Wir bleiben dran

Neue Artikel oben – der Rest folgt.

  • 5 Minuten

    Die Angst vor der Überwachung

    Ein dunkelblau-weisses Schild an einer Wand, dass eine Videokamera zeigt und den Text "Videoüberwachung".Gesichtserkennung durch Kameras im öffentlichen Raum wäre bei Verbrechen zwar praktisch, würde aber einen massiven Eingriff in die Privatsphäre der gesamten Bevölkerung bedeuten. Bild: Pascal Turin

    Das Winterthurer Stadtparlament will die biometrische Gesichtserkennung verbieten, die EDU das Bargeld stärken. Beide Anliegen haben eines gemeinsam: Es geht um Privatsphäre und die Furcht davor, digitale Spuren zu hinterlassen.

    Die Diskussion im Stadtparlament Winterthur war hitzig – die Abstimmung danach aber trotzdem eindeutig, wie dem „Tages-Anzeiger“ zu entnehmen ist. „Wir wollen nicht zulassen, dass Technologien, die in autoritären Staaten Alltag sind, bei uns schleichend Einzug halten. Ohne Kontrolle und ohne Rücksicht auf Grundrechte“, sagte die EVP-Politikerin Daniela Roth-Nater gemäss Tagi im Winterthurer Parlament.

    Gefordert wird mittels einer Behördeninitiative nichts weniger als ein Verbot von biometrischer Gesichtserkennung an allen öffentlich zugänglichen Orten im ganzen Kanton Zürich. Dazu soll das Polizeigesetz angepasst werden. „Nur auf richterlichen Beschluss dürfen ausschliesslich Behörden, aber keinesfalls Private diese Technologie an einzelnen, nicht aufeinanderfolgenden Tagen einsetzen“, heisst es im Initiativtext. Jeder Einsatz müsse zeitnah mittels Medienmitteilung bekannt gemacht werden. „Bei bewilligten Demonstrationen, Kundgebungen oder Sportveranstaltungen darf biometrische Gesichtserkennung nie zum Einsatz kommen.“


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    Kantonsrat lehnte ähnlich gelagerte Motion ab

    Mit biometrischer Gesichtserkennung können Menschen durch Kameras automatisch erkannt und überwacht werden. Rein technisch wäre so eine effizientere Verbrecherjagd möglich. Die Kantonspolizei Zürich verzichtet offiziell auf Gesichtserkennungssoftware. Eine solche Technologie greift natürlich sehr tief in die Privatsphäre ein und ist darum höchst umstritten. Eine Mehrheit der Winterthurer Parlamentarierinnen und Parlamentarier will deshalb ein Zeichen setzen und hat die erwähnte Behördeninitiative verabschiedet.

    Artikel 32 des Polizeigesetzes ist laut Begründung der Initiative „vage formuliert und antizipiert den technologischen Fortschritt ungenügend“. Die neuen Möglichkeiten würden Begehrlichkeiten der Strafverfolgung wecken, die jedoch nicht in Einklang mit den allgemeinen Menschenrechten stünden. Werde eine Gesichtserkennungssoftware an die bereits vorhandenen Videoüberwachungssysteme gekoppelt, „schafft dies die Voraussetzung, eine weiträumige anlasslose und permanente Massenüberwachung durchzuführen“, schreibt das Stadtparlament Winterthur. Eine funktionierende Demokratie wie die Schweiz habe dies nicht nötig.

    Das Thema ist allerdings keineswegs neu. So hat der Kantonsrat beispielsweise vergangenes Jahr eine Motion mit ähnlicher Zielsetzung abgelehnt. Die Grünen-Politikerin Wilma Willi aus Stadel wollte zusammen mit drei weiteren Kantonsrätinnen den Einsatz sogenannter biometrischer Fern-Erkennungssysteme zum Zweck der Identifizierung verbieten. Von einem Verbot ausgenommen gewesen wäre aber zum Beispiel die automatische Passkontrolle am Flughafen.

    Der Regierungsrat beantragte, die Motion abzulehnen. Die zuständige SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr stellte sich damals in der Debatte auf den Standpunkt, dass die gesetzlichen Grundlagen ausreichen würden, um diese „riskanten Technologien“ politisch und faktisch im Griff zu behalten. Das Kantonsparlament lehnte die Motion mit 86 zu 81 Stimmen bei 3 Enthaltungen ab.

    Das knappe Resultat kann den Winterthurer Parlamentarierinnen und Parlamentariern also Hoffnung machen. Falls nämlich mindestens 60 Mitglieder des 180-köpfigen Kantonsrats die Behördeninitiative unterstützen, muss der Regierungsrat einen Bericht und einen Antrag erarbeiten. Der Kantonsrat darf dann über die Initiative abstimmen.

    Bargeld hinterlässt keine digitalen Spuren

    Auf den ersten Blick total anders gelagert ist ein kürzlich eingereichter Vorstoss der EDU-Kantonsräte Roger Cadonau aus Wetzikon, Hans Egli aus Steinmaur und Thomas Lamprecht aus Bassersdorf. In ihrer Anfrage geht es um das Bargeld. Anlass ist das Kunsthaus Zürich, das nur noch digitale Zahlungen akzeptiert. „Im Sinne der Nachhaltigkeit, Nutzungsfreundlichkeit, Effizienz und Sicherheit ist das Kunsthaus Zürich neu bargeldlos“, schreibt das Museum als Begründung auf seiner Website.

    Cadonau, Egli und Lamprecht haben deshalb ein paar generelle Fragen, die sie gern vom Regierungsrat beantworten lassen würden. „Seit dem 1. September 2025 kann im staatlich geförderten Kunsthaus Zürich das Eintritts-Ticket nicht mehr mit Bargeld, dem gesetzlichen Zahlungsmittel, gekauft werden“, schreiben sie in ihrer Anfrage. Dies erschwere und verunmögliche speziell älteren und sozial benachteiligten Menschen einen Besuch dieses Museums.

    „Die persönliche Freiheit und der Datenschutz sind wichtig und Barzahlungen dürfen nicht systematisch verdrängt werden: Wer bar bezahlt, hinterlässt keine digitale Spur, was in einer Zeit zunehmender Überwachung und Datensammlung ein legitimes Anliegen ist“, heisst es im Vorstoss weiter.

    Die EDU-Kantonsräte verweisen auf Artikel 3 des Bundesgesetzes über die Währung und die Zahlungsmittel, wonach Bargeld ein gesetzliches Zahlungsmittel ist und grundsätzlich angenommen werden muss. Sie wollen vom Regierungsrat unter anderem wissen, ob dieses Gesetz aus Sicht der Regierung nicht für alle öffentlichen Dienstleister gilt. Zudem fragen die Politiker, wie der Regierungsrat sicherstellt, dass kantonale Angebote und Dienstleistungen auch künftig mit Bargeld beglichen werden können und ob dem Regierungsrat ähnliche Vorgehensweisen – wie beim Kunsthaus – bei kantonalen Institutionen bekannt sind oder solche geplant sind.

    In diesem Zusammenhang ist jedoch wichtig anzumerken, dass es sich bei Artikel 3 des erwähnten Bundesgesetzes um sogenanntes Dispositivrecht handelt. Das heisst: Es kann davon abgewichen werden, sofern die Kundinnen und Kunden – oder in diesem Fall die Besucherinnen und Besucher – entsprechend informiert werden. Genau das tut das Kunsthaus.

    Auch im Gemeinderat gibt es Widerstand

    Ob das Bargeldverbot jedoch kundenfreundlich ist, darüber kann man diskutieren. Die Stadtzürcher Gemeinderäte Stefan Urech und Yves Peier (beide SVP) sowie Sebastian Vogel (FDP) möchten politisch Tatsachen schaffen und haben ein Postulat eingereicht. „Der Stadtrat wird aufgefordert zu prüfen, wie die Kunsthausgesellschaft dazu bewegt werden kann, beim Eintritt ins hochsubventionierte Kunsthaus der Stadt Zürich wieder die Möglichkeit der Bezahlung mit Bargeld anzubieten“, heisst es im Vorstoss.

    Die öffentliche Hand subventioniert das Kunsthaus tatsächlich zu einem erheblichen Teil. Die Stadt Zürich überweist jährlich 18,5 Millionen Franken – mit steigender Tendenz. Kürzlich beantragte der Stadtrat eine Erhöhung der jährlichen Beiträge an die Trägerorganisationen: Laut einem Communiqué soll die Zürcher Kunstgesellschaft ab 2027 vier Millionen Franken mehr erhalten und die Stiftung Zürcher Kunsthaus zusätzliche 3,3 Millionen Franken. Damit würde der städtische Beitrag für das Kunsthaus jährlich 25,8 Millionen Franken betragen. Aktuell muss sich die zuständige Kommission des Gemeinderats über das Geschäft beugen. Das letzte Wort haben dann allerdings die Stimmberechtigten.

    Es geht um die Selbstbestimmung

    Ob es um den Kauf eines Museumstickets oder die Überwachung öffentlicher Plätze geht, am Ende steht die Frage, wie viel Selbstbestimmung wir in einer zunehmend digitalisierten Welt behalten wollen. Im Kantonsrat muss darum einmal mehr zwischen technologischem Fortschritt und persönlicher Freiheit gerungen werden. Wie hitzig die Diskussionen im Parlament werden, bleibt abzuwarten.


