Bin ich humorlos? Oder gar verbittert? Die neuste Kunstinstallation der Stadt Zürich fordert etwa, das Einfache zu verkomplizieren oder auf unerreichbarer Perfektion zu bestehen. Das finde ich in unserer unübersichtlichen Welt nur zynisch. Eine Glosse.
Die ehemalige Kehrichtverbrennungsanlage Josefstrasse im Stadtzürcher Kreis 5 wurde eben fertig umgebaut zu einer Energiezentrale der Fernwärme. Wurde hier früher Abfall verbrannt, passiert dies nun sechs Kilometer weiter nördlich im Hagenholz. Die entstehende Hitze wird durch ein ausgeklügeltes Röhrensystem durch den Berg hierher gepumpt. Das sinngemässe Motto des Projekts: „Arbeite langsam, bestehe auf unerreichbarer Perfektion und verkompliziere das Einfache.“
Doch davon später mehr.
Auf der südlichen Fassade installierten nun Bauarbeiter ein Kunstwerk. Oder eine „Intervention“. Ein Lieblingswort der Kunstelite, das in kulturell angehauchten Medienmitteilungen auffallend oft vorkommt. Das neuste von der Stadt finanzierte Kunstwerk besteht aus zehn Sätzen in roter Leuchtschrift. Tagsüber kann man die Schrift zwar kaum lesen, aber wenn es dunkel ist – Strom sei Dank – geht es einigermassen.
Die Urheber, ein Kunst-Duo aus Berlin, wollen damit laut eigenen Angaben „jene Abläufe durcheinanderbringen, auf denen die Vorstellung effizienter Arbeit beruht“. Sie wollen also nichts weniger als subversiv sein und mit Ironie überraschen. Hurra!
Und so lauten ihre Tipps – die ich vorhin bestens für meinen Einstieg nutzen konnte.
- Work slowly (Arbeite langsam)
- Overcomplicate the simple (Verkompliziere das Einfache)
- Require everything in writing (Verlange alles schriftlich).
- Hold meetings instead of emailing (Halte Sitzungen ab, statt E-Mails zu schreiben)
- Insist on unattainable perfection (Bestehe auf unerreichbarer Perfektion)
- Duplicate files. Misdirect emails (Dupliziere Dateien. Schicke E-Mails an falsche Kontakte)
- Leak internal data by accident (Gib versehentlich interne Daten weiter)
- Doomscroll at work not in bed (Doomscrolle bei der Arbeit, nicht im Bett)
- Never allow shortcuts (Erlaube keine Abkürzungen)
- Cry on Zoom (Weine auf Zoom)

Lorenz Steinmann lächelt auf dem Bild zwar, ist aber angesäusert. Der Rathuus-Mitgründer frönt dem totalen Bierernst und lässt kein gutes Haar an der neusten Kunstinstallation der Stadt Zürich. Bild: Stadt Zürich, Bildmontage: Rathuus
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