Jane Bailey sitzt neu für die SVP im Gemeinderat der Stadt Zürich. Im indiskreten Rathuus-Fragebogen erklärt sie, warum sie gerne Unterschriften sammelt und was sie am italienischen Dichter Dante Alighieri so gut findet. Und warum sie sich Sorgen macht, wenn Traditionen immer mehr relativiert werden.
Jane Bailey, wie wurden Sie politisiert?
Die Anzahl der Politiker mit Mandaten, welche von nichts eine Ahnung, aber zu allem eine Meinung haben war sehr inspirierend.
Was wollten Sie als Kind werden?
Archäologin. Nach etwas zu vielen Indiana-Jones-Filmen – sie haben mir damals leider ein leicht verzerrtes Berufsbild vermittelt. Den Gedanken habe ich ganz schnell begraben, als ich erfahren habe, dass Archäologie hauptsächlich aus Sandwühlen und Pinselarbeit besteht.
Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
Mich beschäftigt derzeit vor allem, wie die Schweizer Kultur und Identität schrittweise abmontiert werden. Wie immer passiert so was nicht über Nacht durch radikalen Umbruch, sondern durch viele kleine Veränderungen, die einzeln oft harmlos wirken: Erst gibt es hier und da Ausnahmen und Sonderregelungen, um angebliche Toleranz zu zeigen. Dann werden Traditionen relativiert, dann heisst es plötzlich, gewisse Werte oder Bräuche seien „nicht mehr zeitgemäss“. Danach verändern sich Sprache, Essen, Kleidung, Umgangsformen und der öffentliche Raum, weil man ja so „offen und divers“ sein möchte, bloss gar nie jemanden vor den Kopf stossen wollen. Irgendwann merkt man, dass man sich im eigenen Land plötzlich erklären und anpassen muss, einfache Anstandsregeln nicht mehr gelten und man selbst zum Fremden geworden ist.
„Irgendwann merkt man, dass man sich im eigenen Land plötzlich erklären und anpassen muss, einfache Anstandsregeln nicht mehr gelten und man selbst zum Fremden geworden ist.“
Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
Ich war nie jemand, der Politik als Fanclub verstanden hat, welchen man jederzeit wechseln kann. Das Parteiprogramm fliesst zu 100 Prozent durch meine Adern. Sollte sich im Grundsatz nichts Gravierendes verändern, sind SVP und ich noch viele Jahre zusammen, bis dass der Tod uns scheidet.
Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
Natürlich! Seit meinem Parteibeitritt stehe ich regelmässig auf der Strasse, sammle Unterschriften und suche den direkten Austausch mit den Bürgern. Gerade dieser unmittelbare Kontakt ist für mich unbezahlbar, weil man dort oft ehrlicher und unverfälschter erfährt, was die Menschen tatsächlich beschäftigt und bewegt.
Welche Staatsmänner oder Staatsfrauen halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch?
Vielleicht hatte Max Frisch recht damit, dass Macht und Mo…
Unsere Newsletter und unsere Podcast-Folgen auf Steady sind der richtige Ort dafür – kommentiere dort und sag uns, was du denkst:
Zu unseren Steady-Beiträgen
Oder schreib uns eine E-Mail: redaktion@rathuus.ch