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Bücher unter dem Christbaum: Zürcher Kantonsrätinnen und Kantonsräte geben Geschenktipps

Ein mit Lichtern und Weihnachtskugeln behangener hoher Weihnachtsbaum steht auf dem Marktplatz Oerlikon. Es ist früher Abend und schon dunkel. Die Leute spazieren vom Shoppen vorbei. Im Hintergrund ragen zwei Hochhäuser empor.Es weihnachtet im Stadtzürcher Quartier Oerlikon: Wer noch nicht weiss, was er oder sie unter den Christbaum legen möchte, könnte wieder mal in einem Buchladen vorbeischauen. Bild: Pascal Turin

Sie gehören neben Socken zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken: Die Rede ist natürlich von Büchern. Zürcher Kantonsrätinnen und Kantonsräte verraten, welchen Lesestoff sie unter den Christbaum legen würden – von Biografien bis Ratgebern.

Weihnachtszeit ist Geschenkezeit. Noch bleiben genügend Tage für die Suche nach der perfekten Gabe. Einer der Klassiker ist das Buch. Bücher kommen eigentlich immer gut an und lauthals darüber beschweren darf man sich als Beschenkte oder Beschenkter sowieso nicht. Sind wir ehrlich: Wer will sich schon als Literaturbanause zu erkennen geben?

Wir haben Geschenktipps zusammengetragen und dafür bei Zürcher Kantonsrätinnen und Kantonsräten nachgefragt. Die Auswahl ist vielfältig und durchaus überraschend. Es ist sicher auch etwas für jemanden darunter, der schon fast alles gelesen hat.

Los geht es mit einer Leseempfehlung von EVP-Kantonsrat Markus Schaaf. Der ehemalige Buchhändler schlägt „Der Mann, der überlebte“ des US-amerikanischen Schriftstellers Lawrence Elliott vor. Das Buch erzähle die erstaunliche Lebensgeschichte von George W. Carver. Geboren als Sohn einer Sklavin im tiefsten amerikanischen Süden, überwinde er mit Wissbegier, Bescheidenheit und tiefem Glauben Armut, Diskriminierung und Entbehrung. „Aus anfänglicher Hoffnungslosigkeit wird ein Leben, das mit unscheinbaren Erdnüssen und bodenständiger Landwirtschaft nicht nur eine Baumwollmonokultur überwindet, sondern zugleich ein Zeichen für Mitmenschlichkeit, Nachhaltigkeit und die Würde aller Menschen setzt“, so der Politiker aus Zell.

„Die Perimenopause wurde lange totgeschwiegen – zu lange“, sagt AL-Kantonsrätin Nicole Wyss und empfiehlt darum „Mittendrin“ von Jeanette Kuster.


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Ein Buch für alle Frauen ab Mitte 30

Die AL-Kantonsrätin Nicole Wyss hingegen empfiehlt „Mittendrin“ der Schweizer Autorin Jeanette Kuster. „Die Perimenopause wurde lange totgeschwiegen – zu lange“, sagt Wyss. Obwohl es doch die Hälfte aller Menschen betreffe. „Wussten Sie zum Beispiel, dass rund siebzig verschiedene Symptome durch diese hormonellen Schwankungen ausgelöst werden können?“, fragt die Politikerin. Und ergänzt: „Ich wusste das lange nicht.“

Mit dem Buch „Mittendrin“ habe Jeanette Kuster eine Ode an die Wechseljahre geschrieben, ohne sie zu beschönigen und trotzdem mit viel Liebe und Hoffnung. „Frauen erzählen ihre persönlichen Erfahrungen und Geschichten über die Achterbahnfahrten der Wechseljahre. Expertinnen ordnen ein“, erklärt die Stadtzürcherin. Es sei ein Buch für alle Frauen ab Mitte 30 wie auch für alle Männer, die sich für Frauen interessieren würden.

Einen Ratgeber schlägt auch Hans Egli vor. „Ich werde das Buch ‚Das Kind in dir muss Heimat finden‘ der deutschen Psychotherapeutin Stefanie Stahl verschenken“, sagt der EDU-Politiker. Es sei aus seiner Sicht ein unglaublich lehrreiches Buch, das helfe, eigene Muster zu verstehen und sich damit auseinanderzusetzen. Ausserdem verrät der Kantonsrat aus Steinmaur, was er sich selbst wünscht: „Ich selber erhalte auch sehr gern Bücher, lasse mich aber gern überraschen.“

GLP-Kantonsrätin Claudia Hollenstein wiederum hat gleich drei Empfehlungen parat: Sie empfiehlt etwa die Jubiläumspublikation „Die friedliche Revolution: 500 Jahre Übergabe der Fraumünsterabtei an die Stadt Zürich“ des Fraumünster-Pfarrers Johannes Block. Ausserdem erwähnt die Politikerin aus Stäfa den Krimi „Bretonische Sehnsucht“ von Jean-Luc Bannalec – dem Pseudonym des deutschen Literaturwissenschafters Jörg Bong. Und zu guter Letzt findet Hollenstein das Sachbuch „Das grosse Buch vom Schlaf“ von Matthew Walker, Professor für Neurowissenschaften und Psychologie an der University of California, Berkeley, spannend.

