorben: Ernst Sieber. Lebend: Roger Schawinski.
Sex ohne Liebe, was halten Sie davon?
Ich musste mich kurz vergewissern, ob es wirklich 2025 und nicht 1955 ist. Bedeutend wichtiger als Liebe ist die korrekte Verhütung zur Verhinderung von sexuell übertragbaren Krankheiten.
„Ich würde gerne eine Kochlehre machen und das Handwerk von der Pike auf lernen“.
Was war Ihr grösster politischer Erfolg?
Das beurteilen andere. Am meisten freuen mich Vorstösse, wo mehrere Parteien involviert sind – so beispielsweise für die Etablierung einer dezidierten Anlaufstelle für Baubewilligungen von Gastrobetrieben oder dem Ermöglichen von mehr NLA-Frauenspielen im Letzigrund.
Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas?
Da erhalte ich jeweils stadträtliches Feedback im Einzelgespräch. Es scheint, dass meine 50 Fragen zum einen Geschäft, dessen Name ich gerade vergessen habe, nicht sonderlich goutiert wurden …
Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard?
300 Jahre wars gut und nun plötzlich nicht mehr? Hier zeigen sich exemplarisch die abstrusen Vorgaben von Denkmal- und Heimatschutz. Es ist ein Rathaus und kein Museum – die Nutzung muss ermöglicht und nicht verhindert werden.
„Mein grösster politischer Fauxpas? Es scheint, dass meine 50 Fragen zum einen Geschäft, dessen Name ich gerade vergessen habe, nicht sonderlich goutiert wurden …“
Portobello-Burger oder Poulet-Kebab?
Beide Gerichte sind Abwandlungen einer kulinarischen Tradition, da würde ich dann schon eher das Original bevorzugen. Aber wenn ich müsste, klar der Poulet-Kebab, der hat einfach mehr Geschmack als ein Portobello-Pilz, der ja nichts anderes wie ein grosser Champignon ist. Pilzhandel Büchi-Stäger auf dem Bürkliplatz- oder auf dem Oerlikermarkt hilft gerne mit interessanteren Pilzen weiter.
Taylor Swift oder Beatrice Egli?
Ich habe ein Faible für Metzgerstöchter – daher Beatrice Egli.
Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy?
Meinen Grossvater auf Weltreise in den 1930er-Jahren auf einem Kamel vor den Pyramiden von Gizeh.
Worauf freuen Sie sich?
Wenn mir eine Sauce wirklich gut gelingt, ein Vorstoss überwiesen wird oder wenn ich ein Bürgeranliegen auf kurzem Dienstweg erledigen kann.
Und worüber können Sie lachen?
Jackass (US-amerikanische Fernsehsendung, Anm. d. Red.), gemeinderätliche Voten und Komiker Jimmy Carr.
Flurin Capaul hat den Rathuus-Fragebogen am 7. Mai 2025 ausgefüllt. Capaul ist 47-jährig, wohnt in Wiedikon, ist ausgebildeter Informatik-Ingenieur (Dipl. Ing. FH) und beschäftigt sich beruflich mit Software-Lösungen. Capauls liebste Beschäftigung – neben der Politik – ist alles, was mit Kulinarik zu tun hat. Aktuell engagiert sich Capaul als Kassier des Quartiervereins Wiedikon und ist Präsident von Pro Beiz. Trivia: Früher war Capaul bei den Pfadfindern. Sein Vulgo: Schelm.

Flurin Capaul liebt die Politik und hat eine grosse Passion für die Kulinarik und die Gastronomie. Sein unerfüllter Traum ist eine Lehre als Koch. Bild: Genusshelden 23/24
Posieren für das obligate Gruppenfoto (v. l.): Kantonsrat Thomas Forrer (Grüne), Lara Tabbert, Vorstand Junge GLP Kanton Zürich, SVP-Kantonsrat Ueli Pfister, Mitte-Kantonsrätin Marzena Kopp und Podiumsmoderatorin Charlène Pfammatter vom Verein Discuss it. Bild: Pascal Turin
Es war doch eine Überraschung, das Nein des Stimmvolks zur Senkung der Unternehmenssteuer im Kanton Zürich. Bild/Zeichnung: Lorenz Steinmann
Das kleine, aber feine Rathuus-Fäschtli hat den beiden Rathuus-Gründern viel Spass gemacht (v. l.): Lorenz Steinmann und Pascal Turin genossen den Abend in vollen Zügen. Bild: Tobias Stepinski
Ausschnitt aus dem Video zur Kampagne "Abstand ist Anstand": Der Clip will auf humorvolle Weise das Nebeneinander von Velofahrenden und zu Fuss Gehenden, aber auch von Autofahrenden aufzeigen. Video: Youtube, Screencast: Rathuus
Der Wald ist ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Mit Holz können energieintensive Baumaterialien wie zum Beispiel Beton ersetzt werden. Mit Holz wird aber auch geheizt. Bild: Pascal Turin
In der Schweiz besteht noch grosses Potenzial, wenn es um nachhaltige Holznutzung geht. Dies zeigt eine Analyse von der Empa und der WSL. Bild: Pascal Turin
Mit vereinten Kräften schaffen es Michael Hochstrasser (Lüscher Gartenbau) und Violanta von Salis (von salis communication): Auch auf dem Werdmühleplatz steht eines der Hochbeete. Bild: Lorenz Steinmann
Das ist nicht alltäglich. Auf dem 100 Prozent asphaltierten Paradeplatz stehen zwei Hochbeete mit Wildpflanzen. Bild: Lorenz Steinmann
Ueli Nagel ist zurückgetreten als Präsident des Verbundes Lebensraum Zürich (VLZ). Nachfolgerin wurde Monica Sanesi. Bild: Lorenz Steinmann
Kampagne für eine autofreie Mobilität, etwa auf der Rudolf-Brun-Brücke im Jahr 2003. Das passierte im Rahmen von Zürich multimobil. Bild: Lorenz Steinmann
Hüfttief im Schnee steckt hier Sven Sobernheim. Sonst ist der GLP-Politiker aber durchaus flexibel und für politische Kompromisse zu haben. Bild: zvg
Im Jahr 2024 sind 31,2 Millionen Passagiere über Kloten geflogen: Der Flughafen Zürich ist eine wichtige Verkehrsinfrastruktur der Schweiz, ob einem das gefällt oder nicht, findet Pascal Turin, Co-Chefredaktor von Rathuus. Bild: Pascal Turin, Bildmontage: Rathuus
Sie geniessen die sommerlichen Temperaturen in Zürich (v. l.): Lorenz Steinmann und Pascal Turin wollten eigentlich ein Selfie mit einem Traverso der Südostbahn im Hintergrund knipsen. Doch leider fuhr gerade keiner vorbei. Bild: Rathuus