Wir bleiben dran

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  • 5 Minuten

    So wird das nichts

    Zürich bei Sonnenuntergang: Ein verliebtes Pärchen sitzt kuschelnd auf Steinen und blickt Richtung Zürich West, das vom magisch wirkenden orange-gelben Sonnenlicht umrahmt wird. Auf dem Bild ist im Vordergrund das Porträtfoto von Lorenz Steinmann platziert.Für Zürich scheint immer die Sonne (ausser bei Hochnebel): Politisch gesehen gibt es für viele Zürcherinnen und Zürcher wenig Anlass, plötzlich bürgerlich statt links zu wählen, findet Lorenz Steinmann. Bild: Lorenz Steinmann, Bildmontage: Rathuus

    Die Bürgerlichen sind in Zürich angetreten, um bei den Stadtratswahlen 2026 endlich zu reüssieren. Doch vieles deutet darauf hin, dass der Grossangriff auf die Exekutive wahrscheinlich in einem Desaster enden wird. Ein Kommentar.

    Karin wer? Ueli was? Përparim wie und Marita wo? Wenige Monate vor den Neuwahlen für den Stadtrat in Zürich kennt gefühlt niemand die neuen bürgerlichen Kandidatinnen und Kandidaten Karin Weyermann (Mitte), Ueli Bamert (SVP) sowie Përparim Avdili und Marita Verbali (beide FDP). Dabei soll laut den Bürgerlichen nächsten Spätwinter nichts weniger als die Wende zum Guten, zu den Werten der Bürgerlichen stattfinden. Konkret am 8. März 2026, wenn die Wahllokale für die Erneuerungswahlen von Gemeinderat sowie Stadtrat und Stadtpräsidium geschlossen werden. Das sind nach Adam Riese weniger als fünf Monate, wobei die Abstimmungscouverts erfahrungsgemäss sogar schon drei bis vier Wochen vorher beim Stimmvolk sind.

    Die FDP witterte im Februar Morgenluft, als die höheren Politikerlöhne an der Urne versenkt wurden. FDP und SVP prognostizierten damals das bürgerliche Revival. Doch schon beim Streit um die teureren Parkkarten war es fertig mit Morgenluft, mit „Meh Blau“ und mehr SVP-Sünneli am Horizont. Die teureren Parkkarten wurden kürzlich vom Volk klar angenommen, ebenso kam das Laubbläserverbot durch.


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    Bürgerliche sind mut- und ideenlos

    Bemerkenswert ist, wie die Bürgerlichen selbstkritisch betonten, man habe die Stimmung im Volk bei den erwähnten Abstimmungen wohl falsch eingeschätzt. Oder war das mehr Defätismus, also erste Zeichen von Aufgabe, bevor der Endspurt überhaupt begonnen hat?

    Nicht eben mit Selbstvertrauen gesegnet, scheint auch Dominik Bürgy, der neue Strippenzieher des bürgerlich orientierten Forums Zürich. Es ist die Lobbyorganisation, welche der FDP, der SVP und der Mitte zu mehr Stimmen im Stadtrat verhelfen soll. „Die Linke ist homogen. Extrem homogen. Und indem sie homogen ist, hat sie viel Kraft“, sagte Bürgy vor wenigen Tagen gegenüber der „Neuen Zürcher Zeitung“. Er betonte, dass es bei der dominierenden SP „vielleicht noch zwei, drei Vertreter der alten Garde“ gebe, welche die Abhängigkeit des Sozialstaats von der wirtschaftlichen Prosperität anerkenne. Insgesamt sei der Zug aber abgefahren.

    „Die SP ist in den letzten Jahren markant nach links gerückt. Es ist erschreckend, wie wenig gewisse Vertreter dieser Parteien von grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhängen verstehen“, so Bürgy. Zuversicht tönt anders. Dabei kann man nun wirklich nicht behaupten, dass André Odermatt und Corine Mauch, die beiden abtretenden SP-Exekutivmitglieder, markant linke Politik betreiben.

    Argumente holen Städterinnen und Städter nicht ab

    Trotzdem stehen die bürgerlichen Stadtratskandidatinnen und -kandidaten in Zürich vor einem Scherbenhaufen. Denn ihre Argumente von tieferen Steuern, dem Senken des Ausgabenwachstums, dem Stoppen des Regulierungswahns und des ideologisch verursachten Verkehrschaos scheinen beim Stimmvolk nicht zu verfangen. Denn von den Steuereinnahmen profitiert die prächtig gedeihende Limmatstadt, tiefere Steuern spürt Otto Normalverbraucher nur marginal, die Regulierungswut trifft eher Firmen als Private und das Verkehrschaos auf der Strasse ärgert insbesondere die Pendlerinnen und Pendler. Also jene Leute etwa von der Goldküste, die eh nicht in der Stadt Zürich stimm- und wahlberechtigt sind.

    Es scheinen auch eher Auswärtige, die so krude und verwirrende Kampagnen lancieren. Etwa jene mit einem besonders düsteren Bild der Langstrassen-Unterführung und folgender Aufschrift: „Rot-Grüne Sicherheitspolitik verunsichert. Zürich befreien.“

    Auf dem Bild ein Plakat der Bürgerlichen über Zürich. Es zeigt die Unterführung an der Langstrasse und den Slogan "Rot-grüne Sicherheitspolitik verunsichert. Zürich befreien."Ob dieses Plakat in der Stadt Zürich mit ihrer zufriedenen Bevölkerung ankommt? Absender ist das Komitee "Meh blau", hinter dem die FDP steht. Bild: zvg

    Die Langstrasse als Horror-Ort, wo es nicht sicher ist? Die Statistik spricht definitiv eine andere Sprache, und auch das subjektive Empfinden vor Ort ist nicht alarmierend. Die „Verunsicherung“ scheint eher der Einschätzung eines Eigenheimbesitzers aus Weiach oder Stäfa zu entsprechen, der den Kreis 4 immer noch hauptsächlich mit Prostitution verbindet – aber nicht mit einem gentrifizierten Wohnquartier mit immer weniger Bars und Clubs.

    Daher erstaunt es auch nicht, dass bei den Urnengängen Links-Grün grossmehrheitlich satte Mehrheiten erzielt, obwohl die Neuzugezogenen allermeistens sehr gut gebildet sind, einen gut bezahlten Job haben und damit nicht per se dem links-grünen Weltbild entsprechen. Aber sie wohnen hier und sehen wenig Grund, am Bestehenden etwas Grundsätzliches zu ändern. Vor allem nicht, wenn die FDP und Co. ein Schreckensszenario heraufbeschwören, das nicht der Realität entspricht.

    Wenig hilfreich ist zudem, dass neben FDP-Gemeinderat Përparim Avdili auch SVP-Kantonsrat Ueli Bamert Stadtpräsident werden möchte. Es braucht kein Politologie-Studium, um erkennen zu können, dass sich das bürgerliche Lager so gegenseitig Stimmen wegnehmen wird.

    Eigentlich wäre das Potenzial da

    Dabei hätten die Bürgerlichen durchaus Chancen in Zürich. Mit Forderungen nach liberaleren Gastrogesetzen, vollständig digitalisierten Behördengängen und endlich besser koordinierten Tiefbauarbeiten könnte man punkten beim Stimmvolk. Oder sich für die Seniorinnen und Senioren einsetzen, indem man den unsäglichen Zufallsgenerator der Stadt für die Bewerbung bei städtischen Wohnungen abschaffen würde. Plus das Potenzial abholen bei den Schweizerinnen und Schweizern mit Migrationshintergrund.

    Denn gerade die beiden FDP-Kandidatinnen und Kandidaten Përparim Avdili und Marita Verbali haben da gegenüber Links-Grün einen klaren Vorteil. Unvergessen, wie die SP-Delegierten ihre Kandidatin Mandy Abou Shoak bei der Ausmarchung fürs Stadtpräsidium ignoriert und zusätzlich abgestraft haben, indem Shoak nicht einmal aufs Stadtrats-Ticket der SP gesetzt worden ist. Stattdessen stehen jetzt unverdächtige, ja fast typisch schweizerische Personen wie Tobias Langenegger und Céline Widmer auf dem Ticket der Sozialdemokraten. Eigentlich eine ideale Gelegenheit für Avdili und Verbali, um sich mit dem Thema Migrationshintergrund zu profilieren.

    Los also, FDP, SVP und Mitte! Noch bleiben über 270 Tage, um zu überzeugen. Durch beherzte Auftritte, volksnahe Kampagnen und das Versprechen, für Zürich einzustehen und nicht für die Agglo und den Kanton. Mit Goldküsten-Politik und Kampf um Tempo 50 auf der Bellerivestrasse gewinnt man in der Stadt Zürich im Jahr 2025 keinen Blumentopf.

    Auf einen diversen Stadtrat 2026 mit Ecken und Kanten!


  • 6 Minuten

    Sie hat die Schweiz in Aufruhr versetzt

    Kathrin Wydler steht vor dem Brunnen am Bullingerplatz. Sie trägt einen Blazer und ein oranges T-Shirt.„Ich möchte etwas verändern, etwas verbessern und Kompromisse schmieden“, sagt Mitte-Kantonsrätin Kathrin Wydler (58), die in der Kommission für Bildung und Kultur sitzt. Bild: Pascal Turin

    Und auf einmal stand der Zürcher Kantonsrat national in den Schlagzeilen: Kathrin Wydler hat mit ihrem Frühfranzösisch-Vorstoss sogar den Bundesrat wachgerüttelt. Doch die Mitte-Politikerin aus Wallisellen möchte nicht nur darauf reduziert werden.

