Die Bauarbeiten wegen neuen Tram-Gleisen und Abflussrohren auf der Badenerstrasse in der Stadt Zürich neigen sich nach einem Jahr Bauzeit langsam dem Ende zu. Ein Vorstoss der FDP, leidende Gewerbler zu entschädigen, lehnte der Stadtrat kürzlich ab. Dafür setzte er das Stadtzürcher Alleenkonzept mit rekordverdächtig kleinen Föhren um.
Über diese Baustelle wurde so viel geschrieben wie selten. Gut ein Jahr war die Badenerstrasse vom Lochergut bis fast zum Albisriederplatz für den motorisierten Strassenverkehr jeweils nur einspurig befahrbar. Im Juli 2025 sollen die Bauarbeiten dann ganz abgeschlossen sein. Das alleine war nicht unbedingt grosse Meldungen wert. Doch weil einige Läden monatelang nur sehr mühsam erreichbar waren für die Laufkundschaft, wurden die Schlagzeilen gross und grösser. Nach einem Artikel auf dem Onlineportal Tsüri zogen Tele Züri und auch die NZZ nach. Die Stossrichtung: Die alteingesessene O. Kuhn Bäckerei müsse bald schliessen, weil die Kundschaft wegfalle. Grund seien aber nicht laue Gipfeli oder abgelaufene Birchermüesli, sondern die lang andauernde und laute Baustelle.
Vorstoss der FDP für notleidendes Gewerbe
Dass in der Stadt Zürich zurzeit an zahlreichen Stellen gebaut wird, hat mit der Lebensdauer der Kanalisation zu tun, aber auch mit der Fernwärme, die in vielen Quartieren installiert wird. Unter diesen Baustellen leidet das Gewerbe, denn die Kundschaft bleibt aus. Daraufhin wurde die Stadtzürcher FDP aktiv.
Am 21. August 2024 reichten die Gemeinderäte Emanuel Tschannen und Sebastian Vogel (beide FDP) eine Motion ein mit dem Ziel, „durch Baustellen auf öffentlichem Grund nachweislich entstandene Umsatzeinbussen von Selbstständigerwerbenden und kleinen Unternehmungen (mit maximal 50 Mitarbeitenden) zu entschädigen“. Dies betreffe jene Firmen, die auf Laufkundschaft angewiesen seien. „Die Entschädigung soll 50 Prozent der während der mindestens dreimonatigen Bautätigkeit erlittenen Umsatzeinbusse betragen“, so Tschannen und Vogel, die beide in Stadtzürcher Gewerbevereinen tätig sind.
Nein, aber …
Im Februar nun kam die Antwort des Stadtrats (GR-Nr. 2024/378), die sich über sechs Seiten erstreckt. Grundtenor: zu teuer, zu kompliziert, zu ungerecht gegenüber anderen Firmen, die nicht so direkt betroffen seien von Baustellen. Als unlösbaren Knackpunkt sieht der Stadtrat zudem die Art, wie man den entgangenen Umsatz überhaupt eruieren soll.
Immerhin, der Stadtrat will zwar keine Motion zum Thema entgegennehmen, weil diese zu verbindlich wäre. Er ist aber laut eigenen Angaben bereit, den Vorstoss als Postulat (sprich als Anregung) entgegenzunehmen. So will er laut seiner Antwort „organisatorische Verbesserungen prüfen, die den Betroffenen dabei helfen sollen, allfällige Immissionen durch städtische Baustellen besser abzufedern. Konkret spricht er von frühzeitiger Kommunikation auch bei kürzeren Bautätigkeiten, Massnahmen zur Verbesserung der Sichtbarkeit und Erreichbarkeit der betroffenen Unternehmen, Pop-up-Flächen auf öffentlichem Grund und so weiter.
Kleine Bäume, was nun?
Die Stadt will also Gewerbler künftig womöglich weniger im Regen stehen lassen, ihnen helfen, wenn Bauabsperrungen im Wege stehen. Nicht unbedingt zur Attraktivität der Läden an der Badenerstrasse tragen hingegen die eben gepflanzten Alleebäume bei. Die Föhren sind keine 1,80 Meter hoch. Wetten, dass sie die nächsten Weihnachten nicht überleben? Entweder sind sie vorher Vandalen zum Opfer gefallen oder stehen dann abgesägt und zweckentfremdet als Weihnachtsbäumchen in irgend einer Wohnung.
Eine Prognose von Rathuus, welche das Tiefbauamt jedoch nicht gelten lässt, ebenso nicht der womöglich höhere Preis, den man für grössere und robustere Bäume hätte bezahlen müssen. „Der Preis der Bäume war nicht der ausschlaggebende Punkt für die drei kleineren Föhren an der Badenerstrasse. Kleinere Bäume wachsen besser an und entwickeln sich rascher“, heisst es vom Tiefbauamt auf Anfrage.

Herzig sind sie ja, die Miniaturföhren entlang der Badenerstrasse in der Stadt Zürich. Bild: Lorenz Steinmann
Unsere Newsletter und unsere Podcast-Folgen auf Steady sind der richtige Ort dafür – kommentiere dort und sag uns, was du denkst:
Zu unseren Steady-Beiträgen
Oder schreib uns eine E-Mail: redaktion@rathuus.ch