Ihr Zuhause ist der Hof Heurüti, ihre grosse Leidenschaft sind Pferde: Ruth Büchi-Vögeli ist in der SVP und amtet als Gemeindepräsidentin von Elgg sowie als Kantonsrätin. Die Bäuerin setzt sich für den Erhalt von gutem Ackerland und für den Abbau von Bürokratie ein.
Das Gemeindehaus von Elgg im Kanton Zürich könnte repräsentativer gar nicht sein. Das ehemalige Primarschulhaus aus dem Jahr 1890 wurde 2007 umgebaut und dient nun als Sitz der Verwaltung. Auf der Website der Gemeinde ist das Gebäude als eine von diversen Sehenswürdigkeiten gelistet. Elgg ist eines der sechs historischen Zürcher Landstädtchen. Die anderen fünf Landstädtchen sind laut einem Artikel der „Elgger/Aadorfer Zeitung“ Bülach, Eglisau, Greifensee, Grüningen und Regensberg.
Doch zurück nach Elgg. Im beschaulichen Ort östlich von Winterthur mit 5157 Einwohnerinnen und Einwohnern amtet die SVP-Politikerin Ruth Büchi-Vögeli als Gemeindepräsidentin.
Bauernhof an Sohn übergeben
„Ich habe 1999 erstmals für den Kantonsrat kandidiert“, sagt Büchi-Vögeli und fügt mit einem Lächeln an: „Ich bin dann aber zum Glück nicht gewählt worden.“ Sie sei während des Wahlkampfs mit dem dritten Kind schwanger geworden und „dann hätte ich ein Problem gehabt“. Die Bäuerin hat vier Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne. Im Frühjahr 2019 und 2023 trat sie erneut an, schaffte den Einzug ins Parlament aber nicht. Seit Dezember 2023 sitzt sie jetzt im Kantonsrat. Die Elggerin ist damals für Martin Hübscher aus Bertschikon nachgerutscht.
Aufgewachsen ist die Kantonsrätin auf landwirtschaftlichen Pachtbetrieben in Hinwil und Mönchaltorf, ihre Eltern waren ebenfalls Bauern. Dort ging sie auch in die Primar- und Sekundarschule. Nach Abschluss des Gymnasiums besuchte sie zuerst die Bäuerinnenschule in Wülflingen, einem Stadtteil von Winterthur. Danach studierte sie an der ETH Zürich Agrarwissenschaften.
Seit über 25 Jahren lebt die Kantonsrätin nun auf dem Hof Heurüti in Elgg, mit rund 30 Hektaren Land und 8,5 Hektaren Wald. Die Fläche ist etwa 24-mal so gross wie der Sechseläutenplatz in der Stadt Zürich. Viele Jahre führte sie den Bauernhof gemeinsam mit ihrem Mann. 2021 übergaben sie den Milchwirtschaftsbetrieb mit etwa 30 Kühen (Braunvieh) an ihren Sohn Jörg Büchi. Dieser erlangte schweizweit Bekanntheit, als er schonungslos offen in der „Sonntagszeitung“ von der prekären Einkommenssituation in der Schweizer Landwirtschaft berichtete.
Ruth Büchi-Vögeli wohnt mit ihrem Mann immer noch auf dem Bauernhof. Der Sohn bewohnt nun mit seiner Frau den unteren Stock des Elternhauses. Die ETH-Agronomin hilft manchmal im Stall aus und ist für die Pflege ihrer zwei Freiberger verantwortlich. Sie liebt Pferde und war 17 Jahre Geschäftsführerin der Zürcher Pferdezuchtgenossenschaft. „Ich habe schon als Mädchen von einem Pferd geträumt.“ Doch erst als Büchi-Vögeli etwa 20 Jahre alt war, hat sie zusammen mit ihrer Mutter ein Pferd gekauft. So hat sie sich diesen Traum also selbst erfüllt.
Mit Fakten Gehör verschaffen
Die „Bauernzeitung“ bezeichnete die Elggerin einst als „stille Schafferin“, die sich aber mit „gut belegten Fakten“ Gehör verschaffen könne. Offensichtlich ist, dass es ihr wichtig ist, sich gut über die Themen zu informieren, mit denen sie sich im politischen Alltag beschäftigen muss. Im Gespräch erklärt sie zum Beispiel mal eben und auch für Laien verständlich den Fachausdruck Gewässerraumausscheidung. Der Begriff bedeutet, dass ein bestimmter Bereich entlang von Flüssen und Bächen freigehalten wird, damit das Wasser genug Platz hat und Lebensräume für Tiere und Pflanzen erhalten bleiben.