    Es ist ein schöner Septemberabend, die Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher geniessen an diesem Montag die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Das Café du Bonheur am Bullingerplatz im Kreis 4 ist draussen bis fast auf den letzten Stuhl besetzt. Drinnen sind dafür noch fast alle Tische leer. Kathrin Wydler nimmt Platz und bestellt einen Cappuccino.

    Die Mitte-Kantonsrätin hat gerade eine Doppelsitzung hinter sich. Das heisst, der Kantonsrat tagte nicht nur wie sonst am Vormittag, sondern auch am Nachmittag, um die hohe Anzahl Geschäfte abzuarbeiten. Danach ist die Luft bei den meisten Politikerinnen und Politikern etwas draussen, wie wohl für viele Leute nach einem Sitzungsmarathon. Wydler nimmt sich trotzdem Zeit für ein Gespräch mit Rathuus. Den Termin hatten wir vereinbart, als wir uns für ein Interview im „Anzeiger von Wallisellen“ trafen. Das Thema: Wydlers Frühfranzösisch-Vorstoss.

    Das Treffen mit uns steht darum unter einer klaren Devise: Frühfranzösisch nur in homöopathischen Dosen. „Ich möchte nicht nur darauf reduziert werden, weil ich auch gern über andere Themen rede“, sagt die 58-Jährige augenzwinkernd.


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    Doch das erweist sich als schwieriger als gedacht. Denn die Motion ist sinnbildlich für die zum Teil unbefriedigende Arbeit von Parlamentarierinnen und Parlamentariern: Während viele wichtige Themen kaum je Beachtung finden, schaffen es andere in die Schlagzeilen und sorgen über die Kantonsgrenzen hinaus für Debatten. Kathrin Wydlers Vorstoss war sogar in Bundesbern eine Zeit lang praktisch Thema Nummer eins.

    In ein Wespennest gestochen

    Ganz kurz zusammengefasst will das Kantonsparlament Frühfranzösisch abschaffen. Statt ab der fünften Klasse der Primarschule soll Französisch im Kanton Zürich zukünftig erst ab der ersten Klasse der Sekundarschule beziehungsweise des Gymnasiums gelehrt werden (wir berichteten). Hinter der Motion standen neben der Wallisellerin auch der Pfäffiker Hanspeter Hugentobler (EVP), die Mettmenstetterin Ursula Junker (SVP) und die Rümlangerin Nadia Koch (GLP).

    Doch ob es überhaupt zur Abschaffung des Frühfranzösisch kommt, steht in den Sternen. Seit dem Kantonsratsentscheid überschlagen sich die Ereignisse. In Westschweizer Parlamenten kam es zu Unmutsbekundungen, im Nationalrat brach der Aktivismus aus und der Bundesrat zeigte sich ebenfalls gar nicht erfreut. „Politisch verstehe ich, dass man in Bern ein Zeichen setzen will. Aber dieser Vorstoss hat sowohl eine pädagogische als auch eine politische Dimension“, sagte sie im Interview mit dem „Anzeiger von Wallisellen“. Sie habe klar die pädagogische Komponente höher gewichtet – „weil mir das Bildungsniveau und das Wohl der Kinder wichtiger sind“. Zuerst sollen alle Kinder gut Deutsch können, bevor sie weitere Sprachen lernen.

    Rückblickend betrachtet hat die Wallisellerin in ein Wespennest gestochen. „Vermutlich war das Frühfranzösisch schon mein bisher grösster politischer Erfolg.“ Obwohl es andere Vorstösse gegeben habe, die aus ihrer Sicht genauso wichtig gewesen seien. Sie erwähnt als Beispiele ihre Motion zur speditiven Abwicklung von Stipendiengesuchen, die Anfang 2023 diskussionslos an den Regierungsrat überwiesen worden ist, und das Postulat „Digitalisierung Mittel- und Berufsfachschulen“ von 2019. Dieses forderte die Regierung auf, darzulegen, mit welchen Massnahmen und Mitteln der digitale Wandel an den kantonalen Mittel- und Berufsfachschulen sichergestellt und gefördert werden kann.

    „Ich habe ein wenig mit dem ‚C‘ gekämpft, als ich damals für eine Kandidatur angefragt worden bin“, erinnert sich Kathrin Wydler.

    Lösungen finden und Kompromisse schmieden

    Wydler, die in Wallisellen aufgewachsen ist, sitzt in der Kommission für Bildung und Kultur. „Ich möchte etwas verändern, etwas verbessern und Kompromisse schmieden“, sagt sie. Seit 2014 ist sie Mitglied der Schulpflege Wallisellen und seit 2018 für die Mitte im Kantonsrat. Eingetreten war Wydler also in die Partei, als sie noch CVP, Christlichdemokratische Volkspartei, hiess. Erst 2021 entstand die Mitte aus der Fusion der CVP und der Bürgerlich-Demokratischen Partei – kurz BDP.

    „Ich habe ein wenig mit dem ‚C‘ gekämpft, als ich damals für eine Kandidatur angefragt worden bin“, erinnert sich Wydler. Sie sei zwar katholisch getauft, würde sich aber als Agnostikerin bezeichnen. Also als jemand, der nicht mit hundertprozentiger rationaler Sicherheit eine göttliche Existenz erklären kann. Aber mit den christlichen Werten könne sie sich trotzdem identifizieren. „Die Mitte ist eine klar bürgerliche Partei“, sagt sie. Einer ihrer Grossväter war einst Kantonsrat der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei gewesen – einer Vorgängerpartei der SVP.

    Bei den Erneuerungswahlen in Wallisellen im nächsten Jahr wird Wydler nicht mehr für die Schulpflege antreten. „Elf Jahre sind genug und meine Rolle hat sich sehr verändert. Bei meinem Eintritt gab es in Wallisellen eine eigenständige Schulgemeinde“, erklärt die Politikerin. Am 1. Juli 2022 wurde jedoch die Schulgemeinde und die Politische Gemeinde zu einer sogenannten Einheitsgemeinde fusioniert. Die Schulpräsidentin oder der Schulpräsident ist seither automatisch Mitglied des Stadtrats. Dafür haben die Schulpflegerinnen und Schulpfleger an Handlungsspielraum verloren, da der Stadtrat häufig die strategischen Entscheidungen trifft.

    Trotzdem wird sich Wydler als Präsidentin der Mitte Wallisellen im Lokalwahlkampf engagieren. „Bei den Kommunalwahlen wird man schon eine erste Tendenz sehen, wie die Wählerinnen und Wähler ticken“, glaubt die Politikerin im Hinblick auf die Kantonsratswahlen 2027. Aus ihrer Sicht rücken Klimathemen in den Hintergrund und wirtschaftliche Themen werden aktueller. „Die Wirtschaftslage in der Schweiz und auf der ganzen Welt wird uns ziemlich sicher beschäftigen.“

    Kathrin Wydler ist ein grosser Kinofan. Sie war an der Eröffnungsnacht des Zurich Film Festival und hat die US-Komödie Splitsville mit Dakota Johnson geschaut. Bild: Pascal Turin

    Sie ist ein grosser Kino-Fan

    Wydler ist in Wallisellen aufgewachsen. Nach dem Gymnasium und dem Chemiestudium verbrachte sie zwei Jahre beruflich in den USA. Danach führte ihr Weg zurück in die Nachbargemeinde von Zürich. Sie arbeitete seither unter anderem beim Wassertechnik-Spezialisten Kreutzinger & Stahel AG sowie beim Verband der Schweizerischen Lack- und Farbenindustrie.

    Um den Kopf frei zu kriegen, verbringt die Kantonsrätin gern Zeit im Garten ihres Einfamilienhauses. „Jedes Mal, wenn ich im Garten bin, sehe ich etwas, was getan werden muss“, sagt sie scherzend. „Gartenarbeit ist für mich wirklich pure Erholung.“ Ausserdem geht sie gern mit ihrem Hund spazieren, einem dreijährigen English Springer Spaniel. „Wir hatten immer Hunde und sie tun einer Familie gut“, findet die Mutter dreier Kinder, von denen das Jüngste gerade auf Lehrstellensuche ist.

    Auf die Frage „Wenn Sie Königin von Zürich wären, was würden Sie als erstes zu Gunsten des Standorts Zürich entscheiden?“ im Newsletter Politpuls der Zürcher Handelskammer antwortete sie diplomatisch: „Königin von Zürich möchte ich nicht sein, aber als Bildungspolitikerin ist mir ein starkes Bildungssystem wichtig, das Wert auf den Lern- und Laufbahnerfolg der Lernenden und die Bedürfnisse der Wirtschaft legt.“

    Wydler ist ein grosser Kinofan. Sie war deshalb an der Eröffnungsnacht des Zurich Film Festival (ZFF) und hat die US-Komödie Splitsville mit Dakota Johnson geschaut. „Das ZFF ist mehr als Kino – es ist ein Schaufenster für Kreativität, Innovation und Standortstärke. Zürich zeigt, wie Kultur und Wirtschaft gemeinsam Strahlkraft entwickeln“, schrieb sie dazu in einem Beitrag auf dem Business-Netzwerk Linkedin und postete fotografische Eindrücke des Abends.

    „Filme und Kino finde ich wirklich toll“, sagt sie. Das Opernhaus werde immer als kultureller Leuchtturm angesehen, doch sie halte die Filmkultur für genauso wichtig. Ob ausländischer Arthouse-Film oder typischer Hollywood-Thriller – sie möchte die unterschiedlichen Genres ganz Mitte-Politikerin nicht gegeneinander ausspielen. Ihre Lieblingsschauspielerin ist übrigens Susan Sarandon.

