Der Zürichsee ist das Rückgrat der Wasserversorgung in der Stadt Zürich und darüber hinaus. Damit weiterhin sauberes Trinkwasser aus dem Hahn ins Glas läuft, sind Millioneninvestitionen geplant. Eine grosse Herausforderung sind zudem die invasive Quaggamuschel und die Ewigkeitschemikalien PFAS.
Es ist heiss und die Temperaturen machen vielen Menschen zu schaffen. Dass die Hitzewellen immer heftiger ausfallen, hat nicht nur Auswirkungen auf unseren Nationalfeiertag. Zum Leidwesen vieler Besucherinnen und Besucher von 1.-August-Feiern musste im Kanton Zürich wegen der anhaltenden Trockenheit auf Feuerwerk und Höhenfeuer verzichtet werden.
Ist es zu lange zu trocken, dann steigt die Waldbrandgefahr, die Pegelstände der Flüsse sinken und den Bauern fehlt das Wasser. Pfungen rief zum Beispiel schon im Juni zum Wassersparen auf. Es reiht sich gerade schlechte Nachricht an schlechte Nachricht. Da kommt die Medienkonferenz der Wasserversorgung Zürich in Altstetten gerade recht.
Die Good News gleich vorweg: Der Stadt Zürich und 67 Partnergemeinden wie Niederglatt, Uster oder Kappel am Albis wird das Wasser in nächster Zeit nicht ausgehen. Der Hauptgrund dafür ist der Zürichsee. Er liefert rund 70 Prozent des benötigten Trinkwassers für die Limmatstadt, je 15 Prozent stammen aus Grund- und Quellwasservorkommen. Und weil das Wasser im See in einer Tiefe von 35 Metern gefasst wird, sorgt der ungewohnt tiefe Wasserstand der letzten Tage nicht für Probleme. „Zürich hat ein geografisches Glück wegen des Zürichsees“, sagte FDP-Stadtrat Michael Baumer vor den zahlreich erschienenen Medien.
Versorgungssicherheit ist nicht kostenlos zu haben
Damit die Versorgung mit Trinkwasser trotz des Bevölkerungswachstums und des Klimawandels auch in Zukunft klappt, stehen allerdings Investitionen an. „Eine funktionierende Infrastruktur ist nicht nur einfach angenehm, sondern die Grundlage für eine erfolgreiche und lebenswerte Stadt Zürich“, erklärte Baumer. Er ist Vorsteher des Departements der Industriellen Betriebe und damit Chef der Verkehrsbetriebe Zürich, des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich sowie auch der Wasserversorgung.
Baumer stellte gestern Donnerstag den neuen Masterplan mit dem etwas sperrigen Namen Generelles Wasserversorgungsprojekt vor. Das Dokument soll als Planungsinstrument dienen. Es enthält Prognosen bis 2040 sowie 2070. Fazit: Wenn Werke, Reservoire und Leitungen rechtzeitig erneuert werden, dann sollte die Trinkwasserversorgung auch bei Hitzewellen, Trockenperioden oder technischen Ausfällen sicher sein.
Als grösseres Vorhaben steht laut der Wasserstrategie der teilweise Ersatz der rund 30 Kilometer langen Quellwasserleitung aus dem Sihltal und dem Lorzental im Kanton Zug bevor. Zudem werden laufend zum Teil sehr alte Leitungen ersetzt, pro Jahr sind es gemäss Planung rund 25 Kilometer. Ebenfalls vorgesehen ist der Neubau des 1914 erbauten Seewasserwerks Moos in Wollishofen. Es könnte voraussichtlich 2040 in Betrieb genommen werden. Anschliessend soll die Modernisierung des 1960 erbauten Seewasserwerks Lengg im Kreis 8 folgen.
"Wir müssen unsere Ressourcen schützen", sagte Adrian Rieder von der Wasserversorgung. Bild: Pascal TurinDie jährlichen Ausgaben belaufen sich nach aktuellem Stand auf etwa 35 bis 45 Millionen Franken. Davon sollen rund 25 bis 30 Millionen Franken in die Erneuerung des Leitungsnetzes fliessen. Und der Neubau des Seewasserwerks Moos wird wohl mehrere hundert Millionen Franken kosten, führte Adrian Rieder, Leiter Verteilung bei der Wasserversorgung, aus. Im Moment sind Variantenstudien in Erarbeitung.
Am Horizont zeichnet sich deshalb eine Gebührenerhöhung ab. Die Wasserversorgung ist zwar nicht gewinnorientiert, sollte aber kostendeckend finanziert sein.
Der Wasserverbrauch nimmt langsam wieder zu
Für viele überraschend dürfte sein, dass trotz Trockenheit und Hitze der Wasserverbrauch bis Ende der 1970er-Jahre in Zürich viel höher war als heute. Grund war die damals stärker vorhandene Industrie. Durch das Bevölkerungswachstum und die Verdichtung steigt der Verbrauch nun aber langsam wieder an. 2026 lieferte die Wasserversorgung bisher am 25. Juni mehr Wasser als an allen anderen Tagen in diesem Jahr, nämlich rund 242’000 Kubikmeter, was 242 Millionen Litern oder etwa 161 Millionen 1,5-Liter-Cola-Flaschen entspricht. Bis Ende Juni waren es an einem durchschnittlichen Tag rund 160’000 Kubikmeter, also 160 Millionen Liter oder rund 107 Millionen 1,5-Liter-Cola-Flaschen.
Für die Stadt Zürich und ihre Vertragspartner prognostiziert die Wasserversorgung bis 2040 einen durchschnittlichen Tagesverbrauch von rund 190’000 Kubikmetern. Der maximale Tagesverbrauch könnte dann 300’000 Kubikmeter betragen.
Quaggamuscheln und PFAS-Rückstände als Herausforderung
Doch nicht nur die Erneuerung der Anlagen und der langsam steigende Wasserverbrauch beschäftigen die Wasserversorgung Zürich. Eine grosse Herausforderung ist die schädliche Quaggamuschel. Sie verdrängt einheimische Tierarten und kann Wasserfassungen für Trinkwasser verstopfen. Die Wasserversorgung desinfiziert die Seeleitungen darum mit sogenannten Stosschlorungen. Dabei wird die Seeleitung mit einer chlorhaltigen Lösung gespült, um die Larven der Muscheln abzutöten.
Zunehmend problematisch sind ausserdem die Ewigkeitschemikalien PFAS (Per- und polyfluorierten Alkylverbindungen). Sie sind in der Umwelt nahezu nicht abbaubar, wie das Bundesamt für Umwelt auf seiner Website schreibt. Das Aufbereiten des Trinkwassers wird durch PFAS immer teurer. Die Zeche zahlen am Ende die Verbraucherinnen und Verbraucher.
Immerhin: Die Chance ist sehr gering, dass der Zürichsee dereinst als Trinkwasserressource komplett ausfällt, weil er gravierend verschmutzt wäre und das Seewasser gar nicht mehr aufbereitet werden könnte. Zu diesem Schluss kommt eine Risikoanalyse. Aber: „Wir müssen unsere Ressourcen schützen“, betonte Rieder. Sei es der See, das Grundwasser oder die Quellen. „Wasser ist nicht ersetzbar.“
In der Steuerzentrale im Grundwasserwerk Hardhof wird die Wasserversorgung überwacht. Bild: Pascal Turin
FDP-Stadtrat Michael Baumer stellte den Medien den Masterplan Generelles Wasserversorgungsprojekt vor. Bild: Pascal Turin
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