Der Zürcher FDP-Gemeinderat Sebastian Vogel ist der neue Präsident der Kommission Hochbaudepartement, Stadtentwicklung. Im Interview spricht er unter anderem über die ungewohnte Ausgangslage vor der Abstimmung zu den Hochhausrichtlinien.
Seit neun Jahren gehört der selbständige Weinhändler Sebastian Vogel dem Stadtzürcher Gemeinderat an. Auf die neue Legislatur hin hat der FDP-Politiker in die Sachkommission Hochbaudepartement, Stadtentwicklung gewechselt – und gleich das Präsidium übernommen.
In knapp zwei Monaten kommt eine für Zürichs Wohnzukunft durchaus entscheidende Vorlage an die Urne. Am 27. September entscheidet die Stimmbevölkerung über die BZO-Teilrevision „Hochhäuser“. BZO, das ist die sagenumwobene und immer hitzig diskutierte Bau- und Zonenordnung, die bestimmt, wo und wie in einer Gemeinde gebaut werden kann.
Rathuus trifft den 47-Jährigen in seinem Büro an der Weinbergstrasse im Kreis 6. Die Räume strömen viel Geschichte aus. Das Südtirol ist allgegenwärtig mit Bildern und Erinnerungsstücken als eine der Gegenden, von wo Sebastian Vogel als Inhaber in vierter Generation Weine importiert. Beim Besuch um 10 Uhr gibt es aber alkoholfreien Most.
Sebastian Vogel, Ihnen wurde kurzfristig und überraschend das Präsidium der Sachkommission Hochbaudepartement, Stadtentwicklung angeboten. Wie lief das ab?
Nachdem viele Jahre Matthias Egloff von der SP Präsident war, wäre das Präsidium im Mai an Flurin Capaul von der FDP gegangen. Weil Flurin aber leider nicht mehr wiedergewählt wurde, fragte mich Fraktionschef Michael Schmid an. Und weil ich seit 2017 in der Kommission Tiefbau- und Entsorgungsdepartement, Departement der Industriellen Betriebe war, bot sich ein Wechsel durchaus an und ich sagte zu.
Was haben Sie persönlich zu tun mit den Themen?
Zurzeit wird gebaut neben unserem Grundstück an der Weinbergstrasse, da bin ich persönlich betroffen. (lacht). Im Ernst: Ich bin kein Architekt, aber interessiert an der Materie. Die Themen Bauen und Stadtplanung sind hochpolitisch und stehen voll im Fokus der Öffentlichkeit, das interessiert mich.
Was nehmen Sie aus Ihrer vorherigen Tätigkeit in der Sachkommission Tiefbau- und Entsorgungsdepartement, Departement der Industriellen Betriebe mit?
Ich kenne Themen wie Natur- und Baumschutz, sowie die Energie und allgemein die Umwelt gut. Das kann ich einbringen, weil sie auch beim Hochbau wichtig sind.
Was ist grob gesagt der Job eines Kommissionspräsidenten ausser viel Arbeit?
Tatsächlich gehören viel Aktenstudium und viele Hintergrundgespräche dazu. Das kann schnell 20 Prozent Mehrarbeit ausmachen. Wichtig sind zudem die Kontakte während der Gemeinderatssitzung. Jeweils am Dienstag von 17 bis 20 Uhr ist Kommissionssitzung. Ich leite diese Sitzungen, wobei ich mich da politisch zurücknehme. Zeitlich summiert sich das schon neben der Gemeinderatssitzung am Mittwoch und der Fraktionssitzung.
Was ändert sich, weil das Hochbaudepartement mit SP-Stadtrat Tobias Langenegger einen neuen Chef hat?
Wie ich gehört habe, kam Vorgänger André Odermatt an jede Sitzung der Kommission. Da fand also immer ein guter Austausch statt. Wegen des zweiten Wahlgangs fürs Stadtpräsidium konnte ich beide Stadträte erleben. André Odermatt hatte immer ein offenes Ohr für die Bauherren und wusste, was möglich ist und was nicht. Tobias Langenegger zeigt sich sehr interessiert und ist höchst wissbegierig.
„Lustigerweise wurde ich im Wahlkampf hin und wieder wegen der gleichen Frisur mit Tobias Langenegger verwechselt.“
Kannten Sie sich vorher schon, also Tobias Langenegger und Sie?
Nein. Wobei wir lustigerweise im Wahlkampf hin und wieder wegen der gleichen Frisur verwechselt wurden.
Mit der BZO-Revision und der kurz bevorstehenden Abstimmung über die BZO-Teilrevision Hochhausrichtlinien liegen brisante Themen auf dem Tisch. Wieviel Stress bedeutet das für Sie?
Das Thema wird in den nächsten Wochen sicher kontrovers diskutiert in der Öffentlichkeit. Speziell ist dabei, dass die Ausgangslage unüblich ist. Der Stadtrat geht mit FDP, GLP und Mitte ins Rennen.
Dann haben Sie den links-grünen Stadtrat auf Ihrer Seite?
