Balthasar Glättli formuliert nach 120 Tagen als Stadtrat und Schulvorsteher viele konkrete Ziele und sagte selber, dass man ihn daran messen könne. Das tönt nach Aufbruchstimmung. Der Grüne scheint dank seines achtjährigen Kindes ein besonderes Sensorium für den Schulbetrieb zu haben – ein Glücksfall für Zürich?
Es weht ein Hauch von Aufbruchstimmung durchs Pavillonzimmer im Schulhaus Kornhaus, als Balthasar Glättli von seinen jüngsten Taten als Neo-Stadtrat spricht. So hat er schnell mal die Hausordnungen in den Stadtzürcher Schulen geändert. Endlich dürfen die Fenster nach Schulschluss offenbleiben, damit nach Hitzetagen die Schulhäuser richtig durchgelüftet werden. Er hat initiiert, dass die Plattform „Meine Kinder“ zum vereinfachten, digitalen Zugang für Dienstleistungen rund um Kinder und Jugendliche werden soll.
„Es kann nicht sein, dass man einen Kurs braucht, um etwa Ferienkurse buchen zu können“, sagt der 54-Jährige. Und erst vor wenigen Monaten hat man im Schul- und Sportdepartement gemerkt, dass die vorhandenen Wärmepumpen in etwa einem Drittel der vorhandenen „Züri Modular“-Pavillons auch zum Kühlen nützlich sind. Jetzt werden die Anlagen auf Anordnung des Grünen-Stadtrats entsprechend angepasst.
Beim Punkt mit den Wärmepumpen zeigt sich, dass Glättli keine Scheu hat, das im Zürcher Stadtrat durchaus verbreitete Gärtlidenken über Bord zu werfen. „Es geht nicht darum, Schuldige des bisher Versäumten zu suchen“, so der ehemalige Stadtzürcher Gemeinderat (1998 bis 2011). Das Ziel: „Wir müssen uns fit machen für die neue Realität. Heutige Hitzesommer werden künftig normal sein.“
Er, der durchaus als Fundi-Grüner gilt, habe das Gespräch mit Hochbauvorsteher Tobias Langenegger (SP) gesucht – für Glättli übrigens der „Tobi“. Entsiegelungen etwa auf Schulplätzen könnten laut Glättli schnell gehen. Baumpflanzungen seien auch wichtig. Er sagt aber auch: „Bis heute gepflanzte Bäume ihre Kühl-Wirkung entfalten, vergehen 10 bis 15 Jahre.“ So seien Klimaanlagen kein Tabu, „doch sie sind kein Ersatz für eine griffige Klimapolitik“, betont Glättli.
Es sind Worte, die man etwa von Tiefbauvorsteherin Simone Brander (SP) nicht unbedingt so prägnant hört. Aber Brander ist auch schon einiges länger im Amt. Und sie beisst sich öfters die Zähne am Verwaltungsapparat aus, der sich etwa bei schnellen Boden-Entsiegelungen oder Baumpflanzungen hinter Bauvorschriften versteckt.
"Ihr könnt mich daran messen, was ich versprochen habe." Eine nicht ganz alltägliche Politikeraussage, die Balthasar Glättli am Mittwoch machte. Bild: Lorenz SteinmannDa hat es Glättli, der nie in einer Verwaltung des Staates gearbeitet hat, einfacher. Er hat keine Mühe, heute vor den gut zehn anwesenden Medienschaffenden jene Kreise zu kritisieren, die bis vor kurzem den Klimawandel verneinten, nun aber vehement 18 Grad kühle Schulzimmer forderten.
Kurz schimmert dabei Glättlis Vergangenheit als Nationalrat und Parteipräsident der Grünen Schweiz durch. Später merkt Glättli an, dass ihm Bundesbern manchmal schon fehle. Er spreche gern Französisch – er wechselt nun tatsächlich für einige Sätze auf unsere zweite grosse Amtssprache – und gerade bei der Diskussion um die Flugzeugbeschaffung sei man mit Mitte-Bundesrat Martin Pfister doch ein bisschen handzahm umgegangen. ̶…

Neu-Stadtrat Balthasar Glättli (Grüne) lud für seine Medienkonferenz in ein Schulzimmer ein. Bild: Lorenz Steinmann
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