Die Meldung der „Republik“ schlug hohe Wellen: Der „SonntagsBlick“ soll eingestellt und in den „Blick“ vom Samstag integriert werden. Als Vorbild gilt die „Schweiz am Wochenende“. Warum dies nicht klappen kann, zeigt unsere Analyse.
Gestern Sonntag bot ausgerechnet der todgeweihte „SonntagsBlick“ aus Lesersicht das grösste Erlebnis. Dieses Fazit zieht man innerlich nach der Lektüre der „SonntagsZeitung“, der „NZZ am Sonntag“ und eben des „SoBli“.
„NZZ am Sonntag“ und „SonntagsZeitung“ versuchten, den 19. Juli mit allgemeinen, fast schon zeitlosen Geschichten zu überbrücken, so wie das der „Spiegel“ öfters auch tut. Eine Nostalgiegeschichte, wie die Swiss unter der Lufthansa leidet, und ein Report, wie man heute gegenüber früher auch in den Ferien viel erreichbarer sein muss. Schnarch!
Demgegenüber überraschte der „SoBli“ mit etwas sprunghaften, aber immerhin aktuellen Themen. Und der Sport beinhaltete solide, exklusive Geschichten und einen Resultatteil. Etwas, was man bei der Konkurrenz seit Jahren vergebens sucht. Dass die Fussball-WM und vor allem die berufliche Zukunft unserer Natistars breit abgehandelt wurden, passte am Tag des WM-Finals. Damit punktet der seit 1969 erscheinende „SonntagsBlick“ auf ganzer Linie.
So ist es eigentlich schade, geht mit dem „SonntagsBlick“ das aktuellste und überraschendste Sonntagsblatt spätestens Ende Jahr zu. Schon jetzt findet man online kein Impressum mehr der „SoBli“-Redaktion. Es scheint, als ob Ringier das Thema totschweigen und sein ehemaliges Flaggschiff still zu Grabe tragen möchte.
Und doch ist es fast die Top-Story des Sommers 2026. Der „SonntagsBlick“ erscheine nur noch bis Ende 2026″, berichtete die „Republik“ exklusiv. Alle namhaften Titel nahmen das Thema auf. Teils etwas hämisch, teils mit gewisser Sorge.
Denn es entsteht ein riesiges Problem, wenn eines der drei Sonntagsblätter wegfällt.
Bei unserer Sonntagspresse gilt eine Art Kaskadeneffekt. Ist einer der drei Titel nicht mehr dabei, hat das wegen des teuren und komplizierten Verteilprinzips am Sonntagmorgen grosse Auswirkungen auf die restlichen Titel. Die Vertriebsnetzwerke lassen sich nur finanzieren, wenn alle grossen Player mitmachen. Wenn einer der drei Partner wegbricht, fällt alles in sich zusammen, da sind sich Experten einig. Sprich, die „SonntagsZeitung“ und die „NZZ am Sonntag“ müssen plötzlich viel mehr zahlen. Alleine den teuren Zustelldienst am Sonntagmorgen stemmen? Gute Nacht.
Spätestens Ende 2026 ist Schluss mit diesem Sonntagsblätter-Trio. Das bringt den verbleibenden Titeln mehr Probleme, als ihnen lieb ist. Bild: Pascal TurinRingier übte sich in Krisenkommunikation
„Blick“-Verlag Ringier wurde von der „Republik“ auf dem falschen Fuss erwischt. Eiligst musste die Belegschaft informiert werden über etwas, was schon in allen Konkurrenzblättern stand. Halbherzig reagierte CEO Marc Walder und liess verlauten, man werde den „SonntagsBlick“ nicht sterben lassen, sondern in den „Blick“ vom Samstag integrieren.
