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Bei ihm stehen Familie und konservative Werte an erster Stelle

Thomas Lamprecht trägt einen schwarzen Mantel, er steht in einem Durchgang zu seiner Schreinerei und lächelt freundlich in die Kamera.Der EDU-Politiker Thomas Lamprecht (59) wohnt in Bassersdorf und sitzt seit 2018 im Kantonsrat. Der Schreinermeister und Inhaber eines KMU ist Vizepräsident der EDU Schweiz. Bild: Pascal Turin

Thomas Lamprecht ist Inhaber einer Schreinerei. Der EDU-Kantonsrat und Vizepräsident der EDU Schweiz setzt sich für Kleinunternehmen, Eigenverantwortung und traditionelle Familienwerte ein. Dass er mit seinen christlich-konservativen Ansichten bei einigen durchaus aneckt, nimmt der Bassersdorfer in Kauf.

Es riecht nach Holz, überall stehen Maschinen herum, der Boden ist tipptopp geputzt und ein Mitarbeiter blickt rasch von seiner Arbeit hoch. „Grüezi“, sagt er knapp und wendet sich wieder seinem Projekt zu. „Ich führe den Schreinerbetrieb in vierter Generation“, sagt Thomas Lamprecht während einer kurzen Führung durch die Räumlichkeiten der Lamprecht Schreinerei in Bassersdorf. Er steht aber kaum mehr an den Maschinen in der Werkstatt. „Ich bin Unternehmer, hole die Aufträge rein, bin für die Produktionsplanung zuständig“, erklärt der EDU-Politiker.

2011 ist Lamprecht von der Eidgenössisch-Demokratischen Union – kurz EDU – angefragt worden, ob er auf ihrer Liste kandidieren möchte. Seit 2018 vertritt der 59-Jährige nun die christlich-konservative Kleinpartei im Zürcher Kantonsrat. „Die Politik hat mich schon immer interessiert. Ich habe vor meiner politischen Karriere EDU und SVP gewählt“, hatte er einmal in einem Interview mit dem Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten gesagt.


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Nur einen kurzen Fussmarsch vom Schreinerbetrieb entfernt befindet sich der Dorfplatz von Bassersdorf. Hier haben Migros und Coop ihre Filialen. An dem zentral gelegenen Ort in der Gemeinde mit rund 12’000 Einwohnerinnen und Einwohnern finden regelmässig Veranstaltungen statt, darunter der Chlausmärt oder der offizielle Festakt zum 1. August. Wer gern etwas trinken oder Kleines essen möchte, ist in „Lienis Kafi“ richtig. Das Café wirkt trotz seiner modernen Einrichtung gemütlich. An diesem Nachmittag sitzen ein paar ältere Bassersdorfer mit einer Stange vor sich im Lokal.

Die Kleinpartei EDU hält sich seit 50 Jahren

Thomas Lamprecht setzt sich in „Lienis Kafi“ an eines der Tischchen bei den grossen Fenstern. Von hier aus kann man das Treiben auf dem Dorfplatz beobachten. Heute ist allerdings wegen des eher durchzogenen Wetters wenig los. Die Leute eilen mit ihren Einkaufstaschen in die Läden. Der Kantonsrat bestellt einen Kaffee und erzählt, wieso er in die EDU eingetreten ist. „Die Partei steht für die Werte ein, die mir wichtig sind. Dazu gehören die Familie und bürgerliche Politik“, so der Vater dreier Kinder.

Die EDU wurde vor 50 Jahren gegründet. Im Mai fand in Huttwil im Kanton Bern eine grosse Jubiläumsfeier statt. „Über 600 Gäste erlebten einen abwechslungsreichen Tag, der ihnen noch lange in Erinnerung bleiben dürfte“, freute sich die Partei in einem Bericht auf ihrer Website. Als positives Fazit lasse sich feststellen: Die EDU sei gekommen, um zu bleiben – und sie sei im Jubiläumsjahr 2025 so stark verankert wie nie zuvor.