Es kommt zu einer Urnenabstimmung mit zwei Varianten: die Vorlage des Gemeinderats – vom Parlament stark verkleinert – und die ursprüngliche Vorlage des Stadtrats als Gegenvorschlag. Der Gemeinderat strich viele vom Stadtrat geplante Gebiete zusammen, um eine Welle von Neubauten zu verhindern. So etwa in Altstetten, Albisrieden und Schwamendingen. Gegen diese stark reduzierte Version des Parlaments ergriffen FDP, GLP und Mitte das Referendum, was nun zur Volksabstimmung führt.
Und der Gegenvorschlag des Stadtrats entspricht Ihrem Gusto?
Nur so kommen wir voran, damit es mehr Wohnraum gibt. Der Gegenvorschlag des Stadtrats vergrössert die Gebiete für Gebäude bis 40 Meter Höhe, um den Bestand besser erhalten und weiterbauen zu können. Er setzt auf drei Höhenstufen – 40, 60 und 80 Meter – mit klaren, strengeren Öko- und Sozialvorgaben. Ab 80 Metern gilt weiterhin eine Gestaltungsplanpflicht, jeweils mit Zustimmung von Stadt- und Gemeinderat.
Was will denn die links-grüne Mehrheit des Gemeinderats?
Sie sieht deutlich kleinere Zonen für Hochhäuser vor. Sie erlaubt Häuser bis 80 Meter fast nur noch entlang von Gleisanlagen und im Zentrum von Oerlikon. Und sie will bereits ab 60 Metern Höhe eine generelle Gestaltungsplanpflicht einführen. So kommen wir nicht vom Fleck in Zürich.
Wie lautet Ihre Abstimmungsprognose?
Ich tippe auf ein knappes Rennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Bürgerlichen zusammen mit dem Stadtrat gewinnen, ist 50 zu 50.
„2006 kreierte die damalige Stadtpräsidentin Corine Mauch ein neues Amt im Präsidialdepartement, das seither ebenfalls Stadtentwicklung heisst. Damit haben wir aber nichts zu tun, obwohl gerade das Bauen sehr eng mit den Aufgaben im Präsidialdepartement verhängt ist.“
Noch zu einem anderen Thema: In Ihrer Kommission sind Hochbaudepartement und Stadtentwicklung vereint. Das tönt plausibel. Nimmt das die dringend notwendige Reorganisation der Stadtverwaltung vorweg?
Schön wär’s! Es tönt aber leider doppeldeutig und ist historisch bedingt. Vor 2006 war die Stadtentwicklung Teil des Hochbaudepartements, daher die Bezeichnung. Dann kreierte die damalige Stadtpräsidentin Corine Mauch ein neues Amt im Präsidialdepartement, das seither ebenfalls Stadtentwicklung heisst. Damit haben wir aber nichts zu tun, obwohl gerade das Bauen sehr eng mit den Aufgaben im Präsidialdepartement verhängt ist.
Dann können Sie also nicht dem Präsidialdepartement und Anna Schindler auf die Finger schauen?
Weniger. Eine Reorganisation mit Zusammenführen diverser Abteilungen in der Stadt Zürich fände ich aber sehr sinnvoll.
So, wie das die Initiative 2018 wollte, 7 statt 9 Stadträte. Initiant damals war Stefan Mühlemann.
Genau. Das Thema ist nach wie vor hochaktuell.
Apropos Stadtrat. So ein Präsidiumsjob einer Kommission müsste sich auch karrieremässig lohnen. Laufen schon Gespräche für eine allfällige Nachfolge von FDP-Stadtrat Michael Baumer? Sie sind immerhin ein Gewerbler, wie er im Buche steht, und zudem top vernetzt.
Punkto Wahlen konzentriere ich mich auf die Kantonsratswahlen 2027. Momentan stehe ich auf dem ersten Ersatzplatz hinter Kantonsrat Alexander Jäger. Den Rest sehen wir später.
Sebastian Vogel tippt auf ein knappes Resultat: "Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Bürgerlichen zusammen mit dem Stadtrat gewinnen, ist 50 zu 50." Bild: Lorenz SteinmannDer 47-jährige Sebastian Vogel wohnt mit seiner Frau und den drei Töchtern im Kreis 6. Er leitet in vierter Generation das Handelsunternehmen Weinvogel. Momentan verbringt der studierte Volkswirtschafter (Uni Fribourg) eine Woche Ferien auf Korsika.
Seit 2017 sitzt Vogel für die FDP im Gemeinderat der Stadt Zürich. Und seit Mitte Juli ist Vogel zudem Vorstandsmitglied der Stiftung PWG zur Erhaltung von preisgünstigen Wohn- und Gewerberäumen der Stadt Zürich.
Ausserdem ist Vogel Co-Präsident des Quartiervereins Unterstrass, sowie Präsident des Schweizerischen Zofingervereins, Sektion Freiburg (das ist die grösste und älteste Studentenverbindung der Schweiz). Zu guter Letzt ist er neben weiteren Vereinstätigkeiten Vorstandsmitglied des Vereins Lebensraum Zürich.

Der FDP-Gemeinderat Sebastian Vogel (47) hat eben in die Sachkommission Hochbaudepartement, Stadtentwicklung gewechselt. Diese steht wegen der kommenden Abstimmung stark im Fokus. Bild: Lorenz Steinmann
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