  • 3 Minuten

    „Schweizer Spiegel“ – die einst wichtige journalistische Stimme gegen den Nationalsozialismus lebt nun digital weiter

    Raphael von Thiessen, David Guggenbühl und Roland Aegerter sind zusammen auf einem Bild zu sehen.Sie unterhielten sich im Restaurant Rechberg im Stadtzürcher Kreis 1 über den "Schweizer Spiegel" (v. l.): Raphael von Thiessen, David Guggenbühl und Roland Aegerter. Bild: Lorenz Steinmann

    Der „Schweizer Spiegel“ war jahrzehntelang Chronik und Meinungsbildner zugleich. Jetzt hat die ETH Zürich alle 564 zwischen 1925 und 1972 erschienenen Ausgaben digitalisiert. Sie sind ab sofort online verfügbar. Es sind Trouvaillen der besonderen Art, nicht nur für Geschichtsnerds.

    Er trägt einen grossen Namen, der „Schweizer Spiegel“. Erstmals erschienen vor fast genau 100 Jahren, war er dem deutschen Namensvetter „Der Spiegel“ 22 Jahre voraus und gerade in den Weltkriegsjahren eine wichtige Stimme gegen den Nationalsozialismus. Schon 1935 sorgte der „Schweizer Spiegel“ europaweit für Aufsehen, weil sein Verlag mit „Die Moorsoldaten“ einen Erlebnisbericht eines KZ-Häftlings publizierte und so das kommende Grauen öffentlich machte. Mit positiverem Inhalt, mit der Schellen-Ursli-Buchsserie von Selina Chönz und Alois Carigiet, landete der Verlag ab 1945 einen weiteren Bestseller. Die Bücher sind heute noch höchst beliebt.

    Der „Schweizer Spiegel“ war jahrzehntelang ein die Deutschschweiz prägendes Magazin, das von allen Gesellschaftsschichten oft und gerne gelesen wurde. Es war mehr als eine Monatsschrift – es war ein Fenster in die Lebenswelten einer ganzen Gesellschaft. Den Übergang in andere, wildere Zeiten gelang jedoch nicht. Die letzte Ausgabe erschien 1972, dann wurde das Magazin aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. 


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    Jetzt kann man nach Stichworten suchen

    Trotzdem ist das Magazin ein wichtiger Zeitzeuge, der viele Parallelen zur heutigen unruhigen und sich rasant ändernden Zeit aufweist. Nun wurden die 564 Ausgaben von der ETH Zürich digitalisiert und so öffentlich zugänglich gemacht. Dank einer speziellen Suchfunktion sind alle Stichworte und einzelnen Artikel rasch zu finden. Dabei bieten die Inhalte viele Brücken zum Heute. So war im Editorial der ersten Ausgabe die Mechanisierung der modernen Welt das grosse Thema, der man auf keinen Fall entgehen könne. So, wie das heute bei KI der Fall ist.

    Angestossen wurde dieser neue digitale „Schweizer Spiegel“ von Olivier Roth, Sohn des letzten Chefredaktors des „Schweizer Spiegels“. Ihm ging es in erster Linie um Werterhaltung und um das Ermöglichen von interessanten Rückblicken auf die Schweiz der Jahre 1925 bis 1972, denn: „Was im Netz nicht gefunden werden kann, existiert nicht!“

    Das Online-Archiv war nur der erste Schritt

    Eine Projektgruppe um die beiden Brüder Alastair und David Guggenbühl konzentrierte sich in einer ersten Phase auf den Aufbau des Online-Archives mit begleitenden Artikeln und Videos zur Entstehung und zu den Macherinnen und Machern des „Schweizer Spiegels“. Das Archiv sollte primär für historische Arbeiten und Analysen in den Bereichen Politik, Publizistik, Gestaltung und Werbung verwendet werden können.

    Der Projektgruppe ging es aber nicht nur darum, den Zugang zur Geschichte der Monatsschrift freizulegen. Mit der Lancierung von monatlichen Podcast-Gesprächen soll auch der Geist des alten „Schweizer Spiegels“ neu und zeitgemäss wiederbelebt werden, um so einen Beitrag zur Debattenkultur unseres Landes zu leisten.

    Erster Podcast-Gast war Zukunftsforscher Raphael von Thiessen. Der 34-Jährige ist Programmleiter der „Innovation-Sandbox“ für künstliche Intelligenz im Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich. Zudem ist er Mitbegründer von Momentum Collaboration, einer Strategie- und Innovationsberatung. Podcastthema war die Zukunft der Schweiz und welchen Einfluss KI dabei haben wird. So stellt er die Frage, ob und wie Zürich profitiert, wenn Google hier Top-Leute für die Entwicklung von KI anstellt.

    100-Jahr-Jubiläum im Restaurant Rechberg gefeiert

    Die Liveschaltung der Website schweizerspiegel.ch und die Podcast-Premiere zum 100-Jahr-Jubiläum des ersten „Schweizer Spiegels“ wurde am 27. Oktober gebührend im Restaurant Rechberg im Stadtzürcher Kreis 1 gefeiert. Nicht weit davon entfernt, an der Storchengasse 16, starteten Adolf Guggenbühl-Huber und Fortunat Huber, die beiden damals dreissigjährigen Herausgeber, vor 100 Jahren ihr Lebenswerk. Sie bildeten zusammen mit Helen Guggenbühl-Huber viele Jahre lang das dreiköpfige Redaktionsteam.

    Weitere Informationen zum „Schweizer Spiegel“ gibt es auf www.schweizerspiegel.ch.


  • 1 Minute

    Zürich, die Industriestadt: Hier wird doch noch produziert

    Gebäude der Maag Zahnräder AG im Kreis 5. Das Logo prangt in roter Schrift auf dem Dach des Gebäudes im Stadtzürcher Kreis 5. Aufgenommen von der Hardbrücke aus.Das Maag-Areal neben dem Bahnhof Hardbrücke in Zürich ist heute wegen der Eventlocation Maag-Halle und dem Prime Tower bekannt. Früher befand sich dort die Maag Zahnräder AG. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_LC2083-004-001

    In der 19. Folge ihres Rathuus-Podcasts erzählen Lorenz Steinmann und Pascal Turin, was sie aktuell beschäftigt. Hauptsächlich geht es in dieser Episode aber um die Vergangenheit und die Gegenwart der Industrie in der Stadt Zürich.

    Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt: In der 19. Folge des Rathuus-Podcasts widmen sich Lorenz Steinmann und Pascal Turin der Industrie in der Stadt Zürich. Obwohl man eigentlich nur noch über Techgiganten wie Google, Facebook-Mutter Meta oder OpenAI – bekannt durch den Chatbot ChatGPT – spricht, gibt es in der Limmatstadt auch erstaunlich viele und grosse Industriefirmen. Wer jetzt nicht sofort weiss, was Everllence so produziert, sollte unbedingt diese Folge hören.

    Während Lorenz also von Beyond Gravity, Hitachi Energy und Co. schwärmt, referiert Pascal über die Technische Gesellschaft Zürich (TGZ), die 2025 ihr 200-Jahr-Jubiläum feiert. Als die TGZ 1825 gegründet wurde, hatte sie eine Priorität: Die Bildung im technischen Bereich sollte verbessert werden. Um den Rückstand der Schweiz gegenüber dem Ausland aufzuholen, brauchte es nämlich gut ausgebildete Fachkräfte.
    Die zwei in der Folge erwähnten Bücher heissen “Wissensdurst – 200 Jahre Technische Gesellschaft Zürich” sowie “Ibicaba – Das Paradies in den Köpfen”.

    Zum Abschluss reden wir wieder einmal darüber, was uns diese Woche beschäftigt hat. Wir haben dafür die Rubrik “Can’t Let It Go” des NPR Politics Podcasts leicht abgewandelt.

    Wie und wo kann man den Podcast hören?

    Der Rathuus-Podcast ist exklusiv für Abonnentinnen und Abonnenten zugänglich. Klicke hier, wenn du mehr zu unseren Abos erfahren möchtest.


  • 4 Minuten

    Mehr Wohnungen in Zürich: Grosse Ziele, kleine Schritte

    Auf dem Bild ist die Überdeckung des Bahneinschnitts in Wipkingen zu sehen.Könnte ein Vorbild sein für weitere Projekte: Als Erfolgsstory gilt die teilweise Überdeckung und Bebauung des Bahneinschnitts in Wipkingen vor gut 25 Jahren. Bild: Stadt Zürich/Tiefbauamt

    Ein Vorstoss im Ständerat will die Überdeckung von Bahngleisen erleichtern – damit Häuser oder Parks gebaut werden können. Es muss ja nicht gleich ein Megaprojekt wie jenes über das Gleisfeld beim Hauptbahnhof Zürich sein.

    Die Motion wurde wahlweise als grössenwahnsinnig, innovationsstark oder schnöde als Wahlvehikel bezeichnet. Gemeint ist der Vorstoss von Emanuel Tschannen, Flurin Capaul und Roger Suter. Die drei FDP-Gemeinderäte aus Zürich wollen nichts weniger, als die Überdeckung und Überbauung des Gleisfelds zwischen dem Hauptbahnhof und dem Bahnhof Altstetten sowie die Überdachung der Gleise zwischen dem HB und dem Bahnhof Wiedikon.

    Tatsächlich tönt das Ganze sehr kühn. Auf einen Schlag könnten 150’000 Menschen mehr in Zürich wohnen. Wir wären die Wohnungsnot los und Zürich hätte mehr Wohn- und Begegnungsraum in bester Zentrumslage. So wurde das Anliegen im August an den Stadtrat überwiesen. Er muss nun bis im Februar 2026 Bericht erstatten, also kurz vor den Erneuerungswahlen. Man darf gespannt sein, wie Odermatt, Brander und Co. argumentieren werden. Also Hochbauchef André Odermatt (SP) und Simone Brander (SP), an deren Ressorts die Anfrage hauptsächlich gerichtet ist.