„Es ist eine konservative, evangelikale Kleinpartei, die vor allem Wählerinnen und Wähler aus dem kirchlichen Milieu anspricht“, heisst es in einem Artikel auf der News-Website des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF). „Anders als viele andere Kleinparteien, die mittlerweile von der nationalen Politbühne verschwunden seien, ist die EDU derzeit mit zwei Nationalräten im Bundeshaus vertreten“, so das SRF weiter. Einer davon ist Erich Vontobel aus Bubikon, der auch lange im Kantonsrat sass.

Dass sich die EDU als kleine Partei so lange halten konnte, liegt wohl unter anderem an der treuen Wählerschaft. Im Kantonsrat ist die EDU mit drei Personen vertreten – zur Bildung einer Fraktion sind mindestens fünf Kantonsratsmitglieder nötig. Die EDU hat sich darum der SVP-Fraktion angeschlossen und ist dort klar die Juniorpartnerin. „Wir unterscheiden uns inhaltlich häufig nicht stark von der SVP. Bei uns sind aber die Ausländer ein weniger wichtiges Thema, dafür Familien und die Finanzierung von Kindern“, sagt Lamprecht. Und man unterscheide sich manchmal im Ton. „Wir sind eher gemässigter“, fügt er mit einem Lächeln an.

Thomas Lamprecht ist bewusst, dass man als Mitglied einer Kleinpartei Beziehungen pflegen muss. „Mir fällt es zum Glück einfach, auf neue Leute zuzugehen.“ Bild: Pascal Turin

Lamprecht kämpft für Flüsterbeläge

Auffallend ist seine besonnene Art. Bevor Lamprecht redet, überlegt er genau, was er sagen wird. „Wer uns wählt, weiss, für welche Werte wir stehen“, so der Vizepräsident der EDU Schweiz. Ihm sei der Glaube wichtig. „Die christlichen Werte haben unser Land geprägt – doch das geht zusehends vergessen.“ Er verweist auf den Bundesbrief von 1291, der mit „In Gottes Namen. Amen.“ beginne.

Lamprecht ist bewusst, dass man als Mitglied einer Kleinpartei Beziehungen pflegen muss. „Mir fällt es zum Glück einfach, auf neue Leute zuzugehen.“ Man wolle ja vielleicht einmal einen gemeinsamen Vorstoss machen. „Um Mehrheiten beschaffen zu können, braucht es gute Kontakte zu anderen Parteien“, ist der Politiker, der in der Aufsichtskommission über die wirtschaftlichen Unternehmen sitzt, überzeugt. Vernetzung hält er generell für wichtig – auch im Geschäftsleben. Darum sei seine Firma Mitglied im Gewerbeverein Bassersdorf Nürensdorf.

Für eines seiner Herzensthemen hat er im bürgerlichen Lager bereits mehrfach parteiübergreifende Unterstützung organisieren können. Ihm sind sogenannte Flüsterbeläge – also lärmarme Strassenbeläge – ein wichtiges Anliegen. So reichte er schon 2020 mit Sandra Bossert (SVP) und Barbara Franzen (FDP) ein entsprechendes Postulat ein. Darin wurde der Regierungsrat dazu aufgefordert, einen Bericht zu erstellen, wie eine Lärmsanierung durch Flüsterbeläge im Kanton Zürich umgesetzt werden könne.

Gemeinsam mit SVP-Kantonsrat Domenik Ledergerber und Mitte-Kantonsrat Josef Widler doppelte er dann 2022 mit einer entsprechenden parlamentarischen Initiative nach. Lamprecht und seine Mitstreiter wollten erreichen, dass vermehrt lärmarme Strassenbeläge verlegt werden. Damit sollte verhindert werden, dass Wohnbauprojekte wegen überschrittener Lärmschutzgrenzwerte gestoppt werden. Das Parlament hatte die parlamentarische Initiative zuerst vorläufig unterstützt, die dafür zuständige Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt empfahl dann aber die Ablehnung. Die Kommission kam zum Schluss, dass das Anliegen der parlamentarischen Initiative in der heutigen Praxis bereits umgesetzt wird.