    Wenn Kathrin Wydler über Filme spricht, tut sie das mit derselben Leidenschaft wie über Politik. Im Café du Bonheur haben sich mittlerweile drinnen viele Plätze gefüllt und die Sonne ist schon fast hinter den Dächern verschwunden. Frühfranzösisch haben wir zwar nicht ausklammern können – doch auch andere Themen kamen nicht zu kurz.


  • 4 Minuten

    Umsatzeinbussen wegen Baustellen: Genf zahlt Entschädigungen

    Auf dem Foto sieht man die störende Baustelle vor einem Restaurant.Beizen wie diese in der Zürcher Altstadt leiden unter der Bauerei, vor allem von Montag bis Freitag. Sie würden wohl nichts dagegen haben, wenn es Entschädigungen für Ertragsausfälle geben würde. Bild: Lorenz Steinmann

    Genf zückt das Portemonnaie: Das Stadtparlament hat einen Kredit gesprochen und zahlt Firmen die Miete, wenn sie unter Baustellen der öffentlichen Hand leiden. Die Rohnestadt handelt also, während Zürichs Stadtrat lieber bis vor Bundesgericht gegen die Hilfe für KMUs vorgeht.

    Die Rue de Carouge in Genf ist ein Stadtzentrum, wie es etwa die Zürcher Altstadt ist. Im März 2025 sind in Genf Bagger aufgefahren, um Tiefbauarbeiten auszuführen und später eine Fussgängerzone einzurichten. Dauer der Baustelle: Bis voraussichtlich August 2027. Also satte zwei Jahre und ähnlich lange, wie ebenfalls im Zürcher Niederdorf gebaut wird. Gleich ist auch, dass die Zeit bis dahin für viele Gewerbe- und Handelsbetriebe mit Publikumsverkehr nur sehr schwer zu überstehen ist. Grund: Die riesigen Baustellen führen zu massiven Umsatzeinbussen.

    Doch während Zürichs Stadtregierung bei Entschädigungswünschen nicht mit sich reden lässt und Anliegen aus dem Gewerbe abschmettert oder Klagen bis vor Bundesgericht zieht, kommt in Genf erstmals ein Entscheid des städtischen Parlaments zum Tragen. Aktuell bietet die Stadt Genf den Ladenbesitzern finanzielle Unterstützung an, indem sie für ein halbes Jahr die Miete übernimmt. Eingerichtet wurde ein schneller und pauschaler Entschädigungsmechanismus für die betroffenen Geschäfte, wie einem Artikel des Wirteverbands Basel-Stadt zu entnehmen ist.

    Die Entschädigung werde 115,5 Prozent der jährlichen Nettomiete betragen, anteilig berechnet für einen Zeitraum von 161 Tagen (vom 28. Juni bis 5. Dezember 2025). Wenn das Geschäft zusätzlich zu einem Eingang auf dem Baustellengelände über einen zweiten Eingang an einer anderen Strasse verfügt, gilt eine Obergrenze von 60’000 Franken.

    Entschädigungsberechtigt sind laut der Stadt Genf im Handelsregister eingetragene Geschäfte, die über mindestens einen Kundeneingang innerhalb des festgelegten Bereichs sowie über einen Gewerbemietvertrag verfügen. In begründeten Fällen sieht das Reglement der Stadt die Möglichkeit vor, von den Förderkriterien abzuweichen. Total sind für diese Entschädigungen 3,3 Millionen Franken vorgesehen.


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    In Zürich hingegen ist Gleiches noch in weiter Ferne. Zwar soll die Stadt Zürich baustellenbedingte Entschädigungen an Betriebe prüfen. Das Stadtzürcher Parlament hat im August einen Vorstoss der beiden FDP-Gemeinderäte Emanuel Tschannen und Sebastian Vogel mit klarer Mehrheit überwiesen. Das Ziel: Die Stadt solle 50 Prozent der Umsatzeinbussen übernehmen, wenn sie die Baustellen verantwortet. 

    Doch weil der Stadtrat nun zwei Jahre Zeit hat, das Ergebnis seiner Prüfung zur Idee vorzulegen, ist nicht so rasch mit einer „Genfer Lösung“ für Zürich zu rechnen. Dazu kommt, dass die Bereitschaft für ein Entgegenkommen klein scheint. Denn bisher wehrte sich der Stadtrat mit Händen und Füssen gegen solche Wünsche. So sagte SP-Stadträtin Simone Brander im August vor dem Parlament, Baustellen seien nötig, um die Infrastruktur zu erneuern und Schäden zu verhindern. „Alle paar Jahrzehnte trifft es einen eben. Dann muss man durchbeissen“, so die Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements und schob nach, das sei halt ein unternehmerisches Risiko.

    Support vom Bundesgericht

    Warum agiert der Stadtrat so defensiv? Ist es die fehlende eigene unternehmerische Erfahrung, die Angst vor einer Kostenflut oder gar das Wissen, dass Gerichte sowieso nicht so schnell Schadenersatz sprechen? Die Stadt zog kürzlich eine Klage von Ellen und Reto Hausammann bis vor Bundesgericht weiter. Die beiden betreiben sieben Bäckereien in Zürich und Umgebung. Wegen einer mehrmonatigen Baustelle vor dem Laden an der Universitätsstrasse 88 verloren sie aber viel Geld. Doch ihr Argument, die Bauarbeiten hätten die wirtschaftliche Existenz akut gefährdet, zog nicht.

    Die Lausanner Richter kamen im Juni 2025 zu einem anderen Schluss. Zwar anerkannten sie, dass Baustellen massive Auswirkungen haben können. Für eine Entschädigung müsse die Beeinträchtigung jedoch mindestens ein halbes Jahr lang andauern, zitierte der „Blick“ aus dem Urteil. Im Fall der Bäckerei habe die starke Einschränkung aber nur rund drei Monate gedauert – zu wenig für eine Entschädigungspflicht der Stadt. Aber: Die Dauer schien in Lausanne bei den Bundesrichtern der Knackpunkt, nicht das Anliegen generell.

    Das nicht sehr rumreiche Beispiel vom „Oski-Beck“

    Doch trotz langer Bauzeit kannte die Stadt auch bei Fatmir Guci (58) keine Gnade. Er führt mit seiner Frau an der Badenerstrasse die Bäckerei „Oski-Beck“. Die Stadt Zürich erneuerte Werkleitungen und die Kanalisation. Die Tramlinie 2 war ein Jahr ausser Betrieb, die Strasse nur zeitweise befahrbar. Die Bagger zogen erst nach zwei Jahren Bauzeit wieder ab. Trotzdem weigerte sich die Stadt, den geplagten Bäcker auch nur ansatzweise zu entschädigen – Rathuus berichtete ausführlich darüber.

    Immerhin: Jetzt muss in den Amtsstuben gebrütet und dem Gemeinderat eine Entschädigungslösung für betroffene Gewerblerinnen und Gewerbler präsentiert werden. Bis eine „Genfer Lösung“ umgesetzt wird, dauert es aber definitiv noch lange.


  • 4 Minuten

    Sechs Unfälle! Wie man in Zürich Kreise zieht – bis es kracht

    Schon wieder weg: Dieser Kreisel am Birchplatz im Stadtzürcher Quartier Oerlikon – inklusive Velofahrtipps – war nicht lange in Betrieb. Bild: Lorenz Steinmann

    In der Schweiz gibt es gut 3500 Strassenkreisel. Aber wohl nur einer wurde so schnell auf- und wieder abgebaut wie jener am Zürcher Birchplatz. Das Tiefbauamt schlampte bei der Geometrie, nahm Unfälle in Kauf und vergass beim Rückbau prompt einen Teil der Velomarkierungen. Eine Polemik.

    In Oerlikon hat es eine Strassenkreuzung, die schon seit Jahren im Fokus der Stadtzürcher Planer steht. Die Kreuzung Regensberg- und Birchstrasse. Ein privates Planungsbüro erstellte im Auftrag der Stadt eine Studie, wie hier ein Kreisel für eine bessere Verkehrsführung ohne Ampelanlage sorgen könnte. Das Resultat: ein vierarmiger Kreisel! Und so erfolgte am 27. November 2024 eine öffentliche Mitteilung, dass hier eine „temporäre Verkehrsvorschrift“ eingeführt werde. Und zwar der Kreisverkehr am Birchplatz, geltend von November 2024 bis Ende Dezember 2030.

    Der erstellte Kreisel wirkte dann aber von Anfang an ziemlich lieblos. In der Mitte ein kreisrunder Zaun, abgedeckt mit einer weissen Blache. Kein Schmuck, keine Kunst am Bau, keine der vielen Plastiken im Kreiselzentrum, welche die Stadt in ihren Lagern herumstehen hat. „Und der soll so bleiben bis 2030?“, fragte man sich.

    Laut Onlineportal Blue News eine „irre Geschichte“

    Tatsächlich erfolgte der Rückbau viel früher als in Aussicht gestellt – quasi in einer Nacht- und Nebelaktion und schon vor wenigen Wochen. Daraufhin hagelte es Kritik im Quartier und das „Tagblatt der Stadt Zürich“ sowie das Onlineportal Blue News berichteten darüber. „Kaum gebaut, schon abgerissen – die irre Geschichte des Birchplatz-Kreisels“, war der Tenor.

    Dabei fiel auf, dass die Stadt eigentlich nur die halbe Wahrheit herausrückte.

