Wir bleiben dran

Neue Artikel oben – der Rest folgt.

  • 5 Minuten

    Für den FDP-Mann war die SP früher eine Amour fou

    Das Bild zeigt Flurin Capaul in einer Beiz.Flurin Capaul liebt die Politik und hat eine grosse Passion für die Kulinarik und die Gastronomie. Sein unerfüllter Traum ist eine Lehre als Koch. Bild: Genusshelden 23/24

    Er fällt oft durch originelle und vielfältige Vorstösse im Gemeinderat auf: Flurin Capaul von der FDP. Im indiskreten Fragebogen fürs Rathuus verrät der 47-Jährige, dass er früher in der SP war, warum er das historische Rathaus nicht als Museum sieht und was ihn an Pipilotti Rist fasziniert.

    Flurin Capaul, wie wurden Sie politisiert?
    Wie wohl die meisten in der Schweiz: Durch die quartalsweise stattfindenden Abstimmungen und die Wahlen kommt man automatisch zur Auseinandersetzung mit der Politik.

    Was wollten Sie als Kind werden?
    Businessman. Ich fand (in den frühen 90er) Anzug und Aktenkoffer unglaublich schick.

    Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
    Wohnen und Kultur. Da wuchert die Bürokratie und vor lauter Konzepten vergisst man, dass man primär etwas für die Stadt erreichen sollte.

    Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu, oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
    Ich war in ganz jungen Jahren mal bei der SP. Eine Amour fou, die dann aber gegenseitig nicht versprach, was man sich erhofft hatte. Bei der FDP fand ich dann die stabile Beziehung fürs Leben.


    Lass dir den Artikel durch eine KI-gestützte Stimme vorlesen.

    Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
    Willkommen in der alltäglichen, aber wenig glamourösen Basisarbeit jedes engagierten Parteimitglieds einer Ortspartei.

    Welche Staatsmänner halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch?
    Kaspar Villiger. Der (ehemalige FDP-Bundesrat, Anm. d. Red.) übernahm 2009 die Verantwortung bei der UBS, obwohl er nicht darauf angewiesen war. Er fühlte sich moralisch dazu verpflichtet und riskierte – freiwillig und ohne Zwang – seinen guten Ruf.

    Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken?
    Mit Pipilotti Rist. Eine faszinierende Künstlerin, die Kunst macht, die eben nicht unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Tolles Beispiel: Der Pixelwald Turicum im Kunsthaus.

    „Ich war in ganz jungen Jahren mal bei der SP – eine amour fou, die dann aber gegenseitig nicht versprach was man sich erhofft hatte. Bei der FDP fand ich dann die stabile Beziehung fürs Leben.“

    Was ist Ihr Lieblingsrestaurant in der Stadt oder im Kanton Zürich?
    Das kommt ganz darauf an, mit wem ich unterwegs bin!

    Mit meiner Tante würde ich gepflegt in die „Obere Flühgasse“, mit Freunden kulinarisch raffiniert in die „Enoteca Riviera“, geschäftlich am Mittag ins „Spitz“, mit dem Kegelverein in den „Gertrudhof“, mit den kulinarisch ambitionierten Foodies ins „Sentosa“, mit Hipster ins „Lang Thai Pub“ und mit dem veganen Tinderdate ins „Kle“ essen gehen.

    Falls Geld keine Rolle spielt: „Dolder“ oder „Widder“.

    Kaufen Sie das „Surprise“, und lesen Sie es auch?
    Spontan kaufe ich’s ab und an, blättere es aber nur kurz durch.

    Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht?
    An Plänen mangelt’s mir nie … So würde ich gerne eine Kochlehre machen und das Handwerk von der Pike auf lernen, einen Roadtrip durch die ehemalige DDR unternehmen, um alle existierenden Bunker zu besichtigen oder mal jedes Haus Zürichs, das älter als 100 Jahre ist, besuchen. Unsere Welt hat noch so viel Interessantes zu entdecken …

    Wer ist für Sie der oder die bedeutendste Zürcherin?
    Verstorben: Ernst Sieber. Lebend: Roger Schawinski.

    Sex ohne Liebe, was halten Sie davon?
    Ich musste mich kurz vergewissern, ob es wirklich 2025 und nicht 1955 ist. Bedeutend wichtiger als Liebe ist die korrekte Verhütung zur Verhinderung von sexuell übertragbaren Krankheiten.

    „Ich würde gerne eine Kochlehre machen und das Handwerk von der Pike auf lernen“.

    Was war Ihr grösster politischer Erfolg?
    Das beurteilen andere. Am meisten freuen mich Vorstösse, wo mehrere Parteien involviert sind – so beispielsweise für die Etablierung einer dezidierten Anlaufstelle für Baubewilligungen von Gastrobetrieben oder dem Ermöglichen von mehr NLA-Frauenspielen im Letzigrund.

    Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas?
    Da erhalte ich jeweils stadträtliches Feedback im Einzelgespräch. Es scheint, dass meine 50 Fragen zum einen Geschäft, dessen Name ich gerade vergessen habe, nicht sonderlich goutiert wurden …

    Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard?
    300 Jahre wars gut und nun plötzlich nicht mehr? Hier zeigen sich exemplarisch die abstrusen Vorgaben von Denkmal- und Heimatschutz. Es ist ein Rathaus und kein Museum – die Nutzung muss ermöglicht und nicht verhindert werden.

    „Mein grösster politischer Fauxpas? Es scheint, dass meine 50 Fragen zum einen Geschäft, dessen Name ich gerade vergessen habe, nicht sonderlich goutiert wurden …“

    Portobello-Burger oder Poulet-Kebab?
    Beide Gerichte sind Abwandlungen einer kulinarischen Tradition, da würde ich dann schon eher das Original bevorzugen. Aber wenn ich müsste, klar der Poulet-Kebab, der hat einfach mehr Geschmack als ein Portobello-Pilz, der ja nichts anderes wie ein grosser Champignon ist. Pilzhandel Büchi-Stäger auf dem Bürkliplatz- oder auf dem Oerlikermarkt hilft gerne mit interessanteren Pilzen weiter.

    Taylor Swift oder Beatrice Egli?
    Ich habe ein Faible für Metzgerstöchter – daher Beatrice Egli.

    Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy?
    Meinen Grossvater auf Weltreise in den 1930er-Jahren auf einem Kamel vor den Pyramiden von Gizeh.

    Worauf freuen Sie sich?
    Wenn mir eine Sauce wirklich gut gelingt, ein Vorstoss überwiesen wird oder wenn ich ein Bürgeranliegen auf kurzem Dienstweg erledigen kann.

    Und worüber können Sie lachen?
    Jackass (US-amerikanische Fernsehsendung, Anm. d. Red.), gemeinderätliche Voten und Komiker Jimmy Carr.

    Flurin Capaul hat den Rathuus-Fragebogen am 7. Mai 2025 ausgefüllt. Capaul ist 47-jährig, wohnt in Wiedikon, ist ausgebildeter Informatik-Ingenieur (Dipl. Ing. FH) und beschäftigt sich beruflich mit Software-Lösungen. Capauls liebste Beschäftigung – neben der Politik – ist alles, was mit Kulinarik zu tun hat. Aktuell engagiert sich Capaul als Kassier des Quartiervereins Wiedikon und ist Präsident von Pro Beiz. Trivia: Früher war Capaul bei den Pfadfindern. Sein Vulgo: Schelm.


