Als die Fifa mit immerhin 230 Büroplätzen nach Zürich-Nord zügelte, meinte sie, in Oerlikon gelandet zu sein. Dabei war es Seebach. Und auch das „Oerliker-Huus“ sowie die Brauerei Oerlikon sind in Seebach domiziliert. Nun hat der Quartierverein Seebach eine Plakataktion „gegen die Verwechslungsgefahr“ gestartet.
Die Grenze zwischen Seebach und Oerlikon verläuft verwinkelt und oft unlogisch. So tappten vor zwei Jahren die Fifa mit ihrer Marketing-Abteilung und auch die „Neue Zürcher Zeitung“ in die Geografie-Falle. Der Weltfussballverband verkündete stolz, man habe 230 Arbeitsplätze in Oerlikon geschaffen, und die NZZ übernahm die geografische Verortung – schrieb ebenfalls von Oerlikon. Dabei geht die Quartiergrenze fieserweise genau zwischen dem den SBB gehörenden Andreasturm und dem Bürogebäude daneben an der Andreasstrasse 11 durch. Sprich: Die Fifa ist damals ins weniger mondäne und bekannte Seebach gezügelt.
Weitere prominente Beispiele falscher Verortung betreffen das Gewerbegebäude „Oerlikerhuus“ an der Thurgauerstrasse 74 und grad daneben die Brauerei Oerlikon mit Adresse Thurgauerstrasse 72. Beide haben sich – immerhin bewusst – für das bekanntere Oerlikon im Namen entschieden. Und ja, sogar die Wissenschaft haut manchmal daneben. Denn der „Campus Oerlikon“ der Universität Zürich befindet sich definitiv auf Seebacher Gebiet.
Auch das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) vermeidet den Begriff Seebach, obwohl es dort seinen Hauptsitz des SRF fürs Gebiet Deutschschweiz hat. Entweder heisst es Oerlikon oder dann Leutschenbach, was wiederum lediglich ein Quartiergebiet ist. Fakt ist: Oerlikon zieht als Name, Seebach weniger.
Das mondäne Oerlikon
Kein Wunder. Oerlikon schwingt mit seinem Zentrumscharakter, dem Hallenstadion, der offenen Rennbahn, dem grossen Bahnhof – frequenzmässig immerhin die Nummer 9 der Schweiz – dem Theater 11, aber auch der Waffenschmiede Rheinmetall punkto Kultur und Wirtschaft sicher oben auf in Zürich Nord. Es gibt sogar eine Liebeshymne an diesen Zürcher Stadtkreis. Er wurde 1955 von Tibor Kasics (1904 bis 1986) für das Musical „Nous irons a Oerlikon“ komponiert.
Doch von der Einwohnerzahl und auch von der Anzahl grosser Neubauten her hat Seebach enorm aufgeholt in den letzten zehn Jahren. Gerade das Gebiet Leutschenbach ist kaum mehr wiederzuerkennen. Viele Hochhäuser, durchaus mit spannender Architektur, geben dem Quartier und auch Zürich Nord einen eigenen Charakter.

Der Quartierverein Seebach hat eine originelle Plakatkampagne gestartet. Doch die Stadt Zürich machte nicht wenige Auflagen dazu. Bild: Lorenz Steinmann
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