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„Mich beschäftigt das, was die Menschen um mich herum bewegt“

Auf dem Bild sieht man Mikhail Shalaev von der Jung-FDP der Stadt Zürich.Mikhail Shalaev (23) will für die Jung-FDP in den Stadtrat von Zürich. Bild: zvg

Mikhail Shalaev ist Vizepräsident der Zürcher Jungfreisinnigen. Nun will er einen Sitz im Stadtrat von Zürich erobern. Im indiskreten Rathuus-Fragebogen thematisiert er seine Vorfahren aus der Sowjetunion und erzählt, was er als Kind werden wollte.

Mikhail Shalaev, wie wurden Sie politisiert?
Wenn man Vorfahren hat, die in der Sowjetunion gelebt haben, ist einem bewusst, welche Gefahren der Kommunismus birgt. Die Schweiz ist gerade deshalb erfolgreich, weil die Freiheit seit jeher ein zentraler Wert ist. Dies hat mich fasziniert. Von Anfang an war es mir ein Anliegen, mich für den Erhalt dieser Freiheit einzusetzen.

Was wollten Sie als Kind werden?
Journalist. Diesen Traum habe ich sofort verwirklicht: Als Kind habe ich gemeinsam mit Freunden eine Zeitung geschrieben, die wir in der Nachbarschaft verkauft haben.

„Was mich am meisten politisch beschäftigt? In der Stadt Zürich sind das die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt, die Mobilität und die öffentliche Sicherheit.“


Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
Mich beschäftigt das, was die Menschen um mich herum bewegt. In der Stadt Zürich sind das die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt, die Mobilität und die öffentliche Sicherheit. Bei der Mobilität bin ich der Ansicht, dass kein Verkehrsteilnehmer ausgebremst werden darf und keine Mobilitätsform benachteiligt werden soll. In der Schulbehörde denke ich viel darüber nach, wie Integration am besten gelingen kann. Darüber hinaus befindet sich die Gastro- und Ausgangsszene im Wandel. Ich halte es für wichtig, dass diese Entwicklung nicht zu einem schleichenden Verlust der Vielfalt in unserer Stadt führt.

Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
Streng genommen bin ich in zwei Parteien aktiv – bei der FDP und den Jungfreisinnigen. Die Zusammenarbeit zwischen Mutter- und Jungpartei funktioniert hervorragend. Beide teilen dieselbe Grundstimmung: freiheitlich, zukunftsgerichtet, innovativ. Wir wollen Zürich gestalten und noch besser machen. Da ist an Abwanderungsgelüste nicht zu denken.


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„Das Unterschriftensammeln und der Austausch mit der Bevölkerung sind Kerntätigkeiten in einer lebendigen Demokratie.“

Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
Ich sammle sehr oft. Das Unterschriftensammeln und der Austausch mit der Bevölkerung liegen mir am Herzen. Es sind Kerntätigkeiten in einer lebendigen Demokratie.

Welche Staatsmänner halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch?
Ich beschränke mich auf den Kanton Zürich: Jonas Furrer, Alfred Escher und Elisabeth Kopp. All diese Persönlichkeiten waren Pioniere und prägten die Entwicklung unseres Staates entscheidend mit.

Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken?
Historisch: Mit Ulrich Ochsenbein, dem Präsidenten der Kommission, die 1848 unsere Bundesverfassung erarbeitete. Mich fasziniert dabei nicht nur der Inhalt der damaligen Debatten, sondern besonders auch die bemerkenswerte Effizienz. Dieses so fundamentale Werk entstand in nur 51 Tagen. Aktuell: Mit OZ, einem Schweizer Musikproduzenten, dessen Produktionen international durch die Decke gehen, während er hierzulande unter dem Radar fliegt.

Was ist Ihr Lieblingsrestaurant in der Stadt oder im Kanton Zürich?
Die Osteria Sazio im Zürcher Seefeld: Hervorragende italienische Küche, auch mit Take-away-Option, von der ich in meiner Gymizeit oft Gebrauch machte.

Kaufen Sie das „Surprise“ und lesen Sie es auch?
Noch nicht gekauft, aber einige Male gelesen.

Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht?
Ich würde gerne programmieren lernen.

„Aussergewöhnliches geleistet hat zum Beispiel Emilie Kempin-Spyri: Sie war die erste promovierte Juristin Europas und die erste Dozentin an der Universität Zürich. Ende des 19. Jahrhunderts stiess sie vor dem Bundesgericht den ersten Gleichstellungsprozess der Schweiz an.“

Wer ist für Sie die bedeutendste Zürcherin respektive der bedeutendste Zürcher?
Für mich gibt es da nicht eine Person, denn je nach Lebensbereich haben viele Zürcher Persönlichkeiten Aussergewöhnliches geleistet. Eine von ihnen ist Emilie Kempin-Spyri: Sie war die erste promovierte Juristin Europas und die erste Dozentin an der Universität Zürich. Ende des 19. Jahrhunderts stiess sie vor dem Bundesgericht den ersten Gleichstellungsprozess der Schweiz an. Obwohl sie zunächst vor Gericht unterlag, ebnete
sie den Weg für die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau sowie für das Frauenstimmrecht. Ihrem beharrlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass 1898 im Kanton Zürich ein neues Anwaltsgesetz eingeführt wurde, das Frauen trotz fehlendem Aktivbürgerrecht die Ausübung des Anwaltsberufs ermöglichte.

Sex ohne Liebe, was halten Sie davon?
Nichts für mich, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Was war Ihr grösster politischer Erfolg?
Für mich ist es jedes Mal ein Erfolg, wenn ich jemanden bei einer Standaktion überzeugen oder insbesondere junge Menschen für Politik begeistern kann.

Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas?
Zum Glück bin ich davon verschont geblieben. Viele Fehler lassen sich vermeiden, wenn man seine Ideen mit anderen diskutiert. Insbesondere mit denen, die nicht dieselbe Meinung haben.

„Mir gefällt das historische Rathaus deutlich besser.“


Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard?
Mir gefällt das historische Rathaus deutlich besser.

Portobello-Burger oder Poulet-Kebab?
Sofern gut zubereitet, finde ich beides sehr lecker.

Taylor Swift oder Beatrice Egli?
Wenn die beiden ein gemeinsames Konzert spielen würden, würde ich vorbeischauen.

Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy?
Meine Freundin.

Worauf freuen Sie sich?
Auf den Wahlkampf.

Und worüber können Sie lachen?
Über politische Memes.

Mikhail Shalaev ist Vizepräsident der Jungfreisinnigen des Kantons und der Stadt Zürich. 2022 wurde er für die FDP in die Schulbehörde der Stadt Zürich gewählt. Darüber hinaus engagiert er sich als Vizepräsident der FDP Kreis 11 (Oerlikon, Affoltern, Seebach). Bei den Wahlen am 8. März 2026 will er für die Jung-FDP in den Stadtrat von Zürich einziehen. Shalaev ist zudem Co-Präsident des Vereins „Studierende für die Freiheit UZH“.

Der 23-Jährige ist Student der Rechtswissenschaften an der Universität Zürich und plant, 2026 den Master of Law abzuschliessen. Seit Februar 2025 ist er Hilfsassistent an der juristischen Fakultät. Das Gymnasium absolvierte der Jungfreisinnige von 2016 bis 2020 an der Kanti Stadelhofen. Aufgewachsen ist er in Zürich-Affoltern. In seiner Freizeit liest Mikhail Shalaev gerne, er spielt Fussball, Tennis und Klavier. 

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