Im indiskreten Interview mit Rathuus gibt der zukünftige Zürcher Stadtrat Tobias Langenegger (SP) Einblick in sein Leben und seine Haltungen. Zudem wird geklärt, was es mit seiner Genossenschaftswohnung auf sich hat.
Noch selten war ein gewählter Stadtrat in Zürich so häufig in den Schlagzeilen, obwohl er sein Amt noch gar nicht angetreten hat. „Inside Paradeplatz“ titelte am 19. März „Bleibe in Genossenschafts-Wohnung“. Und schrieb im Lead: „Tobias Langenegger verdient bald Viertelmillion, will aber nicht aus billiger Stadt-Wohnung ausziehen.“ Der Text suggerierte, dass Tobias Langenegger (SP) in einer subventionierten städtischen Wohnung wohnt oder zumindest in einer günstigen Genossenschaftswohnung, die vom Staat unterstützt wird. Die „Story“ wurde rege übernommen.
Der „Tages-Anzeiger“ schrieb von einer „günstigen Wohnung, die einer Genossenschaft gehört und die von der Stadt unterstützt wird“. Die „NZZ“ nannte Langenegger „einen Spitzenverdiener, der „in einer Genossenschaft lebt, die von der Stadt unterstützt wird“. Er wolle dort wohnen bleiben, obwohl er als Stadtrat eine Viertelmillion jährlich verdienen werde. Auf „Nau“ war dann sogar die Rede von einer staatlich mitfinanzierten Genossenschaft.
Warum diese Häme, warum diese gegenseitige Abschreiberei? Warum das suggestive Vermischen von gemeinnützigen Wohnungen und städtischen Unterstützungen. Und warum wird die Gesellschaftsform der Genossenschaft so negativ beurteilt? Obwohl diese Rechtsform auch von Bauern genutzt wird, etwa für Vieh- und Weidegenossenschaften. Ganz zu schweigen von den bekanntesten Beispielen, der Migros und der Schweizerischen Mobiliar.
Bauland auf dem freien Markt erworben
Und damit zurück Tobias Langenegger. Fakt ist: Er wohnt mit seiner Familie in einer privaten Genossenschaft, die das Bauland auf dem freien Immobilienmarkt erworben hat und nicht subventioniert wird von der Stadt. Und zwar um das Jahr 2000 baute und eine für das damals noch nicht so hippe Zürich West durchaus visionäre Idee umsetzte. Die Genossenschaft hatte die Stadt beim Bau vor gut 25 Jahren um ein verzinstes Darlehen angefragt, was legitim ist und was etwa die ZSC Lions für den Bau ihres Swiss-Life-Stadions auch getan haben.
Etwas anders gelagert ist der Fall beim Kochareal: Besagte private Genossenschaft, in welcher Langenegger wohnt, baut dort aktuell 123 Wohnungen sowie Gewerbe- und Kulturflächen. Weil das Land auf dem ehemaligen Kochareal der Stadt gehört und der „Langenegger-Genossenschaft“ im Baurecht abgegeben wurde, kann man jenes Bauland ohne Zweifel als „günstig“ bezeichnen. Das hat aber nichts zu tun mit den Bedingungen, wo Langenegger wohnt.
Das von „Inside Paradeplatz“ in die Welt gesetzte Narrativ eignet sich aber bestens, um für Schlagzeilen und Klickzahlen zu sorgen. Und hat Tobias Langenegger den Start als Stadtrat zumindest nicht erleichtert. Es ist ein bisschen so, wie man Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) immer noch vorwirft, eine Einliegerwohnung in seinem Eigenheim zu Marktpreisen zu vermieten.
Doch nun Bühne frei für den Fragebogen von Tobias Langenegger.
Tobias Langenegger, wie wurden Sie politisiert?
Friedensdemonstration gegen den Irakkrieg.
Was wollten Sie als Kind werden?
Fussballer beim FCZ.
Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
Explodierende Mieten.
„Ich war der SP immer treu, wie auch dem FC Zürich“.
Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
Immer treu, wie beim FCZ.
Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
Klar, als SPler natürlich vor allem auch für mehr bezahlbare Wohnungen, gegen Airbnb und für die Wohnschutz-Initiative.
Welche Staatsmänner halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch?
Im Schnitt sind Staatsfrauen wohl moralischer.
(Anmerkung der Rathuus-Redakt…

Das interessiert den zukünftigen Stadtrat Tobias Langenegger (SP) derzeit am meisten: explodierende Mieten. Bild: zvg
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