  • 4 Minuten

    Sie diskutierten mit jungen Menschen über die Integration von Zugewanderten

    Kantonsrat Thomas Forrer (Grüne), Lara Tabbert, Vorstand Junge GLP Kanton Zürich, SVP-Kantonsrat Ueli Pfister, Mitte-Kantonsrätin Marzena Kopp und Podiumsmoderatorin Charlène Pfammatter vom Verein Discuss it posieren für ein Foto vor einem Brunnen auf dem Areal der Kantonsschule Küsnacht.Posieren für das obligate Gruppenfoto (v. l.): Kantonsrat Thomas Forrer (Grüne), Lara Tabbert, Vorstand Junge GLP Kanton Zürich, SVP-Kantonsrat Ueli Pfister, Mitte-Kantonsrätin Marzena Kopp und Podiumsmoderatorin Charlène Pfammatter vom Verein Discuss it. Bild: Pascal Turin

    Das Ziel ist es, Jugendliche für Politik zu begeistern. Der Verein Discuss it organisiert Politpodien an Gymnasien und Berufsschulen. Kürzlich debattierten Zürcher Politikerinnen und Politiker an der Kantonsschule Küsnacht. Sie wussten die Chance für PR in eigener Sache – und für ihre Partei – zu nutzen.

    Der Verein Discuss it hat sich der politischen Bildung von jungen Menschen verschrieben. Dazu organisiert er regelmässig Politpodien an Berufsschulen und Gymnasien. „Discuss it“ publiziert auch alljährlich einen Jahresbericht. Gemäss diesem arbeitet die Organisation mit Sitz in Zürich mit dem Kanton Aargau zusammen oder kooperiert mit den Jugendparlamenten des Kantons Zürich und des Kantons Bern. Ausserdem wird „Discuss it“ unter anderem vom Migros-Pionierfonds oder von der Stiftung Mercator Schweiz finanziell unterstützt.

    Das Wirken des Vereins liest sich beeindruckend.

    • Laut Jahresbericht war „Discuss it“ im Jahr 2024 in 16 Kantonen aktiv.
    • Es fanden 194 Veranstaltungen statt. Zum Vergleich: 2023 waren 148 durchgeführt worden.
    • 17’500 Schülerinnen und Schüler konnten mit den Veranstaltungen erreicht werden. 59 Prozent davon waren Lernende an Berufsfachschulen, 41 Prozent Schülerinnen und Schüler an Mittelschulen.
    • Über 600 Politikerinnen und Politiker nahmen an „Discuss it“-Veranstaltungen teil.

    Kürzlich fand an der Kantonsschule Küsnacht eine Podiumsdiskussion zum Thema „Integration von Zugewanderten – fördern oder fordern“ statt. Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter der Grünen, der Jungen GLP, der Mitte sowie der SVP. Trotz des heiklen Themas wussten die Politikerinnen und Politiker, ihre Chance für PR in eigener Sache – und für ihre Partei – zu nutzen.


    Lass dir den Artikel durch eine KI-gestützte Stimme vorlesen.

    „Der betroffene Mensch muss sich integrieren lassen wollen“, sagte SVP-Kantonsrat Ueli Pfister.

    Integration ist kein Verwaltungsakt

    Zu Beginn der Gesprächsrunde legte Charlène Pfammatter vom Verein Discuss it die Regeln fest: „Wir lassen einander ausreden und werden nicht persönlich.“ Die Moderatorin lancierte das Podiumsgespräch mit der Frage, ob es die Aufgabe der Schweiz sei, Ausländerinnen und Ausländer zu integrieren.

    Lara Tabbert, die im Vorstand der Jungen GLP Kanton Zürich sitzt, antwortete diplomatisch: „Integration ist etwas Zwischenmenschliches, das nicht nur aus der Verwaltung kommen kann.“

    Für SVP-Kantonsrat Ueli Pfister aus Egg wiederum war die Antwort klar: „Der betroffene Mensch muss sich integrieren lassen wollen.“ Ähnlich sah es Kantonsrätin Marzena Kopp (Die Mitte): „Wer sich nicht integrieren lassen will, wird sich auch nicht integrieren lassen“, sagte die Meilemerin, die selbst in Polen und in der Schweiz aufgewachsen ist.

    Der Grünen-Kantonsrat Thomas Forrer erklärte: „Wir leben von der Vielfalt.“ Wenn eine Bevölkerungsgruppe ihre eigenen Bräuche oder ihren eigenen Glauben lebe, finde er das gut. „Diversität nützt uns etwas. Gleichmacherei ist eher schädlich“, sagte der Erlenbacher.

    „Ich bin kein Fan der Burka, aber ich finde, die Leute sollen sich so anziehen dürfen, wie sie möchten“, sagte Grünen-Kantonsrat Thomas Forrer.

    Konstruktive Diskussion ist wichtig

    Schnell ging es um Toleranz und es fielen Begriffe wie Minarett- oder Burka-Verbot. SVP-Kantonsrat Pfister sagte, dass die Burka für ihn ein Symbol der Unterdrückung sei. „Das sind Scheindiskussionen“, konterte Grünen-Kantonsrat Forrer. Diese würden auf dem Rücken anderer Gruppen, in diesem Fall der Muslime, ausgetragen. „Ich bin kein Fan der Burka, aber ich finde, die Leute sollen sich so anziehen dürfen, wie sie möchten“, so Forrer.

    Mitte-Kantonsrätin Kopp wiederum stellte infrage, ob alle Frauen, die eine Burka tragen, dies auch freiwillig tun würden. „Diversität in der Gesellschaft ist eine grosse Chance“, betonte Lara Tabbert von der Jungen GLP. Es höre aber da auf, wo man mit seinem Glauben oder seinen Bräuchen anderen Leid zufüge. „Die Frage ist, wie sich die zugewanderten Personen einbringen können“, sagte die Stadtzürcherin Tabbert. Sie verwies damit auf die Debatte rund um das Ausländerstimmrecht.

    Schülerschaft stellte kritische Fragen

    Damit war die Diskussion unter den Schülerinnen und Schülern richtig lanciert. Eine Gymnasiastin warf den Bürgerlichen vor, vermeintlichen Feminismus für die Hetze gegen Ausländerinnen und Ausländer zu missbrauchen. Ueli Pfister teilte diese Ansicht gar nicht, liess sich aber nicht provozieren. „Da kann ich ihnen nicht Recht geben“, sagte der Kantonsrat.

    Ein Schüler fragte sich, wie man denn politisch zusammenarbeiten kann, wenn die Meinungen so auseinandergehen. „Was man im Fernsehen sieht, zum Beispiel in der Arena, das ist nicht die Realität“, sagte Kopp. Und Pfister ergänzte: „Wichtig ist eine konstruktive Diskussion in der Kommission.“ In den Ratsdebatten werde „fast plakativ“ die Parteimeinung präsentiert.

    Junge Menschen sind Zukunft der Politik

    Bei jedem Themenbereich gab es mindestens ein Votum aus dem Publikum. Darum passt der eigentlich sperrige Begriff Informiertheit in diesem Zusammenhang perfekt. Die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten bewiesen, dass sie die Politik nicht kalt lässt. Die Jugendlichen, die noch ein Jahr bis zur Matur haben, diskutierten rege mit.

    Inwiefern diese Beobachtung mit der in der Medienwelt heiss diskutierten Newsmüdigkeit zusammengeht, darüber kann nur spekuliert werden. Gemäss dem Jahrbuch Qualität der Medien 2024 des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich liegt der Anteil der sogenannten News-Deprivierten, also Menschen, die auf Nachrichten verzichten, nämlich bei 46 Prozent.