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    Auf offene Ohren beim Bundesrat gestossen

    Bemerkenswert ist, dass in der Zwischenzeit auf nationaler Ebene ein übergeordneter Vorstoss eingereicht wurde, der dem FDP-Anliegen Rückenwind geben könnte. Der Bundesrat hat nämlich ein Postulat des Urner Ständerats Josef Dittli (FDP) entgegengenommen, welches sich fokussiert auf „die ungenutzten riesigen Gleisfelder, die mitten in unseren Städten liegen und durchaus Potenzial haben“. So zumindest formulierte es Dittli. Er ist der Ansicht, dass sich mit deren Überbauung die Wohnungsnot lindern liesse.

    „Ich denke beispielsweise in Bern im Wankdorf oder beim Güterbahnhof oder in Zürich zwischen Altstetten und dem Hauptbahnhof. Aber auch in Chur, in St. Gallen, in Lausanne, in Basel, in Muttenz hat es Gleisfelder, die allenfalls als Raumreserven zur Verfügung stehen“, zählte Dittli in seinem Votum mögliche Orte auf. Dass solche grossflächigen Gleisüberbauungen möglich seien, zeigten Beispiele in New York, in Paris und auch in Stockholm.

    SVP-Bundesrat Albert Rösti, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, meinte dazu, „dass in Anbetracht der immer knapper werdenden Flächen auch wir der Meinung sind, dass es sich durchaus lohnt, einen solchen Bericht zu erstellen“. Der Bundesrat beantragte deshalb die Annahme des Postulates, „auch wenn die Umsetzung mit Schwierigkeiten verbunden sein könnte“.

    Zurück vom Ausflug nach Bundesbern lohnt sich ein Blick auf ein kleineres lokales Projekt, das vor 25 Jahren realisiert wurde und noch heute als Vorzeigemodell gilt. Nämlich die Überbauung des Bahneinschnitts zwischen der Nordbrücke und dem Wipkingertunnel. Erbaut wurde das Grossprojekt zwischen 1996 und 2000. Dafür entschieden sich die Stimmberechtigten 1990 nur knapp.

    Es war eine andere Zeit, man zog eher aus Zürich weg und die Limmatmetropole hatte gegen das Image einer „Verlierer-Stadt“ zu kämpfen. Doch seither boomt Zürich, man wohnt lieber hier als in der Agglo. Umso erstaunlicher eigentlich, dass die Überdeckung und Nutzung von Bahngeleisen erst durch Emanuel Tschannen, Flurin Capaul und Roger Suter wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gelangten. Den Bahneinschnitt entlang der Seebahnstrasse im Quartier Aussersihl will zwar der Verein Seebahn-Park nutzen, jedoch lediglich durch sechs Pärke und öffentlichen Grünraum.

    Mit kleinerem Projekt die Machbarkeit testen

    Was meint der Wiediker FDP-Gemeinderat Flurin Capaul zu kleiner gebackenen Brötchen?

    Er findet die Miniversion in Wipkingen mit jener Überdachung „im Grundsatz top. Aber das ist eher eine ortsgebundene Optimierung und keine Überdachung im grösseren Stil“, so Capaul. Die Pläne zur Überdachung des Bahneinschnitts neben der Seebahnstrasse findet er im Grundsatz ebenfalls gut und sieht die Idee als „guten Testballon für die Machbarkeit“. Er erinnert daran, dass die Präsidentin des Vereins Seebahn-Park, Seraina Thoma, auch Präsidentin der FDP Kreis 3 ist. Dazu seien detaillierte Studien vom Ingenieurbüro Walt Galmarini erstellt worden. Dieses durchaus innovative Projekt kommt also ebenfalls aus der FDP-Küche.

    Capaul erwähnt als weiteres aktuelles Beispiel die „Voi Verte“ in Genf, wo ein Teil der bestehenden Zugstrecke in den Untergrund verlegt und so Raum für Grünraum und Wohnungen geschaffen wurde.

    Grosse Ziele, kleine Schritte. Es gibt einige Orte, wo hochtrabend klingende Ideen und Projekte durchaus Sinn machen würden.


  • 7 Minuten

    Wie ein Verein verhindern wollte, dass Zürich der Industrialisierung weiter hinterherhinkt

    Das schwarzweiss Bild zeigt eine ehemalige Schmiede der Sulzer Winterthur. Das Foto stammt von ca. 1984.Die Schweiz ist auch eine Industrienation: Der Industriekonzern Sulzer AG betrieb in Winterthur eine grosse Schmiede. Die Aufnahme stammt von circa 1984. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_Ex-BA01-0252-0001-0001

    Um den Rückstand gegenüber dem Ausland aufzuholen, brauchte es gut ausgebildete Fachkräfte: Das hatten die Gründer der Technischen Gesellschaft Zürich vor 200 Jahren erkannt. Ein neues Buch widmet sich dem Verein, aber auch dem fast aussichtslosen Kampf der Wissenschaft gegen Fake News.

    So lange halten nicht viele Vereine durch, aber die Technische Gesellschaft Zürich – kurz TGZ – hat es geschafft. Zur Feier des 200. Geburtstags gönnte sich die TGZ eine Jubiläumsschrift, die eigentlich ein 128 Seiten starkes Buch ist. Schon die Autorenliste liest sich interessant: Darunter sind Hans Hess, ehemaliger Präsident des Industrieverbands Swissmem, der Wissenschaftsjournalist Beat Glogger oder Roland Siegwart, seit 2006 Professor für autonome mobile Roboter an der ETH Zürich.

    Doch was hat das eigentlich genau mit Politik zu tun?


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    Ganz viel – und damit ist nicht nur das Grusswort von Regierungsrätin Silvia Steiner (Die Mitte) im Buch „Wissensdurst – 200 Jahre Technische Gesellschaft Zürich“ gemeint. Denn während in unserer Zeit die künstliche Intelligenz die Welt verändert, war es damals die Industrialisierung, welche für einen gesellschaftlichen Wandel sorgte.

    „Die Gründer waren bereits vor 200 Jahren erpicht darauf, den Nachwuchs zu fördern, um Zürich im Wettbewerb gegenüber anderen Regionen in der Schweiz und in Süddeutschland gut zu positionieren“, schreibt Bildungsdirektorin Steiner. Dazu habe es ein leistungsfähiges Bildungssystem gebraucht – und das sei bis heute ein wichtiges Anliegen. „Es ging bei der TGZ im Grunde genommen also immer auch um Pädagogik und Didaktik“, so die Mitte-Politikerin weiter.

    Im Lehrplan 21 wird seit einigen Jahren ein Augenmerk auf Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, die sogenannten MINT-Fächer, gelegt. „Wichtig ist in meinen Augen, die Neugier an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen schon von Anfang an zu wecken – nämlich in der Volksschule“, so Silvia Steiner.

    Escher Wyss, Maschinenfabrik Oerlikon, Bührle, Zellweger Uster Datierung 1964Die grossen Arbeitgeber wie die Maschinenfabrik Oerlikon bildeten auch zahlreiche Lernende in technischen Berufen aus, wie das Bild von 1964 zeigt. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_L13-0516-0100-0012

    Der MINT-Bereich ist übrigens zum Glück längst keine Männerdomäne mehr: Der Anteil von Frauen in den entsprechenden Studiengängen wird in den letzten Jahren langsam aber sicher grösser. So erhöhte er sich an den universitären Hochschulen seit 2013/14 von 36 Prozent auf 39,4 Prozent. An den Fachhochschulen betrug er gemäss Steiners Grusswort 2014 noch 18 Prozent und stieg bis 2023 auf 23 Prozent. „Dieses Wachstum ist wichtig, denn heute studieren an den Hochschulen die Vorbilder für die weiblichen MINT-Studierenden von morgen“, betont die Bildungsdirektorin.

    Silvia Steiner gibt ausserdem zu bedenken, dass vier von fünf Jugendlichen im Kanton eine Lehre machen. „Mit Blick auf den Fachkräftemangel sind wir auch in der Berufsbildung gefordert, vermehrt das Interesse von jungen Menschen für technische Berufe zu gewinnen“, hält sie fest.

    Womit wir nun einen Bogen ins 19. Jahrhundert schlagen.

    Man befürchtete, ins Hintertreffen zu geraten

    Heute ist die Schweiz für ihren Finanzplatz, ihre Technik und den Tourismus weltweit bekannt. Anfang des 19. Jahrhunderts war sie allerdings ein unbedeutender Kleinstaat. Ein Gesandter des Grossherzogtums Baden schrieb 1829, dass mit der Schweiz nie etwas anzufangen sein werde. In Teilen des Landes grassierte grosse Armut. „Die Situation im Land zeigte sich für viele Schweizerinnen und Schweizer derart hoffnungslos, dass die Emigration als einzige Lösung blieb“, heisst es im Buch „Das Laboratorium des Fortschritts. Die Schweiz im 19. Jahrhundert“ von Historiker Joseph Jung. Erst mit der Gründung des Bundesstaates 1848 konnte sich die Schweiz entwickeln.

