Künstliche Intelligenz lernt schnell. Das Info-Portal “We News” klaubt Meldungen zusammen und verwurstet sie zu Artikeln. Das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick passabel – wenn nur die KI-generierten und total irreführenden Bilder nicht wären. Das Bundesamt für Kommunikation sieht sich nicht in der Verantwortung.
Das digitale Newsmagazin „We News“ ist in der Schweiz seit gut zwei Monaten online – und fliegt noch ziemlich unter dem Radar der Öffentlichkeit. Das Newsportal ist komplett KI-gesteuert und fällt durch eine üppig bestückte Redaktion auf. Das Onlineportal Infosperber berichtete schon darüber. Aber auch Rathuus hat „We News“ bereits einmal thematisiert: Wir empfehlen allen, die Folge 40 unseres Podcasts zu hören. Doch das Thema ist zu wichtig, darum wollen wir es hiermit vertiefen.
13 Redaktorinnen und Redaktoren in der nationalen Zentrale und 31 regionale Korrespondentinnen und Korrespondenten bilden das potent wirkende Team von „We News“. Der Schnell-Leser wähnt sich auf einem der üblichen Gratisportale. „Nau“, „Blue News“, „20 Minuten“, vielleicht noch „Zürich24“ oder ähnliche Angebote. Dabei ist bei „We News“ alles zu 100 Prozent von anderen Quellen übernommen, die Fotos sind KI-generiert und oft erschreckend surreal. Und die Redaktionsmitglieder sind zu 100 Prozent erfunden.
„We News“ ist eine fast zu gute Imitation eines Online-Newsportals alter Schule – und damit eine Täuschung der Leserschaft sowie eine beträchtliche Konkurrenz der etablierten Gratisportale, gerade im Raum Zürich.
Noch bedient sich das KI-Newsportal bei den erwähnten Quellen, doch die Informationen der staatlichen Kommunikationsstellen sind ebenfalls frei verfügbar und können verwendet werden. Das wiederum ist eine ernste Bedrohung etwa der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Schrillen nun beim Bundesamt für Kommunikation – kurz Bakom – die Alarmglocken? Hat man im Hintergrund schon Massnahmen gegen diese KI-generierte Kommunikationsmethode getroffen oder wenigstens eine klare Haltung dazu? Immerhin schreibt das Bakom in seinem Leitbild, es „beobachte und analysiere im Bereich der digitalen Medien die Entwicklung der Kommunikationsinfrastruktur von Online-Plattformen und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft“.
Doch zu früh gefreut.
„Für Fragen im Zusammenhang mit der Einhaltung journalistischer Standesregeln verweisen wir Sie an den zuständigen Presserat“, so der Bakom-Sprecher.
Die Antworten des Bakom auf eine Anfrage von Rathuus fallen höchst allgemein aus. Zudem kompliziert und mit vielen Verweisen formuliert – wie wenn das Steueramt und nicht die Experten vom eidgenössischen Kommunikationsamt sie geschrieben hätten.
Alle sind zuständig, nur nicht das Bakom
Das Bakom verweist etwa auf das Institut für geistiges Eigentum – kurz IGE – (Verwendung Texte anderer), das Staatssekretariat für Wirtschaft (unlauteren Wettbewerb durch Täuschung der Leserschaft) sowie den privat organisierten Presserat. „Für Fragen im Zusammenhang mit der Einhaltung journalistischer Standesregeln verweisen wir Sie an den zuständigen Presserat“, so der Bakom-Sprecher.
Das Einzige, was dem Bakom zu entlocken ist: „Generell kann es für die Meinungsbildung problematisch sein, wenn News-Seiten in der Erscheinung von journalistischen Produkten daherkommen, aber si…

Das war kürzlich die Illustration eines Textes über die Trinkwasserversorgung der Stadt Zürich. Weder die Anlage im Vordergrund noch die Kirche im Hintergrund gibt es. Screenshot: Artikelausschnitt von we-news.com
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