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Erinnerungen an Karl Lüönd

Auf dem Bild zu sehen von rechts Karl Lüönd, Esther Scheidegger, sowie Lorenz Steinmann.Eines der wohl letzten Fotos: Karl Lüönd im Oktober 2025. Links neben ihm seine Lebenspartnerin Esther Scheidegger sowie der Autor dieses Nachrufs. Bild: zvg

Er war jahrzehntelang die einordnende Stimme, wenn es um die Medienwelt ging. Und eine Zeit lang bestimmte er die Politik in Zürich mit. Jetzt ist der Wahl-Winterthurer Karl Lüönd gestorben.

Sein charakteristischer Urner Dialekt war Karl Lüönds Markenzeichen. Obwohl er seit über 50 Jahren nicht mehr in jenem Gebirgskanton lebte, gab ihm seine Herkunft eine gewisse Knorrigkeit, ein Hang zur ungeschönten Direktheit, wie sie nur Bergler haben können. Darum war Lüönd ein gefragter Experte und Interviewpartner, wenn es um die Medienwelt ging.

Lüönd legte immer viel Wert auf die Sprache, geschrieben, aber auch gesprochen. Er war ein unermüdlicher Schaffer, der viele Bücher hinterlassen hat. Ein Standardwerk ist ohne Zweifel sein Buch von 2007: „Verleger sein. Nachdenken über Menschen, Medien und Märkte“. Er war damit schon fast ein Prophet, der die heutige Entwicklung der Medien vorwegnahm.

Dass er das Buch zusammen mit Pietro Supino schrieb, dem Tagi-Verleger und Verwaltungsratspräsidenten der TX Group, ist typisch für Lüönd. Er war perfekt vernetzt und kannte sehr viele Leute. Aber nicht nur die Chefs und Eigner, sondern auch viele Frontleute im Journalismus und im Inserateverkauf. Wohl deshalb hatte er oft einen sehr guten Riecher, wenn es um Storys, aber auch um verlegerische Belange ging.

Lüönd und die Politik


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Zumindest eine Zeit lang hatte Karl Lüönd grossen politischen Einfluss im Raum Zürich. Denn nach sechs Jahren als Mitglied der „Blick“-Chefredaktion und zwei Jahren Chefredaktor des Gratisanzeigers „Züri-Leu“ war er 1982 Mitbegründer der „Züri-Woche“. Dieses Boulevardblatt leitete er 17 Jahre lang als Chefredaktor, zeitweise auch als Verleger. Damals war diese bürgerlich eingefärbte Wochenzeitung eine Instanz in Zürich und hatte eine Auflage von 250’000 Exemplaren.

Vor allem in den 80er-Jahren mussten Politikerinnen und Politiker – meist des linken Spektrums – wöchentlich zittern, wenn wieder Kritik der „Züri-Woche“ über sie hereinprasselte. Damals, als Zürich verschrien war als AAA-Stadt. A wie Arme, Alte, Arbeitslose. Ein gefundenes Fressen für das Boulevardblatt „Züri-Woche“.

Später wurde Lüönd milder, machte sich selbstständig und wurde gefragter Auftragschreiber. Seine Firmenporträts, etwa über das Medienunternehmen Ringier, sind heute noch sehr lesenswert.

Es stimmt mich darum besonders traurig, dass Karl „Kari“ Lüönd mit erst 80 Jahren verstorben ist.

Persönliche Erinnerungen

Ich habe eine durchaus persönliche Beziehung zu Lüönd. Für mich war Lüönd immer die ruhige, einschätzende Stimme mit dem Riecher für jene Stoffe, die interessieren. 1979 war das für mich die Armee. Damals war Lüönd Autor des Bildbandes „Wehrhafte Schweiz“. Ich fand das Werk in meinem jugendlichen Eifer ziemlich gut.

Persönlich kannten wir uns gut 20 Jahre, weil Lüönd Berater beim Zürcher Verlag Lokalinfo AG war. Dort arbeitete ich 19 Jahre lang als Redaktor. Verleger Walter Frey setzte Lüönd ein, als es darum ging, die Lokalinfo rentabler zu organisieren. Er interessierte sich nicht unbedingt für jeden einzelnen Artikel, aber dafür, dass der Lokaljournalismus als Stimme erhalten bleiben sollte.

Das letzte Mal traf ich Karl Lüönd im Oktober im Rahmen eines Festes des „Altstadt-Kuriers“. Die Besonderheit: Seine Lebenspartnerin Esther Scheidegger schrieb 15 Jahre lang für dieses Quartierblatt, das ich seit Herbst 2025 leiten darf. Von dort stammt auch das Foto. Es war ein harmonisches Treffen, bei dem ich spürte, wie gern sich Karl und Esther hatten und wie sehr sie auch interessenmässig zusammenpassten.

Es stimmt mich darum besonders traurig, dass Karl „Kari“ Lüönd mit erst 80 Jahren verstorben ist. Mit Schmerz denke ich an seine Witwe Esther, die altershalber eben erst ihren geliebten Wohnsitz mitten in Zürich aufgegeben hat und nach Winterthur zügelte. Diese Tragik ist sehr gross. Ich wünsche Esther viel Kraft in dieser schweren, dunklen Zeit. Möge Kari vom Medienhimmel aus seine schützenden Hände über sie legen.

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