    Als die TGZ 1825 gegründet wurde, hatte sie eine Priorität: Die Bildung im technischen Bereich sollte verbessert werden. Es gab zu dieser Zeit die ETH noch nicht. Diese entstand erst 1855. Doch die Industrialisierung war europaweit im Gange. „Die Befürchtung, ins Hintertreffen zu geraten, war nicht abwegig“, heisst es im Buch. „Noch war die Schweiz ein Staatenbund, der den Kantonen grosse Autonomie gab“, so der Historiker Adrian Scherrer in „Wissensdurst – 200 Jahre Technische Gesellschaft Zürich“. Vielfältige politische und gesellschaftliche Hindernisse hätten immer wieder die wirtschaftliche Entwicklung verzögert.

    Datierung vor 1929Am Letten erstellte die Zürcher Wasserversorgung 1874 ein Pumpwerk, das vom Wasser der Limmat angetrieben wurde. Das Foto entstand vor 1929. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Ans_05434-025-AL-FL

    Prominente Personen unter den Gründern

    Aus heutiger Sicht fast unglaublich: In Zürich gab es damals keine Möglichkeit, nach der Volksschule eine weiterführende technische oder naturwissenschaftliche Schule zu besuchen. Kantonsapotheker Johann Jakob Ulrich Irminger (1785–1838) setzte sich darum für die Gründung einer solchen Bildungsanstalt ein. Zusammen mit Botaniker Leonhard Schulthess (1775–1841), Unternehmer Hans Caspar Escher (1775–1859) und Mathematiker Johann Kaspar Horner (1774–1834) sowie sechs weiteren Mitstreitern rief er die TGZ ins Leben.

    „Mit Escher als Gründer und Mitinhaber der Escher, Wyss & Cie. war ein bedeutender Industrieller dabei“, schreibt Scherrer. Als kurze Randbemerkung: Escher, Wyss & Cie, das war damals die erst zweite mechanische Baumwollspinnerei der Schweiz. Später wurde daraus eine höchst erfolgreiche Maschinenfabrik in den Bereichen Schiffbau, Wasserturbinen und Pumpen. Das Unternehmen baute zum Beispiel das Dampfschiff Stadt Zürich und hatte seinen Sitz in der Nähe des heutigen Escher-Wyss-Platzes im Stadtzürcher Kreis 5.

    Doch zurück zur Geschichte des Vereins. Es ging nämlich Schlag auf Schlag.

    Schon weniger als ein Jahr nach der Gründung der TGZ wurde 1826 das Technische Institut in Zürich eröffnet. Wie dem Buch zu entnehmen ist, stand die Schule jungen Männern ab 16 Jahren offen und bot einen zweijährigen Bildungsgang an. Es dauerte auch nicht lange, bis über hundert Schüler das Technische Institut besuchten. 1833 wurde die bis dahin privat organisierte Schule durch eine Fusion mit der Kunstschule zur kantonalen Industrieschule umgewandelt. Daraus entstand die Oberrealschule und später dann das Mathematisch-Naturwissenschaftliche Gymnasium.

    Auch Stadtbaumeister Arnold Bürkli hielt Vorträge

    Ihr wichtigstes Ziel hatte die TGZ also schon nach wenigen Jahren erreicht. Doch der Verein wurde nicht aufgelöst – man traf sich weiterhin zum fachlichen Austausch über technische Fragen. Fortan wurden Vorträge gehalten. Stadtbaumeister Arnold Bürkli (1833–1894) berichtete beispielsweise ab den 1860er-Jahren regelmässig über die Pläne für die Neu- und Umgestaltung der Stadtquartiere. Nach seiner Vorstellung war in den 1880er-Jahren die neue Uferpromenade am Zürichsee erstellt worden. „Sein Bruder Adolf Bürkli (1819–1894), Inhaber einer Textilfirma, präsidierte die TGZ von 1887 bis 1893“, heisst es im Buch.

    Die Idee war das interdisziplinäre Vermitteln von Wissen über die Fachgrenzen hinweg. Lange Zeit allerdings nur unter Männern. Erst 1961 wurden erstmals zwei Frauen aufgenommen. „Während sich die Themen über die Jahrhunderte gewandelt haben – von der Mechanik und Elektrizität über die Kernenergie bis hin zur Digitalisierung und Biotechnologie – bleibt der Grundgedanke unverändert: Technik ist ein zentraler Bestandteil unseres Lebens und sollte aktiv verstanden, hinterfragt und gestaltet werden“, findet Vereinspräsident Matthias Kaiserswerth in seinem Ausblick und Schlusswort.

    Das Schwarzweissbild zeigt Passagiere beim Einstieg in die Douglas DC-3-216 in Dübendorf, aufgenommen zwischen 1937 und 1948.1937 nahm die frühere Fluggesellschaft Swissair die Douglas DC-3 in Betrieb. Damals flog die Swissair noch vom Flugplatz Dübendorf. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / LBS_SR01-02936

    Fakten haben es in der heutigen Zeit schwer

    Auch im Buch „Wissensdurst – 200 Jahre Technische Gesellschaft Zürich“ wird versucht, Wissen zu vermitteln. Der frühere Swissmem-Präsident Hans Hess wirbt für mehr Fakten und Taten in der Energie- und Klimapolitik. Dabei vergleicht er kurz und knackig verschiedene Energieträger miteinander und hebt deren Vor- und Nachteile hervor. Hess erlaubt sich zudem die eine oder andere Wertung. Eine seiner wenig erbauenden Aussagen: „Im Moment wird in der Energiepolitik leider sehr viel geredet, aber sehr wenig gebaut.“

    Ebenfalls hervorzuheben wäre das Kapitel von ETH-Professor Roland Siegwart mit dem Titel „Gesundheit: Was kann Technologie beitragen?“. Laut ihm werden medizinischer Fortschritt und Technologie uns ein immer längeres und autonomeres Leben ermöglichen. „Ewiges Leben wird aber kaum in absehbarer Zeit möglich sein“, schreibt Siegwart. So liege es an uns, das Leben mit all seinen Facetten und Phasen zu geniessen und in Würde zu altern und zu sterben.

    Und der Wissenschaftsjournalist Beat Glogger schreibt über Emotion versus Information. Der Gründer des leider kurzlebigen Online-Wissenschaftsmagazins Higgs zeigt eindrücklich auf, wie die allerbesten Studien und alle wissenschaftlichen Fakten der Welt Menschen mit scheinbar grundlosen Ängsten nicht zum Umdenken bewegen können. „Bullshit in die Welt zu setzen ist billig und schnell. Fakten aufbereiten hingegen kostet Zeit und Arbeit“, so Glogger.

    Ansprechend mit vielen Fotos gestaltet

    Die Jubiläumsschrift punktet mit historischen Bildern. Insgesamt sind es 46 Fotos und Grafiken, die das Geschriebene auflockern. Das ansprechend gestaltete Buch ist eine Hommage an die Leistung der TGZ in den letzten 200 Jahren: das Fördern eines kritischen und konstruktiven Dialogs über Technik.

    Insbesondere die aktuelle Aufregung um KI macht einen offenen Austausch noch wichtiger. Ob es um Telegraphen oder Mikroroboter geht – entscheidend bleibt, dass Wissen geteilt, verstanden und diskutiert wird.

    Jochen Decker, Andreas Fuhrer, Beat Glogger, Hans Hess, Matthias Kaiserswerth, Adrian Scherrer, Roland Siegwart: Wissensdurst – 200 Jahre Technische Gesellschaft Zürich. 128 S. www.pioniere.ch/buecher/sp-tgz/

    Weitere Informationen zur Technischen Gesellschaft Zürich gibt es auf www.tgz-net.ch.

    Das Dampfschiff Stadt Zürich fährt im Zürcher Seebecken vermutlich Richtung Anlegestelle am Bürkliplatz. Das Foto ist schwarz-weiss.Bonusbild für Geschichtsfans: Das Dampfschiff Stadt Zürich wurde von Escher, Wyss & Cie gebaut und lief 1909 vom Stapel. Die Aufnahme stammt von circa 1930. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Ans_05106-256

    Themenbezogene Interessensbindung des Autors: „Wissensdurst – 200 Jahre Technische Gesellschaft Zürich“ wurde von der Technischen Gesellschaft Zürich herausgegeben und ist im Verlag Verein für wirtschaftshistorische Studien erschienen. Pascal Turin ist Mitglied des Vereins für wirtschaftshistorische Studien.


  • 7 Minuten

    Sie kritisiert, dass gute Argumente in der Debatte kaum was bringen

    Gianna Berger trägt eine blaue Strickjacke. Sie lächelt in die Kamera."Mir hat gefallen, dass die AL ihren Fokus auf die Chancengleichheit legt", sagt die Kantonsrätin Gianna Berger (26) aus Zürich im Gespräch mit Rathuus. Bild: Pascal Turin

    Gianna Berger politisiert für die AL im Kantonsrat. Die Pflegefachfrau interessiert sich berufsbedingt für das Gesundheitssystem und für Menschen, die weniger Chancen haben als andere. Die 26-jährige Stadtzürcherin hat nach einem Jahr Parlamentsarbeit eine klare Erkenntnis gewonnen. Debatten? Nur Show für die Medien.

    Die Alternative Liste – kurz AL – war in den 90er-Jahren eine laute Protestpartei. Gegründet wurde sie 1989 in Zürich als basisdemokratische Gruppe „Züri 1990“. Erst 2007 konstituierte sich die AL offiziell als politischer Verein. 2018 hatte sie mit zehn Gemeinderatssitzen und mit Richard Wolff als Stadtrat ihre Hochblüte als Unruhestifterin im politischen Milieu. Doch das hat sich verändert.

