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Das bedeutet der Verkauf des „Tagblatts der Stadt Zürich“ politisch und wirtschaftlich

Zu sehen ist das Titelblatt des Tagblatts der Stadt Zürich. Die Zeitung im Tabloidformat ziehrt ein Foto des Sechseläuten-Feuers.Das "Tagblatt" hat eine Auflage von etwa 100'000 Exemplaren pro Woche. Jetzt hat Christoph Blocher den Titel nach Bern verkauft. Wie lange solche Printzeitungen noch überleben, ist jedoch unklar. Bild: Lorenz Steinmann

Überraschend hat Christoph Blocher seine Zeitungen inklusive „Tagblatt der Stadt Zürich“ ans Nachrichtenportal Nau in Bern verkauft. CEO Yves Kilchenmann betont aber, dass man weiterhin Amtsblatt bleiben will – und 2027 wieder eine Offerte einzureichen gedenkt. Aus der Politik ist Skepsis spürbar.

Einst hatte SVP-Doyen Christoph Blocher Grosses im Sinn, als er die „Basler Zeitung“ und später das Gratiszeitungsimperium der Familie Zehnder kaufte. Etwas grossspurig hiess es 2017, man werde damit „die klare Nummer vier im Printbereich, nach Tamedia, Ringier und NZZ“.

Jetzt, neun Jahre später, ist alles anders.

Christoph Blochers Robinvest hat vergangene Woche ihre Tochtergesellschaft Zeitungshaus AG an die Interact Media Group (IMG) mit Sitz in Bern verkauft. Diese ist in der Öffentlichkeit bekannt mit der Online-Newsplattform Nau. Damit zieht sich Robinvest grossmehrheitlich aus dem Geschäft mit mehr als zwanzig Gratiszeitungen zurück. Schon 2018 hatte die Familie Blocher die „Basler Zeitung“ an die damalige Tamedia abgegeben und dafür unter anderem das „Tagblatt der Stadt Zürich“ übernommen.

Zeitgleich wie die Medien wurde die Stadt Zürich über den Besitzerwechsel informiert. „In diesem Zusammenhang wurde uns versichert, dass sich an der Zusammenarbeit, an der publizistischen Unabhängigkeit sowie an der Funktion des ‚Tagblatts der Stadt Zürich‘ als gedrucktes Amtsblatt nichts ändert“, sagt Christina Stücheli, Informationsbeauftragte des Stadtrats, zu Rathuus.

Im Lokalteil von „Tages-Anzeiger“ und NZZ war der Verkauf des „Tagblatts der Stadt Zürich“ kein Thema. Das zeigt, wie marginal der politische Einfluss des städtischen Amtsblatts geworden ist. Kritischen lokalen Journalismus sucht man meist vergebens oder die Texte gehen wegen der vielen Reiseberichte und Publireportagen einfach unter.

Sobernheim (GLP) setzt auf digitale Alternative

Etwas milder ist das Urteil von Sven Sobernheim zum „Tagblatt“. Er ist GLP-Gemeinderat und ab Mai Co-Fraktionspräsident. „Es wird gelesen oder zumindest durchgeblättert. Es besitzt somit eine gewisse Relevanz.“ Trotzdem hofft er, dass die Publikationsverordnung der Stadt bald geändert wird. Er hat deswegen schon vor längerer Zeit einen Vorstoss eingereicht, zusammen mit Pascal Lamprecht (SP) und Ivo Bieri (SP). So sollen künftig die amtlichen Publikationen zusätzlich ganz oder teilweise durch Dritte in digitaler oder gedruckter Form erscheinen. „Dabei sollen mindestens zwei verschiedene Medien mit lokaler Berichterstattung berücksichtigt werden.“

Für Sobernheim ist klar: „Ein gedrucktes ‚Tagblatt‘ ist o.k., aber es sollte ergänzt werden um Medienhäuser wie ‚T…

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