    Fazit: Die Schulleitung und die Lehrpersonen der Kanti Küsnacht dürfen sich auf alle Fälle auf die Schulter klopfen. Und ein bisschen stolz sein können auch die Eltern. Die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten wussten viel. Man lehnt sich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man das als positives Zeichen sieht. Oder wie es Moderatorin Pfammatter formulierte: „Ihr seid die Zukunft der Schweizer Politik.“


  • 4 Minuten

    Linke siegen in bürgerlichem Kanton

    Das Bild zeigt das Cover der Kantonalen Abstimmungszeitung mit einem draufgezeichneten Nein-Stempel.Es war doch eine Überraschung, das Nein des Stimmvolks zur Senkung der Unternehmenssteuer im Kanton Zürich. Bild/Zeichnung: Lorenz Steinmann

    Die kantonale Abstimmung über die Steuersenkung für Unternehmen brachte einen eher unerwarteten Erfolg für die Linken und die grösseren Städte im Kanton Zürich. In der Stadt Zürich hingegen gab es keine Überraschungen.

    Mit fast 55 Prozent Nein-Stimmenanteil verwarf das Stimmvolk heute im Kanton Zürich die Senkung der Gewinnsteuer für Unternehmen von 7 auf 6 Prozent. Damit kassierten der Regierungsrat sowie SVP, FDP, Mitte und die Wirtschaftsverbände eine bemerkenswerte Niederlage.

    Der Stadtzürcher Kassenwart Daniel Leupi (Grüne) sagte es an der Medienkonferenz des Nein-Komitees vor einigen Wochen, und er wiederholte es heute vor den Medien. Der Steuerfuss sei nur ein Faktor bei der Standortwahl für Firmen. Wichtiger sei für Unternehmen das Gesamtpaket, also die Frage, was ein Standort über das Ganze zu bieten habe. Erreichbarkeit, Lebensqualität und ja, Krippenplätze. Die Stadt Zürich als Beispiel brauche die Mittel, um die steigenden Investitionen zu finanzieren, etwa Schulen und den ÖV-Ausbau. Bemerkenswert war, dass auch Kloten Nein zur Vorlage sagte, obwohl hier die Steuern ebenfalls sprudeln und sich der Stadtpräsident für ein Ja aussprach. Doch die prognostizierten zehn Millionen Franken Einnahmeverlust waren eine zu hohe Hypothek.


    Lass dir den Artikel durch eine KI-gestützte Stimme vorlesen.

    FDP spricht von Steuerhölle

    Die FDP schreibt in einer Stellungnahme, dass „der Kanton Zürich mit diesem Nein weiterhin eine regelrechte Steuerhölle für Unternehmen bleiben“ werde. Der Fraktionspräsident der FDP im Kantonsrat, Claudio Zihlmann, lässt sich so zitieren: „Der Kanton Zürich wird damit leider in Zukunft weiter Unternehmen an andere Kantone verlieren, womit Steuersubstrat, Arbeits- und Lehrstellen verloren gehen werden.“

    FDP-Kantonsrat Christian Müller kritisierte die Gegnerinnen und Gegner der Vorlage scharf: „Die linken Falschaussagen, dass mit einer Steuersenkung für Unternehmen Steuersubstrat verloren geht, haben sich durchgesetzt. Dass diese Behauptungen schlicht falsch sind, zeigt die Erfahrung anderer Kantone.“

    „Wie immer gilt im Kanton Zürich, was das Volk sagt, gilt es zu akzeptieren“, sagte Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) an einer Medienkonferenz.

    Auch ländliche Gemeinden sagten Nein

    Domenik Ledergerber, Präsident der SVP Kanton Zürich, kritisierte die Ja-Kampagne, angeführt von der Zürcher Handelskammer, als „zu brav“. Definitiv nicht erfolgreicher war aber offensichtlich die eigene Ja-Kampagne der SVP mit einem Bild der sinkenden Titanic und der Drohung, dass mit einem Nein zur Steuersenkung der Kanton untergehe. Viele kleine Landgemeinden, die in der Regel bürgerlich wählen und abstimmen, sagten heute ebenfalls Nein – etwa die Gemeinden Turbenthal, Hagenbuch, Rafz und Dorf.

    Und so lautet das Endresultat zur Vorlage für die Steuersenkung: 45,5 Prozent Ja (149’962 Stimmende) zu 54,5 Prozent Nein (179’439 Stimmende). Die Stimmbeteiligung betrug eher magere 35,3 Prozent. Eine Schlappe für den Regierungsrat. „Wie immer gilt im Kanton Zürich, was das Volk sagt, gilt es zu akzeptieren“, sagte Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) an einer Medienkonferenz.

    Stadtzürcher Exekutive darf sich freuen

    In der Stadt Zürich holte die Exekutive hingegen drei klare Siege. Mit deutlichen Mehrheiten winkten die Stimmberechtigten alle drei städtischen Abstimmungsvorlagen durch. Die Flughafen-Vorlage, den Neubau der Wohnsiedlung Salzweg in Altstetten und die Erweiterung des Schulhauses Entlisberg in Wollishofen.

    Am ehesten umstritten war noch die Vorlage für eine Schulhauserweiterung. Die SVP und die FDP lehnten die Vorlage ab. Hauptgrund waren die Kosten, denn das Budget stieg im Laufe der Planung von 34,5 Millionen Franken auf 54 Millionen. Für die Kritikerinnen und Kritiker ist dieser Kostensprung typisch, wie das etwa auch beim Projekt für ein neues Sportzentrum in Oerlikon der Fall sei.

    Das Kostenargument habe aber offensichtlich nicht verfangen, bemerkte Stadtrat André Odermatt (SP) am Sonntag vor den Medien. Mit 68,5 Prozent Ja-Stimmen gab es eine ordentliche Zustimmung zum Millionenprojekt. Am knappsten war das Resultat in den FDP-Hochburgen, den Stadtkreisen 7 und 8, mit 59,5 Prozent Ja-Stimmen.

    Noch zur trocken-tönenden Flughafen-Vorlage, dem „Übertrag der Beteiligung an der Betreiberin des Flughafens vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen, Objektkredit von rund 334,04 Millionen Franken“: Grüne und AL wollten, dass die Stadt ihre Flughafenaktien dereinst verkaufen kann. Aus ihrer Sicht steht eine Beteiligung am Flughafen Zürich im Widerspruch zu den klimapolitischen Zielen der Stadt und gehört nicht zu den städtischen Aufgaben. Diese Argumente zogen aber offensichtlich nicht genug. Die Nein-Kampagne schaffte es auf 27,5 Prozent Nein-Stimmen. Immerhin, wenn man einrechnet, dass die SP für den Übertrag der Aktien ins Verwaltungsvermögen war – zusammen mit der EVP, der FDP, der GLP, der Mitte und der SVP.

    Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) äusserte sich erfreut über das Ergebnis. Die Stimmbevölkerung anerkenne mit diesem Ja den Wert der Mitsprache der Stadt Zürich bei dieser „wichtigen Infrastruktur“. Die Bevölkerung sei klar der Ansicht, dass die Stadt beim Flughafen mitreden solle, berichtete der „Tages-Anzeiger“.


