Startseite » Alle Beiträge » News » „Kündigen, umbauen, neu und teurer vergeben“: Darum ist Gastronom Michel Péclard sauer

„Kündigen, umbauen, neu und teurer vergeben“: Darum ist Gastronom Michel Péclard sauer

Zu sehen ist eine Nahaufnahme von Michel Péclard. Er schaut ernst in die Kamera. Michel Péclard teilt gegen die Stadt Zürich aus. Er fühlt sich ungerecht behandelt, weil sein Gastro-Flaggschiff, die "Pumpstation", bald neu ausgeschrieben wird. Bild: zvg

Gegenüber Rathuus kritisiert Gastrounternehmer Michel Péclard die Vergabepraxis der Stadt Zürich. Jüngstes Beispiel: Er verliert wohl sein Flaggschiff, die „Pumpstation“ am Utoquai.

Michel Péclard ist das Gesicht der trendigen Gastrowelt in und um Zürich herum. Fast alles, was der umtriebige Unternehmer anfasst, wird zum Triumph. Angefangen hat seine Erfolgsstory 1998 mit der „Pumpstation“ am Utoquai in Zürich. Er küsste ein historisches Technikgebäude der Stadt wach. Der Rest ist Geschichte. Doch nun droht ein abruptes Ende jener Beiz, die dem Péclard-Imperium mit mittlerweile rund 350 Angestellten und mehreren Restaurants sogar den Namen gegeben hat. die Pumpstation Gastro GmbH.

Péclard beantwortete heute Morgen die vor einer Woche von Rathuus gestellten Fragen.

Rathuus hatte auf Anfrage von der Stadt die Info erhalten, dass die Lokalität der „Pumpstation“ in absehbarer Zeit neu ausgeschrieben werde. Auf die Saison 2028 soll es allenfalls mit einem neuen Wirt weitergehen, so die Abteilung Immobilien der Stadt Zürich. Grundsätzlich seien 15 Jahre bei Vermietungen im Gastrobereich genug – so lautet zumindest die Strategie der Verantwortlichen aus dem Finanzdepartement von Stadtrat Daniel Leupi (Grüne).

Péclard sieht seine Chancen als gering an

Kein Wunder, ist Michel Péclard aufgebracht: „Wir sind zutiefst schockiert. Hier hat unsere Firma ihren Ursprung. Hier pumpt unser Herz und unsere Leidenschaft.“ Darum heisse die über 25 Jahre gewachsene Gruppe auch Pumpstation Gastro GmbH. Besonders stossend sei, dass man das Lokal ja „erfunden“ habe. „Vorher war hier ein verwaistes Wasserpumpenhäuschen und sonst nichts. Die Drogenszene hat sich hier nach der Platzspitz-Ära niederlassen wollen und ausgebreitet. Spritzen überall. Wir kamen mit der Idee, hier eine Grillbeiz zu realisieren, zu den Verantwortlichen der Stadt.“

„Man rackert sich ab, investiert und investiert, baut einen ungenutzten Ort zu einem grossen Stück Zürcher Lebensqualität um und erhält zum Dank den ‚Tschuut‘ in den Hintern“, sagt Gastrounternehmer Michel Péclard.

Die Chance, dass die Pumpstation Gastro GmbH die Ausschreibung wieder gewinnen kann, erachtet Michel Péclard als gering. Dabei ruft er in Erinnerung: „Läuft ein Pacht- oder Mietvertrag aus, dann wäre es doch das Normalste der Welt, den bisherigen Pächter zu fragen, ob man den Vertrag neu aushandeln möchte.“

Der Gastrounternehmer ist sehr enttäuscht

Péclard würde interessieren, warum genau die Wirtin der Badi Utoquai die Segel streichen musste. Sogenanntes öffentliches Interesse? Schwammiges Binnenmarktgesetz, auf das man immer wieder verweist? Ein treffendes Beispiel ist laut Péclard zudem das Primitivo am Letten, wo die Betreiber „18 Jahre lang Pionierarbeit geleistet hatten, nach dem Drogenelend den Ort wieder lebenswert machten und dann wird einfach so der Stecker gezogen“. Es kämen dann keine jungen Kreativen dran, sondern eine Gastro-Grösse, ist Péclard überzeugt.

Und er fragt rhetorisch, ob einem Schreinerbetrieb, der in einem von der Stadt vermieteten Gewerbebetrieb – zum Beispiel in der Altstadt – einfach nach 15 Jahren gekündigt und der Mietvertrag neu ausgeschrieben werde „Kaum, oder?“, fügt Péclard an. Was bei anderen Mietern der Stadt undenkbar sei, werde bei Gastro-Betrieben nonchalant angewendet.

Der Gastrounternehmer zeigt sich sehr enttäuscht: „Man rackert sich ab, investiert und investiert, baut einen ungenutzten Ort zu einem grossen Stück Zürcher Lebensqualität um und erhält zum Dank den ‚Tschuut‘ in den Hintern. Macht man das?“ Klar, wenn ein Restaurant oder Laden den Betrieb aufgebe, dann werde neu ausgeschrieben. „Aber bestehende Beizen einfach rauswerfen?“

Zu sehen ist die Beiz "Pumpstation" mit der Menuauswahl an der Wand im vordergrund und dem legendären Grill. Der Blick geht in Richtung Bellevue. Wie es scheint, sind die Tage der "Pumpstation" am Utoquai in Zürich, zumindest mit dem bisherigen Pächter Michel Péclard, gezählt. Bild: Lorenz Steinmann

Private investierten in ihre Betriebe, so auch Péclard 700’000 Franken in die „Pumpstation“ am Utoquai. „So viel ich weiss, will die Stadt die ‚Pumpstation‘ nun umbauen.“ Er frage sich nur, was genau. Péclard fragt sich auch, ob man nach dem Umbau dort überhaupt noch erfolgreich wirten könne. „Wenn umgebaut wird, kann man natürlich das gängige Spiel wie mit den Wohnungen durchziehen. Kündigen, umbauen, neu und teurer vergeben“, kritisiert der Gastrounternehmer.

Der 57-Jährige ist sauer, sehr sauer. Darum verzeiht man ihm auch, dass er nach der Medienanfrage von Rathuus zuerst zum „Blick“ gegangen ist.

Lust auf Austausch?
Unsere Newsletter und unsere Podcast-Folgen auf Steady sind der richtige Ort dafür – kommentiere dort und sag uns, was du denkst:
Zu unseren Steady-Beiträgen

Oder schreib uns eine E-Mail: redaktion@rathuus.ch