Wandern, Velofahren, Schwimmen, Skifahren und Joggen sind laut einer Studie aus Bundesbern bei Schweizerinnen und Schweizern hoch im Kurs. Aber auch Krafttraining und Yoga werden immer beliebter. Wir wollten von Zürcher Kantonsrätinnen und Kantonsräten wissen, wie es bei ihnen persönlich in Sachen Sport aussieht.
Wir sind so sportlich wie kaum jemand anderes in Europa. Das besagt zumindest die Studie „Sport Schweiz 2026“ des Bundesamts für Sport (Baspo). Die Schweiz gehört zu den europäischen Ländern mit der höchsten Sportaktivität. Wir stehen mit Finnland, Schweden und Dänemark an der Spitze. Juppi! Da kann man sich schon mal selbst auf die Schulter klopfen. „Was die Länder im Norden Europas und die Schweiz auszeichnet: Sport ist in diesen Ländern ein integraler Bestandteil des Lebensstils“, heisst es in der Studie.
Das Baspo untersuchte die Sportaktivität und die Sportinteressen der Bevölkerung ab 15 Jahren. Kurz zusammengefasst sind Wandern (49 Prozent der Bevölkerung), Velofahren (34 Prozent), Schwimmen (25 Prozent), Skifahren (23 Prozent) und Joggen (23 Prozent) sehr beliebt. Aber Krafttraining (20 Prozent) und Yoga (16 Prozent) holen auf. Das spiegelt sich gemäss einem Communiqué des Baspo auch in den Mitgliedschaften von Sporttreibenden wider: Erstmals seien mehr Personen im Alter ab 15 Jahren Mitglied in einem Fitnesscenter (22 Prozent) als in einem Sportverein (19 Prozent).
Am Kantonsratslauf dürfen alle mitmachen
Doch wie sieht es eigentlich punkto Fitness im Zürcher Kantonsrat aus? Dort bringt nämlich regelmässig die überparteiliche Parlamentarische Gruppe Sport – kurz PG Sport – die Politikerinnen und Politiker ins Schwitzen. Sie ist eine von aktuell 20 parlamentarischen Gruppen. Es gibt zum Beispiel auch eine zur Berufsbildung, eine für Kind und Jugend oder eine andere, die sich Tierallianz nennt.
„Die PG Sport hat 18 Mitglieder in der Kerngruppe, steht aber bei Anlässen wie dem Kantonsratslauf immer allen 180 Kantonsräten offen und hat auch eine hohe Beteiligung“, erklärt der Vorsitzende Daniel Wäfler (SVP). Der Kantonsratslauf ist vom Zürcher Kantonalverband für Sport (ZKS) sowie der PG Sport im Jahr 2022 ins Leben gerufen worden. Im April ging er zum fünften Mal über die Bühne: „Frühmorgens vor der Ratssitzung drehten 60 Zürcher Kantonsratsmitglieder joggend und walkend Runden im Letzigrund oder absolvierten eine Gymnastik-Einheit in der Aufwärmhalle“, schrieb der ZKS in einer Mitteilung.
Rathuus wollte von den Mitgliedern der PG Sport wissen, wie sportlich sie sind.
Tischtennis verbindet über Parteigrenzen hinaus (v. l.): Christoph Fischbach (SP) und Daniel Wäfler (SVP) zeigen an der Tischtennisplatte ihr Können. Bild: zvgWäfler selbst treibt drei- bis viermal Sport pro Woche. Der Gossauer Kantonsrat geht joggen, Velofahren, macht Gymnastik und will künftig wieder vermehrt 300-Meter-Schiessen betreiben. Sein Sportverband im ZKS sei der Schützenverband.
GLP-Kantonsrätin Monica Sanesi betätigt sich ein- bis viermal pro Woche sportlich. Die Stadtzürcherin macht Pilates, geht ins Fitnesscenter oder fährt Velo.
Auch Roland Kappeler trifft man regelmässig im Fitness an. Er nutzt die Angebote des Akademischen Sportverbands Zürich. Der SP-Kantonsrat versucht, täglich Sport zu treiben – mindestens fünfmal wöchentlich 45 Minuten. Je nach Saison geht der Winterthurer zudem Velofahren, Mountainbiken, Skifahren und Schwimmen. „Dazu bin ich in Winterthur täglich mit dem Velo unterwegs – fast täglich zwischen 15 und 30 Minuten“, sagt Kappeler.
Karin Fehr Thoma steht dafür einmal die Woche auf dem Fussballfeld. Sie kickt für die Frauen 30+ des FC Bauma. „Ansonsten mache ich täglich gewisse Bauch- und Rückenmuskeltrainings und mein Alltagsverkehrsmittel ist das Velo“, so die Grünen-Kantonsrätin aus Uster. „In den Ferien gehen wir häufig wandern oder sind mit dem Velo unterwegs.“
EVP-Kantonsrat Daniel Sommer ist ebenfalls fussballbegeistert. Er spielt für den FC Affoltern am Albis und den FC Kantonsrat. Zudem fährt er mit dem Velo, steht auf die Ski, geht joggen und spielt Squash oder Badminton. Der Affoltemer Politiker macht in der Regel ein- bis zweimal wöchentlich Sport. „Hinzu kommt der Arbeitsweg mit dem Fahrrad, den ich zwei- bis viermal mache“, sagt Sommer. Das sind immerhin 14 Kilometer hin und zurück.
