In Seebach gibt es eine Art Lost Place. Es ist der letzte Zeitzeuge einer städtischen Mobilitätsapp, die rund 1,6 Millionen Franken verschlang und längst Geschichte ist. Auch die digitale Kombination mit dem Velomietsystem von Publibike gelang nie.
Die Stadt Zürich lässt nichts unversucht, um die Bevölkerung weg vom Auto zu lotsen. Warum nicht mal per Mietvelo durch die Stadt kurven? Doch irgendwie kommt das in Zürich dominante Veloverleihsystem Publibike nicht so recht zum Fliegen. Die von der Stadt Zürich eben frohlockend verkündete Zahl von 830’000 Velovermietungen in den letzten zwölf Monaten ist mit Vorsicht zu geniessen. Denn heruntergerechnet auf die Anzahl der Mietvelos ist das lediglich eine Vermietung pro Tag und Velo. Erfolg sieht anders aus.
Zudem verheisst der kürzlich bekannt gewordene Verkauf des privaten Veloverleihers Publibike nichts Gutes. Die ehemalige Post-Tochterfirma gehört nun britischen Investoren, die natürlich Rendite sehen wollen. Das ist darum von Bedeutung, weil Publibike von der Stadt Zürich mit Millionenbeträgen unterstützt werden muss. Dabei erhielt Publibike 2014 von der Stadt Zürich unter dem damaligen Chef des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, alt FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger, den Zuschlag, weil versprochen wurde, kostendeckend zu arbeiten. Ein Ziel, das nie und nimmer funktionierte, die Konkurrenz aber in den Ruin trieb.
Theorie und Praxis in Seebach
Doch während Publibike – in Zürich auch als „Züri Velo“ bekannt – mit Steuergeldern am Leben erhalten wird, wurde ein anderes Mobilitätsprojekt still und leise beerdigt. Für die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) lief jedoch alles wie geplant ab. Das Pilotprojekt „ZüriMobil“-App mit den dazugehörigen „ZüriMobil“-Stationen sei im Juli 2023 planmässig beendet, der Name „ZüriMobil“ entfernt worden.
Pikanterweise ist aber ein Zeitzeuge bei der Tram-Endstation in Seebach zu besichtigen. Es ist das letzte Zucken eines App-Projekts, das 2020 fulminant durchstarten sollte. Und zwar mit prominent platzierten und gross vermarkteten Standorten.
Vor wenigen Tagen waren immerhin noch 13 „ZüriMobil“-Standorte im Netz zu finden. Wo also Mietvelos, Trottinette und oft auch Taxis für quasi die letzte Meile nach Hause angeboten werden. Dort, wo die VBZ nicht mehr hinreichen. So seien etwa im Heuried, im Guggachpark oder etwa beim Bahnhof Altstetten solche „ZüriMobil“-Standorte eingerichtet.
Doch der Erfolg war trotz Gesamtausgaben von rund 1,6 Millionen Franken überschaubar.
Als Beispiel ziehen wir den Pilotstandort Rautistrasse heran: „Die multimodale Nutzung der Angebote war offenbar gering“, heisst es von den VBZ auf Anfrage. So sei am genannten Standort nur ein Umstieg von Velo auf Trottinette im Auswertezeitraum registriert worden. Also nichts mit Multimobilität. Dass die App total 36’000-mal heruntergeladen wurde, wertet die Stadt Zürich als Erfolg. Doch benutzt wurden die Verkehrsmittel deswegen nicht häufiger.
Schön nostalgisch: Dieses Angebot gibt es seit gut drei Jahren nicht mehr. Vom Netz genommen wurde die "ZüriMobil"-Info aber erst vor wenigen Tagen. Bild: Lorenz Steinmann
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