SP-Kantonsrätin Monika Wicki ist wegen ihrer vielen Funktionen eine wichtige Instanz in Zürich Nord. Im Rathuus-Fragebogen erzählt die Politikerin von ihrem persönlichen Polit-Erfolg, spricht von einem prägenden Erlebnis im Jahr 1985 und zeigt auf, wie sie Friedenspolitik mit Genuss verbindet.
Monika Wicki, wie wurden Sie politisiert?
1985 wurde durch die Schulsynode im Kanton Zürich der Hungerfranken eingeführt. Es ging damals darum, die schreckliche Hungersnot in Angola zu lindern. Ich war für das Sammeln an meinem Gymnasium zuständig. Diese Aktion hat mir gezeigt, man kann etwas Konkretes tun.
Was wollten Sie als Kind werden?
Zuerst Polizistin, dann Schriftstellerin, dann Journalistin, dann Landwirtin, dann Sozialpädagogin.
Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
Das schwindende Vertrauen der Bevölkerung in unsere demokratischen Institutionen. Die Kriege nah und fern. Der Wind, der der Inklusion entgegenbläst.
„Ich bin recht spät, erst im Alter von 35 Jahren, der SP beigetreten.“
Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
Ich bin recht spät, erst im Alter von 35 Jahren, der SP beigetreten. Somit war das ein wohlüberlegter Entscheid.
Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
Aber sicher, Tausende.
Welche Staatsmännermenschen halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch?
Clara Zetkin (eine deutsche sozialistisch-kommunistische Politikerin, Anm. d. Red.), Jean Ziegler, Ruth Dreifuss … Sie sind mir ein Vorbild mit ihren ethischen Werten und in ihrem beständigen Engagement.
Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken?
Oh, ich bin offen für alle.
„Mit meinen Vorstössen im Kantonsrat ist es mir gelungen, eine nachhaltige Geburtshilfe im Kanton Zürich zu etablieren. Seit mehreren Jahren nun gibt es die Leistungsgruppe Hebammengeleitete Geburtshilfe im Spital.“
Was ist Ihr Lieblingsrestaurant in der Stadt oder im Kanton Zürich?
Didi’s Frieden. Wir haben wandernd alle Restaurants mit Frieden im Namen in der Schweiz besucht, dort gegessen und getrunken und einen Bericht auf www.im-frieden-essen.ch geschrieben. Didi’s Frieden war das Zürcher Highlight.
Kaufen Sie das „Surprise“ und lesen Sie es auch?
Leider nein. Ich habe immer viel zu viel zum Lesen, sodass ich kaum dazu komme, mir freiwillige Lektüre zu Gemüte zu führen.
Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht?
Heute war ich noch nicht schwimmen.
Wer ist für Sie der oder die bedeutendste Zürcherin?
Alle, die sich für unsere Demokratie und für den Frieden einsetzen.
Sex ohne Liebe, was halten Sie davon?
Jedem das Seine.
„Ich arbeite im Bildungswesen und ich politisiere im Bildungswesen. Manchmal muss man sehr aufpassen, dass man nicht in Interessenskonflikte gerät.“
Was war Ihr grösster politischer Erfolg?
Im Rahmen der Revision des Kinder- und Jugendheimgesetzes im Kanton Zürich konnte ich Mehrheiten für mir wichtige Anliegen gewinnen. So wurde beispielsweise erreicht, dass der Kanton nicht einfach Heilpädagogische Früherziehung streichen kann, wenn die Finanzen knapp werden. Zudem ist es mir mit meinen Vorstössen im Rat gelungen, eine nachhaltige Geburtshilfe im Kanton Zürich zu etablieren. Seit mehreren Jahren nun gibt es die Leistungsgruppe „Hebammengeleitete Geburtshilfe im Spital“. Dies sichert eine evidenzbasierte, effektive, familienorientierte und kostengünstige Geburtshilfe im ganzen Kanton Zürich.
Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas?
Ich arbeite im Bildungswesen und ich politisiere im Bildungswesen. Manchmal muss man sehr aufpassen, dass man nicht in Interessenskonflikte gerät.
Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard?
Mir gefällt das Rathaus Hard insofern, als wir da genügend Platz haben. Das historische Rathaus ist zwar geschichtsträchtig, es braucht aber einen gehörigen Umbau, damit es in der heutigen Zeit noch als Rathaus genutzt werden kann. Und ohne diesen Umbau möchte ich nicht ins alte Rathaus zurück.
Portobello-Burger oder Poulet-Kebab?
Vegan.
„Lachen kann ich über Wortspielereien, humorvolle Geschichten, tiefgründiger Witz und fantasievolle Reisen ins Absurde.“
Taylor Swift oder Beatrice Egli?
Simon und Jan (ein 2006 gegründetes Liedermacher-Duo, bestehend aus Simon Eickhoff und Jan Traphan, Anm. d. Red.).
Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy?
Ein schöner Frühlingswald mit Bärlauch.
Worauf freuen Sie sich?
Ich freue mich auf so vieles: auf das Aufwachen am Morgen, auf den Spaziergang mit dem Hund, auf das Gärtnern, auf die Familie, das Velofahren, auf politische Debatten und spannende Anlässe, auf gute Ideen und herausfordernde Projekte, auf die Arbeit, auf interessante Gespräche und aufs Schwimmen.
Und worüber können Sie lachen?
Wortspielereien, humorvolle Geschichten, tiefgründiger Witz und fantasievolle Reisen ins Absurde.
Monika Wicki aus Oerlikon ist 57 Jahre alt und seit 2014 SP- Kantonsrätin. Von 2014 bis 2023 war sie Mitglied der Kommission für Bildung und Kultur. Seit Mai 2023 ist Wicki Angehörige der Geschäftsleitung des Kantonsrates und seit Mai 2025 die zweite Vizepräsidentin des Kantonsrats.
Ihre politischen Ziele umschreibt sie so: „Zürich Nord gehört zu den am schnellsten wachsenden Gebieten im ganzen Kanton. Dieses enorme Wachstum führt zu einem grossen Druck auf die Mieten und die Infrastruktur. Eine weitere Herausforderung ist der Fachkräftemangel, der im Bildungs- und Gesundheitswesen fatale Auswirkungen hat. Damit der Kanton Zürich lebenswert bleibt, braucht es eine vorausschauende, zukunftsweisende und umsichtige Politik.“
Aufgewachsen ist Monika Wicki in Regensdorf und in Dielsdorf. Nach der Matura lernte sie Landwirtin und arbeitete eine Zeitlang auch in diesem Beruf. Danach studierte sie an der Universität Zürich Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie. 2008 schrieb sie ihre Dissertation über den Wandel von Vorstellungen über Kindheit, Jugend und Generationsbeziehungen.
Seit 2010 ist Wicki an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich tätig. Zuerst als wissenschaftliche Mitarbeiterin, dann als Dozentin. Seit 2019 ist sie Professorin zum Thema Steuerung und Organisation heilpädagogischer Angebote. Auch im Berufsfeld ist Monika Wicki ehrenamtlich engagiert. So ist sie seit April 2025 Co-Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Lehrerinnen und Lehrerbildung.

Monika Wicki (57) ist SP-Kantonsrätin, Präsidentin des Quartiervereins Oerlikon und sie hat mit einer Gruppe von Freunden die Website www.im-frieden-essen.ch gestaltet. Bild: zvg
Unsere Newsletter und unsere Podcast-Folgen auf Steady sind der richtige Ort dafür – kommentiere dort und sag uns, was du denkst:
Zu unseren Steady-Beiträgen
Oder schreib uns eine E-Mail: redaktion@rathuus.ch