Und sie erzählt, dass ihr der Erhalt von Fruchtfolgeflächen, das sind Böden, die für Ackerbau geeignet sind, besonders wichtig ist. „Bei Interessenabwägungen, etwa bei der Ausscheidung von Gewässerraum oder beim Bau von Radwegen, gehen die Fruchtfolgeflächen aber oft vergessen. Damit geht bestes Ackerland verloren“, bedauert Büchi-Vögeli. Die Elgger SVP-Gemeindepräsidentin will sich darum auf kantonaler Ebene für den Erhalt der Fruchtfolgeflächen einsetzen.
Ochsentour durch Lokalpolitik
Auch wenn dieser Ausdruck bei einer Landwirtin besonders abgedroschen klingt, gleicht ihre politische Karriere einer typischen Ochsentour. So war sie Mitglied der Flur-, Forst- und Landwirtschaftskommission Gemeinde Elgg und Mitglied der Primarschulpflege der damals eigenständigen Gemeinde Hofstetten ZH (gehört heute zu Elgg). Dann wurde sie Gemeinderätin und stand dem Ressort Gesundheit, Sport, Freizeit und Kultur vor. Seit dem Frühjahr 2022 ist sie Gemeindepräsidentin von Elgg.
Der Arbeitsaufwand als Kantonsrätin entspricht laut Büchi-Vögeli ungefähr einem 30-Prozent-Pensum, derjenige der Gemeindepräsidentin in Elgg etwa einem 35-Prozent-Pensum. Ihren Job macht sie sehr gern. „Ich habe sehr viel gelernt, seit ich politisch tätig bin“, sagt die Politikerin.
Ruth Büchi-Vögeli wirbt im Kantonsrat für mehr Verständnis für die Anliegen von Landwirtinnen und Landwirten. Bild: Pascal TurinNaturschutz ja, aber weniger Bürokratie
In die SVP eingetreten ist Ruth Büchi-Vögeli „von berufs wegen“, wie sie sagt. Die Grünen waren aus ihrer Sicht damals keine Option und wären es auch heute nicht. „Die Grünen sind für mich einfach zu extrem“, sagt die Bäuerin. Zu viele Vorschriften von Linksgrün würden den Bäuerinnen und Bauern die Arbeit erschweren.
Sie nennt als Beispiel die Schnittzeitpunkte von artenreichen Ökowiesen. Dabei handelt es sich um Termine, ab wann Wiesen gemäht werden dürfen. Diese Schnittzeitpunkte sind aus ihrer Sicht unflexibel und würden keine Rücksicht auf die Vegetation oder das Wetter nehmen. „Aber dafür werden mit einheitlichen Schnittzeitpunkten natürlich die Kontrollen durch die Behörden erleichtert“, sagt Büchi-Vögeli. Doch genau diese Bürokratie ist ihr ein Dorn im Auge.
Die Kantonsrätin sagt, ihr seien eine nachhaltig produzierende Landwirtschaft mit zurückhaltendem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wichtig, aber genauso die Ernährungssicherheit. „Wir müssen in der Schweiz sicherstellen, dass wir unsere Bevölkerung mit hier hergestellten Lebensmitteln ernähren können.“
Mangelndes Verständnis der Bevölkerung
Manchmal habe sie das Gefühl, viele Schweizerinnen und Schweizer hätten wenig Verständnis für die Landwirtschaft, obwohl Bäuerinnen und Bauern sieben Tage die Woche auf ihren Höfen schuften würden. „Wir geben uns Mühe, wir haben Biodiversitätsflächen, aber das wird irgendwie nicht wahrgenommen“, so Büchi-Vögeli. „Die Burnout-Rate ist sehr hoch und dieses dauernde ‚Bauern-Bashing‘ macht die Situation nicht einfacher.“
In der Politik wirbt sie darum für mehr Verständnis für die Anliegen der Landwirtinnen und Landwirte. Diese Arbeit möchte sie in den nächsten Jahren fortsetzen. Bei den Erneuerungswahlen des kantonalen Parlaments im Jahr 2027 will Ruth Büchi-Vögeli wieder antreten.

Ruth Büchi-Vögeli (62) ist ETH-Agronomin und Gemeindepräsidentin von Elgg. Die SVP-Kantonsrätin setzt sich für Ernährungssicherheit mit gesunden und regionalen Produkten ein. Bild: Pascal Turin
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