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Arbeit nach 65 soll sich auszahlen

Altes Foto einer Seniorenausstellung mit Besucherinnen und Besuchern an einem Stand des Magazins „50plus“.Life is for living oder was man halt so tut, wenn man älter ist: 1983 fand eine Seniorenmesse in Zürich statt, an der man offenbar das Magazin 50plus abonnieren konnte. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_LC2050-002-008

Länger arbeiten lohnt sich finanziell nicht in jedem Fall. Drei Zürcher Kantonsräte fordern darum einen Steuerabzug für Seniorinnen und Senioren. Aber es braucht auch ein Umdenken bei den Firmen, damit ältere Arbeitskräfte weiterbeschäftigt werden.

Wie heisst es doch im legendären Lied von Komiker Peach Weber: „Sun, fun and nothing to do.“ So stellt man sich also die Pensionierung vor. Pünktlich mit dem 65. Geburtstag werden Herr und Frau Schweizer fröhlich von ihren Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen verabschiedet und in den wohlverdienten Ruhestand entlassen. Vielleicht gibt es eine Wanduhr zum Abschiedsfest, einen Gutschein von Baumeler Reisen oder einen von Transa. Im letzten Lebensabschnitt widmet man sich dann dem eigenen Garten, langen Wanderungen und erfüllt sich den einen oder anderen langersehnten Reisewunsch. Alle sind happy und die frei werdenden Stellen werden durch junge Fachkräfte im besten Alter besetzt.

Aber die Realität ist eine andere. Die Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel – doch das Know-how wird in die Pensionierung geschickt. Und viele ältere Schweizerinnen und Schweizer möchten auch nach 65 am Ball bleiben, zumindest in körperlich weniger anspruchsvollen Berufen. Kein Wunder, stösst unser starres Rentensystem auf Kritik, etwa in der Streitschrift „Schafft die Pensionierung ab“ von Felix E. Müller, über die wir Ende 2025 berichtet haben.

Donato Scognamiglio hat kürzlich Motion eingereicht

Ältere Mitarbeitende sind für die Unternehmen von hohem Wert. Dies zeigt eine Studie im Auftrag des Verbands Focus50plus. Hinter dem Verein stehen der Schweizerische Arbeitgeberverband und der Schweizerische Gewerbeverband. Zu den Erkenntnissen der Studie gehört, dass es deutlich Luft nach oben gibt, wenn es darum geht, Menschen über das Pensionsalter hinaus anzustellen beziehungsweise weiterzubeschäftigen. Oder wie es der „Tages-Anzeiger“ schreibt: „Tatsächlich beschäftigt nur eine Minderheit der hiesigen Firmen Angestellte über das gesetzliche Referenzalter hinaus.“ Deutlich verbreiteter seien Frühpensionierungen.

Das Thema Arbeiten nach der Pensionierung ist auch gerade im Kantonsrat aktuell. EVP-Kantonsrat Donato Scognamiglio hat gemeinsam mit SVP-Kantonsrat Tobias Weidmann und FDP-Kantonsrat Michael Biber eine Motion eingereicht, die dafür sorgen könnte, dass sich länger arbeiten mehr lohnt. Die Politiker fordern einen besonderen Steuerabzug für Lohn aus unselbstständiger und selbstständiger Arbeit, der nach dem Erreichen des Pensionsalters erzielt wird. Der Grund: „Zusätzliche Einkommen werden zusammen mit Rentenleistungen ordentlich besteuert, was die effektive Mehrbelastung erhöht und die Weiterarbeit finanziell unattraktiv macht“, heisst es im Vorstoss.

Die Politiker wollen jene steuerlich besser stellen, die über das ordentliche Rentenalter hinaus arbeiten. Gemäss Scognamiglio, Weidmann und Biber wird damit kein neues System geschaffen, sondern ein bestehender Fehlanreiz korrigiert. „Ein besonderer Steuerabzug auf Erwerbseinkommen nach Erreichen des Rentenalters stärkt gezielt die Erwerbsbeteiligung erfahrener Arbeitskräfte“, schreiben die Kantonsräte. Dies entlaste den Arbeitsmarkt, erhöhe die Wertschöpfung und führe letztlich auch zu zusätzlichen Steuereinnahmen.

