14 Städte und Dörfer in der Zürcher Agglo haben gross angerührt und „New Zurich“ lanciert. Mit der Standortinitiative will man sich ein eigenes Profil geben. Allerdings müssen jetzt Taten folgen, damit das Hochglanz-Projekt nicht als Marketinggag endet.
Die Medienkonferenz in der Eventlocation The Hall in der Nähe des Bahnhofs Stettbach war gut besucht. Das ist in Zeiten der rasant schwindenden Medienvielfalt durchaus aussergewöhnlich – insbesondere wenn es sich nicht um einen Skandal handelt und die Organisatoren eher in der Super League als in der Champions League spielen.
Doch das Interesse am Medienanlass des Wirtschaftsnetzwerks Flughafenregion Zürich (FRZ) hatte einen guten Grund. Es wurde die Entwicklungsstrategie „New Zurich“ vorgestellt.
Der Name geisterte schon länger durch die Presse. Die „NZZ am Sonntag“ hatte früh von der Sache Wind bekommen und im März davon geschrieben, dass die Flughafenregion zur globalen Metropole werden möchte – für die Medien natürlich ein gefundenes Fressen. Der „Tages-Anzeiger“ fragte sich: „Gemeinden im Norden Zürichs wollen bieten, was die Stadt nicht kann. Doch ist die Agglomeration überhaupt bereit?“
Stellten "New Zurich" vor (v. l.): Strategieberater Thomas Sevcik, Peter Spörri, Stadtpräsident von Wallisellen, FRZ-CEO Rahel Kindermann Leuthard und FRZ-Präsident André Ingold. Bild: Pascal TurinDie Gemeinden sollen alle selbstständig bleiben
Zur FRZ gehören neben über 850 Unternehmen auch 14 Städte und Dörfer, darunter grössere Gemeinden wie Opfikon, Kloten, Wallisellen oder Dübendorf und kleine Orte wie Nürensdorf oder Winkel. Es sind also Städte dabei, die in den letzten Jahren stark gewachsen sind und mittlerweile durchaus urbanen Charakter haben. Gleichzeitig sind Dörfer Teil des Vereins, die böse Zungen als typische Schlafgemeinden bezeichnen würden.
Kurz gesagt: Der Begriff Flughafenregion ist breit gefasst.
FRZ-Geschäftsführerin Rahel Kindermann Leuthard sprach an der Medienkonferenz von einer Region, in der sich unglaublich viel bewegt. „New Zurich“ sei kein fertiger Masterplan, sondern eine Entwicklungsstrategie und auch ein Denkanstoss. Es wurde ein sogenannter Strategiereader präsentiert, eine aufwendig gestaltete, gebundene Publikation mit rund 100 Seiten. Diesen kann man bei der FRZ bestellen.
Im Reader werden interessanterweise Orte wie Uster genannt, die nicht Mitglied der FRZ sind. Die räumliche Definition von „New Zurich“ folgt sowohl sozioökonomischen als auch verkehrs- und siedlungstechnischen Überlegungen. Arbeitsmärkte oder Mobilität enden nicht an Gemeindegrenzen. Das scheint auch die Ansicht des abtretenden Walliseller Stadtpräsidenten Peter Spörri (SP) zu sein. Er war bis April FRZ-Vorstandsmitglied. „Wallisellen ist jetzt exemplarisch da, es könnte Kloten, Volketswil, Opfikon oder Dübendorf sein“, sagte er. Spörri betonte, dass Wallisellen allein zu klein sei, um in Sachen Standortförderung grosse Firmen anzusprechen – ob national oder international. Er sieht die Gemeinden als gemeinsamen Wirtschaftsraum.
Eine Grossstadt wird „New Zurich“ aber höchstens im übertragenen Sinn – politisch sollen die Gemeinden eigenständig bleiben, wie an der Medienkonferenz mehrfach betont wurde. Vorstellen könnte man sich zwar schon, dass dereinst die Bezirksgrenzen im Kanton neu gezogen werden. Das dürfte jedoch Zukunftsmusik bleiben, wie 2025 schon der Regierungsrat feststellen musste. In vielen Gemeinden gibt es für ein solches Unterfangen aktuell nur wenig bis keine politische Zustimmung.
