Marita Verbali von der FDP hat mit viel Humor den Rathuus-Fragebogen ausgefüllt. Sie setzt sich gegen Fangewalt ein und freut sich auf viele Begegnungen im Wahlkampf. Gibt der Wunsch nach mehr Frauen im Stadtrat ihrer Kandidatur Rückenwind?
Marita Verbali, wie wurden Sie politisiert?
Politisiert haben mich in den 80ern das Waldsterben, in den 90ern das Elend auf dem Platzspitz und die neu erwachte Restaurant- und Clubszene. Seither weiss ich: Politik ist mitten im Leben.
Was wollten Sie als Kind werden?
Zuerst Polizistin, dann Anwältin – am Ende war ich lange Restaurantköchin und heute bin ich in der Unternehmensentwicklung im Gesundheitswesen unterwegs.
„Mich beschäftigt, dass es in Zürich endlich ein Ende der neuen offenen Drogenszene geben muss.“
Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
Mehr Mut, mehr Eigeninitiative und Freiraum fürs Gewerbe. Weniger Gratismentalität, weniger ideologische Quartier-Experimente, weniger Umverteilung. Und endlich ein Ende der neuen offenen Drogenszene. Zürich verdient eine Politik, die Lösungen sucht – über ideologische Grenzen hinweg.
Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
Ich bin FDP, Punkt. Ich habe keinerlei Gelüste, nach links oder rechts zu wischen.
Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
Ja klar, auch bei eisiger Kälte oder drückender Hitze. Das gehört zum politischen Alltag.
Welche Staatsmänner halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch?
Petra Gössi – eine Staatsmännin, die Moral und Integrität lebt, ohne daraus ein grosses Theater zu machen.
Mit wem würden Sie gerne einmal ein Bier, ein Glas Wein oder einen Tee trinken?
Mit der koreanischen Schriftstellerin Han Kang – die mit einem Satz tiefgründiger ist als so mancher Politiker mit einer ganzen Rede.
Was ist Ihr Lieblingsrestaurant in der Stadt oder im Kanton Zürich?
Das „Rosi“ und das Ristorante Italia – quasi meine ess-politische Koalition: modern bayerisch trifft traditionsbewusst italienisch.
Kaufen Sie das „Surprise“ und lesen Sie es auch?
Natürlich, und zwar regelmässig. Das „Surprise“ überrascht mich tatsächlich immer wieder mit spannenden Beiträgen.
„Bis heute habe ich noch nicht geheiratet. Aber Politik ist auch eine Art Ehe – mit Höhen, Tiefen und Verpflichtungen.“
Was haben Sie bis heute leider noch nicht gemacht?
Geheiratet. Aber Politik ist auch eine Art Ehe – mit Höhen, Tiefen und Verpflichtungen.
Wer ist für Sie der bedeutendste Zürcher oder die bedeutendste Zürcherin?
Jede Person, die nicht wartet, bis jemand ihr den roten Teppich ausrollt – sondern ihn selbst hinlegt.
Sex ohne Liebe, was halten Sie davon?
Wenn’s für beide passt.
Was war Ihr grösster politischer Erfolg?
Mein Fraktionspostulat gegen Fangewalt und für eine positive Fankultur – parteiübergreifend angenommen. Sportkultur statt Schlagzeilen über Krawall.
Und welches Ihr grösster politischer Fauxpas?
Bis jetzt bin ich noch in kein Fettnäpfchen getreten.
„Ob ich ins historische Rathaus zurück möchte? Mein Favorit ist das Rathaus Hard in der Bullingerkirche – aber psst, das bleibt bitte unter uns.“
Wollen Sie das historische Rathaus zurück oder gefällt es Ihnen im Rathaus Hard?
Mein Favorit ist das Rathaus Hard in der Bullingerkirche – aber psst, das bleibt bitte unter uns.
Portobello-Burger oder Poulet-Kebab?
Portobello-Burger. Mit einer Sriracha-Mayo-Sauce.
Taylor Swift oder Beatrice Egli?
Taylor Swift liegt mir musikalisch ein bisschen näher. Beatrice Egli gewinnt mein Herz mit ihrem Charme und Lächeln.
Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Handy?
Japanische Kirschblüten. Das ganze Jahr Hanami auf dem Handy.
Worauf freuen Sie sich?
Auf ganz viele Begegnungen mit ganz vielen Menschen im Wahlkampf! Die besten Ideen für politische Vorstösse bekomme ich im Gespräch mit Leuten.
Und worüber können Sie lachen?
Am meisten über britischen Humor: Monty Python, Little Britain & Co. – köstlich schräg, trocken und einfach unvergleichlich.
Bereit für neue Aufgaben in der Stadtzürcher Politik: Marita Verbali. Bild: zvgMarita Verbali ist seit Dezember 2023 FDP-Gemeinderätin. Sie gehört seither der Sachkommission Sozialdepartement an sowie der gemeinderätlichen Gruppe Bar- und Club-Kommission. Das passt, weil sie auch Gründungsmitglied des Vereins Pro Beiz ist. Die 55-Jährige ist Delegierte in der Stadtpartei für den Kreis 3 und Parteivorstandsmitglied der FDP Stadt Zürich.
Verbali ist Inhaberin der Einzelfirma Verbali Consulting, sitzt im Ausschuss der gemeinnützigen Stiftung Fondation Sana und ist Dozentin für Gesundheitsökonomie und -politik an den Juventus Schulen. Von 2010 bis 2018 war sie bei der Gesundheitsdirektion für die Gesundheitsversorgung im Kanton Zürich verantwortlich. Davor war Verbali acht Jahre Geschäftsführerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) der Universität Zürich – mit Schwerpunkt Gesundheitspolitik.
Verbalis Vater stammt aus Italien, ihre Mutter aus Argentinien. In ihrer Freizeit ist Marita Verbali gerne mit ihrem Partner, seinen beiden Kindern, ihren Gottikindern und Freunden unterwegs. Sie liebt die Berge, Zeitung lesen, koreanische TV-Serien – und das Kochen, eine Leidenschaft, die sie über zehn Jahre in Zürcher Küchen wie dem „Josef“ und dem „Palais X-tra“ gelebt hat.
Gegenüber den Delegierten der FDP sagte Marita Verbali bezüglich der Stadtratswahlen 2026: „Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, das mir gezeigt hat: Mit Einsatz, Eigenverantwortung und Leistungsbereitschaft kann man viel erreichen – genau diese Werte prägen meine Politik in der FDP. Zürich braucht keine Gängelung und Gratismentalität, sondern weniger Bürokratie, mehr Eigeninitiative und eine Politik, die den Menschen etwas zutraut.“

Marita Verbali: Sie kandidiert neben dem Bisherigen Michael Baumer und Stadtparteipräsident Përparim Avdili für die FDP für einen Sitz im Stadtrat von Zürich. Bild: zvg
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