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Ho-la-di-o! Jodeln auf Hochschulniveau

Ein älterer Mann hält ein Handy hoch und filmt einen Jodelchor. Auf dem Display des Smartphones ist der Jodelchor bei seinem Auftritt zu sehen.Am Schweizer Nationalfeiertag gehört Jodeln einfach dazu – so wie hier 2025 in Kloten. Mittlerweile hat es das Brauchtum sogar auf die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes geschafft. Bild: Pascal Turin

Dem kulturellen Erbe Jodeln soll mehr Raum gegeben werden – und zwar nicht nur an 1.-August-Feiern: Mit einer Einzelinitiative fordert ein Bülacher, dass der Kanton Zürich eine Ausbildung für Jodeldirigentinnen und Jodeldirigenten anbietet.

Die Probleme der Welt kann man damit wohl nicht lösen, aber es tut bestimmt gut, wenn im Kantonsrat für einmal ganz harmlose Themen diskutiert werden. Stefan Basler hat nämlich ein interessantes Anliegen: Er möchte, dass der Kanton Zürich an einer seiner Bildungsinstitutionen ein Hauptfach mit Jodel und insbesondere mit dem Schwerpunkt Dirigentenausbildung anbietet. Dafür hat der Bülacher SVP-Politiker eine Einzelinitiative eingereicht.

„Seit 2011 bin ich im Jodelklub Bülach und stelle fest, Neugründungen von Jodelvereinen sind eher die Ausnahmen als die Regel“, schreibt Basler. Es gebe aus seiner Sicht zwei Hauptursachen für diesen Trend: fehlende Dirigenten und fehlender Nachwuchs. Aktuell sei der Jodelklub Bülach betreffend Mitglieder nicht schlecht aufgestellt, habe aber noch Luft nach oben, heisst es in der Einzelinitiative weiter. Sorgen mache dem Verein eher die Situation mit dem Dirigenten. Der sei super, aber leider auch schon über 70 Jahre alt. „Da stellt sich automatisch die Frage für uns, wie gestaltet sich die Zukunft?!“ Aus seiner Sicht wird dieses Problem nicht nur der Jodelklub Bülach zu bewältigen haben, sondern es betrifft auch andere Jodelvereine.

„Die zumeist konservativen Wähler werden es Ihnen danken, wenn Sie sich für den Erhalt unseres Kulturgutes einsetzen“, so Stefan Basler in seiner Einzelinitiative.


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Es ist nicht seine erste Einzelinitiative

Der Initiant verweist als mögliche Lösung auf Luzern. Das Departement Musik der Hochschule Luzern bietet dort seit Herbst 2018 ein Hauptfach „Jodel“ an. Stefan Basler schlägt darum vor, dass an einer Ausbildungsinstitution des Kantons ein ähnlicher Lehrgang eingeführt wird – mit dem Hauptaugenmerk auf die Dirigentenausbildung. „Die Bildungspolitik obliegt den Kantonen und somit wäre der Kantonsrat gefragt, hier aktiv zu werden. Die zumeist konservativen Wähler werden es Ihnen danken, wenn Sie sich für den Erhalt unseres Kulturgutes einsetzen“, schreibt der Bülacher.

Im Kantonsrat braucht es 60 Mitglieder, damit eine Einzelinitiative an den Regierungsrat überwiesen wird. Dieser legt dem Parlament Bericht und Antrag vor. Der Kantonsrat stimmt anschliessend über die Initiative ab. Doch dieser Ablauf ist Stefan Basler sicher gut bekannt. So reichte er Anfang Jahr eine Einzelinitiative mit dem Titel „Steigerung der Attraktivität von politischen Milizämtern in den Gemeinden“ ein. Das Begehren erhielt allerdings nur 24 Stimmen und wurde deshalb nicht vorläufig unterstützt.

Dafür errang Basler 2024 einen Achtungserfolg mit einer anderen Einzelinitiative. Das Mitglied der Bülacher Sozialhilfebehörde forderte Massnahmen des Kantons zur Erhöhung der Rückzahlungsquote bei der Alimentenbevorschussung. „In seinem Vorstoss bemängelt er, dass der Kanton zu wenig unternimmt, um die von den Gemeinden bevorschussten Alimente zurückzufordern“, schrieb der „Zürcher Unterländer“ damals. Zu einer Alimentenbevorschussung komme es, wenn die gerichtlich oder vertraglich festgelegten Kinderalimente vom zahlungspflichtigen Elternteil nicht oder nicht vollständig bezahlt würden. „71 Personen unterstützen die Forderung nach mehr Hartnäckigkeit beim Eintreiben von Alimenten“, so die Tageszeitung.

Am Ende lehnten jedoch der Regierungsrat, die Kommission für Bildung und Kultur und der Kantonsrat die Initiative ab.

„Das Jodeln ist äusserst beliebt und wird in Familien, Vereinen, Musikschulen oder einfach unter Sängerinnen und Sängern weitergegeben“, so das Bundesamt für Kultur in einer Mitteilung.

Es war ein grosser Tag für die Jodelszene

Doch zurück zum Jodeln. Rückenwind dürfte dem Anliegen ein Entscheid der Unesco geben. Die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization hat nämlich kürzlich das Jodeln in ihre Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Auf der Kulturerbe-Liste befindet sich unter anderem bereits das Winzerfest in Vevey oder die Basler Fasnacht.

„Das Jodeln ist äusserst beliebt und wird in Familien, Vereinen, Musikschulen oder einfach unter Sängerinnen und Sängern weitergegeben“, schreibt das Bundesamt für Kultur dazu in einer Mitteilung. Über 12’000 Jodlerinnen und Jodler seien Mitglied einer der 711 Gruppen des Eidgenössischen Jodlerverbands, doch die Praxis werde auch ausserhalb von Vereinen und Chören gepflegt. „Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler lassen sich ebenfalls davon inspirieren, was die Lebendigkeit einer sich ständig weiterentwickelnden Tradition bestätigt“, heisst es im Pressetext weiter.

Freuen darf sich insbesondere Nadja Räss. Sie ist Professorin und leitet den Studienbereich Volksmusik an der Hochschule Luzern. Der Sender Musikwelle des Schweizer Radio und Fernsehens wollte von ihr wissen, welches Gefühl der Unesco-Entscheid in ihr als Jodlerin auslöst: „Es ist ein unglaublich gutes Gefühl. Ich durfte beim ganzen Einschreibungsprozess mitarbeiten. Es ist wie vorgezogene Weihnachten.“ Räss leitet den Jodlerklub Waldstatt-Echo Einsiedeln. „Jodeln ist für mich unsere fünfte Landes­sprache“, sagte die Gesangspädagogin gegenüber der Zeitschrift Glückspost.

Begeisterung ist also da – ein Studiengang im Kanton Zürich aber noch nicht. Ob bald Jodeln auf Hochschulniveau an der Zürcher Hochschule der Künste oder anderswo gelehrt wird, ist offen. Klar ist: Jodeln kann man auch ohne Vorlesungen oder Seminare. Und sollte der Kantonsrat kein Musikgehör beweisen, können Jodlerinnen und Jodler mit Studienwunsch weiter nach Luzern ausweichen.

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