Klammheimlich hat der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) das generelle Verbot des Velotransports während der Stosszeiten in den S-Bahnen aufgehoben. Die Proteste waren zu gross.
Bisher galt in der Zürcher S-Bahn ein generelles Velomitnahmeverbot von Montag bis Freitag jeweils von 6 bis 8 Uhr und von 16 bis 19 Uhr. Diese Einschränkung betraf auch schwach besetzte Züge entgegen den Pendlerströmen. Entsprechend gross war der Missmut der Zuggäste mit Velos, velofahrende Pendlerinnen, Ausflügler, erschöpfte Gümmeler (wie manchmal der Schreibende). Und wenn es in fast leeren Zügen Bussen hagelte, wurde das Unverständnis noch grösser.
Jetzt bestätigen die Verantwortlichen eine Beobachtung von Rathuus. Es ist schon fast ein Sommermärchen, eine Positiv-Nachricht.
Es gibt durchaus Platz für Velos
Wie es von der SBB-Medienstelle in Bern heisst, sei aufgrund von Kundenreaktionen, im Austausch mit den Verbänden und aus eigener Erfahrung klar geworden, dass die pauschale Regel, dass Velos nicht in der S-Bahn mitfahren dürfen von 6 bis 8 Uhr und von 16 bis 19 Uhr, nicht nötig ist. Gerade im Ausflugsverkehr, der häufig auch entgegen der Lastrichtung – etwa am Morgen stadtauswärts – stattfinde, gebe es durchaus eine Nachfrage und auch Platz für Velos in der S-Bahn. Und weiter: „Solche Reisen wollen wir ermöglichen. Zudem ist die Kombination von Velo und Zug auch für berufliche Zwecke gerade in schlechter erschlossenen Gebieten ausserhalb der Zentren sehr sinnvoll und auch dort hat es häufig genug Platz“, sagt Mediensprecherin Sabrina Schellenberg.
Dass man sich nun einfach mit seinem Drahtesel in eine volle S-Bahn quetschen kann, ist nach wie vor nicht vorgesehen. „Massgebend ist der Online-Fahrplan: Verbindungen, auf denen kein Veloselbstverlad möglich ist, sind mit einem durchgestrichenen Velosignet gekennzeichnet“, erklärt Schellenberg.
Interessanterweise zeigt ein Blick in den Online-Fahrplan der nächsten Tage, dass diese Einschränkungen sehr flexibel gehandhabt werden. Sprich: Jetzt in den Sommerferien gibt es praktisch keine Einschränkungen. Das wird wohl ab Mitte August anders sein, wenn die S-Bahnen wieder voller sind.
Dies bestätigt auch Sabrina Schellenberg: „Die Anpassung besteht darin, dass die Einschränkungen differenzierter im Fahrplan abgebildet werden. Nicht jede Verbindung innerhalb der genannten Zeitfenster ist automatisch ausgeschlossen; entscheidend ist, ob auf einer konkreten Verbindung genügend Kapazität vorhanden ist.“
Man will explizit zurückhaltend kommunizieren
Der Grund der bisherigen Nicht-Kommunikation ist laut der SBB, dass man „keine hohen Erwartungen schüren möchte“. Eine Reise mit Velo und ÖV erfordere immer gute Vorbereitung und eine gewisse Flexibilität. „Die Regelung wurde mit den anderen Bahnen im ZVV-Gebiet (zum Beispiel Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn sowie Thurbo, die Ostschweizer Eisenbahngesellschaft, Anm. d. Red.) angepasst und wir haben uns explizit auf eine zurückhaltende Kommunikation geeinigt.“
War das vielleicht auch der Grund, dass nicht der zuerst angefragte Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) antwortete, sondern die SBB? Alles in allem aber eine Good News, zumindest aus Sicht der Zunft der Velofahrenden.
Nicht nur für Velos! In den 1980er-Jahren waren Autoreisezüge – wie etwa von Altstetten nach Hamburg – noch en vogue. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_LC1710-001-009Wer sich für die allgemeinen Vorgaben der SBB punkto Velotransport interessiert, findet auf dieser Website alle News. Und auf dieser Website wird fündig, wer mit dem Postauto (und dem Velo) verreisen will.

Auch das Velo darf mitfahren: In Stosszeiten muss das Velo in S-Bahnen künftig nicht mehr generell auf dem Perron zurückgelassen werden. Bild: Lorenz Steinmann
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