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„Politisiert wurde ich durch das Leben und die Lektüre“

Zu sehen ist Camille Roseau am Ufer der Sihl in Adliswil. Sie ist eher der dunkle Typ und trägt eine rote Mütze. Sie lächelt in die Kamera.Camille Roseau ist Co-Verlagsleiterin der WOZ und gibt so den Medien eine Stimme in der Politik. Das Bild wurde am Sihlufer in Adliswil aufgenommen. Bild: Christoph Roseau-Good

Die 45-jährige Camille Roseau sitzt für die SP im Stadtzürcher Gemeinderat. Die Co-Verlagsleiterin der „Wochenzeitung WOZ“ ist stolz auf den politischen Effort des Verbands Medien mit Zukunft. So habe der Verband nun eine sicht- und wahrnehmbare Stimme konzernunabhängiger Medienverlage in Bundesbern.

Camille Roseau, wie wurden Sie politisiert?
Naja, durchs Leben und die Lektüre würde ich sagen. Mit 14 habe ich angefangen, den „Spiegel“ zu lesen und erst einmal nichts verstanden. Als mir langsam dämmerte, wie unfair diese Welt doch ist, habe ich angefangen, nach Lösungen zu suchen, die für möglichst viele Menschen funktionieren. Das schien mir mit sozialdemokratischer Politik gut möglich und so habe ich mich bei den deutschen Jusos engagiert und bin auch früh in die Gewerkschaft eingetreten (Camille Roseau ist in Düsseldorf aufgewachsen, Anm. d. Red.).

Was wollten Sie als Kind werden?
Mein erster Berufswunsch war Coiffeurin – ich mag die Atmosphäre im Salon bis heute, es riecht gut, es gibt gute Gespräche und hinterher fühlt man sich wie ein neuer Mensch.

Was beschäftigt Sie politisch gerade am meisten?
Mich beschäftigt gerade die Abstimmung zur „10-Millionen-Schweiz“ sehr; eine Annahme dieser Vorlage würde die Schweiz in der Welt isolieren, wäre das Ende der Personenfreizügigkeit und würde mit der faktischen Wiedereinführung des unmenschlichen „Saisonnier“-Statuts Menschen mit Migrationsgeschichte einmal mehr massiv ausgrenzen und benachteiligen. (Der Fragebogen wurde von Lorenz Steinmann definitiv verlauert, weshalb diese Antwort vom Abstimmungsresultat überholt wurde, Anm. d. Red.)

„Mein erster Berufswunsch war Coiffeurin – ich mag die Atmosphäre im Salon bis heute, es riecht gut, es gibt gute Gespräche und hinterher fühlt man sich wie ein neuer Mensch.“

Waren Sie Ihrer Partei schon immer treu oder hatten Sie mal Abwanderungsgelüste?
Als ich neu in die Schweiz kam, habe ich die hiesige Parteienlandschaft (links der Mitte) erkundet und bin zu den Grünen, zur AL und zur SP schnuppern gegangen. Am Ende ist’s aber doch wieder die Sozialdemokratie und die Gewerkschaftsbewegung geworden, das ist einfach meine politische Heimat.

Haben Sie auch schon Unterschriften für eine Initiative oder eine Petition gesammelt?
Ja, diverse Male. Ich nehme häufiger Unterschriftenbögen mit und halte sie Menschen, denen ich begegne, unter die Nase. Da ergeben sich auch oft interessante Gespräche.

Welche Staatsmänner oder -frauen halten Sie – frei nach Max Frisch – für moralisch?
Max Frisch hielt Moralisten in der Politik für Unheilsbringer. In dem Sinne müsste ich wohl den einen oder anderen von der SVP benennen. Wenn es aber um…

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