    „Der Kreisel am Birchplatz wurde bewusst als temporäre Lösung erstellt, um den Umleitungsverkehr wegen der Baustelle Binzmühlestrasse abwickeln zu können. Der Kreisel entsprach nicht der Norm für einen sicheren Kreisverkehr. Dazu müsste die Geometrie der Kreuzung in einem Strassenbauprojekt angepasst werden“, hiess es auch auf Anfrage von Rathuus seitens der Stadt.

    Nicht der Norm entsprechend? Wer baut denn so etwas? Solche Fragen kommen auf, weil man es sich vom Staat eigentlich gewohnt ist, dass er sich an die Vorgaben hält.


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    Erst auf Nachfrage räumte die Stadt ein, dass man einen definitiven Kreisel vorgesehen habe. Doch im Rahmen der Budgetberatung für das Jahr 2023 habe der Gemeinderat entschieden, vorläufig auf die Umsetzung eines definitiven Kreisels zu verzichten. Schleierhaft blieb vorerst, warum überhaupt die Stadt zuerst und öffentlich einen Kreiselverkehr bis 2030 kommuniziert hatte.

    Zusätzlich rückte die Stadt mit weiteren Einzelheiten heraus. „Ursprünglich war geplant, den temporären Kreisel bis zum Bau des Tram Affoltern bestehen zu lassen. Der Baubeginn des Tram Affoltern ist für 2028 vorgesehen, die Inbetriebnahme frühestens 2031“, so das Tiefbauamt. Eine temporäre Lösung über einen so langen Zeitraum hinweg aufrechtzuerhalten, sei aber nicht gerechtfertigt. Zudem hätten sich zwischen der Inbetriebnahme des Kreisels im November 2024 bis zum Rückbau sechs Unfälle, fünf davon mit Velofahrerinnen und Velofahrern, ereignet.

    Auf dem Bild sieht man den Birchplatz nach dem Rückbau vom Kreis zur Kreuzung.Der Birchplatz in Oerlikon, wie er sich aktuell präsentiert. Velosignalisationen am Boden wurden schlichtweg vergessen. Bild: Lorenz Steinmann

    Der Kreisel als Unfallhotspot also. Warum baut die Stadt überhaupt einen Kreisel, dessen Geometrie nicht stimmt? Ist das schon ein Fall für den Unfallrichter?

    Tatsächlich liegt in der Schweiz und auch im Kanton Zürich die Variante mit Lichtsignalen weit vor jener mit Rechtsverkehr und Vortrittsrecht auf dem Kreisel. Dabei bieten Kreisel einige Vorteile. Sie sind „verkehrsdemokratisch“, und meist geht es schneller voran. Zudem fällt die teure Lichtsignaltechnik weg.

    Aus Sicht des Veloverkehrs hingegen sind ­Kreisel auch mit korrekter Geometrie überaus gefährlich. Hier passieren statistisch gesehen fast am meisten Unfälle. Aktuell läuft deswegen in Zürich eine Präventionskampagne. Das Ziel: alle Verkehrsteilnehmer darüber informieren, dass Velofahrer einspuren und dann in der Mitte der Kreiselfahrbahn pedalen sollen. Dass dazu einiges an Mut nötig ist, versteht sich von selbst.

    Plakat ging auch noch vergessen

    Entsprechende Plakate waren auch am zum Kreisel umgebauten Birchplatz angebracht. Eines stand dann noch Wochen herum, obwohl längst wieder Ampelverkehr galt. Waren die zuständigen Angestellten immer noch am Überstundenabbau nach der Rad-WM im September 2024? Schon damals wurde Kritik laut, dass Parkverbotschilder wochenlang über Termin herumstanden in der City.

    Und irgendwie typisch ist, dass beim Rückbau auf der Regensbergstrasse nicht einmal sogenannte Velosäcke für Velofahrende markiert wurden. Also eine ausgesparte Fläche vor dem Stoppbalken für die Autos, auf der Velofahrende relativ sicher auf die Grünphase warten können. Darauf angesprochen heisst es von der Stadt: „Aktuell prüft die Dienstabteilung Verkehr weitere Massnahmen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Danach werden die Markierungen wieder angebracht.“

    Dass die Velofahrerinnen und Velofahrer einmal mehr einfach vergessen gingen, spricht Bände. Etwas, was nicht von zeitgemässem, ganzheitlichem Denken in den zuständigen Departementen von SP-Stadträtin Simone Brander und Grünen-Stadträtin Karin Rykart zeugt. Brander ist Chefin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, Rykart Sicherheitsvorsteherin.

    Frei nach der deutschen Pop- und Hip-Hop-Band Deichkind: Leider nicht geil.


  • 6 Minuten

    KI, das neue Lieblingsthema der Sozialdemokraten

    Vier stilisierte rote Silhouetten auf cremefarbenem Hintergrund symbolisieren den Wandel der Arbeitswelt durch künstliche Intelligenz – vom Handwerker über Angestellte bis hin zur digitalen Figur aus Datenlinien.Die Sozialdemokratie hat die künstliche Intelligenz für sich entdeckt. Die SP-Fraktion des Kantonsrats hat kürzlich ein Vorstosspaket zum Einsatz von KI eingereicht. Bild: Generiert mit DALL-E von OpenAI

    Ob im Krieg, in der Medizin oder in der Verwaltung: Die künstliche Intelligenz ist überall. Auch im Kantonsrat haben sich die Parteien dem Thema angenommen – allen voran die SP. Eine Analyse.

    Die Aufregung rund um KI oder AI – kurz für Artificial Intelligence – ist hierzulande gross. Das zeigt exemplarisch das Zurich AI Festival, welches vom 29. September bis 4. Oktober stattfand. „Das Zurich AI Festival vereint die Köpfe, die die Zukunft gestalten – visionäre Gründerinnen und Gründer, mutige Investorinnen und Investoren sowie Technologie-Führungskräfte, die die Zukunft prägen“, heisst es auf der Website des Events. Organisiert hatte die Veranstaltung das ETH AI Center zusammen mit dem Marketing-Verbund Greater Zurich Area sowie dem Kanton und der Vermarktungsorganisation Zürich Tourismus. Das ETH AI Center will Forschende aus allen Fachbereichen zusammenbringen, die sich mit den Grundlagen, Anwendungen und Auswirkungen der KI befassen.

    Eine Frucht der Forschungsbemühungen ist die ChatGPT-Alternative Apertus – ein Gemeinschaftsprojekt der ETH Zürich, der École Polytechnique Fédérale de Lausanne und des Hochleistungsrechenzentrums Swiss National Supercomputing Centre in Lugano. „Der gesamte Entwicklungsprozess, einschliesslich Architektur, Modellgewichten sowie Trainingsdaten und -methoden, ist frei zugänglich und umfassend dokumentiert“, schreibt die ETH in einer Mitteilung.


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    „Klar scheint, dass die KI auf dem Arbeitsmarkt Opfer fordern wird. Und dass es vor allem jene treffen wird, die wenig Bildung mitbringen oder sich nicht ändern können oder wollen“, schreibt der „Spiegel“.

    „Der Spiegel“ titelte: „Killt KI meinen Job?“

    Doch zurück zum Zurich AI Festival: Dort gab es durchaus kritische Töne zu hören, insbesondere an der Fachtagung AI+X Summit 2025 in der Eventlocation Stage-One in Oerlikon. Dieser Anlass der ETH, der Universität Zürich und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften findet seit 2021 statt. „Zürich diskutierte am Summit jedoch nicht über den Hype rund um KI, sondern über konkrete Hausaufgaben wie die Frage, wie wir KI-Systeme bauen, die in Verwaltungen, Unternehmen und humanitären Einsätzen funktionieren – ohne Daten abgleiten zu lassen“, so das Fachmagazin Netzwoche. Die Schweiz habe sich dabei klar als Brückenbauerin zwischen Technik und Governance positioniert, so die „Netzwoche“. „Daten abgleiten lassen“ bedeutet, dass die Daten unbeabsichtigt oder unrechtmässig in falsche Hände geraten.

    Sicher ist: Die KI wird unsere Arbeitswelt verändern. Ob zum Guten oder zum Schlechten wird sich wahrscheinlich schneller weisen, als einem lieb sein kann. Das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ titelte vergangene Woche verkaufsfördernd „Killt die KI meinen Job?“ und schürte damit sicher bei vielen Leserinnen sowie Lesern die Angst vor der künstlichen Intelligenz. Doch welche Jobs wird es genau treffen? Und müssen wir uns bereits heute bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum anmelden? Eine definitive Antwort hatte natürlich auch der „Spiegel“ nicht. Nur so viel: „Klar scheint, dass die KI auf dem Arbeitsmarkt Opfer fordern wird. Und dass es vor allem jene treffen wird, die wenig Bildung mitbringen oder sich nicht ändern können oder wollen“, schreibt der „Spiegel“.

    Im Gegensatz zur Industrialisierung, die vielen repetitiven Aufgaben den Garaus machte, sind heute auch anspruchsvolle Berufszweige gefährdet – darunter vor allem Einstiegsjobs in diversen Branchen. Überspitzt gesagt: Wer braucht noch ein Grafikbüro, wenn man Bilder und Logos durch den Computer generieren lassen kann? Selbst Juristinnen, Psychologen, Schriftstellerinnen und Mitarbeiter im Kundenservice geraten unter Druck.

    Wir verweisen an dieser Stelle auf unseren Artikel vom 28. April. Dort kann man viel über Chancen und Gefahren der künstlichen Intelligenz nachlesen. Wir erklären ausserdem, wie sich der Kanton Zürich auf dieses neue Zeitalter vorbereitet.

