Trotz Millionen­subventionen: Kunsthaus-Verwaltung residiert mietfrei in städtischer Villa

Zu sehen ist einer der Salonräume in der Villa Tobler. Es ist ein hoher Raum, es hat Gemälde an den Wänden und die Möbel sehen edel aus. Im Hintergrund ist ein gefäfertes weiteres Zimmer zu sehen.Dieser Raum, der ebenfalls vom Kunsthaus genutzt wird, wirkt ziemlich nobel. Bild: zvg/Kunsthaus Zürich

Das Kunsthaus Zürich will künftig 25,8 Millionen Franken jährlich erhalten – 40 Prozent mehr Subventionen als bisher. Das Ja an der Urne ist so gut wie sicher. Von Bescheidenheit dennoch keine Spur: 50 der gut 130 Arbeitsplätze befinden sich in der Jugendstilvilla Tobler, für die das Kunsthaus der Stadt keine Miete zahlt.

Das Kunsthaus Zürich gehört zur Limmatstadt wie etwa der Zoo. Braucht es mehr Geld, wird selten Kritik laut beziehungsweise werden Kritikerinnen und Kritiker schnell mal als Kulturverächter gebrandmarkt.

Im Ja-Komitee für mehr staatliche Subventionen für Zürichs Tempel der gestalterischen Hochkultur sind von FDP-Gemeinderat Përparim Avdili über Gastrounternehmer Rudi Bindella und Autor Franz Hohler bis zu SP-Gemeinderätin Liv Mahrer Menschen verschiedener politischer Richtungen versammelt. Sie alle werben für die Subventionserhöhung von jährlich 7,3 Millionen Franken auf neu 25,8 Millionen. Damit sollen etwa die Schulden getilgt werden, die sich seit der Eröffnung des Chipperfield-Neubaus vor fünf Jahren angehäuft haben. Der grosse Rest der Volksmillionen wird aber für Unterhalt und den Betrieb der Ausstellungsräume verwendet.

Aber warum braucht das Museum denn so viel mehr Geld?

Das Kunsthaus-Management, damals noch unter Direktor Christoph Becker, betonte stets, mit dem Neubau gebe es nicht mehr Ausgaben, sondern im Gegenteil mehr Einnahmen. Negativbeispiele wie jene in Basel, wo die Kosten vor allem wegen viel mehr Personal aus dem Ruder liefen, wurden ignoriert.

Doch es kam anders. Nun kostet auch in Zürich alles massiv mehr als zuerst zugegeben.

Die Verwaltung hatte keinen Platz im Neubau

Speziell aber ist, dass im Neubau von Stararchitekt David Chipperfield kein einziges Verwaltungsbüro vorgesehen war. Warum das? Lieber blieb die Direktion dort, wo man sich ab dem Jahr 2000 wohlig eingerichtet hat. In einer noblen Villa in Sichtweite des Kunsthauses mit getäferten Einzelbüros und Balkonen mit Sicht über die Stadt.

„Die Villa Tobler entführt ihre Gäste in die elegante Welt des Jugendstils. Zwischen Kunsthaus und Altstadt gelegen, ist die Bel Étage dieser historischen Villa eine stille Oase mitten in Zürich“, schreibt das Kunsthaus dazu auf der Website. Die Villa Tobler an der Winkelwiese 4 sei von 1998 bis 2000 „als neuer Sitz der Direktion und zu Repräsentationszwecken denkmalpflegerisch renoviert worden“, heisst es auf der Kunsthaus-Website weiter.

Zu sehen ist die Direktorin des Kunsthauses, Ann Demeester. Sie stützt sich auf ein Betongeländer. Sie hat lange blonde Haare und ein grün/schwarz gestreiftes Kleid an.Ann Demeester ist die Direktorin des Kunsthauses. Sie hat einiges bewegt punkto neuer Ausstellungen. Doch ihr Lohn von über 300'000 Franken jährlich wird kritisiert. Bild: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich

Nun dient der Ort als Arbeitsort für rund 50 Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen des Kunsthauses inklusive Kunsthaus-Direktorin Ann Demeester, wie Mediensprecherin Priska Amstutz bestätigt. Die weiteren rund 80 Arbeitsplätze verteilten sich auf die Gebäude am Heimplatz. „Für die Villa Tobler wird keine Miete entrichtet“, führt Amstutz weiter aus. Die Villa Tobler sei 1996 von der Stadt Zürich im Baurecht für 100 Jahre an die Stiftung Zürcher Kunsthaus abgegeben worden.

