„Zu viele Putin-Versteher und Trump-Verehrer!“ Bernhard im Oberdorf hat die SVP deswegen verlassen und politisiert bei der Mitte. Dass er für die Wahlen lediglich auf einem Listenplatz 3 steht, bereitet ihm wenig Sorge. Dabei könnte seine lange Politkarriere im Stadtzürcher Gemeinderat bald zu Ende gehen.
Es ist eine Mischung aus Schalk und Gelassenheit, die Bernhard im Oberdorf ausstrahlt beim Treffen im hinteren Foyer des temporären Rathauses Hard im Stadtzürcher Kreis 4. Mit seiner legeren, farblich aber perfekt abgestimmten Kleidung wirkt er wie ein Hochschulprofessor, der immer noch ein Büro an der Uni hat. Oder wie ein Unternehmer, der nach wie vor für seine Ideen brennt – und sich von niemandem etwas sagen lässt. Als Professor könnte er tatsächlich durchgehen, hat er doch in Wirtschaft doktoriert und anschliessend noch Politikwissenschaft und Militärstrategie studiert. Und er hat vor Jahrzehnten die Schweizer Hochschul-Zeitung „Vision“ gegründet. Noch heute ist er Herausgeber dieses bürgerlichen Pendants zur „Zürcher Studierendenzeitung“.
Wenn der Chef in die Tasten haut
Nach dem Gespräch mit Rathuus schickt mir im Oberdorf, den viele in der Politik nach seinen Initialen als „Bio“ ansprechen, zehn der jüngsten Ausgaben per Post zu. Sie sind trotz des etwas aus der Zeit gefallenen Layouts durchaus lesenswert. Mit kritischer Note, vielen Kommentaren und einem interessanten Mix aus Innen- und Aussenpolitik mit Fokus Ukrainekrieg und den USA. Es ist wenig zu spüren von einem Rechtsdrall. Auch Reportagen von fernen Ländern findet man und auch die Airline Swiss kommt thematisch nicht zu kurz. Gerade besagte Fluggesellschaft wird schonungslos kritisiert.
Bernhard im Oberdorf himself greift oft und offensichtlich lustvoll in die Tasten in der kompakten Zeitung mit jeweils gut 16 Seiten. Selbstredend sind auch seine Reden im Gemeinde- und im Kantonsrat als „Alterspräsident“ in der vierteljährlich erscheinenden Publikation abgedruckt. Aufhorchen lässt dabei der Passus, dass die Mitte seit 2022 wieder im Gemeinderat vertreten sei und zusammen mit der EVP „so wie ich das einschätze, eine wertbasierte Fraktion“ bilde.
So sehen sie aus, die von Bernhard im Oberdorf verantworteten Hochschul-Zeitungen. Bild: Lorenz SteinmannAufhorchen darum, weil im Oberdorf seit Ende November 2025 eben dieser Mitte angehört und am 8. März in neuer politischer Umgebung für eine Wiederwahl buhlt. „Ich wurde relativ rasch angefragt nach meinem Austritt aus der SVP“, erzählt im Oberdorf. Dann habe es ein Hearing mit durchaus kritischen Fragen gegeben. „Es ging aber schlussendlich recht schnell. Doch weil die Wahllisten schon beschlossen waren, wollte ich die beiden Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten respektieren. Sie haben mehr geleistet für die Partei als ich.“
Die Rückkehr zur FDP habe sich übrigens nie konkretisiert. „Me…

Bernhard im Oberdorf (Die Mitte) ist amtsältester Gemeinderat im Parlament der Stadt Zürich, mit bald 30 Jahren Zugehörigkeit. Zudem ist er seit 2023 Mitglied im Kantonsrat und dort ältestes Mitglied. Bild: Lorenz Steinmann
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