    Nicht nur auf Gegenliebe in der Verwaltung stossen dürfte vermutlich die Anfrage mit dem provokanten Titel „Wo klemmt’s beim AFI?“, eingereicht von den SP-Kantonsrätinnen Yuste und Jüttner.

    SP reicht Vorstoss um Vorstoss ein

    Auch die Politik hat die KI und ihr Potenzial schon diverse Male beschäftigt. Erst am 29. September reichte die SP-Kantonsratsfraktion ein ganzes Paket an Vorstössen ein. Ziel des Pakets ist es laut Medienmitteilung der SP, dass der Kanton für Transparenz, demokratische Kontrolle und Fairness sorgt und gleichzeitig die Chancen der neuen Technologien nutzt. Künstliche Intelligenz verändere die Verwaltung, Bildung und Gesellschaft rasant, so die Stadtzürcher SP-Kantonsrätin Nicola Yuste im Communiqué. „Damit diese Technologien im Kanton Zürich im Sinne der Menschen eingesetzt werden, braucht es klare Regeln, Transparenz und demokratische Kontrolle. Mit unseren Vorstössen schaffen wir auf kantonaler Ebene die nötige Grundlage, um die Chancen von KI zu nutzen, aber gleichzeitig die Risiken zu minimieren und das Vertrauen der Bevölkerung zu stärken“, lässt sich Yuste in der Mitteilung zitieren.

    Von der Barrierefreiheit durch KI in kantonalen Dienstleistungen über KI bei der Personalsuche bis zu sicheren KI-Tools für Schulen ist im Vorstosspaket fast alles dabei. Obwohl einige Vorstösse zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Parteien eingereicht worden sind, sind SP-Politikerinnen oder SP-Politiker jeweils die Erstunterzeichnenden.

    Nicht nur auf Gegenliebe in der Verwaltung stossen dürfte vermutlich die Anfrage mit dem provokanten Titel „Wo klemmt’s beim AFI?“, eingereicht von den SP-Kantonsrätinnen Yuste und Sibylle Jüttner. AFI ist die Abkürzung für das Amt für Informatik. Die Politikerinnen wollen unter anderem wissen, wie der Regierungsrat durch eine klare Roadmap gewährleistet, „dass KI-Anwendungen, die zu Einsparungen von Personalressourcen oder zu Verbesserungen der Dienstleistungen für Unternehmen und Menschen führen, vom AFI prioritär und zügig in Betrieb genommen werden“.

    Die Sozialdemokraten haben das Thema KI im Jahr 2025 vorläufig zu ihrem gemacht. Das zeigt im Prinzip, dass sich die SP nach wie vor für die Arbeiterschaft einsetzt, einfach in den mittelständischen Sparten wie Verwaltung und Dienstleistungen.

    14 von 15 Vorstössen mit Beteiligung der SP

    Sucht man auf der Website des Kantonsparlaments bei den Geschäften nach dem Stichwort „KI“, findet man bis Ende September 2025 für das aktuelle Jahr 15 Anfragen, Motionen oder Postulate. Auffällig ist, dass davon 14 unter Federführung oder zumindest mit Beteiligung der Sozialdemokraten eingereicht worden sind. Zum Vergleich: Die FDP, deren Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh den Kanton zu einem wichtigen KI-Standort machen will, war gerade mal an drei Vorstössen beteiligt. Die SVP zeigt mit zwei Vorstössen ebenfalls kein überbordendes Interesse an der disruptiven, also durchaus zerstörenden Technologie und selbst die technologieaffine GLP kommt nur auf vier. Dafür scheinen die Grünen und die Mitte mit je fünf Vorstössen ein wenig mehr Gefallen am Thema gefunden zu haben. Die AL war an vier Vorstössen beteiligt, die EVP kommt auf deren drei.

    Die Sozialdemokraten haben das Thema künstliche Intelligenz im Jahr 2025 auf Kantonsebene vorläufig zu ihrem gemacht. Die SP setzt sich also nach wie vor für die Arbeiterschaft ein – statt für die Fabrikarbeiterin nun einfach für Angestellte in den mittelständischen Sparten wie Verwaltung und Dienstleistungen. Nun dürfte spannend sein, ob die anderen Parteien – allen voran die wirtschaftsnahe FDP – nachziehen. Gerade bei den ökologischen Fragen rund um die KI könnten Grüne und Grünliberale ihr Profil schärfen. Stoff für politische Kreativität gäbe es genug.

    Während des Zurich AI Festivals fand übrigens eine besondere Vernissage statt. Noch bis zum 29. Oktober präsentiert die amerikanische Künstlerin Lauren Lee McCarthy auf dem Münsterhof in Zürich eine Installation mit einem automatisierten Postauto. „Die Arbeit kombiniert Performance, Video, Software, Installation und KI“, schreibt die Fachstelle Kunst im öffentlichen Raum auf ihrer Website. Dabei nutze Lauren Lee McCarthy Technologie nicht nur als Werkzeug, sondern auch als Mittel zur Reflexion: Was bedeute es, heute Mensch zu sein – in einer Welt, die zunehmend von Algorithmen geprägt sei?


  • 5 Minuten

    Etappensieg für Stadion-Planer

    Auf dem Bild zu sehen die Hardturm-Brache, wie ein neues Stadion und zwei Hochhäuser gebaut werden sollen.Hier auf der seit 2008 leeren Hardturmbrache im Stadtzürcher Kreis 5 sollen dereinst ein Fussballstadion und Wohnbauten gebaut werden. Archivbild: Lorenz Steinmann

    Die Stadt Zürich wartet seit dem Abbruch des Hardturm-Stadions im Jahr 2008 auf ein neues Fussballstadion. Jetzt urteilte das Zürcher Verwaltungsgericht zugunsten des Projekts „Ensemble“. Rathuus blickt zurück auf die Stadionprojekte im Kreis 5.

    Die Stadionpromotoren um die beiden Fussballklubs FC Zürich und GC Zürich, die Baufirma HRS, die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ), die Stadionzüri AG und die Vorsorgestiftungen der UBS können aufatmen. Zumindest vorerst. Sie haben einen Etappensieg errungen beim Ziel, die Hardturmbrache zu überbauen. Denn das Zürcher Verwaltungsgericht wies die Beschwerde gegen den privaten Gestaltungsplan vollumfänglich ab, wie das Projektteam heute Nachmittag mitteilte. Es stützte damit den vor rund zwei Jahren gefällten Entscheid des Baurekursgerichts in der Sache. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts ist noch nicht rechtskräftig.

    Das Projekt beinhaltet den Bau eines neuen Fussballstadions zusammen mit hunderten von Wohnungen und mehreren Gewerbegebäuden auf dem Hardturm-Areal in der Stadt Zürich. Die Beschwerdeführer können den Gestaltungsplan noch vor Bundesgericht ziehen – die Frist läuft bis Anfang November.

    Wie es sich für ein in die Tiefe gehendes Politmagazin gehört, haben wir für alle Interessierten die Fakten rund um die dornenreiche Geschichte des (ehemaligen) Hardturm-Stadions und der diversen Projekte zusammengetragen. Fussball olé!


    Lass dir den Artikel durch eine KI-gestützte Stimme vorlesen.

    Unbestreitbar ist, dass Zürich seit 2008 kein reines Fussballstadion mehr hat. Der Letzigrund mit seiner Leichtathletikbahn rund ums Fussballfeld ist seither Heimstadion des FCZ wie auch von GC. Abgebrochen wurde das traditionsreiche Fussballstadion schon im Dezember 2008. Dabei wäre der Hardturm eigentlich als EM-Stadion für die EM 2008 vorgesehen gewesen. Wegen Einsprachen klappte die Realisierung aber nicht. 

    Der Letzigrund als EM-Alternative

    Wegen der Verzögerungen aus juristischen Gründen beim Neubau des Hardturms wurde der Letzigrund mit Baujahr 1925 und grosser Erweiterung 1958 im Jahre 2005 abgebrochen und von Grund auf neu gebaut. An der Volksabstimmung vom 5. Juni 2005 wurden der Baukredit über 110 Millionen Franken und der Fussball-Europameisterschafts-Kredit über 11,3 Millionen Franken klar angenommen. Am 30. August 2007 erfolgte die offizielle Einweihung des Neubaus. Und dann gab es einen durchaus glanzvollen Auftritt an der EM 2008.

    Es gab auch schon ein Nein an der Urne

    Doch zurück zum Hardturm. Bis heute hat das Stimmvolk viermal über ein neues Stadionprojekt abgestimmt. Dreimal sagte es Ja, einmal Nein. In Erinnerung sind natürlich die beiden Ja der Stadtzürcher Stimmbevölkerung 2018 und 2020, als man sich für das „Ensemble“-Projekt ausgesprochen hatte.

    2003 gab die Stadion-Betreiberin Stadion Zürich AG, eine Tochtergesellschaft der Credit Suisse, bekannt, dass sie ihr Stadion im Hardturm durch das aus dem durchgeführten Wettbewerb hervorgegangene Projekt ersetzen wolle. Dieses sah für den Neubau mit 30’700 Sitzplätzen eine Mantelnutzung vor, die eine Shopping-Mall mit Gastronomie, ein Konferenzhotel, einen Bereich mit Fitness- und Gesundheitsangeboten sowie ein Bürohochhaus umfassen würde. Der städtische Kredit von 48 Millionen Franken für die Beteiligung an der Stadion Zürich AG wurde in einer ersten städtischen Volksabstimmung im September 2003 gutgeheissen. Wegen Rekursen, der Bankenkrise und weil eine Shopping-Mall wohl nicht rentiert hätte, zog die CS das Projekt 2009 zurück. 