„Hintergrund waren die damals anstehende Sanierung der Bestandsbauten am Heimplatz und der bereits bestehende Mangel an Büro- und Verwaltungsflächen“, so Amstutz weiter. Für sie ist zudem klar: „Trotz der Bezeichnung ‚Villa‘ handelt es sich nicht um luxuriöse Büroräumlichkeiten; das denkmalgeschützte historische Gebäude weist insbesondere hinsichtlich Raumaufteilung, energetischem Standard und Raumkomfort diverse Einschränkungen auf.“

Die Villa kann man für Events mieten

Ganz so schlicht scheinen die Räumlichkeiten dann aber doch nicht zu sein. So findet man etwa folgende Vermietbroschüre auf der Kunsthaus-Website: „Die Villa Tobler entführt Ihre Gäste in die elegante Welt des Jugendstils.“ Auf anderen Vermietplattformen heisst es sinngemäs, die exklusive Bel Étage bestehe aus fünf miteinander verbundenen Räumen, welche vielfältige Nutzungen ermöglichen würden: von Empfängen über Apéros, Lesungen bis hin zu exklusiven Banketten. Der Preis: ab 6000 Franken pro Event.

Das zeigt, wie lukrativ die Vermietung des Gebäudes im freien Markt wäre und was so der Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern entgeht. Doch lieber überliess die Stadt das Traumgebäude dem Kunsthaus, respektive der Zürcher Kunstgesellschaft, dem Trägerverein des Kunsthauses. Dass die Stadt dem Kunsthaus das Gebäude ganz gratis überliess, schien den Verantwortlichen dann doch nicht ganz geheuer. Es falle ein Baurechtszins von etwas über 2000 Franken pro Monat an, heisst es auf Anfrage von Rathuus. Üblicherweise passiert so etwas, wenn auf einem Grundstück gebaut wird, wie das etwa Baugenossenschaften praktizieren. Beim Kunsthaus-Deal bleibt nur das Staunen über diesen eher symbolischen Beitrag.

Der 100-jährige Vertrag

Von einem Umzug in die eigenen Gebäude will Priska Amstutz nichts wissen, obwohl gerade die Kunsthaus-Ergänzungen von 1958 (Gebrüder Pfister) und Erwin Müller (1976) viel Nutzungspotenzial aufweisen würden. „Die vorhandenen Büroflächen in den Museumsgebäuden am Heimplatz sind vollständig belegt, sodass die in der Villa Tobler untergebrachten Arbeitsplätze derzeit nicht dorthin verlegt werden können“, sagt die Mediensprecherin. Hinzu komme, dass der 1996 mit der Stadt Zürich für 100 Jahre abgeschlossene Baurechtsvertrag bis 2096 laufe „und keine ordentliche Kündigungsmöglichkeit vorsieht“. Die Stiftung könne das Vertragsverhältnis daher nicht einseitig beenden und die Liegenschaft nicht ohne Weiteres aufgeben.

Zu sehen ist die Villa Tobler von aussen. Es ist ein prächtiger, alleinstehender Bau mit Türmchen und Balkonen.Hier in dieser Jugendstilvilla – der Villa Tobler in der Nähe des alten Kunsthaus-Gebäudes – arbeiten 50 Mitarbeitende des Kunsthauses, darunter auch die Direktion. Bild: Lorenz Steinmann

Von solchen Langfristverträgen können Gastrounternehmerinnen und Gewerbler in Zürich nur träumen.

Als der Deal mit dem Kunsthaus in den 1990er Jahren eingefädelt wurde, war übrigens Willy Küng (CVP) Chef des zuständigen Finanzdepartements der Stadt Zürich. Für einmal kann man solch lockeren Umgang mit Staatsmitteln also weder alt FDP-Stadtrat Martin Vollenwyder, Vorsteher 2002 bis 2013, noch Grünen-Stadtrat Daniel Leupi, Vorsteher seit 2013, in die Schuhe schieben.

Die Stadtzürcher Abstimmung über die Erhöhung der Kunsthaus-Subventionen ist am 27. September 2026 angesetzt.

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