„Ein älterer Mitarbeitender ist für den Arbeitgeber teurer als ein jüngerer. Hier lohnt es sich, bestehende Fehlanreize kritisch zu hinterfragen“, sagt EVP-Kantonsrat Donato Scognamiglio.

Lohnnebenkosten sind für Unternehmen ein Problem

Für Donato Scognamiglio ist klar, dass der Steuerabzug nur ein Puzzleteil ist. Aus seiner Sicht geht es um die viel grundlegendere Frage, wie wir in Zukunft mit dem demografischen Wandel umgehen wollen. „In den nächsten Jahren werden die geburtenstarken Babyboomer pensioniert“, sagt der EVP-Politiker, der 2027 für den Regierungsrat kandidiert, auf Anfrage. Gleichzeitig kämen deutlich weniger junge Menschen ins Erwerbsleben. Man werde deshalb nicht darum herumkommen, ehrlich über die Möglichkeiten zu diskutieren. „Im Wesentlichen gibt es vier: Wir arbeiten länger, wir akzeptieren, dass gewisse Leistungen reduziert werden müssen, wir setzen stärker auf Zuwanderung oder wir schaffen Rahmenbedingungen, damit wieder mehr Kinder geboren werden“, führt der Kantonsrat aus. Wahrscheinlich werde es eine Kombination davon brauchen.

Die Studie des Verbands Focus50plus zeigt zudem auf, dass für einige Unternehmen auch die Lohnnebenkosten ein Hinderungsgrund sind, ältere Arbeitskräfte einzustellen oder weiterzubeschäftigen.

Scognamiglio macht ein einfaches Beispiel: Ein Arbeitgeber, der jemandem 100’000 Franken Lohn bezahlt, muss zusätzlich rasch 15’000 bis 20’000 Franken an Sozialabgaben und Versicherungen übernehmen. Ausserdem steigen mit zunehmendem Alter die Pensionskassenbeiträge deutlich an. „Das bedeutet: Ein älterer Mitarbeitender ist für den Arbeitgeber teurer als ein jüngerer. Hier lohnt es sich, bestehende Fehlanreize kritisch zu hinterfragen“, erklärt der Immobilienexperte.

Seine Motion beschränke sich bewusst auf einen Abzug im Steuerrecht, weil der Kanton Zürich dort selber handeln könne.

Niemand soll zum Weiterarbeiten gedrängt werden

Doch vor allem im Gesundheitswesen oder auf dem Bau, wo laut dem Personaldienstleister Adecco der grösste Fachkräftemangel herrscht, möchte noch lange nicht jede oder jeder nach weiterarbeiten. „Gerade in körperlich anspruchsvollen Berufen ist ein längeres Arbeiten oft gar nicht realistisch. Und niemand soll dazu gedrängt werden“, sagt Scognamiglio. Aber darum gehe es auch nicht. Es gehe um jene Menschen, die gerne noch ein oder zwei Tage pro Woche arbeiten würden. „Davon gibt es viele“, ist der EVPler überzeugt. Sie möchten ihr Wissen weitergeben, den Kontakt zum Beruf behalten oder einfach weiterhin etwas Sinnvolles leisten.

Er frage sich manchmal schon: „Warum schicken wir Menschen genau dann in den Ruhestand, wenn sie über den grössten Erfahrungsschatz ihres Berufslebens verfügen?“ Wer freiwillig länger arbeiten möchte, solle nicht ausgebremst, sondern unterstützt werden. Das nütze den Unternehmen, den jüngeren Mitarbeitenden und letztlich der ganzen Volkswirtschaft.

„Sun, fun and nothing to do“ bleibt für viele ein schöner Plan. Aber wer nach 65 lieber noch mit einem Fuss im Erwerbsleben bleiben will, sollte steuerlich nicht dafür bestraft werden.

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