Die Seilbahn der ZKB blieb ein Traum von Touristikern. Und ob die Zoo-Seilbahn dereinst mehr als eine Planungsleiche sein wird, muss sich noch weisen. Immerhin hat Zürich aber bald eine imposante Seilbahnstation. Zumindest sieht das neue Betriebsgebäude des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich so aus.
Noch ist erst der Rohbau fertig. Aber die Ausmasse und vor allem ein Blick auf die Visualisierung lassen erahnen, dass im ehemaligen Industriegebiet Zürich-West ein Wurf entsteht. Ein Bauwerk, welches ab Herbst 2027 das neue zentrale Betriebsgebäude des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ) beherbergt. Wurf deshalb, weil es zumindest für die automobile Gesellschaft, die von Bern und Basel in Richtung City kurvt, für Aufsehen sorgen wird. Denn es ragt sehr markant in den Strassenraum.
Das neue Gebäude des Elektrizitätswerk der Stadt Zürich in der Fertigansicht, wie man sie auf Ende 2027 erwartet. Visualisierung: Karin Gauch, Fabien SchwartzBemerkenswert ist zudem, dass für den Neubau nicht einfach alles Alte abgebrochen wurde. Es war vielmehr ein Rückbau auf die Betonstruktur des bisherigen EWZ-Gebäudes mit einer Aufstockung um zwei zusätzliche Etagen und der Ergänzung durch den markanten, von drei Schrägstützen getragenen Vorbau. Er wird künftig über den durchgängigen Mühleweg ragen. Damit entsteht eine direkte und öffentlich zugängliche Verbindung zwischen dem Pfingstweidpark und dem Areal ennet der Duttweilerstrasse, dort wo sich das Migros-Hochhaus Herdern befindet. Die Duttweilerstrasse wird dazu unterquert, was beim dortigen vielen Verkehr sicher Sinn macht.
Vor einer Handvoll Medienvertretern (Frauen hatte es keine) führten am vergangenen Mittwoch drei Experten über das Areal und durch die Baustelle. Stadtrat Michael Baumer (FDP), Vorsteher des Departements der Industriellen Betriebe, zeigte sich beim Rundgang beeindruckt: „Der imposante Vorbau erinnert fast an eine Seilbahnstation – oder gar an eine James-Bond-Filmkulisse“, so der ETH-Ingenieur schmunzelnd. Spektakulär ist die Konstruktion tatsächlich: Für den Vorbau, die sogenannte Auskragung, musste zunächst ein spezielles Schwerlast-Traggerüst errichtet werden. Erst als Stützen und Überhang Mitte 2025 „vereint“ waren, trug die Konstruktion sich selbst.
Roman Pfister (links) von Meili, Peter und Partner Architekten wusste die Teilnehmenden des Rundgangs mit seinen Ausführungen zu fesseln und zu unterhalten. Bild: Lorenz SteinmannNachhaltig erneuert statt neu gebaut
Das Betriebsgebäude aus dem Jahr 1974 wurde bis auf seine Betonstruktur zurückgebaut. „Dieser Ansatz, der deutlich ressourcenschonender ist als ein Komplettabriss mit Neubau, entspricht ganz unserer nachhaltigen Unternehmenspolitik“, erklärte EWZ-Gesamtprojektleiter Simon Frei. Eine Aussage, die man eher im Departement von Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) verorten würde. Dort hingegen sind, Stichworte Hallenbad Oerlikon und Eishalle Oerlikon, eher Abbrüche und Neubauten angesagt.
Ein Blick in die Vergangenheit: So präsentierte sich das Gebäude des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich vor gut 15 Jahren. Bild: Baugeschichtliches Archiv/Juliet HallerDoch zurück in die Herdern in Zürich-West. Der auffällige Bau des Architekturbüros Meili, Peter und Partner Architekten kostete sicher etwas mehr als ein 0815-Gebäude, wie man es etwa von einer Aldi-Standardfiliale auf der grünen Wiese her kennt. Aber es sieht gut aus. Das Projekt ist energietechnisch schon fast unabhängig und es ist eine städtebauliche Bereicherung fürs Quartier. Denn es wertet die autodominierte Gegend für Fussgänger und Velofahrerinnen markant auf. Für Architekt Roman Pfister ist der EWZ-Bau ein wichtiger Beitrag zu einem „immensen Urbanisierungsprozess“ in der Gegend. Hier, wo es vor 15 Jahren noch Familiengärten hatte, sowie stadteinwärts ein wuchtiges Verteilzentrum von Coop. Ob sich noch jemand daran erinnert?
Dieser Teil des Gebäudes war bestehend und wurde lediglich ausgekernt. Bald werden überall noch die Fenster (siehe oben) angehängt. Bild: Lorenz SteinmannEine Million Franken weniger Mietkosten
Im Herbst 2027 sollen die Mitarbeitenden der Geschäftsbereiche „Anlagen und Netze“ sowie „Netz-Services“ und weitere Supportbereiche das erneuerte Gebäude beziehen. Damit konzentriert EWZ seine Arbeitsplätze in der Stadt künftig auf die beiden Hauptstandorte Oerlikon und Herdern. Durch die Aufgabe externer Mietflächen können jährlich rund eine Million Franken eingespart werden, wie Michael Baumer stolz verkündete.
Auch energietechnisch (Minergie-P-eco) wird das Projekt wegweisend sein: Die wichtigste Energiequelle bildet das Grundwasser, das über eine neuartige Rezirkulationsanlage genutzt wird. Auf dem Dach wird eine Photovoltaikanlage von knapp 2000 Quadratmetern rund 160’000 Kilowattstunden Solarstrom pro Jahr erzeugen. Das ist der Energieverbrauch von etwa 35 Einfamilienhäusern.
88,2 Prozent der Stimmenden sagten 2020 Ja
Das Betriebsgebäude Herdern ist der zweite Teil der Gesamtinstandsetzung des EWZ-Areals Herdern. Bereits im September 2023 wurde das neue Zentrallager in Betrieb genommen. Es steht bei der Auffahrt zur Duttweilerbrücke und hat eine auffällige Holzfassade. Für die Instandsetzung und Optimierung des gesamten EWZ-Areals Herdern haben die Stimmberechtigten der Stadt Zürich im September 2020 mit einem Ja-Anteil von 88,2 Prozent den Objektkredit von 167,44 Millionen Franken bewilligt.
Sie sprachen vor den Medien zum Projekt (v. l.): Architekt Roman Pfister, FDP-Stadtrat Michael Baumer und Gesamtprojektleiter Simon Frei. Bild: Lorenz SteinmannDas EWZ versorgt Zürich und Teile Graubündens mit Energie. Es ist einer der grössten Energieversorger der Schweiz. Weil das EWZ selber Kraftwerke betreibt, sind die gut 220’000 angeschlossenen Haushaltungen und Betriebe technisch und preislich strommässig stabil versorgt. Das zeigte sich eindrücklich während der Stromkrise zu Beginn des Ukrainekriegs, als das EWZ viel tiefere Tarife anbieten konnte als andere Stromanbieter wie die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich oder der Stromkonzern Axpo, die bedeutend mehr Strom zukaufen müssen.

Eindrücklich! Die Betonstützen des EWZ-Rohbaus. Unten der öffentliche Durchgang zwischen dem Pfingstweidpark und dem Migros-Hochhaus Herdern. Bild: Lorenz Steinmann
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