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Was Zürcher Politikerinnen und Politiker in den Ferien lesen

Stapel mit fünf Buchtipps auf einem Holztisch, im Hintergrund ein Hund auf dem Balkon.Ferien auf Balkonien: Rathuus hat Buchtipps von Zürcher Politikerinnen und Politikern zusammengetragen. Bild: Pascal Turin

Bücher, mit denen man es sich draussen auf dem Balkon oder am Strand gemütlich machen kann: Wir haben Zürcher Kantonsrätinnen und Kantonsräte nach Lesetipps für die Sommerferien gefragt.

Kantonsrätinnen und Kantonsräte müssen im Rahmen ihrer politischen Arbeit enorme Textmengen lesen. Da sind natürlich nicht nur Pulitzer-Preis-verdächtige Erzeugnisse darunter. Aber was soll’s, Job ist Job, Berufung ist Berufung. Wenigstens dürfen die Politikerinnen und Politiker in den nächsten Wochen auf Ferienlektüre ausweichen. Wobei auch da nicht nur leichte Kost gelesen wird, wie unser Artikel zeigt.

Rathuus hat Buchtipps zusammengetragen und dafür bei Zürcher Politikerinnen und Politikern nachgefragt. Und wir wollten wissen, was sich die Politikerinnen und Politiker selbst für die Ferienzeit vorgenommen haben.

Die Auswahl ist vielfältig – wir präsentieren euch Leseempfehlungen von Volksvertreterinnen und Volksvertretern der AL, der EDU, der FDP, der GLP und der SVP.

Los geht es mit einem Buchtipp von Astrid Furrer. Die FDP-Kantonsrätin ist seit ihrer Kindheit und vor allem immer noch eine begeisterte Leserin – trotz der vielen Berichte, die man sich als Politikerin zu Gemüte führen muss. „Ich kenne einige, die daher keine Bücher mehr lesen, doch mir tut es meiner Lesebegeisterung keinen Abbruch“, sagt die Wädenswilerin. Zudem benutze sie keinen E-Book-Reader, sondern geniesse bewusst gedruckte Bücher.

Das Buch "Bretonische Verhältnisse" von Jean-Luc Bannalec auf einem Holztisch.FDP-Kantonsrätin Astrid Furrer empfiehlt die Krimireihe von Jean-Luc Bannalec. Bild: Pascal Turin

Furrers eigene Sommerlektüre wird das Buch „Wirbelsturm“ des britisch-amerikanischen Schriftstellers James Clavell. „Es beginnt inmitten der Iranischen Revolution 1979, als Ayatollah Khomeini die Macht übernimmt“, erklärt die Önologin. Das Buch biete einen hervorragenden Einblick in die Hintergründe und Ursachen der Iranischen Revolution. „Wirbelsturm“ sei zwar Teil einer historischen Serie von James Clavell, die mit „Shogun“ beginne, man könne das Werk aber gut ohne die Vorkenntnisse der vorhergehenden Bücher lesen.

Als Lesetipp empfiehlt Furrer die Bücher von Jean-Luc Bannalec – das ist das Pseudonym des deutschen Literaturwissenschafters Jörg Bong. Die Krimireihe rund um Kommissar Dupin wecke die Lust, in die Bretagne zu reisen.

Echte Freundschaften stehen im Mittelpunkt

Auch Christa Stünzi liest unglaublich gern. „Mich begleitet im Alltag immer ein Buch, ob als E-Book, Hörbuch oder Hardcover“, sagt die GLP-Kantonsrätin. Die Horgenerin empfiehlt „Eine halbe Ewigkeit“ von der deutschen Autorin Ildikó von Kürthy. Der Roman erzähle von Cora Hübsch, die an einem Wendepunkt ihres Lebens den Mut finde, ihrem Herzen zu folgen. „Sie trifft auf Wanda und Ruth und ihre Chaos-Gang“, beschreibt Stünzi die Handlung. Was als schicksalhafte Begegnung beginne, entwickele sich zu einer Geschichte über Freundschaft, Selbstfindung, Liebe und die kleinen Entscheidungen, die ein Leben verändern können.

„Gerade in einer Zeit, in der vieles unsicher und schnelllebig erscheint, finde ich ein Buch, in dem echte Freundschaften und tiefe Begegnungen im Mittelpunkt stehen, besonders wichtig“, so Stünzi. Eine halbe Ewigkeit erinnere daran, wie wichtig Menschen seien, „die uns ehrlich begegnen, uns tragen und den Mut geben, neue Wege zu gehen“. Für sie sei das eine wunderbare Sommerlektüre – warmherzig, lebensnah und voller Figuren, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben würden.

