Der Spielbetrieb in der Super League hat begonnen. Perfekte Gelegenheit für die Fans des FCZ und von GC, sich wirklich mal zu beweisen. Ein neues Hardturm-Stadion sollte es nur ohne ständige Ausschreitungen geben. Ein Kommentar.
In Zürich rollt der Ball wieder. Hoffen wir, dass nicht gleich Pyros und Fäuste hinterherfliegen. Die friedliche Stimmung während der Fussball-Europameisterschaft der Frauen hat uns alle verwöhnt. Glückliche Fans, keine Gewalt – so muss Sport sein.
Für die Stadtzürcher Clubs dürfte der Meisterpokal auch in der Saison 2025/26 unerreichbar bleiben, zumindest deuten das die bisherigen Leistungen an. Doch sollten sich am Ende entweder die Young Boys aus Bern, der FC Basel oder vielleicht sogar der FC Thun an der Tabellenspitze sonnen, wäre das kein Drama. Hauptsache, wir erleben in der Limmatstadt mal eine Saison ohne grössere Ausschreitungen.
Das erste Derby zwischen dem FC Zürich und den Grasshoppers steht zwar erst Anfang Oktober auf dem Spielplan, doch einige Unverbesserliche dürften sich schon heute auf die Scharmützel vor und danach freuen. Das ist sehr bedauerlich, weil die grosse Mehrheit der Zürcher Fussballfans einfach gern den Sport geniessen würde.
Das führt mich zu einem Gedanken, den vermutlich schon einige Personen hatten, die weder dem einen noch dem anderen der zwei Stadtzürcher Klubs besonders nahestehen. Warum genau sollten die Fans dieser Vereine mit einem neuen Fussballstadion auf dem Hardturm-Areal belohnt werden, wenn ein Teil von ihnen immer wieder marodierend durch die Quartiere zieht und alles vollsprayt, was nicht bei drei auf dem Baum ist?
Die Situation ist verzwickt.
Stadion Letzigrund erfüllt seinen Zweck
Das geplante Projekt Ensemble mit Stadion, Genossenschaftssiedlung und zwei markanten Hochhäusern wird vollständig privat finanziert. Die Stadt kann auf dem Grundstück nicht einfach ausschliesslich gemeinnützige Wohnungen bauen oder einen grosszügigen Park anlegen. Sie hat sich gegenüber der ehemaligen Grossbank Credit Suisse (heute UBS) vertraglich dazu verpflichtet, auf dem Areal ein Stadion zu errichten.
Streng genommen wollen übrigens die Vorsorgestiftungen der Credit Suisse gemeinsam mit ihren Projektpartnern bauen – und nicht die Bank selbst. Diese Einrichtungen blieben nach dem Niedergang der CS bestehen. Einziger Unterschied zu früher: Nach Abschluss der Integration der CS in die UBS soll für alle Mitarbeitenden in der Schweiz dasselbe Vorsorgemodell gelten. Ob aus heutiger Perspektive langfristig gesehen ein Stadion ein gutes Renditeobjekt ist, müssen Finanz-Fachleute entscheiden.
Nach diesem Banken-Exkurs soll ausserdem nicht vergessen gehen, dass sich die Stimmberechtigten demokratisch für ein neues Stadion ausgesprochen haben.
Doch der Letzigrund mit all seinen Vor- und Nachteilen als Fussball- und Leichtathletikstadion erfüllt eigentlich seinen Zweck: In Zürich kann auf professioneller Ebene Fussball gespielt werden. FCZ und GC sind nicht in einer Situation wie der FC Lugano und müssen ausweichen, wenn sie dereinst wieder einmal europäisch mittun dürfen.
Verantwortliche sollen endlich Verantwortung übernehmen
Aus meiner Sicht geht es ums Prinzip. Es darf nicht sein, dass die Vereine für ihre Fans kaum Verantwortung übernehmen müssen, sobald diese ausserhalb des Stadions sind. Kollektivstrafen oder personalisierte Tickets sind vielleicht unpopulär und wohl sogar unfair, aber unter Umständen nötig, wenn sich trotz diverser Versuche niemand von den Verantwortlichen dazu durchringen kann, einmal Tacheles zu reden.
Das Gewaltproblem muss endlich gelöst werden. Und wenn sich gar nichts bewegt, dann soll die Stadt das Areal halt an die UBS zurückgeben. Mein Vorschlag: Eine Saison ohne Ausschreitungen – dann bringe ich den Spaten persönlich. Bis dahin bleibt er im Geräteschuppen.

So sah das Hardturm-Stadion 1987 aus. 2008 wurde es abgerissen. Bis der schon ewig geplante Neubau steht, dürfte es noch einige Zeit dauern. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_LC1028-005-003, Bildmontage: Rathuus
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