„Ein tolles Buch, mit vielen Exkursen zu Gesellschaft und Religion“, sagt SVP-Kantonsrätin Barbara Grüter über „Unter Heiden“ von Tobias Haberl.

Ein Buch passend zur Weihnachtszeit

Ebenfalls in Richtung Sachbuch geht es beim nächsten Geschenktipp von Barbara Grüter. Die SVP-Politikerin empfiehlt „Unter Heiden“ des deutschen Autors Tobias Haberl. „Insbesondere in der Weihnachtszeit sollte uns eigentlich bewusst sein, was es bedeutet, Christ zu sein. Was es bedeutet, in einem abendländisch, christlich geprägten Land zu leben“, sagt die Kantonsrätin aus Rorbas. Es werde ständig gefragt, was die Kirche ändern müsse, um im 21. Jahrhundert noch präsent zu sein. Der Autor stelle die Gegenfrage: Was kann das 21. Jahrhundert von gläubigen Menschen lernen? Wie kann der Glaube eine verunsicherte Gesellschaft von ihrer Angst und Atemlosigkeit befreien? Und was kann uns in einer digital optimierten, aber seelisch oft verkümmerten Gegenwart noch Hoffnung geben?

Grüters Fazit ist eindeutig: „Ein tolles Buch, mit vielen Exkursen zu Gesellschaft und Religion. Der Autor spricht mir oft aus dem Herzen. Authentisch, ehrlich und mit Gefühl. Eine spirituelle Gesellschaftsanalyse. Absolut lesenswert!“

Sie selbst wünscht sich kein besonderes Buch zu Weihnachten. „Ich habe schon einige Bücher auf Vorrat gekauft. Leider fehlt mir momentan die Zeit, am Lesen dran zu bleiben“, verrät Grüter. Meist lese sie ein Buch in einem Zug durch. Daher benötige sie eher Zeit, „die man aber leider nicht geschenkt bekommen kann, sondern sich selber nehmen muss“. Die Politikerin freue sich deshalb sehr auf ein paar freie und besinnliche Tage über Weihnachten. So könne sie ihren Lesevorrat endlich wieder etwas „abbauen“.

Zwei Bücher für Geschichtsinteressierte

Den Abschluss macht Barbara Franzen. Die FDP-Kantonsrätin aus Niederweningen wünscht sich das Buch „Unerhört. Die ersten Politikerinnen im Bundeshaus“ der Schweizer Historikerin Fabienne Amlinger. Die Politikerin betont, dass Amlingers Buch auch gut verschenkt werden könne. Als kurzer Einschub: Wir haben „Unerhört“ auf Rathuus bereits im Juni wohlwollend besprochen. Das Buch enthält verschriftlichte Gespräche mit den ehemaligen Nationalrätinnen Lili Nabholz (FDP), Gabrielle Nanchen (SP), Monika Stocker (Grüne), Rosmarie Zapfl (CVP – heute Die Mitte) und Elisabeth Zölch (zuerst SVP, dann BDP).

Und was wird die Kantonsrätin anderen unter den Christbaum legen? „Jedes Jahr verschenke ich viele Bücher“, sagt Franzen. Dieses Jahr möchte sie eines der deutschen Autorin Vera Weidenbach mit dem Titel „Ada Lovelace. Visionärin und Genie“ erwähnen. „Das Buch über die erste Programmiererin der Geschichte schenke ich meiner Tochter, einer Physikerin.“

Alle Buchtipps auf einen Blick

Fabienne Amlinger: Unerhört. Die ersten Politikerinnen im Bundeshaus, 2025, 240 Seiten, Hier und Jetzt, Verlag für Kultur und Geschichte.

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Sehnsucht – Kommissar Dupins dreizehnter Fall, 2024, 416 Seiten, Kiepenheuer & Witsch.

Johannes Block: Die friedliche Revolution: 500 Jahre Übergabe der Fraumünsterabtei an die Stadt Zürich, 2025, 120 Seiten, Theologischer Verlag Zürich.

Lawrence Elliott: Der Mann, der überlebte. George W. Carver – eine faszinierende Lebensgeschichte – Vom Sklavenjungen zum genialen Erfinder und Weltveränderer, 2023, 250 Seiten, Neukirchener Verlagsgesellschaft.

Tobias Haberl: Unter Heiden. Warum ich trotzdem Christ bleibe – Was kann das 21. Jahrhundert eigentlich von gläubigen Menschen lernen?, 2024, 288 Seiten, Btb.

Jeanette Kuster: Mittendrin – Die Perimenopause meistern. Gespräche und Erfahrungsberichte, 2025, 220 Seiten, Arisverlag.

Stefanie Stahl: Das Kind in dir muss Heimat finden. Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme, 2015, 288 Seiten, Kailash.

Matthew Walker: Das grosse Buch vom Schlaf. Die enorme Bedeutung des Schlafs – Beste Vorbeugung gegen Alzheimer, Krebs, Herzinfarkt und vieles mehr, 2018, 480 Seiten, Goldmann.

Vera Weidenbach: Ada Lovelace. Visionärin und Genie, 2025, 256 Seiten, Rowohlt.

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