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Wie Planzer und Coop den Stau auf der Strasse umfahren

Zu sehen ist ein Güterzug von Coop in Zürich, wie er über eine Brücke fährt. Damit werden viele LKW-Fahrten reduziert.Coop setzt neuerdings auf Güterzüge, um für Nachschub für die gut 70 Filialen in Zürich zu sorgen. So werden viele Staustunden gespart. Bild: Coop/zvg

Während die bürgerliche Politik nach dem Abstimmungssonntag über fehlende Parkplätze und zu viel Verkehr auf den Strassen lamentiert, machen Planzer und Coop das Beste aus der Realität. An einer von der Stadt Zürich organisierten Tagung wurden positive Fallbeispiele erörtert.

Je nach Sichtweise war der gestrige Abstimmungssonntag zum Jubeln oder zum Vergessen. Unabhängig davon waren die Gestelle morgens um 6 Uhr in Coop, Migros & Co. aufgefüllt und bereit für den Montagsansturm. Und in wohl nicht wenigen Haushalten klingelte schon um 8 Uhr der Kurier und brachte die gestern online bestellte neue Gartenbrause. Oft geht dabei vergessen, was für eine ausgeklügelte Logistik hinter diesen Serviceleistungen steht.

Es stellt sich die zentrale Frage, wie Grossverteiler und Logistikunternehmen mit dem Thema Stau umgehen. Denn Auto- und Lastwagenfahrer in der Region Zürich stehen jährlich zwischen 94 und 107 Stunden im Stau. Auf den Nationalstrassen im Grossraum Zürich, vor allem an neuralgischen Punkten wie der Nordumfahrung oder dem Gubrist, verzeichnet der Kanton Zürich gar über 3000 Staustunden pro Jahr. Umgerechnet bedeutet dies etwa für die Strecke von Bern nach Zürich über die Autobahn A1 regelmässig 30 bis 60 Minuten zusätzlichen Zeitverlust wegen Staus, zumindest während der Hauptverkehrszeiten. Dieser Zeitverlust bedeutet höhere Kosten und Unsicherheiten bei Lieferungen.

Solche Stressfaktoren gerade, für Firmen, die auf verlässliche Lieferungen angewiesen sind, waren kürzlich Thema einer Veranstaltung. Titel des von der Stadt Zürich organisierten und von Fachleuten und Betroffenen gut besuchten Anlasses: „Urbane Logistik und Gewerbeverkehr im Fokus.“

Grünen-Stadträtin Karin Rykart, Vorsteherin des Sicherheitsdepartements, und SP-Stadträtin Simone Brander, Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, präsentierten die aktuellen Entwicklungen und Massnahmen für den Gewerbeverkehr in Zürich. Im Fokus standen natürlich auch die vieldiskutierten Parkplätze für Handwerker.

Obwohl Rechtsmittelverfahren die eigentliche Einführung der neuen Handwerker-Bewilligungen verzögern, hat die Stadt Zürich ohne grösseres Aufheben einige Neuerungen eingeführt. So müssen die Tagesbewilligungen für blaue Zonen und für die Zufahrt in Sperrzonen nicht mehr ausgedruckt und im Fahrzeug hinterlegt werden. Das Personal der Stadtpolizei sieht digital, wer berechtigt ist und wer nicht. Laut Rykart zeigt sich die Stadt kulanter als früher, wenn keine Parkplätze vorhanden sind. So kann während des Auftrags innerhalb eines signalisierten oder markierten Parkverbots parkiert werden oder auf dem Trottoir, sofern mindestens 1,5 Meter frei bleiben.

Es gibt Geld für Cargovelos

Dem Problem mit den oftmals im Stau stehenden Lieferwagen versucht die Stadt mit den oft zitierten Cargovelos entgegenzuwirken. So übernimmt die Stadt seit April 2026 die Hälfte des Anschaffungspreises eines Cargovelos. Dazu können sich Unternehmen bewerben. Dieses noch wenig bekannte Förderangebot soll gemäss der Stadt Zürich die nachhaltige Mobilität unterstützen.