  • 1 Minute

    Mit Verkehrskampagnen kann man (fast) nichts verkehrt machen

    Lorenz Steinmann und Pascal Turin stehen vor ihrem Büro an der Stauffacherstrasse 180. Sie halten je ein Getränk in der Hand. Im Hintergrund sind die Gäste des Rathuus-Fäschtlis 2025 zu sehen.Das kleine, aber feine Rathuus-Fäschtli hat den beiden Rathuus-Gründern viel Spass gemacht (v. l.): Lorenz Steinmann und Pascal Turin genossen den Abend in vollen Zügen. Bild: Tobias Stepinski

    Der Montag rückt näher, aber die siebte Folge des Rathuus-Podcasts versüsst dir den Sonntagabend: Lorenz Steinmann und Pascal Turin plaudern über ihre liebsten Sportteams. Ausserdem diskutieren die zwei Podcaster über eine neue Verkehrskampagne von Pro Velo Kanton Zürich, Fussverkehr Schweiz sowie der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich.

    In der siebten Folge des Rathuus-Podcasts sprechen Lorenz Steinmann und Pascal Turin am Anfang kurz über die Stadtratswahlen 2026 in Zürich. Sie leiten dann aber mehr oder weniger elegant zum Hauptthema über: die neue Verkehrskampagne Abstand ist Anstand. Die Podcaster diskutieren darüber, was solche Aktionen bringen und erinnern sich an die “Züri faart Velo”-Kampagne von 1990. Also eigentlich war damals nur Lorenz so richtig dabei, weil Pascal noch wortwörtlich in den Kinderschuhen steckte.

    In der locker-leichten Rubrik “Unsere Lieblings-…” gehts heute um Sportteams. Während Lorenz vom FC Zürich und den GC-Frauen schwärmt, versucht Pascal immer wieder das Gespräch auf Eishockey und den HC Lugano umzulenken. Ausserdem sprechen die Rathüüsler über die Uefa Women’s Euro 2025. Auch in Zürich finden Spiele der Fussball-EM 2025 statt – allerdings ist von Euphorie noch wenig zu spüren.

    Und zum Schluss darf ein kurzer Rückblick auf unser kleines, aber feines Rathuus-Fäschtli nicht fehlen.

    Wie und wo kann man den Podcast hören?

    Der Rathuus-Podcast ist exklusiv für Abonnentinnen und Abonnenten zugänglich.


  • 3 Minuten

    Abstand ist Anstand – und günstig ist auch anständig

    Im Gif sieht man einen Ausschnitt aus dem Werbefilm "Abstand ist Anstand" zu sehen.Ausschnitt aus dem Video zur Kampagne "Abstand ist Anstand": Der Clip will auf humorvolle Weise das Nebeneinander von Velofahrenden und zu Fuss Gehenden, aber auch von Autofahrenden aufzeigen. Video: Youtube, Screencast: Rathuus

    Die Stadt Zürich hat eine Kampagne lanciert. Sie will für mehr Verständnis zwischen Fussgängern und Velofahrerinnen sorgen. Wir haben nachgefragt, was sich die Verwaltung davon verspricht. Immerhin ist die Kampagne viel günstiger als der Velotunnel.

    „Abstand ist Anstand“ lautet der Slogan der neusten Verkehrskampagne in der Stadt Zürich. Dahinter stehen Pro Velo Kanton Zürich, Fussverkehr Schweiz und die Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich (DAV). Das Ziel: „Ein besseres Miteinander von Fuss- und Veloverkehr durch rücksichtsvolles Verhalten“, heisst es auf Anfrage. Die Kampagne erinnert an Aktionen wie „So fahren, wie wenn das Grosi dabei wäre“ aus dem Jahr 2019 sowie „Generell freundlich, freundlich kommt man in Zürich besser an“ von 2015.

    Es sind unauffällige Aktionen, die nie einen Preis holen bei den Werbungen des Jahres. Doch während die Grosi-Plakate und die auf jedem Polizeiauto prangenden „Generell freundlich“-Kleber wenigstens öffentlich präsent waren, haben sich die Verantwortlichen der neusten Kampagne „Abstand ist Anstand“ dazu entschieden, digital über die sozialen Medien zu kommunizieren. Will heissen: Die Kampagne ist bisher eine rein virtuelle Angelegenheit.

    Laut Kommunikations-Fachperson Chantal Stocker von der DAV zieht die Stadt aber in Erwägung, „die Kampagne im öffentlichen Raum weiterzuentwickeln“.

    Fussgängerinnen und Velofahrer sollen also vorderhand aufs Handy schauen, um mit Abstand und mit Anstand aneinander vorbeizukommen. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Wie gefährlich die Benutzung des Mobiltelefons als Verkehrsteilnehmer und -teilnehmerin nämlich ist, zeigen Kampagnen wie „Tipp, tipp, tot“ und „Be smart“ aus Deutschland sowie aktuell „App-gelenkt“ der Kantonspolizei Zürich.


    Lass dir den Artikel durch eine KI-gestützte Stimme vorlesen.

    Immer auf die Schwächeren

    Doch worum geht es eigentlich bei „Abstand ist Anstand“? Das 30-sekündige Animations-Filmchen zur Kampagne zeigt das zwischenmenschliche Verhalten auf der Strasse respektive auf dem Trottoir, in einer Art Kaskadenprinzip (Stichwort: Joggeli söll ga Birli schüttle). Ein Velofahrer wird von einem Autofahrer drangsaliert, indem der Drahtesel mit engem Abstand überholt wird. Der Velofahrer rächt sich, indem er einen Fussgänger sehr knapp überholt. Der Fussgänger wiederum bedrängt eine Ente, die ihm im Weg ist.

    Laut den Macherinnen und Machern soll der Clip auf humorvolle Weise zum Perspektivenwechsel auffordern. Angeklickt haben ihn Stand heute Mittwoch auf der Social-Media-Plattform Instagram etwa 10’800 Leute. Auf dem Videoportal Youtube sind es nur rund 380 Aufrufe. Aber immerhin hat der Youtube-Kanal des Grünen Nationalrats Balthasar Glättli (@bglaettli) in den Kommentaren zum Video ein Herz-Emoji hinterlassen.

    Überschaubare Menge an Kommentaren

    Die Kommentare auf Instagram sind mengenmässig und inhaltlich überschaubar. Beispiele gefällig? „Trennt endlich diese leidigen Mischzonen. Wenn nirgendwo das Velo priorisiert wird, macht man so einen Seich“, schreibt Schniggischnägli. „Ihr mached würkli alles usser de ÖV endlich fördere“, findet Stengelboy96.

    Und Marmey90 stellt fest, dass „ganz einfach die Autos verantwortlich sind für den knappen Stadtraum von Velo- und Fussgängerbereichen“. Da habe es noch sehr viel Potential, den begrenzten Raum für Velos und Fussgänger zu vergrössern.

    Kleine Brötchen für Kampagne, 40 Millionen für einen Velotunnel

    Die laut der Stadt Zürich ausgegebenen 10’000 Franken für die Produktion des Videos sowie die Massnahmen zur Bewerbung der Kampagne scheinen angemessen. Die Kosten für solche animierte Filme können je nach Komplexität und Stil stark variieren.

    Dass kein Geld ausgegeben wurde „für die Ideenentwicklung und den Arbeitsaufwand von Pro Velo Kanton Zürich in Zusammenarbeit mit Fussverkehr Schweiz“ ist natürlich ein Pluspunkt.

    Die Stadt Zürich hat also kleine Brötchen gebacken für diese Kampagne. Gross angerichtet hat sie hingegen beim Bau des Velotunnels unter dem Hauptbahnhof hindurch.

