Trülle – so nannte man früher einen Stahlkäfig, in dem Missetäter zur Schau gestellt wurden. Weil so auch ein Haus an der Bahnhofstrasse heisst, will die Stadt Zürich einen namenlosen Platz „Trülle-Platz“ nennen. Der Quartierverein ist entschieden dagegen.
Ist es Unwissen? Oder gar Sadismus? Der Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat kann es jedenfalls nicht fassen: „Einen Platz nach einer mittelalterlichen Foltermethode zu benennen, geht gar nicht.“ Man sei entschieden gegen die Idee.
Tatsächlich schlägt die Strassenbenennungskommission der Stadt Zürich für das bisher namenlose Plätzli bei der Bahnhofstrasse in Richtung Rennweg den Namen „Trülle-Platz“ vor. Dies, weil hier in der Nähe im Mittelalter ein drehbarer Stangenkäfig stand, in den Missetäter (oft Diebe oder Ehebrecher) zur öffentlichen Abschreckung eingesperrt und teils auch gedreht wurden.
Das Haus zur Trülle, jenes auffällige Haus an der Bahnhofstrasse, wo im Parterre ein Swatch-Shop eingemietet ist, trägt heute schon den speziellen Namen. Dort oben hat es pikanterweise eine eher geschmacklose Steinbildhauerei unterhalb des Giebels. Eine Figur in Kinderform ist in so einer Trülle – manchmal auch Drehhäuschen genannt – eingesperrt, zwei Knaben malträtieren das eingesperrte Kind.
Das wäre doch fast wie, wenn das vom Schriftsteller und Architekten Max Frisch gebaute Freibad Letzigraben zum Galgen-Bad umbenannt würde, weil dort einst Menschen gehängt worden sind. Also natürlich nicht in der Badi. Der Galgen befand sich einfach beim heutigen Freibad. Aber lassen wir das.
Dieser kleine Platz Anfang Rennweg und Oetenbachgasse trägt noch keinen Namen. Bild: Lorenz SteinmannAuch in Schwamendingen gab es eine Trülle
Die Stadt Zürich sieht das Ganze recht entspannt, wie einem Schreiben an den Quartierverein zu entnehmen ist. Man wolle im Rahmen des Projekts „Attraktiver Stadtraum City“ den bisher namenlosen Platz beim Herkulesbrunnen – zwischen Bahnhofstrasse, Oetenbachgasse und Rennweg – städtebaulich aufwerten.
Im täglichen Sprachgebrauch würden bereits zwei Bezeichnungen verwendet: „Herkules-Platz“ (nach dem Brunnen) und „Trülle-Platz“ – nach dem historischen „Haus zur Trülle“ an der Bahnhofstrasse 69, sowie der früheren Strafeinrichtung „Trülle“, einem runden Käfig, in dem Personen bei geringfügigen Vergehen öffentlich zur Schau gestellt wurden.
Der Begriff „Trülle“ (schweizerdeutsch für „Drehen“) verweist auf laut der Stadt „eine einzigartige, ortsspezifische Geschichte, die eng mit diesem Ort verbunden ist und einen besonderen l…

Diese eher geschmacklose Steinbildhauerei ziert den Giebel des Hauses zur Trülle an der Bahnhofstrasse. Unser Bild zeigt eine historische Aufnahme. Heute präsentiert sich das Ganze aber unverändert. Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich
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