    „Der AL droht die Unverwechselbarkeit abhandenzukommen“, schrieb die „Neue Zürcher Zeitung“ vergangenes Jahr. Die Tageszeitung hat zumindest in einem Punkt recht: Seit bekannte langjährige Exponenten wie Urgestein Niklaus Scherr, Mischa Schiwow, Co-Präsident des Quartiervereins Hirslanden, oder Mieterverbands-Vertreter Walter Angst aus dem Stadtzürcher Parlament ausgeschieden sind, ist es um die AL ruhiger geworden.

    Heute unterscheidet sich die Partei im Gemeinderat von Zürich immer weniger von SP und Grünen. Kein Wunder, in der rot-grün dominierten Limmatstadt ist es als kleine linke Partei schwierig, aufzufallen. Doch manchmal gelingt es der AL immer noch, Schlagzeilen zu machen. So geht der schweizweit beachtete Vorstoss zum weitgehenden Verbot von kommerzieller Werbung im öffentlichen Raum auf AL-Gemeinderat Michael Schmid zurück. Und vielleicht schafft Stadtratskandidatin und AL-Gemeinderätin Tanja Maag im kommenden März bei den Kommunalwahlen sogar die Überraschung – den Einzug in die Zürcher Exekutive.

    Die AL pflegt im Kantonsrat die Minderheitenrolle

    Während die AL in der Stadt Zürich also darum kämpft, zwischen SP und Grünen ein eigenes Profil zu wahren, überzeugt sie im bürgerlicher orientierten Kantonsrat gerade durch ihre Minderheitenrolle. Dazu trägt auch Gianna Berger bei, die erst seit 2024 im Kantonsparlament politisiert. „Ich sehe eine unserer Rollen darin, Probleme klar zu benennen, damit darüber diskutiert wird“, erklärt die Kantonsrätin, die in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben sitzt.


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    Aufgefallen war die 26-Jährige zum Beispiel in einer Debatte über eine Einzelinitiative, die verlangte, dass der Kanton sich „für die Anerkennung von Palästina als eigenem Staat“ einsetzen soll. „Palästina existiert. Dass es bis heute nicht anerkannt wird, ist beschämend“, kritisierte Berger. Die Anerkennung bedeute nicht, Geld zu schicken oder Organisationen zu unterstützen. Sie bedeute einzig, eine Realität anzuerkennen und die Grundlage für Gespräche auf Augenhöhe zu schaffen. Auch Zürich dürfe sich hier nicht länger zurückhalten. „Unser Kanton bezieht zu vielen Themen Stellung, warum also nicht hier?“, fragte sie. Palästina anzuerkennen sei zu wenig, aber das Mindeste.

    Zwar verfing Bergers Votum nicht. Das Anliegen holte nur 47 Stimmen. Für eine vorläufige Unterstützung wären 60 Stimmen des 180-köpfigen Rates notwendig gewesen. Doch die AL zeigte wieder einmal, dass sie bei unangenehmen Themen eine klare Haltung einnimmt. Auch deshalb ist die Stadtzürcherin in die Partei eingetreten. Berger ist früher Sympathisantin der SP gewesen. Sie habe dann aber durch einen Nachbarn die Alternative Liste kennengelernt, wie sie erzählt. „Mir hat gefallen, dass die AL ihren Fokus auf die Chancengleichheit legt.“ Das habe für sie Sinn gemacht, weil sie in der Psychiatrie mit Patientinnen und Patienten zu tun habe, die weniger Chancen hätten.

    „Die Arbeitsbedingungen sind so schlecht, dass ich nicht mein Leben lang auf dem Beruf arbeiten werde“, sagt Gianna Berger.

    Die diplomierte Pflegefachfrau HF – kurz für Höhere Fachschule – arbeitet in der Abteilung Krisenintervention für Jugendliche der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Diese ist in der Nähe des Hegibachplatzes stationiert. Nicht weit davon entfernt wohnt Berger derzeit in einer Wohngemeinschaft im Kreis 7. Neben der Arbeit und der Politik studiert sie berufsbegleitend Pflege an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

    Pflegeinitiative muss zuerst richtig umgesetzt werden

    Durch das Studium verspricht sich Berger mehr Möglichkeiten, etwa als Fachexpertin auf einer Station oder in der Forschung. „Die Arbeitsbedingungen sind so schlecht, dass ich nicht mein Leben lang auf dem Beruf arbeiten werde.“ Damit ist sie sicher nicht allein. In der Schweiz herrscht ein Mangel an Pflegepersonal – auch weil viele erfahrene Leute irgendwann wegen der hohen Arbeitsbelastung aus dem Beruf aussteigen. Die vom Schweizer Stimmvolk 2021 angenommene Pflegeinitiative, die unter anderem die Verbesserung der Arbeitsbedingungen des Personals fordert, muss ihre Wirkung erst noch entfalten.

    Nach über einem Jahr im Kantonsrat hat Gianna Berger eine klare Erkenntnis gewonnen: "Niemand ändert seine Meinung in der Debatte." Bild: Pascal Turin

    Zu aufopfernde ältere Pflege-Generation

    Einen Prestigeerfolg für die Pflegebranche hat die Kantonsrätin vor Kurzem erzielt: Berger war mit Vertreterinnen und Vertretern der SP, der Grünen und der EVP an vier parlamentarischen Initiativen beteiligt, die vom Parlament – wenn auch knapp – vorläufig unterstützt wurden. Gefordert wurde, dass die Mitarbeitenden des Universitätsspitals Zürich, des Kantonsspitals Winterthur, der Integrierten Psychiatrie Winterthur – Zürcher Unterland und der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich zukünftig den vollen Teuerungsausgleich erhalten. Aktuell ist der Teuerungsausgleich beim Spitalpersonal nicht mehr verbindlich an die Empfehlung des Regierungsrates gekoppelt. Nun muss sich die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit über das Anliegen beugen.

    Aus Sicht von Berger ist die Lobby des Pflegepersonals in der Politik zu wenig gut vernetzt. Gerade die ältere Generation der Pflegefachpersonen sei zudem zu aufopfernd. Jene würden jedes Mal sofort einspringen, wenn jemand ausfalle oder gar die Ferien abbrechen, wenn Personal fehle. „Wir dürfen ein System, das nicht funktioniert, nicht mit unserer Aufopferung aufrechterhalten“, so Bergers Befund. Doch das Totschlagargument sei dann häufig, dass man dadurch das Wohlbefinden von Patientinnen und Patienten gefährde. Gianna Berger sagt, die Politik solle sich endlich eingestehen, dass man mehr Geld ins Gesundheitswesen investieren müsse. „Mit Gesundheit Geld verdienen funktioniert einfach nicht, ausser es ist ein unfaires System“, so die Kantonsrätin.

    Nach über einem Jahr im Parlament hat Berger eine klare Erkenntnis gewonnen: „Niemand ändert seine Meinung in der Debatte.“ Diese sei nur eine Show für die Medien. „Anfangs dachte ich noch, ich könne mit guten Argumenten überzeugen. Aber nein, keine Chance. Es wird alles vorher in den Fraktionen besprochen und entschieden“, sagt die Politikerin. Wichtig seien darum die bilateralen Gespräche über die Parteigrenzen hinaus. „Eigentlich könnte man also einfach von daheim aus abstimmen und einfach die Voten an die Medien schicken“, sagt sie augenzwinkernd. Das Zwischenmenschliche würde dann aber natürlich fehlen.

    Erst kürzlich hat sich Gianna Berger entschieden, dass sie 2027 wieder zu den Wahlen antreten wird. „Eine erneute Kandidatur habe ich mir wegen der Belastung mit Studium, Job und Politik schon gut überlegen müssen.“

    In Oerlikon trifft man sie im Venus Bistro

    Als Treffpunkt hat die Stadtzürcherin das Venus Bistro an der Franklinstrasse vorgeschlagen. Das sei „Oerlikons charmante Antwort auf seelenlose Gastroketten“, so das Onlineportal Tsüri in seinem Geheimtipp-Guide. Das Restaurant mit Bar ist eine Art gemütliches Szene-Lokal mit guter Küche, wie auch der Schreibende durch verschiedene Besuche zu bestätigen weiss. „Wenn ich in Oerlikon einen Kaffee trinken möchte, komme ich meistens hierhin“, sagt Berger, die im Leutschenbach-Quartier in Seebach aufgewachsen ist. Im Kreis 11 fühle sie sich nach wie vor wohl.

    Erst kürzlich hat sich Gianna Berger entschieden, dass sie 2027 wieder zu den Wahlen antreten wird. „Eine erneute Kandidatur habe ich mir wegen der Belastung mit Studium, Job und Politik schon gut überlegen müssen.“ Es wird ihr erster richtiger Wahlkampf mit Standaktionen und Co. sein. 2024 war sie für Anne-Claude Hensch ins Kantonsparlament nachgerückt.

    Zeit für Hobbys bleibt ihr wenig – auch nicht fürs Singen. Seit sie 12 Jahre alt ist, nimmt die Zürcherin Unterricht im Sologesang an der Musikschule Konservatorium Zürich. Auftritte gibt es allerdings keine. „Ich stehe gar nicht gerne vor Leuten“, verrät sie und fügt an: „Obwohl ich das im Kantonsrat immer wieder machen muss.“ Das brauche jeweils sehr viel Überwindung. Aber sie werde langsam routinierter.

