Die Allzeitrekorde seit Messbeginn 1864 wurden im Juni pulverisiert. Es gab so viele Hitzetage wie noch nie. Doch beim Bäumegiessen will die Stadt Zürich nichts ändern. Die Chronologie einer gescheiterten Anfrage bei der Verwaltung.
Zumindest für Baumliebhaber unvergessen ist, als vor sieben Jahren gut die Hälfte der 56 gepflanzten Bäume auf dem Stadtzürcher Sechseläutenplatz ein klägliches Ende fand. Einer der Gründe: zu wenig Wasser. Dabei war 2019 nicht sonderlich heiss.
2026 hingegen erleben wir das bisher heisseste Jahr in der Messgeschichte der Schweiz. Im Juni über zehn Tage gemittelt – vom 19. bis zum 28. Juni – erreichten die Tagesmaxima etwa in Zürich einen neuen Allzeitrekord. 35,5 Grad. „Noch nie zuvor gab es seit Messbeginn eine heissere 10-Tages-Periode“, sagte Thomas Schlegel gestern zum „Tages-Anzeiger“.
Die heutige Abkühlung scheint nur ein Tropfen auf den heissen Stein zu sein. Die nächste Hitzewelle ist schon angekündigt.
Die Natur und vor allem Jungbäume im urbanen Umfeld haben es da schwierig, zu gedeihen. So wurden im Winter an der Herman-Greulich-Strasse im Stadtzürcher Kreis 4 mehrere junge Eichen gepflanzt. Nun scheinen zwei davon einzugehen, die Blätter sind vollkommen trocken.
Das wirft Fragen auf.
Warum sterben Jungbäume ab? Wie setzt sich die Stadt für die gut 22’500 Strassenbäume ein? Wie schützt die Stadt die gestressten Gehölze an den Strassenrändern?
Zeit, bei der Stadt nachzufragen, wie Bäume gepflegt und gewässert werden, wie man der offensichtlich dramatisch fortschreitenden Trockenheit begegnen will.
Geht es noch allgemeiner?
Eins vorweg: Grün Stadt Zürich scheint nicht unbedingt Lust zu haben, einzelne Fragen zu beantworten. Lieber verweist man aufs Web mit allgemeinen Fragen und Antworten. Die Dienstabteilung gehört zum Tiefbau- und Entsorgungsdepartement unter der Führung von SP-Stadträtin Simone Brander.
Konkrete Anliegen scheinen zu lästig zu sein.
Beispiel gefällig? „Es wird immer heisser und trockener in Zürich. Wie hat Grün Stadt Zürich in den letzten zehn Jahren diesem Umstand Rechnung getragen bei den Bäumen (Auswahl und vor allem Giess-Systeme)?“ – Sinngemässe Antwort: Schauen Sie doch mal hier nach. Fazit: Die Stadt ändert nichts, plant höchstens „grössere Wurzelräume, die mehr Wasser speichern“.
Auf Nachfrage heisst es dann noch: „Ausgewachsene Bäume sind mit ihren weitreichenden Wurzelsystemen grundsätzlich in der Lage, sich selbst mit Wasser zu versorgen. Sie werden deshalb nicht routinemässig bewässert.“ Und ja, man wähle bei Neubäumen klimaresistentere Arten aus.
Immerhin: Jungbäume werden laut der Stadt regelmässig gegossen. „Dennoch haben junge Bäume teilweise Mühe mit dem Anwachsen.“ Während längerer Trockenperioden werden Jungbäume laut der Stadt zusätzlich mit mobilen Wassertanks bewässert. Die Bewässerung konzentriere sich aber bewusst auf diese jungen Bäume.
„Der Betrieb solcher Grossbaum-Verpflanzungssysteme gehört nicht zu den Kernaufgaben von Grün Stadt Zürich.“
So sind eigentlich auch die Fragen obsolet. Etwa, wie viele der auffälligen, grünen Wassersäcke es gebe, ob man plane, mehr davon einzusetzen, und was für andere Bewässerungssysteme im Einsatz oder in Planung seien.
Sprich: Richtig konkrete Antworten gibt es auch hier nicht. Ausser, dass die Stadt jährlich „rund 1000 Bäume neu pflanzt und überwiegend auf Jungbäume setzt“. Diese würden grundsätzlich mit entsprechenden Bewässerungshilfen ausgestattet.
Kein Plan B beim „Baummassaker“ in Affoltern
Aber eine Chance hat die Stadtverwaltung noch verdient. Wenn doch alle von Bäumen sprechen und viele sich furchtbar über Baumfällungen nerven – was hat Grün Stadt Zürich im Köcher, um Bäume künftig weniger zu fällen anstatt vielmehr zu verpflanzen? Stichwort: Tram Affoltern mit den 680 geplanten Baumfällungen. Jene Baumfällungen werden von Links-Grün gar als „Baumassaker“ bezeichnet.
Also raus mit der Steilvorlage: „Es gibt professionelle Baumverpflanzungsmethoden für Grossbäume. Soweit bekannt, hat die Stadt Zürich keine solchen sogenannten Rundspatenmaschinen. Ist der Einsatz dereinst geplant oder was spricht dagegen?“
„Der Betrieb solcher Grossbaum-Verpflanzungssysteme gehört nicht zu den Kernaufgaben von Grün Stadt Zürich. Im Vordergrund stehen der Schutz, der Erhalt und die fachgerechte Pflege des bestehenden Baumbestands.“
Ende der Durchsage.
Willkommen im Hitzejahr 2026.

Zu wenig gegossen? Von den gepflanzten Jungbäumen an der Herman-Greulich-Strasse im Stadtzürcher Kreis 4 überleben lange nicht alle. Bild: Lorenz Steinmann
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