    Dieses bisher grösste Velo-Infrastrukturprojekt in Zürich wird am 22. Mai eingeweiht. Mit der Eröffnung der Veloverbindung unter dem HB zwischen dem Sihlquai und der Sihlpost wird durchaus etwas Historisches gefeiert. Was vor rund 70 Jahren als Idee für eine Autobahn mitten durch die Stadt begann, findet nun einen Abschluss, inklusive kostenlose Velo-Abstellplätze und einem direkten Zugang zum Hauptbahnhof.

    Die Kehrseite der Medaille: Weil sich Politiker und Planerinnen heftig getäuscht haben, betragen die Kosten mittlerweile über 40 Millionen Franken. Für 320 Meter Tunnel ist das eine stolze Summe. Teurer pro Meter ist da nur noch die Einhausung Schwamendingen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.


  • 6 Minuten

    Politiker wollen wissen, ob unser Hunger nach Holz dem Zürcher Wald schadet

    Das Bild zweigt einen Wald zwischen Frühling und Herbst.Der Wald ist ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Mit Holz können energieintensive Baumaterialien wie zum Beispiel Beton ersetzt werden. Mit Holz wird aber auch geheizt. Bild: Pascal Turin

    Der Schweizer Wald erfüllt viele Funktionen – vom Erholungsraum bis zum Holzlieferanten für Möbel, Häuser oder Heizmaterial. Doch Klimawandel und Schädlinge setzen ihm zu. Zwei Zürcher SVP-Kantonsräte haben beim Regierungsrat nachgefragt, ob der Wald im Kanton Zürich übernutzt wird.

    Wie geht es eigentlich unserem Wald? Nicht besonders gut – jedenfalls, wenn man den Waldbericht 2025 heranzieht. Verfasst wurde dieser vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) und von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) mit Sitz in Birmensdorf. Extremereignisse wie Hitze, Trockenheit, Stürme und Schädlinge setzen dem Wald stark zu.

    „Geschwächter Wald verliert an Widerstandskraft und ist anfälliger für Krankheiten und Schädlinge wie beispielsweise Borkenkäfer“, schreiben Bafu und WSL in einer gemeinsamen Mitteilung. Deshalb gebe es auch mehr Zwangsnutzungen, bei denen geschädigte oder umgestürzte Bäume früher als ursprünglich geplant geerntet werden müssten, zum Beispiel zur Energiegewinnung durch Verbrennung statt zur Herstellung von Holzprodukten.

    Anmerkung für fachfremde Personen: Der Ausdruck „Bäume ernten“ bezeichnet in der forstwirtschaftlichen Fachsprache nicht das Pflücken von Früchten wie Äpfeln oder Kirschen, sondern das Fällen und Aufarbeiten (Zerteilen) von Bäumen.

    Kommen wir nun zum Anfang zurück: „Auf die Frage ‚Wie geht es dem Schweizer Wald?‘ gibt es keine einfachen Antworten“, heisst es im Vorwort des Waldberichts. Doch eines sei sicher: Der Klimawandel mache sich auch im Wald bemerkbar.

    Gibt es also gar keine guten Nachrichten?


    Lass dir den Artikel durch eine KI-gestützte Stimme vorlesen.

    Doch, zumindest in einem Bereich: Laut dem Bericht hat sich die Biodiversität im Wald in der letzten Dekade, also seit 2015, leicht positiv entwickelt. „Die Vielfalt der Schnecken-, Moos- und Baumarten sowie die Bestände der meisten Waldvogelarten haben zugenommen“, schreiben die Fachleute.

    Stürme und Trockenheit führen dazu, dass mehr sogenanntes Totholz entsteht – abgestorbenes, sich zersetzendes Holz, das für viele Arten lebenswichtig ist.

    Steht auch der Zürcher Wald unter Stress?

    Den Waldbericht ebenfalls gelesen haben die SVP-Kantonsräte Markus Bopp aus Otelfingen und Urs Wegmann aus Neftenbach. Sie haben im Zürcher Kantonsparlament eine Anfrage eingereicht. Gemäss ihrem Vorstoss ist unter Fachleuten zu hören, dass die Hiebsätze – also die nachhaltig zulässige Menge Holz, die jährlich geschlagen werden darf – in den letzten Jahren gesunken sind. Die Gründe dafür seien jedoch nicht klar. „Vor diesem Hintergrund ist eine verstärkte Förderung von Holzheizungen zu hinterfragen, denn möglicherweise liegt das Potenzial des Holzzuwachses in Zürich tiefer als bisher angenommen“, schreiben die Kantonsräte.

    Unter anderem möchten die SVP-Politiker wissen, wie sich die Hiebsätze im Kanton Zürich in den letzten 20 Jahren verändert haben und ob die Gefahr besteht, dass aufgrund der steigenden Zahl an Holzheizungen die Wälder durch den erhöhten Brennholzbedarf übernutzt werden. Darüber hinaus soll der Regierungsrat beantworten, ob die Zürcher Wälder gestresst sind – und welche Faktoren dabei mitverantwortlich sein könnten.

    Beide Politiker besitzen selbst Wald

    Die Anfrage der Kantonsräte lässt sich auch als Ausdruck der Sorge verstehen, dass der Zürcher Wald unter dem steigenden Nutzungsdruck leiden könnte – und der Regierungsrat möglicherweise gegensteuern muss. „Im Grundsatz sehe ich aktuell nicht sofortigen Handlungsbedarf. Sollte der Wald übernutzt werden, müsste das aber breit diskutiert werden“, sagt Markus Bopp zu Rathuus. Der Landwirt heizt bei sich zu Hause hauptsächlich mit Öl. Zu seinem Landwirtschaftsbetrieb gehören rund zwei Hektaren Wald – also etwas mehr als die Grösse des Sechseläutenplatzes voll Wald. Ausserdem ist Bopp in der Geschäftsführung der Forstbetrieb Altberg-Lägern GmbH.

    Auch Urs Wegmann besitzt Wald – insgesamt 1,5 Hektaren. „Mir fällt auf, dass aufgrund des gestiegenen Preises der Hackholzschnitzel vermehrt Holz direkt der Energienutzung zugeführt wird, das sich eigentlich auch als Bauholz eignen würde“, so der Landwirt, der bei sich daheim mit Holz heizt. Kleine Holzmengen mit niedriger Qualität lohnen sich laut Wegmann kaum für den Verkauf an Sägereien – sie landen entweder im eigenen Ofen oder als Hackholz auf dem Markt. Aus seiner Sicht steht die Frage im Raum: „Sind wir auf dem richtigen Weg, oder steuern wir auf eine Übernutzung zu? Haben wir in 20 oder 30 Jahren noch genügend Holzzuwachs und Waldbestände, um den Bedarf zu decken?“

    Bei Brennholz auf Importe angewiesen

    Nun ist der Regierungsrat am Zug. Der Bericht „Potenzial Energieholz Kanton & Stadt Zürich“ von 2023 deutet allerdings schon an, in welche Richtung zumindest ein Teil der Antworten auf die Fragen von Bopp und Wegmann gehen könnte. Kurz zusammengefasst sagt die Studie aus, dass der Kanton seinen zukünftigen Energieholzbedarf nicht aus eigener Produktion decken kann und auf Importe angewiesen ist – entweder aus anderen Kantonen oder dem Ausland. In Auftrag gegeben worden ist der Bericht von der Fachstelle Energie des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft sowie der Energiebeauftragten der Stadt Zürich, die im Departement der Industriellen Betriebe angesiedelt ist. „Im Kanton Zürich gelangt bereits mehr Energieholz in Feuerungen, als auf seinem Gebiet geerntet wird, und die geplanten Anlagen übersteigen das noch ausschöpfbare Potenzial“, schrieb 2023 das Fachmagazin „Zürcher Umweltpraxis und Raumentwicklung“, das von der Baudirektion Kanton Zürich herausgegeben wird.

