Im Indiskreten Rathuus-Fragebogen erzählt FDP-Gemeinderätin Yasmine Bourgeois von den Parallelen zwischen ihrem jugendlichen Detektivclub und ihrer heutigen politischen Arbeit. Sie erklärt, warum ihr Hugh Grant entspricht und wer für sie der grösste Zürcher Politiker ist.
Yasmine Bourgeois, wie wurden Sie politisiert?
Politik wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Meine Eltern waren bei der FDP. Und ich trat schon als Jugendliche den Jungfreisinnigen bei (damals noch Jungliberale).
Was wollten Sie als Kind werden?
Detektivin – ich gründete sogar einen Detektivclub mit meinen Freundinnen. Heute brauche ich den Spürsinn und den kritischen Blick in der Politik.
„Mich beschäftigt, dass es in der Stadtzürcher Politik zu viel Ideologie und zu wenig gesunden Menschenverstand gibt.“
Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
Dass es in der Stadtzürcher Politik zu viel Ideologie, zu wenig gesunden Menschenverstand gibt. Ich hätte gern wieder mehr Pragmatismus und Leistung statt Symbolpolitik.
Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
Ich war immer überzeugt, dass ich bei der FDP am richtigen Ort bin.
Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
Ja, unter anderem für die Förderklassen-Initiative, bei der ich Mitinitiantin war. Sie wurde vom Kantonsrat bereits angenommen. Nun warten wir gespannt auf die Vorlage des Regierungsrats.
Welche Staatsmänner halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch?
Diejenigen, die nicht ständig über Moral reden.
Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken?
Mit Hugh Grant. Sein britischer, trockener Humor mit einer Prise Selbstironie entspricht mir sehr.
Was ist Ihr Lieblingsrestaurant in der Stadt oder im Kanton Zürich?
Das Zunfthaus zur Waag – dort isst man das beste Züri-Gschnätzlets!
„Ich kämpfte an vorderster Front gegen die Gratis-Badis in der Stadt Zürich und bekam vom Volk recht.“
Kaufen Sie das „Surprise“ und lesen Sie es auch?
Nein.
Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht?
Skandinavien mit dem Camper bereist.
Wer ist für Sie der bedeutendste Zürcher oder die bedeutendste Zürcherin?
Stapi Emil Landolt. Er war der Stadt Zürich verbunden, interpretierte sein Amt überparteilich im Sinne der Sache und konnte ungezwungen auf alle Menschen zugehen.
Sex ohne Liebe, was halten Sie davon?
Zum Glück kann das jeder für sich selbst entscheiden.
Was war Ihr grösster politischer Erfolg?
Ich kämpfte an vorderster Front gegen die Gratis-Badis in der Stadt Zürich und bekam vom Volk recht.
Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas?
Ich habe einmal voller Überzeugung zum falschen Geschäft gesprochen und es erst mitten im Reden gemerkt. Da blieb nur noch: charmant weitermachen und improvisieren.
„Ich möchte das historische Rathaus gerne zurück. In diesen historischen Räumen hat Politik Stil, Charakter und Geschichte.“
Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard?
Ja, ich möchte es gerne zurück. In diesen historischen Räumen hat Politik Stil, Charakter und Geschichte.
Portobello-Burger oder Poulet-Kebab?
Portobello-Burger klingt nach Etikettenschwindel. Lieber Poulet-Kebab!
Taylor Swift oder Beatrice Egli?
Beide nicht ganz mein Stil. Aber wenn schon, dann Beatrice Egli. Schlager machen fröhlich, und mit der zunehmenden Empörungskultur im Gemeinderat könnten wir von dieser Leichtigkeit eine Zugabe brauchen.
Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy?
Berge.
Worauf freuen Sie sich?
Auf den Moment, wo man merkt: Es hat sich gelohnt – und auf gemütliche Abende mit Familie und Freunden bei einem Glas Wein.
Und worüber können Sie lachen?
Mit einer erfrischenden Portion Humor geht fast alles leichter.
Die Witikerin Yasmine Bourgeois ist seit sieben Jahren Mitglied des Gemeinderats der Stadt Zürich, vorher war sie Schulpflegerin. Bourgeois ist seither Mitglied der Spezialkommission Präsidialdepartement, Schul- und Sportdepartement. Von 2020 bis 2022 amtete sie als deren Vizepräsidentin, von 2022 bis 2024 als deren Präsidentin.
Sie vertritt den Wahlkreis 7 und 8, eine Hochburg der FDP in Zürich. Beruflich liess sich Bourgeois zuerst zur Hotelmanagerin ausbilden und war dann im Eventmanagement tätig. Später wurde sie Primarlehrerin, dann Schulleiterin. Über mehrere Jahre war sie nebenberuflich Eiskunstlauflehrerin. In der Freizeit trifft man die 51-Jährige oft in der Natur an. Sie hat drei Kinder und ist liiert.

Die Stadtzürcherin Yasmine Bourgeois (51) ist FDP-Gemeinderätin und Expertin für Bildungsfragen. Bild: zvg