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Schawinski hatte gegen Blocher keinen Stich

Zu sehen ist ein Symbolbild, eine 1.August-Feier in einem Zelt, diverse Leute von hinten fotografiert, im Vordergrund eine Schweizer Fahne.Am Thema Neutralitätsiniative zeigt sich, dass Roger Schawinski kürzer treten sollte. Dies ist zumindest die Meinung unseres Autors Lorenz Steinmann. Bild: Pascal Turin

Thema Neutralitätsinitiative: In der Talksendung Doppelpunkt auf Radio 1 beweist SVP-Übervater Christoph Blocher, dass er das Streitgespräch auch mit 85 Jahren noch beherrscht. Er hatte mit Moderator Roger Schawinski allerdings ein zahnloses Gegenüber. Ist es Zeit für Schawinski abzudanken? Ein Kommentar.

Hier geht es nicht darum, die Neutralitätsinitiative mit ihren Vor- und Nachteilen abzuhandeln. Dazu gibt es genügend Artikel und Expertisen im Hinblick auf den Abstimmungstermin vom 27. September. Ich bin persönlich dagegen, dass Sanktionen in der Verfassung weitgehend verboten werden. Die Schweizer Neutralität soll auch in Zukunft anpassungsfähig bleiben. Ich werde deshalb Nein stimmen.

Doch wer wieder einmal Christoph Blocher, den Vater und Financier der Neutralitätsinitiative, fast in Höchstform hören möchte, dem sei der „Doppelpunkt“ zu empfehlen. In der aktuellen Radiosendung von und mit Roger Schawinski zeigt der SVP-Doyen einmal mehr auf, wie er die politische Kommunikation beherrscht.

Auf jede Frage und Feststellung von Schawinski zählt Blocher über kurz oder lang die Nachteile der EU und der Nato auf. Um gleichzeitig das Wohl der Schweiz als unabhängiges kleines Land herauszustreichen. Interessanterweise tönt das aber nicht stereotyp. Ein Beispiel? Als grösste persönliche politische Niederlage bezeichnet Blocher das Nein zum Europäischer Wirtschaftsraum – kurz EWR – im Jahr 1992. Das zeigt, wie clever Blocher ist. Denn seinen grössten politischen Erfolg nutzt er, um seine politischen Gegner zu kritisieren. Alle wollten seither trotz des Volksentscheids in die EU, nur er und die SVP nicht, betont der Herrliberger.

Das ist typisch Blocher. Er, der von 1977 bis 2003 Präsident der SVP des Kantons Zürich war und die Partei zu einer rechtspopulistischen Macht trimmte, überrascht auch mit 85 Jahren noch. Dass er sich punkto Neutralität und Abhängigkeit von Europa aber verheddert, kann Schawinski nicht nutzen. Denn einerseits kritisiert Blocher die EU und vor allem die Nato, dass sie politisch und militärisch nicht verlässlich seien. Gleichzeitig räumt er ein, dass im Ernstfall die Schweiz nur mit starker ausländischer Hilfe überleben könne. Stichwort: Zweiter Weltkrieg.

Hier zeigt sich, dass Roger Schawinski als Talker sicher gut ist, aber mit seinem politischen Wissen gegen Blocher keine Stich hat.

Ich würde sogar so weit gehen, dass die Zeit als Moderator von politischen Sendungen für ihn abgelaufen ist. Schawinski, selbst auch schon über 80 Jahre alt, sollte das Feld zugunsten der talentierten Elena Wagen räumen. Die Moderatorin und Radio-1-Angestellte hat mit ihrem durchaus kritischen „Doppelpunkt“ mit Finanzexpertin Patrizia Laeri gezeigt, dass sie eine würdige Nachfolgerin ist.

Wie heisst es so treffend – man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist. Und bevor es peinlich wird. Immerhin darf sich Schawinski rühmen, seit seiner ersten „Doppelpunkt“-Sendung vor 47 Jahren auf dem damaligen Piratensender Radio 24 den „Hard Talk“ in der Schweiz salonfähig gemacht zu haben. Also weg von steifen, abgesprochenen Interviews hin zu Gesprächen auf Augenhöhe ganz nach dem Motto „Nachhaken statt Abnicken“.

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