    Dann kaufte die Stadt unter der Federführung des damaligen Stadtrats Martin Vollenwyder (FDP) 2010 von der Credit Suisse das ganze Grundstück ab. Ebenfalls 2010 wurde das neue Projekt vorgestellt: ein reines Fussballstadion mit 16’000 Plätzen, einem Restaurant, einer Bar und 14 Logen, plus 160 Wohnungen. In einer am 22. September 2013 durchgeführten zweiten Volksabstimmung fand das Wohnprojekt zwar eine Mehrheit, das Stadion hingegen wurde von den Stimmbürgerinnen und -bürgern knapp abgelehnt. Eine Schlappe für den Stadtrat, aber auch für den FCZ und für GC.

    So schön könnte die Fassade des geplanten Hardturm-Stadions während eines Zürcher Derbys leuchten. Visualisierung: Nightnurse Images

    Höher als der Prime Tower

    Dann folgte ein neues Vorhaben, das heute noch gültige „Ensemble“-Projekt. Am 25. November 2018 bewilligte das Stimmvolk in der dritten Abstimmung zum Thema Baurechte und Kredite über 50 Millionen Franken. Der Plan sieht nebst 174 gemeinnützigen Wohnungen und zwei Hochhäusern mit 570 Wohnungen auf dem Gelände auch den Bau eines reinen Fussballstadions mit Platz für 18’000 Fans für die Grasshoppers und den FCZ vor. Zudem sollen auf dem Gelände eine Wohnsiedlung und zwei Hochhäuser (je 137 Meter hoch, der Prime Tower ist demgegenüber 126 Meter hoch) mit Wohnungen und Geschäftsräumen entstehen. Umgesetzt werden soll die Arealbebauung, wie eingangs erwähnt, von der HRS Real Estate AG, den Anlagestiftungen der UBS (ehemals Credit Suisse) und der ABZ.

    Nachdem die erforderliche Menge an Unterschriften für ein Referendum zusammengekommen war, kam es am 27. September 2020 zu einer erneuten und vierten Abstimmung über den Gestaltungsplan für das Areal, in der das Projekt von den Stimmbürgern abermals bestätigt wurde. Und jetzt folgte also das OK des Verwaltungsgerichts. Die Rekursfrist läuft bis Anfang November. Ein Weiterzug bis vor Bundesgericht ist möglich.

    Das sind die Gegner

    Anschliessend könnte auch gegen das Baugesuch in sämtlichen drei Instanzen rekurriert werden – allerdings nur noch in beschränkter Form. Baubeginn vor 2030 scheint dennoch illusorisch. Gesamthaft gesehen ist der Verkehrsclub der Schweiz, Sektion Zürich, der grosse Widersacher. Er hat das erste Projekt von 2003 zu Fall gebracht. In jüngerer Zeit sind es neben den links-grünen „IG Freiräume“ und „IG am Wasser“ der Promi Felix E. Müller (ehemals Chefredaktor der „NZZ am Sonntag“) und der Unternehmer Urs Zweifel von Zweifel Weine, die Kritik üben.

    Offen ist, ob und wie Eigenheimbesitzer der Bernoullihäuser und Stockwerkseigentümer der östlich des Geländes gelegenen Überbauung am Sportweg beim Widerstand mitwirken. In der Öffentlichkeit ist die Zustimmung eher sinkend, wegen der immer wiederkehrenden Ausschreitungen der Fussballfans. Ein Argument ist wegen der 2000-Watt-Gesellschaft auch, ob es ein neues Stadion tatsächlich braucht, wenn es doch das Letzigrund-Stadion bereits gibt (Stichwort: graue Energie).

    Nur eines ist sicher: Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten.


  • 3 Minuten

    Stimmbürger will Engpass beseitigen

    Auf dem Bild sieht man den Milchbucktunnel in der Stadt Zürich mit dem ungenutzten Mittelstreifen.Die Einzelinitiative als interessante Demokratieform: Adolf Flüeli, der kein politisches Amt inne hat, möchte, dass im Milchbucktunnel der Mittelstreifen künftig als Fahrspur genutzt wird. Bild: Lorenz Steinmann

    Adolf Flüeli aus Winterthur will im Milchbucktunnel einen Pannenstreifen in eine dritte Fahrspur umfunktionieren. Er hat dazu als einfacher Stimmbürger die politische Form einer Einzelinitiative gewählt. Eine kurze Staatskundelektion.

    Heute ist ein wenig Staatskundeunterricht angesagt. Es geht um die faszinierende, ja schon fast verführerisch simple Möglichkeit, sich als einzelne stimmberechtigte Person im Kanton Zürich oder auch auf Gemeindeebene Gehör zu verschaffen. Denn man kann mit einem Anliegen ans jeweilige Parlament gelangen und hoffen, dass eine gewisse Anzahl an Parlamentarierinnen und Parlamentariern die Idee gut findet.

    Im Kantonsrat braucht es 60 Mitglieder, damit eine Einzelinitiative an den Regierungsrat überwiesen wird. Dieser legt dem Parlament Bericht und Antrag vor. Der Kantonsrat stimmt anschliessend über die Initiative ab. In der Stadt Zürich sind es 42 Mitglieder des Gemeinderats, die mindestens nötig sind, damit sich der Stadtrat mit einem Anliegen beschäftigen muss.


    Lass dir den Artikel durch eine KI-gestützte Stimme vorlesen.

    Vater der „Nuller-Kennzeichen“

    Einer, der dieses besondere direktdemokratische Mittel auch schon genutzt hat, ist Adolf Flüeli aus Winterthur. So wollte er vor zehn Jahren die ETH Hönggerberg besser mit dem ÖV erschliessen lassen, durch nichts weniger als einen S-Bahn-Tunnel. Oder dann seine Idee der Einführung von Fahrzeugkennzeichen, die mit einer Null beginnen. Vorteil dieses Plans: Es gäbe keine Platzprobleme auf den sechs- und ja, eventuell bald siebenziffrigen Autokennzeichen, wenn dereinst einmal über eine Million Fahrzeuge im Kanton Zürich verkehren. Doch beide Vorstösse wurden vom Kantonsrat abgelehnt, jener der Nummernschilder erst 2024.

    Nun versucht es der 71-jährige Flüeli mit einer neuen Idee. Er möchte eine „Optimierung der derzeit vorhandenen Verkehrsflächen sowie der seit Jahrzehnten überfälligen baulichen Engpassbeseitigung im Milchbucktunnel“ erwirken. Vereinfacht gesagt soll die leere Fahrspur künftig je nach Verkehrsaufkommen stadtauswärts oder stadteinwärts genutzt werden.

    Im von Adolf Flüeli perfekt verwendeten Amtsdeutsch lautet die Idee folgendermassen: Der Betrieb des Milchbucktunnels werde suboptimal gehandhabt, indem ein mittig angeordneter Pannensteifen eine grösstenteils ungenutzte Verkehrsfläche darstelle. Dies behindere aus seiner Sicht einerseits den Verkehrsfluss und stelle andererseits ein zusätzliches Sicherheitsrisiko dar. Der Grund gemäss Text der Einzelinitiative: Ein linksliegender Pannenstreifen bei Rechtsverkehr sei artfremd und für den Fahrzeuglenker ungewöhnlich und zur Nutzung völlig kontraintuitiv.

    Beim Gotthardtunnel geht es auch ohne

    Ausserdem fordert der Bau- und Wirtschaftsingenieur, dass der Milchbucktunnel gemäss den ursprünglichen Planungen auf vier Spuren mit einem doppelten Tunnelportal an der Wasserwerkstrasse ausgebaut werden soll. Immerhin, so Flüeli, existiere ein Teil davon schon. So lasse sich analog dem vorgelagerten vierspurigen Schöneichtunnel ein „bestmöglicher kontinuierlicher Verkehrsfluss bei gleichwertiger Sicherheit ohne Pannenstreifen erzielen“.

    Flüeli erinnert in seinem Vorstoss daran, dass die „Forderung betreffend Pannenstreifen in einem 1985 eröffneten bestehenden Tunnel angesichts des zirka achtfach längeren zweispurigen Gotthardtunnels mit ungetrenntem Gegenverkehr völlig absurd“ sei.

    Nun kommt das Geschäft in den 180-köpfigen Kantonsrat. Die Chancen stehen gut, dass die Idee von Adolf Flüeli als Auftrag an den Regierungsrat überwiesen wird. Freilich ist in diesem speziellen Fall das Ganze ein wenig kompliziert, weil die Strasse im Milchbucktunnel eine Nationalstrasse ist, also das Bundesamt für Strassen – kurz Astra – zuständig ist. Somit müsste, falls das Anliegen im Kantonsrat durchkommt, der (mehrheitlich bürgerliche) Regierungsrat mittels Standesinitiative beim Astra vorstellig werden. Was aber zumindest in der heutigen Konstellation mit Bundesrat Albert Rösti (SVP) durchaus erfolgversprechend sein könnte. Rösti ist Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, zu dem das Astra gehört.

    Man darf gespannt sein, wie es mit Adolf Flüelis Idee weitergeht. Sein auf den 18. September 2025 datierter Vorstoss hat nun im Kantonsrat die Geschäftsnummer 326/2025 erhalten. Es ist ein Beispiel, wie Otto Normalverbraucher politisch aktiv werden kann.