Joggen ist bei vielen hoch im Kurs
Domenik Ledergerber, Präsident der SVP Kanton Zürich, treibt zweimal Sport pro Woche. Der Herrliberger Kantonsrat geht joggen und gern in den Bergen wandern.
Die Mitte-Kantonsrätin Ruth Ackermann betätigt sich zwei- bis viermal pro Woche sportlich. Die Stadtzürcherin macht Krafttraining, Gymnastik sowie Pilates und geht Velofahren, Wandern, Skifahren, Schwimmen oder Walken.
Die Grünliberale Andrea Gisler wiederum fährt täglich mit dem Velo zur Arbeit – kein E-Bike, wie die Kantonsrätin betont. „Hin und wieder mache ich auch Velotouren in den Ferien. Pro Woche sind das mindestens 50 Kilometer“, sagt die Kantonsrätin. Alle ein bis zwei Wochen spiele sie Volleyball. Einmal pro Woche ist die Gossauerin im Fitnessstudio anzutreffen. An den Wochenenden gehe die Politikerin oft wandern – „mindestens 800 Höhenmeter aufwärts, runter gerne mit der Bahn“. Einmal pro Woche jogge sie sieben bis zehn Kilometer. „Im Winter fahre ich Snowboard.“
Der Kantonsratslauf findet jeweils im April vor einer Ratssitzung statt. Gut ein Drittel des 180-köpfigen Parlaments nimmt daran teil. Kein Wunder, der Sport-Event scheint Spass zu machen. Bild: zvgSeit seiner Kindheit ist Stephan Weber beim Turnverein Wetzikon aktiv. „Früher als Kunstturner auch als Leiter, heute in der Männerriege, wo ich auch Präsident bin“, erklärt der FDP-Kantonsrat. Er ist regelmässig in der Männerriege und joggend anzutreffen. Zudem fährt der Wetziker Ski und spielt Tennis.
Alexander Jäger von der FDP ist hingegen selbst nicht sportlich in einem Verein aktiv. „Ich laufe täglich meine 15’000 Schritte und bin im Vorstand des Nord-Ostschweizer Basketballverbands“, sagt der Stadtzürcher Kantonsrat. Weiter schaue er viele Eishockeyspiele des EHC Kloten live und sei auch Fan des FC Bayern.
Kantonsrat muss sich sportlich nicht verstecken
Noch sportlicher scheint Christina Zurfluh zu sein. Die SVP-Kantonsrätin treibt drei- bis sechsmal Sport pro Woche. Im Sommer schwimmt die Wädenswilerin, zieht auf dem Stand-up-Paddle-Board ihre Runden, fährt mit dem E-Bike oder geht in den Ferien am Meer schnorcheln. Im Winter steht die Politikerin auf den Ski, geht Langlaufen oder Winterwandern. Ausserdem trifft man sie im Pilates, beim Yoga oder in Fitnesskursen wie Body-Toning. Und wenn es die Gelegenheit dazu gibt, dürfen es auch mal Standardtänze mit ihrem Mann sein, was aber selten genug vorkomme, wie Zurfluh schmunzelnd anfügt.
Obenauf schwingt bei unserer kleinen Umfrage aber Stephan Hegetschweiler. Auf die Frage, welche Sportarten er treibt, antwortet der GLP-Kantonsrat: „Aktuell hauptsächlich Crossfit – was selbst schon unterschiedliche Klassen wie Crossfit, Bootcamp, Hyrox und Weightlifting enthält.“ Crossfit gilt als eines der härtesten Workouts. Daneben macht der Stadtzürcher Trailrunning, besonders am Uetliberg. Hegetschweiler treibt viermal pro Woche je eine Stunde Sport. Hinzu kommen wöchentlich etwa eineinhalb bis zwei Stunden auf dem Fahrrad. Ausserdem wandert der Politiker und fährt im Winter Snowboard oder Ski.
Unsere Stichprobe zeigt: Die Kantonsrätinnen und Kantonsräte können locker mit dem Rest der Schweizer Bevölkerung mithalten. Zumindest gilt das für die Mitglieder der PG Sport.
Vielleicht hilft die Kondition ja dabei, die eine oder andere politische Marathon-Debatte durchzustehen.

Nur noch ein paar Meter durchhalten (v. l.): Thomas Huber (FDP), Hans Egli (EDU) und Markus Bärtschiger (SP) machten am Kantonsratslauf im Letzigrund einen fitten Eindruck. Bild: zvg
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