Immerhin 1081 Menschen bewerben sich um die 125 Sitze im Zürcher Gemeinderat. Doch nur knapp jede neunte Person wird auch tatsächlich gewählt am 8. März. Wir haben die Listen durchforstet – und ehren die nicht mehr Antretenden.
Die gute Nachricht vorab: Von den 1081 Kandidatinnen und Kandidaten sind 45 Prozent Frauen. Bei den Wahlen 2018 betrug der Frauenanteil noch 38 Prozent, wie die Stadt Zürich diese Woche mitteilte. Der tatsächliche Frauenanteil beträgt im Rat aktuell erst 40 Prozent.
Zuerst wollen wir aber einen Blick auf die 16 bisherigen Mitglieder des Gemeinderats werfen, die nicht mehr für die nächste Amtsdauer kandidieren. Die Liste reicht von A wie Sanija Ameti (parteilos, ehemals GLP) bis zu T wie Marcel Tobler (SP). Auffällig ist, dass gleich zwei ehemalige GLP-Mitglieder (Sanija Ameti und Isabel Garcia) den Rat verlassen, nachdem sie während der Legislatur den Parteiaustritt gaben.
Diese bekannten Namen liest man künftig weniger
Gleich drei grüne, kritische und durchaus pointierte Stimmen weniger bedeuten die Abschiede von Balz Bürgisser aus Witikon, ebenso wie jene von Felix Moser (ehemaliger Parteipräsident der Grünen) und von Simon Kälin, der 2011 von der FDP zu den Grünen wechselte.
Wichtige (Hintergrund)-Arbeit beim Aufbau der GLP leisteten Maleica Landolt und Ann-Catherine Nabholz. Sie waren seit 2010 im Rat dabei – damals, als die grün angehauchte Wirtschaftspartei auf Anhieb zwölf Sitze holte. Landolt und Nabholz treten ebenfalls nicht mehr an.
Bei der FDP wird künftig sicher Michael Schmid fehlen. Der selbstständig tätige Rechtsanwalt war 18 Jahre im Rat dabei, davon seit 2016 als Fraktionspräsident. Einen Namen machte er sich auch als Mitglied der Parlamentarischen Untersuchungskommission für den Finanzskandal rund um Entsorgung und Recycling Zürich. Ein prominenter Brückenbauer war Albert Leiser (FDP) im Rat. So sorgte er zusammen mit dem ehemaligen AL-Gemeinderat Walter Angst für eine finanzielle Lösung während der Coronakrise für Ladenbesitzer und Wirte.
„Die ungewöhnliche Kooperation zwischen Albert Leiser und Walter Angst ist ein Beispiel für souveräne politische Kompromisskultur“, schrieb die NZZ dazu. 2011 war Leiser Gemeinderatspräsident und ganze 27 Jahre lang Mitglied im Gemeinderat. Logisch ist, dass er alles in allem primär die Interessen des Hauseigentümerverbandes HEV vertrat. Seit 24 Jahren ist er Direktor und Geschäftsführer der Hauseigentümerverbände Stadt und Kanton Zürich.
Ebenfalls nicht mehr antreten wird beispielsweise Matthias Renggli von der SP. Der beim Kanton tätige Jurist fiel durch praxisnahe Vorstösse rund um die Verkehrssicherheit bei Schulhäusern auf, die Begrünung von Haltestellendächern der Verkehrsbetriebe Zürich sowie die Forderung nach digitalem Zugang von städtischen Mitarbeitenden auf ihr Personaldossier. Etwas schade sind Abgänge wie jene von jungen Politiktalenten Tamara Bosshard (SP).
„Als queere junge Frau habe ich früh gemerkt, dass politische Entscheidungen die Chancen auf ein gutes, selbstbestimmtes Leben massgeblich prägen können“, sagte die 34-jährige Soziologin kürzlich gegenüber dem Onlineportal Tsüri. Trotzdem macht sie nun anderen Politikerinnen Platz.

Vielleicht grafisch etwas überladen, aber inhaltlich durchaus originell: So präsentiert sich die GLP, die noch klassisch auf Plakate setzt. Bild: Lorenz Steinmann
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