Gemäss einem Baugesuch will die Stadt Zürich das legendäre Restaurant Weisse Rose in der Altstadt schliessen. Nach einer Gesamtsanierung des Hauses soll es im Erdgeschoss Gewerberäume, aber kein Restaurant mehr geben. Das Nachsehen haben zwei junge Beizer und das Quartier.
Die „Weisse Rose“ an der Torgasse 9 im Zürcher Oberdorf gilt als „kleinstes Wein- und Bierbeizli Zürichs“. Beliebt ist das Lokal aktuell bei Zürichs hipper Jugend. Seit 2022 führen mit Vasco Gamboni und Manuel Reis zwei junge Gastronomen das 115 Jahre alte Restaurant als „Weisse Rose – welsch seit 2022“. Angeboten werden etwa „Saucisson Vaudois“ und eine Hülle von Chasselas-Weissweinen aus der Waadt. Die Bier- und die Cocktailkarte zeugt von viel Kreativität. Nichts mit Heineken und Sex-on-the-Beach. Es ist ein willkommener Farbtupfer in Zürichs Gastrowelt.
Doch die Gaststätte, die auf eine 115-jährige Geschichte zurückblicken darf, ist keine Goldgrube. Denn sie bietet drinnen lediglich 28 Plätze und im Sommer draussen zusätzliche 24 Sitzgelegenheiten.
Wir schreiben das Jahr 1980: Das Restaurant Weisse Rose an der Torgasse musste damals auf eine Aussenbestuhlung verzichten. Bild: Baugeschichtliches Archiv1951 hat die Stadt Zürich das Haus laut einem Bericht in der Neuen Zürcher Zeitung erworben, das im ersten Steuerverzeichnis von 1357 schon aufgeführt ist. Die Stadt liess das Beizli nach dem Kauf weiterführen und verpachtete es unter anderem Zäzilia Frei und Heidi Hägeli. Ab 1993 wirtete 24 Jahre lang Jan Aerts in der „Weissen Rose“, unterstützt von seinem Lebenspartner Juan Cardozo. Dann folgte 2017 Stefan Wieser (vormals „Stefs Freieck“) – dem wohl die Corona-Krise einen ungewollt frühen Abgang bescherten. Den aktuellen Geranten mit „Weisse Rose – welsch seit 2022“ ist nun aus anderem Grund kein längeres Gastspiel garantiert.
Stadtrat muss noch entscheiden
Laut einem Mitte Juli publizierten Baugesuch hat die Stadt Zürich im Sinn, das Restaurant aufzulösen. „Umnutzung im EG von Gastronomie zu Gewerbe“, heisst dazu in trockenem Amtsdeutsch. Auf Anfrage von Rathuus gibt sich die Stadt bedeckt. „Der Stadtrat hat den Kredit für die Instandsetzung noch nicht genehmigt. Sobald der Entscheid vorliegt, informieren wir die Öffentlichkeit via Medienmitteilung“, so die Antwort der zuständigen Medienstelle von Liegenschaften Stadt Zürich.
So bleiben auch weitere Fragen unbeantwortet. Etwa, was „Zusammenlegung der Wohnungen zu einer Wohneinheit“ bedeutet, wann mit der Sanierung begonnen wird und was das Ganze kosten soll.
Die Dienstabteilung Liegenschaften Stadt Zürich gehört zum Finanzdepartement der Stadt Zürich unter Stadtrat Daniel Leupi (Grüne). Eben machte das Departement Schlagzeilen, weil es faktisch das Ende des Pachtvertrags der Stadt mit der „Pumpstation“ von Gastrounternehmer Michel Péclard bestätigte.
Aus der Zeit gefallen
Vasco Gamboni von der „Weissen Rose“ bedauert das voraussehbare Ende. Er sagt aber auch, dass die Stadt schon 2022 lediglich einen befristeten Mietvertrag abschliessen wollte. Es sei klar gewesen, dass der kleine Gastraum mit kompliziertem Zugang zu den WC-Anlagen den heutigen baulichen Anforderungen nicht mehr entsprechen würde nach einem Umbau – oder nur verbunden mit grossem finanziellem Engagement. Womit wir wieder bei der kleinen Anzahl von Plätzen für die Restaurantgäste wären. Hinzu kommt die neue Regel der Stadt zum Tragen, dass man einen Pachtvertrag nicht mehr auf ewig auf sicher hat. Wer will da schon investieren als Privater, wenn man die Pacht nach zehn Jahren wieder verliert?
Eine weitere Frage ist, wie es nun weitergeht. Erfahrungsgemäss dauert es in der Stadt Zürich mindestens ein Jahr, bis nach einem Baugesuch mit der Bauerei begonnen wird. In besagtem Fall könnte es noch länger dauern, weil Proteste gegen die Schliessung dieses Traditionsbetriebs wohl wie das Amen in der Kirche folgen werden.
Für Vasco Gamboni ist die Situation darum schwierig, weil die Stadt ihm immer wieder kommunizierte, dass es bald zu Ende sei mit dem Vertrag. Die jetzige Gnadenfrist ist darum Fluch und Segen zugleich. Nochmals weitermachen oder nicht, das ist nun die Frage. Für die Gäste wäre natürlich jeder weitere offene Tag ein Gewinn.
Das Wirteduo hat übrigens vorgesorgt. Seit kurzem betreiben Vasco Gamboni und Manuel Reis auch das „Fischstübli“ in Erlenbach.
Die "Weisse Rose" ist heute ein Szenetreffpunkt in der Altstadt. Bild: zvg
Bald ist ausgewirtet an der Torgasse in Zürich. Künftig wird es hier keine Beiz mehr geben. Bild: Lorenz Steinmann
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