Auch eine Art Cargovelos sind die speziellen, kleinen Gefährte der Logistikfirma Planzer. Es sind schlanke Fahrzeuge mit grossem Frachtanhänger, die sich perfekt durch den Verkehr schlängeln lassen, ähnlich den Elektrodreirädern, welche die Post in den Quartieren zur Postzustellung nutzt. Die Stadt Zürich startete im Juli 2025 in Zusammenarbeit mit Planzer und der ZHAW School of Engineering das Pilotprojekt „Planzer Mobile Micro-Hub@Zürich“.

Dabei wird ein Anhänger von Planzer temporär in der Ausstellungsstrasse im Kreis 5 abgestellt. Aus diesem Anhänger heraus werden die erwähnten Kyburz-Kleinfahrzeuge bestückt, welche die letzten Meter zu den Empfängerinnen und Empfängern lärm- und emissionsarm zurücklegen. „Ziel des Pilotprojektes ist zu analysieren, wie sich ein mobiler Micro-Hub in unmittelbarer Nähe von Quartieren und der Innenstadt auswirkt“, heisst es in den Tagungsunterlagen. Anna Baschung von Planzer betreut das Projekt aus Sicht der Privatwirtschaft. Sie sieht Chancen in der Effizienzsteigerung, aber auch Nachteile, etwa, dass Cargo-Bikes schnell an ihre Grenzen wegen der Beladekapazität stossen.

Zu sehen ist ein Angestellter von Planzer, wie er an einen Lieferwagen lehnt. Im Hintergrund ein Minifahrzeug, mit dem Planzer die Feinverteilung in die Quartiere vollzieht.  Mit solchen Elektrofahrzeugen sorgt Planzer für die Feinverteilung von Stückgut in die Quartiere Zürichs, dort, wo oft Stau und Parkplatznot herrschen. Bild: Planzer/zvg

Coop reduziert Lastwagenfahrten

So hat sich Coop für ein auf den ersten Blick antizyklisches Modell entschieden. Denn Coop muss jeden Tag bedeutend grössere Tonnagen als Planzer quer durch die Deutschschweiz bis zu den 71 Filialen allein in der Stadt Zürich (inklusive Coop Pronto) liefern. Laut Frank Dietrich, Leiter Netzwerksteuerung und Logistiksteuerung der Coop-Gruppe, macht der Grossverteiler seit November 2025 gute Erfahrungen mit seinem Umstieg auf die Schiene. Dazu mietete Coop von den SBB Coop zwei Eisenbahngleise für Güterwagen in Zürich. Damit gelingt es Coop, Lastwagenfahrten und Staustunden zu verhindern.

Dank dem Eisenbahn-Hub im Quartier Hard kann Coop seither neu mit dem Zug beliefern, statt von der regionalen Verteilzentrale Schafisheim AG den Lastwagen zu nutzen. Vom Eisenbahn-Hub aus erfolgt dann die Verladung der Container auf die Lastwagen. Die Zahlen dazu sind durchaus eindrücklich: Durch diese Umlagerung spart Coop laut eigenen Angaben 58’000 Lastwagenfahrten von Schafisheim ins 42 Kilometer entfernte Zürich pro Jahr ein. Ebenfalls vermeidet Coop bis zu 8100 Staustunden pro Jahr. Somit profitiert der Grossverteiler mit Hauptsitz Basel vom Umstieg finanziell wie auch punkto Image.

Ein weiterer Punkt ist das Fahrpersonal.

Denn laut Fabienne Perret vom Ingenieur- und Beratungsunternehmen EBP kämpft die Lastwagenbranche mit Nachwuchsproblemen. Sprich: Der tägliche Stress im Stau und die permanente Unfallgefahr machen den Chauffeurberuf immer unattraktiver. Schlagzeilen wie „Velofahrer von LKW erfasst – tot“ gehen laut Perret nicht spurlos an den Fahrerinnen und Fahrern vorüber. So habe der Umstieg vom Lastwagen auf die Schiene den willkommenen Nebeneffekt, dass diese Rekrutierungsprobleme abnehmen würden.

Die Tagung bot laut den Teilnehmenden einen guten Überblick darüber, wie Verwaltung und die Privatwirtschaft versuchen, gemeinsam Logistik-Lösungen in Ballungsräumen zu erarbeiten. Denn dass Zürich immer mehr wächst und auch zum Magnet für die Freizeit wird, ist nicht erst seit dem Nein zur „10-Millionen-Schweiz“ von gestern eine Tatsache.

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