    Die AL ist heutzutage vielleicht keine Protestpartei im ursprünglichen Sinn mehr. Doch mit Politikerinnen wie Gianna Berger zeigt sie, dass sie auch ohne laute Töne eine klare Haltung vertreten kann.


  • 5 Minuten

    „Politisiert wurde ich durch eine Hungersnot“

    Auf dem Bild zu sehen ist Monika Wicki, SP-Kantonsrätin.Monika Wicki (57) ist SP-Kantonsrätin, Präsidentin des Quartiervereins Oerlikon und sie hat mit einer Gruppe von Freunden die Website www.im-frieden-essen.ch gestaltet. Bild: zvg

    SP-Kantonsrätin Monika Wicki ist wegen ihrer vielen Funktionen eine wichtige Instanz in Zürich Nord. Im Rathuus-Fragebogen erzählt die Politikerin von ihrem persönlichen Polit-Erfolg, spricht von einem prägenden Erlebnis im Jahr 1985 und zeigt auf, wie sie Friedenspolitik mit Genuss verbindet.

    Monika Wicki, wie wurden Sie politisiert?
    1985 wurde durch die Schulsynode im Kanton Zürich der Hungerfranken eingeführt. Es ging damals darum, die schreckliche Hungersnot in Angola zu lindern. Ich war für das Sammeln an meinem Gymnasium zuständig. Diese Aktion hat mir gezeigt, man kann etwas Konkretes tun. 

    Was wollten Sie als Kind werden?
    Zuerst Polizistin, dann Schriftstellerin, dann Journalistin, dann Landwirtin, dann Sozialpädagogin.

    Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
    Das schwindende Vertrauen der Bevölkerung in unsere demokratischen Institutionen. Die Kriege nah und fern. Der Wind, der der Inklusion entgegenbläst. 

    „Ich bin recht spät, erst im Alter von 35 Jahren, der SP beigetreten.“

    Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
    Ich bin recht spät, erst im Alter von 35 Jahren, der SP beigetreten. Somit war das ein wohlüberlegter Entscheid. 


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    Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
    Aber sicher, Tausende.

    Welche Staatsmännermenschen halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch?
    Clara Zetkin (eine deutsche sozialistisch-kommunistische Politikerin, Anm. d. Red.), Jean Ziegler, Ruth Dreifuss … Sie sind mir ein Vorbild mit ihren ethischen Werten und in ihrem beständigen Engagement.

    Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken?
    Oh, ich bin offen für alle. 

    „Mit meinen Vorstössen im Kantonsrat ist es mir gelungen, eine nachhaltige Geburtshilfe im Kanton Zürich zu etablieren. Seit mehreren Jahren nun gibt es die Leistungsgruppe Hebammengeleitete Geburtshilfe im Spital.“

    Was ist Ihr Lieblingsrestaurant in der Stadt oder im Kanton Zürich?
    Didi’s Frieden. Wir haben wandernd alle Restaurants mit Frieden im Namen in der Schweiz besucht, dort gegessen und getrunken und einen Bericht auf www.im-frieden-essen.ch geschrieben. Didi’s Frieden war das Zürcher Highlight. 

    Kaufen Sie das „Surprise“ und lesen Sie es auch?
    Leider nein. Ich habe immer viel zu viel zum Lesen, sodass ich kaum dazu komme, mir freiwillige Lektüre zu Gemüte zu führen. 

    Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht?
    Heute war ich noch nicht schwimmen.

    Wer ist für Sie der oder die bedeutendste Zürcherin?
    Alle, die sich für unsere Demokratie und für den Frieden einsetzen.

    Sex ohne Liebe, was halten Sie davon?
    Jedem das Seine.

    „Ich arbeite im Bildungswesen und ich politisiere im Bildungswesen. Manchmal muss man sehr aufpassen, dass man nicht in Interessenskonflikte gerät.“

    Was war Ihr grösster politischer Erfolg?
    Im Rahmen der Revision des Kinder- und Jugendheimgesetzes im Kanton Zürich konnte ich Mehrheiten für mir wichtige Anliegen gewinnen. So wurde beispielsweise erreicht, dass der Kanton nicht einfach Heilpädagogische Früherziehung streichen kann, wenn die Finanzen knapp werden. Zudem ist es mir mit meinen Vorstössen im Rat gelungen, eine nachhaltige Geburtshilfe im Kanton Zürich zu etablieren. Seit mehreren Jahren nun gibt es die Leistungsgruppe „Hebammengeleitete Geburtshilfe im Spital“. Dies sichert eine evidenzbasierte, effektive, familienorientierte und kostengünstige Geburtshilfe im ganzen Kanton Zürich.

    Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas?
    Ich arbeite im Bildungswesen und ich politisiere im Bildungswesen. Manchmal muss man sehr aufpassen, dass man nicht in Interessenskonflikte gerät. 

    Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard?
    Mir gefällt das Rathaus Hard insofern, als wir da genügend Platz haben. Das historische Rathaus ist zwar geschichtsträchtig, es braucht aber einen gehörigen Umbau, damit es in der heutigen Zeit noch als Rathaus genutzt werden kann. Und ohne diesen Umbau möchte ich nicht ins alte Rathaus zurück. 

    Portobello-Burger oder Poulet-Kebab?
    Vegan. 

    „Lachen kann ich über Wortspielereien, humorvolle Geschichten, tiefgründiger Witz und fantasievolle Reisen ins Absurde.“

    Taylor Swift oder Beatrice Egli?
    Simon und Jan (ein 2006 gegründetes Liedermacher-Duo, bestehend aus Simon Eickhoff und Jan Traphan, Anm. d. Red.).

    Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy?
    Ein schöner Frühlingswald mit Bärlauch. 

    Worauf freuen Sie sich?
    Ich freue mich auf so vieles: auf das Aufwachen am Morgen, auf den Spaziergang mit dem Hund, auf das Gärtnern, auf die Familie, das Velofahren, auf politische Debatten und spannende Anlässe, auf gute Ideen und herausfordernde Projekte, auf die Arbeit, auf interessante Gespräche und aufs Schwimmen. 

    Und worüber können Sie lachen?
    Wortspielereien, humorvolle Geschichten, tiefgründiger Witz und fantasievolle Reisen ins Absurde.

    Monika Wicki aus Oerlikon ist 57 Jahre alt und seit 2014 SP- Kantonsrätin. Von 2014 bis 2023 war sie Mitglied der Kommission für Bildung und Kultur. Seit Mai 2023 ist Wicki Angehörige der Geschäftsleitung des Kantonsrates und seit Mai 2025 die zweite Vizepräsidentin des Kantonsrats.

    Ihre politischen Ziele umschreibt sie so: „Zürich Nord gehört zu den am schnellsten wachsenden Gebieten im ganzen Kanton. Dieses enorme Wachstum führt zu einem grossen Druck auf die Mieten und die Infrastruktur. Eine weitere Herausforderung ist der Fachkräftemangel, der im Bildungs- und Gesundheitswesen fatale Auswirkungen hat. Damit der Kanton Zürich lebenswert bleibt, braucht es eine vorausschauende, zukunftsweisende und umsichtige Politik.“

    Aufgewachsen ist Monika Wicki in Regensdorf und in Dielsdorf. Nach der Matura lernte sie Landwirtin und arbeitete eine Zeitlang auch in diesem Beruf. Danach studierte sie an der Universität Zürich Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie. 2008 schrieb sie ihre Dissertation über den Wandel von Vorstellungen über Kindheit, Jugend und Generationsbeziehungen.

    Seit 2010 ist Wicki an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich tätig. Zuerst als wissenschaftliche Mitarbeiterin, dann als Dozentin. Seit 2019 ist sie Professorin zum Thema Steuerung und Organisation heilpädagogischer Angebote. Auch im Berufsfeld ist Monika Wicki ehrenamtlich engagiert. So ist sie seit April 2025 Co-Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Lehrerinnen und Lehrerbildung.


  • 4 Minuten

    Tram Affoltern: Was der Rat von der Limmattalbahn lernen könnte

    Das Bild zeigt die Limmattalbahn in Altstetten.Die Limmattalbahn hat ihre Schienen oft dort, wo früher der Trolleybus fuhr. Doch im Gegensatz zum geplanten Bauvorhaben in Affoltern wurde die Strasse nicht entsprechend verbreitert. Bild: Lorenz Steinmann

    Der Zürcher Stadtrat hat seine Hausaufgaben gemacht. Er legt dem Gemeinderat heute Mittwoch fristgerecht eine Weisung zum Tram Affoltern vor. Doch schade ist, dass sich die städtischen Planerinnen und Planer kein Beispiel an der Limmattalbahn genommen haben.

    Diese Motion des Gemeinderats legte der Stadtrat nicht auf die lange Bank. Fast schon als Punktlandung wird heute Mittwoch die Weisung zum Tram Affoltern im Rat diskutiert. Zumindest steht sie auf der Traktandenliste ganz weit oben. Basis der Weisung ist der Vorstoss von Benedikt Gerth (Mitte), Thomas Hofstetter (FDP) und Anjushka Früh (SP), der im April 2025 im Gemeinderat hitzig diskutiert wurde. Mit lediglich 66 zu 51 Stimmen wurde dem Stadtrat dann der Auftrag erteilt, eine detaillierte Vorlage auszuarbeiten.

    Zusammenfassend standen bei der Debatte SP und FDP hinter ihren beiden zuständigen Stadtratsvertretungen Michael Baumer (FDP) und Simone Brander (SP). Support bekamen sie zudem von der Mitte. Kritisch hinterfragt wurde das Tramprojekt in Affoltern von der GLP, der AL und von der SVP.

