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Hupen statt „Dü-Da-Do“: Den Postautos geht der Dreiklang aus

Postauto, das in Richtung Haltestelle Bahnhof wiedikon fährt. Im Hintergrund die Hochhäuser an der Schimmelstrasse. Der Postbus fährt auf dem Trassee der VBZ.Malojapass statt Waldegg? Wenn Postautos aus dem Flachland in den Bergen eingesetzt werden, spart sich Postauto AG den Einbau des Dreiklanghorns. Bild: Lorenz Steinmann

Routen auf Bergstrassen gelten als Flaggschiff der Schweizer Postautos. Doch aktuell kommen immer mehr „Flachland-Postautos“ auf Alpenstrecken zum Einsatz. Auch solche aus dem Kanton Zürich. Das charakteristische „Dü-Da-Do“ hört man so kaum noch, Postauto AG spart und baut kein Dreiklang-Horn ein.

Die Ferienziele des Ehepaars aus Berlin waren schon lange festgelegt. Mit dem berühmten Schweizer Postauto ins langgezogene Safiental und über den kurvigen Malojapass ins Bergell fahren. Und an engen Strassenstellen dem weltberühmten Dreiklang-Horn „Dü-Da-Do“ live mitzulauschen.

Denn das charakteristische „Dü-Da-Do“ – 1924 eingeführt, um auf Bergpoststrassen andere Verkehrsteilnehmer zu warnen – ist das Top-Erkennungszeichen der Schweizer Postautos. Das 120 Dezibel laute Dreiklang-Horn ist Rossinis Oper „Wilhelm Tell“ entlehnt und entfacht bei den meisten Passagieren ein wohliges Gefühl, wenn sie es hören.

Schweizerischer geht fast nicht.

Doch die Fahrgäste trauten ihren Ohren nicht: Auf beiden Strecken blieb das berühmte Dreiklanghorn stumm. Stattdessen drückte der Chauffeur in engen Kurven einfach auf die Hupe. „Trööt“ statt „Dü-Da-Do“.

Der erste Gedanke: „Gaaht’s no“? Oder auf Berlinerisch: „Haben se dir ins Jehirn jeschissen?“.

Der zweite Gedanke: So schade. Aber warum nur? „Während der Fahrt nicht mit dem Chauffeur sprechen“, lautet das Schild in Postautos. Das nahm sich besagtes Ehepaar zu Herzen – und fragte bei Rathuus an.

Zu sehen ist ein Postauto von oben auf der Bergpoststrecke Derborence. Die Strasse ist eng und in Fahrtrichtung rechts gesehen geht es sehr steil in ein Tobel.Auf Bergpoststrecken – etwa hier in Derborence – nutzen Postautos das Dreiklang-Horn öfter. Wenn es denn im Fahrzeug installiert ist. Bild: zvg/Postauto

Katharina Merkle von der Medienstelle der Postauto AG mag die Antworten nicht schriftlich geben. Lieber folgen sieben Links zu zugegebenermassen wunderbaren Postautogeschichten. Steile Strecken, abgelegene Täler, urchige Werkstätten und bärtige Fahrer. Wer nicht total gegen die gelben Nationalheiligtümer ist, schmilzt dahin.

Zeit zum Sinnieren. Postauto AG, war da nicht etwas mit einem Subventionsbetrug? 205 Millionen musste die Post an Bund, Kantone und Gemeinden zurückzahlen, nachdem man jahrelang die Betriebsbuchhaltung systematisch manipuliert hatte. In wenigen Wochen stehen sieben ehemalige Top-Manager vor dem Berner Wirtschaftsstrafgericht deswegen.

Postauto baute zudem Publibike auf. Das Bikesharing-System bereitet bis heute Sorgen und wurde in der Zwischenzeit privatisiert. Speziell war, dass um 2015 die Post Millionen in das defizitäre System pumpte und so private Konkurrenz ausstach.

Am Posthorn soll nicht gerüttelt werden

Und damit zurück zu heute – zur Frage mit dem Post-Dreiklang. Ja, das mit dem fehlenden Dreiklang-Horn stimme, sagt Katharina Merkle. Es gebe tatsächlich einen Fahrzeug-Engpass. Postautos würden nach einer gewissen Betriebszeit ausgemustert. Bis es Elektrobusse gebe, dauere es aber. „So kommen öfters Postautos aus dem Flachland zum Einsatz in den Bergen“, so Merkle. Und diese hätten naturgemäss kein Dreiklang. Doch das scheint zu dauern.

Zwar hat sich Postauto punkto Elektromobilität ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2035 soll jedes zweite Postauto elektrisch fahren, und „bis 2040 wird der letzte Dieselbus im gesamten Netz (inklusive aller Alpenregionen) durch ein emissionsfreies Fahrzeug ersetzt sein“.

Laut den Postauto-Unterlagen sind „rund 700 Fahrzeuge in den Schweizer Bergregionen heute noch mit diesem aus Messing gefertigten und unten am Bus montierten Signalhorn ausgestattet. 2400 Fahrzeuge gibt es, erst gut 200 oder 8,3 Prozent sind elektrisch.

Katharina Merkle versichert: „Am Posthorn wird nicht gerüttelt“. Doch bis auf Weiteres muss man sich in Geduld üben. Und in einem eher schmucklosen Dieselbus zum Beispiel aus dem Kanton Zürich über den Maloja-Pass fahren.

Für unser Paar aus Berlin ein schwacher Trost. Immerhin wird die Luft wegen der Postautoabgase dereinst besser. Spätestens in 14 Jahren.

PS: Übrigens hat es auch im Kanton Zürich als Bergstrasse ausgeschilderte Postautostrecke. Im Zürcher Oberland ist die Strasse in Richtung Hulftegg ab der Kantonsgrenze als Bergpoststrasse bezeichnet. Aber ob dort wohl Fahrzeuge mit dem berühmten Posthorn eingesetzt werden?

Ein Mercedes-Postauto im Jahr 2001, wie es über den Berninapass fährt. im Hintergrund Schneeberge wie der Piz Cambrena.Die traditionelle Alpenpost, hier 2001 auf dem Berninapass. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / SIK_03-074561
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