Das ist natürlich eine rein taktische Massnahme, um nicht allzu schlecht dazustehen vor der Belegschaft und vor der Öffentlichkeit. Das wird darum nicht funktionieren, weil der „Blick“ ein viel ländlicheres, konservativeres Publikum hat als der urbanere „SonntagsBlick“. Der heutige Chefredaktor Reza Rafi oder die preisgekrönten Journalistinnen und Journalisten Rebecca Wyss und Andreas Schmid passen zum „Blick“ wie SP-Nationalrat Jacqueline Badran zum bürgerlichen Hauseigentümerverband. Nämlich gar nicht.
31 Regionalausgaben vs. 1 „Blick“
Fast schon rührend naiv ist zudem, wie oft die „Schweiz am Wochenende“ als Positivbeispiel herangezogen wird. Der Tenor: So könnte eine Verlagerung von Sonntag auf den Samstag doch erfolgreich sein.
Der grosse Unterschied: Die „Schweiz am Wochenende“ ist quasi die Samstagsausgabe eines riesigen Zeitungsverbundes mit sage und schreibe 31 Regionalausgaben. So gibt es Regionalsplits für Luzern, St. Gallen, natürlich den Aargau mit dem Hauptsitz des herausgebenden Verlags CH Media, aber auch für Graubünden. Jeweils mit fünf, sechs lokalen Seiten inklusive Sport und Titelseite. Eine journalistisch und logistisch perfekte Meisterleistung.
Hinzu kommt: Die „Schweiz am Sonntag“ – also die Vorgängerzeitung der „Schweiz am Wochenende“ – war schon ein Zusammenschluss der Zeitungen „Der Sonntag“ und „Die Südostschweiz am Sonntag“. Als die „Schweiz am Sonntag“ Anfang 2017 zum letzten Mal erschien, wurde ihr kaum eine Träne nachgeweint.
Es wäre jetzt gemein, zu behaupten, dass Riniger-CEO Marc Walder seine Nase selten bis nie in eine Ausgabe der „Schweiz am Wochenende“ steckt. Aber genau dieser Eindruck ist entstanden. Zu glauben, mit der Fusion von „Blick“ und „SonntagsBlick“ passiere das Wunder, ist völliger Blödsinn. Da hilft es auch nicht, wenn Peter Rothenbühler in der heutigen NZZ denselben Ton anschlägt. Der ehemalige Chefredaktor des „SoBli“ klammert sich an eine Möglichkeit, die keine ist.
Es ist etwa so krude wie die Idee von Publizist Markus Somm, als er vor gut fünf Jahren beschloss, das Satiremagazin Nebelspalter zweigleisig fahren zu lassen. Neben dem seit über 150 Jahren bestehenden „Witzblatt“ gibt es seither ein rechtsbürgerliches Online-Politmagazin. Rathuus weiss von ehemaligen Redaktoren, dass sie bei Recherchen oft in eine Bredouille geraten. „Schreibt der jetzt satirisch oder politisch?“, lautet oft die Gegenfrage. Zwei so gegensätzliche Produkte fusionieren geht beim „Nebelspalter“ nur so lange gut, wie stramm bürgerliche Geldgeber im Hintergrund im Boot bleiben.
Das wird beim „Blick am Wochenende“ nicht passieren. Die Familie Ringier und Mitaktionär Marc Walder werden nicht bereit sein, weiter ein Defizit zu tragen.
So wird auch der „Blick“ inklusive „Blick am Wochenende“ irgendwann still zu Grabe getragen. Wie etwa der „Blick für die Frau“ (1985–1990). Es werden jedoch keine fünf Jahre mehr. Leider.

Der "SonntagsBlick" verschwindet, was durchaus bedauerlich ist. Der Sportteil ist nach wie vor führend bei den Sonntagsblättern. Bild: Pascal Turin
Unsere Newsletter und unsere Podcast-Folgen auf Steady sind der richtige Ort dafür – kommentiere dort und sag uns, was du denkst:
Zu unseren Steady-Beiträgen
Oder schreib uns eine E-Mail: redaktion@rathuus.ch