Der Imbiss Riviera gehört seit 44 Jahren zum Limmatufer wie der Flohmarkt auf den Bürkliplatz. Jetzt muss die Pächterfamilie aber definitiv einen neuen Standort suchen. Die Stadt Zürich hat das letzte Ultimatum zur Schliessung auf Ende September angesetzt.
Was ist nur los in der Stadt Zürich? Städtische Wohnungen werden per Zufallsgenerator vorselektioniert, Gebühren für Quartierfeste werden anhoben, die Hitzeminderung bei Tiefbauprojekten aber wird auf die lange Bank geschoben. Dafür zieht die Stadt bei Gastrothemen andere Saiten auf.
Michel Péclard verliert auf 2028 seine Pacht für die „Pumpstation am See“, obwohl er damit für viel mehr Lebensqualität sorgt. Und die beiden Imbiss-Stände rund ums Bellevue müssen definitiv verschwinden. Ende September ist Schluss.
Seit 1963, respektive 1982
Dabei haben die beiden Betriebe Jahrzehntelang für einen besonderen Groove gesorgt. Das Bistro & Grill am See wurde 1963 gegründet, der Imbiss Riviera 1982. Die zwei Familienbetriebe, die heute von Jolanda Greuter, respektive von Gesualda Prati geführt werden, verfügten über befristete Mietverträge, welche die Stadt jeweils verlängerte.
Die Imbissstände bildeten wichtige Begegnungsräume am See, andere Städte würden sich um solche Orte reissen, ist etwa Gastroexperte und alt FDP-Gemeinderat Flurin Capaul überzeugt. „Nur Zürich möchte sie weghaben.“
Gemäss der Stadt sind die Imbissstände heute nicht mehr bewilligungsfähig. Es gebe keine rechtliche Grundlage für eine Fortführung, führte der Stadtrat mehrfach aus. Beide Stände befinden sich in einer so genannten Freihaltezone. Bauten in solchen brauchen eine Ausnahmebewilligung des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft Kanton Zürich. Dafür gelten strenge Anforderungen. Eine davon ist ein Eintrag im Richtplan. Ein solcher fehle aber, argumentiert der Stadtrat. Zudem würden Auflagen für Arbeitsplätze verletzt.
Etwas viele Vorbehalte, die aber mit ein bisschen gutem Willen wohl bewältigbar wären.
Rathuus berichtete schon im Januar 2025 darüber.
So sah es hier 1895 aus. Links und rechts von der Quaibrücke herrschte gähnende Leere. Solche Verhältnisse sollen ab Oktober wieder herrschen, wenn es nach Stadt und Kanton geht. Bild: Baugeschichtliches ArchivIV, nein danke
Wie Gesualda Prati gegenüber „Rathuus“ ausführt, sei ihnen vergangenen Dezember nichts anderes übriggeblieben, als den befristen Vertrag zu unterschreiben. „Sonst hätten wir per sofort zumachen müssen“, so die 41-Jährige. Sie und ihr Bruder Claudio (38) führen den Betrieb schon gegen 20 Jahre.
Übernommen haben sie ihn von ihrem Vater Gaetano. Gaetano Prati kam als junger Mann in den 1960er Jahren aus Sizilien in die Schweiz. Er war Zimmermann, schuftete als Saisonnier – bi…
Bald ein Bild der Vergangenheit: Der Imbiss Riviera mit dem Geschwisterpaar Claudio und Gesualda Prati hat nur noch eine Bewilligung bis Ende September. Ende Oktober muss er ganz abgebaut sein. Bild: Lorenz Steinmann
Unsere Newsletter und unsere Podcast-Folgen auf Steady sind der richtige Ort dafür – kommentiere dort und sag uns, was du denkst:
Zu unseren Steady-Beiträgen
Oder schreib uns eine E-Mail: redaktion@rathuus.ch