Stadtbus Winterthur hat vergangenes Jahr 32 Millionen Fahrgäste befördert. Doch es ist nicht allen zum Jubeln zumute. Anfang März hat das Buspersonal für vier Stunden gestreikt. Morgen Donnerstag sollen die Gespräche zwischen Verkehrsunternehmen und Mitarbeitenden sowie Gewerkschaft weitergehen.
Nur drei Tage liegen zwischen den Presseaussendungen der Stadt Winterthur. Am 24. März ging es um konstruktive Verhandlungen bei Stadtbus Winterthur und am 27. März um den Fahrgastrekord beim gleichen Verkehrsunternehmen. Während man letztere Medienmitteilung in die Schublade mit der Beschriftung „Good News“ schieben darf, ist das andere Communiqué deutlich schwieriger einzuschätzen.
Das Winterthurer Buspersonal ist nämlich unzufrieden und konnte sich bisher mit der Stadtbus-Geschäftsleitung nicht einigen. „Zwischen den beiden Parteien schwelt schon seit Längerem ein Konflikt um bessere Arbeitsbedingungen für das Fahrpersonal“, heisst es auf der News-Website des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF). Die Gewerkschaft Schweizerischer Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) habe unter anderem kritisiert, dass das Buspersonal teilweise kurzfristig Ersatzdienste leisten müsse und zu tiefe Nachtzuschläge erhalte.
„Aus diesem Grund haben die Busfahrerinnen und Busfahrer Anfang März ihre Arbeit niedergelegt. Nur rund ein Drittel der 64 Busse waren an diesem Dienstag im morgendlichen Berufsverkehr im Einsatz“, schreibt SRF. Die Hauptlinien seien bedient worden, viele Verbindungen seien ausgefallen und die Passagiere gezwungen gewesen, zu Fuss oder mit dem Velo zur Arbeit zu gehen.
„Daraufhin folgten mehrere Gesprächsrunden, die wenig erfolgreich verlaufen waren“, so der „Tages-Anzeiger“. Der VPOD habe damals von „leeren Worten“ und „Scheinverhandlungen“ gesprochen.
Und die Gewerkschaft kündigte in einer Mitteilung gar einen weiteren Streik an, der aber abgewendet werden konnte. Womit wir wieder beim Communiqué über die konstruktiven Verhandlungen wären.
Stadtbus und VPOD geben aktuelle keine Auskünfte
Eine Delegation der Stadtbus-Geschäftsleitung hat sich demnach kürzlich mit einer Delegation des Fahrdienst-Personals von Stadtbus Winterthur und dem VPOD getroffen. „Die Gespräche verliefen konstruktiv und gehen am 2. April 2026 weiter. Bis dann findet kein Streik statt“, heisst es in der Mitteilung. Stadtbus und die Verhandlungsdelegation des Personals hätten zudem vereinbart, notwendige Abklärungen und Arbeiten zu den diskutierten Lösungsansätzen – etwa für die Themen Ersatzdienste und Minusstunden – vorzunehmen.
Spannend in diesem Zusammenhang ist, dass die Zufriedenheit der Mitarbeitenden gemäss einer internen Befragung eigentlich gar nicht schlecht ist. Das schreibt zumindest der Tagi, der aus der internen Mitarbeiterbefragung 2025 zitiert. „77 Prozent der Chauffeurinnen und Chauffeure, welche die Befragung ausgefüllt haben, sahen sich auch in Zukunft bei Stadtbus“, heisst es im Artikel. 68 Prozent hätten sich zufrieden mit der Diensteinteilung gezeigt. Dies sei eine deutliche Verbesserung: Noch 2021 seien es nur 33 Prozent gewesen. „Was in der Mitarbeiterbefragung nicht vorkommt, ist die Zufriedenheit mit den Sonntags- und Nachtarbeitsentschädigungen“, so die Tageszeitung.
Da weder Stadtbus noch VPOD während der laufenden Verhandlungen weitere Auskünfte erteilen wollen, müssen wir bis mindestens morgen Donnerstag auf weitere News warten.
Um die Wartezeit zu überbrücken, gibt es ja immerhin noch die Good News mit den Fahrgastzahlen. Diese sind 2025 nämlich erneut gestiegen. „32 Millionen Personen nutzten im letzten Jahr das Angebot“, heisst es in der Mitteilung der Stadt. Das seien gut drei Prozent mehr als noch 2024 – ein neuer Rekord.
Erneut markant gewachsen ist zum Beispiel die Anzahl Passagiere auf der Linie 7. Diese verkehrt zwischen Elsau und Bahnhof Wülflingen. „Die Zunahme betrug hier acht Prozent“, schreibt die Stadt. Damit sei die Linie 7 mittlerweile zu einer eigentlichen Hauptlinie geworden, die wie die Linien 1, 2 und 3 jeweils mehr als 5 Millionen Fahrgäste nutzen würden. Seit Dezember 2024 verkehren die Busse auf der Linie 7 in der Hauptverkehrszeit im 7,5-Minuten-Takt statt wie zuvor im 10-Minuten-Takt.
Auch bei den VBZ sorgte der VPOD schon für Zoff
Die Kehrseite der Medaille beziehungsweise des beliebten öffentlichen Verkehrs: Mehr Fahrgäste bedeuten mehr Stress. Etwa dann, wenn Verspätungen entstehen, weil Busse voll sind und dadurch Passagierinnen und Passagiere zu langsam ein- oder aussteigen. Ausserdem bedingt der stetig Ausbau des ÖV-Angebots auch mehr Personal. So hatten beispielsweise die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) lange mit Fachkräftemangel zu kämpfen.
Gestreikt wurde bei den VBZ in den letzten Jahren übrigens nie. Die Gewerkschaft VPOD blockierte aber vor 15 Jahren einmal das Tramdepot Irchel. So konnten gewisse Trams nicht zum Morgendienst ausfahren. Es ging dabei um einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV). 2014 wurde der GAV dann unterzeichnet – und per 31. Dezember 2025 wieder aufgelöst. Dies, da die angestrebte Allgemeinverbindlichkeitserklärung des GAV offenbar nicht erreicht werden konnte, wie vergangenes Jahr die Sozialpartner, also die ÖV-Unternehmen und die Gewerkschaften, gemeinsam mitteilten. Die Sozialpartner kündigten an, „ihre vertrauensvolle Zusammenarbeit“ fortsetzen zu wollen.
Doch das ist eine andere Geschichte.

Die Passagierzahlen bei Stadtbus Winterthur sind gestiegen. 32 Millionen Personen nutzten 2025 das Angebot. Erneut markant gewachsen ist die Fahrgastzahl auf der Linie 7. Bild: Pascal Turin
Unsere Newsletter und unsere Podcast-Folgen auf Steady sind der richtige Ort dafür – kommentiere dort und sag uns, was du denkst:
Zu unseren Steady-Beiträgen
Oder schreib uns eine E-Mail: redaktion@rathuus.ch