Das Buch "Hallo Boomer, so geniesst du deine Bonus-Jahre" von Roger Schawinski.EDU-Kantonsrat Hans Egli hat sich für die Sommerferien das Buch „Hallo Boomer, so geniesst du deine Bonus-Jahre“ von Medienpionier Roger Schawinski vorgenommen. Bild: Pascal Turin

„Besonders schön war für mich, danach auch ‚Mondscheintarif‘ und ‚Morgen kann kommen‘ zu lesen“, sagt die Juristin. Die Bücher würden die Geschichten von Cora Hübsch beziehungsweise Ruth aus einer anderen Perspektive erzählen und ihnen mehr Tiefe geben. Gerade diese Verknüpfungen hätten sie beeindruckt und gezeigt, mit wie viel Liebe Ildikó von Kürthy ihre Charaktere entwickele.

Stünzi hat einige Bücher auf ihrer persönlichen Juli-Leseliste stehen. Da wären zum Beispiel „Yesteryear“ von Caro Claire Burke, „Als die Welt zum Stillstand kam“ von Gabi Neumayer und „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman. Sie lese bewusst sehr unterschiedliche Genres – von Fantasy über Science-Fiction bis hin zu Gegenwartsliteratur. „Gerade diese Vielfalt macht für mich den Reiz des Lesens aus: Jedes Buch eröffnet eine neue Welt und neue Perspektiven“, sagt Stünzi.

Von Bonus-Jahren bis zum Trauer-Knigge

EDU-Kantonsrat Hans Egli hat sich für die Sommerferien das Buch „Hallo Boomer, so geniesst du deine Bonus-Jahre“ von Medienpionier Roger Schawinski vorgenommen. „Es ist aus meiner Sicht ideal, sich mit gesunder Ernährung, gesunder Lebensweise und gesunder körperlicher Ertüchtigung zu befassen“, sagt der Politiker aus Steinmaur. Daneben werde er das Buch „Auch alte Wunden können heilen“ von Traumatherapeutin Dami Charf lesen.

René Truninger, SVP-Kantonsrat aus Illnau-Effretikon, hat sich „Think and Grow Rich“ des US-amerikanischen Schriftstellers Napoleon Hill für die Ferien bestellt.

Das Buch "Horror-Date" von Sebastian Fitzek auf einem Holztisch.SVP-Kantonsrat Lorenz Habicher schlägt "Horror-Date: Kein Thriller (Obwohl man beim Dating auf viele Psychos trifft)“ von Sebastian Fitzek vor. Bild: Pascal Turin

Parteikollege Lorenz Habicher empfiehlt „Horror-Date: Kein Thriller (Obwohl man beim Dating auf viele Psychos trifft)“ des deutschen Bestsellerautors Sebastian Fitzek. Der SVP-Politiker aus der Stadt Zürich hat für sich Ferienlektüre ausgewählt, die zu seiner Arbeit in der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit passt. Da wäre zum einen „Zwischen Sorge, Hoffnung und Vertrauen: Patienten, Patientinnen, Personal – mehr Sicherheit für alle“ von Historikerin, Pflegefachfrau und alt SP-Kantonsrätin Erika Ziltener und zum anderen der „Sanitas Health Forecast“ der Krankenversicherung Sanitas.

SVP-Kantonsrätin Christina Zurfluh wiederum hat sich keine einfache Lektüre für die Sommerferien vorgenommen. Die Wädenswilerin wird „Der Trauer-Knigge: Für Trauernde und ihre Begleiter:innen“ von Anja Niederhauser und Zita Langenstein lesen.

Ein Fall für Privatdetektivin Vic Warshawski

Das Buch, das die Dübendorfer AL-Kantonsrätin Judith Stofer empfiehlt, stammt aus der Feder der US-amerikanischen Autorin Sara Paretsky und heisst „Landnahme“. Im Zentrum des spannenden Krimis steht die Stadt Chicago. Die Ufermeile des Lake Michigan soll mit einem Strand aufgewertet werden. „Doch im Verlaufe der Geschichte stellt sich heraus, dass einige einflussreiche politische und reiche Kreise sich das Land für ein Butterbrot unter den Nagel reissen wollen“, beschreibt AL-Fraktionspräsidentin Stofer den Buchinhalt. Natürlich würden in diesem Krimi, in dem es um Stadtentwicklung, Gentrifizierung, Reiche, Arme, Randständige, Gier, Rassismus und die Auswirkungen der Politik von Trump gehe, auch die Toten nicht fehlen.“ Sie werden mit einem Holzhammer erschlagen in einem Park aufgefunden“, sagt die Journalistin und Theologin.