    Holzernten mit einem Forstbagger im Zürcher Stadtwald.In der Schweiz besteht noch grosses Potenzial, wenn es um nachhaltige Holznutzung geht. Dies zeigt eine Analyse von der Empa und der WSL. Bild: Pascal Turin

    Und was sagen die Fachleute von der WSL?

    „Grundsätzlich haben Schweizer Wälder pro Hektare in ganz Europa im landesweiten Durchschnitt den höchsten Holzvorrat“, erklärt Beate Kittl, Medienbeauftragte bei der WSL auf Anfrage. Im Mittelland, also auch in Zürich, gehe der Vorrat aber leicht zurück. Dies liege zum Teil daran, dass vermehrt Bäume sterben würden. Als Gründe zählt Kittl Trockenheit und Borkenkäfer auf Fichten oder das Eschentriebsterben auf. Ein weiterer Grund sei der vergleichsweise gute Preis, den die Fichte auf dem Holzmarkt erzielt. Und sie verweist auf eine aktuelle Analyse von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt – kurz Empa – und der WSL.

    Recycling-Rate bei Holz ist tief

    Das Fazit der Analyse: In der Schweiz besteht noch grosses Potenzial, wenn es um nachhaltige Holznutzung geht. Die Recycling-Rate beim Holz beträgt laut einem Artikel auf der Empa-Website nur knapp acht Prozent. „Von den fünf bis sieben Millionen Kubikmetern Holz, die wir in der Schweiz jährlich ernten, werden rund 40 Prozent direkt energetisch genutzt – sprich verbrannt“, lässt sich Nadia Malinverno aus dem Empa-Labor „Technologie und Gesellschaft“ zitieren.

    Die Vision der Forschenden lautet darum Kaskadennutzung. Damit ist gemeint, dass Holz erst verbaut und dann verbrannt werden sollte. So könnte man das CO2 möglichst lange der Atmosphäre entziehen. „Erst wenn das nicht mehr geht, würde es zerkleinert und in die nächste Materialstufe überführt, beispielsweise als kleinere Bretter, Holzspäne oder Holzwerkstoffe“, heisst es im Artikel weiter. Und in den Ofen sollte das Holz erst dann kommen, wenn man es wirklich nicht mehr anders brauchen kann. Denn verbrannt ist auch endgültig verschwunden.

    Die Anfrage im Kantonsrat wurde von Markus Bopp und Urs Wegmann am 24. März eingereicht. Der Regierungsrat hat insgesamt drei Monate Zeit, um sie zu beantworten. Also theoretisch sollten die Antworten bis Ende Juni vorliegen.


  • An diesem Festival spielen keine Bands, die Bühne gehört der Natur

    Das Bild zeigt den recht mühevollen Transport eines der Hochbeete.Mit vereinten Kräften schaffen es Michael Hochstrasser (Lüscher Gartenbau) und Violanta von Salis (von salis communication): Auch auf dem Werdmühleplatz steht eines der Hochbeete. Bild: Lorenz Steinmann

    Sie wurden im grössten Regen aufgestellt, die Hochbeete mit Wildblumen. Damit werben die Organisatoren für das Festival Abenteuer Stadtnatur. Der Anlass steht in der Tradition von Stadtzürcher Umweltveranstaltungen.

    Es hat sich vom Geheimtipp zur festen Grösse entwickelt – das Festival Abenteuer Stadtnatur, das vom 21. bis 25. Mai stattfindet. Rund 30 Organisationen bieten an über 50 Veranstaltungen Einblicke in die Vielfalt der Pflanzen, Tiere und Lebensräume im naturnahen Zürich. Und das schon zum neunten Mal.

    Das diesjährige Fokusthema lautet „Spurensuche in der Nacht“. Beobachtet werden nachtaktive Tiere wie etwa die Igel, die kleinen Fussgänger der Nacht. Bei einer Exkursion mit der Umweltorganisation Dark Sky geht es darum, herauszufinden, was Tiere stresst, wenn es zu viele Lichtquellen hat. Und bei einem Fotokurs werden Wildtiere in nächtlichen Stadtlandschaften porträtiert.


    Lass dir den Artikel durch eine KI-gestützte Stimme vorlesen.

    Das Thema im Schnelldurchlauf

    Für alle sichtbar gemacht wird das Festival mit Wildblumenbeeten, welche die blühende Natur auf den Paradeplatz, auf den Werdmühleplatz, ans Limmatquai und vor elf Gemeinschaftszentren bringen. Das Aufstellen der SBB-Paletten war kein Schleck, regnete es doch den ganzen Tag in Strömen. Doch der Regen sei ein Segen gewesen für die Natur, hiess es von der beteiligten Gartenbaufirma. Auch Violanta von Salis vom Veranstaltungsbüro Abenteuer Stadtnatur, die selber ebenfalls anpackte, nahm es mit Humor. Sie war zwar abends nass bis auf die Haut, doch um eine Erfahrung reicher.

    Auf dem Paradeplatz stehen ebenfalls zwei der Hochbeete von Abenteuer Stadtnatur.Das ist nicht alltäglich. Auf dem 100 Prozent asphaltierten Paradeplatz stehen zwei Hochbeete mit Wildpflanzen. Bild: Lorenz Steinmann

    Für alle, die am Festival selber keine Zeit oder keine Lust auf längere Ausflüge haben, ist der folgende Tipp passend: Am Donnerstag, 22. Mai, von 19 bis 20.30 Uhr wird in Zusammenarbeit mit dem Newsportal Tsüri im Kulturpark eine sogenannte Pitch-Night veranstaltet. „Nachtschwärmer aufgepasst!“ lautet das Thema. Expertinnen und Experten „pitchen“ – also präsentieren – dabei in je sieben Minuten die nächtliche Stadtnatur.

    Der erstarkte Verbund im Hintergrund

    Hinter dem Festival steht der Verbund Lebensraum Zürich (VLZ). Über 50’000 Bewohnende der Stadt Zürich tragen die 40 Vereins- und 90 Gönnermitgliedschaften und damit die Ideen und Aktivitäten des VLZ. Dabei sind unterschiedliche Verbände querbeet vom Hauseigentümerverband Zürich bis zur Umweltschutzorganisation WWF Zürich, vom Verschönerungsverein Zürich bis zum Science Lab UZH der Universität Zürich oder der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich. Sie alle wollen beitragen zum VLZ-Vereinsziel nach mehr Grünräumen und mehr Lebensqualität für Menschen, Tiere und die Natur.

    Das Bild zeigt Ueli Nagel und Monica Sanesi.Ueli Nagel ist zurückgetreten als Präsident des Verbundes Lebensraum Zürich (VLZ). Nachfolgerin wurde Monica Sanesi. Bild: Lorenz Steinmann

    Eben hat die Stabübergabe beim Präsidium stattgefunden. An der Generalversammlung des VLZ trat der alt Gemeinderat Ueli Nagel (Grüne) nach zehn erfolgreichen Präsidiumsjahren zurück. Mit Monica Sanesi hat ein bisheriges Vorstandsmitglied die Leitung übernommen und sorgt so für Kontinuität. Sie ist zudem GLP-Kantonsrätin und kann die Brücke in die Politik schlagen.

    Weniger Zukunftssorgen als auch schon hat der VLZ zudem, weil er ab 2025 mit jährlich 80’000 Franken von der Stadt Zürich unterstützt wird.