    Die Weisung umfasst nun satte 24 Seiten plus 6 Seiten Plan- und Tabellenbeilagen. Dabei fällt auf, dass wichtige Punkte wie etwa die Vorfinanzierung der 60 Millionen Franken, welche der Kanton vorerst nicht sprechen will, oder die breit diskutierte Fällung von gegen 700 Bäumen nur am Rande erwähnt sind. Ganz im Sinne von, dass man das Geld hat und eine Diskussion nicht nötig sei.

    Die Warnung von Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) im September nach dem Ja zum Sportzentrum Oerlikon, dass solche 373-Millionen-Projekte es in absehbarer Zukunft nicht mehr geben werde, scheint bereits wieder vergessen zu sein. Und was ist mit Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne), der ebenfalls im September fürs städtische Budget 2026 dicke rote Zahlen von gut 350 Millionen Franken prognostizierte? Dabei stellte Leupi doch in Aussicht, dass man künftig Investitionen begrenzen müsse.

    Das gilt scheinbar nicht fürs Tram Affoltern.


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    Unüblich: Die Stadt soll das Geld vorschiessen

    Lieber will die Stadt einfach mal 60 Millionen Franken vom Kanton vorschiessen, weil dieser die Unterstützung des Projekts aus finanziellen Gründen zurückgestellt hat. GLP-Gemeinderat Sven Sobernheim sagte im April im Rat dazu: „Es geht gar nicht ums Tram. Es geht um eine unübliche Vorfinanzierung für den öffentlichen Verkehr.“ Dass die Stadt vorstrecken soll, ohne Sicherheit, dass der Kanton das Geld je zurückzahlt – für Sobernheim eine politische Zumutung. Er fragte damals rhetorisch in den Saal: „Sie sagen uns im Ernst, dass der Kanton dieses Geld der verhassten Stadt Zürich zurückzahlen würde?“

    Dabei fällt auf, dass bei den Kosten über 100 Millionen Franken für Landkäufe und Enteignungen vorgesehen sind. Kein Wunder, ist das Projekt im Verhältnis zur Limmattalbahn fast doppelt so teuer. Ein Kilometer Linie kostet in Affoltern 112,5 Millionen Franken, im Limmattal waren es lediglich 54 Millionen Franken. Dabei hält das Argument der Stadt, dort sei es halt einfacher gewesen zu bauen, einem detaillierten Untersuch nicht stand. Denn die Limmattalbahn wurde fast nirgends auf der grünen Wiese gebaut – ausser man glaubt, dass Altstetten oder Schlieren immer noch Bauerndörfer wie Anfang des 20. Jahrhunderts sind. Die Limmattalbahn verbindet Altstetten mit Killwangen-Spreitenbach – das Limmattal ist eine Boomregion.

    Zürcher-, Badener- und Landstrasse als Beispiele

    Der grosse Unterschied: Das Tramtrassee wurde an prominenter Stätte, etwa auf der Zürcherstrasse zwischen Farbhof und Schlieren und auch später auf der Badenerstrasse in Richtung Spreitenbach sowie in Spreitenbach selber auf der Landstrasse auf der bestehenden Fahrbahn gebaut. Dort, wo vorher beispielsweise der 31er-Trolleybus verkehrte. Dass damit durchaus die Kapazität abgebaut wurde, schluckte der Kanton. Argumente wie die parallel verlaufende Autobahn zogen offensichtlich.

    Wer erinnert sich noch an die vier- oft sogar sechsspurige Rennbahn ausgangs Zürich entlang des ehemaligen Unternehmens Micafil und entlang der vielen Gewerbebauten in Richtung Schlieren, linker Hand die Reiheneinfamilienhäuser. Bewahre, wenn hier das Enteignungsprozedere losgegangen wäre. Man wäre wohl noch heute am Verhandeln, oder man hätte gar nie gebaut.

    Klassische FDP-Handschrift zu erkennen

    Im Gegensatz dazu versteift sich die Stadt Zürich in Affoltern darauf, fürs Tram ein neues Trassee bauen zu müssen und die Wehntalerstrasse entsprechend zu verbreitern – um bis zu sechs Meter. Dabei wird momentan die Nordumfahrung ausgebaut, welche gut und gerne auch Verkehr von Seebach in Richtung Affoltern aufnehmen könnte.

    Dass dazu auch noch 682 Bäume gefällt werden – geschenkt. Es würden ja wieder welche gepflanzt, heisst es dazu, und noch einige Dutzend mehr. Das Projekt trägt die klassische FDP-Handschrift der paketschnürenden Michael Baumer und Carmen Walker Späh, Volkswirtschaftsdirektorin und somit Verkehrsministerin. Böse Zungen behaupten, Kantonsrätin Gabi Petri (Grüne) spreche davon, das sei nun die Retourkutsche für das vom Volk versenkte Rosengartenprojekt mit Tram und Autotunnel.

    Eine oder gleich mehrere Abstimmungen nötig

    Man darf gespannt sein, wie heute der Rat debattieren und abstimmen wird. So oder so kommt das Projekt vor das Stadtzürcher Volk. Darauf angesprochen ist Stadtrat Michael Baumer guter Dinge, dass es ein Ja gibt. Ihm sei aber auch bewusst, dass ein Nein im Kantonsrat für den kantonalen Beitrag durchaus möglich ist. Oder aber dann ein Referendum durch eine unheilige Allianz zwischen Grünen und SVP. So, wie das schon erfolgreich beim Rosengartenprojekt durchgezogen wurde.

    Punkto Zeitplan ist die Stadt weniger optimistisch als auch schon. Als Baubeginn wird frühestens 2028 angegeben. Die Inbetriebnahme ist nicht vor 2031 eingeplant.


  • 6 Minuten

    Der Allrounder, der gegen den „Unterschriften-Bschiss“ kämpft

    Florian Heer steht auf dem Katharina Sulzer-Platz in Winterthur. Er trägt eine moderne, runde Brille und einen kurzen Bart. Er ist sportlich gekleidet.Florian Heer sitzt seit 2020 für die Grünen im Kantonsrat. Der 47-Jährige ist Vizepräsident der Grünen Kanton Zürich und leitet den Winterthurer Ableger der Ökopartei als Co-Präsident. Bild: Pascal Turin

    Kantonsrat Florian Heer hat mit seinen Vorstössen schon ein paar Mal den Finger in die Wunde gelegt. Der Vizepräsident der Grünen Kanton Zürich scheut sich nicht vor den schwierigen Themen und sammelt bei jedem Wetter für die Solar-Initiative.

    Winterthur steht oft im Schatten von Zürich, doch etwas kann man der sechstgrössten Stadt der Schweiz nicht nehmen: Winti hat nicht nur die schönere Altstadt, sondern auch seinen industriellen Charme erhalten. Über 122’000 Einwohnerinnen und Einwohner leben hier im Nordosten des Kantons. Einer davon ist Florian Heer. Seit 2020 sitzt er für die Grünen im Kantonsrat. Als Treffpunkt hat er das Café Portier am Lagerplatz beim ehemaligen Areal des Industriekonzerns Sulzer gewählt. „Wo früher der Portier des Sulzer-Areals arbeitete, trinkt man heute Vivi Kola oder Latte macchiato“, schrieb der „Tages-Anzeiger“. Das industrielle Flair habe das Café Portier aber übernommen.

    Es ist 9 Uhr morgens und im Lokal sitzen junge Eltern mit Kinderwagen, Singles mit Notizbuch und Menschen, die politisch wohl irgendwo zwischen Grün und Rot zu Hause sind. Heer ist mit dem Velo gekommen. Zuvor hatte er noch fleissig Unterschriften für die Solar-Initiative der Grünen Schweiz gesammelt. Diese will alle „geeigneten Dächer und Fassaden“ für die erneuerbare Energieproduktion nutzen. „Nachher gehe ich nochmals sammeln“, verrät der Kantonsrat. Er ist Vizepräsident der Grünen Kanton Zürich und leitet den Winterthurer Ableger der Ökopartei als Co-Präsident.


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    Er hat sich sofort in Winterthur verliebt

    Gegenüber der „P.S. Zeitung“ sagte der Politiker, dass er wegen seiner Partnerin nach Winterthur gekommen sei, „und es war fast so etwas wie Liebe auf den ersten Blick“. Er habe sofort gewusst, dass er hier bleiben möchte. „Wir haben hier alles: Kultur, Natur und sehr guten ÖV“, schwärmt Heer im Gespräch mit Rathuus. Ursprünglich stammt der 47-Jährige, der viel mit dem Velo unterwegs ist, aus der Zentralschweiz.

    Heute wohnt der Vater dreier Kinder in einem Haus der Genossenschaft für selbstverwaltetes Wohnen – kurz Gesewo – im Tössfeld, einem kleinen Quartier südwestlich des Winterthurer Hauptbahnhofs. „Wir sind Mietende, haben aber mehr Verantwortung. So sind wir zum Beispiel für den Unterhalt zuständig, müssen Geld für Reparaturarbeiten zurücklegen und uns miteinander absprechen“, erklärt der ausgebildete Fachmann Betreuung. Florian Heer hat viele Jahre bei der Brühlgut Stiftung mit Menschen mit Beeinträchtigungen gearbeitet. Zuletzt war er Geschäftsführer der Rudolf Steiner Schule Winterthur, er geht nun aber wieder seinem ursprünglichen Job als Fachmann Betreuung nach.