Das Buch "Landnahme" von Sara Paretsky auf einem Holztisch.AL-Kantonsrätin Judith Stofer empfiehlt "Landnahme" von Sara Paretsky. Bild: Pascal Turin

Ein Fall für die Privatdetektivin und Anwältin Victoria Warshawski. „Sie gräbt tief und deckt eine Geschichte auf, in der es um das Spannungsfeld von Wirtschaft, Demokratie und Zivilgesellschaft geht. Wem gehört der Boden? Wem gehört die Stadt?“, erklärt Stofer. Fragen, die uns auch in der Stadt und im Kanton Zürich umtreiben würden.

„Sara Paretsky gehört zu den renommiertesten feministischen Krimiautorinnen der USA“, sagt die AL-Politikerin. Sie gehöre zu den Gründerinnen des Autorinnen-Netzwerks „Sisters in Crime“ und habe mit der Privatdetektivin Warshawski eine liebenswerte und doch toughe Protagonistin geschaffen. Paretsky verbinde Spannung mit tiefgründigen Geschichten, die einem bis zum Ende nicht mehr loslassen würden. Sara Paretsky habe mittlerweile mehr als 20 Bände mit Vic Warshawski veröffentlicht. Stofer: „Da ich noch nicht alle gelesen habe, werde ich drei weitere Bände mit auf die Reise im Zug nach Frankreich nehmen.“

Fraktionskollege David Garcia Nuñez schlägt „PNR: La Bella Vita“ der Schriftstellerin und Theaterautorin Sibylle Berg vor. „Der scharfe, unkonventionelle und hochpolitische Abschluss einer Trilogie, der alle Lesenden zum utopischen Denken inspiriert“, so der Stadtzürcher AL-Kantonsrat. Angesichts des hochpolitischen Jahres 2027 mit kantonalen und nationalen Wahlen ist es aus seiner Sicht der richtige Zeitpunkt, an dem sich alle Menschen mit neuen, alten und klassischen politischen Rezepten auseinandersetzen sollten.

Der Arzt hat sich selbst „Beat the Incumbent: Proven Strategies and Tactics to Win Elections“ von Politikberater Louis Perron vorgenommen. „Eine Anleitung, wie man die aktuellen Machthaber bei den nächsten Wahlen schlagen kann“, erklärt Garcia Nuñez. Ideal, um sich als Minderheitspolitikerin beziehungsweise Minderheitspolitiker mit neuen, alten und klassischen politischen Rezepten auseinanderzusetzen.

Das Buch "Oroppa" von Safae El Khannoussi auf einem Holztisch."Oroppa" der niederländischen Schriftstellerin Safae el Khannoussi steht auf der Leseliste der GLP-Kantonsrätin Viviane Kägi. Bild: Pascal Turin

Dieses Buchs setzt sich mit Europa auseinander

Den Abschluss macht Viviane Kägi. Die GLP-Kantonsrätin aus Turbenthal empfiehlt für die Sommerferien alles vom österreichischen Autor Marc Elsberg, insbesondere „Blackout“ oder „Eden“. Seine Bücher seien spannend, sehr gut lesbar und würden gesellschaftlich relevante Fragen rund um Technologie, Politik, Klima und unsere Zukunft aufgreifen. „Damit sind sie ideale Ferienlektüre für alle, die gerne in eine packende Geschichte eintauchen und gleichzeitig etwas zum Nachdenken mitnehmen möchten“, so die Politikerin.

Für die Ferienzeit habe sie sich einerseits wieder ein Buch von Milena Moser vorgenommen, „weil mir ihre Art zu erzählen gefällt“. Andererseits stehe „Oroppa“ der niederländischen Schriftstellerin Safae el Khannoussi auf der Liste der Berufsschullehrerin. Das Buch sei zwar keine klassische Wohlfühllektüre, aber wohl eine vielstimmige Auseinandersetzung mit Europa und Zugehörigkeit.

Nach Regierungsratsbeschlüssen, Sitzungsprotokollen und Vorstössen darf es im Sommer also auch einmal ein Krimi, ein Roman oder ein Wahlkampfratgeber sein. Hauptsache, die Ferienlektüre klingt weniger nach Parlamentsarbeit.

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