    Das sind die prominenten Vorgängerveranstaltungen

    Das Thema Natur steht im Mai nicht nur in Zürich im Fokus. Abenteuer Stadtnatur ist nämlich der Stadtzürcher Beitrag zum Festival der Natur, welches aus Anlass des internationalen Tags der Biodiversität (22. Mai) in der ganzen Schweiz mit rund 750 Veranstaltungen stattfindet. Dabei erinnern sich naturaffine Zürcherinnen und Zürcher vielleicht an die Zürcher Umwelttage, die zum fast gleichen Thema zwischen 2004 und 2011 stattfanden. Das Patronat hatte damals die Stadt Zürich.

    Alle Formen der Mobilität hatten die ebenfalls von der Stadt Zürich organisierten Aktionstage Zürich multimobil im Fokus. Diese stellte die Stadt Zürich zwischen 1999 und 2013 auf die Beine. Jene durchaus streitbare Veranstaltung kam ursprünglich vom europäischen Aktionstag „In die Stadt – ohne mein Auto“ her.

    Auf dem Foto sieht man die autofreie Uraniabrücke im Jahr 2003 mit spielenden Menschen.Kampagne für eine autofreie Mobilität, etwa auf der Rudolf-Brun-Brücke im Jahr 2003. Das passierte im Rahmen von Zürich multimobil. Bild: Lorenz Steinmann

    Aus heutiger Sicht fast unvorstellbar stellte sich der damalige SP-Stadtrat Robert Neukomm höchstpersönlich an eine Einfallsachse und verteilte Flyer an die vor dem Rotlicht wartenden Automobilistinnen und Automobilisten.

    Tempi passati! Heute sorgen schon zwei auf dem Paradeplatz aufgestellte Blumenbeete für Schlagzeilen, zumindest auf Rathuus.


    Themenbezogene Interessenbindung des Autors: Lorenz Steinmann hat im Rahmen seiner Tätigkeit beim Verlag Lokalinfo bis 2023 die Sonderzeitung „Abenteuer Stadtnatur“ für den Verbund Lebensraum Zürich verantwortet. Und ja, er war vor Jahren auch Gesamtprojektleiter der von der Stadt Zürich organisierten Veranstaltung Zürich multimobil. 2025 trägt er auf Mandatsbasis mit Texten und Fotos zum Gelingen des Naturfestivals bei.


  • 3 Minuten

    „Mit Hans Heinrich Hürlimann würde ich gerne mal ein Bier trinken“

    Auf dem Bild sieht man GLP-Gemeinderat Sven Soberheim hüfttief im Schnee.Hüfttief im Schnee steckt hier Sven Sobernheim. Sonst ist der GLP-Politiker aber durchaus flexibel und für politische Kompromisse zu haben. Bild: zvg

    In unserer neuen Serie „Ein indiskreter Fragebogen fürs Rathuus“ fühlen wir Politikerinnen und Politikern auf den Zahn. Die Premiere macht Sven Sobernheim, GLP-Gemeinderat aus Seebach.

    Sven Sobernheim, wie wurden Sie politisiert?
    Ganz klassisch im Elternhaus am Mittags- und Abendtisch.

    Was wollten Sie als Kind werden?
    Lokführer.

    Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
    Der weltweite Rechtsruck, die Polarisierung. Dies ist alles beunruhigend und beeinflusst auch uns in der Stadt Zürich.

    Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
    Ich bin seit meinem 18. Geburtstag Mitglied bei der GLP. Von daher …

    Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
    Ja, natürlich. Und für Referenden ebenfalls.

    Welche Staatsmänner halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch?
    Die Erhöhung von einzelnen Personen liegt mir nicht so. Auch solche Personen brauchen Leute, die sie unterstützen. Aber ich hoffe, es sind nicht nur Staatsmänner, sondern auch Staatsfrauen gemeint …

    Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken?
    Mit Hans Heinrich Hürlimann und ihn fragen, ob er sein Bier noch wiedererkennt.

    „Bis heute habe ich leider noch keine Fremdsprache richtig gut gelernt.“


    Lass dir den Artikel durch eine KI-gestützte Stimme vorlesen.

    Was ist Ihr Lieblingsrestaurant in der Stadt oder im Kanton Zürich?
    Die Abwechslung. Was ich als Züri-Nördler aber mag, dass es in Oerlikon mit dem „Venus Bistro“, dem „Südhang Weine“ oder dem „Frischen Max“ unterdessen auch eine gute Auswahl hat.

    Kaufen Sie das „Surprise“ und lesen Sie es auch?
    Leider viel zu selten und lesen noch viel weniger.

    Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht?
    Eine Fremdsprache richtig gut gelernt.

    Wer ist für Sie der oder die bedeutendste Zürcherin?
    Wie gesagt: Die Erhöhung von einzelnen Personen liegt mir nicht so. Auch solche Personen brauchen Leute, die sie unterstützen.

    Sex ohne Liebe, was halten Sie davon?
    Jede:r soll tun, was sie/er/es will.

    Was war Ihr grösster politischer Erfolg?
    Als Politiker aus der politischen Mitte ist man eher für den guten Mix oder den guten Kompromiss zuständig als für den grössten Erfolg. Sei es bei der Bau- und Zonenordnung 2016, beim regionalen und kommunalen Richtplan oder bei etlichen Budgetvorlagen.

    „Wir sollten kein eigenes Gebäude für den Gemeinderat haben.“

    Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas?
    Fauxpas? Fauxpas sind in der Politik wichtig. Wenn wir alle gesellschaftlichen Sitten und Gebräuche beibehalten würden, wäre Zürich glaube ich nicht so progressiv, wie ich es erlebe und schätze.

    Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard?
    Wir sollten kein eigenes Gebäude für den Gemeinderat haben. Daher ist meine pragmatische Devise vor allem darauf zu schauen, dass wir beide (der Kantonsrat und der Gemeinderat, Anm. d. Red.) dasselbe tun.

    Portobello-Burger oder Poulet-Kebab?
    Als Vegi: Portobello.

    Taylor Swift oder Beatrice Egli?
    Taylor Swift.

    Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy?
    Eine wechselnde Diashow.

    Worauf freuen Sie sich?
    Auf (fast) jeden neuen Tag.

    Und worüber können Sie lachen?
    Mit und über jede:n, inklusive mir selbst.

    Sven Sobernheim hat den Rathuus-Fragebogen am 4. Mai 2025 ausgefüllt. Sobernheim ist 35-jährig, wohnt in Seebach, hat Verkehrsplanung studiert und arbeitet als Selbstständiger im Bereich Baubewilligungen. Für die Grünliberale Partei (GLP) sitzt er seit dem Jahr 2014 im Gemeinderat der Stadt Zürich. Seit Mai vergangenen Jahres ist er Präsident der einflussreichen Rechnungsprüfungskommission, zudem ist er Mitglied der Interfraktionellen Konferenz – kurz IFK. Ausserdem amtet er seit April als Präsident des Quartiervereins Seebach.


  • 3 Minuten

    Flughafen Zürich: Einfluss ausnutzen statt Symbolpolitik betreiben

    Ein Flugzeug der Airline Swiss steigt in den Himmel. Im Vordergrund ist ein Porträt-Foto von Pascal Turin platziert.Im Jahr 2024 sind 31,2 Millionen Passagiere über Kloten geflogen: Der Flughafen Zürich ist eine wichtige Verkehrsinfrastruktur der Schweiz, ob einem das gefällt oder nicht, findet Pascal Turin, Co-Chefredaktor von Rathuus. Bild: Pascal Turin, Bildmontage: Rathuus

    AL und Grüne machen Symbolpolitik – und missbrauchen dafür ein finanzrechtliches Geschäft. Klimaziele hin oder her. Die Stadt Zürich muss ihren Einfluss auf den Flughafen behalten, sonst gibt sie das Heft komplett aus der Hand. Ein Kommentar.