Der Name ist clever gewählt, aber nicht mutig
Der Name „New Zurich“ ist auf den ersten Blick clever gewählt. Der Kanton Zürich zählt bekanntlich zu den wirtschaftlich stärksten Regionen Europas. Aber bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass das Label nicht besonders mutig ist.
„New Zurich“ funktioniert vor allem unter den Eingeweihten und natürlich in der nach Storys gierenden Medienwelt – die sich ja mehrheitlich auf Zürich fokussiert.
Auf die Strahlkraft der Zwinglistadt möchte die FRZ offensichtlich nicht verzichten. Vermutlich, weil das keine allzu gute Idee wäre. Die Oberen von globalen Unternehmen meinen mit Zürich seit jeher den Grossraum – dafür trägt ja schon der Marketing-Verbund Greater Zurich Area bei. Dessen Wirkungsradius reicht von Schaffhausen bis ins Tessin.
„New Zurich“ braucht das alte Zürich, um beispielsweise für Kongresse erfolgreich gegen internationale Konkurrenz wie etwa die Metropolregion Barcelona anzutreten. Die Zürcher Bahnhofstrasse hat dann halt doch stärkere Magnetwirkung als jene in Dübendorf.
Zum Wirtschaftsnetzwerk Flughafenregion Zürich gehören neben über 850 Unternehmen auch 14 Städte und Dörfer, darunter grössere Gemeinden wie Opfikon. Bild: Flughafenregion ZürichFRZ konnte Zürich Tourismus als Partner gewinnen
Die FRZ möchte sich fünf Entwicklungsfeldern widmen. Im Fokus stehen Digitalisierung und IT, Luftfahrt und Weltraumwirtschaft, Headquarter oder zumindest regionale Hauptsitze von internationalen Unternehmen, die Gesundheitsbranche sowie die Kongress- und Veranstaltungsbranche.
Ganz neu ist daran nur wenig. Hinter vorgehaltener Hand wird das gross angerührte Vorhaben deshalb von einigen belächelt. Positiv formuliert kann man jedoch sagen, dass „New Zurich“ auf vorhandene Stärken setzt. Im Innovationspark Zürich auf dem Areal des Flugplatzes Dübendorf befinden sich zum Beispiel bereits der Space Hub der Universität Zürich und das Start-up Dufour Aerospace, das Transportdrohnen für medizinische Zwecke entwickelt.
Für jedes Entwicklungsfeld will man Partner gewinnen. Diese sollen die Umsetzung fachlich, organisatorisch oder finanziell mittragen. Für den Bereich Kongresse und Events hat man die Vermarktungsorganisation Zürich Tourismus an Bord holen können. „‚New Zurich‘ ist kein Gegenentwurf zur Stadt Zürich“, so FRZ-Präsident André Ingold. Laut dem SVP-Stadtpräsidenten von Dübendorf würden sich die Standorte ergänzen. Die Flughafenregion habe andere Stärken: mehr Raum und damit mehr Möglichkeiten für neue Entwicklungen.
Die Entwicklungsstrategie „New Zurich“ liegt damit als Reader auf dem Tisch. Ob aus dem Denkanstoss mehr wird, zeigt sich in den kommenden Jahren.
Vielleicht nutzen die Verantwortlichen der FRZ die Gunst der Stunde und springen auf einen bereits fahrenden Zug auf: Gemäss dem „Tages-Anzeiger“ möchte eine Gruppe um ZSC-CEO Peter Zahner das Eidgenössische Schwingfest 2040 in die Region Zürich holen. Als Veranstaltungsstandort wurde der Flugplatz Dübendorf ins Spiel gebracht. Ein Ort im Herzen von „New Zurich“.

Dübendorf, das ist nach Zürich, Winterthur und Uster immerhin die viertgrösste Stadt im Kanton. Der Vorort wächst und wächst – und ist ein Teil von "New Zurich". Bild: Flughafenregion Zürich
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