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Machen Wahlplakate wütend?

Wahlplakate an einer Zürcher Strasse. Ein grosses Plakat von Volt und mehrere kleinere, zerstörte Kandidierendenplakate der Liste 12 darunter. Offensichtlich hatte hier jemand etwas gegen die Freie Liste. Entstanden ist die lose Gruppierung rund um die Corona-Massnahmen und das Thema Impfen. Bild: Pascal Turin

Abstimmungs- und Wahlplakate werden immer wieder verschmiert oder heruntergerissen. Doch wer deshalb annimmt, dass politische Werbung wütend macht, der täuscht sich. Viele Menschen lässt sie laut einer Studie eigentlich ziemlich kalt. Am meisten Emotionen scheint noch das Parteilogo auszulösen.

Erst im Frühjahr fanden im Kanton Zürich die Kommunalwahlen statt und schon rücken die Kantons- und Regierungsratswahlen am 4. April 2027 näher. Die ersten Kandidatinnen und Kandidaten haben sich bereits in Stellung gebracht. So richtig spürbar wird der Wahlkampf aber dann gegen Ende 2026 und vor allem in den ersten Monaten des nächsten Jahres.

Trotz Social Media dürften viele Politikerinnen und Politiker auf Plakate setzen. Zumindest in den Wahlwerbungen sind die Kandidierenden meistens arttypisch gekleidet. Betont urban und locker, wahlweise mit T-Shirt oder Jackett bei Personen links der Mitte. Die meisten Bürgerlichen lassen sich hingegen in Businesskleidung ablichten, tragen ein Hemd oder eine Bluse. Sie sehen alle wie aus einem Ei gepellt aus. Während die Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten für den Kantonsrat oft gemeinsam von den Plakatwänden um die Wette lächeln, sind die Kandidierenden für den Regierungsrat auch mal solo unterwegs. Wer sich traut, platziert das Parteilogo gut sichtbar irgendwo auf seinem Aushang.

Am ehesten reagieren die Leute auf das Parteilogo

Hitler-Schnauz, übermalte Augen oder primitive Sprayereien auf Plakaten gehören leider mittlerweile ebenfalls zu jedem Wahlkampf.

Politik löst offensichtlich heftige Gefühle aus, würde man meinen. Doch das täuscht, zumindest wenn es um Abstimmungsplakate geht. Dies zeigte vergangenes Jahr eine Analyse des Zentrums für Demokratie Aarau in Zusammenarbeit mit Année Politique Suisse, eine Online-Plattform des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Bern. „Werbung vor Abstimmungen kann verschiedene Gefühle hervorrufen: Ärger, Hoffnung oder Besorgnis. Allerdings zeigen sich solche Emotionen bei Kampagnen vor eidgenössischen Kampagnen selten“, hiess es damals in einer Medienmitteilung.

Politische Werbung lässt die meisten Menschen also kalt. Aber dann doch nicht ganz.

Am meisten Emotionen scheint das Parteilogo und die Stimmempfehlung auszulösen. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass weniger das Bild an sich, sondern eher die politische Botschaft und der Absender entscheidend für die emotionale Wirkung sind“, erklärte Studienautor Marc Bühlmann, Direktor von Année Politique Suisse, in der Presseaussendung. So würden etwa SP-Sympathisantinnen und SP-Sympathisanten überdurchschnittlich viel Wut beim Anblick eines SVP-Logos empfinden, aber viel Hoffnung bei der Betrachtung der gleichen Werbung, aber mit dem Logo der eigenen Partei – das Gegenteil gelte für SVP-Anhängerinnen und SVP-Anhänger.

„Unsere Befunde legen nahe, dass vor allem stark politisch interessierte und von einem Abstimmungsgegenstand besonders betroffene Menschen die Werbung überhaupt bewusst wahrnehmen“, sagt Politologe Marc Bühlmann.

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