    Fliegen ist bequem. Ein Direktflug von Zürich nach Berlin mit der Airline Swiss kostet in der Economy-Class heute Montag zwischen 200 und 500 Franken. Und er dauert nur rund 1 Stunde und 25 Minuten. Mit dem Zug lässt sich zuerst einmal gar keine Direktverbindung finden. Ausserdem dauert die Fahrt über 8 Stunden. Immerhin: Selbst ohne Halbtax geht es in der 2. Klasse dank dem Sparangebot ab rund 100 Franken los.

    Wer Bequemlichkeit vor Nachhaltigkeit stellt, für den ist die Antwort klar: Ab ins Flugzeug und den Zug links liegen lassen. Ich persönlich bin seit einer Nordamerika-Reise im Jahr 2019 nie mehr geflogen. Nicht wegen meines Klimagewissens. Die meisten meiner Reiseziele konnte ich gut mit dem Zug erreichen. Zudem haben wir ein Auto (neuerdings voll-elektrisch). Doch genug zu mir.


    Lass dir den Artikel durch eine KI-gestützte Stimme vorlesen.

    Eigentlich geht es in diesem Text um ein trocken tönendes, finanzrechtliches Geschäft, über das die Stadtzürcher Stimmbevölkerung am 18. Mai abstimmen darf: der „Übertrag der Beteiligung an der Betreiberin des Flughafens vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen, Objektkredit von rund 334,04 Millionen Franken“.

    Mein Kollege Lorenz Steinmann schrieb in seinem Artikel „Der Flughafen und die Stadt Zürich – Beziehungsstatus: Es ist kompliziert“ vom März: „Zum Verwaltungsvermögen gehören jene Vermögenswerte, die der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe dienen. Demgegenüber können Vermögenswerte des Finanzvermögens ohne Beeinträchtigung der öffentlichen Aufgabenerfüllung veräussert werden.“

    Will heissen: Bleibt die Flughafen-Beteiligung im Finanzvermögen, könnte sie die Stadt theoretisch dereinst verkaufen. Ob sie das tun würde, ist allerdings fraglich.

    Auch wenig Einfluss ist Einfluss

    Diese Abstimmung haben AL und Grüne darum für Symbolpolitik auserkoren. „Die Stadt Zürich soll sich nicht an der Flughafen Zürich AG beteiligen“, schreiben die Parteien in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Zürcher Sektion des Verkehrs-Clubs der Schweiz sowie der Umweltorganisation Umverkehr. Eine solche Beteiligung stehe im Widerspruch zu den klimapolitischen Zielen der Stadt, gehöre nicht zu den städtischen Aufgaben und ignoriere die sozialen sowie ökologischen Auswirkungen des Flugverkehrs auf die Bevölkerung.

    So weit, so gut. Der Stadt Zürich gehören 5 Prozent der Aktien der Flughafen Zürich AG. Der Kanton hält rund 33 Prozent. Man kann sich sicher darüber streiten, wie viel Einfluss die Limmatstadt im achtköpfigen Verwaltungsrat der Flughafen Zürich AG wirklich hat. Vertreten wird sie dort durch Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP). Vermutlich ist der Einfluss klein – aber eben nicht null.

    Gegenteiliger Meinung sind wenig überraschend AL und Grüne: „Eine Beteiligung der Stadt Zürich verschafft ihr keinen echten Einfluss auf die strategische Ausrichtung oder ökologische Verantwortung der Flughafen Zürich AG.“

    SP stellt sich für einmal gegen AL und Grüne

    Bleiben wir realistisch: Wird die Vorlage abgelehnt, passiert erst mal gar nichts. Ein Nein würde wahrscheinlich von ökologischen Kreisen als generelles Votum der städtischen Stimmberechtigten gegen den Flughafen interpretiert werden. Frei nach Pippi Langstrumpf: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.

    Die AL und die Grünen müssten nach einem Nein auf politischem Weg eine Mehrheit finden, damit die Stadt die Flughafen-Beteiligung verkauft. Es kann sein, dass ihnen das gelingt. Dafür brauchen sie aber sicher die Unterstützung der Sozialdemokraten. Interessanterweise ist die SP für den Übertrag der Aktien ins Verwaltungsvermögen – zusammen mit der EVP, der FDP, der GLP, der Mitte und der SVP.

    Der Flughafen Zürich ist eine wichtige nationale Verkehrsinfrastruktur – ob einem das gefällt oder nicht. Die Stadt muss ihren Einfluss dafür nutzen, dass sich der Flughafen in eine Richtung entwickelt, die mit ihren Klimazielen vereinbar ist. Hält sie keine Aktien mehr an der AG, bleibt ihr nur noch politischer Einfluss – etwa über Verbände oder bei Vernehmlassungen. Dann steht die wichtigste Stadt des Landes da wie alle anderen Gemeinden.

    Wer nicht mit am Tisch sitzt, kann auch nicht mitbestimmen.


  • 1 Minute

    Der Staat liebt Microsoft 365 und andere Satiren

    Selfie der Rathuus-Gründer Lorenz Steinmann und Pascal Turin. Im Hintergrund sind die Gleise der linksufrigen Zürichseebahn sowie die Türme der Wohnsiedlung Lochergut zu sehen.Sie geniessen die sommerlichen Temperaturen in Zürich (v. l.): Lorenz Steinmann und Pascal Turin wollten eigentlich ein Selfie mit einem Traverso der Südostbahn im Hintergrund knipsen. Doch leider fuhr gerade keiner vorbei. Bild: Rathuus

    Die Rathuus-Podcaster Lorenz Steinmann und Pascal Turin wären insgeheim gern Tech-Journalisten. Darum widmen sie sich in der sechsten Folge ihres Podcasts den Themen KI sowie Microsoft 365. Ausserdem wird fröhlich über den Sinn und Unsinn von Medienkonferenzen diskutiert.

    In der sechsten Folge des Rathuus-Podcasts kommt Pascal Turin auf seine Kosten. Er darf einen Monolog über das Büroprogramm Microsoft 365 halten. Halt, stopp! Haben wir darüber nicht schon mal in einer Folge ausführlich geredet? Jawohl, aber dieses Mal schauen wir über den Gartenzaun in den Kanton Basel-Stadt.

    Ausserdem hinterfragen wir die allgemeine KI-Euphorie in der Schweiz und insbesondere im Kanton Zürich. Denn darüber hat Pascal diese Woche geschrieben.

    Lorenz hingegen erinnert sich zurück an schlecht besuchte Medienkonferenzen. Und zwar als Journalist und als Organisator. Er hat darum eine steile These gewagt: Lorenz behauptet frech, dass solche Veranstaltungen ein Auslaufmodell sind. Wir haben in unseren Erinnerungen gegraben und gute sowie schlechte Beispiele für Medienkonferenzen gefunden.

    Lesestoff für Wissbegierige

    Wie und wo kann man den Podcast hören?

    Der Rathuus-Podcast ist exklusiv für Abonnentinnen und Abonnenten zugänglich. Klicke hier, wenn du mehr zu unseren Abos erfahren möchtest.