  • 1 Minute

    Fragen über Fragen – und unsere Antworten dazu

    Lorenz Steinmann und Pascal Turin posieren neben einem temporären Strassenschild "Einfahrt verboten". Lorenz trägt ein grünes T-Shirt und hält ein Exemplar des "Altstadt Kuriers" in die Höhe. Pascal hat eine Hand in der Hosentasche und trägt einen grauen Kapuzenpullover mit dem Logo der Golden State Warriors.In der aktuellen Folge des Rathuus-Podcasts erzählt Lorenz Steinmann (links) von seinem neuen Job beim "Altstadt Kurier" und Pascal Turin hakt nach. Bild: Stephanie Turin

    Im Rathuus-Podcast geht es dieses Mal auch um den „Altstadt Kurier“ und „The Offspring“: Lorenz Steinmann und Pascal Turin erzählen in der 17. Folge aus ihrem Alltag und lassen dabei natürlich die Politik nicht zu kurz kommen.

    Endlich wird es mal wieder persönlich: In der 17. Folge des Rathuus-Podcasts widmen wir uns im ersten Teil dem neuen Job von Lorenz Steinmann beim “Altstadt Kurier”. Pascal Turin hat ganz viele Fragen vorbereitet und löchert nun seinen armen Co-Host damit. Dieser gibt tapfer Antwort und ermöglicht so einen spannenden Einblick in seine neue Aufgabe beim “Weltblatt für den Kreis 1”. Natürlich klären wir in der Folge auch, warum sich die Monatszeitung so hochtrabend als “Weltblatt” bezeichnet.

    Ausserdem hat uns die Stadtzürcher AL-Gemeinderätin Karen Hug ganz, ganz viele Fragen geschickt. Wir werden den umfangreichen Fragenkatalog bienenfleissig abarbeiten und beginnen mit der ersten Fragenportion im zweiten Teil dieser Episode. Lorenz und Pascal sprechen unter anderem darüber, was in der Zürcher Medienlandschaft fehlt und was sie bei Menschen nervt, die sie interviewen. Zudem verraten die beiden Podcaster ihre grössten beruflichen Fauxpas.

    Und als ob das nicht genug wäre, schwärmt Pascal auch noch vom Konzert der US-amerikanischen Punk-Rock-Band The Offspring im Hallenstadion. Da wir keinen Ärger mit der Urheberrechtsorganisation Suisa wollen, können wir unseren Hörerinnen und Hörern in der Folge selbst keine Hörprobe anbieten. Darum verlinken wir hier einfach ein Youtube-Video der Band.

    Wie und wo kann man den Podcast hören?

    Der Rathuus-Podcast ist exklusiv für Abonnentinnen und Abonnenten zugänglich. Klicke hier, wenn du mehr zu unseren Abos erfahren möchtest.


  • 4 Minuten

    „Wenn Sie eine Wohnung zum Vermieten haben, bitte melden!“

    Das Leben der 47-jährige AL-Politikerin Karen Hug ist von sozialem Engagement geprägt. Die Stadtzürcherin hat den Rathuus-Fragebogen mit viel Herzblut ausgefüllt. Und dann noch den Spiess umgedreht.Die Stadtzürcher AL-Gemeinderätin Karen Hug in ihrer Lieblingsumgebung, der Natur. Bild: zvg

    Das Leben der 47-jährigen AL-Politikerin Karen Hug ist von sozialem Engagement geprägt. Die Stadtzürcher Gemeinderätin hat den Rathuus-Fragebogen mit viel Herzblut ausgefüllt – und dann noch den Spiess umgedreht.

    Karen Hug, wie wurden Sie politisiert? 
    Die Politisierung ist im vollen Gange. Die aktuelle persönliche Betroffenheit trägt leider sehr viel dazu bei. Das Haus, in dem ich lebe und aufgewachsen bin, wurde an den Meistbietenden verkauft. Vor Kurzem wurde uns mitgeteilt, dass alle Mieter:innen die Liegenschaft verlassen müssen, da eine umfassende Sanierung/Aufstockung bevorsteht. Wir haben zwar die theoretische Möglichkeit, wieder in die Wohnungen zurückzukehren – doch (so die Prognose) zum dreifachen Mietzins – ein unrealistischer Preis für mich und meine Nachbarn. Also liebe Leserin und lieber Leser: Wenn Sie eine Wohnung zum Vermieten haben, bitte melden!

    Was wollten Sie als Kind werden? 
    Tierärztin.

    Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
    Die Welt wird „überflutet“ und wir diskutieren über Grenzen und Abgrenzung.

    „Von Gemeinderatskolleg:innen höre ich immer wieder, wir seien die ‚Streber-Partei‘ – dem kann ich zustimmen“, sagt AL-Gemeinderätin Karen Hug.


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    Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
    Zufälle haben mich zur AL geführt. Aus meiner Sicht – die differenzierteste „Partei“ in Zürich. Von Gemeinderatskolleg:innen höre ich immer wieder, wir seien die „Streber-Partei“ – dem kann ich zustimmen. Mich beeindruckt immer wieder, mit wie viel Fleiss, Engagement und Herzblut sich meine Fraktionskolleg:innen in ihre Themen und Dossiers reinknien, um etwas für die Menschen in unserer Stadt zu bewirken. Bei diesem Einsatz geht es immer um den Menschen. 

    Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
    Wenn immer möglich, überlasse ich diese wichtige Aufgabe anderen – ist einfach nicht mein Ding. Lieber stehe ich hinter einem Bartresen und fördere so den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Vernetzung, den Austausch und den Dialog. 

    Welche Staatsmänner halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch?
    Jón Gnarr (ein isländischer Komiker, Musiker, Schriftsteller und Politiker, Anm. d. Red.).

    Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken?
    Mit dem Papst – vorzugsweise Bier.

    Was ist Ihr Lieblingsrestaurant in der Stadt oder im Kanton Zürich?
    Seit ich Gemeinderätin bin – der „Hard Corner“. Vor meiner ersten Ratssitzung war ich zum ersten Mal dort – und wurde gleich von der herzlichen Besitzerin beschenkt. Diese spontane Geste hat mein Herz erobert – seither ist der „Hard Corner“ mein „Heart Corner“!

    Kaufen Sie das „Surprise“ und lesen Sie es auch?
    Zu selten – muss ich ändern!

    Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht?
    Grönland umsegelt.

    „Sex ohne Liebe, was halten Sie davon?“ – „Liebe kann nach dem Frühstück entstehen.“

    Wer ist für Sie die bedeutendste Zürcherin oder der bedeutendste Zürcher?
    Aus aktuellem Anlass: Georg Lasius, mehr Informationen hier – lesen lohnt sich: Quartierverein Hirslanden – Freiestrasse.

    Sex ohne Liebe, was halten Sie davon?
    Liebe kann nach dem Frühstück entstehen.

    Was war Ihr grösster politischer Erfolg?
    Unsere breit abgestützte Motion zum Josef-Areal. Ich hoffe, wir können hier einen wichtigen Beitrag für mehr bezahlbaren Wohnraum leisten. 

    Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas?
    Dass ich behaupte, keine Fauxpas zu machen?

    Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard?
    Pragmatisch: Im Rathaus Hard bleiben, wo die Infrastruktur super ist. Gefühlt: Ins historische Rathaus zurück – ein Ort mit einer 773-jährigen Geschichte …

    Portobello-Burger oder Poulet-Kebab?
    Da verlasse ich mich (ausnahmsweise!) auf die Meinung von meinem Gemeinderatskollegen Flurin Capaul.

    Taylor Swift oder Beatrice Egli?
    Powerfrauen, die an meinen musikalischen Vorlieben massiv vorbeischrammen – darum ein Tipp von mir: Gyða Valtýsdóttir!

    Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy?
    Spitzbergen bei Nebel. Mein persönliches Sehnsuchtsbild nach „Stinksocken“-Wetter, Weite und Stille.

    Worauf freuen Sie sich?
    Auf „Stinksocken“-Wetter, Weite und Stille

    Und worüber können Sie lachen?
    Situationskomik.

    Karen Hug übernahm im Oktober 2023 den Gemeinderatssitz vom AL-Parteikollegen Mischa Schiwow (Stadtzürcher Wahlkreis 7 und 8). Die 47-Jährige gehört seither der Sachkommission Hochbaudepartement, Stadtentwicklung an. Zudem ist sie Mitglied der Paritätischen Kommission Landrat Uri/Gemeinderat von Zürich. Seit März 2024 ist Hug Co-Quartiervereinspräsidentin von Hirslanden und kümmert sich dort um die Bereiche Quartierentwicklung, Kommunikation, Vernetzung und öffentlicher Raum. Hug arbeitet bei der Caritas und ist Standortleiterin der beiden Kirchlichen Regionalen Sozialdienste Mutschellen-Reusstal sowie Wohlen und Umgebung.

    Sehr originell ist, dass Karen Hug den Spiess umgedreht und der Rathuus-Redaktion einen Fragebogen zugestellt hat. Die Fragen werden nun stückweise im Rathuus-Podcast beantwortet.


  • 5 Minuten

    Ein (un)mögliches Ziel

    Thomas Hofffmann fährt mit seinem Velo inklusive Anhänger auf der Zürcherstrasse in Wetzikon. Neben ihm fährt ein weisses Auto und hinten kommt ein roter Lastwagen immer näher.Eine typische Szene an der Zürcherstrasse in der Nähe des Bahnhofs Wetzikon: Wer hier mit dem Velo durch muss, braucht starke Nerven – selbst geübte Velofahrer wie Thomas Hoffmann. Bild: Pascal Turin

    Velofahren in Wetzikon soll Spass machen – doch das tut es im Moment nicht. Thomas Hoffmann möchte mit der Website velofreundliches-wetzikon.ch Politik, Bevölkerung und Velofahrende zusammenbringen. Am Horizont lockt der Gewinn des „Prix Velo“.