    Der Winterthurer sitzt in der Kommission für Staat und Gemeinden, wildert aber durchaus in anderen Bereichen. „Ich bin kein Fachspezialist, sondern ein guter Allrounder“, erklärt Heer. Er könne sich schnell in ein Thema einlesen, sei gut im Argumentieren und habe Freude an Abwechslung. So hat er zusammen mit einer Mitte-links-Koalition in einer Motion den Regierungsrat aufgefordert, „die gesetzlichen Grundlagen für ein kantonales Verbot der bezahlten Unterschriftensammlung zu schaffen“. Hintergrund war eine weit beachtete Recherche des „Tages-Anzeigers“ gewesen.

    Die Tageszeitung hatte vergangenes Jahr aufgedeckt, dass in der Schweiz Tausende Daten für Volksbegehren gefälscht worden sind – durch Unternehmen, die von politischen Komitees fürs Sammeln auf der Strasse bezahlt werden. Heer befürchtet darum, dass die Schweizer Stimmberechtigten über Initiativen und Referenden abgestimmt haben, die zu Unrecht zustande gekommen sind. „Das wäre demokratiepolitisch verheerend und zeigt, wie kommerzialisiert die ganze Sache geworden ist“, so Heer. Und er gibt zu bedenken: „Im Kanton Zürich kann man mit der kantonalen Initiative sogar Gesetzesänderungen bewirken.“ Auf Bundesebene sind mit Initiativen hingegen nur Verfassungsänderungen möglich.

    Ganz dem Klischee eines Grünen-Politikers entsprechend ist Florian Heer fast immer mit dem Velo unterwegs und fährt mit dem Nachtzug in die Ferien. Bild: Pascal Turin

    Sein neustes Postulat widmet sich dem Rassismus

    Eine weitere Motion, die Schlagzeilen gemacht hat, war jene von 2021 zum Verbot von Konversionstherapien. Dabei handelt es sich um höchst umstrittene Methoden, mit denen bi- und homosexuelle Menschen umgepolt werden sollen. „Die Grundlage für diese Therapien liegt darin, dass das LGBTIQ-Sein in gewissen Gemeinschaften als ‚Krankheit‘ und ‚Symptom‘ angesehen wird“, heisst es in der Motion. Heer fordert darum mit seinen Mitstreitern aus AL, GLP, Grünen, Mitte und SP ein Verbot im Kanton Zürich.

    Während der Erarbeitung des Vorstosses setzte sich der Grünen-Kantonsrat intensiv mit dem Thema auseinander und sprach mit Betroffenen. „Deren tragische Geschichten sind mir echt nahegegangen“, erinnert er sich. Er habe sich nicht vorstellen können, dass es so etwas in der Schweiz überhaupt noch gebe. In der Ratsdebatte im November 2023 berichtete er von einem Mann, der sich im religiösen Wahn und vor lauter Verzweiflung seine Genitalien verstümmelte, weil die Therapie nicht wirkte. Auch im Gespräch im Café Portier erzählt er davon. „Das ist so grauenvoll“, urteilt Heer.

    Auch ich muss leer schlucken.

    Die Krux des Allrounder-Daseins ist, dass Florian Heer heute nicht mehr in der Kommission für Justiz und öffentliche Sicherheit – kurz KJS – sitzt, welche die Gesetzesvorlage zum Verbot von Konversionstherapien im Kanton behandeln wird. „Ich habe in meiner Zeit im Kantonsrat bisher viermal die Kommission gewechselt. Der Nachteil ist, dass ich mich jetzt nicht in der KJS einbringen kann. Dafür bin ich sehr gut vernetzt“, so der Grünen-Politiker.

    Florian Heer scheut sich nicht, die schwierigen Themen anzugehen. Ein Beispiel dafür ist auch sein kürzlich eingereichtes Postulat zu Rassismus in Gesundheitsinstitutionen. Dieses haben die Kantonsrätinnen Mandy Abou Shoak (SP), Gianna Berger (AL) und Kathrin Wydler (Die Mitte) mitunterzeichnet. „Viele Betroffene trauen sich nicht, Rassismus zu melden, haben Angst vor Vergeltung oder wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen“, heisst es im Vorstoss. Der Regierungsrat soll darlegen, wie die Zürcher Gesundheitsinstitutionen mit Rassismus umgehen. Gefragt ist ein Bericht, der unter anderem die Meldeverfahren inklusive Monitoring und die Fortbildungen für Mitarbeitende umfasst.

    „Als kleine Partei ist es nicht einfach, genügend Personen zu mobilisieren, die bei jedem Wetter Unterschriften sammeln wollen“, sagt Florian Heer.

    Das Wattenmeer, natürlich mit dem Zug

    Diese Ernsthaftigkeit, mit der Heer Politik betreibt, will auf den ersten Blick nicht ganz zu seiner sehr fröhlichen und umgänglichen Art passen. Der Politiker, vor seinem Kantonsratsmandat rund ein Jahr im Winterthurer Stadtparlament sass, wirkt sehr nahbar. Die Doppelfunktion als Vizepräsident der kantonalen Grünen und Co-Präsident der Winterthurer Grünen scheint ihn nicht zu belasten. Zumindest lässt er sich nichts davon anmerken. „Ich arbeite schon ziemlich viel, aber die Tätigkeiten lassen sich gut verbinden“, so der Naturfreund. Neben Beruf, Familie und Politik kümmert er sich um den Familienhund, einen Elo, und um seine Honigbienen oder spielt Basketball. „Wir haben auch einen Garten mit vielen Bäumen, die gepflegt werden müssen.“ Wenn er einen handwerklichen Beruf gelernt hätte, wäre es wohl etwas in Richtung Gärtner gewesen.

    Ganz der Vorzeige-Grüne fährt Florian Heer mit dem Nachtzug in die Ferien. Sein Lieblingsferienziel ist dadurch logischerweise nicht New York, sondern Dänemark. „Der Herbst am Wattenmeer ist einfach mega schön“, schwärmt er.

    Der Kantonsrat fragt nach der Uhrzeit. Er muss nochmals eine Stunde in den Sammel-Einsatz für die Solar-Initiative. „Als kleine Partei ist es nicht einfach, genügend Personen zu mobilisieren, die bei jedem Wetter Unterschriften sammeln wollen“, sagt der Politiker. Das sei Knochenarbeit. Darum brauche es jetzt einen Schlussspurt – auch von ihm. Er schwingt sich auf sein Velo und pedalt davon.


  • 1 Minute

    Liebe auf den ersten Blick: Meine Freundin, die KI

    Pascal Turin und Lorenz Steinmann posieren für das Foto auf einem Balkon mitten in der Stadt Zürich. Im Hintergrund sind die Nachbarhäuser zu sehen. Der Balkon ist üppig bepflanzt. Pascal trägt einen Pullover mit einem besonderen Motiv: Ein brennender Cartoon-Müllcontainer, der lächelt. Die Aufschrift lautet: It's fine. I'm fine. Everything is fine.Obwohl KI viele Jobs bedroht, sind sie (noch) guter Laune (v. l.): Die Rathuus-Podcaster Pascal Turin und Lorenz Steinmann sprechen in der neusten Folge über das Thema künstliche Intelligenz. Bild: Stephanie Turin

    Nach dem Smartphone jetzt die KI: Verlernen die Menschen das Denken? In der 18. Folge des Rathuus-Podcasts philosophieren Lorenz Steinmann und Pascal Turin über künstliche Intelligenz und das Vorstosspaket der SP im Kantonsrat zum Thema KI.

    Manche chatten mit ChatGPT alias Chatty die ganze Nacht, sie vertrauen der künstlichen Intelligenz (KI) ihr gesamtes Leben an. Dabei ist die KI ziemlich sicher nicht unsere allerbeste Freundin, denn sie hat keine Gefühle. Sie kann Empathie und Emotionen nur simulieren, aber nicht empfinden. Die vielen KI-Tools, die unser Leben so viel einfacher und effizienter machen sollen, machen in erster Linie die Tech-Giganten noch reicher.

    In der 18. Folge des Rathuus-Podcasts philosophieren Lorenz Steinmann und Pascal Turin über die Risiken von KI, lassen aber auch die Chancen nicht zu kurz kommen. Ausserdem reden sie über das Vorstosspaket der SP im Zürcher Kantonsrat zum Thema KI.

    Eine positive Entwicklung ist das grosse Sprachmodell Apertus, welches von Forschenden aus der Schweiz entwickelt wurde und ebenfalls kurz Thema in der Folge ist. Apertus ist nicht für den persönlichen Gebrauch gedacht, wie etwa ChatGPT von OpenAI, sondern für IT-Fachleute, die das KI-Modell für eigene Anwendungen anpassen möchten. Wer trotzdem einige Funktionen ausprobieren will, kann dies auf der Website des gemeinnützigen Open-Source-Projekts Public AI Inference Utility tun.

    Nach dem Hauptthema widmen sich Lorenz und Pascal weiteren Fragen der Stadtzürcher AL-Gemeinderätin Karen Hug. Lorenz darf zum Beispiel den Stadtrat seiner Träume zusammenstellen. So viel sei verraten: Nur eine Bisherige hat es in seine Stadtzürcher Wunsch-Exekutive geschafft.

    Wie und wo kann man den Podcast hören?

    Der Rathuus-Podcast ist exklusiv für Abonnentinnen und Abonnenten zugänglich. Klicke hier, wenn du mehr zu unseren Abos erfahren möchtest.