Das Parlament folgte der Empfehlung der Kommission. „Aus meiner Sicht ist das schade, gerade auf Hauptstrassen finde ich Flüsterbeläge statt Tempo 30 sinnvoll“, sagt Lamprecht.

Vielleicht erhält das Thema jetzt neuen Aufwind: Nach dem Ja zur Änderung des Strassengesetzes beziehungsweise zur Umsetzung der Mobilitätsinitiative bestimmt künftig der Kanton über die Geschwindigkeit auf Hauptstrassen.

„Es wird sicher wieder ein Hosenlupf, aber ich freue mich schon auf den Wahlkampf“, sagt Thomas Lamprecht.

Das Gender-Thema treibt ihn um

Doch während Flüsterbeläge wahrscheinlich viele Zürcherinnen und Zürcher gut finden dürften, eckt Thomas Lamprecht mit einem anderen Anliegen deutlich stärker an. Die prominent platzierten Schlagworte „Gender-Wahnsinn stoppen“ auf seiner Website fallen auf – und dürften wohl beim einen oder anderen für Stirnrunzeln sorgen. Für den Bassersdorfer ist klar, dass das biologische Geschlecht „eine natürliche Tatsache“ sei. „Viele Teenager machen generell eine schwierige Zeit durch. Ich finde, ein Teil der Gesellschaft versucht ihnen in dieser heiklen Phase der Entwicklung ihr Weltbild überzustülpen“, erklärt der Politiker. Er wehre sich dagegen, „dass unsere Schulen von radikalen Ideologen unterwandert werden“.

Darum hat er beispielsweise 2022 mit EDU-Parteikollegen einen Vorstoss zum Thema Gender-Toiletten eingereicht, in dem es hauptsächlich um die genderneutralen Toiletten an Stadtzürcher Schulen ging. „Dass Pissoir teilweise wegfallen, scheint uns der Gender-Gleichmacherei geschuldet. Eine Ideologie im linken Kulturkampf“, heisst es in der Anfrage. Ein anderer Vorstoss von 2023 trägt den provokanten Titel „Der Transgender-Wahn verführt unsere Töchter“. Auch diese Anfrage ist von Kantonsrat Hans Egli sowie von alt Kantonsrat und heutigem Nationalrat Erich Vontobel (beide EDU) mitunterzeichnet.

Ist das als eine bewusste Provokation zu verstehen? Darauf angesprochen sagt der Politiker nach kurzem Zögern, dass ihm durchaus klar ist, dass er mit seiner Haltung heutzutage aneckt: „Natürlich ist das ein polarisierendes Thema zwischen links und rechts.“ Er habe aber wenige Reaktionen erhalten – und wenn dann eher positive.

In eineinhalb Jahren finden im Kanton die Erneuerungswahlen des Kantonsrates und des Regierungsrates für die Amtsdauer 2027 bis 2031 statt. Der Regierungsrat hat kürzlich den Termin auf den 4. April 2027 festgelegt. Auch Lamprecht will dann wieder antreten. „Es wird sicher wieder ein Hosenlupf, aber ich freue mich schon auf den Wahlkampf“, so der Politiker, der in seiner Freizeit im Turnverein Sport treibt oder gern mit seiner Frau tanzen geht. „Die EDU hat Potenzial, da kann man noch was rausholen.“ Und weil die EDU überschaubar gross sei, könne man als einzelne Person viel bewegen. „Das motiviert mich“, betont Thomas Lamprecht, bevor er sich verabschiedet und „Lienis Kafi“ in Richtung seiner Schreinerei verlässt.