    Zuerst gilt es, Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Thomas Hoffmann hat sich eine grosse Aufgabe auf die Schultern geladen. Sein Ziel ist es, Wetzikon zur velofreundlichsten Stadt der Schweiz zu machen. Zumindest will er Behörden und Politik dazu motivieren, sich dafür einzusetzen – und gibt sich dafür 20 Jahre Zeit. Insbesondere die Region rund um den Bahnhof erinnert je nach Tageszeit an die Weststrasse im Stadtzürcher Quartier Wiedikon, bevor diese 2010 für den Durchgangsverkehr gesperrt wurde. Heute ist die Weststrasse eine idyllische Quartierstrasse – der Westumfahrung sei Dank.

    Eines der Hauptprobleme der Stadt am Pfäffikersee ist, dass die Oberland-Autobahn, also die A15, auch nach Jahrzehnten der Planung eine Lücke zwischen Uster und Hinwil aufweist. Autos und Lastwagen müssen darum durch Wetzikon mit seinen rund 27’000 Einwohnerinnen und Einwohnern rollen – und stehen dann mitten im Ort im Stau.

    Doch der verkehrstechnische Unort, an dem Zürcherstrasse und Bahnhofstrasse zusammenkommen, ist nur eine der Hürden, die überwunden werden muss, um Wetzikon zur velofreundlichsten Stadt der Schweiz zu machen.


    Lass dir den Artikel durch eine KI-gestützte Stimme vorlesen.

    Hoffmann hat vor Kurzem die Website velofreundliches-wetzikon.ch lanciert. Dort berichtet der pensionierte Journalist etwa über einen Veloweg zwischen Unterwetzikon und Hinwil, der wegen einer Baustelle zum „Dauerärger“ wurde. „Seit drei Monaten sollte er wieder offen sein – ist er aber nicht. Und auf der Umleitung fehlen inzwischen mehrere Hinweistafeln“, so Hoffmann. Aber auch positive Nachrichten dürfen nicht fehlen, darunter das erste Wetziker Velofest, an dem 200 Leute teilnahmen. „Es bot einen Mix aus Unterhaltung und Genuss – und setzt mit zwei Petitionen politischen Druck auf: Die Situation für Velofahrende muss besser werden“, schreibt der 63-Jährige.

    Velofahren macht in Wetzikon keine Freude

    Es sind typische Lokalgeschichten, die man auf der Website findet – so wie sie in Lokal- oder Regionalzeitungen stehen, wenn diese noch darüber berichten. Thomas Hoffmann erklärt aber auch Hintergründe, zum Beispiel was hinter dem Megaprojekt „Stadtraum Bahnhof Wetzikon“ steckt, über das im Frühjahr 2026 abgestimmt wird. Geplant sind breitere Unterführungen für zu Fuss Gehende und Velofahrende, Velostationen, Park-and-Ride-Angebote, ein neuer Bushof, ein Bahnhofplatz und ein Bahnhofpark. Kostenpunkt: Rund 90 Millionen Franken – getragen von Stadt, Kanton, Bund und privaten Partnern. „Das wäre schon ein sehr grosser Wurf. Ich bin gespannt, ob das Vorhaben an der Urne durchkommt“, sagt Hoffmann.

    Man darf tatsächlich gespannt sein, wie die Stimmberechtigten entscheiden werden.

    Im siebenköpfigen Stadtrat hält die FDP drei Sitze, Grüne, SP, Mitte und SVP haben je einen Sitz. Die SP stellt zudem den Stadtpräsidenten. Im Parlament mit 36 Sitzen haben die Bürgerlichen je nach Konstellation und Thema leicht die Oberhand. Die SVP hat acht Sitze, die FDP sechs. Die SP und die Grünen sind mit sechs respektive fünf Personen vertreten. Die EVP hat drei Sitze, während Mitte, GLP, Alternative Wetzikon und EDU auf je zwei Vertretungen kommen.

    „Wenn wir die Verkehrsprobleme in den Griff bekommen, profitieren nicht nur Velofahrer oder Fussgängerinnen, sondern auch Autofahrer, weil sie weniger im Stau stehen“, sagt Thomas Hoffmann (63). Bild: Pascal Turin

    Dass das Velofahren in der Stadt vielen Menschen keinen Spass macht, lässt sich mit Zahlen erhärten. Auf der Onlineplattform „Wetzikon vielsichtig“, mit der die Stadt die Bevölkerung in die Ortsplanungsrevision einbeziehen möchte, findet man einen Auswertungsbericht zu einer Umfrage, bei der vergangenes Jahr über 1000 Personen teilgenommen hatten. Orte, wo man sich zu Fuss oder mit dem Velo nicht sicher fühle, befänden sich vor allem um den Bahnhof in Unterwetzikon sowie im Bereich des Zentrumsgebiets Oberwetzikon. Angebot und Infrastruktur für den Zug seien am besten bewertet worden (Note 5,3), Veloangebot und -infrastruktur hätten im Durchschnitt lediglich eine 3,4 erhalten, „was vielfach mit unsicheren, unschönen, nicht attraktiven und zu engen Strassenräumen erklärt wird“, heisst es im Bericht.

    Ausserdem interessant: Gemäss der städtischen Mobilitätsstrategie zeigt sich, dass der Fuss- und ÖV-Anteil in Wetzikon deutlich tiefer ist als im kantonalen Durchschnitt. „Es ist die Aufgabe des Stadtrats, jetzt die richtigen Weichen zu stellen, um auch in Zukunft eine funktionierende Mobilität sicherzustellen“, sagte Heinrich Vettiger, SVP-Stadtrat und Vorsteher Tiefbau, Umwelt + Energie, in einem Artikel des „Zürcher Oberländers“.

    Der „Prix Velo“ als Motivationsspritze für alle

    Thomas Hoffmann ist in keiner Partei und möchte alle ansprechen: „Wenn wir die Verkehrsprobleme in den Griff bekommen, profitieren nicht nur Velofahrer oder Fussgängerinnen, sondern auch Autofahrer, weil sie weniger im Stau stehen“, sagt der Wetziker, der in seiner Freizeit gern mit dem Rennvelo unterwegs ist. Einkaufen fährt er mit einem gewöhnlichen Alltagsvelo inklusive Anhänger. Darum hat er die Veloparkplätze vor Aldi, Migros und Co. mit Noten bewertet. Ganz schlecht weg kommt die Post, die vor ihrer Filiale beim Bahnhof „keinen einzigen Veloparkplatz“ anbietet. „Parkiert wird trotzdem – gezwungenermassen illegal“, schreibt Hoffmann und fügt im Text zum Beweis ein Foto an.

    „Am Wichtigsten finde ich es, dass viele 8- bis 80-Jährige gern mit dem Velo durch Wetzikon fahren“, sagt Thomas Hoffmann.

    Einen kleinen Erfolg konnte der frühere Redaktionsleiter beim Zürcher Verlag Lokalinfo AG bereits verbuchen. Die Stadt beteiligt sich zum ersten Mal am „Prix Velo Städte“ der Lobbyorganisation Pro Velo Schweiz. Die Auszeichnung wird nur alle vier Jahre vergeben. Wieso beteiligt sich nun auch Wetzikon? „Dank einer Anfrage von mir. Im Juni mailte ich den Vorschlag an die Stadt – und das Tiefbauamt war interessiert“, erzählt Hoffmann, der hier seit 35 Jahren wohnt. Er kennt sich also bestens aus.

    Bis November können Wetzikerinnen und Wetziker ihre Stadt vom Velosattel aus bewerten. Veröffentlicht werden die Ergebnisse dann im Frühling 2026. Vermutlich – oder ziemlich sicher – wird Wetzikon eher auf den hinteren Plätzen landen. Doch das könnte in vier Jahren dann schon anders aussehen. „Die Ergebnisse der Umfrage fliessen ganz im Sinne der städtischen Mobilitätsstrategie in die Weiterentwicklung der Veloinfrastruktur in der Stadt Wetzikon ein“, verspricht die Stadt in einer Mitteilung.

    Positives Beispiel: Die überwachte Velostation beim Bahnhof Wetzikon wird von Mitarbeitenden aus dem Programm "Beschäftigung + Arbeitsintegration" der Stadt Wetzikon betrieben. Bild: Pascal Turin

    Aus Sicht von Thomas Hoffmann könnte die Teilnahme am „Prix Velo“ ein Ansporn für alle sein: Die Politik sowie die Behörden sollen den Drahtesel fördern und die Bevölkerung soll sich häufiger aufs Velo schwingen. „Am Wichtigsten finde ich es, dass viele 8- bis 80-Jährige gern mit dem Velo durch Wetzikon fahren“, sagt er. Die Menschen sollen mit Freude aufs Fahrrad steigen können und keine Angst vor gefährlichen Kreuzungen oder schwierigen Kreiseln haben müssen. „Je mehr Leute mit dem Velo unterwegs sind, desto wichtiger wird dieses Verkehrsmittel“, zeigt sich Hoffmann überzeugt.

    Ob also Wetzikon dereinst die velofreundlichste Stadt der Schweiz wird? Es ist ein ehrgeiziges Ziel. Doch unmöglich zu erreichen, ist es nicht.

    Mehr Informationen unter www.velofreundliches-wetzikon.ch.